Beschreibung

Wo dein Herz ist, wird auch dein Anker sein ... Liebesschlösser, Listen und Sprüche für alle Lebenslagen gehören ebenso zu Julie-Marie Sommer, wie das Signal kurz-kurz-lang, zum Leuchtturm von Norderney. Die Physiotherapeutin ist in die ostfriesische Insel mit den weiten Stränden und den traumhaften Sonnenuntergängen verliebt - aber auch in Sven. Allen Vorsätzen zum Trotz schenkt sie dem attraktiven Berufsschullehrer ihr Herz und zieht zu ihm. Bei ihrem Umzug geht ein Spiegel zu Bruch, was bekanntlich nicht gerade Glück verheißt. Julie lacht zunächst darüber, doch dann...    Leserstimmen: Eine zauberhafte und witzige Inselromanze. Man fühlt sich beim Lesen, als wäre man live auf der wundervollen Insel Norderney dabei.

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Seitenzahl: 247

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Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

Danke! Danke! Danke!

He!

Über die Autorin

Rita Roth

Sanddornliebe& Inselglück

Texte: Rita Roth – www.ritaschreibt.de

Covergestaltung: Chris Gilcher – buchcoverdesign.de

Bildmaterialien:

de.fotolia.com/id/175478365 – PointImages

de.fotolia.com/id/43251958 – Stephan Sühling

de.fotolia.com/id/93381801 – Alexandrakuz

Lektorat/Korrektorat: Textcheck Agency, Michaela Marwich

E-Book: Corinna Rindlisbacher – ebokks.de

Rita Rothc/o Papyrus-AutorenclubPettenkofer Str. 16-1810247 Berlin

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Autorin hat Seemannsgarn gesponnen!

Diese Geschichte ist frei erfunden. Namen, Personen und Handlungen entspringen der Fantasie der Autorin. Ähnlichkeiten mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

Die schönen Orte (es sind längst nicht alle!) auf Norderney, die Liebesschlösser und einen Badekarren mit der Aufschrift Standesamt gibt es tatsächlich.

1. Kapitel

Klirrend und scheppernd wirbelten funkelnde Glassplitter und Scherben wie ein Sprühregen durch die Luft. Meine Ohren klingelten, automatisch ging ich in Deckung und hielt schützend einen Arm vors Gesicht. Reglos verharrte Sven an der Stelle, an dem ihm der Spiegel aus der Hand geglitten war. Er starrte auf den Parkettfußboden in unserem Schlafzimmer, und auf die winzigen, mit dem bloßen Auge kaum sichtbaren Splitter, die sich bis in alle Ecken verteilten. Der massive, hölzerne Rahmen blieb unversehrt und lag zu seinen Füßen.

»Verdammt! Du hast mich zu Tode erschreckt!«, fluchte Sven, rührte sich aber keinen Zentimeter vom Fleck.

»Das …, das wollte ich doch nicht! Ich wollte dich nur überraschen und …«

»Ist dir perfekt gelungen!«

»Kann ich denn ahnen, dass du ausgerechnet jetzt mit meinem Spiegel beschäftigt bist?« Auf Zehenspitzen stelzte ich zu ihm hin. »Hast du was abbekommen?«, fragte ich und fegte ihm mit dem Ärmel ein paar Splitter von der Schulter. Endlich erwachte er aus seiner Schockstarre.

»Das fängt ja gut an mit uns beiden!«

Betreten sah ich ihn an, legte meine Arme um Sven und wollte ihn mit einem Begrüßungskuss versöhnen. Meinen Einzug bei ihm hatte ich mir ehrlich gesagt, etwas anders vorgestellt.

»Mein Gott, der olle Spiegel! Ist doch nicht so schlimm«, murmelte ich und tröstete mich damit, dass das Spiegelglas des wunderschönen Teils vom Sperrmüll etliche blinde Flecken aufwies und sowieso ausgetauscht werden sollte. »Nicht ärgern, Sven. Dem Rahmen ist ja nix passiert.«

»Ach Julie!«, stöhnte Sven. »Bist du dir eigentlich im Klaren darüber, was ein zerbrochener Spiegel zu bedeuten hat?«

»Na sicher! Scherben bringen Glück! Wenn das kein perfekter Einstieg in unser gemeinsames Leben ist? Du müsstest mir eigentlich dankbar dafür sein«, lachte ich und verstummte, als ich seinen unbeweglichen Gesichtsausdruck sah.

»Aber doch keine Glasscherben!!!«, rief er in oberlehrerhaftem Ton und fügte belehrend hinzu: »Wenn ein Spiegel zerbricht, bedeutet das sieben Jahre Pech! Sieben Jahre!!! Oh mein Gott! Julie, was hast du getan!« Mit beiden Händen raufte er sich das Haar, zupfte eine Scherbe daraus hervor und drehte es zu einem kleinen Dutt am Hinterkopf zusammen. Mit dem Blick eines Jungen, dem man sein Lieblingsspielzeug kaputtgemacht hatte, strich er sich durch den Bart und schaute unglücklich auf die Bescherung.

»Herr Dr. Sven-Gabriel Arends!«, rief ich ihn zur Ordnung. »Diesen Blödsinn glaubst du doch nicht wirklich?« Langsam zweifelte ich daran, ob es sich bei dem Gerede tatsächlich nur um dummes Geschwätz handelte. Immerhin glaubte er auch an Münzorakel und an diverse andere Sprüche.

Sven stand noch immer wie angewurzelt herum, also holte ich Besen und Kehrblech und fegte die groben Scherben zusammen.

»Du bist doch nicht echt davon überzeugt, dass jetzt sieben Jahre Unglück über uns hereinbrechen? Du spinnst doch!«

»Na ja. Denk doch mal an deine Kette und die Sache mit dem Arbeitsvertrag. Das lief auch nicht so, wie du wolltest. Und nur, weil du deinen Glücksbringer verloren hattest.«

»Jetzt mach aber mal einen Punkt! Das ist doch vollkommener Quatsch! Du bist ein erwachsener Mann, also wirklich! So einen Schwachsinn habe ich ja schon lange nicht mehr gehört. Hier!« Ich drückte ihm das Kehrblech in die Hand. »Kannst du schon mal die großen Stücke aufsammeln? Ich hole eben den Staubsauger. Und pass auf, dass du dich nicht schneidest!«, rief ich beim Hinausgehen und bekam Gänsehaut, als ich sah, wie er sich vor das Bett kniete und Zentimeter für Zentimeter absuchte. Es war nicht auszuhalten, wie er die scharfkantigen Scherben aufhob und in seine Hand legte, um sie dann in den Müll zu werfen.

»Lass mich mal machen!«, sagte ich und rückte den verflixten Dingern, die mich bösartig anfunkelten, mit dem Staubsauger zu Leibe. Unter dem Bett, auf der Kommode und gemeinerweise auch auf der Bettdecke hatten sie sich verstreut. »Wir beziehen das Bett neu, wischen einmal durch und dann ist alles wieder gut.« Ich verstand nicht, wieso Sven sich dermaßen aufregte und solch ein Drama daraus machte. Es war zwar ärgerlich, aber als Katastrophe konnte man einen Haufen Scherben nun wirklich nicht bezeichnen.

»Gib mal her, das mache ich lieber selbst!« Kurzerhand schnappte er sich den Sauger, grummelte diverse Flüche in seinen Bart und zeigte auf die Tür. »Hast ja Recht. Ist albern, das mit dem Aberglauben. Ich sorge hier wieder für Ordnung und die Küche überlasse ich dir.«

»Wie du meinst. Dann koche ich uns einen Kaffee!«, erwiderte ich schulterzuckend. »Und wenn du dich beruhigt hast, kannst du mir ja mal erzählen, wie dein Tag sonst so gelaufen ist. Bevor ich nach Hause gekommen bin. Hast du außer dem Spiegel noch andere Sachen rübergeholt?«

Kopfschüttelnd schloss ich die Tür hinter mir und dachte: An was für einen Typen bin ich denn da geraten? Und diesen Mann wollte ich heiraten! Aber noch hatte er mir keinen richtigen Antrag gemacht. Seinen völlig unromantischen Heiratsantrag zu Weihnachten, mit dem er mich aus einer Laune heraus überrumpelte, konnte ich so nicht akzeptieren. Mein Hang zur Romantik knallte mir an dieser Stelle wieder einmal voll dazwischen und das von ihm erhoffte Ja wollte einfach nicht über meine Lippen. Lachend hatte ich ihm vorgeschlagen, es im neuen Jahr mit einem richtigen Antrag erneut zu versuchen. Und nun zählte ich die Tage, bis zum neuen Jahr.

Enttäuscht stellte ich den Kaffee an und ließ mich auf einen Küchenstuhl fallen. Ich hatte es mir so schön vorgestellt, wie es wäre, nach Hause zu kommen und mich nach einem langen Arbeitstag in seinen Armen zu erholen.

Jetzt, wo ich zur Ruhe kam, merkte ich erst richtig, wie erledigt ich war. Nach dem vierwöchigen Urlaub wunderte mich das allerdings nicht. Mich erstaunte vielmehr die Anzahl der Entspannungssüchtigen, die ihre Feiertage auf der Insel verlebten und sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung unseres Thalassotempels warteten. Entsprechend viele Einträge standen in unserem Terminkalender, die Pausen kamen dabei bedauerlicherweise ein bisschen zu kurz. Meine Chefin schmiss den Laden aber auch unter diesen Bedingungen mit einem Lächeln und mit der ihr eigenen, unerschöpflichen Power. Trude gebührte allein dafür meine grenzenlose Bewunderung.

Der Duft des frisch gebrühten Kaffees weckte meine Lebensgeister wieder auf. Ich rief nach Sven, doch der hörte mich nicht, er fahndete noch immer wie besessen nach Scherben. Erst als ich ihm damit drohte, die Nacht auf dem Sofa zu verbringen, bequemte er sich in die Küche. Sein geliebter Kaffeeautomat schäumte die Milch auf, als er hereinkam, einen Blick auf die Maschine warf und mich augenzwinkernd lobte, dass ich alles richtig gemacht hatte. In die Kunst des Kaffeekochens hatte er mich gleich nach der Schlüsselübergabe eingewiesen. Bei meinem ersten Versuch im Umgang mit dem luxuriösen Kaffeeautomaten, kam ich mir vor wie bei einer Abschlussprüfung. Mit Auszeichnung bestand ich sie und fragte scherzhaft, ob ich nun einen goldenen Kaffeelöffel verliehen bekäme.

Typisch Lehrer!, dachte ich nur. Allerdings gehörte Sven zu den eher untypischen Vertretern dieses Berufszweiges. Schon allein wegen seinen langen Haaren, die er zu einem knuffigen Männerdutt frisierte und dem gepflegten Vollbart. Die beeindruckende Haarpracht für einen Mann seines Alters, er steuerte immerhin auf den achtundvierzigsten Geburtstag zu, wirkte an ihm kein bisschen albern, ebensowenig wie seine Vorliebe für dezent geblümte Hemden. Er war ein durch und durch männlicher Typ, und dieser Mann saß mir jetzt gegenüber und liebkoste mich mit seinen meerblauen Augen.

»Du Julie, das habe ich vorhin nicht böse gemeint«, bat er mich um Verzeihung. »Ich hatte mich nur so tierisch erschrocken und mich hauptsächlich über mich selbst geärgert. Du weißt schon, wegen meiner Spinnerei mit dem Aberglauben. Das ist wirklich blöd, nicht?«

»Echt blöd! Soll ich es dir abgewöhnen?«, fragte ich und hielt ihm die Hand hin. Wir sahen uns in die Augen, schwiegen eine Weile und mit den Fingern krabbelte ich zärtlich über die feinen, dunklen Härchen auf seinem Arm.

»Du kannst es ja versuchen. Aber das könnte zu einer Lebensaufgabe für dich werden«, grinste er vielsagend.

Wenn das keine Steilvorlage ist?, dachte ich und wartete darauf, dass noch etwas hinterherkam. Das Thema Heiraten schnitt er jedoch nicht an.

»Die Herausforderung nehme ich mit Vergnügen an. Aber nun erzähl mal, was du heute Schönes gemacht hast. Hast du Ida besucht und bist du bei der Hochtiedsstuv gewesen?« Innerlich schmunzelte ich, er hatte mir ja von seinen liebgewonnenen Gewohnheiten erzählt.

»Alles erledigt. Ida habe ich für Silvester zum Essen bei uns eingeladen und die Hochtiedsstuv steht noch«, erwiderte er augenzwinkernd. »Ja, und dann habe ich deinen Spiegel rübergeholt und den Kleinkram, der noch herumstand. Den Kleiderschrank habe ich allerdings nicht angerührt. Deine persönlichen Sachen packst du am besten selber ein. Und bei dir so? Wie war denn dein Tag?«

»Du kannst dir nicht vorstellen, was bei uns los ist«, seufzte ich. »Weihnachtliche Hochsaison, wir haben kaum Zeit zum Luftholen. Das Schöne ist aber, dass die Leute alle sehr relaxt bei uns ankommen. Ach ja, bevor ich’s vergesse, morgen muss ich erst mittags anfangen. Deshalb würde ich vorher gern in meine Wohnung rüberfahren und die restlichen Sachen holen.«

»Soll ich dir dabei helfen? Ich könnte die Schlepperei übernehmen!«, bot Sven an. Bei dem Angebot konnte ich natürlich nicht Nein sagen. »Wenn du nicht so früh raus musst, dann lass uns doch noch für ein Stündchen in die Milchbar gehen. Was hältst du davon?«

»Und einen Happen essen? Gerne! Ich hab einen Mordshunger!«, rief ich erfreut, wobei mein Magen wie auf ein Stichwort hin, anfing zu knurren.

»Wir könnten auch nur einen Wein trinken gehen! Als Alternative hätte ich selbst gemachte Pizza im Angebot. Die muss nur noch in den Ofen.« Sven zeigte auf das Backblech mit seiner Pizza Speciale und wartete meine Antwort gar nicht erst ab.

»Hmm lecker. Du denkst aber auch an alles!«

»Ich versuche es zumindest. Du wirst dich ja bald wieder umgewöhnen müssen, wenn die Ferien zu Ende sind. Also lass dich ruhig ein bisschen verwöhnen.«

»Wie lange braucht die Pizza denn?«, fragte ich und überlegte, ob ich in der Zeit eine To-do-Liste für ›Zwischen-den-Jahren‹ erstellen könnte. Und vielleicht auch noch die ›Silvester-Liste‹. Ich hatte mal wieder laut gedacht, das merkte ich aber erst, als Sven die Augen verdrehte und sich über mich lustig machte. Mit diesem Tick von mir zog mich zu gern damit auf.

»Julie-Marie!«, lachte er und drückte mir einen Kuss auf die Nasenspitze, »du nun wieder mit deinen Listen! Zwanzig Minuten, dann können wir essen.«

Unvermittelt blitzte es in seinen Augen auf und sein Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen.

»Was ist denn nun los? Woran denkst du gerade?«

»Nee, ausnahmsweise nicht an das, was du denkst. Kann es sein, dass dein Listentick ansteckend ist? Ich habe im Moment selbst nur noch Listen im Kopf.« Sein Lächeln wurde immer breiter, irgendetwas heckte er aus.

»Hä? Muss ich das jetzt verstehen?«

»Kannst du gar nicht verstehen.« Sven schüttelte den Kopf. »Darf’s ein Glas Wein sein? Die Pizza ist so gut wie fertig.«

»Na das fängt ja wirklich super an mit unserem Zusammenleben.«

»Zumindest ist es nicht langweilig und ich denke, mit dir wird es niemals langweilig werden. Auf uns, liebste Julie und darauf, dass ein zerbrochener Spiegel uns nichts anhaben kann.«

Angenehm satt und müde, und von dem einen Glas Wein schon leicht beschwipst, hätte ich es mir viel lieber zu Hause auf dem Sofa gemütlich gemacht. Aber Sven konnte unglaublich hartnäckig und überzeugend sein, er schaffte es tatsächlich, mich noch zu einem kleinen Spaziergang zu motivieren. Wir liebten beide das Meeresrauschen, es hatte etwas absolut Beruhigendes, und etwas Bewegung konnte uns nach dem ganzen Stress mit dem Spiegel nicht schaden.

Wir zogen unsere Mützen tief in die Stirn und ließen uns den Wind kräftig um die Nasen pusten. Von Müdigkeit konnte nach den ersten hundert Metern keine Rede mehr sein, wir wurden wieder munter. Schon von Weitem sahen wir die heimelige Beleuchtung der Milchbar im Dunkel der Nacht. Eine magische Anziehungskraft ging von dem Lokal aus, wir konnten auch heute nicht widerstehen und liefen schnurstracks darauf zu. Mit etwas Glück fanden wir sogar noch einen kuscheligen Platz in den dicken Polstern und und bestellten einen heißen Sanddornpunsch zum Aufwärmen. Belustigt schaute Sven mir auf die Finger, als ich anfing, meine Listen auszubreiten, und meinen Stift zückte.

»Du verrücktes Huhn«, murmelte er zärtlich, »sitzt hier mit dem besten und begehrtesten Mann weit und breit und hast nichts Besseres zu tun, als die Tage und Stunden durchzuplanen. Weißt du eigentlich, dass man mich heimlich ›den Inselprinzen‹ nennt?«

»Nie gehört!« Ich tat verwundert und rutschte ein Stückchen näher zu ihm hin.

Sven legte den Arm um mich, zog mich ganz nah zu sich heran und nahm mir den Stift aus der Hand. »Tja, mein Mädchen, du wirst dich noch wundern.« Seine Lippen streiften wie zufällig mein Ohr und sein Bart kitzelte auf meiner Haut. Im Hintergrund spielte leise Loungemusik und der Ärger von vorhin war schnell vergessen.

»Lass uns gehen«, flüsterte ich Sven ins Ohr. »Ich will endlich wieder in deinen Armen liegen.«

***

Die morgendliche Laufrunde am nächsten Tag ließ ich guten Gewissens ausfallen, schließlich lag das Sportzeug noch in meiner kleinen Einzimmerwohnung. Zudem gab es nichts Schöneres, als ohne Zeitdruck in den Armen meines Liebsten aufzuwachen und den Tag mit einer ausgiebigen Schmuserunde zu beginnen.

Es war ein seltsames Gefühl, als ich die Zimmertür aufschloss und mir der vertraute Geruch der letzten Monate entgegenschlug. Wehmütig sah ich mich in den wenigen Quadratmetern um, über die ich oft genug gemeckert und geflucht hatte.

Mit den Fingerkuppen strich ich über die Fensterbank und dachte an die Spinne vorm Fenster, deren kunstvoll gewebtes Netz mich jeden Morgen erfreute. Aber auch an verrückte Ideen, auf die ich durch das Insekt, das ich ›Thekla‹ nannte, gekommen war. Wie sehr ich mich in diesen vier Wänden wohlgefühlt hatte, merkte ich erst jetzt so richtig. Doch nun hieß es Abschied nehmen.

In diesem Zimmer hatte mein neues Leben seinen Anfang genommen. Mit dem Nähkästchen meiner Oma Melli, vielen Kindheitserinnerungen und mit der Gewissheit, dass Norderney meine neue Heimat wird, kam ich hier an. Es fühlte sich an, als lägen Jahre zwischen meiner Ankunft und heute, aber es waren erst ein paar Monate. Unsanft riss mich das Schrillen der Türklingel aus den Erinnerungen. Sven stand vor der Tür und wollte die ersten Sachen ins Auto laden.

»Hey, du hast ja noch gar nichts eingepackt. Ich dachte, die Koffer stehen längst unten. Was trödelst du denn so lange herum? Was ist los?«

»Ach, nichts!«

Gedankenverloren wischte ich über das Nähkästchen, in dem ich den Brief mit seinem Geheimnis um Oma Melli und ihrer letzten Liebe entdeckt hatte. Ein Traumfänger mit zwei rätselhaften Knöpfen lag auch darin, den hatte ich inzwischen allerdings dem Mann geschenkt, dem einer der Knöpfe gehörte. Ich sollte einen eigenen Traumfänger basteln, schoss es mir durch den Kopf und hoffte, dass ich es noch nicht verlernt hätte.

»Ein anständiges Mädchen hat immer eine Handarbeit!«, gab ich den Lieblingsspruch meiner Oma zum Besten und stellte Sven den Nähkasten hin. »Den kannst du schon mal einladen.«

»Schöne Erinnerungen, nicht wahr?« Sven drehte das Erbstück in seinen Händen und wusste nicht recht, wie er mit meiner ungewohnten Sentimentalität umgehen sollte. »Du willst aber …, immer noch …, zu mir ziehen? Oder überlegst du dir das gerade anders?«, vergewissere er sich.

»Alles gut! Ist nur ein winzig kleiner Anfall von Gefühlsduselei. Ist gleich vorbei.«

Fein säuberlich und mit System packte ich meine Sachen in Kartons, während Sven zum Auto flitzte und den Kleinkram darin verstaute. Ich holte gerade mein Köfferchen mit dem Tula-Equipment aus den Tiefen des Schranks, als er schon wieder neben mir stand. Es kribbelte und juckte mich in den Fingern, die Metallschlösser aufschnappen zu lassen und einen Blick auf meine dunkle Vergangenheit zu werfen, ließ das aber lieber bleiben.

»Was haben wir denn da? Von einer Schatzkiste hast du mir ja gar nichts erzählt.«

»Darin sind nur ein paar sehr persönliche Sachen. Sei so gut und lass einfach die Finger davon.« Mit großen Augen sah er mich an und wartete darauf, dass ich ihm den Inhalt zeigte. Aber da konnte er lange warten.

»Solange ich die Finger nicht von dir lassen soll, ist alles gut. Obwohl …« Er zog mich an sich und flüsterte mir ins Ohr: »Mach es nur einmal kurz auf, ja? Nur einen Spalt breit.«

»Nein! Kommt nicht in Frage.«

Der olle Koffer gehörte auch zu dem Fundus an schönen Dingen, die ich vorm Sperrmüll gerettet hatte. Das Schloss funktionierte nicht mehr, aber sonst war er völlig in Ordnung und erweckte den Eindruck, als ob er schon viel erlebt und von der Welt gesehen hatte.

»Ich glaube, ich weiß, welche Schätzchen du darin versteckt hast. Soll ich raten?« Svens Kopfkino konnte ich ihm förmlich ansehen, in seinen Augen entdeckte ich winzige Teufelchen. »Sind das die Sachen, die du damals …, als wir uns das allererste Mal trafen …?«

Erwischt! Damit hatte er voll ins Schwarze getroffen! Mein Gesicht brannte und ich merkte, wie ich unter seinem Blick die Farbe wechselte. Triumphierend strahlte er mich an.

»In dem Köfferchen verbirgt sich also das Leben der Frau Tula?!«

»Nun zieh mich nicht schon wieder damit auf, du …, du Prinz G.!«

Ich drückte den verbeulten Koffer fest an meine Brust und trug ihn höchstpersönlich nach unten. Auf dem Weg zum Auto schickte ich Wünsche ans Universum, dass er nicht aufspringen und seinen brisanten Inhalt preisgeben sollte.

2. Kapitel

Meine Wäsche stapelte ich ordentlich gefaltet in die Fächer des Kleiderschranks, die Sven für mich frei geräumt hatte. Ich bildete mir ein, den Duft meiner Vorgängerin, den Duft von Charlotte in den Schubladen und Regalböden zu riechen. Er hing darin fest. Es war ein ungewöhnlich wilder und zugleich zarter Duft, der mir in die Nase stieg und sich in meinem olfaktorischen Gedächtnis festsetzte. Es war nicht unangenehm, aber fremd. So, als würde sie mich überallhin begleiten. Ich hatte nicht vor, mich eingehender damit zu beschäftigen, aber es war da, auch noch, als ich mich auf den Weg zur Arbeit machte.

»Bestell Trude einen schönen Gruß von mir. Frag sie mal, wo wir hier einen neuen Spiegel bekommen. Sie weiß das bestimmt.«

»Richte ich gern aus, da wird sie sich freuen. Sie hat gestern schon nach dir gefragt. Leider hatten wir keine Zeit zum Quatschen. Aber ihr Interesse an dir hat nicht nachgelassen.«

Mit einem Kuss, der nach Spekulatius schmeckte, verabschiedete ich mich, stürmte an Onno Fokken vorbei, der seine Mülltonne an die Straße stellte, und grüßte den alten Knaben gut gelaunt. Wie der sich darüber freute! Wieder eine gute Tat, dachte ich, zog mir die Mütze tief in die Stirn, setzte zu einem kleinen Sprint an und schaffte es, pünktlich an meinem Arbeitsplatz zu sein.

»He! Julie.« Trude begrüßte mich so, wie die Einheimischen sich untereinander grüßen. Geschmeichelt nahm ich es zur Kenntnis.

»Deine Augen glänzen ja heute wie Kugeln am Weihnachtsbaum. Ist wohl gestern noch ein netter Abend gewesen?« Trude faltete wieder einmal Handtücher. Immer, wenn sie dieser Tätigkeit nachging, konnte ich mich auf seltsame Fragen einstellen.

»Hmm, ja«, strahlte ich sie an. »Ich soll dich auch schön grüßen von meinem Schatz. In den nächsten Tagen will er selbst bei uns vorbeischauen und dir einen guten Rutsch wünschen.«

»Das soll er mal machen. Er hat noch gar keine Massagetermine gebucht.«

»Er will sie persönlich mit dir absprechen, hat er gesagt, als ich ihm vorgejammert habe, wie ausgebucht wir sind.«

»Der alte Schlawiner! Jedes Jahr das gleiche Spiel. Aber ich kenne ja meine Pappenheimer. Für Dr. Arends habe ich vielleicht noch ein winziges Zeitfenster offen.«

»Das ist ja die reinste Kungelei! Ach ja, noch was. Weißt du, woher wir ein neues Glas für einen Spiegel bekommen? Hast du einen guten Tipp für mich?«

»Sieh du erstmal zu, dass du dich um deinen nächsten Kunden kümmerst. Ich sag dir nachher Bescheid.« Trude klatsche mit der flachen Hand auf einen Stapel flauschiger Frotteehandtücher und zeigte auf die Tür.

Meine nächste Kundin, hier sprach man nicht von Patienten, kam mir irgendwie bekannt vor. Bei den vielen Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun hatte, war es kein Wunder, dass ich sie nicht sofort einzuordnen wusste. Elfriede Brunner, der Name sagte mir nichts.

Bereit, sich Gutes tun zu lassen, rekelte sie sich auf der Liege, steckte die Nase durch die Öffnung im Kopfteil und plapperte schon munter drauflos, während ich noch das Lavendelöl in meinen Händen anwärmte.

»Wir begehen ja jetzt die magische Zeit der Raunächte«, säuselte sie entspannt und weihte mich zwanzig Minuten lang in diverse Bräuche und Erkenntnisse ein. Sie erklärte mir, dass die Nächte zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige, am sechsten Januar, Symbolkraft besäßen. »Ich schreibe meine Träume auf und pflege gewisse Rituale. Immerhin steht jede dieser Nächte für einen Monat des neuen Jahres. Und was die Träume mir verschlüsselt mitteilen, das wird sich in dem zugehörigen Monat erfüllen.«

So ganz verstand ich nicht, wovon sie sprach.

»Ist ja interessant«, pflichtete ich ihr bei und dachte mit einem zufriedenen Lächeln an die letzte Nacht mit Sven zurück. Mehrmals am Tag würde ich demzufolge in dem Monat leidenschaftlichen Sex haben. Wie gut, dass Elfriede Brunner mich darüber aufgeklärt hatte!

Ich schmunzelte noch in mich hinein, als die Gute völlig unerwartet in die Hände klatschte und rief: »Jawoll! Jetzt hab ich’s! Mit Franky und der Krimi-Mimi am Surfcafé. Und da saß auch noch die mit dem verrückten Projekt. Warte mal …« Elfriede Brunner legte sich eine Kette mit dicken funkelnden Steinen um den Hals und blickte zur Decke, als ob sie dort eine geheime Botschaft lesen könnte. »Richtig! ›Ran an den Mann‹, so hieß es doch?«

Verblüfft musterte ich sie. Ich erinnerte mich sehr gut an diesen Sommerabend, der mit vielen Tränen, aber auch mit lautem Gelächter und einem guten Tropfen Wein endete.

»Ella, die Wahrsagerin?« Jetzt fiel es mir wieder ein.

»Na ja, Wahrsagerin ist etwas übertrieben. Astrologie ist nur ein Hobby von mir. Aber auch alles andere zwischen Himmel und Erde, das man nicht greifen kann, das aber trotzdem gegenwärtig ist und unser Leben beeinflusst.«

»Jetzt fällt mir auch dein Name wieder ein. Du heißt Marie. Stimmt’s?«

»Stimmt. Ich werde aber eigentlich Julie genannt. Richtig heiße ich Julia-Marie.«

»Das ist Schicksal, dass wir uns hier wiedersehen! Also, ich bin total geflasht. Nach Neujahr habe ich noch einen Termin bei dir. Wenn du willst, erstelle ich dir ein Horoskop. Musst mir nur Geburtsort, Geburtsjahr und Geburtsstunde verraten. Und am besten auch von deinem Freund, dann …«

»Dann guten Rutsch. Ich schau mal, ob ich die Daten zusammen bekomme.« Sanft schob ich meine Kundin hinaus und dankte dem Universum, dass diese Ella kein anregendes Massageöl gewählt hatte. Bereits unter der Einwirkung von Lavendel blubberte sie wie ein Wasserfall.

Unsere Badegäste meinten es gut mit uns. Durchweg freundlich und extrem großzügig steckten sie uns nicht nur Trinkgeld zu, sondern bemitleideten uns, dass wir Ärmsten zwischen den Jahren arbeiten mussten. Mein Gott, dachte ich nur, es gibt viele Firmen und Berufe, in denen zwischen den Jahren oder auch an den Feiertagen gearbeitet wird. Wir hatten es gut, an Silvester wurde der Laden mittags dichtgemacht und anschließend hatten wir bis nach Neujahr Ruhe.

Sven besorgte die letzten Sachen für einen gemütlichen Silvesterabend mit unseren Freunden. Es war nicht mehr viel, das Meiste hatten wir vom Festland mitgebracht. Wenn mein Chatzchen, so nannte ich die Männer, die ich im Chat kennengelernt hatte, nicht mit Einkäufen beschäftigt war, räumte er Sachen und Möbel in seiner Wohnung hin und her. Er putzte sämtliche Fenster und entsorgte jede Menge Kram, den er nicht mehr brauchte und tat alles dafür, damit ich mich bei ihm wohlfühlte.

Manchmal fragte ich mich, ob es die richtige Entscheidung war, sein Angebot anzunehmen und in seiner Wohnung zu leben.

»Ich möchte nur, dass du dich hier wie zuhause fühlst. Du kannst tun und lassen, was du willst. Die meiste Zeit bin ich ja sowieso nicht da.« Er öffnete die Schränke. »Schau mal, wie viel Platz da noch für dich ist. Da passt auch dein Handarbeitszeug und dein Bastelkram noch rein.«

In meinen Augen wurde es feucht, er war ja so süß. Womit hatte ich diesen Mann verdient? Vor einem Jahr wusste ich noch nicht einmal, dass es ihn gibt.

»Ich fühle mich jetzt schon wohl. Hier habe ich wenigstens Platz genug und es ist richtig gemütlich bei dir. Aber das Schönste ist ja, dass ich nicht mehr in so einem schmalen Bett schlafen muss.« Ich fiel ihm um den Hals. »Schon allein die Tatsache ist Luxus pur und ein triftiger Grund, hier niemals wieder auszuziehen.«

»Ach so ist das! Deshalb also.« Grummelnd packte er die frischen Lebensmittel in den Kühlschrank und zog mich damit auf, dass ich nur wegen seinem Bett bei ihm eingezogen war.

»Bett inklusive Mann«, korrigierte ich ihn. »Apropos Schlafzimmer. Hast du schon bei Gustav Johansson angerufen, wegen dem Spiegel?«

»Ist erledigt! Kannst du von deiner Liste streichen. Und die Termine bei euch, sind mit deiner Chefin persönlich abgesprochen. Ich habe meinen Charme spielen lassen und sie natürlich auch so bekommen, wie ich sie haben wollte.«

»Das glaube ich sofort. Wann hast du denn den Termin mit dem Johansson vereinbart?«

»War leider nur der Anrufbeantworter dran. Nach Neujahr ist er erst wieder erreichbar. Ich habe ihm aber drauf gesprochen und betont, wie wichtig es ist, dass es noch in den Ferien erledigt wird. Ich hoffe, der kriegt das geregelt. Sonst musst du dich darum kümmern.«

***

Die Silvesterstimmung auf meiner Insel fühlte sich ähnlich prickelnd an wie eine Brise, die alles Alte mit sich nimmt und im Gegenzug frische Luft und Lust auf Neues hinterlässt.

In unserer Wellnessabteilung summte es voller Power und Lebensfreude. Mit Meerespackungen auf der Schwebeliege und einer Massage stimmten sich viele unserer Gäste auf die Silvesternacht ein. Wir hatten im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Wir griffen in Meeresalgen, Muschelkalk oder den wohltuenden Norderneyer Schlick, aber auch in knubbelige Feiertagsspeckrollen. Trotz ungünstiger Arbeitszeiten liebte ich meinen Arbeitsplatz, besonders deshalb, weil es hier immer so gut duftete. In diesen Tagen vermischte sich das Aroma feiner Öle mit dem weihnachtlichen Duft von Tannen und würzigem Zimt. Und über all dem schwebte ein Hauch von Meer in der Luft.

Kaum war die Tür hinter dem letzten Gast ins Schloss gefallen, holte Trude den obligatorischen Silvestersekt aus dem Kühlschrank, stellte Berliner auf den Tisch und verteilte Glückskekse.

»Aber erst um Mitternacht aufmachen!«, drohte sie mit erhobenem Zeigefinger und biss herzhaft zu. Himbeerrote Marmelade quoll aus dem zuckrigen Gebäck und rann unserer Chefin am Kinn hinunter. Noch süßer sah sie aus, als sie es wegzuwischen versuchte, nun hatte sie das klebrige Zeug im ganzen Gesicht verschmierte. Noch immer lachend probierten wir jetzt auch die Berliner und schon bald war Trude nicht mehr die Einzige, die sich bekleckert hatte. Mein erstes Arbeitsjahr auf Ney endete mit viel Gelächter und guten Wünschen. Wir leerten die Flasche und plötzlich konnten wir nicht schnell genug nach Hause kommen. Jeder wollte sich auf die Nacht der Nächte vorbereiten.

Nach einem kurzen Mittagsschläfchen weckte Sven mich sanft aus meinen Träumen und zeigte auf die Sportklamotten, die auf dem Sofa verteilt lagen. Zu seinen geliebten Ritualen gehörte der alljährliche Silvesterlauf, auf den er sich zwölf Monate lang freute. Was sollte man von einem Sportlehrer auch anderes erwarten? Seine Vorfreude verdoppelte sich, seit ich zugesagt hatte, mit ihm gemeinsam zu laufen. Für mich war es das erste Laufevent auf Norderney. Mit Sven war ich bisher nur zweimal zusammen gejoggt. Wir harmonierten schon beim ersten Lauf, Tempo und Kondition passten, wir konnten uns sogar noch unterhalten.

Nachmittags um drei sollte es am Conversationshaus losgehen. Etliche Läufer mit strammen Waden wärmten sich auf und hüpften durch die Gegend, als wir aufkreuzten und es ihnen gleichtaten. Einige von ihnen trugen Nikolausmützen auf dem Kopf, die ambitionierteren Sportler jedoch liefen in Funktionskleidung ohne viel Schnickschnack am Start auf. Es war saukalt, aber trocken und ein nur leichter Wind wehte vom Meer herüber. Musik erklang und aus den Buden vom Winterzauber schwappte eine Mischung von Glühwein- und Bratwurstduft in meine Nase. Eine Pfeife schrillte, gab das Startsignal und schon übertönte das Getrappel Hunderter Sportschuhe den Applaus und die Musik.

Schaulustige säumten die Straßen und die Strecke entlang der Strandpromenade, die Sven und ich nahmen. Wir joggten Richtung Weststrand, bogen nach rechts auf die Strandpromenade ab, liefen vorbei an der Marienhöhe und der Milchbar, von wo aus man uns begeistert zujubelte. Dann weiter Richtung Nordstrand, vorbei an der Aussichtsplattform Georgshöhe. Wir sahen uns nur an, als wir dort vorbeikamen, lächelten und warfen uns sportliche Luftküsschen zu. Vor ein paar Monaten rutschten unsere Herzen auf dem Aussichtspunkt mit dem alten Stockanker ein großes Stück näher zusammen. Schnaufend trabten wir weiter. Die Kälte merkten wir längst nicht mehr, als die Dämmerung das Meer und den Strand in ein sanftes Licht tauchte und die Sonne einen satten roten Streifen als Abschiedsgruß für diesen Tag und für dieses Jahr an den Himmel malte.