Sarah und Pete - Sue - E-Book

Sarah und Pete E-Book

Sue

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Beschreibung

Sarah möchte mit ihren 22 Jahren ihre Leidenschaft zur Kunst zum Beruf machen. Deshalb fällt sie den Entschluss, ihre Familie in Frankfurt am Main zurück zu lassen und ihren tristen Job zu kündigen. Mit ihren Ersparnissen macht sie sich auf in die Berliner Metropole, um dort nun endlich ihren Traum zu leben. Vorerst wohnt sie bei ihrer Freundin Leila, bis sie sich durch den Verkauf eines Bildes endlich ihre eigenen vier Wände leisten kann. Voller Freude darüber, dass ihre Entscheidung des Umzuges letztendlich doch noch eine positive Wendung nimmt, lernt sie schon bald den Tänzer Pete kennen und lieben. Sarah ist endlich richtig angekommen und überglücklich. Eines Tages jedoch taucht Tom wieder auf, ein ehemaliger Teamkollege der Tanzcrew. Dieser hat jedoch nichts Gutes im Sinn, denn wegen Pete musste er ins Gefängnis ...

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Seitenzahl: 186

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 1

Es war Ende Juli in Berlin und der Sommer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Genüsslich trank Sarah an diesem Nachmittag einen Eiskaffee auf dem Balkon und schaute, in Erinnerungen schwelgend, auf die gegenüberliegenden Häuserdächer.

In einem legeren weißen Sommerkleid und mit locker hochgestecktem Haar, lag sie auf der Liege und genoss die leichte Brise, welche ab und an etwas Abkühlung verschaffte.

Als Sarah vor vier Jahren von Frankfurt am Main, damals war sie 22, hierher zu einer Freundin zog, waren ihre Eltern nicht sonderlich begeistert von ihrem Vorhaben. Um es besser auszudrücken, wäre Sarah noch nicht volljährig gewesen, dann hätten sie ihr den Umzug sicherlich verboten.

Vater und Mutter Park waren sich einer Meinung und hielten ihre Tochter für eine kleine Träumerin, die an manchen Tagen fernab der Realität zu leben schien und auf tagtägliche Wunder hoffte.

Sarah´s Mutter ermahnte sie, bloß nicht in größerer Geldnot wieder im Elternhaus angekrochen zu kommen. Sie sei alt genug und musste selbst mit eventuellen Konsequenzen zurecht kommen, sollte ihr erspartes Geld aufgebraucht und sie, Sarah, noch nicht angesehen genug geworden sein. Ihre Eltern waren nicht sonderlich streng, jedoch anders als sie eingestellt. Es musste Geld verdient werden, um monatliche Kosten bezahlen zu können, selbst wenn einem der eigene Beruf nicht der Wunschvorstellung glich.

Sarah war gelernte Bankkauffrau und befand diesen Beruf als genauso trist wie jenen der Eltern. Ihr Vater war Elektriker und ihre Mutter arbeitete als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Saßen die drei abends gemeinsam am Esstisch, beobachtete Sarah ihre Eltern und lauschte ihren Erzählungen über ihren Arbeitsalltag. Sarah fand es einfach nur eintönig.

Langweilig eben. Fiel die Frage nach dem Tag auf sie, erzählte sie ihren Eltern voller Elan von einer neuen Idee zu einem Bild, welche ihr über den Tag gekommen war.

"Eigentlich wollte ich wissen, wie es in der Bank war.", entgegnete dann ihr Vater auffordernd.

"Naja, was soll ich sagen...", begann sie mit monotoner Stimme und blickte im Wechsel erst zu ihrem Vater, dann zu ihrer Mutter. "Acht Stunden reiner Kreativitätsverlust."

Während Sarah in sich hineingrinste, schauten ihre Eltern mürrisch drein, denn sie mochten den ab und an aufkommenden schwarzen Humor in dieser Hinsicht nicht so sehr. Jedoch waren sie schon daran gewöhnt und ließen es einfach über sich ergehen.

Auch wenn Sarah mit ihrem Wunsch als Künstlerin Erfolg zu haben ziemlich alleine da stand, zumindest aus Seiten der Familie, ließ sie diesen keinen einzigen Tag aus den Augen.

So sehr sie ihre Eltern liebte und genau wusste, dass sie stets nur das Beste für sie wollten, kam schließlich der Tag der Tage, an dem sie selbstbewusst ihre Koffer nahm, um in den Zug zu steigen der sie in ihr neues Leben fahren würde.

Nun saß sie hier, seit einem Jahr in ihrer eigenen Wohnung und hatte es sich verdient, wirklich stolz auf sich sein zu können. Ihre ersten zweieinhalb Jahre in der Hauptstadt waren sehr turbulent und mit einigen Hochs und Tiefs verbunden.

Nachdem ihre Geldreserven allmählich zur Neige gingen, mit denen sie Miete und sämtliche Malutensilien bezahlte, begann sie in einem italienischen Restaurant im Sony Center zu kellnern.

Sicher gab es viele Tage, an denen Sarah zu zweifeln begann, doch sie wusste, sie würde nicht aufgeben.

Nicht weil sie es ausschließlich ihren Eltern beweisen wollte, auf eigenen Beinen stehen zu können. Nein.

Sarah wollte es sich selbst beweisen. Irgendwann, wie sie hoffte in nicht allzu ferner Zukunft, würde sie ihre eigene Vernissage bekommen.

Ebenso ihre Freundin Leila, bei der sie zu Beginn ihres Neustartes wohnte, sprach ihr stets neuen Mut zu. Sie selbst war eine angesehene Galeristin, weshalb sich die zwei auch so gut verstanden, und kämpfte einige Jahre hier. Heute besitzt sie eine eigene kleine Galerie, die sie ganz nach ihren eigenen Vorstellungen betreiben kann.

Leila sagte Sarah mehr als einmal: "Verliere nie deinen Traum aus den Augen, sondern kämpfe stetig darum, diesen zu verwirklichen. Einen Schritt hast du schließlich schon getan. Du bist hier."

Leila war für Sarah - sie wurde als Einzelkind geboren - wie eine Schwester die sie nie hatte. Leila war zu ihrer Seelenverwandten geworden und dies auf vielerlei Ebenen.

Sarah lernte sie bei einem Berlintrip kennen und natürlich auf einer von ihr ausgerichteten Vernissage, die wunderbare Werke der PopArt präsentierte. Es war ein toller Abend und all jene Eindrücke und Ereignisse prägten Sarah und bestärkten sie vor allem noch mehr in ihrem eigenen Vorhaben.

Nie wird Sarah den Namen Richard Walter vergessen. Ein älterer Mann, der ihr den Umzug in die eigenen vier Wände ermöglichte und vor allem genug freie Zeit verschaffte, so dass sie sich voll und ganz ihren kreativen Phasen widmen konnte.

"Zeit des Nachdenkens" betitelte sie ihr Ölgemälde, welches Sarah selbst als schlicht befand. Leila bot ihr an, es separat in der Galerie aufzuhängen, um Reaktionen einzelner Besucher darauf zu sehen. Herr Walter kam eines Tages dorthin und war nicht nur davon fasziniert, sondern ebenso gerührt.

Auf dem Bild war eine Frau mittleren Alters zu sehen. Sie lehnte seitlich an der Wand und schaute aus dem offenen Fenster, welches mit einem weißen Rahmen verkleidet war. Die Dame hatte blondes Haar, welches mit einer silbernen Brosche sanft nach oben gesteckt wurde. Sie trug ein weißes Kleid und es schien durch den Wind leicht nach hinten zu schwingen. Ihre Mimik vermischte sich mit Freude und Traurigkeit. Ihre dunklen Augen und die vollen, leicht geöffneten Lippen, stellten sie so dar, als würde sie in dieser für sich freien Minute darüber nachdenken, ob sie in ihrem Leben alles richtig gemacht hatte.

Ihre rechte Hand lag auf dem Fenstersims und der Daumen berührte die Innenseiten der vier Finger, um einen Ring an ihrem Ringfinger zu ertasten.

Herr Walter machte mit Leila einen Termin aus, zu dem Sarah erscheinen sollte. Seine Geschichte rührte sie, als er diese offenlegte, nachdem beide beschlossen hatten, gemeinsam in ein kleines Cafè zu gehen.

Seine Frau starb mit Ende vierzig an Krebs. Vor ihrem Tod, Monate ehe sie erfahren hatte, dass sie an der Krankheit litt, standen Herr Walter und seine Frau kurz vor der Scheidung. Zu viele gegensätzliche Ansichten hatten das Eheleben Woche um Woche erschwert.

Nach einem großen Streit der beiden, brach sie plötzlich zusammen und jene Diagnose wurde gestellt. Es gab keinerlei Möglichkeiten zur Heilung und der Arzt riet, die verbleibende Zeit mit verordneten Medikamenten, die ausschließlich zur Linderung der Schmerzen dienten, in vertrauter Umgebung zu verbringen. Herr Walter holte sie daraufhin nach einigen Tagen vom Krankenhaus nach Hause und am Morgen nach der ersten Nacht, stand sie fast genau so am Fenster, wie auf Sarah´s Portrait.

Als würde sie darüber nachdenken, ob sie ihr Leben gelebt hatte, wie sie es immer wollte. Selbst das Gesicht sah seiner Frau ähnlich. Als hätte Sarah seine Frau schon einmal gesehen.

Nach diesem Tag hatten Herr und Frau Walter ein langes und intensives Gespräch geführt und verbrachten danach noch vier wundervolle Monate miteinander, bis er sie schließlich mit Wehmut wieder der Erde übergeben musste.

Einige Male lief Sarah ein kalter Schauer über den Rücken und noch angespannter wurde sie, als der gutbetuchte Mann ihr ein Angebot unterbreitete. Da ihm das Bild eine emotionale Verbindung zu seiner Frau zu geben schien, es danach für beide in der Ehe wieder bergauf ging, bot er ihr 50.000 Euro dafür.

Sarah kippte fast vom Stuhl, als sie diese Summe hörte und ihre Atmung hatte nach ihrem Glauben auch kurz ausgesetzt. Sie sagte, dass dies viel zu viel sei, doch Herr Walter sagte, dies wäre es ihm wert und weniger würde er nicht zahlen.

Diese Begegnung war ein wahrhaftiges Wunder gewesen und vor allem war es mit sehr viel Tiefe versehen.

Einige Monate später gab es eine weitere Begegnung mit einem Mann. Dieser jedoch war eher in ihrer Altersklasse und teilte sich seit nun seit fast einem Monat die Wohnung mit ihr in der Gabriele-Tergit-Promenade nahe des Sony Centers.

Kapitel 2

Bruno Mars´ Uptown Funk ertönte in voller Lautstärke das Tanzstudio. Mike, der Tanzlehrer der Truppe, zählte wieder und wieder die Schrittfolgen mit "one and two and three and four" auf. Die Choreographie wurde nun das siebte mal wiederholt und die Tänzer beobachteten detailliert ihre Bewegungen in den großen aneinandergereihten Spiegeln. Mike schaute intensiv zu, um auch die kleinsten Fehler zu sehen und diese demnach schnellstmöglich zu korrigieren.

Sein größtes Augenmerk lag auf seinem Schüler, der ebenfalls ein guter Freund geworden war, Pete. Mit ihm hatte er großes vor und auch Pete strebte es an professioneller Tänzer zu werden. Würde er sich in den nächsten Monaten mit aller Einsatzbereitschaft hineinhängen, dann war sich Mike sicher darin, dass seinem Schützling nichts im Wege stehen würde.

Pete war 28 Jahre alt und wuchs in Berlin auf. Seine Eltern waren gebürtige Amerikaner, was den Nachnamen Stone erklärte, doch sie wanderten aus berüflichen Gründen des Vaters, nach Deutschland aus, als er keine zwei Jahre alt war.

Pete liebte es von Kindheitstagen an zu tanzen, was auch sämtliche Homevideos verrieten und da seine Eltern das Potenzial in ihm sahen und ebenfalls, welche Freude es ihrem Sohn bereitete, schickten sie in frühzeitig in die Tanzschule.

Um trotz des vielen Trainings finanziell auf einem grünen Zweig zu bleiben, unterrichtete er drei- bis viermal pro Woche die kleinen Kids und es brachte ihm sehr viel Vergnügen. Auch seine Freundin Sarah schaute gelegentlich gerne beim Unterricht und Training einmal zu.

Zum allerersten Mal sah er sie im Oktober des letzten Jahres. Es war ein sonniger Tag in der Mitte des Monats und Mike beschloss spontan, dass seine Jungs auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor tanzen sollten. Solche Gelegenheiten waren auch gut dafür, neue Schüler für die Tanzschule zu gewinnen.

Gerade als sie sich ihren eigenen Platz dort reservierten, den Player aufstellten und Mike mit ihnen den Ablauf besprechen wollte, sah Pete sie auch schon.

Sarah und ihre Freundin waren noch einige Meter weg, doch schon aus dieser Ferne konnte man ihr freudiges Lachen hören. Ihre langen, braunen Haare wehten im leichten Wind und ihre schmale Figur wirkte beim Gehen graziös. Sie trug eine dunkelblaue, enganliegende Jeans und schwarze Stiefelletten. Um ihre Schultern lag ein legerer schwarz-weiß gemusterter Poncho und darunter ein schlichtes reinweißes Shirt. Die zwei schienen voller guter Laune zu sein, dass sie prompt nahe der Tänzer stehen blieben und auf den Auftritt zu warten schienen.

Nachdem Pete nun ihr wunderschönes Gesicht sehen konnte, war er wie verzaubert. Es war leicht markant, besaß jedoch trotzdem etwas sehr weiches. Ihre Augen leuchteten und was ihm vor allem gefiel war, dass sie nicht, wie in der heutigen Zeit viel zu oft der Fall war, zu übermäßig geschminkt war. Sie wirkte so natürlich und in seinen Augen war sie eine bildhübsche Frau.

Pete konnte seinen Blick kaum noch von ihr abwenden, hoffte, dass sie den Seinen vielleicht sogar erwidern würde.

Sarah und ihre Freundin, die sich für ihn noch als Leila herausstellen würde, gingen noch ein Stück und setzten sich auf eine der gegenüberliegenden Bänke.

Jede von ihnen hielt einen Coffee-To-Go in der Hand und ebenfalls machte es den Anschein, sie würden über die Tanzgruppe tuscheln.

Pete bekam einen etwas unsanften Hieb mit Tom´s Faust auf seine Schulter.

"Hey Alter, wir sollen anfangen.", forderte er ihn mürrisch auf. Tom war nicht wirklich ein Freund von Pete. Im Gegenteil, er hasste seine aufbrausende und arrogante Art. Vor allem aber auch seine nicht zu enden scheinende Drogenabhängigkeit. Auch in diesem Moment glänzten seine Augen in einem intensiven, rötlichen Ton. Oft dachte Pete, dass Tom´s Sucht ihn nur so beherrschte, weil er mit seinem eigenen Leben unzufrieden war.

Pete wusste nicht allzu viel über ihn. Lediglich, dass er reiche Eltern hatte, seine Mutter schon vor einigen Jahren die Familie verließ und er seitdem wohl auch keinen weiteren Kontakt zu seinem Vater hielt. Ob sich dahinter ein tieferer Grund verbarg wusste keiner so genau. Im Grunde genommen war Tom ein Einzelgänger, der sich kleidete wie ein HipHop-Gangster. Er hielt sich für etwas besseres, war stets obenauf, doch im Tanzen war er eigentlich eher durchschnittlich. Jedoch hatte er nur dieses und anstatt auf nette Weise Hilfe darin zu suchen, machte er sich Tag für Tag bei seinen Kameraden unbeliebter.

Mike geriet schon so einige Male mit ihm aneinander, ermahnte ihn, sich zurück zu halten. Doch da die monatliche Gebühr stets bezahlt wurde und Tom die Schule mit seinem Verhalten noch nie vollends bloßgestellt hatte, warf ihn Mike weiterhin nicht aus der Crew. Seine weitere Zugehörigkeit wackelte jedoch schon.

Ein fast 15-minütiger Musikmix, aus den bekanntesten BlackMusicSongs begann zu spielen.

Die Tänzer stellten sich auf Position und starteten mit den ersten Schrittfolgen der Choreo.

Der Platz füllte sich nach und nach mit Zuschauern und es gab tosenden Beifall.

Während die etwas älteren Leute interessiert zuschauten, waren gerade die jungen Kids so fasziniert, dass sie begonnen hatten, auf der Stelle zu hüpfen und wild mit den Armen in alle Richtungen zu zappeln.

Auch Mike, der seinen Schülern von der Seite aus zuschaute, lief nach knapp der Hälfte der Vorstellung in deren Mitte und begann einige Spins vorzuführen.

Pete und die anderen jubelten und feuerten ihren Trainer an, der sich fast eine ganze Minute auf dem Kopf drehte und verschiedenste Moves ausführte.

Auch Sarah schien nun allmählich Pete´s Interesse an ihrer Person zu registrieren. Selbst als zig junge und hübsche Frauen die Männer fast anschmachteten, was diese definitiv genossen, schien sie zu bemerken, dass sein Blick stets wieder zu ihr wanderte.

Zum Ende der Vorstellung marschierten wie üblich Mike und Pete mit umgedrehten Schildkappen durch die Zuschauerreihen, um etwas Kleingeld zu ergattern. Mike machte mit unter etwas Werbung für seine Tanzschule und verteilte kleine Visitenkarten.

Pete sah wie die zwei Freundinnen sich von der Bank erhoben und glaubte schon, dass es das just gewesen sei, doch zu seinem Glück kam Sarah direkt auf ihn zu. Sie zückte einen 5-Euro-Schein und und gab ihm diesen direkt in die Hand.

"Wirklich eine sehr gute Vorstellung.", sagte sie lobend, zwinkerte ihm keck zu und lächelte sanft.

Mike sah die zwei und drückte ihnen dankend ein Kärtchen in die Hand, bis sie schließlich davongingen. Mike stieß Pete neckisch in die Seite und grinste.

Pete konnte nicht genau beschreiben was genau in ihm vorging, doch was er wusste war, dass er diese Frau unbedingt wiedersehen musste.

Kapitel 3

Rückblende

Es war der Jahreswechsel zwischen 2014 zu 2015 und Sarah, Leila und zwei weitere Freundinnen brachen gegen halb zehn zum E4 Club in der Eichhornstraße auf. Sarah war zum ersten Mal in dem drei-Etagen-Ambiente, den Leila ihr wieder und wieder wärmstens empfohlen hatte. Im zweiten Stock des Glasfassadengebäudes standen weiße Sofas und einzelne Hocker um einen runden Tisch mit Glasplatte. Auf jeder Etage der offenstehenden Stockwerke waren einige Sitzmöglichkeiten mit einem roten Seil etwas abgetrennt, da man auch sogenannte VIP-Plätze reservieren konnte. Eine sehr groß wirkende, metallene Wendeltreppe in der Mitte führte nochmals nach oben und ebenso nach unten.

Im untersten Bereich, in welchen sich die Ladies begaben, gab es schwarze Ledermobilare, mit ebenfalls separaten Bereichen. An der Bar standen um einen kleinen, dunkelbraunen und rechteckigen Tisch, weiße Hocker mit Lehne. Hier war zentral eine große Tanzfläche mit zwei Podesten an den Seiten, für jene die zu späterer Stunde etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten.

Die vier Frauen konnten einen Platz nahe der Lautsprecher ergattern und machten es sich dort zu Beginn erst einmal gemütlich. Nacheinander wurden Getränke von der Bar geholt, um ihre Sitzgelegenheit nicht zu verlieren.

"Mädels, lasst uns ein letztes Mal auf dieses Jahr anstoßen.", schrie Leila fast, da der Bass ihre Stimme ziemlich untergehen ließ.

"Auf 2014!", riefen Sarah, Julia und Maja daraufhin fast im Chor und die Cocktailgläser klirrten aneinander.

"Und ich möchte mich ganz besonders bei dir bedanken, Leila.", begann Sarah aufrichtig. "Danke dafür, dass du jenes Bild in deiner Galerie aufgehangen hast."

"Ich habe eben an dich geglaubt.", lachte sie freudig und war voller Überzeugung. "Ich korrigiere mich.

Ich glaube auch weiterhin fest an dich."

Leila presste mit vollem Einsatz ihre Lippen auf Sarah´s Wange.

"So. Da das mit dem Klatsch und Tratsch nicht wirklich bei dieser Lautstärke funktionieren wird, ein letztes, allerletztes Wort." Maja erhob ein weiteres Mal das Glas und die anderen taten es ihr gleich.

"Lasst uns die letzten Stunden des alten Jahres genießen und freudig denen des Neuen entgegen gehen!"

Freudig lachend wurde nochmals angestoßen und kurz darauf verabschiedeten sich Maja und Julia auch schon, die sich von einer Modelagentur kannten, auf die Tanzfläche.

Der Club hatte sich in der letzten halben Stunde sehr gut gefüllt. Auf der Wendeltreppe herrschte ein reges auf und ab gehen. Die Tanzfläche war fast komplett besetzt und auch auf den Nebenflächen wurden motiviert die Hüften geschwungen.

Julia und Maja hatten gemeinsam eines der Podeste in Beschlag genommen und shakerten mit einer Gruppe von Männern, welche ihnen verfallen war.

Leila hatte sich und Sarah noch einen Mojito an der Bar geholt und auf der Couch zu David Guetta mitwippend, beobachteten beide das wilde Treiben im Club.

Sarah schweifte mit ihren Augen von rechts nach links und wieder zurück. Etwas später sah sie zur Treppe, auf der ihr Blick unwillkürlich verharrte.

"Ist das nicht ein Teil dieser Tanzschulgruppe?", wollte Leila wissen, da sie Sarah´s Blick dorthin bemerkt hatte.

"Ich glaube schon.", mutmaßte sie und unbemerkt zauberte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht.

"Freut sich da jemand einen gewissen Mann wiederzusehen?", neckte Leila sie. "Soll ich ihn herholen?"

"Was? Quatsch, wag dich bloß nicht." Sarah schlug ihr frech mit dem Handrücken gegen den Oberarm.

"Der erinnert sich doch eh nicht mehr an mich."

"Also interessiert er dich doch...?!" Sie fuhr durch ihr kurzes, blondes Haar.

"Das habe ich damit nicht sagen wollen." Sarah wirkte etwas verlegen. Es war nicht so, dass er ihr, seitdem sie ihn vor zweiinhalb Monaten zum ersten Mal gesehen hatte, nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Jedoch dachte sie ab und an darüber nach was gewesen wäre, ihm sozusagen vor der Tanzschule, von der sie ja das Kärtchen bekommen hatten, aus reinem Zufall zu begegnen. Doch irgendwie befand sie es als kindisch, denn er lächelte sicher so einige Male Personen des weiblichen Puplikums auf netteste Weise an.

Eigentlich war er auch gar nicht so richtig ihr Typ gewesen. Sie mochte große Männer, mit dunklem und kurzem Haar. Er war vielleicht einen halben Kopf größer und hatte dunkelblondes Haar, welches sehr dem bekannten Haarschnitt von James Dean nahe kam.

Zumindest erschien er nicht als eine Art Möchtegern-HipHopper. Er trug keine dieser Baggy Pants, die Sarah wirklich scheußlich fand. Er trug eine leicht ausgewaschene, dunkle Jeans, die nicht zu eng und nicht zu weit saß. Ein schlichtes weißes T-Shirt mit einem grauen Billabong-Logo und etwas auffallendere schwarz-weiße Turnschuhe.

Sein Lächeln schien beinahe etwas bubenhaft und auch im Gesamtbild wirkte er jünger als er sicherlich war. Jedoch besaßen seine Augen etwas so treues und liebevolles. Fast, als könne er keiner Fliege etwas zu leide tun.

"Schon mal daran gedacht, dass es Schicksal sein könnte?" rief ihr Leila fragend ins Ohr und Sarah erschrack, da sie vollkommen in Gedanken gewesen war.

"Ach, nun hör schon auf. Das ist reiner Zufall. Mehr nicht.", gab Sarah schmollend zurück. "Ich gehe mal rasch auf die Toilette.", fügte sie hinzu und stand auf.

"Ja, mach dich ruhig nochmal hübsch für ihn." Leila kicherte herzhaft.

Sarah drehte sich nochmals zu ihrer Freundin um, streckte ihr die Zunge heraus und ging.

Leider musste sie sich eingestehen, dass Leila recht hatte. Sarah wollte wirklich nur im Spiegel schauen, ob ihr, wenn auch dezentes Make Up, gut aussah und ihre Frisur noch richtig saß.

Sie hatte sich heute für eine legere, doch edel aussehende Hochsteckfrisur entschieden. Die langen, silbernen Ohrringe gaben einen guten Farbtupfer zu ihrem schwarzen und strassbesetzten, knielangen Kleid.

Warum bloß machte es sie nur so nervös, dass er hier war?

Es war eine halbe Stunde vor Mitternacht. Sarah beschloss auf dem Rückweg noch zwei weitere Mojitos zu holen, bevor es zum Sekt kam, welchen Julia kurz vor zwölf zum Tisch bringen lassen würde.

Sarah hatte das Gefühl, sich etwas Mut antrinken zu müssen.

Kapitel 4

Pete und sein Kumpel Joey hatten sich dazu bereit erklärt, sich um die Getränke zu kümmern, während Mike mit den drei weiteren die reservierten Plätze nahe der Tanzfläche belagerte. Die Crew war fast schon wie eine zweite Familie für Pete geworden.

"Findest du nicht auch, dass es viel harmonischer bei uns geworden ist, seit Tom weggesperrt worden ist?", fragte Joey, während sie anstanden. Es schien noch eine Weile zu dauern, ehe sie an der Reihe waren.

Viele waren schon dabei, sich eine Flasche Sekt zu sichern, die dort heute zum halben Preis angeboten wurde.

"Harmonischer schon, ja...", antwortete er kanpp, ohne den Satz zu beenden.

"Aber..? Du willst mir doch nicht sagen, dass du wegen dem Kerl ein schlechtes Gewissen hast?", wollte er auffordernd wissen.

"Nicht direkt. Doch er wird sich dafür revangieren, glaub mir.", gab er leicht trübsinnig zurück.

"Das soll er mal versuchen. Bro, du hast genau das richtige getan, damit zu Mike zu gehen. Stell dir mal vor, er hätte deinen Knirpsen das Zeug irgendwann einmal als Ahoi Brause angedreht."

Joey klang wütend bei der Vorstellung daran und Pete zog nichts wissend die Schultern nach oben.

"Pete, wir halten alle zusammen und vor allem stehen wir hinter dir." Er klopfte seinem Freund zusichernd auf den Rücken.

Anfang Dezember, als Pete gerade selbst unterrichtete, schaute er aus dem Fenster auf den Hof und sah Tom, wie er an Teenager sein Zeug verkaufte. Leise öffnete er dieses, um mehr zu hören und um zu sehen, ob es wahrhaftig um diese Angelegenheit ging.

Jungs, das ist echt gar nichts schlimmes...

Ihr werdet besser tanzen als je zuvor...

Ich mache euch ein super Angebot...

Mit jenen Sprüchen wollte er sie tatsächlich dazu verführen, die Drogen zu kaufen und am besten schleunigst zu nehmen. Pete schrie instinktiv nach unten, dass Tom sofort verschwinden solle und verbot den Teenies, auch nur das Geringste von ihm zu nehmen.