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Nach einem feuchtfröhlichen Abend bei Freunden erwacht Sarinos mit brummendem Schädel in einem fremden Bett – in einer ihm völlig unbekannten Welt. Ein wenig erinnert sie ihn an die Welt seiner geliebten Computerspiele. Konfrontiert mit wilden Tieren und Monstern versucht er, sich in seiner Situation zurechtzufinden. Denn hier zählt nicht das Alter, sondern allein das Level. Sarinos lernt andere Völker wie Elfen, Feen, Drachen, Zwerge, Tiermenschen und Untote kennen, mit denen er interagieren muss. Bald führt er in dieser Welt ein zufriedenes Leben, welches jedoch ganz schön durcheinandergewirbelt wird …
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Seitenzahl: 333
Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99146-183-8
ISBN e-book: 978-3-99146-184-5
Lektorat: Isabella Busch
Umschlagfotos: Piolka, Lasse Behnke | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Sarinos
Sarinos erwachte mit schrecklichen Kopfschmerzen. Beim Versuch aufzustehen, sank er augenblicklich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder zurück auf das Bett. Er hielt die Augen fest geschlossen und umfasste seinen Kopf mit beiden Händen. Mühsam überlegte er, woher diese Schmerzen nur kommen konnten. Am Abend zuvor war er bei Freunden zu Besuch und hatte ein paar Gläschen getrunken. Aber die konnten nicht der Grund dafür sein, denn er erinnerte sich noch daran, dass er schon früh, aber nicht betrunken, mit seinem Auto nach Hause gefahren war. Doch ab diesem Zeitpunkt hatte er keinerlei Erinnerung mehr. Während er so überlegte, spürte er etwas Sonderbares an beiden Handrücken, wie Haare, ganz fein und warm.
Plötzlich war er hellwach und sprang mit einem Satz aus dem Bett. Ein unbekannter Anblick bot sich ihm, denn er befand sich in einer alten Holzhütte. Einer Hütte, die aus robusten dicken Baumstämmen gebaut worden war. An der Rückwand stand ein Bett aus einfachen Brettern mit einem Strohsack als Matratze und einigen Fellen darauf. Links vom Bett an der Wand war ein Fenster und davor standen ein Tisch und ein Sessel. Neben dem Fenster an einem Regal hingen ein Topf aus Eisen samt Deckel, ein Holzteller, eine Holzschüssel sowie eine Gabel und ein Löffel aus Holz. An der Wand gegenüber vom Bett war eine Tür, daneben befanden sich ein leerer Haken und eine große Truhe. Langsam ging er zum Fenster und blickte hinaus, wobei er nicht viel sehen konnte, denn alles war nur weiß. Im Fenster war kein Glas, obwohl es so aussah und man hindurchsehen konnte. Auch konnte man nicht hindurchgreifen, irgendetwas war da, was er sich aber nicht erklären konnte. Auf dem Weg zur Tür warf er einen Blick in die Truhe, die jedoch leer war. Danach öffnete er sie und trat hinaus ins Freie. Ungefähr zwei Meter von der Hütte entfernt erblickte er eine weiße, milchige Substanz, die sich rund um die Hütte und auch darüber ausbreitete. Vorsichtig streckte er die Hand aus, um diese Substanz zu berühren. Aber man spürte nichts, fast so, als wollte man eine Rauchwolke anfassen. Daraufhin fasste er sich ein Herz und ging in diesen weißen Nebel hinein. Nach zwei Schritten war er hindurch und ein weites grünes, leicht hügeliges Land erstreckte sich vor ihm. Seine Hütte befand sich am Rand einer weitläufigen Ebene, die so groß war, dass über einhundert seiner Hütten Platz gehabt hätten. Richtung Süden fiel das Land gemächlich ab und weit unten sah man einen See und viele Bäume, wobei die Sicht leider nicht sehr gut war. Fast so, als schaue man durch einen grauen Filter. Nach Westen erstreckte sich ein weites, hügeliges Land, auf dessen nördlicher Seite sich eine Felswand nach oben zu ziehen begann. Wobei sich der Hügel ungefähr einen Kilometer Richtung Westen nach oben erstreckte und am höchsten Punkt etwa fünfzig Meter hoch war. Ganz oben am Rande des Abgrundes sah man einen riesigen Baum. Nördlich der Hütte war in etwa fünfhundert Metern Entfernung ein großer Wald, der sich von oberhalb des Hügels bis über die ganze östliche Seite hinunter zu dem See erstreckte. Viele Tiere sah man über das ganze Land verteilt: Hasen, Wildschweine, große Bisons und Vögel so ähnlich wie Hühner. Als er die Tiere genauer betrachtete, die alle einen grünen oder gelben Lebensbalken über dem Kopf hatten, erinnerte ihn das an die Spiele, die er mit seinen Freunden nächtelang gespielt hatte. Konnte es sein, dass er irgendwie in so eine ähnliche Welt hineingeraten war? Aber wie sollte so etwas möglich sein? Doch genauso musste es sein, denn warum hatten alle Tiere einen Lebensbalken über ihrem Kopf so wie in seinen Spielen. Es waren auch einige rote Balken zwischen all den Tieren zu erkennen, die zu den Bullen der Bisons gehörten. Rot bedeutete immer Gefahr, da diese Tiere sehr angriffslustig waren und man ohne Vorwarnung von ihnen angegriffen wurde, sollte man ihnen zu nahe kommen. Vor den grünen Lebensbalken musste man sich nicht in acht nehmen, da sie absolut harmlos waren, genau wie die gelben, die sich neutral verhielten und einen nicht beachteten. Außerdem konnte er noch weitere rote Balken ausmachen, die allerdings zu Raptoren gehörten, die vereinzelt umherstreiften und alles erlegten und fraßen, was kleiner war als sie. Sie waren etwas kleiner als die Bisons, griffen allerdings trotzdem alte und schwache Tiere an. Das hieße also für ihn, sich hier sehr vorsichtig zu bewegen, wenn er die Gegend erkundete und jede Möglichkeit zu nutzen, um in Deckung zu bleiben. Vor allem aber diese aggressiven Tiere so weit wie möglich zu umgehen. Als er sich so umsah, flog ihm eine kleine Biene, oder was es auch immer war, ins Gesicht. Er stolperte zurück und schlug mit seiner linken Hand zu, um sie zu verscheuchen.
Plötzlich öffnete sich ein kleines Fenster etwa einen halben Meter vor seinem Gesicht. Erschrocken stürzte er dabei rücklings zu Boden. Doch das Fenster, das aussah wie ein Display, verschwand nicht und da war ein Bild von ihm darauf, als er noch jung war, und sein Name stand darunter. Darunter las er Level 1 und seine Werte. Stärke, Ausdauer, Beweglichkeit, Treffsicherheit, Intelligenz und Willenskraft, die alle um fünf Punkte erhöht waren. Die Fünf leuchtete in Grün, das bedeutete, dass diese fünf Punkte noch nicht ausgerüstet waren. Man musste sie bestätigen, damit die Zahl grau dargestellt wurde, damit die Erhöhung angerechnet wurde und Sarinos davon profitieren konnte. Langsam berührte er das Fenster wieder, bewegte es nach oben und es verschwand wieder. Als er mit der Hand wieder von oben nach unten strich, erschien das Fenster erneut. Dann bewegte er es nach links, wobei die nächste Seite erschien. Auf der stand ganz oben „Kampf“ und darunter wurden verschiedene Kämpfer aufgelistet. Krieger, Krieger Tank, Paladin, Paladin Tank, Schütze, Druide, Druide Heiler, Priester, Priester Heiler und Schamane. Tank waren die Schutzschilde jeder Gruppe, sie blockten an vorderster Reihe den Schaden mit ihren Schilden ab. Es gab sechs verschiedene Magierichtungen, die man erlernen und mit den Skillpunkten weiter erhöhen konnte. Da waren die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser sowie Dunkelheit und Lichtmagie. Danach besah sich Sarinos noch einmal seine Werte, die genau beschrieben wurden, wenn man sie antippte. Je mehr Stärke man hatte, umso mehr Schaden konnte man mit seinen Waffen an den Gegnern anrichten. Auch konnte man mehr in sein Lager aufnehmen, je stärker man wurde. Je höher die Ausdauer war, umso länger konnte man kämpfen, laufen oder auch andere Arbeiten verrichten. Beweglichkeit war sehr wichtig zum Ausweichen, um so Fernangriffen entgehen zu können. Je höher die Beweglichkeit war, umso schneller konnte man sich bewegen, was im Kampf sehr nützlich sein konnte. Vor allem wenn man den Gegnern ausweichen musste. Auch die Treffsicherheit war natürlich sehr wichtig für alle Fernkämpfer und musste so schnell wie möglich auf die Höchststufe einhundert geskillt werden. Intelligenz war eines der wichtigsten Attribute für die Magiebegabten, da man durch sie die verschiedensten Zauber erlernen konnte und diese dann durch die Erhöhung mit den Skillpunkten auch immer stärker wurden. Willenskraft war für die Regeneration der Magie sowie für die Lebenspunkte zuständig. Je höher man sie geskillt hatte, desto schneller erholten sie sich wieder, was einem im Kampf schon mal das Leben retten konnte. Alle diese Werte konnte man mit seinen Skillpunkten, die man für die Steigerung des Levels bekam, weiter erhöhen. Das Level stieg durch die Erfahrungspunkte, die man für das Töten der Gegner oder das Ausführen von Arbeiten bekam. Denn für jeden erlegten Gegner bekam man Erfahrungspunkte, je stärker oder auch je höher das Level des Gegners war, desto mehr Punkte bekam man dafür. Das galt auch für Arbeiten, die man erledigte. Je schwerer die Aufgabe, desto höher waren die Erfahrungspunkte, die man bekam. Auf der dritten Seite stand dann ganz oben Berufe, die gleich darunter aufgelistet wurden. Bau1 war zum Aufbauen von Gebäuden, Bau2 war zum Erstellen von Einrichtungsgegenständen sowie Gebrauchsgütern. Bauer1 war für die Aufzucht und Haltung von Tieren, Bauer2 war für den Anbau von Obst und Gemüse, Bauer3 war für den Anbau von Korn. Dann gab es noch Holzfäller, Jäger, Fischer, Förster, Steinmetz, Schmied, Alchemist, Koch, Schneider und so weiter.
Wo war er hier nur hingeraten und was hatte das alles zu bedeuten? Schlief er noch und träumte das alles nur, oder war er gestorben und nun in dieser Welt gelandet? Da er sich auf das alles keinen Reim machen konnte, konzentrierte er sich wieder auf sein Display vor ihm. Weil er in seinen Spielen immer Fernkämpfer bevorzugt hatte, tippte er mit der linken Hand auf Schütze. Doch nichts passierte, erst als er es mit der rechten Hand versuchte, öffnete sich ein kleines Fenster, in dem zu lesen war: „Schütze auswählen Ja/Nein“. Es war ihm während des Durchsehens der Seiten bereits aufgefallen, dass die linke Hand für das Öffnen und Schließen des Fensters sowie für das Durchblättern und die rechte Hand für das Bestätigen der jeweiligen Aktion zuständig war, die man durchführen wollte. Er tippte nun mit der rechten Hand auf Ja – und ein weiteres Fenster öffnete sich, auf dem stand: „Öffnen Sie Ihre Truhe“. Er ging zurück in seine Hütte und öffnete die Truhe, wodurch sich wieder ein Fenster öffnete: „Alles aufnehmen“ oder „Alles ausrüsten“. Ein Tipp auf Alles ausrüsten und schon hatte er Stiefel, Hose, Hemd, Weste, Kappe, Handschuhe, Bogen und Köcher sowie einen Dolch am Körper ausgerüstet. Wobei alle Gegenstände gewisse Werte, Fähigkeiten oder Resistenzen gegen verschiedene Magiearten erhöhten. Sogar das An- und Ausziehen war in dieser Welt hier ganz einfach. Man öffnete das Display, wählte im Menü das Teil aus und drückte auf Ausrüsten oder Ablegen. Auch konnte man sich ein Set zusammenstellen und es dann ganz einfach alles auf einmal ausrüsten oder ablegen. An seinem Gürtel war ein kleiner Beutel befestigt, der, wie er vermutete, sein Geld oder was auch immer man hier verwendete, enthielt. Er war fest am Gürtel angebracht, damit man ihn nicht entfernen konnte, und zum Öffnen musste man ihn nur zweimal antippen. Als Sarinos ihn öffnete, war er doch etwas erstaunt, da sich nicht nur ein paar Kupfermünzen darin befanden, sondern auch noch etwas an Ausrüstung. Das war ein Lager und kein Geldbeutel, wie er anfangs gedacht hatte. Erst da fiel ihm auf, dass die Kleidung, die er kurz vorher noch getragen hatte, verschwunden war. Denn genau die befand sich nun in diesem Beutel. Als er sich die neue Ausrüstung angelegt hatte, wurde seine alte Kleidung in seinem Lager abgelegt. Eine ganze Weile blätterte er noch in diesem Display und prägte sich die Sachen, die da standen und die er sicher noch sehr oft brauchen würde, genau ein. Dann widmete er sich etwas genauer seiner Auswahl, dem Schützen.
Der Schütze
In seinem Display stand auf der ersten Seite bei Beruf „Schütze“. Auf der zweiten konnte man aus verschiedenen Fähigkeiten auswählen, wofür er leider noch keine Skillpunkte hatte. Da konnte man Kochen, Verbergen, Verborgenes aufspüren, Klarsicht und Identifizieren aktivieren und mit seinen Skillpunkten verbessern. Er schloss das Display und sah sich ein wenig in der Nähe seiner Hütte um. Man sah nirgends eine Menschenseele, nur lauter Tiere und sonst nur weites Land, Hügel und Wälder. Da er sich nun für den Schützen entschieden hatte, nahm er seinen Bogen und ging los, um, etwas damit zu erlegen. Das war ein sehr mühsames Unterfangen, da die meisten Pfeile ihr Ziel verfehlten und er sie immer wieder einsammeln musste, wenn sie ihm ausgingen. Dass man das besser machen sollte, bevor sie einem ausgingen, wurde ihm schmerzlich bewusst, als er einen der Hasen nur verletzte und dieser plötzlich auf ihn zugestürmt kam. Da er keine Pfeile mehr hatte, konnte er ihn auch nicht stoppen – und das Tier verbiss sich in seinem Bein. Er konnte es jedoch dank seines Dolches töten und somit wieder von seinem Bein entfernen. Glücklicherweise hatte seine Hose aus recht festem Leder das meiste abgefangen und ihn vor einer schlimmeren Verletzung bewahrt. Nur mühsam gelang es ihm, ein paar dieser kleinen und flinken Hasen zu erlegen. Wobei die Tiere nach ihrem Tod verschwanden und immer wieder ein wenig nützliches Zeug sowie Fleisch und ein paar Münzen liegen ließen. Sogar Ausrüstungsgegenstände sowie Waffen konnten dabei sein, was man ganz einfach mit „Alles aufnehmen“ in seinem Lager einlagern konnte. Nach endlosen vier Stunden hatte er endlich Level drei erreicht und setzte alle bekommenen Skillpunkte auf die Trefferwertung. Schon funktionierte das Schießen mit dem Bogen um einiges leichter, da er endlich seine Beute auch traf. Damit schaffte er es bis zum Abend auf Level vier. Immer bedacht darauf, ja keinem der roten Lebensbalken zu nahe zu kommen. Die Jagd hatte ihm so viel Spaß gemacht, dass der Tag wie im Flug vergangen war und er langsam Hunger verspürte. Zum Glück hatte er noch nicht alle Punkte vergeben und konnte so noch Kochen erlernen, um sich etwas zu essen machen zu können. Im Kochmenü, das er durch das Erlernen mitgeliefert bekam, standen auch einige Rezepte und darunter glücklicherweise auch eines, wie man Hasen zubereitete, da er ja noch keine anderen Tiere gejagt hatte. Dafür benötigte er neben einigen Kräutern auch noch eine Frucht namens Erdknolle. Da er Kochen erlernt hatte, bekam er auch eine weitere Fähigkeit, mit der er Kräuter und Beilagen aufspüren konnte. Als er sich nun ein wenig umsah, konnte er allerlei Kräuter und andere Beilagen erspähen, die er vorher nicht bemerkt hatte. Erdknolle war ein Gemüse, das der Kartoffel glich, oder eher einer Mischung aus Kartoffel und Karotte. Als er einiges an Kräutern und Gemüse gesammelt hatte, begab er sich wieder zu seiner Hütte. Ein Topf war in der Hütte zu finden, sowie Teller und Besteck. Das Kochen war hier eine einfache Sache und ging recht schnell, auch schmeckte es nicht schlecht. Jedoch musste man erst einmal herausbekommen, wie es funktionierte. Man tippte einfach zweimal auf den Deckel seines Kochtopfs, worauf sich das Kochmenü öffnete und man ein Rezept auswählen konnte, das man bereits kannte. Um das herauszufinden, benötigte er allerdings fast eine Stunde und war schon kurz davor, den Topf gegen die Wand zu schleudern. Hatte man ein Rezept ausgewählt, musste man noch die Zutaten bestätigen, die man allerdings auch schon in seinem Lager haben musste, danach Deckel drauf und der Topf übernahm den Rest. Man konnte sogar mit einem höheren Level eigene Rezepte erstellen und in seinem Kochmenü abspeichern. Je nach Kochskill variierte die Kochdauer, wobei die einfachen Rezepte in ein paar Minuten fertig waren und man sein Essen genießen konnte. Genau wie in seinem vorherigen Leben: erst probieren, dann lesen. Denn peinlicherweise hatte er im Nachhinein gesehen, dass die Anleitung für den Kochtopf im Menü unter „Kochen“ stand. Müde, aber dennoch irgendwie zufrieden, ging er in seine Hütte, hängte seinen Bogen neben der Tür an den Haken und legte sich auf das Bett. Viele Sachen gingen ihm noch durch den Kopf, bevor er einschlief. Ist das jetzt mein neues Leben hier, wie bin ich hierhergekommen, sehe ich meine Familie wieder, meine Freunde …
Der Morgen graute gerade, als Sarinos erwachte und noch ein wenig über den letzten Tag nachdachte. Er konnte sich noch immer keinen Reim darauf machen, was passiert und wie er hierhergekommen war. Mit einem Satz sprang er aus dem Bett und wunderte sich noch, dass es so einfach und schmerzfrei funktionierte. Zuletzt war es eher mühsam gewesen, da er nicht mehr ganz so jung war und jede Bewegung bereits schmerzte. Doch das war alles wie weggeblasen und er war voller Kraft und Tatendrang. Zum Frühstück gab es die Reste vom Abendessen, so gestärkt nahm er seinen Bogen und machte sich auf den Weg hinunter zum See. Als er ihn nach einer Stunde erreichte, bot sich ihm ein herrlicher Anblick. Ein großer, fast runder dunkelblauer See lag vor ihm mit sicher vierhundert Metern Durchmesser. Etwa fünfzig Meter Richtung Westen begann ein Tal, das steil abfiel und um einiges tiefer lag, in dem riesige Bäume standen. Das Tal war etwa zweihundert Meter breit, einen Kilometer lang und war von drei Seiten durch senkrecht abfallende Felswände eingegrenzt. Ein Wald aus Bäumen mit einem Durmesser von fünf bis acht Metern und einer Höhe von sechzig bis neunzig Metern. Von seiner Hütte aus sah man nur sechs bis acht Meter hohe Bäume, der Rest verschwand in diesem Tal, das man von da oben nicht sehen konnte. Es konnte nur von der Seeseite her betreten werden und augenscheinlich tummelte sich viel Wild darin, da man immer wieder welches durch die Bäume beobachten konnte. Obwohl so riesige Bäume hier standen, kam das Sonnenlicht recht oft bis auf den Boden, der aber dennoch recht kahl war. Nur zwischendurch waren immer wieder Lichtungen, die mit sattem grünem Gras bewachsen waren. Auf der Ostseite vom See vorbei zog sich der Wald von oberhalb seiner Hütte aus bis so weit nach unten, wie er sehen konnte. Unterhalb davon war schönes freies Weideland, soweit das Auge reichte. Als er einen Blick in den See warf, erschrak er so sehr, dass er rücklings zu Boden fiel. Er rappelte sich auf, ging wieder zum Wasser und sah noch einmal hinein. Es konnte doch unmöglich sein. Ungläubig tastete er mit beiden Händen sein Gesicht ab, denn er sah plötzlich wieder aus wie mit zwanzig Jahren. Nun wunderte es ihn nicht mehr, dass er keine Schmerzen mehr hatte und herumspringen konnte wie in seiner Jugend. Mit einem Meter siebzig war er jedoch nicht der Größte und hatte auch noch ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Doch wie er das Leben hier kennengelernt hatte, würden die bald verschwunden sein. Da er keine Ahnung und auch noch nicht die Hoffnung hatte herauszufinden, wie das alles passiert war, akzeptierte er die Tatsache erst mal, dass er nun hier war und versuchte, sein Leben so gut wie möglich zu meistern. Da er nun auch das Kochen beherrschte, fand er immer wieder Zutaten für seine Gerichte. Bevor er den Rückweg antrat, sah er sich noch ein wenig im Hochwald um, so wie er ihn getauft hatte. Lange Lianen hingen von den Bäumen und konnten vielleicht einmal von Nutzen sein, dachte er. Die Bäume sahen aus wie perfekt geschnittene riesige Bonsai-Bäume, die alle ineinander verschlungen und verwachsen waren. Es war ein herrlicher Anblick, und sie erinnerten ihn mit ihren verkrüppelt gewachsenen Ästen irgendwie an die Wälder in den Märchenfilmen, die er gesehen hatte. Als Sarinos wieder in Richtung seiner Hütte ging, sah er nur die weiße Halbkugel, die sie umhüllte. Als er sie erreichte, fiel sein Blick oben auf den Hügel an der Felswand und den großen Baum. Da man von da oben sicher einen tollen Ausblick hatte, machte er sich gleich auf den Weg, die Gegend da zu erkunden. Auf der Ebene unterhalb der Felswand graste eine Herde von circa einhundertfünfzig dieser Bisons. Auch auf dem Weg nach oben waren einige unterwegs, wobei die Bullen zum Glück etwas weiter weg waren und die anderen ihm aus dem Weg gingen. Der Hügel war an die dreihundert Meter breit und fiel auf der rechten Seite wieder leicht ab. Nur je höher er anstieg, umso steiler wurde der Abhang auf der rechten Seite und die letzten zwanzig Meter gingen wieder senkrecht nach unten. Als er näher zum Baum kam, sah er, dass er große rote Früchte trug und die Bisons die auf dem Boden liegenden genüsslich fraßen. Kurz bevor er ihn erreichte, ertönte plötzlich ganz in der Nähe Kampflärm. Ein riesiger Bulle mit blutunterlaufenen Augen, der so aussah wie die Bisons, aber fast doppelt so groß wie die anderen war, griff die Bisons an, die ihm zu nahe gekommen waren und tötete sie. Sarinos kletterte schnell auf den Baum, auf den man zum Glück leicht hinaufkam. Doch das riesige Monster war glücklicherweise weit genug von ihm entfernt und hatte ihn nicht bemerkt. Das war ein furchteinflößendes Vieh und hatte die fünf Bisons im Nu erledigt. Immer ein Auge auf das Tier werfend, sah er sich die Umgebung an. Man konnte von hier oben sehr weit sehen, leider wurde die Sicht, je weiter weg es war, immer dunkler und man konnte kaum noch etwas erkennen. Der Baum stand ziemlich nahe am Abgrund, sodass seine Äste auf zwei Seiten schon ein wenig darüber hinausragten. Der Hügel endete hier oben so abrupt, als hätte man ihn einfach abgeschnitten und den Rest weggebracht. Die Früchte auf dem Baum waren so groß wie kleine Kürbisse und hatten einen Geschmack wie Kirschen. Schnell nahm er einige der Kirschfrüchte in sein Lager auf und schlich sich vorsichtig wieder in Richtung seiner Hütte. Da er an diesem Tag noch nicht allzu viel gemacht hatte, ging er noch einmal hinaus und schoss noch Hasen, Wildschweine und Vögel, bis es Abend wurde. Obwohl er erst spät angefangen hatte zu leveln, schaffte er es dennoch bis zum Abend auf Level sechs. Er wollte es sich nicht eingestehen, aber es gefiel ihm hier und es machte ihm einen Heidenspaß, mit seinem Bogen auf die Jagd zu gehen, dabei Level um Level zu steigen und seine Werte zu verbessern. Es war so ein ganz anderes Leben als das von früher, voller Hektik und Zeitdruck. So endete nun der zweite Tag wieder mit Hasenbraten, da er schnell gemacht und er schon ziemlich müde war. Zufrieden und satt begab sich Sarinos zu Bett und freute sich schon auf den nächsten Tag.
Leveln und Monstertöten
Dieses Land war einfach wunderschön, der Regen fiel hier anscheinend nur nachts und am Tage war es immer angenehm warm. Irgendwie hatte Sarinos auch das Gefühl, dass immer dieselbe Temperatur herrschte und es nur nachts ein wenig kühler wurde. Er war viel unterwegs und hatte es mittlerweile in der ersten Woche auf Level zehn geschafft. Doch der Gedanke an das Vieh auf dem Hügel ließ ihn irgendwie nicht mehr los. Als er das letzte Mal von dem Monster auf dem Hügel zurückgekehrt war, war ihm eingefallen, dass er bei den Fähigkeiten auch etwas über Klarsicht gelesen hatte, mit der man etwas über seine Gegner erfahren konnte. Natürlich hatte er sie gleich erlernt, und da auch die schmackhaften Früchte zur Neige gingen, machte er sich wieder auf den Weg nach oben. Am Baum angekommen, nutzte er die Klarsicht, um etwas über das Monster herauszufinden, doch leider war sein Wert noch zu niedrig und er musste schweren Herzens einige Punkte investieren, um ihn zu erhöhen. Nun konnte er endlich herausfinden, wie stark er war. Ein Rare Gegner Level fünfunddreißig mit sehr viel Leben und verdammt stark. Er überlegte kurz, Elite Gegner waren die besonders starken und Rare waren noch um einiges stärker und gefährlicher. Also musste er höllisch aufpassen, um den zu schaffen und vor allem weiter leveln, um stärker zu werden. Die fünf Bisons hatten ihm zwar auch etwas Schaden zugefügt, aber das war kaum der Rede wert. Aber wie sähe es aus, wenn er das Monster in die Schlucht stürzen könnte, wo ihn einhundertfünfzig dieser Bisons erwarteten. Da die Bisons ganz wild auf die Früchte von diesem Baum waren, müsste man sie doch anlocken können, überlegte er. Und weil sie sich anscheinend nicht ausstehen konnten und sofort zum Angriff übergingen, wenn sie sich zu nahe kamen, sollte sein Plan doch funktionieren.
Drei weitere Wochen lang levelte Sarinos fast achtzehn Stunden am Tag und beobachtete die Bisons und das Monster. So musste er auch etwas weitere Wege in Kauf nehmen, um Gegner mit etwas höherem Level zu erwischen. Denn alle Tiere, die sich in der Nähe seiner Hütte befanden, hatten nur ein Level zwischen eins und fünf. Anfangs waren es dieselben Tiere wie die, die er bereits kannte, aber teilweise schon auf Level zehn waren. Doch dann kam er in ein Gebiet, in dem auch größere Gegner zu finden waren, die mehr Erfahrungspunkte und bessere Ausrüstung droppten. Alle Tiere, die ihm da begegneten, waren schon um einiges stärker als die in der Nähe seiner Hütte, da er auch schon einmal drei Pfeile benötigte, um sie zu töten. Das war ihm nur recht, da er so um einiges schneller vorankam. Durch seine Klarsicht sah er, dass sie alle um Level fünfzehn waren und er sie gerade noch so erlegen konnte, bevor sie ihn überrannten. Auch sah er mit „Aufspüren“, wo sich die aggressiven Tiere aufhielten, um nicht von ihnen überrascht zu werden. Von den Raptoren, die er erlegte, hatte er neue Pfeile bekommen, die doppelt so viel Schaden verursachten wie seine Holzpfeile. Sie wurden in seinem Menü unter Eisenholzpfeile geführt und waren aus schwerem hartem Holz gefertigt mit einer Eisenspitze. So hatte er in letzter Zeit nur noch die Raptoren gejagt, um genug dieser Pfeile zu erhalten. Es war ihm auch aufgefallen, dass sich sein Aussehen nicht veränderte, obwohl sein Level stieg. Mittlerweile hatte er es bis Level neunzehn geschafft und sah noch immer so aus wie an dem Tag, als er hier angekommen war. Nur seine Figur hatte sich sehr verändert, die paar Kilos zu viel hatten sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Seine dunkelblonden Haare waren etwas zu lang und mit seinem leicht muskulösen und zähen Erscheinungsbild sah er nun ein wenig wild aus. Also änderte sich das Aussehen nicht mit dem Level, sondern ganz normal mit der Zeit. Er hatte gerade auch nicht die Zeit, lange darüber nachzudenken, denn nun begann er seinen irrwitzigen Plan in die Tat umzusetzen. Er besorgte sich aus dem Hochwald eine lange Liane und transportierte sie auf den Hügel zum Baum. Dort machte er sie an einem starken Ast fest, sodass sie circa zwei Meter außerhalb des Abgrundes hinunterhing. Von der Liane konnte er sich auf einen Felsvorsprung abseilen und von dort konnte man leicht nach unten bis zum Boden klettern. Nun warf er Früchte nach unten und lockte die ganze Herde Bisons unter den Baum. Er warf auch noch einige der Früchte den Hang hinunter, um die etwa fünfzehn Tiere anzulocken, die den Rare dann hier oben angreifen sollten. Sein Plan war es, während des Kampfes auf alle Gegner zu schießen und sich so die Punkte und den Loot zu sichern. Loot nannte man die Sachen, die von den Gegnern liegen geblieben waren und man dann mitnehmen konnte. So wie Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Schmuckstücke, Münzen, Tränke und vieles mehr. Wenn der letzte Bison fiel, musste er nur noch so schnell wie möglich zu der Liane laufen und über die Kante springen, damit der Rare hinunterstürzte. Schnell legt er sich noch genug Pfeile zurecht und wartete, bis die Bisons in Reichweite kamen. Dann ging alles sehr schnell, denn die fünfzehn Tiere auf dem Hügel waren nahe genug an den Rare herangekommen und griffen ihn sofort an. Sarinos spannte seinen Bogen und schoss einen Pfeil nach dem anderen auf die sterbenden Bisons und zwischendurch auf den Rare. Als der letze Bison fiel, drehte sich das Vieh zu ihm, brüllte fürchterlich und stampfte los. Sarinos schoss ihm noch einen Pfeil in den Kopf und machte ihn damit noch wütender. Schnell drehte er sich um und rannte los, es waren nur fünfzehn Meter bis zum Baum, doch das Vieh kam immer näher. Er spürte schon fast seinen heißen Atem im Genick, als er endlich den Baum erreichte. Mit einem Satz sprang er über die Kante und klammerte sich mit aller Kraft an die Liane. Die schwang weit hinaus, worauf der Rare keine Chance mehr hatte stehen zu bleiben und kopfüber über die Kante, die fünfzig Meter nach unten stürzte. Er schlug sehr hart auf, genau in der Mitte der Bisonherde. Sarinos schwang zurück auf festen Boden und hob schnell seinen Bogen, den er fallen lassen musste, den Loot und die Pfeile auf. Danach seilte er sich schnell ab, um nicht zu viele der getöteten Bisons zu verpassen. Am Fuße der Schlucht tobte ein erbarmungsloser Kampf und Sarinos schoss von einem etwas erhöhten sicheren Platz Pfeil um Pfeil ins Getümmel. Der Rare war durch den Sturz schon schwer verletzt, doch wehrte er sich noch aus Leibeskräften und tötete Bison um Bison. Es war kaum zu schaffen, keinen der Bisons zu verpassen und keinen Loot und dieErfahrungspunkte zu verlieren. Nach fast einer halben Stunde war der Kampf vorbei, der Rare lag tot am Boden und löste sich langsam auf. Etwa fünfzehn der Bisons hatten das Massaker überlebt und liefen aufgebracht davon. Sarinos saß erschöpft auf dem kleinen Vorsprung und versuchte, den Loot aufzunehmen. Doch er bekam die Meldung, dass er nicht genug Platz in seinem Lager hatte. So sah er das ganze Zeug einzeln durch und fand einen ganz einfachen unscheinbaren Kupferring. Als er ihn genauer betrachtete und sein Identifizieren-Skill einsetzte, stand da „Artefakt“ und „Einzigartig“. Erhöht alle Werte, Resistenzen, Fähigkeiten, Erfahrung, Gold, Skillpunkte, Lootchance und sogar das Level um fünfunddreißig Prozent.Durch seine langjährige Spiele-Erfahrung wusste er gleich, dass dieser Ring etwas ganz Besonderes war. Erfreut steckte er ihn schnell an seinen Finger, worauf sich mit einem Schlag alle seine Werte und Resistenzen immens erhöhten.Auch alle seine Fähigkeiten wurden durch ihn um fünfunddreißig Prozent erhöht, was ihm viele Skillpunkte ersparte, die er sonst für sie verwendet hätte. Kurz darauf fand er auch noch einen tollen Bogen unter den ganzen Teilen. „Verzauberter Elfenbogen“, auch ein Artefakt, das Stärke, Beweglichkeit, Trefferwertung und Ausdauer um fünfundzwanzig Prozent erhöhte. Doch als er den Bogen benutzen wollte, bekam er die Meldung, dass man dafür mehr Stärke benötigte. Zum Glück hatte er die Punkte noch nicht vergeben und konnte die Stärke gleich erhöhen. Da er schon dabei war, vergab er auch gleich noch Punkte auf alle anderen Werte. Er spannte den Bogen, um zu sehen, wie schwer er zu spannen war. Als er gespannt war, legte sich wie durch Zauberhand ein Pfeil in die Sehne. Der Pfeil war nicht aus Holz, er war hellblau und fast durchsichtig. Ein Bogen, bei dem man keine Pfeile mehr mitnehmen musste und der Eispfeile verschoss. Unglaublich!, entfuhr es ihm. Es liefen gerade einige der überlebenden Bisons in etwa einhundert Meter Entfernung vorbei. Das war natürlich eine gute Gelegenheit, um zu testen, wie gut er war, wie weit er schoss und dabei auch traf. Sorgfältig legte er an und der Bogen ließ sich erstaunlich leicht spannen. Der Pfeil zischte mit einer Geschwindigkeit los, dass man ihn kaum im Auge behalten konnte. Er traf sein Ziel und mit nur einem Pfeil fiel der Bison wie vom Blitz getroffen zu Boden und war auf der Stelle tot. Sarinos lächelte, denn dieser Bogen würde ihm sein Leben hier um einiges erleichtern. Der Bogen und natürlich auch der Wahnsinnsring, den er bekommen hatte. Nun konnte er endlich auch größere Tiere jagen, ohne Angst haben zu müssen, dass er zu viele Pfeile benötigte, bis sie starben und er überrannt würde. Zum Glück erhöhte sein Ring auch die Fähigkeiten und er brauchte keine Punkte mehr für Kochen verschwenden. Da er durch die Aufwertung von fünfunddreißig Prozent auch einige neue Rezepte bekommen hatte und dadurch nun auch die Bisons und Raptoren zubereiten konnte. Dieser Artefakt-Ring hatte auch noch seine Trefferwertung auf fast einhundert Prozent gebracht. Aber auch alle anderen Werte wurden durch ihn immens erhöht. Als er sich umblickte, lagen noch haufenweise Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Fleisch und Arbeitsmaterialien sowie einige Heil- und Stärkungstränke herum. Dieser Monsterkampf hatte ihn mit einem Schlag auf Level dreißig gebracht. Und auch die Gegend um ihn herum hatte sich irgendwie verändert. Man hatte nun klare Sicht bis zum Horizont, denn der graue Schleier war verschwunden. Auf dem Weg zu seiner Hütte bemerkte er, dass auch der weiße Nebel um seine Hütte verschwunden war. Erstaunt blickte er sich um und sah, dass er nicht verschwunden, sondern sich nur verschoben hatte. Bis ungefähr fünf Kilometer rund um seine Hütte war die Sicht nun glasklar und erst danach sah man den weißen Nebel wieder. Aber da er nicht wusste, was dieser Nebel war und was er bedeutete, machte er sich zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken mehr darüber. Auch waren nun viel weniger Tiere zu sehen und es war kein einziger roter Lebensbalken mehr unter ihnen. Etwas irritiert sah sich Sarinos um und sammelte dabei all die Stoffe, Leder und was sonst noch an Arbeitsmaterial herumlag, ein. Anschließend brachte er alles in seine Hütte und verstaute es dort. Auch alles an Ausrüstungsgegenständen und Waffen verstaute er darin, nachdem er sich mit den besseren Teilen ausgerüstet hatte. Das Fleisch nahm er in sein Lager auf, damit es nicht verderben konnte. Er hatte nämlich herausgefunden, dass in seinem Lager keine Zeit verging und somit seine Lebensmittel nicht verderben konnten. Was er absolut fantastisch fand, da er fast von jedem Tier Fleisch bekam, das man sonst nirgends aufbewahren könnte, ohne dass es verderben würde. Gerade als er noch die letzten Tränke in der Truhe in seiner Hütte verstaute, machte auf einmal sein Display ein Geräusch, als würde er eine Nachricht auf einem Handy bekommen. Er öffnete es und sah, dass er tatsächlich eine Nachricht bekommen hatte. Jemand wollte mit ihm sprechen, weil er seine Hilfe benötigte. Erstaunt sah sich Sarinos um und sah dann wieder auf die Meldung, die da auf seinem Display erschienen war.
Die Waldelfen
Ich grüße Euch, Mensch, mein Name ist Haruna und ich bin eine Kriegerin der Waldelfen. Wir haben gerade Euren Kampf mit angesehen und gratulieren Euch zu Eurem Sieg über die Bestie. Gerne würden wir Euch sprechen, da wir dringend Eure Hilfe benötigen. Wir lagern im Norden außerhalb Eures Landes und würden uns freuen, wenn Ihr zu uns kommen könntet, war auf seinem Display zu lesen.
Elfen, entfuhr es ihm erstaunt und irgendwie erfreut. Er liebte die Elfen und bei jedem seiner Spiele hatte er sich, falls es sie gab, für sie als Rasse entschieden. Da er viele Fragen hatte und endlich jemand da war, mit dem man reden konnte, packte er gleich seine Ausrüstung und marschierte los in Richtung Norden. Nach einer guten Stunde erreichte er seine nördliche Grenze. Wobei, wieso eigentlich seine Grenze, dachte er, aber in der Nachricht stand „Eures Landes“, was auch immer das bedeutete. Er trat durch die Nebelwand und sah nicht weit entfernt vier Elfen an einem Feuer sitzen. Er nutzte gleich die Klarsicht und sah, dass sie zwischen Level fünfzehn und achtzehn waren. Als sie ihn erblickten, erhoben sich alle vier und baten ihn, näher zu kommen. Es waren eine junge hübsche Frau, Anfang zwanzig, und drei männliche Elfenkrieger Mitte bis Ende zwanzig. Wie eine Kriegerin sah die junge Frau weniger aus, denn sie war sehr schlank und zierlich. Sie hatte mittellange schwarze Haare und war nicht besonders groß. Ihre Begleiter waren große muskulöse Männer mit langen schwarzen Haaren, die ziemlich zerzaust waren und ihnen ein wildes und gefährliches Aussehen verliehen. Sie trugen wie er eine lange Lederhose und am Oberkörper nur eine Lederweste, wodurch man ihre muskulösen Körper sehen konnte. Das Mädchen trug ein schlichtes beiges Lederkleid, das eine Handbreit über ihren Knien endete. Alle trugen sie beige Mokassins und waren mit Bogen und Pfeilen sowie Dolchen bewaffnet. Sie wirkten freundlich und so entschloss sich Sarinos, näher zu kommen. Die Frau bot ihm einen Platz am Feuer an und sie setzten sich alle. Sie dankte ihm, dass er ihrer Bitte nachgekommen und zu ihnen gekommen war. Dann machte sie eine kurze Pause und die nutzte Sarinos, um ein paar Fragen zu stellen. Er sah die Frau an und fragte sie, was sie mit seinem Land meinte? Erstaunt sah sie ihn an und antwortete: „Ihr habt den Wächter dieses Landes getötet und so ist sein Land in Euren Besitz übergegangen. Dieser Wächter war etwas ganz Besonderes, denn normalerweise bewachen Elite-Monster die Ländereien hier. Es ist ganz selten, dass ein Rare Gegner irgendwo auftaucht, denn die bewachen ein viel größeres Stück Land. Außerdem kann man einen sehr außergewöhnlich guten Loot dabei bekommen.“ Bei ihren Worten dachte Sarinos an seinen Ring und den Bogen, den er von dem Rare bekommen hatte. Viele haben sich an dem Rare hier bereits versucht, da er eines der schönsten und fruchtbarsten Länder bewacht hatte. Sie sind aber alle gescheitert und viele verloren dabei ihr Leben. „Wo sind wir hier eigentlich?“, wollte Sarinos wissen. „Wie heißt diese Welt hier?“ „Mitera“, antwortete sie, „die Halblinge, die hier leben, nennen sie so.“ „Halblinge?“, fragte Sarinos und sah sie erstaunt an. „Ja“, antwortete die Elfin, „sie sehen Euch sehr ähnlich, sie sind nur um einiges kleiner und die männlichen Halblinge sind im Gegensatz zu den weiblichen ziemlich behaart am ganzen Körper. Sie sind ein ganz einfaches Volk und die meisten von ihnen sind Nomaden, die immer umherziehen. Allerdings haben sich einige geändert und sind sesshaft geworden. Nicht weit östlich von Eurem Land gibt es ein kleines Dorf, wo einige mit Elfen und Zwergen zusammenleben.“ „Ich bin zwar erst seit vier Wochen in dieser Welt“, erwiderte Sarinos, „aber bis jetzt habe ich nur Tiere angetroffen. Seit dieser Zeit seid ihr die Ersten, mit denen ich mich unterhalten kann.“ „Vier Wochen“, murmelte sie, „dann ist es ja noch unglaublicher, dass Ihr den Rare besiegen konntet. Wir haben nicht den ganzen Kampf gesehen, da wir von unserem Standpunkt aus die Schlucht nicht einsehen konnten, aber dass Ihr den Kampf gewonnen habt, war ganz klar zu sehen.“ Sarinos überlegte kurz, beschloss aber erstmals, nichts von den helfenden Bisons zu erzählen und fragte sie, was es mit diesem weißen Nebel auf sich hätte, der zuerst um seine Hütte und nun um sein Land verlief. „Das ist Euer Schutzwall, der sich mit Eurer Stärke immer weiter erhöht“, erklärte sie ihm. „Kommt mit, ich zeige es Euch“, sagte sie, stand auf und ging mit ihm zu seinem Grenzwall, wo sie versuchte hindurchzugehen. Aber als sie ihn berührte, war er hart wie eine Mauer. Sarinos griff neben ihr in den Wall und kam problemlos hindurch. „Je stärker Ihr werdet, desto stärker wird Euer Schutzwall“, sprach sie. „Denn es gibt hier sehr viele unangenehme Kreaturen, die Euch nach dem Leben trachten. Vor unserem Dorf ist vor kurzer Zeit so eine Kreatur erschienen, es ist ein Elite-Saurier, der auch wie der Rare bei Euch Land beansprucht. Da wir nicht stark genug sind, ihn zu töten, verkleinert er täglich unser Land um ein kleines Stück. Nur der Stärke meines Vaters hatten wir es zu verdanken, dass wir das Land überhaupt bekommen hatten. Er und meine Mutter wurden bei dem Kampf um dieses Land sehr schwer verletzt, und obwohl sie sich wieder langsam zu erholen schienen, sind sie eines Tages plötzlich gestorben. Viele meines Volkes vermuteten, dass die Ältesten etwas damit zu tun hatten, da sie bei meinem Vater nicht viel zu sagen hatten. Doch konnte man ihnen nichts nachweisen und jeder, der etwas darüber erwähnte, war plötzlich verschwunden. Leider ist es nun schon so weit, dass wir das Land meines Vaters bald verlieren werden. Unsere Ältesten haben mich den Dunkelelfen versprochen, wenn sie für uns diese Elite-Kreatur töten. Doch auch sie sind gescheitert, seitdem suchen sie uns nun immer wieder heim und überfallen uns, da sie gesehen haben, dass wir alle schwächer sind als sie. Nur wenn ich die Frau ihres Anführers werde, wollen sie damit aufhören. Wie Ihr sehen könnt, bin ich keine sonderlich gute Kriegerin, ich bin eigentlich auch keine. Ehrlich gesagt bin ich die Königin meines Volkes der Waldelfen. Ich sage Euch das, damit Ihr seht, dass ich es ehrlich meine und nichts zwischen uns steht. Das heißt, wenn ich mich mit den Dunkelelfen einlasse, stirbt mein Volk. Denn die werden keinen Finger krumm machen, um meine Leute zu retten und mich einfach mit sich nehmen. Ihr Anführer hat uns ein Ultimatum gestellt und wird heute Abend kommen, um sich meine Antwort abzuholen. Wenn ich es ablehne, seine Frau zu werden, wird es zum Krieg kommen. Außerdem haben wir nicht mehr viel Zeit, bis die Bestie uns erreichen und vertreiben wird.“
