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Im Fahrstuhl trifft Leon auf seine neue Nachbarin Gina. Als dieser stecken bleibt und die beiden auf Hilfe warten, lernen sie sich intensiver kennen. Dank einiger Gemeinsamkeiten entwickelt sich nicht nur eine gewisse Sympathie zwischen ihnen, sondern sie beginnen sogar miteinander zu flirten. Doch wieso kommt auch nach Stunden niemand, um die beiden aus dem Fahrstuhl zu holen? Gina ahnt noch nicht, welche Konsequenzen diese Begegnung mit sich bringen wird. Mache dich gefasst auf ein brutales, gestörtes und gleichzeitig spannendes Buch, welches dich nachts nicht mehr schlafen lässt. Lies es, wenn du dich traust!
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Seitenzahl: 150
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Kapitel 1:Schwarzer Honig
Kapitel 2:Menschliches Tagebuch
Kapitel 3:Blutiger Regenbogen
Kapitel 4:Creampie oder Tod
Kapitel 5:Goldene Schmetterlinge
Kapitel 6:In Hässlichkeit geboren
Kapitel 7:Das Einhorn und der Schokokuss
Kapitel 8:König der gebrochenen Herzen
Der Autor distanziert sich von allen Handlungen oder Meinungen der Charaktere. Dieses Buch dient ausschließlich der Unterhaltung.
Impressum
Texte: Timo Januschewski
Cover: Merrybookround
Lektorin: Daniela Fafara
Verlag: epubli
Mit meinen vollen Einkaufstüten im Arm versuchte ich mit dem Zeigefinger das grünleuchtende Symbol„EG“auf dem Tableau des Fahrstuhls zu erreichen. Dies gelang mir jedoch erst beim dritten Versuch und setzte damit den Fahrstuhl hörbar in Bewegung, während beinahe zeitgleich die Anzeige über der Fahrstuhltür, mit einem nach unten zeigendem Pfeil, aufleuchtete. Es war Samstagabend kurz nach 20 Uhr. Draußen herrschte eine spätsommerliche Luft, die durch Grillgeruch von mehreren Fressbuden aus der Umgebung getränkt wurde. Beharrliche 22°C zeigte die Anzeige im Treppenhaus an, welche in modisch ansprechenden hellgrauen Fliesen, verarbeitet wurde. Der Mülleimer aus Edelstahl, unter dem Tableau, wirkte neu und unbenutzt. Er hatte nicht einen kleinsten Fetzen Müll oder einen minimalsten Schmutzfleck aufzuweisen, stellte ich fest, als ich ihn begutachtete und dabei die Schritte von hochhackigen Schuhen wahrnahm, welche hinter mir immer näher kamen.
Ein Signal ertönte und die Fahrstuhltür öffnete sich behutsam. Ich stieg ein und drückte mit meinem Ellenbogen auf das Symbol für die erste Etage. In dem Moment gesellte sich eine Frau zu mir, die mir kurz in die Augen sah und mir mit einem aufgesetzten Lächeln zunickte; ehe sie ihren Blick von mir abwandte, um sich, mit dem Rücken zu mir gewandt, nah an der Tür zu positionieren. Ich begutachtete sie dabei, wie ein aufmerksamer Kojote in einer langen Dürreperiode, der nicht nur eine neue Wasserquelle entdeckt hatte, sondern dem obendrein noch Fleisch ins Maul gelegt wurde.
Als sich die Tür schloss, drückte sie schnell noch auf das Symbol für das zweite Geschoss. Es dauerte ein oder auch zwei Sekunden, ehe sich der Fahrstuhl wieder in Bewegung setzte. Diesmal nach oben.
Der Innenraum des Fahrstuhls roch schnell nach ihrem lieblichen Parfüm. Süß, leidenschaftlich und doch so elegant. Ein passender Duft für eine elegante Frau. Dieses Aroma harmonierte mit ihrem adretten Kleidungsstil. Sie trug Stöckelschuhe, einen Mini-Rock samt Strumpfhose und dazu ein enges Top – alles ganz in schwarz. In ihrer linken Hand hielt sie eine rote Handtasche, an der ein kleiner Anhänger befestigt war. Auf diesem war in Großbuchstaben das Wort Gina zu lesen.
Ihr blondes Haar trug Sie offen und ich konnte einen leichten Kokosnussgeruch wahrnehmen, der von ihren Haaren stammte. Ihre Brust schätzte ich auf ein anständiges C-Körbchen. Die Beine hatten eine anständige sportliche, aber zudem feminine Form. Der Hintern hatte eine für mich sehr ansprechende Apfelform, wie ihn Frauen leider nur allzu selten haben. Ihr Highlight waren aber weder ihre Titten, Arsch, Haare oder Beine, sondern ihre Augen. Funkelnde, einnehmende, grüne Augen, in denen man sich quasi ertrinken sah, während man in diese blickte. Man sagt ja, dass die Augen der Spiegel der Seele sind und bei ihr konnte man durchaus behaupten, dass sie ein Engel sein musste. Es reichten ein paar wenige Sekunden dafür aus, dies festzustellen. Noch nie hatte mich jemand so sehr fasziniert, den ich vorher noch nie gesehen hatte.
Wie mir bewusst wurde, welch ein Format Frau dort vor mir stand, begann ich im Gesicht zu erröten und merkte gleichzeitig, wie alles an mir zu schwitzen begann. Ein flaues Gefühl im Bauch kam als weiteres Instrument zum Orchester des Unbehagens dazu. In meinem Kopf spielte sich direkt eine wilde Sexszene ab, wie ich sie einfach von hinten fickte. In Gedanken sah ich wie ich hinter ihr stand; ihren süßen kleinen Mini-Rock hochschob, dabei ihre Strumpfhose runter riss, während ich mit meiner Hand auf ihren Arsch klatschte und letztendlich meinen harten Schwanz in ihr enges Fickloch stopfte. Meine Hände sah ich schon überall an ihrem Körper und dachte mir nur, dass ich keine zwei Minuten in ihr aushalten könnte – vorzeitiger Samenerguss wäre somit inklusive gewesen.
Mitten in meinen Gedanken über die nächste Sexstellung stoppte der Fahrstuhl. Sie schrie für einen Moment als für etwa eine Sekunde vorübergehend das Licht ausging. Ich legte meine Einkäufe auf den Boden und drückte mehrmals den Notschalter, während sie sich zu mir umdrehte.
ICH: »Na, super!«, sagte ich mit einem ironischen Unterton.
GINA: »Nicht das noch!«, seufzte sie.
ICH: »Ist doch nicht so schlimm. In ein paar Minuten sind wir hier raus.«
GINA: »Das will ich auch hoffen«, lächelte sie mich dabei leicht verkrampft an.
ICH: »Heute noch viel vor?«
GINA: »Ja, ich ziehe hier neu ein und wollte noch einige Kartons auspacken.«
ICH: »Oh, wie schön. Du bist also meine neue Nachbarin? So lernt man sich ja direkt mal kennen. Ich dachte mir schon: „Wo will die denn hin?“«
GINA: »Ich bin kein Einbrecher – keine Sorge. Ich bin Gina und Sie?«
ICH: »Leon. Ich bin aber gar nicht so alt, wie ich aussehe und das Du wäre für mich vollkommen okay«, und zwinkerte ihr dabei zu.
Sie nickte mir zustimmend entgegen und lächelte nun etwas unverkrampfter.
GINA: »Bist du hier schon öfters stecken geblieben oder wieso hast du die Ruhe weg?«
ICH: »In der Tat. Dies ist hier nicht mein erstes Mal. Ich war vor drei oder vier Wochen in einer ähnlichen Situation. Dauerte aber keine 45 Minuten bis ein Monteur kam und den Stahlkasten hier wieder in Bewegung gebracht hatte.«
GINA: »So lange? Aber na ja, das werden wir auch noch überleben.«
ICH: »Das will ich doch wohl hoffen.«
Sie nahm ihr Handy aus der Handtasche, schaute drauf und runzelte die Stirn.
GINA: »Mist! Ich habe hier nicht mal Empfang. Ich hätte sonst gesagt, dass wir mal irgendwo anrufen, damit das Ganze vielleicht etwas beschleunigt werden kann. Wie sieht es mit dir aus? Hast du Netz?«
ICH: »Leider habe ich mein Handy in der Wohnung gelassen«, und zuckte dabei verlegen mit den Achseln.
GINA: »Zum Glück haben wir mit dir ja einen Bleib-im-Fahrstuhl-stecken-Experten.«
Sie lächelte und steckte ihr Handy wieder in die Handtasche zurück.
GINA: »Wie ist es denn hier so? Ganz abgesehen, dass es Probleme mit dem Fahrstuhl gibt«, schaute sie mich interessiert an.
ICH: »Also, ich wohne ja gleich im ersten Geschoss und habe unter mir das Büro der Versicherung, wo man manchmal - zumindest in der Woche - mal Bewegung wahrnimmt oder sowas, aber ansonsten ist es hier echt ruhig. Die Wohnung, in die du ziehst, ist ja schon seit einigen Monaten leer. Die beiden Buden darüber erst seit ein paar Wochen.«
GINA: »Woher weißt du in welche Wohnung ich ziehe?«, schaute sie mich diesmal, mit gerunzelter Stirn, fragend an.
ICH: »Na ja, du hast auf das 2. OG gedrückt. Da lag es recht nahe, dass dies wohl deine Wohnung ist.«
GINA: »Ah, okay. Sehr aufmerksam«, und strich sich dabei mit ihrer rechten Hand durchs Haar.
ICH: »So bin ich. Ein aufmerksamer Nachbar.«
GINA: »Hm, gut zu wissen.«
ICH: »Schön, endlich mal wieder etwas Leben hier im Haus zu haben.«
GINA: »Glaube ich dir. Verstehe auch gar nicht, wieso hier nicht alle Wohnungen vermietet sind. Ich war deshalb anfangs auch echt skeptisch die Wohnung zu nehmen. Aber der Vermieter, Herr Gutberger, meinte, dass er die anderen Wohnungen modernisieren will und es zu teuer ist, um alle gleichzeitig zu machen. Er will die Modernisierungen deshalb erst ab dem nächsten Jahr sukzessiv beginnen. Ich nahm mir dann aber ein Herz und hab den Mietvertrag dann einfach unterschrieben. Ich dachte mir: „Gina, ausziehen kannst du immer noch.“«
Ich nickte ihr zustimmend zu.
GINA: »Wenn die anderen Mieter, die vielleicht in geraumer Zeit dazukommen, aber auch so nett sind wie du, dann werde ich hier sicherlich sehr alt werden«, und begann zu lachen.
Wieder nickte ich ihr zustimmend und aufmerksam zu – untermalt von meinem freundlichsten Lächeln.
GINA: »Du wohnst alleine hier? Oder mit deiner Frau oder Freundin?«
ICH: »Ich wohne allein. Also, mittlerweile allein. Meine Ex und ich sind hier vor 5 Jahren zusammen eingezogen, aber seit etwa einem Jahr wohne ich hier nun allein«, und ich senkte dabei meine Stimme.
GINA: »Da sagst du ja was…«
Ich: »Wieso?«, fragte ich skeptisch.
GINA: »Mein Freund - oder jetzt eher - Ex-Freund, hat mich gestern per Whatsapp abserviert.«, sie senkte ebenfalls ihre Stimme und zog ihre Mundwinkel für einen Augenblick nach unten.
ICH: »Oh, was? Das gibt’s doch nicht. Genau das hatte meine Ex bei mir damals auch gemacht.«
GINA: »Nein, echt?«, und guckte mich dabei, mit offenem Mund, erstaunt an.
ICH: »Ja, mein Ernst. Ist wohl modern heutzutage das so zu machen. Sowas ist absolut unpersönlich und widerlich. Da kann man doch zumindest den Mumm beweisen und es persönlich machen, oder?«
GINA: »Sehe ich genauso. Er meldet sich auch gar nicht mehr. Habe ihm mindestens 20 Nachrichten geschickt und auch versucht anzurufen – keine Reaktion. Nur eine lausige Nachricht und das war´s?«, sagte sie recht wütend.
ICH: »Da haben wir ja schon zwei Gemeinsamkeiten. Wir leben nicht nur unter einem Dach, sondern leben beide auch im Club der einsamen Herzen – oder besser gesagt: Im Club der einsamen und versehrten Herzen.«
GINA: »Ich kann es noch immer gar nicht fassen. Einfach aus dem Nichts. Er meint, er habe jemanden kennengelernt und will nun ein anderes Leben führen. Nach fünf Jahren? Einfach so?«, fuhr sie immer noch recht wütend fort.
ICH: »Die Liebe ist wie schwarzer Honig. Süß und aufwendig, durch viele kleine Einzelteile produziert und doch dunkel wie die Nacht.«
GINA: »Da stimme ich dir zu. Das wird mich noch sehr lange mitnehmen.«
ICH: »Glaube ich dir. Ein gebrochenes Herz verändert Menschen, aber ich wünsche dir, dass du schnell darüber hinweg kommst. Viele dumme Sprüche gibt es da ja, die Freunde immer ganz schnell zu einem sagen; aber ich glaube, du weißt, was ich meine.«
GINA: »Du meinst zum Beispiel: „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ oder „Das wird schon wieder“?«
ICH: »Genau die und ungefähr drei Millionen weitere kluge Sprüche..«, und rollte dabei die Augen nach oben.
GINA: »Ich hab seit gestern schon ungefähr die Hälfte davon gehört.«
ICH: »Ich kenne sie echt alle, aber das Einzige, was wirklich hilft, ist…«
GINA: »Na..?«, unterbrach sie interessiert.
ICH: »Ablenkung und Zeit.«
GINA: »Hm. Trotzdem tut es so verdammt weh. Ist zwar nicht meine erste Trennung, aber die mit der längsten Beziehungszeit. Schließlich kann ich fünf Jahre nicht einfach so wegwischen, wie er es tut.«
ICH: «Absolut! Wie gesagt, ich kenn es und bei mir sind die Wunden frisch verheilt. Bei jedem Auto, das wie ihres aussah, dachte ich, dass sie es sein könnte und mein Herz blieb jedes Mal beinahe stehen: Bei jeder, die ihr Parfüm trug, musste ich fast heulen und bei vielen Orten, an den wir zusammen waren, musste ich oft langfahren - das hat mich einige Monate wirklich sehr belastet.«
GINA: »Hör bloß auf…«, seufzte sie, während ihre Augen aussahen, als würde sie jeden Moment anfangen zu weinen.
ICH: »Ich glaube, wir reden lieber über etwas anderes«, und berührte für einen kurzen Moment, mit meiner rechter Hand, ihren linken Oberarm.
GINA: »Momentan bin ich nicht so glücklich.«
ICH: »Das kommt schon wieder, denn glücklich sein funktioniert wie ein Muskel. Erstens: Man kann es durch harte Arbeit trainieren. Zweitens: Wo einmal etwas aufgebaut wurde, kann man schnell wieder etwas aufbauen.«
Sie lächelte mich für einen kurzen Augenblick an, ehe sie wieder etwas nachdenklich wirkte.
ICH: »Was sind denn die drei wichtigsten Dinge, die man über dich wissen sollte?«, und versuchte damit vom Thema Liebe abzudriften.
GINA: »Über mich als Mieterin oder jetzt so generell?«
ICH: »Gern beides«, und lächelte sie höflich dabei an.
GINA: »Also, als Mieterin bin ich ruhig, sauber und hilfsbereit. Ich denke als Mensch so generell bin ich ehrgeizig, positiv eingestellt und besitze ein großes Herz – oft nur zu groß, da es andere oft ausnutzen. Und bei dir?«
ICH: »Als Mieter teile ich die gleichen Eigenschaften mit dir und als Mensch bin ich ein sehr aufgeschlossener, experimentierfreudiger und spontaner Typ.«
GINA: »Was machst du beruflich?«
ICH: »Ich bin selbstständig. In der Webbranche. Nichts sonderlich interessantes und du?«
GINA: »Ich bin Bankkauffrau.«
ICH: »Du hast eine tolle Figur, wenn ich dir das mal so direkt sagen darf.«
Sie lächelte etwas beschämt und wurde rot im Gesicht. Ich hatte sie mit diesem doch etwas plumpen Satz etwas aus dem Konzept gebracht.
GINA: »Danke«, sagte sie mit leiser verlegener Stimme, während ihr Blick kurz von mir abwich und zum Boden ging.
ICH: »Du machst sicher sehr viel Sport, oder?«
GINA: »Ich bin vier bis fünf Mal die Woche im Gym.«
ICH: »Ich bin auch so alle zwei Tage da. Ich hasse es, wenn die Leute immer ewig lange an den Geräten miteinander reden, anstatt zu trainieren«, und rollte dabei kurz die Augen.
GINA: »Ja! Schlimm, oder? Mich starren dazu ständig Kerle an. Manchmal nervt auch das, aber ich denke mir dann immer: „Gina, lass sie ruhig gucken. Du bist eine hübsche Frau, da ist es normal.“«
Erst wusste ich gar nicht, was ich auf diesen Satz antworten sollte. Sie sagte ihn trocken und ohne die Miene zu verziehen. Irgendwie klang es eingebildet, aber immerhin war sie nicht wieder kurz davor zu heulen.
ICH: »In welchem Gym bist du?«
GINA: »BodyWorldFitness24und du?«
ICH: »Würde ich dir das verraten, würdest du mich da ja stalken«, antwortete ich ihr ironisch und zwinkerte ihr dabei zu.
GINA: »Das wüsste ich aber«, erwiderte sie ebenfalls im gleichen ironischen Tonfall.
ICH: »Und wenn du nicht in der Bank arbeitest und zum Sport gehst? Was machst du dann so?«
GINA: »Schaue viele Serien und lese auch hin und wieder ein gutes Buch. «
ICH: »Ich auch – zumindest schau ich viele Serien. Da haben wir ja wieder was gemeinsam. Was guckst du denn so? Die typischen Frauenserien wieGrey´s AnatomyoderGossip Girl?«
GINA: »Na, klar. Aber nicht nur. Ich mag auchDexter,True Detectiveoder sowas.«
ICH: »Dexterist super. Eine Serie mit einem ordentlichen Serienende, denn da…«
GINA: » Nein, nein! Bloß nicht spoilern! Ich bin aktuell bei der letzten Staffel«, unterbrach sie mich.
ICH: »Oh, sorry. Ist aber eine super Serie. So viel sei gesagt: Lohnt sich sie zu Ende zu schauen.TheSopranoshaben zum Beispiel ein fürchterliches Ende.The Shieldauch. Falls dir die Serien etwas sagen?«
GINA: »Ne, die sagen mir nichts. Aber ich werde die meiden, wenn ich die beim Stöbern nach neuen Serien aufNetflixsehe.«
ICH: »Besser so. Wenn du eine neue Serie brauchst, kannst du mich jederzeit gerne fragen.«
GINA: »Ich werde bestimmt mal drauf zurück kommen.«
Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es waren erst zehn Minuten vergangen, seitdem ich auf den Notknopf gedrückt hatte. Daher betätigte ich den Knopf prophylaktisch noch ein paar Male.
ICH: »Na, hoffentlich müssen wir hier nicht die ganze Nacht noch herumhängen.«
GINA: »Wieso denn auch? Du sagtest doch, dass es das letzte Mal auch schnell ging.«
Sie schaute mich verdutzt an und kräuselte dabei ihre Stirn.
ICH: »Nur so daher gesagt, aber wenn doch…«
GINA: »Hast du hoffentlich etwas Schönes zu essen in deinen Einkaufstüten«, ergänzte sie und zeigte mit ihrem Finger auf die vollgepackten Tüten.
ICH: »Soweit wird es schon nicht kommen. Für das Hackfleisch wird es aber ohnehin schon zu spät sein. Sehr ärgerlich.«
GINA: »Ich esse kein Fleisch. No, no!«
ICH: »Bist du Vegetarierin oder sogar vegan?«
GINA: »Vegan leider noch nicht hundertprozentig, aber ich lebe vegetarisch. Was das Kochen mit meinem Ex aber auch nicht immer angenehm machte.«
»Wie sehr ich das Wort Ex-Freund hasse«, dachte ich mir. Ich überlegte, ob ich auf den Ex-Kerl wieder eingehen sollte, aber ich entschloss mich letztendlich dagegen.
ICH: »Gute Einstellung«, antwortete ich lapidar.
GINA: »Wieso isst du Fleisch? Weißt du, wie die Tiere gehalten werden? Weißt du, was die alles für Mittel ins Fleisch geben?«
ICH: »Ich bin da wohl der Gewohnheits-Fleischesser. Esse aber auch nicht viel und wenn nur Bio. Ich achte schon auf gute Qualität«, antworte ich ihr höflich, anstatt ihr zu sagen, wie scheißegal mir die Tiere in Wirklichkeit waren.
GINA: »Ich kann das mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren«, und schüttelte dabei den Kopf.
ICH: »Ich finde das sind schon irgendwo Luxussorgen, denn vor 100 oder 200 Jahren konnte man da nicht so darauf achten.«
GINA: »Da lebten die Tiere aber nicht in der Massentierhaltung und da wurde auch keine Chemie ins Fleisch, beziehungsweise in die Tiere, gespritzt.«
ICH: »Bei dem Thema kann man sich schnell in die Haare kriegen. Ich akzeptiere aber deinen Standpunkt voll und ganz. Vielleicht sollte ich mir das nochmal genauer durch den Kopf gehen lassen«, entgegnete ich ihr, um nicht auf Kriegsfuß mit ihr zu gelangen.
Sie nickte mir einsichtig zu und strich sich wieder durchs Haar. Ein eleganter Anblick: Grazil und charmant zugleich.
GINA: »Zum ersten Mal wünsche ich mir die Fahrstuhlmusik zurück, wie die im Aufzug auf meiner Arbeit«, sprach sie mit einem gequälten Lächeln.
ICH: »Sicher läuft da auch im Sommer die Instrumental Version vonLast Christmasoder es dudelt ständig nurI did it my way, stimmt´s?«
GINA: »Ach, das wäre noch schön. Da läuft nur Klassik. Also:Bach,Vivaldi,Beethoven, Chopin, Wagner, Mozartund wie sie alle heißen.«
ICH: »Da kennt sich aber jemand aus.«
GINA: »Mein Ex spielt Klavier und von denen hat er einige Stücke geprobt. Ich kenne die wichtigsten klassischen Werke mittlerweile in und auswendig.«
Schon wieder sagte sie das Wort, welches ich bei einem Gespräch mit einer Frau am wenigsten hören mag. Ich ignorierte es wieder und nickte ihr nur einmal kurz, aber freundlich, zu.
ICH: »Aber du selbst hörst eher etwas anderes, nehme ich an?«
GINA: »Ich höre echt alles. Früher sogar mal Rock, aber mittlerweile darf es auch gern mal House sein. Und du?«
ICH: »Ich bin da auch sehr breit aufgestellt. Also, vonElvisüberMetallicabis hin zuMarteriaist echt alles dabei.
GINA: »Da haben wieder etwas gemeinsam. Ich liebeMarteria. Der hat so schöne Auge – und macht natürlich tolle Musik.«
ICH: »Gute Musik auf jeden Fall, aber die hübscheren Augen hast eindeutig du.«
Sie verharrte für ein oder zwei Sekunden und begann dann zu lächeln. Es wirkte auf mich, als ob ihr langsam klar wurde, dass wir hier mitten in einem Flirt steckten.
GINA: »Süß«, antwortete sie nach ihrer kleineren Überlegungspause. Anschließend kramte sie in ihrer Handtasche und schaute erneut aufs Handy.
ICH: »Na, hast du nun ein Signal?«
GINA: »Nein, irgendwie immer noch nicht. Bei der Besichtigung letztens ging es mit dem Empfang ja auch im Fahrstuhl, weil Marc ja unbedingt die Fußballergebnisse wissen wollte und er sein Handy im Wagen liegen gelassen hatte.«
ICH: »Marc? Sicher dein…«
GINA: »Ex! Genau!«, ergänzte sie meinen Satz.
ICH: »Jetzt stecken wir hier fest und du hast obendrein auch noch Netzprobleme. Wenn mal etwas schiefläuft, dann meistens aber richtig.«
GINA: »So wird es wohl sein“, sprach sie leicht geknickt und steckte das Handy wieder ein.
ICH: »Man hängt ohnehin viel zu oft an den kleinen Dingern fest. Die Leute verbringen immer mehr Zeit mit ihren Handys, anstatt ihre Freunde zu treffen. Ich lege mein Handy oft ganz bewusst weg und schalte es übers Wochenende auch gerne einmal aus. Das nenn ich für mich: Freiheit!«
