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Die Fortsetzung der 'Satirischen Sketche' widmet sich wieder den kleinen Missverständnissen und Unpässlichkeiten, die sich ständig ergeben und von Paul Lammers gerne aufgegriffen werden, um uns allen mit einem Augenzwinkern den Spiegel vorzuhalten. Getragen wird das Buch von den Geschichten um Kommissar Meyer und Polizeimeister Funke, die auch in diesem Band wieder ihr Bestes geben, aber dennoch mehrmals um Haaresbreite die halbe Stadt in Schutt und Asche legen. Aber es gibt auch Positives aus Osselröde zu berichten: Funke heiratet und sein Auto bekommt einen Ehrenplatz im Museum.
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Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Paul Lammers
Die Fortsetzung von Satirische Sketche 1 & 2. Mit von der Partie sind wieder Kommissar Heinz Meyer und Polizeimeister Herbert Funke. Unterbrochen werden die Kommissar-Meyer-Geschichten von Sketchen über eine sich rasch ändernde Welt, die die Lachmuskeln arg strapazieren. Alle Kurzgeschichten in diesem Buch sind wiederum als Sketche für Fernsehproduktionen gedacht.
Imprint
Satirische Sketche 3 Paul Lammers published by: epubli GmbH, Berlin www.epubli.de Copyright: © 2014 Paul Lammers ISBN 978-3-7375-0945-9 Korrigiert von Jochen Behrendt, Mainz
Lektorat: Erik Kinting / www.buchlektorat.net Covergestaltung: Erik Kinting
Für Jochen und Petra
Im Krankenhaus von Osselröde liegt neben anderen Patienten seit Kurzem auch der Kommissar Meyer. Jedenfalls das, was von ihm übrig ist, denn er sieht aus, als ob er gerade vom Dach gefallen ist. Wie ein Gipsmodell mit offenen Stellen und tiefen Kratzern ist er ans Bett gefesselt und liegt scheinbar in den letzten Zügen, als der Hauptkommissar ihn besucht.
"Nun, Herr Meyer, dann erzählen Sie mir mal, was da genau passiert ist und was Sie in diese bedauernswerte Lage versetzt hat."
"Also, Herr Hauptkommissar", murmelt der Kommissar vor sich hin. "Es war an einem herrlichen Frühlingstag, als ich im Garten ein kleines Loch gegraben habe … um da drin einen neuen Baum zu pflanzen, für meine Frau, verstehen Sie … als meine Frau mich rief …"
"Heinz! Der Kaffee ist fertig!", ruft Frau Meyer ihrem Mann zu, der ziemlich zufrieden einen neuen Baum betrachtet, den er gerade gepflanzt hat. Mit einer Harke macht er noch die Erde um den Baum zurecht und geht dann rein, weil es Kaffee und Kuchen gibt.
"Na, Heinz, da freue ich mich schon richtig auf mein Bäumchen, wenn der anfängt zu wachsen", sagt Frau Meyer, während sie den Kaffee einschenkt.
"Sieht gut aus, oder?", meint der Kommissar.
"Schon", antwortet seine Frau, die dabei nach draußen schaut. "Schöner wäre es, wenn du im Garten ein Loch graben würdest, wo du den Abfall aus dem Garten reinkippen kannst … ein richtig großes Loch!"
"Aber das ist doch ruck, zuck voll?", antwortet er und schlürft an seinen Kaffee.
"Das vermodert ja nach geraumer Zeit, außerdem brauchst du das dann nicht mehr zu entsorgen!"
"Wenn du das möchtest, fange ich sofort an."
"Lieb von dir."
"Für dich, mein Liebchen, mache ich alles, das weißt du doch."
"Wenn du fertig bist, steht dein Bierchen kalt."
Kommissar Meyer küsst seine Frau und macht sich anschließend im Garten an die Arbeit.
Eine Arbeit, die ihm schwerfällt, vor allem wegen seines Rückens. Froh und erleichtert ist er dann, als das Loch endlich fertig ist, vor allem, weil seine Schaufel auf etwas Hartes stößt und er deswegen nicht tiefer gehen kann. Die Erleichterung ist jedoch von kurzer Dauer, als seine Frau ihm bei der Arbeit zuschaut.
"Als Nächstes kannst du gleich noch den Rasen mähen und dann vertikutieren, denn wie das Gras ist auch das Moos kräftig gewachsen, findest du nicht?", ruft sie ihm von der Tür aus zu.
"Zu Befehl, Frau Meyer", brummt er vor sich hin und geht zur Garage, wo der Mäher steht, der auch als Vertikutierer eingesetzt werden kann. "Nach fünf Zentimetern sollte eigentlich all das Gras einen Bogen schlagen und wieder zurück in die Erde wachsen, dann bräuchte ich nie mehr im Leben zu …"
"Mit wem redest du da gerade?", fragt sei, also sie plötzlich hinter ihm steht.
"Nur mit dir, Liebste, nur mit dir!", antwortet er und fängt sofort an mit Rasenmähen.
Bis zu diesem Punkt ist es eine Geschichte wie tausend andere, von einem durchschnittlichen Tag, an dem Menschen aller Länder versuchen ihren Garten zu pflegen. Nicht aber für den Kommissar Meyer, denn was als normaler Tag beginnt, entwickelt sich zu einer Verkettung von Ereignissen.
Es beginnt, als es anfängt leicht zu regnen und der Kommissar einen Anruf bekommt. Er hört kaum etwas, weil der Rasenmäher Krach macht.
"Meyer! Funke, du? Was ist los? Ich kann dich kaum verstehen, denn ich bin gerade dabei den Rasen … " In diesem Moment fällt ihn das Handy aus der ermüdeten Hand und fällt unglücklicherweise unter den Rasenmäher. Sofort wird das Handy zerkleinert, wobei ein winziges Stückchen Metall durch die Messer zum Nachbarn geschleudert wird, was dazu führt, dass bei den Nachbarn das Glas im Wohnzimmer in die Brüche geht.
Vor Schreck springt der Kommissar vom Rasenmäher und stürzt daraufhin hintenüber in das große Loch, das ja eigentlich für die Gartenabfälle vorgesehen war, als der Hebel für den Antrieb vom Rasenmäher sich irgendwie verklemmt hat.
Mit dem Rücken fallt er auf etwas Hartes, als der Rasenmäher auf höchster Geschwindigkeitsstufe Reißaus nimmt Richtung Straße. Stöhnend kommt der Kommissar auf die Beine und sieht unter sich etwas, das verdächtig nach einer alten Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg aussieht. Total erschrocken will er aus dem Loch klettern, aber landet diesmal mit dem Bauch auf der Bombe.
Zur selben Zeit schlagen aus dem vom Handyschrott verklemmten und dadurch überhitzten Rasenmäher schon die Flammen, während er auf der Straße von einem Laster gerammt wird. Der Fahrer will dem Ding ausweichen, rumpelt dabei über Meyers Rasen und vertikutiert sehr gründlich das Moos, wobei auch der neue Baum zu Kleinholz gemacht wird.
Der Nachbarn will sich erkundigen, was bei Familie Meyer los ist. Von den Glasscherben, die ihm um die Ohren geflogen sind, ganz blutig, läuft er nach draußen und wird dabei beinahe von Funkes Streifenwagen überfahren. Mit einem Ruck am Lenkrad weiß Funke Schlimmeres zu verhüten, wobei sein Wagen aber umkippt.
Wie angenagelt steht Frau Meyer hinter dem Fenster und verfolgt die Verkettung der Geschehnisse. Sie sieht ihren Mann wie aus einem Schlammbad aus dem Loch klettern und wie er mittels Gebärden versucht deutlich zu machen, dass alle Reißaus nehmen sollen. Alle verstehen die Zeichen richtig und können sich gerade noch in Sicherheit bringen, als der Rasenmäher, vom Laster umgedreht und auf dem Rückweg über den Rasen, in das Loch stürzt und die alte Bombe zur Explosion bringt.
In Sicherheit bringen konnten sich jedoch nur alle anderen, nicht jedoch der Kommissar und sein Haus, gerade frisch gestrichen. Streichen konnte man auch den Kommissar für längere Zeit, genauso wie das Haus, das drinnen noch nie so gut gelüftet wurde.
"Das ist schon eine Geschichte, Herr Meyer", meint der Hauptkommissar.
Am Krankenbett sitzen neben dem Hauptkommissar auch Frau Meyer und Funke, als der Arzt eintrifft.
Er schaut die Anwesenden an. "Wir haben diesen Patienten nur vornüber auf seinen Knien auf der Bahre ins Krankenhaus bringen können, denn anders ging es gar nicht. Üble Sache ", meint der Arzt und zeigt auf den Kommissar, der mit dem Bauch über einer Erhöhung liegt, wobei alle auf sein Hinterteil schauen.
"So habe ich meinen Vorgesetzten aber noch nie gesehen!", murmelt der vom Umkippen seines Streifenwagens noch immer etwas benommene Funke, der die Pralinen mitgenommen hat und nun selber davon nascht.
"Ach, der Ärmste, er hat die Embryonalhaltung angenommen", meint Frau Meyer.
Der Funke sieht sie an. "Wie ich hörte, haben manche Nachbarn auf bestimmte Stellen im Haus plötzlich Fenster, wo gar keine geplant waren."
Der Kommissar fängt an zu stöhnen.
"Sie mal, wie übel mein Mann dran ist, und du redest von Fenstern! Aber trotzdem danke, Funke. Nett, dass ich bei dir wohnen kann, denn von unserem Haus stehen nur noch einige Wände", meint Frau Meyer.
Der Arzt mischt sich wieder ein: "Nach meinen Erkenntnissen wird der Patient, wenn er das Krankenhaus verlassen kann, in der ersten Zeit nur auf allen vieren kriechen können."
Der Hauptkommissar guckt bedenklich. "Dann müssen wir, was die Arbeit angeht, uns den Umständen anpassen."
"Nun, Herr Hauptkommissar", antwortete Funke. "Wenn nötig, wird der Kommissar auch auf allen vieren einsatzbereit sein, da bin ich ganz sicher."
"Vielleicht", antwortet der Hauptkommissar. "Das bringt mich zur nächsten Frage. Denn wie ich hörte, hat bei der Sache auch Ihr Streifenwagen etwas abbekommen, oder?"
"Nur der Außenspiegel, Herr Hauptkommissar."
"Na, Gott sei Dank!"
"Das nicht gerade, denn der Wagen liegt noch drauf."
Frau Meyer sieht die beiden Polizisten an: "Nun, ihr zwei, mein Mann liegt fast in den letzten Zügen, unseres Haus wartet nur noch auf die Abbruchgenehmigung und ihr redet nur von der Arbeit."
Funke hält Frau Meyer und dem Hauptkommissar die Dose Pralinen hin: "Bitte, versuchen Sie doch mal."
Und auf einmal herrscht, außer dem Schmatzen, völlige Ruhe im Krankenzimmer, als Sie alle nur noch auf das Hinterteil des Kommissars Meyer schauen.
Es ist Nacht, als ein Mann sich im Gebüsch einer Hühnerfarm herumtreibt - und das nicht mit Hühnerfutter, sondern mit einer Flinte im Anschlag. Nicht dass er die Hühner erschießen will, denn er ist der Verwalter der Hühnerfarm. Nein, in letzter Zeit wurden ihm zahlreiche Eier geklaut und in der Gegend stieg der Verkauf von Eierlikör auffallend. Eines war sicher: Jemand schlich da nachts herum. Jemand, der es auf seine bekanntlich dicken Eier abgesehen hatte.
Im Hühnerstall herrscht zu nachtschlafender Zeit absolute Ruhe, obwohl die Hühner schon bemerken, dass da jemand herumschleicht und die meisten deswegen mit einem Auge offen schlafen. Das gilt auch für den Verwalter, jedenfalls was das eine Auge offen an seiner Flinte betrifft.
Aber aus Minuten werden Stunden und der Überwacher wie die Überwachten schlafen beinahe, als auf einmal einige Leute, offensichtlich nach einem Kneipenbesuch, die Ruhe stören. Und die Tatsache, dass die Betrunkenen andauernd Hühnergeräusche machen, führt dazu, dass sowohl der Mann wie die Hühner auf einmal die Ohren spitzen.
Mit fröhlichem Schrecken halten die Feiernden an, als der Verwalter mit seiner Flinte aus der Dunkelheit tritt.
"Wer von Ihnen hat heute Abend Eierlikör getrunken?", schreit der Verwalter.
"He, das ist ja der Dicke-Eier-Franz!", ruft einer aus der Gruppe von zehn Leuten.
"Ich heiße Franz Meyer, ja!", faucht er und richtet seine Flinte auf die Umherstehenden.
"Einen Stram… Strammen Max habe ich ge… gegessen", lacht ein Betrunkener.
Eine Frau aus der Gruppe fällt dem Verwalter um den Hals. "Lieber Herr Meyer, mein Hauptmenü war Hühnerbrust mit Weißwein!"
Der Verwalter lässt seine Flinte sinken. "Hören Sie auf mit dem Quatsch … jemand hat es auf meine dicken Eier abgesehen." Er fühlt sich, als ob jemand ihm auf den Schlips treten würde, als die Gruppe weiterläuft und einige so tun, als würde ihre Hose im Schritt kneifen. Dass sie dazu lachen gefällt dem Verwalter erst recht nicht.
"Ja, lacht ihr nur, aber ich werde den Dieb schon fassen!", ruft er der Gruppe nach, als seine Frau an der Hintertür des Bauernhofs erscheint.
"Kommst du noch schlafen, oder wie steht's?", ruft sie ihm zu.
"Ich werde den Dieb schon fassen!", schreit er nochmals, während die Gruppe langsam im Dunkeln verschwindet.
"Du solltest im Hühnerstall besser eine Kamera aufhängen", ruft seine Frau ihm zu.
"Keine schlechte Idee, was sage ich: das Ei des Kolumbus! Du bringst mich auf eine Idee; ich werde in dieser Sache mal meinen Bruder anrufen."
"Deinen Bruder? Wieso? Zu dem hast du ja seit Jahren keinen Kontakt mehr."
"Weiß ich ja … ich kann ihn trotzdem mal anrufen."
"Wenn du meinst … aber komm nun schlafen!"
"Ich komme gleich, nur mal gucken, ob die Hühner schon schlafen."
"Du und deine Hühner! Gib einem Huhn deine Flinte und leg dich hin."
Widerwillig geht er ins Haus und legt sich neben seiner Frau ins Bett - mit einem Auge offen, versteht sich.
Am nächsten Tag, spätnachmittags, stehen Franz Meyer und seine Frau hinter dem Bauernhof, als ein Taxi für Krankentransporte eintrifft.
"Hoffentlich läuft alles geschmiert, jedenfalls so, wie du es dir vorgestellt hast", sagt sie.
"Nun, er klang am Telefon zuerst, als ob er auf eine Bombe getreten wäre, das habe ich durch sein Gestammel nicht richtig verstanden … dennoch war er freundlich und hilfsbereit", antwortet er und lauft zum Taxi.
Nach etwas Geschiebe und Gezerre bekommen Funke und Franz mithilfe des Taxifahrers langsam die Tragbahre mit Kommissar Meyer aus dem Fahrzeug.
"Hallo Heinz, gut dich wiederzusehen", sagt Franz, als seine Frau sich zu ihm stellt.
"Ebenfalls, Franz, ebenfalls", stöhnt der Kommissar, der mit seinem Bauch über einer Erhöhung liegt.
Funke stellt sich dem Franz vor: "Ich bin Polizeimeister Funke … nun, was ihren Bruder betrifft … nachdem er in seinem Garten eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vorfand, die dann leider explodierte, kann mein Vorgesetzter seitdem nur noch auf allen vieren kriechen."
Der Taxifahrer stellt auf der Tragbahre eine Tasche ab, mit einem kompletten Hühner-Outfit darin.
"Dass dir so was passieren musste, Heinz, du als Kommissar von Osselröde", meint sein Bruder.
Der Kommissar murmelt vor sich hin.
"In diese Angelegenheit kommt die Sache mit der Bombe, so komisch es auch klingen mag, wie gerufen!", sagt Funke.
Franz und seine Frau schauen ihn an, als würden sie Wasser brennen sehen. In der Zwischenzeit verabschiedet sich der Taxifahrer.
Franz Meyer schüttelt seinen Kopf. "Wie es auch sei, Herr … Lunke … ."
"Funke ist der Name, Funke, Herr Meyer."
"Wie ich bereits sagte, uh … Funke … lassen wir alles vorbereiten für heute Nacht", schlägt Franz vor.
Gesagt, getan.
Der Kommissar wurde auf seiner Bahre in den Hühnerstall getragen, wo er mithilfe von Familie Meyer und Funke das Hühner-Outfit an bekam. Herrlich kuschelig wurde um ihn herum ein Strohlager mit mehreren Eiern angelegt. Außerdem bekam er in die eine Hand die Flinte und in die andere eine Flasche Bier.
Die drei Anwesenden nehmen ein wenig Abstand und schauen sich die Lage mal richtig an.
"Wirklich schön muss ich sagen!", meint Funke.
"Genau meine Idee!", ruft der Franz.
"Dennoch, ich vermisse etwas", meint Frau Meyer.
Der Kommissar, richtig ausgestattet als großes Huhn, erhebt seinen Kopf und ruft laut: "KIKERIKI!"
"Das meinte ich", sagt Frau Meyer.
"Nun, Heinz, ich drücke dir die Daumen für heute Nacht", ruft ihm der Franz zu, während die anderen Hühner schon seit geraumer Zeit große Augen machen.
"Hoffentlich fassen Sie den Täter bei seinen Eiern, Herr Kommissar", ruft Funke.
Sie verabschieden sich alle drei beim Kommissar und verlassen den Hühnerstall, als es hinter ihnen laut her tönt: "KIKERIKI!"
Funke bleibt stehen. "Man hört kaum einen Unterschied zu einem richtigen Huhn, oder?"
"Kaum", meint Franz.
"Der Dieb wird auf das Huhn … ich meine auf Heinz bestimmt hereinfallen", meint Frau Meyer, als Sie zu dritt ins Haus gehen und anschließend warten, was vielleicht kommen wird.
Es wird langsam Nacht. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch immer ruhig im Hühnerstall. Und obwohl die Hühner ja bekanntlich keinen Geist, doch desto mehr Instinkt besitzen, fühlen Sie, einige Eier inbegriffen, dass hier etwas richtig faul ist. Sie halten dann auch alle ein wenig Abstand zum großen Huhn.
Auf einmal jedoch wird die Ruhe gestört durch ein ebenfalls, außerordentlich großes Huhn, das – gekleidet wie der Kommissar, jedoch aufrecht wie ein Mensch – durch den Hühnerstall schleicht. Sofort will der Kommissar in Aktion treten, als ihm auffällt, dass alle Beteiligten vergessen haben, dass er nur auf allen vieren kriechen kann. Als trainierter Polizist legt er seine Flinte an und ruft: "HÄNDE HOCH!" Das Huhn bleibt zuerst stocksteif stehen, in beiden Händen zwei Körbe voller Eier, und will dann Reißaus nehmen, als der Kommissar ohne zu zögern schießt. Genau auf die Eier. Um genau zu sein: auf die zwei Körbe voller Eier. Durch die explodierenden Eier schaut der Kommissar im Handumdrehen aus wie ein schlecht zubereiteter Strammer Max, so ohne Fleisch und Brot.
Durch den Lärm angezogen, erscheinen in ihren Schlaffanzügen der Franz, seine Frau und der Funke im Hühnerstall, wo Sie ein komplettes Durcheinander vorfinden. Alle Hühner gackern total gestresst herum und das Eigelb läuft von allen Balken.
"Was in Gottes Namen ist denn hier passiert?", ruft Franz.
"Ist das dort nicht der Kommissar?", fragt Frau Meyer.
"Ach Mensch, hast du jemals ein Huhn gesehen, mit einer Flinte und einem Bier, das gerade ein Ei legt?"
"Ach, ich sehe ihn schon, dort, seht ihr?", ruft Funke, als sie zu dritt voller Mitleid dem Kommissar widmen, der da liegt wie ein gequirltes Ei. Aus dem Lauf seiner Flinte tropft Eigelb und die Flasche Bier hat sich in etwas verwandelt das aussieht, wie ein Radler über dem Haltbarkeitsdatum.
"Ich denke, der Dieb ist ihm durch die Lappen gegangen", meint Franz und zeigt auf zwei leere Körbe.
"Ja, und wie ich ihn so daliegen sehe, hat sich der Heilungsprozess bestimmt gerade um ein paar Monate verzögert."
Frau Meyer, die um den Hühnerstall herumgeschaut hat, kommt gerade zurück, in den Händen noch ein Hühner-Outfit; aber komisch: der Schnabel fehlt!
"So ein Klugscheißer." Franz ist fassungslos.
"Ach wie", meint Funke. "Da gibt's genug Beweismaterial für die Kripo … lass uns erstmal der Kommissar ein wenig zurechtmachen, ein Taxi anrufen und ihn schleunigst ins Krankenhaus zurückbringen ."
Noch am selben Tag wurden im Krankenhaus von Osselröde aus allen Löchern und Ecken des Kommissars die Ei-Reste entfernt. Und damit ist nur der körperliche Teil an der ganzen Sache gemeint, denn auch geistig hat er etwas abbekommen, erkennbar durch emotionelle Abwesenheit. Außerdem konnte er noch immer nur auf allen vieren kriechen und so wurde er auch ins Bett getragen; auf eine Erhöhung, Kopf zum Saal und Hinterteil zur Wand.
An seinem Krankenbett sitzen sein Bruder, dessen Frau und der Funke. Durch eine Krankenschwester wird dem Kommissar gerade das Abendessen gebracht: pochierte Eier, Hackfleisch, Salat und Bratkartoffeln.
"Nun, Herr Kommissar, da haben wir den Salat", fängt Funke an und sofort lässt der Kommissar der Salat links liegen. "Ein extra Hühner-Outfit, zwei leere Körbe und kein Täter."
