Saved Souls - Sabrina Zellner - E-Book

Saved Souls E-Book

Sabrina Zellner

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Beschreibung

Vergessene Geheimnisse. Verlorene Seelen. Dunkelheit, die das Licht sucht. Und die verborgene Wahrheit im Glanz des silbrigen Mondscheins. Gehüllt in die strahlende Aura des Mondlichts trägt Aylin Rose mit einem Zeichen, das sie als Auserwählte kennzeichnet, die Last einer Bestimmung, die sie noch nicht ganz versteht. Als Waisenkind geboren, kennt sie weder die Wärme einer Mutter noch die Geborgenheit einer Familie. Doch in ihren Träumen flüstert eine Stimme aus der Vergangenheit, die ihr den Weg zur Wahrheit offenbart. Auf der Suche nach Antworten zu ihrer Herkunft stellt Aylin fest, dass ihre Vergangenheit von Geheimnissen umwoben ist. Verfolgt von Visionen und Botschaften aus einer anderen Welt, begibt sich Aylin auf eine gefährliche Reise, um das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Inmitten der Dunkelheit der Vergangenheit, die sie umgibt, entdeckt sie den Schlüssel zu ihrer wahren Bestimmung. Einer schicksalhaften Herausforderung. die sie zu den verlorenen Seelen und zu ihrer Zwillingsschwester Valerie führt. Aylin muss eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die die Ketten der Vergangenheit sprengen soll. Aber was, wenn die Wahrheit zu spät kommt und das Schicksal bereits entschieden hat?

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Seitenzahl: 422

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

PROLOG

Kapitel 1: Mit Einbruch der Dunkelheit

Kapitel 2: Im Glanz des Mondscheins

Kapitel 3: Aylin Rose

Kapitel 4: Neues Leben

Kapitel 5: Lichter der Welt

Kapitel 6: Wünsche

Kapitel 7: Die Reise

Kapitel 8: Hinweise

Kapitel 9: Die Wahrheit

Kapitel 10: Träume

Kapitel 11: Trügerische Spiele

Kapitel 12: Hilferufe

Kapitel 13: Gefühlschaos

Kapitel 14: Der Eingriff Teil 1

Kapitel 14: Der Eingriff Teil 2

Kapitel 15: Geheimnisse

Kapitel 16: Die Bestimmung

Kapitel 17: Valerie Rose

Kapitel 18: Mit den ersten Sonnenstrahlen

Kapitel 19: Leserbotschaft

PROLOG:

Sie ermöglichen uns die Welt zu sehen, zu verstehen. Sie sind der Spiegel der Seele und bringen wahre Gefühle zum Vorschein. – Ob Schmerz, Trauer, Einsamkeit, Freude oder verbunden mit dem Glücklichsein.

All diese Gefühle verbergen sich in einer Träne unseres Auges. Außerdem spielen die Augen eine große Rolle als auffälliges Merkmal der Auserwählten und sind wertvoller als das gesamte Gold und Silber auf dieser Erde. Ohne Worte, die gesprochen wurden, erzählen sie eine ganze Geschichte.

Vor meinem inneren Auge erscheinen die verlorenen Seelen gefangen hinter Gitterstäben in der ewigen Dunkelheit der Schuldgefühle. Diese Seelen sind Teil unserer Bestimmung. Nun wirst Du, meine liebe Schwester, deine Bestimmung erkennen und mithilfe deiner angeborenen Fähigkeiten jede einzelne Seele befreien können. Jedoch musst Du einen eigenen Weg gehen, deinem Herzen folgen und Dich akzeptieren. Glaube an Dich, liebe Schwester, so wie ich es tue! “

Kapitel 1

Mit Einbruch der Dunkelheit

Die Nacht zieht mit all ihrer Dunkelheit über die Welt einher und umhüllt sie mit einem düsteren Schleier, der so manches verbirgt, was andere Menschen zu verstecken versuchen. Anders als der blaue, manchmal von weißen Wölkchen bedeckte Himmel, färbt er sich während der Weiterreise der Sonne tiefschwarz, so als würde er der Abwesenheit der Sonne nachtrauern. Mit dem Einbruch der Nacht bringen von einer Sekunde auf die andere die Straßenlaternen, die von klebrigen Spinnenweben und Insekten umgeben sind, Licht in die gesamte Welt einher. All die Häuser, Scheunen und Gebäude des Landes sind mit dem Schatten der Dunkelheit verziert. In diesem Abschnitt des Lebens, bekommt manches uns sehr Bekanntes ein ganz anderes Erscheinungsbild. Straßen und Häuser, die uns am Tag völlig gewöhnlich vorkommen, verwandeln sich in unbekannte Wege und düstere ungewöhnlich stille Gebäude, die man nicht mehr wiedererkennt. Manchmal reicht ein Blick aus dem offenen Fenster, und es scheint, als würde man ein Schwarz-Weiß-Gemälde betrachten. Auch jener noch so warme Sommertag lässt sich nicht mehr spüren und mit der Nacht sinken die gewohnten warmen Temperaturen drastisch herab. Es fängt mit einer leichten, kühlen Brise an und endet mit einer Kälte, die ihre Worte auf der Haut der Bewohner des Landes ausspricht. Auch warme Gedanken lassen die hereintretende Kälte nicht einfach so verschwinden. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere des Landes suchen nun eine warme Unterkunft auf und kommen zur Ruhe. Die vor kurzem einst so schönen, grünen Wälder rundherum der Häuser sowie der Scheunen und Bauernhäusern des Landes erscheinen mit dem Eintritt der Dunkelheit düster und finster. Nicht nur die kühlen Temperaturen und die Schatten breiten sich aus, sondern auch eine für die meisten unangenehm empfundene Stille kehrt ein. Die Bewohner des Landes kommen zur Ruhe und legen ihre tägliche Arbeit nieder. Auch die Läden und Wirtshäuser des Dorfes haben schon längst geschlossen und der Dorfplatz scheint leer und verlassen. Nur die wenigen Unterkünfte, die für Durchreisende oder Feldarbeiter sowie Mägde und Bauern, die in diesem Land im Sommer ihr Geld verdienen, haben ihre Türen noch offen. Der Wind zieht durch das Dorf hindurch und weht einige Flyer, die mitten auf dem Marktplatz liegen, mit sich. Ein leises Geräusch kehrt ins Dorf zurück, doch niemand bemerkt es. Das Schlagen der Kirchturmglocke ist jedoch nicht zu überhören. Ihr intensiver, lauter Klang lässt jeden Menschen wissen, wie viel wertvolle Zeit des Lebens nun erneut vergangen war. Kein Mensch ist weit und breit auf den steinigen Landstraßen zu sehen und keine Autos sind zu hören. Auch keine Fahrradfahrer, die wie so oft im Sommer eine Nachtfahrt starten, sind zu sehen. Nur die Kirchturmglocke, und lautstarke Gespräche aus den alten Bauernhäusern sind durch die offenen Fenster, zu hören. Das kleine Örtchen wurde von der einbrechenden Nacht und der miteinkehrenden Dunkelheit wieder einmal vertraut gemacht. Denn es handelte sich jede Nacht um dieselbe Dunkelheit, vor der sich jeder einzelne schützen wollte, weil sie unvorhergesehene Gefahren mit sich bringt.

Die 25-jährige Ellen Rose wurde von den Kirchturmglocken aufgeweckt und beschloss, wie so oft in letzter Zeit, wenn sie durch den lauten Klang aufwachte, einen Nachtspaziergang zu unternehmen. Ihr selbst war klar, dass wenn sie das jemandem erzählen würde, man sie für verrückt erklären würde. Doch die Nacht war wie so oft ein guter Zeitpunkt für Geheimnisse, die niemand so schnell erfahren sollte. Ihr Gewissen ermahnte die junge Frau zwar immer wieder, da auch ihr geliebter, sorgsamer Ehemann Eduard Rose, viel mehr bekannt als Edi, strikt dagegen war. Mit einem kleinen unwohlen Gefühl im Bauch und einem Adrenalinschub, der das schlechte Gefühl schnell vergessen ließ, glitt Ellen aus dem Bett, zog sich eine dicke, warme Wollstrickjacke an und schlich leise, vor allem aber langsam Schritt für Schritt, die knarzenden Holztreppen hinunter. An der Türschwelle angekommen, hält sie mit pochendem Herzen die Luft an und horcht, ob sie ihren Ehemann noch schnarchen hört. Ein kleines Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie war beruhigt zu wissen, dass wenigstens einer von beiden gerade, wie ein Stein schlafen konnte.

Langsam drückte Ellen die Türklinkte nach unten, schob den Hebel, der die Holztür fest verschließen sollte, nach links und drückte sich dann mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Holztüre, um sie zu öffnen. Nachdem dies besser geklappt hatte, als sich die Frau vorgestellt hatte, schweifte ihr Blick hinunter zu ihren Füßen, da sie eine leichte Kälte, die an ihren Beinen hinaufzog, spüren konnte. Na klar, sie hatte ihre Schuhe vergessen. Das Risiko, erneut durch die laut knarzende Türe zu schleichen und erwischt zu werden, wollte sie keinesfalls eingehen und beschloss einfach, sich barfuß auf den Weg zu machen. Es werde ja sowieso kein allzu langer Spaziergang, dachte sich Ellen nichtsahnend von all dem, was wirklich passieren würde.

Eingekuschelt in die warme Wolljacke ging sie Schritt für Schritt die Treppe der Veranda hinunter, öffnete das Gartentor, welches sie erst heute Morgen geölt hatte, und konnte sich sicher sein, dass es keinen Ton von sich geben würde, was es auch nicht tat. Auf der steinigen Landstraße angekommen, die umgeben von weiten hohen Grasfeldern und vor allem Maisfeldern war, reichte ein Blick hoch zu dem scheinbar endlosen Universum, das jedermann den bloßen Atem raubte. Es war eine völlig andere Welt, die uns dieser andere Abschnitt, des uns bekannten täglichen Lebens, zeigte. Der Himmel und das darüber hinaus definierte eine völlig andere Welt, die uns dieser andere Abschnitt, des uns bekannten täglichen Lebens zeigte. Eine Welt, von der man nicht viel Genaueres weiß und über die so einige Wissenschaftler der Welt sich Tag für Tag und Nacht für Nacht, den Kopf zerbrachen. Studien über Studien, Berichte, Spekulationen, eigene Vorstellungen, Geschichten, Meinungen existierten, aber niemand weiß, was davon der Wahrheit über das Universum entspricht. Es war ein einziges Geheimnis, das niemand aufdecken konnte.

Die Bewohner, die um die Zeit kurz vor der Dämmerung ihren Weg nach Hause anstrebten, waren überaus erleichtert über die Straßenlaternen, die ihnen mit ihrem dämmernden Licht den richtigen Weg wiesen, um schnell aus der düsteren Welt verschwinden zu können und in die warme Stube einzukehren, in der man schon von seinen Geliebten sehnsüchtig erwartet wurde. Fast jeder den Ellen kannte, hasste die Nacht und die damit hereinbrechende Dunkelheit zutiefst. Dieser Gedanke erinnerte Ellen an ihre gute Freundin und deren Geschichte. Es handelte sich nicht um irgendeine Geschichte, sondern eine, mit der alles begann. Eine Geschichte, die sie nur von einem ihrer öfter auftretenden Tagträumen erzählt bekam.

Die etwas ältere Frau arbeitete genauso wie Ellen in einem Waisenheim für ausgestoßene Kinder oder für Kinder, deren Eltern nicht genug Geld haben, um für sie zu sorgen. Ihre frühere Arbeit im Dorfladen gab sie sofort auf, als sie von dieser freien Stelle erfuhr. Wie jeden Abend, nur zu einer etwas späteren Zeit, packte die Frau ihre Tasche, verabschiedete sich von den Kindern und der Heimleiterin, die ihr sehr schnell ans Herz wuchs, und machte sich auf den Weg nach Hause. Sie blickte hoch zum Himmel und bemerkte es war schon wirklich spät geworden, denn der vorhin so wunderschöne Sonnenuntergang war längst verschwunden und die Nacht, mit all ihrer Dunkelheit, war schon eingekehrt. Nicht einmal die Straßenlaternen konnten etwas Licht in die dunkle Welt bringen, da es auf der Landstraße nur wenige funktionierende Lampen gab. Trotz alldem machte sie sich schnell auf den Heimweg und ging die Landstraße in einem zügigen Tempo entlang. Das Einzige, was zu hören war, waren ihre eigenen Schritte, die durch den steinigen Untergrund laut hervorgehoben wurden. Sie blickte hinauf zum klaren, tiefschwarzen Himmel und sah die leuchtenden Sterne hoch am Himmelszelt erstrahlen. In ihrem Inneren war sie froh, um etwas Licht, das von oben auf die Erde hinab strahlte. Ihr Blick schweifte vom Himmel geradeaus auf die scheinbar endlose Landstraße, die nun überhaupt nicht mehr beleuchtet war. Die Frau kniff ihre Augen etwas zusammen und strengte sich vergeblich an, um mehr von dem Weg zu erkennen. Doch vor ihr lag eine scheinbar ewige Dunkelheit und ein Weg, der sie hindurchführte. Die unangenehme Stille, die eisige Kälte, der pfeifende Wind und das dunkle Nichts, das gerade vor ihr lag, bereiteten der Frau starke Bauchschmerzen und ein äußerst unwohles Gefühl. Schon von klein auf, wurde ihr von ihren Eltern gelehrt, die Dunkelheit zu meiden, vor allem nicht allein zu einer solchen Uhrzeit unterwegs zu sein. Ihre Mutter und ihr Vater hielten ihr als Kind oftmals einige Standpauken und lehrten das Wichtigste - Gehorsamkeit und die Dunkelheit dort draußen, so gut wie nur möglich zu meiden. Denn ihrer Meinung nach war die Nacht eine große Gefahr. Eine Gefahr für die Psyche und den Menschen selbst. Genau das waren auch die Worte ihrer Großmutter, deren sie weniger Glauben schenkte, da ihre geliebte Großmutter schon immer gerne lange gruselige Geschichten erfand und vor allem sehr gerne weitererzählte. Nach einigen Minuten, die die Dame nun in der Dunkelheit tappte und ihre Gedanken nun nicht mehr Großmutters Geschichten galten, sondern der derzeitigen Situation, stieg in ihr das bekannte unwohle Gefühl von Sekunde zu Sekunde an. Schon allein der Gedanke, dass sie gerade völlig allein war, gab dem unwohlen Gefühl, einen weiteren Grund zu wachsen. Nachdem die Dame ein raschelndes Geräusch direkt neben ihr aus dem Maisfeld wahrnahm, begann sie ihr Tempo zu erhöhen. Sie selbst redete sich ein, dass das, was gerade zu ihren Ohren drang, wahrscheinlich nur eine streunende Katze, von denen es ja genügend im Dorf gab, war oder ein anderes Tier dahinterstecken musste. Natürlich trug auch der pfeifende Wind, der die Maisfelder leicht bewegen ließ, ihrer Meinung nach zu dem Geräusch bei. Kurze Zeit später konnte die Dame endlich das Ende der Landstraße erkennen und bog wie immer rechts ab, um auf die Straße, die durch den Dorfplatz führte und auch zu ihrem Zuhause, zu gelangen. Soeben als sie abbog und gerade einen weiteren Schritt setzen wollte, blieb die Frau abrupt stehen und stieß genervt einen Seufzer aus. Vor ihr stand eine Absperrung und ein großes Schild, das ausdrücklich auf Bauarbeiten hinwies. Natürlich, die Bauarbeiten. Wie konnte sie das nur vergessen. Es sollten neue Laternen aufgestellt und Straßenwege erneuert werden, sodass diese Kieswege nun endlich ausstarben. Somit blieb der Dame nichts Anderes übrig, als den gefährlicheren Heimweg zu wählen, der durch den Wald der Ortschaft führte. Die Frau verspürte ein unwohles Gefühl in ihrem Magen. Aber um endlich nach Hause zu gelangen, blieb ihr nichts anderes übrig, als diesen Umweg zu wählen. Also holte die Frau einmal tief Luft, verschränkte ihre beiden Arme, kuschelte sich in ihren Mantel und ging den Weg, der durch den düsteren Wald führte, tapfer entlang. Kurz bevor sie vor dem Wald stand, bemerkte die Dame ein mulmiges Bauchgefühl. Der Anblick des Waldes war zu diesem Zeitpunkt das komplette Gegenteil als am helllichten Tag. Die Bäume waren von der Dunkelheit umhüllt und der starke Wind blies das Laub durch die Lüfte. Die Kälte war nun immer mehr zu spüren, sodass die Frau sich nichts sehnlicher wünschte, als endlich vor ihrer Haustür zu stehen. Somit packte sie all ihren Mut zusammen und ging mit ihrem schnellen Gang in den Wald. Erneut kniff die Frau ihre Augen zusammen, um mehr von dem vorliegenden Weg erkennen zu können. Rund um sie herum sah sie nichts außer die Bäume, das hohe Gras am Waldrand und die Dunkelheit, die wortwörtlich vor ihr lag. Das unheimliche Pfeifen des Windes und die plötzlichen Schritte, die sie wie aus dem Nichts hinter sich hörte, waren für ihre hektischen umherschweifenden Blicke verantwortlich. Immer wieder drehte sie sich um und sah hinter sich ins völlig Dunkle. Allein die Vorstellung, nicht allein zu sein, bereitete ihr große Panik. Immer wieder hörte sie die großen, lauten Schritte hinter sich, die man durch das Laub des Waldes genauestens hören konnte. Es waren keine Schritte von Tieren, denn diese Schritte würden sich komplett anders anhören - Da war sich die Frau sicher. Es waren laute Schritte von einem Menschen, die immer näher kamen. Immer wieder drehte sich die Frau verzweifelt um, blieb trotzdem ihrem schnellen Gang treu, und schaute abwechselnd immer wieder nach vorne, um von dem eigentlich gewöhnlichen Waldweg nicht abzukommen. Sie konnte aber nichts und niemanden erkennen. Einzig und allein der pfeifende Wind und die Schritte hinter ihr waren zu hören. Als alle Sinne der Frau die Schritte, die sie immer noch verfolgten, viel stärker wahrnahmen, blieb sie abrupt stehen, drehte sich um, blickte kurz nach rechts und links und schrie laut mit zittriger Stimme: „Hallo? Ist da jemand?“ Keine Antwort. Keine Schritte. Vielleicht bildete sie sich das alles bloß ein und sie hatte einen schrecklichen Verfolgungswahn, den sie selbst noch nie wirklich erkannt hatte. Vielleicht existierte das alles nur in ihrer Einbildung. Genau wie die gruseligen Geschichten von der düsteren, finsteren Dunkelheit, die ihr ihre Großmutter immer wieder erzählte. Somit beschloss sie mit diesen Gedanken, sich weiter auf den Weg nach Hause zu begeben und setzte ihren Weg fort. Schon nach kurzer Zeit, glaubte die Frau wirklich verrückt zu werden, da sie erneut die lauten Schritte und zudem noch die Krähen des Waldes hören konnte, was ihr Herz schneller schlagen ließ. Dieses Mal versuchte die Dame, das ganze Drumherum einfach zu ignorieren und endlich aus diesem unheimlichen Wald zu fliehen. Ihr Blick fokussierte den Weg, der vor ihr lag und sie konzentrierte sich, darauf nicht mehr zu stoppen oder sich umzudrehen. Immer weiter und weiter ging sie den Waldweg, der von der Dunkelheit umgeben war entlang. Immer wieder beschleunigte die Frau ihren schon schnellen Gang und rannte ein Stück. Wie aus dem Nichts erklang hinter der Frau ein echoähnliches Schluchzen, das durch den gesamten Wald hallte. Die Frau konnte nicht genau zuordnen, woher genau dieses Geräusch kam, doch trotz ihrer Panik, die sie in diesem Moment verspürte, versuchte sie, ihre innere Ruhe zu bewahren und weiter den Waldweg entlangzugehen. Erneut konnte sie die schluchzende weibliche Stimme hören, die aber dieses Mal nach Hilfe rief. Der Atem der Frau beschleunigte sich und das nicht nur durch ihr schnelles Tempo. Auch ihr Herz fing an immer schneller zu pochen. Es wollte nicht mehr aufhören, geschweige denn sich beruhigen. Laute, verzweifelte Hilferufe hallten durch den Wald und so wie die Frau nun einmal war, konnte sie diese nicht einfach ignorieren. Erneut blieb die Dame mitten auf dem Waldweg stehen, konnte zwar schon das Ende des Waldweges erkennen, aber ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass jemand auf ihre Hilfe angewiesen war. Die qualvollen Hilferufe wurden von Sekunde zu Sekunde lauter und schmerzvoller anzuhören. Nichts auf der Welt konnte die Frau nun davon abhalten, dem nicht nachzugehen. Somit beschloss die Dame herauszufinden, woher genau das Geräusch kam. Langsam, mit pochendem Herzen, ging sie wieder tiefer in den Wald hinein und blickte nicht mehr zurück. „Hallo? Brauchen Sie Hilfe? Geben Sie mir ein Zeichen, wo Sie sich befinden. Ich helfe Ihnen!“, schrie die Dame laut in die Dunkelheit. Auch ihr Echo konnte man durch den gesamten Wald hören. Es war als würde jemand immer wieder auf „Replay“ drücken, denn ihre Worte konnte sie drei Mal erneut hören. Wieder gab es keine Antwort. Nur die leidenden Hilferufe eines weiblichen Geschlechts, waren laut und deutlich zu hören. Der Gang zurück in den Wald beschleunigte sich, als sie die Hilferufe immer lauter und näherkommen hören konnte. Die Hilferufe führten die Frau weg vom bekannten, steinigen Waldweg, direkt in den Wald hinein. Vor ihr sah sie nur die Dunkelheit, die Baumstämme und Gebüsche, die Äste die kreuz und quer von den Waldarbeiten verstreut auf dem Waldboden lagen und eine Lichtung. Das Einzige, was die Dunkelheit des Waldes durchbrach, war der helle Vollmond, der nun direkt über der Lichtung stand. Sein Mondschein warf grelle, magisch glänzende Strahlen auf die Lichtung, die kaum zu beschreiben waren. Es schien, als hätte die Frau gerade das Ende des Regenbogens entdeckt, denn es war, als wäre der Mond zum Greifen nahe. Direkt neben ihr warf der Mond einen hellen Schein hinunter, der ihr heller als die täglichen Sonnenstrahlen erschien, aber dennoch voller Energie und Glanz steckte. Die Frau konnte in diesem Moment nicht mehr von Realität und Traumwelt unterscheiden. Ihr Blick wandte sich nach vorne in die Mitte der Lichtung, in der vier Menschen sich in einem Kreis versammelt hatten. Niemand von ihnen bemerkte die Dame, die mit langsamen Schritten immer nähertrat. Schockiert sah sie eine ältere Dame, die verzweifelt und hilflos am Boden lag. Die Frau konnte jedoch nicht erkennen, was ihr genau fehlte, jedoch war ihr bewusst, dass sie ihre Hilfe brauchte. Kurz beobachtete sie die vier Leute, die wie angewurzelt um sie herum standen, wie verzaubert zum Vollmond hinaufblickten und ihre Hilferufe kein bisschen wahrnahmen. Somit ergriff die Frau die Chance, der Dame zu helfen und lief immer näher zu ihr. „Stopp, was soll das?“, schrie die Frau wütend und ängstlich zugleich. Doch niemand der Personen reagierte auf ihre Frage. Daher kam die Frau der Dame zur Hilfe und setzte sich direkt neben sie. Die Dame lag mitten im Mondschein, hatte blondes langes Haar und hatte genauso wie sie selbst, einen dicken grauen Mantel an. An ihrem Arm erkannte sie eine tiefe Schnittwunde, die auch die vier Frauen besaßen. „Was zum Teufel geht hier vor sich?“, fragte die Frau verwirrt und wollte gleichzeitig der Dame auf die Beine helfen. „Du kannst sie sehen?“, fragte die Frau mit zittriger Stimme. „Natürlich kann ich sie sehen, es ist zwar dunkel, aber die Frauen kann man schlecht übersehen. Sie sollten besser mit mir nach Hause kommen!“, antwortete die Frau und griff der ihrer Meinung nach verwirrten Blondine unter die Arme. Beide standen auf und liefen, so gut wie es ging, zu dem Waldweg zurück. Die anderen Frauen standen wie angewurzelt immer noch auf derselben Stelle und blickten zum Mond, der hell schien. Die Frau bemerkte, wie die Blondine immer hektischer von der Lichtung weglief. Auch sie selbst lief der Frau mit rasendem Herzen und mit schnellen Schritten hinterher und wollte nur noch eines, nämlich hier so schnell es nur ging zu verschwinden. Trotz der unheimlichen Situation wagte Ellen Rose´ ehemalige Freundin noch einen letzten Blick hinter sich und sah einer der Frauen, die immer noch wie verzaubert im Kreis stand, tief in ihre besonderen blauen Augen.

Hier endete die Geschichte von Ellen Rose´ ehemaliger bester Freundin. Genau zu diesem Zeitpunkt wachte Ellen Rose auf und dachte es sei alles nur ein Traum gewesen. Doch am nächsten Morgen verwirklichte sich der Traum und Ellen konnte es kaum fassen. Seit dieser Nacht war ihre beste Freundin verschwunden und wurde auch nach drei Jahren noch nicht gefunden. Trotz der vier Vermisstenanzeigen, den vielen Suchaktionen der Polizei, die Tag und Nacht andauerten, und den Suchaktionen von ihrer Familien, konnte der Fall nicht aufgeklärt werden. Letztendlich wurde die Geschichte von der Polizei in die Abteilung der ungelösten Fälle abgegeben. Aber es standen noch so viele offene Fragen im Raum, mehr als Ellen Rose je zählen könnte und keine einzige konnte bis heute beantwortet werden. Immer noch fühlte sie eine Leere in ihrem Herzen, die sie nicht beschreiben konnte. Es fühlte sich für sie an, als würde etwas für immer fehlen - und das war ein Mensch, mit dem sie von klein auf aufwuchs. Eine gute Freundin, mit der sie es hasste, sich zu streiten und die sie eigentlich nie verlieren wollte. Für sie selbst war es nie leicht gewesen, all die offenen Fragen, ihr plötzliches Verschwinden und ihre Geschichte zu akzeptieren. Tief in ihrem Herzen hoffte Ellen Rose immer noch auf den Tag, an dem sie die Leere wieder füllen konnte und sie das offene Ende durch einen weiteren Traum erfahren würde. Doch mittlerweile hatte sie gelernt, ihr Hab und Gut wertzuschätzen und sich nicht nur darauf, sondern auch auf die Gegenwart zu fokussieren. Denn worauf sie unglaublich stolz war, war ihre Arbeit in dem Waisenheim, mit der sie auch mit ihrer Freundin immer gern zusammengearbeitet hatte. Seit ihrem Verschwinden hatte sich dort die Führungsposition verändert, denn eigentlich sollte ihre beste Freundin die Position der Heimleitung übernehmen. Doch nach dem Verschwinden schwor die Heimleitung, diese Aufgabe für ihre Freundin warmzuhalten und diese besondere Aufgabe so gut wie nur möglich zu erfüllen. Ellen war unglaublich zufrieden mit ihrer Arbeit und hätte sich in ihrem gesamten Leben nichts Besseres vorstellen können, als den Waisenkindern ein wohlbehütetes, sicheres Zuhause zu bieten und vor allem ihre Sorgen und ihre Vergangenheit vergessen zu lassen. Das Lächeln der Kinder, wenn sie durch die Tür des Heimes kam, vergoldete ihren Tag und das Lachen der Kinder, wenn sie spielten, zauberte ihr ein breites Lächeln ins Gesicht. Und ohne die hilfsbereiten, fleißigen Mitarbeiter wäre das Heim niemals zu dem geworden, was es nun mal war. Denn dieses Waisenheim gewann eine Beliebtheit weit und breit. Somit war Ellen Rose mehr als zufrieden mit ihrem Beruf. Aber nicht nur darauf war sie stolz, sondern auch auf ihre großartige Familie, ihre liebevollen Freunde und ihren wundervollen Ehemann Eduard Rose, den sie während seines Medizinstudiums kennenlernte und sich beide sofort ineinander verliebten. Für die junge Frau selbst war ihr Leben wie aus einem Bilderbuch. Sie konnte sich nicht beschweren, denn sie hatte alles, was sie sich gewünscht hatte. Eine wundervolle Familie, einen guten Freundeskreis, der immer für sie da war, einen Traumberuf, der niemals besser sein konnte, einen wundervollen Ehemann und auch bald eine eigene kleine, aber feine Familie. Es schien alles perfekt, wäre da nicht das ungeklärte Verschwinden ihrer Freundin, das sie auch bis heute nicht ruhen ließ. Doch im Moment wollte sie einfach nicht daran denken. Ellen wollte ihre Elternzeit in vollen Zügen genießen. Um genau zu sein, wollte die junge Frau keine einzige Sekunde, von der ihr geschenkten, freien Lebenszeit verschenken und das egal ob bei Tag oder bei Nacht. Zudem musste sie ihren Kopf freibekommen, da sie denselben Traum wie damals heute erneut durchlebt hatte. Also brauchte die junge Mutter diesen Nachtspaziergang unbedingt. Langsam spürte sie die kalten, piksenden Kieselsteine mit jedem Schritt, den sie weiter die Landstraße entlang ging mehr und beschloss in der Wiese, die neben der Landstraße lag, ihren kleinen Nachtspaziergang weiter fortzusetzen. Nach einer Weile bog die junge Frau rechts ab und folgte einem unbekannten Kiesweg, der sie zu einem - sogar bei Nacht - wunderschönen und magischen Ort führte. Wieder einmal wurde der jungen Mutter bewusst, dass sie die Nacht niemals fürchten konnte, denn auch sie hatte wunderschöne Seiten an sich, die eben nicht jeder auf den ersten Blick entdecken kann. Vor ihr lag eine endlose Wiese mit wildwachsendem hohen Gras und einem wunderschönen Fluss, der sich über die weite Wiese entlang erstreckte. Durch das rauschende Wasser, das den Fluss hinab strömte, kam eine beruhigende Atmosphäre auf, in der sich Ellen unendlich wohlfühlte. Im Wasser spiegelte sich der wunderschöne Vollmond, der groß in einem leicht gelben Farbton am Himmelszelt erstrahlte. Sofort fühlte sich Ellen dort hingezogen und legte sich ins hohe Gras neben dem Fluss und lag direkt unter dem Mondschein. Für viele war diese Nacht zum Kraft und Energie tanken gedacht, um am nächsten Tag viel von der anstehenden Arbeit zu erledigen und den Rest des Tages das Leben in vollen Zügen genießen zu können. Die meisten dachten daran, entspannt im hohen Gras zu liegen und das weit weg von dem Trubel des Dorfes - ohne Gedanken, ohne Sorgen, die einen die ganze Zeit verfolgen. Einfach mit leeren Gedanken, abgeschieden von den Menschen, in Ruhe den Himmel und die schneeweißen vorbeiziehenden Wolken zu beobachten. Und genau das durfte Ellen Rose gerade in vollen Zügen genießen, nur eben bei Nacht. Heute und in den kommenden Wochen gab es für sie keine Arbeit, keine unzufriedenen Vorgesetzen und damit auch keine Komplikationen. Sie hatte einen sorgenfreien Kopf und die junge zukünftige Mutter genoss deshalb jeden noch so kleinen freien Augenblick, den ihr das Leben und ihr Schicksal schenkten. Das hohe Gras um sie herum versicherte ihr, dass sie hier ungestört sein konnte, da sie hier wohl niemand so schnell finden würde, vor allem um diese Zeit würde sie auch niemand aufsuchen. Zudem genoss die junge Frau trotz des harten Untergrunds und der nervigen Insekten den Moment und spürte nicht nur das Gras, das sie streifte, sondern auch den magischen Schein des Mondes, der hinab auf die Erde fiel. Ellen genoss auch die Kälte, die die Nacht mit sich brachte, liebte sie diesen wiederkehrenden Abschnitt des Lebens genauso wie den Tag. Die Kälte ließ sie sich lebendig fühlen und machte ihr in diesem Moment überhaupt nichts aus, denn ihre dicke Wolljacke hielt sie warm. Ihr Blick schweifte kurz zum Himmel und sie konnte nicht nur den wunderschönen Mond sehen, sondern auch den klaren Himmel und die funkelnden Sterne, die wie Diamanten erstrahlten und sie nicht allein fühlen ließen. Einer erstrahlte schöner als der andere. Und manche funkelten, obwohl sie sehr klein aussahen, heller als die größer erscheinenden Sterne am Himmel. Es war ein Anblick, der Ellen ihren Atem raubte. In diesem Moment wünschte sie sich ihren Ehemann herbei, der diesen Moment auf keinen Fall verpassen sollte. Doch schon allein der Gedanke, ihm von dem spontanen Nachtspaziergang zu erzählen, löste in Ellen ein mulmiges Gefühl aus. Die Folge wäre eine neu verriegelte Haustür und ein besorgter und auch aufgebrachter Ehemann. Also behielt sie dieses wunderschöne kleine Erlebnis für sich. Ellen schloss ihre Augen und fand keine Dunkelheit, sondern nur den wunderschönen hellen Mondschein, das strahlende Licht, was das stechende Gras und die nervigen Insekten sie schnell vergessen ließen. Sie war umgeben von der wunderschönen Natur des Lebens, der Ruhe, die die Nacht mit sich brachte und der vollumfänglichen Liebe des Mondes. Nicht zu vergessen, war sie auch von dem kleinen Geschöpf in ihrem Bauch umgeben, das ihr Gesellschaft leistete und das sie über alles und darüber hinaus liebte. Diese Liebe, und davon war Ellen Rose fest überzeugt, war und würde für immer unvergänglich bleiben. Denn allein die Verbindung von Mutter und Kind schaffte eine Familie und den damit verbundenen Zusammenhalt. Und die eigene Familie würde immer eines der wichtigsten Dinge für Ellen im Leben sein. Kurz erinnerte sich die Frau an das, was ihre Großmutter immer wieder zu ihr sagte, als sie noch ein junges Mädchen war. Ellen war der gleichen Meinung, dass die Familie das sein würde, was für immer und ewig bleibt, wenn alles andere um einen herum zerbrach. Auch wenn die Welt untergehen würde, wäre die eigene Familie der allererste Gedanke und Zufluchtsort. Wenn man nicht mehr weiter wüsste oder in Schwierigkeiten steckte, ist die Familie der Teil des Lebens, der einem den Halt und die Ratschläge gäbe, die man bräuchte, um nicht einfach aufzugeben. Auch in schweren, dunklen Zeiten, in denen man selbst in ein tiefes schwarzes Loch gefallen wäre, ist die Familie die Hand, die man nähme, um aus dieser Dunkelheit zu entfliehen. Sie ist also oftmals der Weg aus dem Finsteren und zugleich ist sie mit ihrer unvergänglichen Liebe der Rettungsring und das Mittel zum Überleben. Gedankenversunken blickte die junge Frau nach oben und sah den prächtigen Mond, der ihr immer größer vorkam. Die werdende Mutter konnte wie so oft auch in diesem Moment, den Herzschlag ihres Kindes spüren. Aber das war noch nicht alles. Auch kleine Fußtritte gegen die Bauchdecke, die zwar unangenehm sein konnten, aber die junge Frau zum Lächeln brachten, konnte sie genauestens wahrnehmen. Langsam legte sie ihre beiden Hände auf ihren Bauch und sprach ein kurzes Gebet. Es sollte nicht irgendein langweiliges Gebet sein. Es sollte nur eine Bitte für das Wohl ihres Kindes sein, denn das war für sie am wichtigsten, vor allem wenn sie mitbekam, dass viele Neugeborene im Dorf aufgrund der unhygienischen medizinischen Standards nicht überlebten. Doch daran wollte Ellen jetzt nicht denken, denn es sollte doch ein sorgenfreier Nachtspaziergang werden und keiner der innere Unruhe auslöste. Jetzt gerade wollte sie einfach nur an etwas Schönes denken und den ruhigen Moment für sich genießen, denn das hatte sie sich auch verdient. Nicht lange dauerte es, als die Mutter mitten im Feld des benachbarten Bauern einschlief und nichts mehr von der Welt mitbekam, da sie in einen tiefen Schlaf verfiel, aus dem sie nicht einfach wieder aufwachen konnte.

Und nein wir befinden uns nicht im Märchen von Dornröschen, denn diese Welt, in der Ellen sich gerade befand, war keine einfache Traumwelt und sie selbst befand sich auch nicht in einem Tiefschlaf. Es lag viel mehr dahinter. Die meisten Märchen gehen mit einem Happy End aus. Doch ob diese Geschichte das Gleiche erfährt, steht wohl in den Sternen.

Kapitel 2

Im Glanz des Mondscheins

Ellen Rose befand sich in viel mehr als in einer einfachen Traumwelt - sie befand sich in einer Welt, die keineswegs einem einfachen Traum glich. Es war eine völlig andere Dimension, dennoch entsprach sie der Realität, wobei ihr das zu glauben schwierig fiel. Denn alles in dieser Dimension, was sie erlebte, schien ein einfacher Traum zu sein. Wahrscheinlich hatte sie aufgrund der beruhigenden Atmosphäre unter dem Glanz des Mondscheins in das Land der Träume gefunden, genau wie alle anderen Bewohner des Dorfes zu dieser Zeit gerade träumten und dadurch Kraft für den bevorstehenden Tag fanden. Ellen Rose öffnete ihre Augen, setzte sich auf und konnte nicht fassen, was sie gerade sah. Sie befand sich nicht mehr auf der Wiese neben dem Fluss. Schockiert blickte die junge Frau sich um und versuchte sich zu orientieren. Vor ihr stand eine ältere Kirche, die sie sofort wieder erkannte. Es war nicht nur irgendeine Kirche, sondern ihr persönlicher Geburtsort, den sie aus den Fotoalben, die sie immer mit ihrer Großmutter ansah, bereits kannte. Eigentlich war dieser Ort ganz woanders, doch zu diesem Zeitpunkt, war er genau auf der großen Wiese, auf der sie eingeschlagen war.

Ellen erinnerte sich an einen schönen Sommerabend im Juli letzten Jahres zurück. Damals saß sie mit ihrer Großmutter auf der Veranda, blickten dem Sonnenuntergang entgegen und frischten gleichzeitig alte Erinnerungen, die durch das Fotoalbum hochkamen, auf. Es tat gut, mit ihr Zeit zu verbringen, denn sie war eine starke, weise Frau und Ellen hoffte, dass sie es auch irgendwann einmal schaffen würde, diese Eigenschaften sich selbst aneignen zu können. Ihre Großmutter erzählte ihr immer von ihrer unkomplizierten, fast - in ihren Augen - magischen Geburt, doch wie die lieben Großmütter es so an sich hatten, waren sie nicht nur in der Küche ein Profi, sondern eben genauso gut im Geschichten erzählen. Nach ihrer Erzählung hatte diese Geburt, Ellens Meinung nach, nicht wirklich etwas Ungewöhnliches an sich. Aber dies behielt die junge Frau natürlich für sich, denn sie wollte ihr doch nicht den ganzen Stolz nehmen. Trotzdem liebte sie es ihrer Großmutter zuzuhören und ihren Geschichten gebannt zu verfolgen, während sie diese mit einem Strahlen in den Augen erzählte und sich ein stolzes Lächeln in ihrem Gesicht ausbreitete. Ellens Meinung nach war nichts schöner anzusehen. Dabei war die junge Frau sich sicher. Zurück in der Gegenwart konnte man hoch am Himmel immer noch den hellen Mond leuchten sehen. Die Sterne und die dementsprechend ruhige Atmosphäre hatte sich kaum verändert. Alles war genauso wie vorher, mit dem Unterschied, dass eine kleine Kirche vor Ellen stand, und das mitten auf der Wiese, und zwar so, als würde sie dort schon seit Ewigkeiten stehen. Ein kleiner Kiesweg führte vor die großen, edlen Stahltüren der Kirche. Der Vorgarten bestand aus einem reinen Blumenbeet, das sich um die gesamte Kirche herum erstreckte. Verschiedenste Arten von Blumen waren dort zu sehen und keine einzige ähnelte der anderen. Jede Blume war etwas Besonderes für sich und erstrahlte im hellen Mondlicht. Es gab nur den kleinen Weg, der durch das Blumenbeet hindurchführte und sich genauso wie das Beet einmal um die Kirche herum erstreckte. Die Kirchenfenster erzählten allein durch ihre bunten Fensterscheiben, die vor allem durch den Mondschein besonders hervorgehoben wurden, eine eigene Geschichte. Sie brachten die Kirche dazu, ihre verdiente Aufmerksamkeit zu gewinnen und die Menschen einzuladen. Auch ihr Barock-Stil machte die Kirche zu etwas Besonderem. Verwirrt rieb die werdende Mutter ihre Augen und war nun noch mehr davon überzeugt in einem Traum festzustecken. Jeder, der in ihrer Haut stecken würde, konnte der insgeheimen Anziehungskraft der Kirche und des gesamten Ortes nicht widerstehen. Tief in ihrem Unterbewusstsein sowie in ihrem Herzen spürte sie nun etwas, das ihr sagte, den Weg zu gehen und die Kirche zu betreten. Nichts konnte sie aufhalten und letztendlich wagte Ellen es den Kiesweg entlangzugehen, die Kirche zu betreten. Mit dem Öffnen der Kirchentür entgegnete ihr ein helles strahlendes Licht, das von Sekunde zu Sekunde abklang. Anfangs konnte die junge Frau überhaupt nichts sehen und musste ihre Augen schließen, um den grellen Strahlen, die sie fast erblinden ließen, zu entkommen. Nach einer Weile war das grelle Licht abgeklungen und die werdende Mutter bemerkte, dass das Innenleben der Kirche, noch viel schöner war als das äußere Erscheinungsbild. Der Altar glänzte wie noch kein anderer zuvor. Die Sitzbänke waren nicht aus einfachem bekanntem Holz, sondern aus Gold und mit edlen dunkelroten Sitzkissen bestückt. Auch vergoldete Säulen stiegen nach oben empor und stützten die wunderschöne Kirche. Neben ihr führten vergoldete Wendeltreppen hoch nach oben und auch die Treppenstufen waren mit roten Polstern überzogen. Ein weiterer Blick nach links zeigte der Frau die Sakristei, deren Tür offenstand. Es war ein leerer Raum, doch dieser war mit Mondschein erfüllt. Rote Kerzen standen überall verteilt und erfüllten diesen zusätzlich mit ihrem wärmenden Lichtschwall. Direkt in der Sakristei konnte man das Jesuskreuz erkennen, das in einem leuchtenden Rot erstrahlte und neben dem kleinen Fenster an der Wand angebracht wurde. An den Wänden der Kirche waren verschiedene Bilder angereiht. Was genau die Bilder auf sich hatten, konnte die junge Frau aus der Ferne nicht erkennen. Doch waren schon allein die Bilderrahmen ein echten Hingucker. Die Bilder selbst waren verziert mit ewig langen Blumenketten, die die Wände schmückten. Was Ellen außerdem die Sprache verschlug, war der Boden der Kirche, der aus weißem Mosaik bestand, worin eine ganze Geschichte eingemeißelt war. In der Mitte der Kirche konnte man auf dem schneeweißen Boden einen eingemeißelten Engel erkennen, der rote Augen besaß und seine breiten Flügel weit spreizte. Ellen konnte schwören genau diesen schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Aber nicht auf einem Fotoalbum oder in einem Buch, sondern sie wusste sie war ihm zuvor bereits ungewollt begegnet. Dieser war umgeben von weiteren Figuren mit eisblauen Augen, die vor ihm knieten. Und mit diesem Anblick wusste Ellen, dass das die Kirche war, in der sie selbst geboren wurde. Es war genau der Ort, von dem ihre Großmutter ihr immer erzählt hatte. Das helle Licht des Scheines klang ab und Ellen traute ihren Augen nicht, als sie die vertraute Person direkt vor ihr stehen sah. Ihr hellbraunes, lockiges Haar wehte im Wind, der mit dem Öffnen der Türen durch die Kirche drang. Eingedeckt in einem grauen Mantel stand sie da und streckte Ellen ihre Hand aus. Die junge Frau wusste, dass das ihre beste Freundin sein musste, denn alles an ihr stimmte mit der Freundin, mit der sie über Jahre befreundet war, überein. Dennoch gab es einen großen Unterschied, der ihr sofort, als Ellen ihrer besten Freundin in die Augen blickte, auffiel. Sie hatte keine kastanienbraunen Augen mehr. Ihre Augen strahlten heller als der Mondschein und das in einem königlichem Eisblau, durch die man fast hindurchsehen konnte. Doch im Moment war Ellen einfach nur glücklich darüber, ihre Freundin nach all den Jahren endlich wiedersehen zu dürfen. Die junge Frau konnte es einfach nicht fassen, dass sie wirklich vor ihr stand und endlich wieder von ihr hören konnte. „Ich habe dich so sehr vermisst. Endlich wird sich alles aufklären“, sagte Ellen freudig, nahm die Hand ihrer besten Freundin und folgte ihr. Kurz vor dem Altar der Kirche, der in einem majestätischen Silber durch den Mondschein angestrahlt wurde, blieben die beiden abrupt stehen. „Wir wurden gerufen, da die Zeit deiner Kinder nun gekommen ist“, erklärte die junge Freundin mit einem breiten Lächeln im Gesicht und nahm dabei fest ihre Hand. Ellen Rose` Gesichtsausdruck war überrascht, denn sie wusste nicht was ihre Freundin damit meinte und war überfordert mit der gesamten Situation, denn sie hatte immer noch tausend offene Fragen, die in ihrem Kopf schwirrten und sie nicht in Ruhe ließen. Um die wichtigste von all den offenstehenden Fragen zu filtern, war Ellen im Moment nicht in der Lage. Der Vollmond stieg immer weiter und es dauerte nicht mehr allzu lang bis dieser seinen Höhepunkt erreicht hatte. Funkelnd erstrahlten die Sterne in einem hellen Glanz. Der Wind bewegte die Blätter des Waldes, der sich direkt neben der kleinen Kirche befand. Draußen wurde es kühl und nicht nur die Bewohner des Dorfes, sondern auch die Tiere des Waldes, hatten bereits einen Platz zum Schlafen gefunden, der ihnen gleichzeitig Schutz vor der Kälte der Nacht bat. Auch das Wasser des Baches kühlte mit den Außentemperaturen herab, es war schon längst nicht mehr so warm wie die Tage zuvor. Eine ruhige Stille lag über diesem Ort und nur der Ruf der Eulen durchbrach die Stille. Ein kühler Luftzug zog durch die Kirche hindurch und der Mond strahlte nun direkt auf die Kirche. Genau in diesem Moment war es soweit, doch Ellen verstand immer noch nicht, was nun vor sich ging. Ihre Freundin griff fest ihre Hand und rief weitere vier Frauen zu sich, die ihr bekannt vorkamen. Keine Sekunde brauchte Ellen, um zu begreifen, dass das die Frauen aus dem Traum waren. „Was passiert hier?“, fragte Ellen schockiert, als sie den Frauen, die gerade aus der Sakristei kamen, in die Augen blickte und weitere Fragen ihre Gedanken stürmten. Doch Ellen bekam dazu keine Antwort. Die Frauen bildeten einen Kreis um sie herum und Ellens beste Freundin hielt immer noch fest ihre Hand und dachte gar nicht daran diese loszulassen. Ellen selbst spürte eine starke Energie, die sie alle auf eine merkwürdige Art und Weise verband. Daraufhin erinnerte sich die junge Frau an den Tag zurück, an dem sie diese Energie das erste Mal in ihrem Leben gespürt hatte. Es war ein wunderschöner Tag im Sommer gewesen und die beiden Freundinnen spielten am See. Die Mütter lagen entspannt in der Sonne und unterhielten sich prächtig. Ihre beiden Töchter plantschten derweilen im See und genossen das schöne warme Wetter. Ellen war schon immer waghalsiger gewesen und hatte immer wieder neue Ideen, um ihrer Mutter einen Heidenschrecken einzujagen. Nach einer langen Zeit, die die beiden Freundinnen im See verbrachten, war Ellen aufgefallen, dass niemand der Leute diese nervigen Schwimmflügel trug. Weit und breit waren keine Menschen zu sehen, die diese aufgeblähten, nervigen Teile tragen mussten. Somit beschloss Ellen diese einfach abzumachen, denn sie war der Meinung, dass es keine Gefahr gab. Außerdem wollte Ellen so gerne mal von dem hohen Aussichtspunkt, der direkt neben dem See lag, hinunterblicken. Auch ihre Freundin fand die Idee brillant, doch traute sich nicht den Hügel bis zum Aussichtspunkt hinaufzuklettern. Das damalige kleine Mädchen blieb stur und was sie unbedingt machen wollte, das machte sie - egal, was andere dazu sagten. Also watschelte die kleine Ellen auf allen Vieren den Hügel hinauf und wurde dabei von ihrer Freundin genauestens beobachtet, denn sie überlegte auch noch mit nach oben zu klettern. Letztendlich ließ sie es aber dann doch sein. Oben angekommen blickte Ellen über den gesamten See und konnte auch ihre Freundin, die noch immer unten im Wasser stand, zuwinken. In diesem Moment kamen weitere Leute von unten den Hügel herauf und sprangen direkt neben ihr die Klippe hinunter. Ellens Mund blieb offen, denn das war etwas, dass sie noch nicht gesehen hatte. Ein kleiner Junge, der jedoch schon ein paar Jahre älter war, redete ihr ein auch hinunterzuspringen. Ellen schüttelte den Kopf, denn sie war ja nicht lebensmüde. Als sie gerade wieder den Hügel hinunter klettern wollte, schubste sie der ältere Junge mit einem lauten Lachen in die Tiefe. Um sie herum spürte sie die kühle Luft und ein starkes unangenehmes Bauchgefühl, das sie laut schreien ließ. Beide Mütter bekamen dies erst mit, als es schon zu spät war, und rannten besorgt zum Ufer des Sees. Der Junge machte sofort einen Rückzieher und ließ sich nicht mehr blicken. Ellens beste Freundin hörte ihre qualvollen Schreie und wusste, wie schlimm dieser Fall sein musste. Doch direkt neben ihr fiel ihre Freundin ins Wasser, wodurch eine große Welle auch sie selbst verschluckte. Beide Mädchen waren unter Wasser, doch sie waren nicht verloren. Ellen spürte die Hand ihrer Freundin und beide ließen sich gegenseitig nicht los. Jede spürte zu diesem Zeitpunkt eine seltsame Energie durch ihre Arme fließen und trotz des enormen Drucks, der sie durch den Fall ins Wasser in die Tiefe riss, hielten sie einander fest. Ellens Freundin öffnete ängstlich ihre Augen und sah in der Tiefe und der Dunkelheit des Sees eine weiße Gestalt. Erst konnte sie diese nicht genau erkennen, doch nach längerem Anblick war das kleine Mädchen sicher, dass es sich um einen echten Engel, wie aus ihren Gute-Nacht-Geschichten handelte. Verblüfft rüttelte sie die Hand ihrer besten Freundin und auch sie erkannte die weiße Gestalt und ihre breiten Flügel, die sich im Wasser immer mehr ausbreiteten. Ellens Freundin griff mit einer Hand nach dem Engel, den sie sah, doch sie bemerkte schnell, dass sie nicht einfach nach ihm greifen konnte. Nach mehrmaligen Versuchen, den Engel zu greifen, fiel ihr auf, dass dies völlig unmöglich war. Was sie aber nicht von einem Engel wie aus ihren Geschichten kannte, war einerseits, dass dieser unter Wasser zu sehen war und andererseits hatte kein Engel, den sie jemals gesehen hatte oder von dem sie jemals zu hören bekam, eine so schöne Augenfarbe. Die Mädchen waren fasziniert und blickten dem Engel tief in seine Augen und befanden sich wie in einer Hypnose, aus der sie nicht erwachen konnten. Ellens Freundin befand sich mit den Gedanken in einer völlig anderen Welt, als sie dem Engel tief in die Augen blickte. Ellen selbst war zu sehr auf die Stimme ihrer Mutter, die verzweifelt nach ihr rief, fixiert und nahm die Gestalt, die sie unter Wasser sah, schon gar nicht mehr richtig wahr. Ihre Konzentration war nur noch darauf gerichtet Luft zu holen und nach oben zu schwimmen. Mit der Zeit, die die beiden sich unter Wasser befanden, füllten sich allmählich ihre Lungen mit Wasser, doch die Wasseroberfläche war schon zum Greifen nahe. Auch die Rufe ihrer Mütter konnte man dämmernd hören. Ellen hielt immer noch mit einer Hand die andere Hand fest und kraulte mit ihrer freien Hand zur Wasseroberfläche. Immer wieder versuchte sie ihr kleines Händchen über die Wasseroberfläche zu strecken, damit ihre Mutter sie finden konnte. Schon nach kurzer Zeit packte sie ihre Mutter unter den Armen und zog die beiden aus dem Wasser. Beide Mütter waren froh, dass die beiden sich keine Sekunde losgelassen hatten, denn dadurch wären sie vielleicht für immer verloren gewesen. Doch das, was sie gesehen hatten, konnten beide ein Leben lang nicht vergessen. Auch wenn sie damals noch Kinder waren, war dies etwas, das für immer im Gedächtnis der beiden verankert blieb. Über das, was die beiden damaligen kleinen Mädchen erlebt hatten und auch ihren Eltern erzählten, wurde später nicht mehr geredet. Denn beide wurden davon überzeugt, dass das bloß eine Illusion war, aufgrund des Sauerstoffmangels, unter dem die beiden litten. Diese Erklärung klang für die Mädchen auch sinnvoll und da die Mütter über so vieles Bescheid wussten, waren sie auch sicher, dass diese Annahme der Wahrheit entsprechen musste. Denn was sollte es denn sonst gewesen sein? Realität? Nein, damit würde man doch für verrückt erklärt werden. Mit den Gedanken zurück in der Gegenwart begann genau das, worauf alle in diesem Raum sehnsüchtig gewartet haben.

Der Mond stand nun an der höchsten Stelle und strahlte seine gesamte Energie in Form von dem Mondschein auf die Kirche herab. Die Strahlen brachen durch die Fenster und spiegelten sich in dem Taufwasserbecken, das direkt neben dem Altar errichtet wurde. Die Fensterscheiben zerbrachen und fielen auf den weißen Mosaikboden hinunter, der sie sofort als Farbe in seinem Boden aufnahm. Nicht lange dauerte es, bis Ellen ihre kleinen schreienden Mädchen endlich in ihren Händen halten konnte und somit die glücklichste Mutter auf Erden war. Die Geburt selbst verlief komplikationslos, und außergewöhnlich war, dass nicht nur die Mädchen, sondern auch Ellen keinerlei Wehen verspürte und die Geburt urplötzlich mit Einbruch des Mondscheins eintrat. Sie selbst glaubte in einem schönen Traum zu stecken, doch die anderen waren nicht derselben Meinung. Jede der Frauen, die sich in der Kirche befanden, hatte ein Funkeln in den Augen und ein Lächeln im Gesicht, nachdem Ellen ihre Töchter in den Händen hielt. Ellens Freundin begann mit der Zeremonie und tauchte erst die eine Tochter in das Taufbecken, das voller Mondschein erfüllt war. Danach tauchte sie auch die zweite Tochter langsam ins Taufbecken. Beide waren wunderschöne kleine Mädchen, das war Ellens bester Freundin bewusst. Sogleich danach wickelte sie die beiden in ein warmes, vor allem weiches, Tuch und streichelte den beiden ihre zarten Wangen. „Eduard und deine gesamte Familie werden die Geburt miterleben, vertrau mir!“, erklärte die junge Frau und wickelte die Kinder in ein warmes Tuch, während sich die Frauen um die Mutter kümmerten. „Sie werden es alle miterleben und verstehen wie wertvoll deine Töchter sind und du selbst wirst es ihnen lehren, welche große Aufgabe ihnen bevorstehen wird“, ergänzte die Freundin, drehte sich um und wollte gerade die beiden Töchter zurück zu ihrer Mutter bringen, als Ellens Gesundheitszustand sich drastisch verschlechterte. Die Frauen hetzten hektisch herum und wussten nicht was vor sich ging. Starke Schmerzen erfüllten Ellen Rose` Herz, gefolgt von Krampfanfällen, Herzrasen und Temperaturerhöhung. „Ellen hat zwei Schöpflinge geboren, das kam noch nie vor. Sie haben ihre Lebenskraft geraubt“, stellte eine der Frauen fest und nahm die beiden Kinder, die Ellens beste Freundin in den Armen hielt. „Nein, auf keinen Fall! Das darf nicht passieren. Sie wird es schaffen“, antwortete die junge Frau und rannte zu Ellen, die qualvoll schrie und nach ihrer Hand griff. Von Sekunde zu Sekunde wurden die Schmerzen an ihrem Bauch stärker und die Schreie qualvoller. „Du musst sie erlösen“, schrien die Frauen und kümmerten sich um die beiden Neugeborenen. „Pass auf die beiden auf und erzähle ihnen jeden Tag vor dem Schlafen, dass ich sie liebe“, wisperte Ellen und ballte ihre Hände zu Fäusten, da der starke Unterleibschmerz sich auf ihren ganzen Körper ausbreitete und immer unerträglicher wurde. Sie wusste zwar nicht was vor sich ging, aber es fühlte sich nicht mehr wie ein Traum an. „Nein, das wirst du ihnen selbst sagen können. Bleib bei mir, Ellen. Ich lasse dich nicht los, genauso wie du mich damals nicht einfach losgelassen hast! Du musst gegen den Schmerz kämpfen“, widersprach die junge Frau, tauchte ein Tuch in das heilende Taufwasserbecken und legte es ihrer Freundin auf den Bauch. Doch auch dies linderte keineswegs die Schmerzen und die Qual, die Ellen gerade durchmachte. Ein Blick von Ellens Freundin zu ihren Verbündeten reichte, um ihnen zu signalisieren, was sie nunmehr versuchen wollte. Sie standen erneut alle im Kreis, reichten sich die Hände, schlossen die Augen. Auch Ellen wurde mit in den Kreis eingebunden, indem sie sie alle an der Schulter mit einer Hand berührten. Ellen hatte Angst vor dem was passieren würde, doch sie hatte vollstes Vertrauen in ihre beste Freundin und wusste sie würde das Richtige tun und früher oder später würde sich alles aufklären. Alles würde dann einen Sinn ergeben. Doch im Moment hatte sie nur die Schmerzen im Kopf, die sämtliche Gedanken vertrieben. Desto mehr Ellen versuchte den Schmerz zu ignorieren, desto größer wurde dieser und dagegen konnte sie nichts machen. Der Schmerz, der vom Unterleib der Mutter ausging, breitete sich überall in ihrem Körper aus. Es war, als wäre es ein Virus, der jedes einzelne Organ langsam anfiel und seine Macht darüber ausbreiten wollte. Ihr eigenes Blut strömte immer schneller durch die Adern und auch ihr Herz pochte immer schneller. Mit erhitzter Körpertemperatur lag Ellen da und die Schweißtropfen waren auf ihrer Stirn zu erkennen. Ihre Arme zuckten vor Schmerz und sie wusste sich selbst nicht zu helfen. Das Einzige auf was die junge Mutter sich konzentrierte, waren die engelsgleichen Stimmen der Frauen, die in diesem Moment irgendetwas flüsterten. So gut wie es nur ging, versuchte sie die höllischen Schmerzen zu ignorieren, was ihr nicht wirklich gelang. Das Letzte, was Ellen Rose als Mensch hörte, waren die Worte ihrer besten Freundin: „Vertrau mir, es wird alles gut werden“ und genauso gelang sie in eine völlig andere Welt, von der sie dachte, niemals dort hinzukommen. Ellen Rose wachte ohne Schmerzen auf einem kalten, harten Untergrund im Nirgendwo auf. Als sie ihre Augen öffnete, sah sie wortwörtlich ins Schwarze. Die Dunkelheit stand direkt vor ihr. Und nicht nur das, sie war umhüllt von ihr. Tausende von Fragen kreisten in ihren Gedanken und die Mutter konnte sie nicht kontrollieren. Sie wollte so viele