Schach-Eröffnungen - László Orbán - E-Book

Schach-Eröffnungen E-Book

László Orbán

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Beschreibung

• Unterhaltsame, lehrreiche und leicht verständliche Partiensammlung
• Für Schachfreunde, die zur Unterhaltung spielen und ihre Spielstärke steigern möchten

Schach – das königliche Spiel!
Dieses leicht verständliche Buch ist lernpädagogisch aufbereitet und für alle Schachspieler, die weiter hinzulernen wollen, sehr gut geeignet. László Orbán beschreibt darin die Königsbauerspiele, deren Kenntnis für die moderne Schachspielweise unerlässlich ist. Die einzelnen Eröffnungen sind mit 149 vollendeten und bis zum Matt gespielten Partien illustriert. Zudem werden leicht verständliche Glanzleistungen von Paul Morphy, Adolph Anderssen, Wilhelm Steinitz und José Raoùl Capablanca, aber auch moderne Partien der zeitgenössischen Großmeister eingestreut. So können Schachfreunde ihre Spielstärke auf einfache Weise stärken!

Aus dem Inhalt:
Charakteristische Bestrebungen im Königsbauerspiel
Werturteile der Schachtheorie
I. Teil: Angriff gegen f7
Das Läuferspiel: 2. Lf1– c4
Italienische Gambitspiele
Das Königsgambit 2. f2 – f4
Wiener Gambit: 2. Sb1– c3, 3. f2 – f4
II. Teil: Angriff gegen é5
Spanische Eröffnung: 3. Lf1– b5

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Seitenzahl: 379

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86910-152-1 (Print)

ISBN 978-3-86910-958-9 (PDF)

ISBN 978-3-84266-810-2 (EPUB)

Der Autor: Dr. László Orbán zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schachbuch-Autoren: Mehr als 5 Millionen verkaufte Schach-Lehrbücher belegen, dass er als Schach-Pädagoge vielen jungen Spielern einen erfolgreichen Zugang zur „Königin der Spiele“ geben konnte. Im Jahr 2008 wäre Dr. Orbán 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass erscheinen einige seiner erfolgreichen Bücher in neuer Aufmachung.

Bei humboldt sind weitere Bücher des Autors erschienen:

Schach für Anfänger, ISBN 978-3-89994-222-4

Schach Taktik, ISBN 978-3-89994-137-1

Der Bauer im Schachspiel, ISBN 978-3-86910-154-5

5. Auflage

© 2026 humboldt

Die Ratgebermarke der Schlütersche Fachmedien GmbH

Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover

www.humboldt.de

[email protected]

www.schluetersche.de

Autor und Verlag haben dieses Buch sorgfältig erstellt und geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung, Verarbeitung oder Nutzung der Inhalte in Datenbanken, KI-Systemen, maschinellen Lernverfahren oder anderen automatisierten Auswertungsformen.

Lektorat:

Eckhard Schwettmann

Covergestaltung:

DSP Zeitgeist GmbH, Ettlingen

Innengestaltung:

akuSatz Andrea Kunkel, Stuttgart

Titelfoto:

shutterstock/Marko Kovacevic

Fotos im Innenteil:

Inhalt

Abkürzungen

Vorwort

Charakteristische Bestrebungen im Königsbauerspiel*

Werturteile der Schachtheorie

I. Teil: Angriff gegen f7

1. Giuoco pianissimo

2. Italienisches Rochadespiel

3. Italienisches Vierspringerspiel

4. Wiener Eröffnung

Das Läuferspiel: 2. Lf1–c4

1. Ist das Königsspringerspiel kräftiger als das Läuferspiel?

2. Ein oberflächlicher Eröffnungsgrundsatz

3. Das Läuferspiel im Wandel der Zeit

4. Larsens Läuferspiel

5. Klassisches Läuferspiel: 2. Lf8–c5

6. Die Berliner Partie: 2. Sg8–f6

Der Vorstoß: d2–d4

1. Das Mittelspiel: 2. d2–d4

2. Das Mittelgambit: 2. é5 × d4; 3. Lf1–c4

3. Schottische Eröffnung: 2. Sg1–f3, Sb8–c6; 3. d2–d4

4. Schottisches Gambit: 3. é5 × d4; 4. Lf1–c4

5. Schottisches Vierspringerspiel 2. Sg1–f3, Sb8–c6; 3. Sb1–c3, Sg8–f6; 4. d2–d4

6. Italienisches Gambit: 2. Sg1–f3, Sb8–c6; 3. Lf1–c4, Lf8–c5; 4. d2–d4

Die Vorbereitung: c2–c3

1. Zentrumspiel: 2. c2–c3

2. Ponziani-Eröffnung: 2. Sg1–f3, Sb8–c6: 3. c2–c3

3. Giuoco piano: 4. c2–c3

4. Der Zug c2–c3 als Gambit

Italienische Gambitspiele

1. Das Jérôme-Gambit: 4. Lc4 × f7+

2. Das Evans-Gambit: 4. b2–b4

3. Abgelehntes Evans-Gambit

4. Gambitvariante der Italienischen Partie: 4. d2–d4, 5. 0–0

Andere Verteidigungen im Königsspringerspiel

1. Philidor-Verteidigung: 2. d7–d6

2. Verzögerte Philidor-Verteidigung: 3. d7–d6

3. Ungarische Verteidigung: 2. Sg1–f3, Sb8–c6; 3. Lf1–c4, Lf8–é7

4. Damiano-Verteidigung: 2. f7–f6

5. Unregelmäßige Verteidigungen

Der Gegenangriff Sg8–f6

1. Russische Verteidigung

2. Zweispringer-Verteidigung: 3. Lf1–c4, Sg8–f6

Das Gambit f7–f5 und d7–d5

1. Grecos Gegengambit: 2. Lf1–c4, f7–f5

2. Lettisches Gambit: 2. Sg1–f3, f7–f5

3. Mittelgambit in Rückhand

Das Königsgambit 2. f2–f4

Abgelehntes Königsgambit

1. Die klassische Ablehnung 2. Lf8–c5

2. Grecos Ablehnung: 2. Sg8–f6

3. Falkbeer-Gegengambit 2. d7–d5

4. Symmetrisches Gegengambit 2. f7–f5

Angenommenes Königsgambit: 2. é5 × f4

Das Springergambit: 3. Sg1–f3

1. Unregelmäßige Verteidigungen

2. Cunningham-Verteidigung: 3. Sg1–f3, Lf8–é7

3. Fischer-Verteidigung: 3. Sg1–f3, d7–d6

4. Der Gegenstoß 3. Sg1–f3, d7–d5

5. Die Gegenentwicklung 3. Sg1–f3, Sg8–f6

Klassisches Königsgambit mit g7–g5

1. Allgaier-Gambit: 4. h2–h4, g5–g4; 5. Sf3–g5

2. Kieseritsky-Gambit: 4. h2–h4, g5–g4; 5. Sf3–é5

3. Greco-Philidor-Gambit: 4. Lf1–c4, Lf8–g7

4. Salvio-Gambit: 4. Lf1–c4, g5–g4; 5. Sf3–é5

5. Muzio-Polerio-Gambit 5. 0–0

 6. MacDonnel-Gambit: 5. Sb1–c3

 7. Ghulam-Kassim-Gambit: 5. d2–d4

 8. Quade-Gambit: 4. Sb1–c3

 9. Rosentreter-Gambit: 4. d2–d4

10. Eine Capablanca-Partie

Läufergambit: 3. Lf1–c4

1. Das Damenschach von h4

2. Systeme ohne Damenschach

3. Das Breyer-Gambit: 3. Dd1–f3

Wiener Gambit: 2. Sb1–c3, 3. f2–f4

1. Eigentliches Wiener Gambit 2. Sg8–f6

2. Zweite Hauptvariante: 2. Sb8–c6

3. Hamppe-Allgaier-Gambit: 5. h2–h4

4. Pierce-Gambit: 5. d2–d4

5. Steinitz-Gambit: 4. d2–d4

Übrige Eröffnungen

1. Das Dreispringerspiel

2. Ungarische Eröffnung

3. Alapin-Eröffnung: 2. Sg1–é2

II. Teil: Angriff gegen é5 Spanische Eröffnung: 3. Lf1–b5

A) Verteidigungen ohne 3. … a7–a6

1. Bird-Verteidigung: 3. Sc6–d4

2. Cozio-Verteidigung: 3. Sg8–é7

3. Alapin-Verteidigung: 3. Lf8–b4

4. Jänisch-Gambit: 3. f7–f5

5. Klassische Verteidigung: 3. Lf8–c5

6. Steinitz-Verteidigung: 3. d7–d6

7. Berliner Verteidigung: 3. Sg8–f6

B) Verteidigungen mit 3. a7–a6

 8. Abtausch-Variante: 4. Lb5 × Sc6

 9. Aufgeschobene Steinitz-Verteidigung: 4. Lb5–a4, d7–d6

10. Verzögerte Berliner Verteidigung: 4. Lb5–a4, Sg8–f6

11. Das Hauptspiel 5. 0–0

12. Offene Verteidigung 5. Sf6 × é4

13. Geschlossene Verteidigung 5. Lf8–é7

14. Worall-Angriff: 6. Dd1–é2

15. Marshall-Angriff 8. d7–d5

16. Spanisches Vierspringerspiel

17. Schlussbetrachtungen

18. Eine kurz gefasste Analyse

Abkürzungen

zieht, geht nach

×

schlägt, nimmt

:

schlägt, nimmt

e. p.

en passant (Schlagen im Vorübergehen)

!!

ausgezeichneter Zug

+

Schach

(+)

aufgedecktes Schach

+ +

Doppelschach

#

Matt

(#)

aufgedecktes Matt

##

Doppelmatt

Remis, Gleichstand

0 – 0

kurze Rochade

0 – 0 – 0

lange Rochade

!

starker Zug

?

schwacher Zug

??

grober Fehler

!?

zweischneidiger Zug

?!

zweifelhafter Zug

~

beliebiger Zug

fehlender Zug

Der »e-Weg« ist mit dem französischen bzw. ungarischen Buchstaben »é« statt des üblichen »e« gezeichnet, damit beim Nachspielen der Partien »c« und »e« nicht verwechselt werden.

Vorwort

Langeweile ist der Erbfeind der Schachliteratur. Ein gutes Schachbuch soll vor allem vom Anfang bis zum Ende interessant sein. Ich war deshalb bemüht, ein Eröffnungswerk zu schreiben, das man so leicht liest wie einen spannenden Kriminalroman. Inwieweit mir das gelungen ist, werden meine lieben Leserinnen und Leser selbst feststellen.

Aus diesem Büchlein sind die trockenen Analysen verbannt. Es wird nur das Minimum an notwendigen Eröffnungskenntnissen dargeboten. Trotzdem werden die Schachfreunde unendlich viel Nützliches erlernen und dabei viel Freude daran finden.

Wir legen in die Hand des Lesers eine unterhaltsame und zugleich lehrreiche Partiensammlung. Ich habe die Musterpartien besonders sorgfältig ausgewählt und nur solche Spiele aufgenommen, die gut verständlich sind. Außer der Beherrschung der Spielregeln sind keine besonderen theoretischen Vorkenntnisse erforderlich.

„Jeder Schachspieler muss die Entwicklung des königlichen Spiels durchmachen“ (Hans Carl Opfermann). Deshalb sind in dieser kleinen Partiensammlung vor allem Spiele von Gioachino Greco, Giulio Cesare Polerio und anderen alten italienischen Meistern aufgenommen. Dann folgen mehrere Glanzleistungen von Paul Morphy, Adolph Anderssen, Wilhelm Steinitz und José Raoùl Capablanca. Allerdings sind freilich auch moderne Partien der zeitgenössischen Großmeister eingestreut – aber nur solche, die leicht verständlich sind.

Die einzelnen Eröffnungsvarianten sind mit vollendeten, bis zum Matt gespielten Partien illustriert. Denn solche Weisheiten wie „Weiß steht auf Gewinn“ oder „Schwarz hat entscheidenden Vorteil“ helfen dem ungeübten Spieler nicht, weil er einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Die Anwendung von vollständigen Partien hat noch den großen Vorteil, dass das Büchlein nicht nur als Eröffnungswerk, sondern auch als ein unsystematisches Lehrbuch des Mittelspiels ausgewertet werden kann. Der Lernende begreift so die Methoden des erfolgreichen Angriffs und die Kunst der Verteidigung.

In dieses Buch sind nur wenige typische Varianten aufgenommen, mit knappen Hinweisen auf andere Spielweisen. Der Schachfreund soll vom ersten Zug an zum Nachdenken gezwungen sein und sich nicht auf sein Gedächtnis verlassen. Dann wird er ganz bestimmt besser abschneiden und vor allem mehr Freude am Spiel haben als mit den eingepaukten Eröffnungsvarianten.

Die Wichtigkeit des Variantengestrüpps ist übrigens turmhoch überschätzt. Sie können sehr stark spielen und sogar Weltmeister werden – ohne Kenntnis der einzelnen Varianten! Tatsache ist, dass die früheren Weltmeister Dr. Emanuel Lasker und José Raoùl Capablanca die Eröffnungstheorie nie studiert haben.

Die ausführlichen Eröffnungsanalysen sind vielleicht für Meister und starke Turnierspieler geeignet, aber für fortgeschrittene Anfänger nur ein Gift, das mehr schadet als nützt. Überdies gibt es nichts Langweiligeres als das seelentötende Studium der endlosen Eröffnungsvarianten.

Das Schach ist weder ein Sport noch ein Broterwerb, sondern nur ein geistreiches Spiel! Dieses Buch ist nicht für Meister bestimmt, sondern für jene Schachfreunde, die keine Meister werden wollen, die im königlichen Spiel nur Unterhaltung suchen und eine Gedächtnisakrobatik ablehnen. Ich möchte meine Schachschüler von überflüssigen geistigen Anstrengungen befreien. – Trotz dieser Auffassung werden alle aufmerksamen Leser ihre Spielstärke auf nicht ermüdende, spielerische Art in erheblichem Maße steigern können. Ich bitte Sie daher, nichts auswendig zu lernen! Es ist kein Unglück, wenn Sie ab und zu eine Partie verlieren. Übrigens können selbst die Weltmeister nicht jede Partie gewinnen!

Die Eröffnungen sind solch ein undurchsichtiger Dschungel von Tausenden und abermals Tausenden Varianten und Abspielen, dass darüber bereits im neunzehnten Jahrhundert dicke „Wälzer“ geschrieben wurden. Es ist überhaupt unmöglich, in einem kleinen Büchlein alle Eröffnungen zu besprechen. Ich werde also nur die sog. Königsbauerspiele – also die Eröffnungen mit 1. é2 – é4, é7 – é5 – behandeln.

Die Königsbauerspiele sind der Schlüssel zu den anderen, schwierigeren Eröffnungssystemen. Ohne gründliche Kenntnis der Königsbauerspiele können Sie die modernen Spielweisen überhaupt nicht begreifen und keine schachlichen Fortschritte machen.

Ich bitte den geneigten Leser, jede Partie zweimal nachzuspielen: vorerst nur die fett gedruckten Textzüge – ohne die Bemerkungen zu beachten –, beim zweiten Mal dieselbe Partie mit den Anmerkungen.

Dr. Ing. László Orbán

Charakteristische Bestrebungen im Königsbauerspiel*

Weiß:

Schwarz:

 1. Angriff gegen f7

 1. Verteidigung von f7

 2. Beherrschung der Schräge c4 – f7

 2. Gegenspiel auf Schräge é6 – c4

 3. Beherrschung der Schräge h5 – f7

 3. Spiel gegen die weiße Dame auf h5

 4. Beherrschung des f-Wegs

 4. Kontrolle der Bewegung des weißen Turmes von h1 zu f1

 5. Springermarsch g1 – f3 – g5 – f7

 5. Kontrolle des weißen Königsspringers

 6. Angriff gegen é5

 6. Sinnvolle Verteidigung von é5

 7. Der Vorstoß d2 – d4

 7. Versuch des Gegenstoßes d7 – d5

 8. Der Vorstoß f2 – f4

 8. Vermeiden der Bewegung des Bauern f7

 9. Aufbau eines starken Bauernzentrums

 9. Zerschlagung des weißen Bauernpaares d4/é4

10. Öffnung des é- oder f-Wegs

10. Verhindern der Öffnung des é- und des f-Wegs

11. Beherrschung des Feldes d5 als Sprungbrett für die Dame zu gemeinsamem Angriff mit dem Läufer gegen f7. Versuch des Manövers Dd1 – b3 – d5 (oder c3 gegen c7)

11. Beherrschung des Feldes d5

12. Mit jedem Mittel (auch Opfer inbegriffen) die schlafenden Figuren am Damenflügel gegen die üblichen Zielscheiben f7 und é5 mit Zeitgewinn in den Kampf werfen

12. Vermeidung des fatalen Versuches, einen weißen Bauern oder eine Figur mehr zu behalten. Bei einer Mehrfigur stehenzubleiben, ist eine gute Regel. Nicht gierig werden. Am besten ist es, die Beute im richtigen Moment zurückzugeben und dadurch die Initiative zu ergreifen

13. Sich nicht durch materiellen Gewinn ablenken lassen, wodurch der schwarzen Dame, dem DamenTurm, -Springer oder -Läufer gegen die verwundbaren Punkte im weißen Lager erheblicher Kraftzuwachs zufließen könnte

13. Sorgfältig die Zahl der aktiven Figuren am Damenflügel in beiden Lagern vergleichen. Aufpassen, dass die zahlenmäßige Differenz zum Vorteil von Weiß eine Figur nicht übersteigt. Geben Sie Ihre Beute zu rechter Zeit zurück, und wenn das nicht möglich ist, opfern Sie – ohne Selbstmitleid und ohne Tränen

* Nach David Bronstein

Werturteile der Schachtheorie

Die subjektiven und vielfach oberflächlichen Werturteile sind die verwundbarsten Stellen der Schachtheorie. Nach rein persönlichem Geschmack wird etwas behauptet, was nicht wahr ist und vielfach nicht stimmt.

Die Eröffnungstheorie verdirbt die Freude und den Spaß am Spiel. Denn die Schachfreunde werden zu Spielweisen überredet, die ihnen nicht liegen und ihrer Veranlagung, ihrem Temperament widersprechen. Glauben Sie nicht dem Gerede, dass diese oder jene Eröffnung besser sei als die andere. Die beste Eröffnung ist jene, die Ihnen am besten gefällt!

Es ist höchste Zeit, dass man die Werturteile aus der Eröffnungstheorie verbannt und einer objektiven Betrachtung Platz bietet. Ich möchte es so formulieren:

In den Königsbauerspielen 1. é2 – é4, é7 – é5 gibt es vier gute und gleichwertige Angriffe für Weiß:

1) das Läuferspiel: 2. Lf1 – c4,

2) das Königsspringerspiel: 2. Sg1 – f3,

3) die Wiener Eröffnung: 2. Sb1 – c3,

4) das Königsgambit: 2. f2 – f4.

„In Preußen darf jeder nach seiner Façon selig werden“ – sagte einst Friedrich II. – Und im königlichem Spiel auch! Es wird einfach totgeschwiegen, dass der bevorzugte 2. Sg1 – f3 zwei schwerwiegende Nachteile hat:

a) Er verbietet der Dame die Entwicklungsfelder f3, g4, h5.

b) Er verhindert, dass der f-Bauer mit f2 – f3 oder f2 – f4 am Zentrumskampf teilnimmt.

I. Teil: Angriff gegen f7

Ruhige Figurenentwicklung

Wenn der Anfänger die Schäferperiode überwunden hat, dann sollte er vor allem nach leicht verständlichen Eröffnungen Umschau halten, die er ohne Schwierigkeit bewältigen kann. Der Hauptzweck des Eröffnungsspiels ist die zügige und schnelle Entwicklung der Figuren. Das heißt: Die Springer, die Läufer und die Dame müssen die Grundreihe verlassen und im Inneren des Brettes eine günstige Angriffsoder Verteidigungsstellung einnehmen, danach mit einer alsbaldigen Rochade den König in Sicherheit bringen und die Türme beweglich machen.

Die „Entwicklung“ bedeutet also: „Figuren raus!“ Die Eröffnung hat dabei auch einen Nebenzweck: Weiß versucht in den meisten Spielanfängen, das ideale Bauern zen trum d4/é4 zu errichten. Dadurch entstehen oft recht schwie rige Eröffnungsprobleme. Da aber Weiß nur nach fehlerhaftem Gegen spiel die begehrte Bauernmitte d4/é4 aufbauen kann, wird es dem Anziehenden nicht allzu schwerfallen, auf die im Voraus zum Scheitern verurteilte, vergebliche Liebesmüh zu verzichten. Weiß verliert nichts, falls er sich, anstelle des Kampfes um das Zentrum, mit der schnellen und wirksamen Aufstellung seiner Figuren begnügt. Zwar verliert der Anziehende nach wenigen Zügen den sog. Anzugsvorteil, doch kann er unbehindert eine chancenreiche und günstige Angriffsstellung aufbauen. Trotz des Verzichtes auf die lächerliche Balgerei um die Mitte entstehen vollwertige Eröffnungen – obwohl sie von vielen Meistern herabschätzend als „Stumpfsinnvari an ten“ verspottet werden. Das ist jedoch nicht wahr. Kümmern Sie sich also um diese oberflächliche Geringschätzung nicht, und erlernen Sie vor allem jene leicht verständlichen Spielweisen, die lediglich eine schnelle Entwicklung der Figu ren bestreben! Solche Eröffnungen sind vor allem:

1.Giuoco pianissimo, auf Deutsch: „das leiseste (oder ruhigste) Spiel“, eine Variante der Italienischen Eröffnung. Sie entsteht nach den Einleitungszügen: 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sg1 – f3, Sb8 – c6; 3. Lf1 – c4, Lf8 – c5; 4. d2 – d3 nebst 5. Sb1 – c3 oder umgekehrt.

2.Italienisches Rochadespiel: 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sg1 – f3, Sb8 – c6; 3. Lf1 – c4, Lf8 – c5; 4. 0 – 0.

3.Italienisches Vierspringerspiel: 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sg1 – f3, Sb8 – c6; 3. Sb1 – c3, Sg8 – f6; 4. Lf1 – c4.

4.Wiener Eröffnung: 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sb1 – c3. Dieser Zug dient zumeist zur Vorbereitung des Bauernopfers 3. f2 – f4 (Wiener Gambit). Hier werden wir vorerst nur jene einfachen Varianten behandeln, die auf das Gambit f2 – f4 verzichten.

5.Läuferspiel (genauer Königsläuferspiel): 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Lf1 – c4 – ein Vorgänger der Italienischen Eröffnung, in der Lf1 – c4 erst im 3. Zug nach der Vorbereitung 2. Sg1 – f3, Sb8 – c6 geschieht.

1. Giuoco pianissimo

1. Partie

Serafino Dubois

Wilhelm Steinitz

1. é2 – é4

é7 – é5

2. Sg1 – f3

Sb8 – c6

3. Lf1 – c4

Das beste Entwicklungsfeld des weißen Königsläufers ist zweifelsohne c4. Hier bedroht er den schwachen Bauern f7 vor der schwarzen Rochade und fesselt ihn nach 0 – 0. Will Schwarz den Bf7 entfesseln, so muss er Kg8 – h8 ziehen, aber nach dem Vormarsch f7 – f6(f5) bedroht Lc4 das Feld g8 und sperrt so den schwarzen Herrscher in die Ecke ein.

3. …

Lf8 – c5

Dieser ebenbürtige Entwicklungszug hat dieselben Vorteile wie Lf1 – c4.

Will Schwarz den Verwicklungen der Italienischen Eröffnung aus dem Wege gehen, dann kann er bescheiden 3. … Lf8 – é7 (Ungarische Verteidigung) wählen.

Eine andere gute Verteidigung ist 3. … d7 – d6 (Aufgeschobene Philidor-Verteidigung).

Kampflustige Naturen spielen hier Gegenangriff: 3. … Sg8 – f6 (Zweispringer-Verteidigung).

4. d2 – d3

Verteidigt den Läufer c4 sowie auch den Bauern é4 und öffnet die Bahn des Damenläufers c1. Diese „ruhigste“ Fortsetzung ist bei weitem nicht so ruhig, wie ihr Name verspricht. Es kann recht turbulent zugehen, wie wir sofort sehen werden.

4. …

d7 – d6

Oder 4. Sg8 – f6 und erst nachher 5. d7 – d6.

5. 0 – 0(?)

Wegen der möglichen lästigen Fesselung Lc8 – g4 nicht zu empfehlen. Um diese Fesselung zu verhindern, spielen manche Meister den „Stümperzug“ 5. h2 – h3 oder setzen ihre Entwicklung mit 5. Sb1 – c3 fort.

5. …

Sg8 – f6

6. Lc1 – g5

 

Diese Fesselung ist ungefährlich, da Schwarz noch nicht rochiert hat und den Läufer in die Flucht jagen kann. Sicherer ist 6. Lé1 – é3 oder 6. Sb1 – c3.

6. …

h7 – h6

7. Lg5 – h4?

Noch immer wäre 7. Lg5 – é3 besser, oder 7. Lg5 × Sf6, Df8 × Lf6.

7. …

g7 – g5!

Schwarz darf sich diesen heftigen Bauernsturm erlauben, weil sein König noch nicht rochiert hat.

8. Lh4 – g3

Das scheinbar wirksame Opfer 8. Sf3 × g5? wird widerlegt durch 8. … h6 × Sg5; 9. Lh4 × g5, Th8 – g8!

8. …

h6 – h5!!

Der Beginn einer der schönsten Kombinationen am Schachbrett. Es droht h5 – h4 nebst Läuferfang.

Weiß müsste diesen Vorstoß mit 9. h2 – h4 oder 9. h2 – h3 unterbinden. Aber von Habsucht verblendet, schlägt er den vergifteten Bauern.

 9. Sf3 × g5?

h5 – h4!

10. Sg5 × f7

h4 × Lg3!!

(s. Diagramm S. 22)

Ein prächtiges Damenopfer.

11. Sf7 × Dd8

Ebenso schlecht ist 11. Sf7 × Tf8, Lc8 – g4; 12. Dd1 – d2, Dd8 – d7; 13. Sh8 – g6, Dd7 – h7!; 14. h2 – h3, Sc6 – d4!! (Weiß darf den Läufer nicht schlagen: 15. h2 × Lg3??, Dh7 – h2#.) 15. Dd2 – g5, Sd4 – é2+; 16. Kg1 – h1, Dh7 × h3+!!; 17. g2 × Dh3, Lg4 – f3# (Dr. Savielly Tartakower).

11. …

Lc8 – g4!

12 . Dd1 – d2

Das Rückopfer 12. Dd1 × Lg4 hilft auch nicht: 12. … Sf6 × Dg4; 13. Sd8 × Sc6, Lc5 × f2+!. (Falls nun 14. Kg1 – h1??, so Th8 × h2#.) 14. Tf1 × Lf2, g3 × Tf2+; 15. Kg1 – f1, Th8 × h2. Weiß kann Th2 – h1+ nebst Umwandlung des Bauern nicht verhindern, und Schwarz gewinnt leicht mit seiner neugebackenen Dame.

Auch 12. Sd8 – f7 hilft nichts wegen 12. … Th8 × h2!; 13. Dd1 – d2, Sc6 – d4; 14. Sb1 – c3, Sd4 – f3+!!; 15. g2 × Sf3, Lg4 × f3. (Es droht Th2 – h1#.) 16. Dd2 – h6!!. (Dieses geistreiche Rückopfer deckt das Matt und nach 16. … Th2 × Dh6; 17. Sf7 × Th6 hat Weiß einen Turm mehr.) 16. … Th2 – g2+; 17. Kg1 – h1, Tg2 × f2(+); 18. Kh1 – g1, Tf2 – g2++; 19. Kg1 – h1, Tg2 – h2## (N. N. – M. Gedult, Bir Akeim 1942).

12. …

Sc6 – d4!

13. h2 – h3

oder 13. Sb1 – c3, Sd4 – f3+!!; 14. g2 × Sf3, Lg4 × f3. (Es droht g3 × h2#.) 15. h2 × g3, Th8 – h1# (C.S. Ashley – A. H. Tollit, Birmingham 1923).

13. …

Sd4 – é2+

14 . Kg1 – h1

Völlig aussichtslos wäre 14. Dd2 × Sé2, Lg4 × Dé2.

14. …

Th8 × h3+!!

15. g2 × Th3

Lg4 – f3#

2. Partie

Zach

Musil

Tschechische Fernpartie 1954

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Sg1 – f3

Sb8 – c6

 3. Lf1 – c4

Lf8 – c5

 4. d2 – d3

d7 – d6

Gut ist auch 4. … Sg8 – f6, nicht aber 4. … Sg8 – é7?; 5. Sf3 – g5, 0 – 0?; 6. Dd1 – h5!, h7 – h6; 7. Sg5 × f7, Dd8 – é8; 8. Sf7 × h6++, Kg8 – h8(h7); 9. Sh6 – f7++, Kh8 – g8; 10. Dh5 – h8#.

 5. Sb1 – c3

Lc8 – g4

Am besten geschieht hier 5. … Sg8 – f6!. Schwarz weicht aber von diesem System ab, um die Fesselung 6. Lé1 – g5 zu vermeiden.

 6. h2 – h3

Lg4 × Sf3

 7. Dd1 × Lf3

Sg8 – f6

 8. Lc1 – é3

Lc5 × Lé3?

Schwarz öffnet den f-Weg für den weißen Turm. Gegeben wäre Lc5 – b6!

 9. f2 × Lé3

0 – 0

10. 0 – 0 – 0

Die verschiedenartigen Rochaden führen fast immer zu heftigen Kämpfen. Hier ist aber die lange Rochade ungefährlich, da das Material durch Abtäusche reduziert ist und Bauernschwächen auf keiner Seite vorhanden sind.

Ein offenerWeg macht noch keinen Sommer. Weiß verzichtete deshalb auf 0 – 0, weil er einen Bauernsturm auf dem Königsflügel plant.

10. …

a7 – a6

11. g2 – g4

b7 – b5

12. Lc4 – d5

Sf6 × Ld5

13. Sc3 × Sd5

Dd8 – d7?

Unentbehrlich wäre, mit 13. … Sc6 – é7 den weißen Zentralspringer abzutauschen oder zum Rückzug zu zwingen. Schwarz unterlässt dies, weil er sich in völliger Sicherheit wiegt. Seine nächsten belanglosen Züge beweisen es:

14. Td1 – g1!

Ta8 – b8

Die Türme gehören entweder auf offene Wege oder hinter die Bauern, die vorwärtsstürmen wollen.

15. h3 – h4

Sc6 – d8

Noch immer wäre Sc6 – é7 besser.

16. g4 – g5

c7 – c6

Schwarz erwartet ruhig den gegnerischen Königsangriff, in der Meinung, dass seine Rochadestellung ausreichend geschützt ist, und will den zudringlichen weißen Springer mit diesem Bauernzug vertreiben. Dies gelingt ihm in der Tat, aber nicht so, wie er es sich vorgestellt hat. (Dr. Emil Gelenczei)

17. Sd5 – f6+!!

g7 × Sf6

Erzwungen, da er sonst die Dame verliert.

18. g5 × f6(+)

Kg8 – h8

19. Tg1 – g7!

Sd8 – é6

20. Tg7 × h7+!!

Schwarz gab auf, weil nach 20. … Kh8 × Th7; 21. Df3 – h5+, Kh7 – g8; 22. Th1 – g1+, Sé6 – g7; 23. Tg1 × Sg7# folgt.

2. Italienisches Rochadespiel

3. Partie

Rosentreter

Höfer

Berlin 1899

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Sg1 – f3

Sb8 – c6

 3. Lf1 – c4

Lf8 – c5

 4. 0 – 0

Sg8 – f6

Die Rochade hat keine selbständige Bedeutung.

 5. d2 – d4!?

Nach diesem zweischneidigen Bauernopfer entstehen große Ver wicklungen mit guten praktischen Chancen für den Anziehenden.

 5. …

Lc5 × d4

Ungünstig wäre 5. … Sc6 × d4? wegen 6. Sf3 × é5!. Aber auch 5. … é5 × d4 ist gut spielbar.

 6. Sf3 × Ld4

Sc6 × Sd4

Für Weiß vorteilhaft ist 6. … é5 × d4?; 7. é4 – é5!, d7 – d5; 8. é5 × Sf6, d5 × Lc4; 9. f6 × g7, Th8 – g8; 10. Dd1 – h5!, Dd8 – f6; 11. Tf1 – é1+, Ké8 – d7 (erzwungen); 12. Lc1 – g5!, Df6 – g6; 13. Dh5 – g4+, Kd7 – d6; 14. Lg5 – f4+, Kd6 – c5; 15. Dg4 – f3 usw.

 7. Lc1 – g5

Jetzt sollte Schwarz einfach d7 – d6!; 8. f2 – f4, Dd8 – é7 spielen, und Weiß hat keinen ausreichenden Ersatz für den geopferten Bauern. Schwarz glaubte aber, den Fesselungsläufer abdrängen zu können, und zog:

 7. …

h 7 – h6?

Notwendig wäre die Befestigung des Zentrums durch d7 – d6 oder Sd4 – é6.

 8. Lg5 – h4

g7 – g5??

Dieser Ausfall am Königsflügel, während das Zentrum nicht befestigt ist, gibt dem Gegner Gelegenheit zu einem originellen Überfall:

 9. f2 – f4!!

Weiß öffnet den f-Weg auf den nichtrochierten schwarzen König.

 9. …

g5 × f4

Falls g5 × Lh4, dann 10. f4 × é5, und Schwarz zappelt in großen Schwierigkeiten.

10. Tf1 × f4!!

é5 × Tf4

11. Dd1 × Sd4!

Der schwarze Springer ist nun kreuzgefesselt. Es gibt keine Rettung für ihn.

11. …

0 – 0?

Ein richtiges Harakiri. Etwas besser wäre d7 – d5; 12. Lh4 × Sf6; Dd8 – d6.

12. Lh4 × Sf6

Dd8 – é8

13. Lf6 – h8!!

Schwarz gab auf, da er 14. Dd4 – g7# nicht abwenden kann.

3. Italienisches Vierspringerspiel

4. Partie

Dr. Siegbert Tarrasch

Dr. Emanuel Lasker

Berlin 1916

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Sg1 – f3

Sb8 – c6

 3. Sb1 – c3

Sg8 – f6!

Das Vierspringerspiel bietet dem Nachziehenden die besten Chancen. Führt jedoch Schwarz einen anderen Zug aus, dann haben wir das Dreispringerspiel.

 4. Lf1 – c4

Das ist das Italienische Vierspringerspiel, im Gegensatz zum Spanischen Vierspringerspiel (4. Lf1 – b5) und zum Schottischen Vierspringerspiel (4. d2 – d4).

 4. …

Sf6 × é4

Das bekannte Scheinopfer. – Die andere Möglichkeit ist die Symmetrievariante 4. … Lf8 – c5.

Für Weiß ungünstig wäre nun 5. Lc4 × f7+?, Ké8 × Lf7; 6. Sc3 × Sé4, d7 – d5; 7. Sé4 – g3, é5 – é4!; 8. Sf3 – g1, h7 – h5; 9. d2 – d4, h5 – h4; 10. Sg3 – f1, Dd8 – f6; 11. c2 – c3, Sc6 – é7! mit starkem Bauernzentrum.

Weiß könnte das Spiel mit 5. 0 – 0!? verschärfen und auf Kosten eines Bauern eine gefährliche Initiative erlangen.

 5. Sc3 × Sé4

d7

d5

 6. Lc4

d3

Nach 6. Lc4 × d5, Dd8 × Ld5; 7. Sé4 – c3, Dd5 – a5(d8) ist die schwarze Stellung vorzuziehen. Auch 6. Lc4 – b5, d5 × Sé4; 7. Sf3 × é5, Dd8 – g5!; 8. Sé5 × Sc6, Dg5 × Lb5 (bzw. 8. d2 – d4, Dg5 × g2!) ist für den Nachziehenden günstig.

 6. …

d5 × Sé4

 7. Ld3 × é4

Lf8

d6

 8. d2

d4

Auf 8. 0 – 0 würde nunmehr Lc8 – g4! mit der Drohung f7 – f5 sehr lästig werden.

 8. …

é5 × d4

 9. Sf3 × d4(?)

Zweckmäßiger wäre 9. Lé4 × Sc6+ gewesen: b7 × Lc6; 10. Dd1 × d4, 0 – 0; 11. 0 – 0 =.

 9. …

0

0!

10. Lc1

é3?

Mangelhaft. Nötig wäre 10. Lé4 × Sc6, b7 × Lc6; 11. 0 – 0! 11. … Dd8 – h4 (Mattdrohung); 12. h2 – h3 und die weiße Stellung ist auch in diesem Falle nicht ohne Schwächen.

Noch ärger wäre dagegen 10. 0 – 0? Sc6 × Sd4! 11. Dd1 × Sd4, Ld6 × h2+!! nebst Damenverlust.

10. …

Dd8 – h4!

11. Lé4 × Sc6

b7 × Lc6

12. g2 – g3?

Um die Rochade zu ermöglichen, aber es werden dem Läufer c8 alle weißen Felder geöffnet. Schlecht wäre auch 12. h2 – h3? wegen Tf8 – é8!; 13. 0 – 0, Lc8 × h3!!. Am besten wäre wohl 12. Dd1 – d2, Ta8 – b8; 13. 0 – 0 – 0!; c6 – c5; 14. Sd4 – f3, Dh4 – a4; 15. a2 – a3 mit zweischneidigem Spiel.

12. …

Dh4 – h3

Es droht Dh3 – g2.

13. Dd1 – é2

c6 – c5!

14. Sd4 – b3

Lc8 – g4

15. Dé2 – f1

Dh3 – h5

16. Sb3 – d2

16. …

Tf8 – é8!

Der Frontalsturm beginnt.

17. Th1 – g1!

Jetzt würde 17. Dh5 × h2??; 18. Tg1 – h1! die Dame kosten.

17. …

Ta8 – b8

18. Sd2 – c4

Ld6 – é5!

19. h2 – h3

Lg4 × h3

20. Df1 – é2

Lh3 – g4

21. Dé2 – d3

Tb8 – d8!

22. Sc4 × Lé5

Erzwungen. Auf 22. Dd3 – b3? käme Lg4 – d1!! mit Mattdrohung.

22. …

Td8 × Dd3

23. Sé5 × Td3

Té8 × Lé3+!!

Aufgegeben. Auf 24. f2 × Té3 entscheidet Dh5 – h2!! nebst Dh2 – é2#, oder Verlust beider Türme nach 25. Sd3 – f2. (Anmerkungen nach Dr. Savielly Tartakower)

4. Wiener Eröffnung

Nach 1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sb1 – c3 verzichtet Weiß von vornherein auf den Kampf um die Mitte durch c2 – c3 nebst d2 – d4. Die Eröffnung hat zwei Hauptvarianten:

a) Symmetrie-Fortsetzung Sb8 – c6,

b) der Gegenangriff Sg8 – f6.

Freilich sind auch andere Fortsetzungen möglich, wie 2. … Lf8 – c5, oder c7 – c6 nebst d7 – d5 u. a. Doch sind sie so selten gespielt, dass wir sie außer Acht lassen.

5. Partie

Max Pollack

Baron Rothschild

Wien, um 1900

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Sb1 – c3

Sb8 – c6

 3. g2 – g3

Die Vorbereitung zur Flankenentwicklung des Läufers. Am stärksten ist hier 3. … Lf8 – c5!; 4. Lf1 – g2, Sg8 – f6; 5. d2 – d3, 0 – 0; 6. Sg1 – é2, Tf8 – é8; 7. 0 – 0 usw.

 3. …

Sg8 – f6

 4. Lf1 – g2

Lf8 – c5

 5. Sg1 – é2!

Auf f3 würde der Springer den Flankenläufer verstellen.

 5. …

d7 – d6

 6. h2 – h3?

Weiß verhindert die Fesselung des Sé2, doch verliert er an wichtigem Tempo und schwächt obendrein die Bauernstellung. Besser wäre 6. d2 – d3.

 6. …

Lc8 – é6

 7. 0 – 0

Dd8 – d7

Angriff gegen den schwachen Bauern h3, den Weiß nun mit dem König schützen muss.

 8. Kg1 – h2

h7 – h5

 9. d2 – d3

0 – 0 – 0!

Der König ist in Sicherheit, und die beiden schwarzen Türme können evtl. auf dem h-Weg in den Kampf gegen die schwache weiße Rochadestellung eingesetzt werden.

10. Lc1 – g5

Sc6 – é7

um auch den Damenspringer im Königsangriff einzusetzen. Der Springer strebt vorerst nach g6.

11. f2 – f4?

Eine weitere Schwächung, die von Schwarz sofort ausgenützt wird:

11. …

Sf6 – g4+!!

Wer besser entwickelt ist, soll Linien öffnen! Dieses Springeropfer ist völlig korrekt. Wie leicht ersichtlich ist, muss Weiß das Opfer annehmen.

12. h3 × Sg4

h5 × g4(+)

13. Lg5 – h4

Sé7 – g6!

Die Reserve wird für den Angriff eingesetzt.

14. f4 – f5

Sg6 × Lh4

15. g3 × Sh4

Dd7 – é7!

Die Dame eilt zum entscheidenden Schlag.

16 . Dd1 – é1

Weiß hat keine ausreichende Verteidigung mehr.

16. …

Th8 × h4+

17. Kh2 – g3

Dé7 – g5!

18. Tf1 – h1

Th4 – h3+!!

und matt in drei weiteren Zügen:

19. Lg2 × Th3

g4 × Lh3(+)

20. Kg3 – f3(h2)

Dg4 – g2#

oder 19. Th1 × Th3, g4 × Th3(+); 20. Kg3 × h3, Td8 – h8+; 21. Dé1 – h4, Th8 × Dh4#.

6. Partie

Jacques Mieses

N. N.

Liverpool 1900, Simultanvorstellung

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Sb1 – c3

Sg8 – f6

 3. Lf1 – c4

Sf6 × é4!?

um 4. Sc3 × Sé4? mit d7 – d5 zu beantworten. – Wer Sicherheit liebt, zieht 3. … Sb8 – c6!.

 4. Dd1 – h5

Sé4 – d6

deckt das Schäfermatt.

 5. Lc4 – b3

Lf8 – é7

Besser ist 5. … Sb8 – c6 mit der Verteidigung des Bauern. Weiß kann jetzt auf é5 schlagen, doch zieht er es vor, seine Figuren schnell zu entwickeln.

 6. d2 – d3!

0 – 0

 7. Sg1 – f3

Sb8 – c6

 8. Sf3 – g5

h7 – h6

So kann der Springer nicht mehr verjagt werden. Auch 8. … Lé7 × Sg5 wäre wegen 9. Lc1 × Lg5, Dd8 – é8; 10. Sc3 – d5 nicht besser.

 9. h2 – h4!!

Auf 9. … h6 × Sg5 folgte jetzt 10. h4 × g5 mit entscheidender Öffnung des h-Wegs.

 9. …

Sd6 – é8?

Besser wäre 9. … Sc6 – d4, da Weiß nun gleich durch 10 . Sg5 × f7! gewinnen könnte. Weiß hat aber eine andere Fortsetzung:

10. Sc3 – d5

Sé8 – f6?

Schwarz könnte sich nun mit 10. … Sc6 – d4! verteidigen.

11. Dh5

g6!!

Es droht 12. Sd5 × Sf6 nebst 13. Dg6 – h7#.

11. …

f7 × Dg6?

Eine bessere Verteidigung wäre 11. … Kg8 – h8; 12. Sg5 × f7+, Tf8 × Sf7.

12. Sd5 × Lé7++

Kg8

h8

13. Sé7 × g6#.

Das Läuferspiel: 2. Lf1 – c4

1. Ist das Königsspringerspiel kräftiger als das Läuferspiel?

Es wird in der Schachtheorie behauptet, dass das Königsspringerspiel (1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Sg1 – f3) besser sei als das Läuferspiel. Der Springer auf f3 greife den ungeschützten schwarzen Königsbauern an und zwinge den Nachziehenden zur Verteidigung. Dagegen greift der Läufer auf c4 nur den vom König ausreichend geschützten Bauern f7 an, sodass Schwarz den weißen Angriff vorerst ignorieren kann. Deshalb stünde dem Nachziehenden eine „unbeschränkte“ Aus wahl an Fortsetzungen im Läuferspiel zur Verfügung, während er im Königsspringerspiel so tanzen müsse, wie Weiß pfeift.

Sosehr diese Feststellung wahr ist, man kann davon keinen Vorteil für Weiß ableiten: Schwarz hat auch im Läuferspiel keine unbegrenzte Auswahl an Fortsetzungen zur Verfügung, aus dem einfachen Grunde, weil die Zahl der guten Züge begrenzt ist. Nach 2. Lf1 – c4 wird Schwarz entweder symmetrisch spielen (Lf8 – c5) oder einen Gegenangriff auf den ungedeckten weißen Königsbauern é4 unternehmen (2. … Sg8 – f6), die Berliner Partie. Nach 2. Sg1 – f3 hat Schwarz drei gute Paraden: Sb8 – c6, d7 – d6 und den Gegenangriff Sg8 – f6. Daraus ist klar ersichtlich, dass Schwarz im Läuferspiel keine größere Auswahl an seriösen Erwiderungen hat als im Königsspringerspiel.

2. Ein oberflächlicher Eröffnungsgrundsatz

Es ist ein weitverbreiteter Aberglaube, dass man die Springer vor den Läufern entwickeln solle. Dies wird folgendermaßen begründet: Die besten Entwicklungsfelder der Springer stehen schon von vornherein fest, wogegen die Läufer zwischen mehreren guten Alternativen wählen können. Die Springer sind kurzbeinig – also langsam, die Läufer dagegen schnell.

Das ist alles schön und wahr. Aber es ist völlig egal, ob man früher oder später eine Auswahl unter den Läuferzügen treffen muss. Deshalb ist nicht ersichtlich, warum man die Pferde vor den Läufern entwickeln sollte. Wäre dieser Grundsatz wahr, dann müsste man immer das Vierspringerspiel an wenden.

3. Das Läuferspiel im Wandel der Zeit

Die zeitgenössischen Eröffnungslexika nehmen sich nicht die Mühe, das Läuferspiel ernstlich zu betrachten, und übersehen die Möglichkeit, dass das Läuferspiel mit Zugumstellung in zahlreiche andere Eröffnungen übergehen kann. Um eine objektive und sympathische Betrachtung über das Läuferspiel zu finden, müssen wir bis Philidor, Jänisch und Bilguer zurückgreifen.

a) Die frühesten Anfänge

Im 18. Jahrhundert wurde der Brennpunkt des königlichen Spiels von Italien und Spanien nach Frankreich und England verlagert. Das Schachspiel war sehr wichtig im gesellschaftlichen und intellektuellen Leben der Adeligen und der Aristokratie.

„Ihre erste Bestrebung sollte sein, das Spiel und die Bahn für Ihre Figuren zu öffnen, die Sie vorteilhaft postieren sollten, und halten Sie sie sowohl für den Angriff wie auch für die Verteidigung bereit. Dies geschieht am besten, indem Sie Ihre eigenen Bauern vorrücken: Diese sind der Königs-, Damen- und Damenläuferbauer. Die drei Bauern am Königsflügel bleiben ungezogen, um den König zu schützen und zu sichern, wenn er rochiert“ (Philipp Stamma).

Philidor (getauft André Danican) befürwortete lebenslänglich das Läuferspiel mit seiner Theorie von den Bauern. „Meine erste Absicht war, der Öffentlichkeit eine neue Idee anzubieten, die vorher nicht überlegt oder vielleicht nicht verstanden wurde. Ich meine die Bauern. Die Bauern sind die Seele des Schachspiels. Von ihnen allein hängen Angriff und Verteidigung ab, und von ihrer richtigen Behandlung hängen Gewinn und Verlust der Partie ab“ (Philidor).

7. Partie

Philidor

Comte Brühl

London 1783

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Lf1 – c4

„Hauptsächlich, um der Einschließung zu entgehen – die not wendig wäre, wenn Weiß d2 – d3 spielen muss.“ Anderswo schreibt Philidor: „Das ist der beste Platz, den der Läufer in den ersten Zügen des Spiels besetzen kann. Hier bedroht er den gegnerischen f-Bauern, dem im Allgemeinen die ersten Angriffe gelten.“

 2. …

Lf8 – c5

 3. c2 – c3

„Falls man zwei Bauern nebeneinander am Königs- und Damenwege hat, die vom Abtausch durch eigene Figuren gesichert sind und deshalb an ihrem weiteren Vormarsch zu dem Entwicklungsfeld leicht geschützt sind – ist ein großer Schritt vorwärts, um sie in eine Dame Dame umzuwandeln.“

Fürwahr eine weitreichende Planung in einer Partie, in der Weiß mittels der Kraft seiner zentralen Bauern gewinnt.

 3. …

Sg8 – f6

 4. d2 – d4

Philidor setzt seine Lektion fort: „Dieser Bauer ist aus zwei Gründen vorwärts getrieben:

1. den feindlichen Läufer am Angriff gegen den Bauern f2 zu hindern,

2. einen Bauern in das Zentrum des Brettes zu bringen.“

 4. …

é5 × d4

 5. c3 × d4

Lc5 – b6

Kritischer ist 5. … Lc5 – b4+

 6. Sb1 – c3

0 – 0

 7. Sg1 – é2

Jetzt folgt ein anderer Grundsatz von Philidor: „Bevor der Läuferbauer um zwei Felder vorrückt, vermeide, den Springer nach f3 zu ziehen. Denn das Hindernis, das der Springer im Wege des Bauern stellt, ist manchmal unbequem in seinen Folgen.“

„Deshalb ist der Zug Sg1 – f3“ – schrieb Philidor in jugendlichem Dogmatismus in seiner ersten Auflage – „völlig falsch, weil er nicht nur den Angriff verliert, sondern diesen dem Gegner überträgt.“ – Im Jahre 1777 drückte er sich milder aus, nämlich dass „der Zug 2. Sg1 – f3 nicht ganz genau“ sei.

„Andererseits, das Königsgambit ist ein zu radikaler Versuch, um die Mitte zu ergreifen, denn der f-Bauer ist zu wertvoll, um ihn zu opfern.“

 7. …

c7 – c6

 8. Lc4 – d3

d7 – d5

 9. é4 – é5

Philidor hält diesen Bauernvormarsch in dieser Variante für unrichtig und gibt dem Abtausch 5. é4 × d5 den Vorrang.

 9. …

Sf6 – é8

10 . Lc1 – é3

f7 – f6

11. Dd1 – d2

f6 × é5

12. d4 × é5

Lc8 – é6

Nicht 12. … d5 – d4? wegen des Zwischenschachs 13. Ld3 – c4+!. 13. Sé2 – f4 (besser als 13. Lé3 × Lb6), Dd8 – é7; 14. Lé3 × b6, a7 × Lb6; 15. 0 – 0, Sb8 – d7; 16. Sf4 × Lé6, Dé7 × Sé6; 17, f2 – f4, Sé8 – c7; 18. Ta1 – é1, g7 – g6; 19. h2 – h3, d5 – d4; 20. Sc3 – é4, h7 – h6; 21. b2 – b3, b6 – b5; 22. g2 – g4, Sc7 – d5; 23. Sé4 – g3, Sd5 – é3; 24. Té1 × Sé3!!, d4 × Té3; 25. Dd2 × é3, Ta8 × a2; 26. Tf1 – é1, Dé6 × b3; 27. Dé3 – é4, Db3 – é6; 28. f4 – f5!, g6 × f5; 29. g4 × f5, Dé6 – d5; 30. Dé4 × Dd5+!, c6 × Dd5; 31. Ld3 × b5, Sd7 – b6; 32. f5 – f6!, Ta2 – b2; 33. Lb5 – d3, Kg8 – f7; 34. Ld3 – f5!, Sb6 – c4; 35. Sg3 – h5, Tf8 – g8+; 36. Lf5 – g4, Sc4 – d2; 37. é5 – é6+.

a) 37. … Kf7 – g6; 38. f6 – f7, Tg8 – f8; 39. Sh5 – f4+, Kg6 – g7; 40. Lg4 – h5!. Aufgegeben.

b) 37. … Kf7 – f8; 38. Té1 – a1!, Tb2 – b1+; 39. Ta1 × Tb1, Sd2 × Tb1; 40. Kg1 – h2, Sb1 – c3; 41. Sh5 – f4, Sc3 – é4; 42. Sf4 × d5, Tg8 – g5; 43. é6 – é7+, Kf8 – f7; 44. Lg4 – é6!!, Kf7 × Lé6; 45. é7 – é8(D)+, und Weiß gewinnt.

(Oder 44. … Kf7 – é8??; 45. f6 – f7#.)

b) Morgengrauen der Eröffnungstheorie

Im 19. Jahrhundert wuchs das Schach sowohl im allgemeinen Verständnis zwischen den Amateuren wie auch in Zahl und Kraft der Meister, die in Wettkämpfen auftraten. Die Theorie schritt vorwärts, Hand in Hand mit der Praxis. Das natürliche Genie war immer der Schlüssel zum Erfolg, aber das Studium der Eröffnungen rückte immer mehr in den Vordergrund.

Der wichtigste Gesichtszug des Schachlebens der ersten Jahrzehnte war die Rivalität zwischen französischen und englischen Enthusiasten um den Nachlass Philidors.

Besonders charakteristisch ist der Wettkampf zwischen Charles Mahé de la Bourdonnais und dem Iren MacDonnel (1834 – 35). Das große Ringen endete mit einem überzeugenden, aber doch nicht überwältigendem Sieg des Franzosen. Labourdonnais gewann 46, verlor 26 und remisierte 13 Partien. Ein aufregendes Beispiel ist die 21. Partie, in der Labourdonnais den Verwicklungen unterlag, die selbst einen modernen Großmeister auf die Probe stellen würden.

8. Partie

de la Bourdonnais

Alexander MacDonnel

London 1834

1. é2 – é4, é7 – é5; 2. Lf1 – c4, Lf8 – c5; 3. Dd1 – é2, Sg8 – f6; 4. d2 – d3, Sb8 – c6; 5. c2 – c3, Sc6 – é7; 6. f2 – f4, é5 × f4?!; 7. d3 – d4, Lc5 – b6; 8. Lc1 × f4, d7 – d6.

Schwarz spielte die Eröffnung schwach, aber er kommt zu sich, als das Spiel zunehmend verwickelt wird.

9. Lc4 – d3 (besser ist 9. Sg1 – f3), Sé7 – g6; 10. Lf4 – é3, 0 – 0; 11. h2 – h3, Tf8 – é8; 12. Sb1 – d2, Dd8 – é7; 13. 0 – 0 – 0, c7 – c5!; 14. Kc1 – b1, c5 × d4; 15. c3 × d4, a7 – a5; 16. Sg1 – f3, Lc8 – d7; 17. g2 – g4, h7 – h6; 18. Td1 – g1, a5 – a4; 19. g4 – g5, h6 × g5; 20. Lé3 × g5, a4 – a3; 21. b2 – b3, Ld7 – c6; 22. Tg1 – g4!, Lb6 – a5; 23. h3 – h4, La5 × Sd2; 24. Sf3 × Ld2, Ta8 – a5; 25. h4 – h5.

25. …

Ta5 × Lg5!!

26. Tg4 × Tg5

Sg6

f4

27. Dé2

f3

Sf4 × Ld3

28. d4

d5!

Sf6 × d5!

29. Th1

g1

Die Stellung ist hier äußerst verwickelt. „Es scheint für beide Gegner kaum möglich zu sein, das Spiel zu retten“ (Howard Staunton).

29. …

Sd5

c3+

30. Kb1 – a1

Lc6 × é4

31. Tg5 × g7+

Kg8

h8

32. Df3

g3

Lé4

g6!?

33. h5 × Lg6

Dé7

é1+!?

Weiß konnte mit der problemartigen Folge gewinnen: 34. Sd2 – b1!!, Dé1 × Dg3; 35. Tg7 – h7+, Kh8 – g8; 36. g6 × f7+, Kg8 × Th7; 37. Tg1 – h1+, Kh7 – g7; 38. f7 × Té8(D) usw.

34. Tg1 × Dé1??

Té8 × Té1+

35. Dg3 × Té1

Sd3 × Dé1

36. Tg7

h7+

Kh8

g8

37. é6 × f7+

Kg8 × Th7

38. f7

f8(D)

Sé1 – c2#

Die erste große literarische Tat waren die „Neuen Analysen der Schach-Eröffnungen“ des russischen Majors Jänisch, die in zwei Bänden 1842 – 43 erschienen. Sie widmeten 100 Seiten dem Läuferspiel. Dann folgte das große „Handbuch des Schachspiels“ (erste Auflage 1847) von dem Berliner Dreigestirn Dr. L. E. Bledow, Paul von Bilguer und Tassilo Heydebrandt von der Lasa. Darin findet sich die folgende Läuferspiel-Partie, typisch für das romantische Figurenspiel des 19. Jahrhunderts.

9. Partie

Dr. L. E. Bledow

Rudolph v. Bilguer

Berlin 1840

 1. é2 – é4

é7 – é5

 2. Lf1 – c4

f7 – f5!?

 3. d2 – d3!

Sg8 – f6

 4. Sg1 – f3

Stärker ist 4. f2 – f4, d7 – d6 und erst dann 5. Sg1 – f3.

 4. …

f5 × é4

 5. d3 × é4

Sf6 × é4

 6. Dd1 – d5!

Schäfermatt-Drohung.

 6. …

Sé4 – d6!

 7. Sf3 × é5

c7 – c6

 8. Dd5 – f7+!!

Sd6 × Df7

 9. Lc4 × Sf7+

Ké8 – é7

10 . Lc1 – g5+

Ké7 – d6

11. Lg5 × Dd8

Kd6 × Sé5

12. f2 – f4+!

Ké5 – f5!

13. Ld8 – g5

Lf8 – b4+?

Zeitverlust. Richtig wäre 13. … h7 – h6.

14. c2 – c3

Th8 – f8

15. Lf7 – b3

h7 – h6?

16. Lb3 – c2+!

Kf5 – g4?

Notwendig wäre 16. … Kf5 – é6!

17. Lc2 – d1+

Kg4 – f5

18. g2 – g4+

Kf5 – g6

19. Ld1 – c2+

Verhindert die Flucht des Königs nach h7.

19. …

Kg6 – f7

20. Lg5 – h4

Lb4 – é7

21. Lh4 – g3

d7 – d5

22. f4 – f5!

Schnürt den Gegner ein.

22. …

Sb8 – d7

23. Sb1 – d2

Lé7 – f6

24. Sd2 – f3

Tf8 – é8+

25. Ké1 – f2

Sd7 – c5

26. Th1 – é1

Lc8 – d7

27. b2 – b4

Sc5 – é4+?

28. Té1 × Sé4!!

d5 × Té4

29. Lc2 – b3+!

Kf7 – f8

30. Lg3 – d6+

Lf6 – é7

31. Sf3 – é5!!

Falls 31. … Lé7 × Ld6??, so 32. Sé5 – g6#.

31. …