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Keeping your own sheep – that’s something that many people dream of! In order for the dream to become reality, in this book you’ll find everything you need to know about keeping sheep properly – from the right planning, suitable breeds, feeding and health maintenance, to reproduction and economic aspects of sheep keeping. The author, who has many years’ experience and also has his own merino flock, shares his professional knowledge in easy-to-understand terms, making you realise just how much pleasure there is to be gained from keeping your own sheep.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2017
Hugo Rieder
Schafe halten
6. Auflage
82 Farbfotos
24 Zeichnungen
28 Tabellen
Cover
Titel
Vorwort
Aufbau einer Schafhaltung
Vorüberlegungen
Fachwissen des Schafhalters
Zeitbedarf für Schafe
Futterflächenbedarf
Schafstall
Aufbau einer Schafhaltung
Betriebsplanung und Einkauf von Geräten
Wichtige gesetzliche Anforderungen
Augen auf beim Schafkauf
Risiken der Schafhaltung
Wenn ein Lamm einmal getragen werden muss, hält man es dann so wie dieser Schäfer aus Thüringen.
Verhalten der Schafe
Das Herdentier Schaf
Umgang mit Schafen
Schafe beruhigen
Fangen, Festhalten, Umsetzen
Treiben und Transportieren von Schafen
Bösartigkeit mancher Schafböcke
Der Hund des Koppelschafhalters
Kinder im Umgang mit Schafen
Das Schaf in Gesellschaft mit anderen Tieren
Schafrassen
Entstehung der Schafrassen
Welche Rasse ist die beste?
Die verschiedenen Schafrassen
Züchterische Aspekte
Leistungsmerkmale
Tierbeurteilung
Die Auswahl der eigenen Nachzucht
Tierzuchtrechtliche Bestimmungen
Augen und Ohren auf beim Bockkauf!
Fortpflanzung und Aufzucht
Brunst und Deckgeschehen
Trächtigkeit
Geburt und Geburtshilfe
Aufzucht von Lämmern
Kupieren, Kastrieren, Kennzeichnen
Schafkrankheiten
Erkennen von kranken Schafen und Krankheitsdiagnose
Innenparasiten
Außenparasiten
Klauenpflege und Klauenerkrankungen
Weitere Schafkrankheiten
Was man zu Schafkrankheiten sonst noch wissen muss!
Schafe ruhen sich gerne unter Obstbäumen aus. Mähzwischennutzung wird hier mit Reutertrocknung realisiert.
Schafställe
Der perfekte Schafstall
Stallbau
Einrichtungen und Hygiene im Schafstall
Fütterung der Schafe
Futtermittel für Schafe
Gehaltswerte der Futtermittel
Zukaufsfuttermittel
Nährstoffbedarf von Mutterschafen und Lämmern
Gestaltung von Tagesrationen
Richtig füttern
Fütterung der Lämmer
Salz- und Mineralstoffbedarf
Tränken der Schafe
Die Schafweide
Weidesysteme
Einzäunungen
Pflege der Schafweide
Pflanzen der Schafweide
Bodenanalyse
Futterkonservierung
Produkte vom Schaf
Fleisch
Wolle
Felle und Leder
Schafmilch
Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung
Einfache Gewinn- und Verlustrechnung
Einnahmen und Ausgaben
Jahresergebnis und Arbeitszeit
Service
Fachbegriffe der Schäferei
Literatur
Persönliche Informationen
Internet
Organisationen und Verbände
Bildquellen
Impressum
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Schafhaltung in Mitteleuropa stark verändert. Die Zahl der hauptberuflichen Schafhalter ist zurückgegangen, während nebenberufliche Schafhaltung und Hobbyhaltungen enorm zugenommen haben. Auch der Rückgang der Rindviehhaltung in vielen Regionen ist eine Ursache für die alternative Grünlandnutzung mit Schafen. Dazu kommt die Liebe zu einem solch angenehmen und nützlichen Haustier wie dem Schaf, die die Zunahme der vielen Koppelschafhaltungen begünstigt hat.
Nach fünf erfolgreichen Auflagen, die auch in türkischer, russischer und inzwischen rumänischer Sprache veröffentlicht wurden, liegt mit der 6. Auflage dieses Buches eine aktualisierte Fassung vor.
Die aktuellen rechtlichen Anforderungen an die Schafhaltungsbetriebe, die in diesem Buch berücksichtigt sind, sollten als Anhaltspunkte gelten, denn während der langjährigen Laufzeit eines Fachbuches ergeben sich hier sicherlich viele Änderungen, die einer zeitnahen Information bedürfen.
Anstatt des früheren Tagebuchs eines Koppelschafhalters wurde ein Anhang mit etwa 70 heute noch gebräuchlichen Fachbegriffen aus der Schäferei aufgenommen. Mit einer einfachen betriebswirtschaftlichen Analyse eines Schäferjahres werden Einnahmen und Ausgaben einer Koppelschafhaltung zur Erfolgskontrolle beispielhaft gegenübergestellt.
Diese Neuauflage soll aktuelles Fachwissen vermitteln und Anregungen geben, mit dem Ziel, die Freude an der Schafhaltung mit einer tiergerechten Haltung zu verbinden.
Hugo Rieder, Schwäbisch Hall
Wer hätte nicht ganz gerne ein paar Schafe hinterm Haus laufen? Aber Vorsicht, die Anhänglichkeit und das Geblöke in unmittelbarer Nähe der Wohnung kann auch auf die Nerven gehen.
Schafe pflegen seit Jahrhunderten Heideflächen, Moore, Wachholderheiden, Deiche und Dämme von Binnengewässern. Ganz aktuell ist die Pflege der Solaranlagen.
Schafe waren in der Vergangenheit für den Menschen ganz wichtige Lieferanten für Produkte zur Ernährung und Bekleidung. Heute dienen Schafe nicht nur allein dem Broterwerb, sondern als natürliche Landschaftspfleger und vor allem auch der Freizeitbeschäftigung von Menschen, die den Beruf des Schäfers nicht erlernt haben.
Die Liebe zum Schaf, aber auch der Besitz von Grundstücken, die entsprechend gepflegt werden müssen, mögen den Wunsch nach einer eigenen kleinen Schafhaltung aufkommen lassen. Mancher Idealist denkt dabei vordergründig etwas romantisch an die ursprüngliche Selbstversorgung mit Fleisch, Milch und Wolle, unterschätzt dabei leider oft die harte Arbeit, die regelmäßige Betreuung und die Probleme, die auch die Haltung nur weniger Schafe mit sich bringen.
Noch bevor die ersten Schafe Einzug halten, sollten deshalb einige wichtige Überlegungen angestellt werden, damit sich keine Pleite aus dem künftigen Traum Schafhaltung entwickelt, denn Schafe halten ist wirklich nicht so einfach wie man sich das gemeinhin vorstellt.
Schäferweisheit
„Hast Schafe auf der Weide gehen,
dann sollst du täglich danach sehen,
ob alles dort in Ordnung ist und ob ein Schaf vielleicht nicht frisst.
Sind sie wohlauf und keins ist krank,
dann sei dir das der schönste Dank.“
Es ist weitaus einfacher Hunde oder Katzen zu halten, als eine kleine Schafherde richtig zu betreuen. Deshalb ist es für jeden Anfänger wichtig, sich vor Beginn einer Schafhaltung sowohl praktisch als auch theoretisch darauf vorzubereiten, auch um die Anforderungen des Tierschutzes zu erfüllen. Es gibt hierfür bei den verschiedenen, meist auf Landesebene organisierten Landesschafzuchtverbänden (siehe im Kapitel „Service“) Kurse, Versammlungen und Beratungen. So können später viele Enttäuschungen vermieden werden. Geeignete Fachbücher und Broschüren und das Internet mit den aktuellsten Infos im Bereich der Rechtsvorschriften sind ebenfalls wichtige Informationsquellen.
Gespräche und Kontakte mit fachkundigen Schafhaltern aus der näheren Umgebung sollten dem Beginn einer Schafhaltung unbedingt vorausgehen. So ist es für einen Anfänger wichtig, bei kurzfristigen Problemen sofort einen Berater zu Rate ziehen zu können.
Schäferweisheit
„Hast du von Schafen keinen Schimmer,
Vergiss den Schafkauf gleich für immer.“
Bei kleineren Schafhaltungen ist die Angabe exakter Bedarfswerte wie beispielsweise für die Arbeitszeit sehr schwierig. Bei zunehmender Herdengröße nimmt der erforderliche Arbeitszeitbedarf pro Tier ab. Man kann aber davon ausgehen, dass für eine Haltung von zehn Mutterschafen ohne große technische Hilfen im Normalfall täglich etwa eine Stunde Betreuungszeit zur Verfügung stehen sollte. Mit entsprechender technischer Ausstattung und optimaler Stallkonzeption könnte in derselben Zeit vielleicht auch ein Bestand von 20 bis 30 Muttertieren betreut werden.
Bei der Heuernte, der Lammperiode und anderen Arbeitsspitzen ist jedoch ein Vielfaches an Zeit pro Tag zu investieren, wenn keine technischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die die Arbeitsabläufe entsprechend optimieren würden. Dann kann das Hobby „Schafe“ sehr schnell in richtige Arbeit ausarten. Führt die nebenberufliche Schafhaltung immer mehr zum Stress, verliert vielleicht auch die Familie das Interesse daran. Dann hat man sicherlich etwas falsch gemacht. Wichtig ist, dass die Schafe täglich betreut und überwacht werden. Dies umsomehr, je intensiver die Schafe genutzt werden sollen. Wird Milch gewonnen, erhöht sich der Zeitbedarf spürbar.
Ein kleiner Rad- oder Frontlader kann die Arbeit beim Füttern, Misten oder Stapeln enorm erleichtern.
Ein angehender Schafhalter muss sich überlegen, was mit seinen Schafen in der Urlaubszeit geschieht und ob er wegen seiner Schafe überhaupt noch einen längeren Urlaub einplanen kann, wenn er über keine zuverlässige und fachkundige Ersatzkraft verfügt. Wer seine Schafe auch nur wenige Tage ohne Aufsicht lässt, handelt unverantwortlich und verstößt auch gegen § 2 des Tierschutzgesetzes.
Laien überschätzen häufig den möglichen Tierbesatz für eine bestimmte Weide. Als Faustregel gilt: Zehn Mutterschafe mit Nachzucht benötigen 1 ha Hauptfutterfläche, einschließlich Winterfuttergewinnung. Diese Empfehlung variiert allerdings je nach Bodenqualität, Klima, Weidetechnik und Düngung.
Die Frage, ob eine Weide überhaupt eingezäunt werden darf, ist ebenfalls zu klären, wie auch die Überlegung, ob sich im Ortsbereich die Nachbarschaft an den Schafen stören könnte. Es eignen sich nicht alle Grundstücke zur Beweidung beispielsweise wegen der Ausbruchgefahr, wenn sie an verkehrsreichen Straßen, in der Nähe von Wegen mit hoher Hundefrequenz liegen oder weil sie einfach zu klein, zu feucht oder zu ertragsschwach sind.
Eine tiergerechte Unterbringung der Schafe gibt Anlass zu wichtigen Vorüberlegungen. Steht ein geeigneter Stall zur Verfügung? Kann ein solcher erstellt, gepachtet oder ein Gebäude dazu umgebaut werden? Auch kleine Ställe bedürfen einer Baugenehmigung!
Für ein paar Schafe lässt sich ein heller luftiger Raum finden. Eine alte Milchkühlwanne als frostsicherer Wasserbehälter, weitere verschließbare Gefäße für Futtermittel und ein Bergeraum für Heu und Stroh reichen meist schon aus.
Wie bei anderen Spezialgebieten auch überschätzen sich Anfänger vor allem im Tierzuchtbereich leicht. So kann man bei auftretenden Problemen schnell den Überblick verlieren und bald wird das erste Lehrgeld fällig. Deshalb sollten Anfänger zuerst einmal mit einer kleinen Herde von bis zu zehn Schafen anfangen. Hat man dann die notwendigen Erfahrungen gesammelt, ist eine Aufstockung des Tierbestands jederzeit möglich.
In anderen Berufszweigen und auch in der Schafhaltung ist für das umfangreiche Fachwissen eine mehrjährige Lehrzeit notwendig. Unter mangelndem Fachwissen leiden später die Tiere, was zu Konflikten mit dem Tierschutzgesetz und anderen Rechtsvorschriften führt. So kann man ganz schnell die Freude an seinem neuen Hobby verlieren.
Das Alter der angebotenen Tiere lässt sich am sichersten an den Zähnen bestimmen. Bei diesem Tier ist der Milchzahnwechsel des innersten Schneidezahnpaares bereits erfolgt und es ist somit 12 bis 16 Monate alt.
Sind alle acht Schneidezähne gewechselt, hat das Schaf abgezahnt und ist dann mindestens 40 Monate alt. Beim Tier im Foto handelt es sich um einen Überbeißer, das heißt, die Zahnreihe steht weit vor der Kauplatte.
Beratung beim Berufsverband und erfahrenen Schafhaltern
Beitritt zum zuständigen Schafzuchtverband
Studium von Fachbüchern und Fachzeitschriften
Besuch von fachlichen Versammlungen und Lehrgängen
Auch hier sollten einige Vorüberlegungen stattfinden:
Welche Tierzahl ergibt sich aus der Futterflächenkalkulation?
Sollen nur ältere, Jährlinge oder Tiere unterschiedlichen Alters gekauft werden?
Welche Rasse steht zur Diskussion?
Bei welchem Schäfer soll gekauft werden?
In welcher Jahreszeit soll der Zukauf erfolgen?
Ein Patentrezept gibt es nicht, denn man kann unter entsprechenden Voraussetzungen jederzeit anfangen. Ein Beginn im Herbst hat gegenüber dem Frühjahr vor allem finanzielle Vorteile, da in dieser Zeit die Schafe meist etwas preisgünstiger in einer größeren Auswahl angeboten werden.
Während der Winterstallhaltung lassen sich die Tiere sehr gut eingewöhnen. Die Kontaktaufnahme der „Schäferfamilie“ mit den Tieren im sicheren Stall trägt dann auch zu einem reibungslosen Umgang in der kommenden Weidesaison bei. Ein zuverlässiger Schafhalter aus der näheren Umgebung kann in der ersten Zeit so manchen wertvollen Tipp geben.
Unter dieses Thema fallen eine Reihe wichtiger Entscheidungen, die finanzielle Auswirkungen haben, wie die Vorbereitung der Zäune als Fest- oder Elektrozaun, die Einrichtung des Stalles und die Planung der Futterversorgung und -lagerung.
Fragen vor dem Maschinenkauf sind zum Beispiel: Wird Heu selbst gemacht oder zugekauft? Sind Maschinen mit Nachbarn gemeinsam zu nutzen? Ist ein Lohnunternehmer verfügbar, der beispielsweise das Heu presst? Sollen neue oder gebrauchte Maschinen gekauft werden?
Schlepper, möglichst mit Mähwerk und Frontlader
Motormäher mit Transportanhänger
Anhänger für Schlepper
Heuwerbemaschine
Viehtransportanhänger
Kreiselheuer
Kreiselschwader
Kleingeräte, wie Gabeln, Rechen, Besen, Schubkarren usw.
Einzäunung elektrisch oder mit Maschendraht
Weidezaungeräte, wie Batterien mit Ladegeräten und Zaunprüfer
Fanghaken, Schäfermesser, Klauenschere
Viehzeichenstift, Deckgeschirr, Ohrmarkenzange etc.
Tränken, Wasserfass, Heuraufen
Kraftfuttertrog, Futterwaage, Stallapotheke
All dies muss vorher bedacht werden, will man mit seinem neuen Hobby „Schafe“ einen guten Start haben. Leicht kann sich dabei eine fünfstellige Investitionssumme ergeben.
Mit einer Schafhaltung kann eigentlich jedermann ohne besondere Genehmigung beginnen, solange er eine tiergerechte Haltung entsprechend dem Tierschutzgesetz betreibt und die 19 Rechtsvorschriften der EU (Cross Compliance) einhält. So ist die Beantragung der Registrierung der Tierhaltung bei der zuständigen Veterinärbehörde vorgeschrieben. Alle Nutztierhaltungen unterliegen der Viehverkehrsverordnung, die Bestandsmeldungen, individuelle Tierkennzeichnungen zum Beispiel durch Ohrmarken, die Führung eines Bestandsregisters und bestimmte Stichtagsmeldungen vorschreibt.
Diese Anforderungen sind laufenden Änderungen unterworfen, die dann in der Fachpresse veröffentlicht werden. Die Vorschriften dienen vor allem der Tierseuchenbekämpfung. Auch müssen die Tierzahlen zu bestimmten Terminen bei den Tierseuchenkassen gemeldet werden. Mit den Beiträgen aus diesen Kassen werden den Tierhaltern im Seuchenfall Entschädigungen geleistet.
Tierzuchtgesetz des Bundes und/oder der Länder mit den einschlägigen Verordnungen
Tierschutzgesetz
Tierschutz-Transportverordnung
Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
Tierschutz-Schlachtverordnung
Tierschutz-Hundeverordnung
Viehverkehrsverordnung (Kennzeichnungs- und Dokumentationsverpflichtung)
Baurecht
Gewährleistungsrecht
Arzneimittelrecht (schreibt die Führung eines Arzneimittelbestandsbuches vor)
Agrarumweltmaßnahmen
Naturschutzrecht
Düngemittelrecht
Lebensmittelrecht
Futtermittelrecht
Weiderecht
Straßenverkehrsrecht
Produkthaftungsgesetz
Handbuch „Zulassung Direktvermarkter“
Tierische-Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz
Die Umsetzung einer Reihe von Gesetzen und Rechtsvorschriften mit entsprechender Dokumentationspflicht wird von den zuständigen Behörden kontrolliert und bei Mängeln sanktioniert. Über Fachzeitschriften und das Internet kann man sich hier immer die neuesten Informationen einholen. Dort sind auch Checklisten zur Selbstkontrolle verfügbar: So ergibt die Beantwortung von mehr als hundert Fragen sehr schnell ein Ergebnis über die korrekte Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften im eigenen Betrieb.
Seit dem 01. 01. 2002 gilt ein neues Gewährleistungsrecht im Tierhandel: im § 475 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist eine zweijährige Gewährleistung wie bei anderen Verbrauchsgütern geregelt.
Liebevoll gepflegter, DLG prämierter Ausstellungsbock der Rasse „Graue gehörnte Heidschnucke“.
Ob Schafe auf Auktionen, bei Kollegen oder durch Bestellung und Kaufauftrag erworben werden, es ist immer Vorsicht geboten, denn Tierkauf ist eine Vertrauenssache. Dies ist eine alte Erfahrung. Es gibt sehr viele Fälle, bei denen sich unerfahrene Viehkäufer getäuscht fühlten, zu Recht oder zu Unrecht. Ganz wichtig ist es, beim Tierkauf eine erfahrene Person mitzunehmen, denn vier Augen sehen mehr als zwei und auch unter dem Aspekt, einen Zeugen bei der Kaufverhandlung dabei zu haben. Damit es beim Viehkauf nicht zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten kommt, sollte mindestens ein einfacher schriftlicher Kaufvertrag geschlossen werden.
An diesem Muster ist ersichtlich, wie ein Kaufvertrag für Schafe formuliert sein sollte.
Kaufvertrag
Zwischen dem Schafhalter … … … als Verkäufer und dem Schafhalter … … … als Käufer wird folgender Kaufvertrag geschlossen:
Es werden folgende Tiere verkauft: … … …
Die Übergabe erfolgt am … … … in … … …
Der Kaufpreis beträgt … … … und wird bei der Übergabe durch … … … entrichtet.
Der Verkäufer haftet für folgende Mängel: … … …
Der Verkäufer garantiert folgende Eigenschaften: … … …
Mündliche Nebenabreden haben keine Gültigkeit.
Gerichtsstand ist … … …
Datum, Unterschrift Käufer
… … …
Datum, Unterschrift Verkäufer
Die Haltung von Schafen birgt gewisse Risiken, da Schafe entweder selbst einen Schaden erleiden oder auch Schäden verursachen können. Diese Risiken können jedoch in gewissem Umfang vom Schafhalter selbst verringert werden, indem er für sichere Einzäunungen, regelmäßige Kontrolle und Fütterung sorgt, denn hungrige Schafe neigen eher dazu auszubrechen.
Schäden an Schafen
Todesfälle, Vergiftung, Krankheiten oder UnfälleWeidediebstahlstreunende Hundeunsachgemäße Stalleinrichtung und schadhafte WeideeinzäunungenSchäden durch Schafe
Folgeschäden nach Ausbruch aus Stall und KoppelSchädigung landwirtschaftlicher KulturenVerkehrsunfälle mit Sach- und PersonenschädenDie Haftungsfragen für Schäden, die durch landwirtschaftliche Nutztiere verursacht werden, sind im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Demnach ist der Tierhalter verpflichtet (§ 833 BGB), den nachweislich von seinen Schafen angerichteten Schaden zu ersetzen.
Wird durch ein Tier der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt, dieser sogar getötet oder eine Sache beschädigt, so ist der Tierhalter verpflichtet, Schadensersatz zu leisten. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden durch landwirtschaftliche Nutztiere verursacht wird, die dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters als hauptberuflicher Schafhalter dient, sofern er bei der Beaufsichtigung der Tiere die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat oder der Schaden auch bei Erfüllung dieser Sorgfaltspflicht entstanden wäre.
Daraus folgt, dass ein Hobbyschafhalter in jedem Fall eine Tierhaftpflichtversicherung abschließen sollte, die ihn allerdings nicht von seiner Sorgfaltspflicht entbindet. Auch wenn für hauptberufliche Schafhalter eine etwas einfachere Haftung gilt, ist dennoch hier ebenfalls unbedingt eine Tierhalterhaftpflicht zu empfehlen. Im Schadensfall muss der Schafhalter nachweisen, dass er seiner erforderlichen Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Dazu empfiehlt es sich, die täglichen Kontrollen der Schafe schriftlich festzuhalten. Aus diesem Grund enthält zum Beispiel der Deutsche Schäfereikalender im Kalendarium Spalten, in denen die täglichen Kontrollen dokumentiert werden können (siehe nächste Seite).
Eine echte Erleichterung: Der Deutsche Schafzuchtkalender bietet in seinem Kalendarium die Möglichkeit zur regelmäßigen Dokumentation.
Pressemeldung
25 Verletzte bei ICE-Unfall mit Schafen bei Fulda.
Bundespolizei hat ein Strafverfahren gegen den Schafhirten eingeleitet.
Ein unabhängiger Versicherungsexperte oder der zuständige Beratungsdienst für Schafhaltung können prüfen, ob angebotene Verträge das spezifische Betriebsrisiko in vollem Umfang abdecken, sie preiswert sind und keine Doppelversicherungen enthalten. Es gibt auch eine Reihe von Risiken, die individuell abgesichert werden müssen, wie beispielsweise eine Tierhalterhaftpflicht inklusive Hund. Die Tierhalterhaftpflichtversicherung ist unabdingbar für jeden Tierhalter, auch wenn er nur wenige Tiere hat, um unkalkulierbare Risiken, wie sie in diesem Zusammenhang immer auftreten können, abzusichern. Im schlimmsten Fall kann es sonst passieren, dass man im Schadensfall sein Leben lang dafür finanziell eintreten muss.
Häufige Meldung im Verkehrsfunk
„Vorsicht, Schafe auf der Autobahn.“
Eine Horrormeldung wenn es die eigenen Schafe betrifft!
Die
Betriebshaftpflicht
umfasst Risiken, die beim Gesamtbetrieb einer Schafhaltung vorhanden sind.
Weidehaftpflicht
für Flurschäden (teuer)
Feuer- und Gebäudeversicherung
für Gebäude, Inventar und Tierbestand (in einigen Ländern Pflicht)
Diebstahlversicherung
(teuer)
Transportversicherung
für wertvolle Tiere
Tierlebensversicherung
für Tod oder Nottötung bei Unfällen, Krankheiten und Diebstahlschutz
Eventuell
Betriebsrechtsschutz
Kombiverträge, die mehrere Risiken zusammenfassen.
In manchen Ländern gibt es über die bisher beschriebenen hinaus noch weitere Pflichtversicherungen, über die man sich im Vorfeld als zukünftiger Schafhalter informieren muss.
Das Funktionieren einer Schafherde wird bestimmt durch eine strenge Hierarchie, die laufend durch Rangordnungskämpfe neu festgelegt wird.
Beim Führen der großen Herden sind die ranghöheren Leitschafe, die jede Herde anführen, von besonderer Bedeutung.
Es sind meist ältere erfahrene Schafe, die auch eine größere Zahl an weiblichen Nachkommen haben. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Schäfer, Hund und Herde und eine gute Beziehung zu ihnen will gepflegt sein.
Um seinen Schafen optimale Lebensbedingungen schaffen zu können und ihr Verhalten zu verstehen, ist es wichtig, einiges über die ursprüngliche, natürliche Lebensweise dieser Tiere zu wissen.
Beim allseits bekannten „Schäfchen zählen“ stellt man sich automatisch eine Herde mit mehreren hundert Schafen vor, die einem bestimmten Herdentrieb folgt. In der freien Wildbahn lebten die Vorfahren unserer Schafe in weitaus kleineren Herden von 20 bis 30 Tieren zusammen. Diese Lebensform dürfte den Wildformen der kleinen Wiederkäuern wie Mufflon, Arkal und Steinschafen damals den besten Überlebensschutz vor Raubtieren wie Wolf und Luchs gegeben haben.
Bei Gefahr flüchtet auch das heutige domestizierte Schaf genau wie das Urschaf instinktiv ins Herdenzentrum, wo vor allem die Lämmer Schutz finden. Beim Hüten und Führen von Schafherden nutzt man diese Verhaltensweise, wobei der Hütehund mit seiner „Wolfsautorität“ Gehorsam durch Gebell, Blick und Zahn erzwingt.
Durch eine gezielte, jahrhundertelange Auslese und Haltung in großen Herden hat sich beispielsweise der Herdentrieb der Merinoschafe besonders stark entwickelt. Anders die Texelschafe, sie haben sich hinsichtlich des Herdentriebs in den letzten Jahrhunderten eine andere Verhaltensweise angeeignet, die auf die großflächige Haltung auf der Insel Texel zurückzuführen ist. Den Tieren stand dort sehr viel Raum zur Verfügung. So entwickelten sich Individualisten, die gerne einen größeren Abstand zum Nachbartier auf der Weide einhalten, als dies die Großherdenschafe der Merinos tun.
In Gefahrensituationen ist der Urtrieb „Flucht“ zur und mit der Herde jedoch bei allen Rassen gleich. Bei ungewohnten Geräuschen und Reizen unterbrechen die Schafe sofort das Grasen und heben den Kopf, um die Gefahr erkennen und einordnen zu können. Notfalls setzt sich die ganze Herde in Bewegung und flieht. Dabei machen die Tiere oft große Sprünge und setzen teilweise mit vier Beinen gleichzeitig auf. Nach einer gewissen Entfernung wird angehalten und die Gefahr wieder neu eingeschätzt.
Wölfe in freier Wildbahn sondern ihre Beutetiere während der Flucht von der Herde ab, sodass der Schaden meist nur auf ein Einzeltier beschränkt bleibt. Dringen Wölfe und jagdbegierige, streunende Hunde dagegen in einen geschlossenen Pferch ein, werden meist mehrere Tiere in grausamer Art in Mitleidenschaft gezogen, weil sie keine Möglichkeit zur Flucht hatten.
Die allseits geduldigen Schafe können in Wirklichkeit manchmal auch sehr ungeduldig sein, vor allem dann, wenn man ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht kennt und die richtigen Handgriffe im Umgang mit ihnen nicht beherrscht.
Viele Menschen, die noch wenig Erfahrung mit Haustieren haben, bedenken oft nicht, dass das Verhalten der Schafe instinktgesteuert ist, während bei den Menschen eher der Verstand im Vordergrund steht. Ein Schaf denkt nicht, es handelt nach Reflexen sowie angeborenen und auch erlernten Verhaltensweisen. Das Schaf kann einfach nicht „wissen“, dass das Einfangen zur Klauenpflege lebensnotwendig ist und flüchtet daher lieber vorsichtshalber. Daran sollte man immer denken und beim Umgang mit den Schafen unbedingt Ruhe, Geduld und überlegtes Handeln walten lassen.
Es gibt Situationen, in denen Schafe „durchdrehen“ und nicht mehr wie gewohnt reagieren. Dies geschieht etwa, wenn Hunde in die Koppel eingedrungen oder Schafe ausgebrochen sind. In einem solchen Fall wirkt der gewohnte Lockruf oder das vertraute Klappern des Kraftfuttereimers auf die Schafe beruhigend und veranlasst sie dann auch wieder, sich zu sammeln.
Regelmäßige Gaben von nicht verschimmeltem Restbrot fördern die Anhänglichkeit der Herde und tragen bei Problemen zur Beruhigung bei. So trauen sich auch scheue Schafe allmählich nach vorne.
Gerade in derartigen Ausnahmesituationen ist eine gute Beziehung zwischen Schäfer und Herde besonders wichtig und hilfreich. Spricht man beim täglichen Umgang mit seinen Schafen und kündigt sich vor dem Betreten des Stalles mit ein paar Worten an, erschrecken sich die Tiere nicht so leicht. Schafe erkennen auch sehr schnell die Geräusche der Traktoren, Autos und Motorräder der Schäferfamilie und werden davon angezogen.
Es ist gar nicht so einfach, Schafe auf einer Koppel zu fangen, besonders wenn ihre Wolle noch sehr kurz ist. Eine den Schafen vertraute Person kann Einzeltiere mit der Schäferschippe oder dem Fanghaken einfangen. Dabei sollte der erste Versuch gleich gelingen. Die Tiere spüren rasch, wer gefangen werden soll und flüchten schnell und geschickt.
Schäferweisheit
„Es ist ein arger Bösewicht,
der niemals mit den Schafen spricht.
und brechen sie ihm einmal aus,
bringt auch kein Lockruf sie nach Haus.
Drum sprich mit ihnen da und dort,
dann folgen sie dir auch aufs Wort.“
Viel besser geht es, wenn die Tiere an gelegentliche Kraftfuttergaben gewöhnt sind. Dann kann man Einzeltiere beim Fressen ihrer Lieblingsspeise leicht einfangen, der Fluchtreflex ist währenddessen stark unterdrückt. Will man mehrere Tiere einfangen, ist dies fast nur im Stall oder engen Pferch aus Maschengitter, Holz- oder Metallhürden möglich, ohne die Herde durch erfolglose Fangversuche zu beunruhigen. Elektronetze sind dazu aber nicht geeignet.
