Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Hinter Dingen lauert das Unergründliche, das Absurde. Die Autorengruppe Zweibrücken mit dem Bösen Aug in Aug. So einfach ist das nicht, denn die Grenzen sind fließend. Wir haben vieles für Sie zusammengetragen: In der Geschichte INS FÄUSTCHEN GELACHT hat eine vermeintlich gute Tat verheerende Auswirkungen, während böse Überraschungen wie in GEBÄUDE 70 sich für die Protagonistin nach dem Motto GLÜCK UNGLÜCK als Voraussetzung für eine selbstbestimmte Zukunft erweisen. Natürlich ernten Figuren immer wieder Sturm, obwohl sie nur Wind gesät haben. Das heißt aus Bösem kann nichts Gutes entstehen, so in der Geschichte KIND FÜR KIND. Die Macht des Bösen sollte aber nicht die Oberhand behalten, deshalb haben wir unserem Bändchen den Titel SCHATTEN UND LICHT gegeben, denn schon Heinrich von Kleist wusste, dass wir das eine durch das andere besser erkennen. Unter diesem Titel findet auch Traurigkeit ihren Platz, ebenso die böse Erfahrung (WENN DU STIRBST oder auch SCHADE.SCHÖN. ALLES GUTE) und der Galgenhumor (BÖSER TRAUM, ZUSAMMEN AUSEINANDER). Wir nehmen dem Bösen seinen Stachel, in Geschichten, wo den ganz alltäglichen Widrigkeiten und bösen Überraschungen mit Tapferkeit und Humor begegnet wird. Die Autorengruppe wünscht Ihnen bei all dem Dunkel, das wir Ihnen in diesem Büchlein zumuten, auch lichte Momente.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Vorwort
Konrad Barner
Michael Dillinger
Barbara Franke
Annette Kimmel
Karin Klee
Runa Neuer
Gundela Nitschke
Wolfgang Ohler
Gerhard Rinsche
Heide Werner
Bio-Bibliographisches
Hinter den Dingen das lauernd Unergründliche freilegen, das Gefährliche – auch das Absurde – das war diesmal unsere Absicht: Mit dem Bösen Aug in Aug. Doch bald merkten wir, dass es nicht so einfach ist mit „gut“ und „böse“. Die Grenzen sind fließend. In der Geschichte „Ins Fäustchen gelacht“ hat eine vermeintlich gute Tat verheerende Auswirkungen, während böse Überraschungen wie in „Gebäude 70“ sich für die Protagonistin nach dem Motto „Glück Unglück“ als Voraussetzung für eine selbstbestimmte Zukunft erweisen. Natürlich bewahrheitet sich auch immer wieder der Spruch „wer Wind säet, wird Sturm ernten“. Das heißt aus Bösem kann nichts Gutes entstehen, so in der Geschichte „Kind für Kind“. Die „Macht des Bösen“ sollte aber nicht die Oberhand behalten, deshalb haben wir unserem Bändchen den Titel „Schatten und Licht“ gegeben, denn „der Schmerz macht, dass wir Freude fühlen, so wie das Böse macht, dass wir das Gute erkennen“ (Heinrich von Kleist).
Unter diesem Titel findet auch die Traurigkeit ihren Platz, die bösen Erfahrungen folgt in Texten wie „wenn du stirbst“ oder „Schade. Schön. Alles Gute“.
Galgenhumor wie in „böser Traum“ oder „Zusammen.
Auseinander“ nehmen dem Bösen den Stachel, ebenso Gedichte wie „Bre-Du-Fa-Zwo – Brechdurchfall 2“, wo den ganz alltäglichen Widrigkeiten und bösen Überraschungen mit Tapferkeit oder wie in „Es ist nichts“ mit Humor begegnet wird. Die Autorengruppe wünscht Ihnen bei all dem Dunkel, das wir Ihnen in dem Büchlein zumuten, viele lichte Momente.
Für die Autorengruppe
Barbara Franke
Bestimmung
Wenn ich ein Ast wäre,
wäre ich gern ein Baum.
Wenn ich ein Baum wäre
Und es käme ein Sturm,
wäre ich
zerborsten
zersägt
zerstückelt
zerfallen
zerfressen
Wenn ich ein Baum wäre
und es käme kein Sturm,
wäre ich
verplant
verkauft
verbaut
verheizt
verbrannt
Wenn ich ein Ast wäre…
Der böse Gott
Danach bei donnerndem Getöse
schuf Gott am 8. Tag das Böse.
Der erste Mensch war kaum geboren,
schon ging das Paradies verloren.
Von da an geht es steil bergab.
Das Leben nur noch Weg zum Grab. (1)
Gott reizt den Kain in einem fort,
er provoziert den Brudermord. (2)
Von Mose hat man´s nicht gedacht,
auch er hat einen umgebracht. (3)
Das Böse, das in jedem steckt,
kommt zweifellos von Gott direkt.
Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen,
man lässt Gott einfach selber sprechen:
„Ich schaffe Unheil“, wann ich will. (4)
Der Mensch hält notgedrungen still.
Es ist kein Unglück in der Stadt,
das nicht der Herr verbrochen hat. (5)
Das finden wir bei den Propheten –
Im Grunde hilft da nur noch beten.
Das Vaterunser sei genannt,
es ist weltweit sehr gut bekannt:
„Erlöse uns, Herr, von dem Bösen“, (6)
Doch will Gott überhaupt erlösen?
Selbst Jesus führt er ins Verderben,
am Kreuz lässt er ihn grausam sterben.
Und heute? Ist es auch nicht besser.
Das Böse liefert uns ans Messer.
Zum Beispiel „Krebs“, das große Leid,
vielleicht das größte unsrer Zeit.
Der Terror, als „IS“ bekannt,
zieht grausam mordend durch das Land.
Wer kann uns davon je erlösen?
Wir bleiben in der Macht des Bösen.
Anmerkungen
1) „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“ (1. Mose 3,19)
2) „Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.“ (1. Mose, 4,4 und 5)
3) „…erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande.“ (2. Mose 2,12)
4) „Ich bin der Herr…der ich Frieden gebe und schaffe Unheil.“ (Jesaja 45,6 und 7)
5) „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?“ (Amos 3,6
6) „…führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ (Matthäus 6,13)
Wenn
Wenn ich dich liebte
Was dann wohl geschähe
Durch deine Nähe
Wäre die Welt verändert
die Augen umrändert
das Licht im Dunkel noch heller
das Herz schlüge schneller
mit Extrasystolen
wir müssten den Notarzt holen
weil Liebe gern stirbt
Martha
Was bleibt denn noch von dir
fragte ich
als sie fast keinen Schatten mehr warf
Ich nehme niemandem das Licht
antwortete sie.
Bevor es heute wird
Bevor es heute wird
zieh die Gardinen zu
bedeck die Welt
mit weißem Tuch
wirf auf die Leinwand deine Träume
dann von Nacht und Nebel und
dem Stern von Bethlehem und
lass mich sehen
was du sahst
bevor es heute wird
Tagtraum
Einschlafen
aus dem Tag fallen
am Abend am Morgen erst
wissen
es gab eine Nacht
Ganz anders
Normalerweise hätte sie einen großen Bogen gemacht um diese Typen. Nein, sie hätte sich nicht dahin setzen sollen. Sie sahen nicht gerade vertrauenserweckend aus. Entsprachen genau dem Bild der jugendlichen U-Bahn-Schläger. Baseballkappe schräg auf dem Kopf, zerschlitzte Jeans, verächtliches Grinsen, als sie mit vollen Einkaufstaschen auf das Bushäuschen zusteuerte. Ein Platz wäre noch frei gewesen, hätte der eine nicht rasch seinen Rucksack darauf geworfen. Offenbar sein Revier. Sie war schon gefasst auf: Verpiss dich Alte, doch es blieb ihr keine Wahl. Der Rücken schmerzte, die Beine wollten sie nicht mehr tragen. So wagte sie ein vorsichtiges: „Darf ich mich setzen?“ Und oh Wunder, der Rucksack wurde widerwillig heruntergenommen und landete auf dem Boden vor den beiden. Marie atmete tief durch. Geschafft.
In zehn Minuten würde der Bus kommen, sie aus der misslichen Lage befreien, ehe die üblichen Pöbeleien anfangen würden. Die beiden Jungen nahmen keine Notiz mehr von ihr, öffneten mit einem groben ‚Ratsch‘ den Rucksack, aus dem sie eine Schachtel zerrten.
Misstrauisch linste Marie herüber und sah, wie die beiden mit flinken Griffen Zigarettenstummel daraus entnahmen, anzündeten und mit hastigen Zügen zu Ende rauchten bis die Glut ihre Fingerkuppen zu verbrennen drohte. Der Rest landete mit Schwung auf dem Boden. Zunächst wandte sie sich angeekelt ab, doch allmählich regte sich ihr Gewissen. Das waren ja fast noch Kinder.
Sollte sie so tun, als ginge sie das nichts an? Wollte sie zu den Wegguckern gehören? Nein, das war noch nie ihre Art gewesen. Verstohlen schaute sie dem routinierten Hantieren zu. Die Kerle ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Was interessierte sie die Alte da. Die war so unwichtig, dass sie sie gar nicht wahrnahmen. Maries Blick wanderte weiter nach oben und blieb hängen an einem Riesenwerbespruch an der Seitenwand des Bushäuschens.
Schwarz auf weiß stand da zu lesen: MAY BE NEVER WINS. Seltsames Englisch, dachte sie. Who never wins. Natürlich, jetzt kann sie dahinter, das ‚May be‘ das ‚Vielleicht‘ führte nicht zum Ziel. Es schien ihr plötzlich wie gemünzt auf ihr Zögern und Zaudern. Als sie dann rechts unten die Aufforderung BE las, daneben Marlboro und den obligatorischen Zusatz ‚Rauchen kann tödlich sein‘, gab sie sich einen Ruck.
„Entschuldigung, ihr Zwei, ich weiß, es geht mich gar nichts an, aber ich kann einfach nicht ruhig zusehen, wie ihr eure Gesundheit ruiniert.“ Zumindest ein ‚Halt’s Maul, Alte‘, hätte sie erwartet oder ‚zieh Leine‘, doch es kam nur ein halblautes „is doch egal“. Das ermunterte sie dranzubleiben. „Glaubt ihr, eurer Mutter wäre das auch egal?“ – „Unsere Mutter ist tot.“
Das hatte sie nicht erwartet.
„Tot?“ – „Krebs, es war schrecklich – Aber sie hat sich noch von mir verabschiedet. – Florian kam zu spät. Er ist mein Bruder – Halbbruder, hat einen anderen Vater, wohnt bei dem.“ Der jetzt plötzlich einen Namen hatte, ergänzte. „Das war vor zwei Jahren. Da war ich 14 und Fred 15.“ Florian und Fred, jetzt 16 und 17 Jahre alt, und sie hatte sie einfach mit ‚du‘ angeredet. Sie schämte sich ein wenig, weil sie sich eingemischt hatte, doch jetzt war der Bann gebrochen. Sie kamen mit ihr ins Gespräch, erzählten von vergeblicher Jobsuche, dem Frust zuhause, wo in zwischen eine neue Frau Mutters Stelle eingenommen hatte, und ihren gelegentlichen Treffen an der Bushaltestelle, wo sie sich mit Nikotin bei Laune hielten. „Aber warum die Kippen, im Filter sitzt das meiste Gift.“ – „Kein Geld.“
– Marie war ratlos.
„Gibt es nichts Anderes, was noch Freude macht, damit ihr das Zeug nicht so oft braucht?“
