Schattenflamme - Käthe Braun-Prager - E-Book

Schattenflamme E-Book

Käthe Braun-Prager

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Beschreibung

Käthe Braun-Prager hat ihre Gedichte und Zeichnungen Visionen genannt. Durch ihre Texte zieht sich ein roter Faden von mystischer Faszination, die eine Grundstimmung von Melancholie, Ironie, Liebe, Hass und Todessehnsucht sowie auch ihren Seelenzustand in der Emigration widerspiegeln. Für diese Ausgabe, mit bereits schon veröffentlichten und unveröffentlichten Gedichten wurde eine ganz persönliche Auswahl getroffen. - Herausgeberin Tatjana M. Popovic´

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EPUB

Seitenzahl: 44

Veröffentlichungsjahr: 2015

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DAS HERZ STEHT STILL,

WENN ES BEWEGT IST

Käthe Braun-Prager

österr. Schriftstellerin, Malerin

(1888-1967)

Käthe Braun-Prager 1930

INHALTSVERZEICHNIS

Helle Nacht*

Hohe Erinnerung*

Wunder

Liebespaar unterm Kastanienbaum

Junge Beamtin*

Mann und Weib

Ehe

Konzert*

Mahlzeit der Liebenden*

Fensterkreuze*

Der Bote

Erinnerung an den Vater

Bei der Kerze

Wir und die Anderen

Eine Schwerkranke am Montag*

Die tote Mutter spricht zu ihrer jungen Tochter

Sanfte Eifersucht

Die Liebende*

Trost für eine verlassene Frau

Manche Frauen

Der Graf von Glerichen spricht zu seinen zwei Frauen

Müdes Straßenmädchen

Die Frau*

Das Ebenbild

Verschneit

Tote Liebe

Silvester

Hoffnung*

Die Witwe auf der Straße*

Wiedersehen am Grabe*

Verlassenschaft*

Der Hass-Strauch

Der Gast (HK)

Im Rauchgewand (HK)

Mitternacht auf der Straße

Beherzigung

Erinnerungen

Donaubild

Gang zum Schwarzsee

Der Seelenstrauch

Bei einer Todesbotschaft

Aufgelassener Friedhof in Döbling

Feuerfrühling*

Die Traubenquelle

Die Sense (HK)

Morgenröte

Melancholie*

Verfrühter Herbst*

Verwandelte Welt*

Das Haus der Jahreszeiten(HK)

Herbstlich*

Herbstschatten

Oktober(HK)

Noch im November

Novembernebel*

Prunusbäumchen im Winter*

Der ererbte Spiegel

Fahrt durch den Abend

Winterfahrt durch die mährische Hanna*

Stern im Schnee

Köchin in der Fremde

Köchin in der Heimat

Fahrt

Ein Traum

Einer Lilie Licht

Meine Bilder

Selbstbildnis

Der unterirdische Fluss (HK)

Der neue Pass (HK)

Nachwort der Herausgeberin

Lebenstafel

Bibliographie

Anmerkungen

Zur Erinnerung an meine Großmutter Käthe Braun-Prager

Ich kenne nicht die Wurzel, aus der meine Gaben wachsen.

Plötzlich gegeben, oft wieder genommen, von Brieftauben

zugebrachte Befehle, die ich auszuführen habe. Geleistet

werden sie von Geistern niederen Grades, denen ich zusehe,

wie sie für mich schreiben oder zeichnen.

Erst meldet sich eine Anfangszeile als eine grüne Blattspitze,

dann hebt sie sich in die zweite Zeile hinauf, und wenn die

Sonne der Gnade sehr warm scheint, treibt sie den Schaft

hoch und läßt die Sternblüte des Gedichts aufgehen.

Käthe Braun-Prager

HELLE NACHT

Manches Mal in heller Nacht

Ist eine Blume aufgewacht.

Hat kein Auge ihrer acht,

Wie sie da in Schönheit steht,

Zarter Atem sie durchweht

Und wie sie vergeht.

Heute in der hellen Nacht

Ist mir Liebe aufgewacht.

Hat kein Auge ihrer acht,

Wie sie da in Schönheit steht,

Weihrauch-Atem sie durchweht

Und – nie mehr vergeht.

HOHE ERINNERUNG

Der Abendstern nahm mir mein Licht,

Weil seines ihm verging.

Spiegelte drin sein Angesicht,

Als wär’ ich nicht gering.

Das Meer nahm meine letzte Kraft

und trieb damit die Flut.

Ich lag am Strand, glücklich erschlafft,

Die Ebbe sanft im Blut.

Der Wind nahm meinen Atem sich,

Damit er stärker weh’ –

Nun beugen Bäume sich durch mich,

Und ich bin leicht wie Schnee.

WUNDER

Als ich mich heute im Spiegel besah,

Ward mir das seltenste Wunder nah.

Am Grund meiner Augen leuchtete dein Bild

Doppelt schön und doppelt mild.

Aus meinen Augensternen glänztest du

Mir lieb und gütig zu…

Wie kamst du in meine Augen hinein?

- das kann doch nur der Liebste - -

magst du es sein?

Über das atmende Glas beugte ich mich hin

und küßte dich darin.

LIEBESPAAR UNTERM KASTANIENBAUM

(Sievering)

Ihr Liebende! Unterm Kastanienbaum lehnt ihr,

Laternenlicht leuchtet euch sanft ins Gesicht!

Frühling im Herzen, den Sommer ersehnt ihr,

Und kennt doch den Herbst, kennt den Winter noch nicht!

Wie ihr euch hinneigt, wie ihr euch findet,

Wie immer inniger ihr euch verbindet!

Nun Wange an Wange, selig ermattet,

Verschlungene Hände, vom Laubwerk beschattet…

Vom heimlichen Hören geschlossen die Lider…

Duftender Wind jagt herüber vom Flieder!

JUNGE BEAMTIN (1907)

Sie sitzt bei den Büchern, die sie kaum halten kann,

Und reiht müde Zahlen um Zahlen und Zahlen an,

Vornübergebeugt… Nur manchesmal hebt sie den Blick,

Doch weicht er verschreckt vor den grauen Wänden zurück.

Aber das Fenster, das hohe, neben dem Büchergestell,

Heut hat sie es offen lassen, denn es ist windstill und hell.

Ein sanfter Lufthauch streichelt ihr übers Gesicht

Und die Stirnhaare rühren sich leise und werden ganz licht.

Die emsige Hand gleitet mählich hinab in den Schoß;

Es wand sich die Feder den Fingern, den willigen, los

Und rollte zu Boden, mit leise klingelndem Fall,

Mitten in einen ausgebreiteten Sonnenstrahl.

Ein Lächeln, ein mildes, liegt rührend auf ihrem Gesicht.

Sie sieht an den Büchern hinab und sie sieht sie doch nicht.

Tief atmet sie auf – schmiegt sich in den Sessel hinein:

Träume kommen, lichte und lullen sie ein.

Plötzlich ein Schatten vor ihr, der das Fenster laut schließt -

Wie Dunkelheit jetzt über Bücher und Boden fließt.

Langsam heben – die Finger – die Feder wieder – empor –

Und schon springen Zahlen um Zahlen aus allen Seiten hervor!

MANN UND WEIB

Hier die Frau und dort der Mann:

Zwischen ihnen Neumondnacht,

unter ihnen Kraterschacht.

Reicht der Mann den Arm hinüber:

In das Dunkel trifft er nur,

Aber hell zieht eine Spur

Von des Frauenarmes Weiße

An den Fingern ihm vorüber.

Auf den Zehen schwankt das Weib –

Weit gestreckt den Arm, den schlanken,

Herz und Sinne und Gedanken