SchattenHaut & SchattenWolf - Nané Lénard - E-Book
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SchattenHaut & SchattenWolf E-Book

Nané Lénard

4,8

Beschreibung

Band 1: SchattenHaut Als Pfarrer Josef Fraas am Weserufer in Rinteln angespült wird, ahnt noch niemand, warum er sterben musste. Dass sein Körper nicht mehr ganz vollständig ist, gibt Kommissar Wolf Hetzer ein weiteres Rätsel auf. Doch noch bevor Hetzer sich auf diesen Fall konzentrieren kann, verschwindet der stadtbekannte Politiker Benno Kuhlmann spurlos. Ein mysteriöser Täter spinnt seine Fäden unerkannt im Hintergrund. Und während ihn die Ermittler vom Weserbergland bis weit ins Schaumburger Land verfolgen, hat Hetzer das Gefühl, den Schatten des Mörders immer dichter zu spüren. Ein spannendes Duell beginnt, dessen Ausgang niemand vorhersehen kann, denn die Gegner sind einander ebenbürtig. Band 2: SchattenWolf Wer ist die mysteriöse Tote auf dem Gelände der alten Frankenburg? Und warum findet die Rechtsmedizin merkwürdige Flecke auf ihrem Rücken? Die Kommissare Wolf Hetzer und Peter Kruse tappen völlig im Dunklen, während im Wald das Grauen lauert, von dem sie nichts ahnen. Denn wer kennt die Schatten einsamer Nächte und was hat es mit den Kindern des Mondes auf sich? In der Nacht brennt das Licht im Verließ der Schaumburg. Dort lebt die Schuld vergangener Tage. Spät, viel zu spät hat Hetzer eine Ahnung des Bösen, das sich nicht greifen lässt. Es führt ihn an den Abgrund seines Verstandes.

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Über die Autorin

SchattenHaut

SchattenWolf

Nané Lénard

SchattenHautundSchattenWolf

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

© 2011 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

Auflage 2015

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

eISBN: 978-3-8271-9888-4

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Die Romane spielen hauptsächlich in allseits bekannten Stätten, doch bleiben die Geschehnisse reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden.

 

 

Über die Autorin:

Nané Lénard wurde 1965 in Bückeburg geboren und ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Nach dem Abitur und einer Ausbildung im medizinischen Bereich studierte sie später Rechtsund Sozialwissenschaften sowie Neue deutsche Literaturwissenschaften.

Von 1998 an war sie als Freie Journalistin für die regionale Presse tätig. Ab 2009 arbeitete sie für unterschiedliche Firmen im Bereich Marketing und Redaktion. Seit 2014 ist Lénard als freiberufliche Schriftstellerin tätig.

Von ihr wurden neben den Romanen bereits mehrere Gedichte und Kurzgeschichten veröffentlicht.

Mehr über Nané Lénard und ihre Aktivitäten erfahren Sie unter www.nanelenard.de

Nané Lénard

SchattenHaut

Hetzers und Kruses 1. Fall

Inhalt

Titelseite

16. Juli 1963, 21:30 Uhr

16. Juli 1963, 22:25 Uhr

Herbst 2010, Der Kommissar

Der Pfarrer

Wasserwanderung

Der erste Tag

Die Obduktion

Abendgedanken

Im Netz

Die Bescherung

Bennos Verschwinden

Im Verließ

Hetzers Traum

Susis Geheimnis

Die Ratte

Bennos Erkenntnis

Die Obduktion der Ratte

Bennos Ende

Gefüllte Paprika

Bennos Neigungen

Albtraumnacht

In der Eulenburg

Nadjas Entdeckung

Der Mantel

Das Witwenhaus

Sonntagabend

Unter dem Griff

Stille Wasser

Bennos Vermächtnis

Übers Wasser wandern

Die Täuschung

Im Keller

Sabines Verhängnis

Pfarrer Martins Vermutung

Moni

Sabines Erwachen

Das Essen

Die alte Tongrube

Im Beichtstuhl

Schneesturm

Im Iglu

Wasserwürmer

Alles ist eins

Der Kuss

Kopflos

In der Anstalt

Kaminabend in Todenmann

Das Haus am Meer

Nadjas Verhör

Die Untersuchung

Neue Erkenntnisse

Nadjas Weiterbildung

Die Vermutung

Die Axt

Gefangen

Weihnachtsplanung

Endstation

Das Verwirrspiel

Der Liebestraum

Vollendung

Der Schock

Im Element

Eine neue Suche

Das Rätsel der rechten Hände

Eine mögliche Verbindung

Wolfs Dilemma

Ottos erstes Erwachen

Der Vater

Im Krankenhaus

DNA

Ottos Zusammenbruch

Gedanken und Gespräche

In der Zelle

Seppis Nachforschungen

Ottos Weihnachten

Heiligabend 2010

Auf dem Eiffelturm

Das Essen

16. Juli 1963, 22:59 Uhr

In der heiligen Nacht

Haut, die im Dunklen verborgen,vergiftet das Heute ins Morgenund tötet die Seele aus Leid.

Denn was am Anfang geborgen,geliebt und bewahrt war vor Sorgen,muss weichen den Zeichen der Zeit.

Was schmerzlich als Fluch nur dem Träger vertraut,lebt schweigend und lichtlos als Schattenhaut.

Anfang und Ende

16. Juli 1963, 21:30 Uhr

Sie konnte ihr eigenes Blut riechen. Der Schmerz, dieser unglaubliche Schmerz wollte nicht von ihr verschwinden. Er ließ ihr kaum die Möglichkeit zum Atmen. Sie schrie, doch es kam nur noch ein heiseres Krächzen. Noch während sie gegen das Messer ankämpfte, das in ihr zu stecken schien, war plötzlich alles vorbei.

Ende und Anfang.

Und während der Tag und ihre Kraft dahindämmerten, hörte sie wie von Ferne, dass ihr jemand etwas zurief.

16. Juli 1963, 22:25 Uhr

„Es ist ein Mädchen!“, sagte die Hebamme und strahlte die Mutter an.

Ein Glück, dachte sie, er hatte sich so sehr ein Mädchen gewünscht. Allmählich kehrten ihre Kräfte zurück. Der kurze Schlaf hatte ihr gut getan.

„Hier ist Ihre Tochter. Wie soll sie denn heißen?“

Vorsichtig bettete Hebamme Ute die Kleine in die Armbeuge der Mutter.

„Wir wollten sie gerne Susanne Michaela nennen“, antwortete Gisela abwesend und hatte nur Augen für das winzige Gesicht. Sie bemerkte nicht einmal, wie sich leise die Tür schloss und sie plötzlich allein im Raum war. Nein, nicht ganz allein. Susi machte auf sich aufmerksam. Sie schmatzte und gluckste im Schlaf.

Herbst 2010, Der Kommissar

Unter der Frankenburg war der Herbst eingezogen. Wolf Hetzer streckte sich gemütlich vor seinem Kaminofen aus und hielt die feuchten Wollsocken in die Wärme. Er hätte Gummistiefel anziehen sollen, dachte er, aber wie gewöhnlich war er in seine Lieblingsschuhe gestiegen und hatte nicht weiter darüber nachgedacht, dass Waldwege feucht sein könnten. Vor allem Wege, wie Gaga sie liebte. Seine Schäferhündin war in allem eine Lady, aber eben ein bisschen gaga. Die Sängerin war nach ihr benannt. Darauf bestand Hetzer, denn seine Hündin trug den Namen zuerst.

Mittlerweile waren die Socken zwar warm, feucht waren sie aber immer noch. Mit einem Seufzer stand Hetzer auf, streifte sie sich von den Füßen und ging auf Zehenspitzen nach oben ins Schlafzimmer. Der Steinfußboden war trotz des Ofens kalt, da waren die Holzdielen im Schlafzimmer eindeutig angenehmer. In der Schublade ging der Sockenvorrat gegen null. Mist, ich muss waschen, dachte er und torkelte auf einem Bein, weil er mit dem Bund an der Hacke hängen geblieben war. Dabei wäre er fast auf Gagas Pfote gestiegen. Sie folgte ihm immer.

Hetzer wohnte erst seit ein paar Wochen in Todenmann. Hinter dem Berg hatte er alles zurückgelassen. Die alte Kate am Waldesrand war ein wenig baufällig gewesen, als er sie Anfang des Sommers zu einem Spottpreis kaufte. Jetzt war er weit weg von allem, von der Vergangenheit und über den Berg, wenn man so wollte. Nach und nach hatte er Altes restauriert und Kaputtes ersetzt. Das hatte ihn abgelenkt von sich selbst. Dreieinhalb Räume mit Küche und Bad waren jetzt sein neues Zuhause. Er teilte sie mit Gaga, Emil und den beiden Katern. Letztere waren ihm geblieben – von ihr. Zwei Kater als Halbwaisen. Emil, der Ganter, hielt draußen Wache, darin stand er Gaga in nichts nach.

Als es zu dämmern begann, streckte sich Hetzer gemütlich auf seinem Sofa aus und strich sich die krausen Haare aus dem Gesicht. Er hatte eben noch Holz nachgelegt und Emil in den Stall gebracht. Die Flammen tanzten hinter der Scheibe. Auf Gaga und ihm lag immer noch der Duft des Herbstes, feucht, leicht modrig und rau von der Nebelluft. Er dachte an den Wald, den er liebte und verdrängte das, was dahinter lag. Das Feuer machte ihn schläfrig und so döste er seinem ersten Arbeitstag im Rintelner Kommissariat entgegen.

Der Pfarrer

Am selben Abend, 21:56 Uhr

Es klingelte. Josef war in seinem Ohrensessel über einem Buch und einem Glas Rotwein eingenickt. Jetzt streckte er sich, sah, dass die Standuhr beinahe zehn zeigte. Schwerfällig quälte er sich aus dem Sessel, alle Knochen taten ihm weh.

Wer rief denn jetzt noch an? Weil er noch nicht ganz wach war, wäre ihm der Hörer fast wieder aus der Hand gefallen. Aber er erwischte ihn noch und riss ihn ans Ohr.

„Guten Abend“, sagte die sanfte Stimme in der Leitung, „spreche ich mit Pfarrer Josef Fraas?“

„Am Apparat!“

„Ich werde mich umbringen.“

Jetzt war Josef mit einem Schlag wach. Er war im Ruhestand. Dachte, dass er diese menschlichen Katastrophen hinter sich gelassen hatte.

„Hören Sie, bitte, es gibt für alles eine Lösung, einen Ausweg. Wie heißen Sie?“

„Es gibt nicht immer einen Ausweg, und wie ich heiße, tut nichts zur Sache. Mein Name gehört ohnehin nicht zu mir.“

„Wer ist Ihr Seelsorger? Soll ich ihn für Sie anrufen? Gehören Sie zur Hamelner Gemeinde?“

„In diesem Fall sind auf jeden Fall Sie mein ,Seelsorger’. Sorgen Sie sich um meine Seele?“

„Dann kennen wir uns? Sind wir uns schon begegnet? Natürlich sorge ich mich um Ihre Seele, ich sorge mich um die Seele eines jeden Menschen. Vielleicht will Ihre heute gerettet werden.“

„Wenn Sie wirklich etwas für meine Seele tun wollen, dann kommen Sie runter zur Weser. Ich bin direkt am Ende der Fontanestraße den Trampelpfad heruntergegangen und dann ein Stück flussabwärts. Hier ist es so schön einsam, wie geschaffen für einen Freitod. Aber lassen Sie sich nicht allzu viel Zeit. Ich stehe schon mit den Füßen im Wasser, ich will nur die letzte Ölung.“

„Warten Sie, es ist viel zu kalt, wir haben Oktober. Herrgott, Maria und Josef. Tun sie nichts Unüberlegtes. Ich bin gleich da und dann reden wir. Ich habe es nicht weit. Ich muss nur schnell was anziehen. In fünf, maximal zehn Minuten bin ich da. Ich bringe Ihnen eine Decke mit.“

„Das wird nicht mehr nötig sein“, sagte die Stimme und legte auf.

Jetzt hatte es Fraas eilig. Der Fremde meinte es ernst, er hatte keine Zeit mehr. Den Notruf wollte und konnte er auch nicht mehr verständigen, außerdem kamen die immer mit so viel Trara. Wer weiß, ob der Mann verschreckt werden würde. Dann konnte es zu einer Kurzschlussreaktion kommen. Nein, er musste da allein hin, und zwar schnell. Im Keller stieg er in seine Schuhe und seinen Wintermantel, griff die große Taschenlampe, warf sich eine Decke über die Schulter und ging so schnell er konnte in Richtung Fluss. Früher hätte er rennen können, aber das ließen seine alten Knochen nicht mehr zu, er war schon über siebzig. Vielleicht war es gut, dass der Fremde ihn angerufen hatte, immerhin hatte er Erfahrung mit Menschen in den schwierigsten Lebenssituationen.

Der Weg hinunter zum Ufer war für ihn eine Herausforderung. Ohne Taschenlampe wäre er sicher gestürzt, hier war es stockfinster. Nur manchmal riss die Wolkendecke durch den starken Wind auf. Da brachte der Mond wenig Licht.

Es war fast Neumond.

„Hier bin ich“, raunte die sanfte Stimme nahe dem Flussufer.

Der Mann stand tatsächlich im Wasser.

„Kommen Sie raus, lassen Sie uns in Ruhe reden.“

„Wir können auch so reden. Was möchten Sie mir denn sagen?“

„Ich möchte Ihnen sagen, dass Sie – egal was Ihnen passiert ist – immer wieder Freude am Leben finden können. Es wird auch wieder schöne Tage geben.“

Ein Lachen durchriss den Sturm. Es war mehr ein Schreien, das nur langsam über dem Flussbett verhallte.

„Das sind leere Worte, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie leer diese Worte sind – vor allem für mich. Alles Phrasen, alles Geplapper. Haben Sie nicht mehr zu bieten?“

„Sie müssen mir erklären, was Ihnen geschehen ist. Ich möchte Ihnen so gerne helfen. Aber das kann ich nicht, wenn ich nicht weiß, was passiert ist.“

„Oh, das sollten Sie aber genau wissen, denn Sie sind dafür verantwortlich. Sie gehören zu den Menschen, die mich zu dem gemacht haben, was ich bin. Es war Ihre Entscheidung, Ihr Rat. Sie sind ein Teil des Gerichts gewesen, das über mich geurteilt hat. In diesem Moment haben Sie meine Seele zerstört und darum ist sie jetzt auch nicht mehr zu retten.“

Der Fremde machte einen Schritt rückwärts und stand jetzt bis zu den Knien im Wasser.

„So warten Sie doch! Bitte lassen Sie mich Ihnen helfen. Wie kann ich das Unrecht wiedergutmachen, das Ihnen geschehen ist. Was um Himmels willen habe ich denn getan ...?“

Fraas dachte nach. Sicher hatte er in seiner Amtszeit Fehler gemacht. Und ganz bestimmt war sein Rat nicht immer der richtige gewesen. Aber er hatte stets in guter Absicht, im Sinne Gottes gehandelt. Das musste ihm der Fremde doch glauben.

„... bitte sagen Sie mir, was damals passiert ist, ich möchte Ihnen wirklich helfen. Bitte!“

„Dann müssen Sie zu mir kommen. Ich kann es nicht laut sagen. Es muss im Verborgenen bleiben. Niemand darf es wissen.“

„Hier kann Sie doch niemand hören. Meinen Sie, dass ich zu Ihnen ins Wasser kommen soll? Hier ist doch niemand. Ich bin alt, meine Füße werden nass. Es ist schon so bitterkalt. Bitte nehmen Sie Rücksicht und kommen Sie ans Ufer.“

„Auf keinen Fall. Wenn Sie nicht kommen, haben Sie auch noch den Rest meiner armseligen Seele auf dem Gewissen. Ich gehe jetzt weiter rein. Meine Unterschenkel spüre ich schon nicht mehr.“

„Halt!“, rief Pfarrer Josef und setzte den ersten Fuß schaudernd in die Weser, „ich komme ja.“

Das Gehen im Wasser fiel ihm schwer, sofort drang es in das warme Futter seiner Schuhe. Es war, als hätte er Blei an den Füßen. Als er den Mann erreichte, schaute er ihn direkt an.

Er hatte keine Erinnerung an dieses Gesicht, er kannte ihn nicht. Seine Beine und Füße froren erbärmlich.

„Drehen Sie sich zur Seite, damit ich Ihnen ins Ohr flüstern kann, was mich bedrückt“, bat der Mann.

„Hier kann uns doch nun wirklich niemand hören“, sagte Fraas und neigte sich zu ihm.

Als er nun hörte, was der Unbekannte in seine Ohrmuschel sprach, wusste er, dass es wirklich nur leise gesagt werden konnte. Blankes Entsetzen stand in seinen Augen. Das hatte er alles nicht gewusst. Das waren damals andere Zeiten gewesen. Dafür konnte man ihn doch nicht verantwortlich machen. Und noch während er über das Gesagte nachdachte, das dem Mann angetan und jetzt ihm zur Last gelegt werden sollte, hörte das Denken einfach auf, er atmete nur noch, dann gaben seine Beine nach.

Der Fremde fing den Pfarrer auf. Ja, niemand war schuld. Er war das Opfer, aber niemand trug die Schuld. Er schleifte den Bewusstlosen ans Ufer und legte ihn im Gras ab. Da er eine Anglerhose trug, war er vollkommen trocken geblieben.

Jetzt lag er da, der Geistliche, der Seelenretter, der Seelsorger. Gottes Sprachrohr auf Erden. Es konnte nicht Gottes Wille gewesen sein, zu dem er damals geraten hatte. Das wäre doch ein Widerspruch in sich gewesen. Diese verlogene Ratte. Er war überfordert gewesen. Für ihn hatte es nur schwarz und weiß gegeben. Keine Graustufen. Das Denken war beschränkt, sein Rat tendierte zum kleineren Übel. Es war einfacher, ein Loch zu graben, als einen Pfahl zu bauen.

Dafür würde er jetzt büßen, würde dieselbe Erfahrung machen. Aber nur kurz, denn dann würde er ihn ersäufen, wie eine Ratte. Wie die Ratte, die er gewesen war.

Der fast blutleere Körper versank in der Weser wie ein Stein. So ein Wintermantel konnte viele Kilo schwer werden. Da war Josef Fraas immer noch nicht tot. Aber er war viel zu schwach vor Kälte, vom Schmerz und von der Schmach, dass er den Weg zum Allerhöchsten dankbar annahm und ertrank.

Wasserwanderung

Der entseelte Pfarrer trieb langsam in Richtung Flussmitte, wo die Strömung am stärksten war. Sie nahm ihn gnädig auf und spielte mit ihm. Zog ihn unter Wasser in einen Strudel, spie ihn fünf Meter weiter wieder aus, drehte mit ihm eine Pirouette und ließ sein Haar wie im Wind flattern. Im Tod hatte er sich vor Schmerz zusammengekrümmt. Wie ein großer Embryo mit Mantel und Schuhen meisterte er die ersten beiden Weserkrümmungen vor Wehrbergen und glitt dann etwas gestreckter in nordwestlicher Richtung davon.

Im Bogen bei Hessisch Oldendorf blieb Josef zunächst an einer alten Tonne hängen, die auf dem Wesergrund gestrandet war. Doch der Mantel zog ihn wieder in die Strömung zurück. Inzwischen hatten sich zwei Knöpfe aus den Löchern gelöst.

Westwärts trieb das Wasser ihn jetzt, und die schmale Sichel des Mondes beleuchtete seinen Weg, vorbei an Fuhlen, Rumbeck und Großenwieden, wo die Weser erneut einen Haken schlug und mehrfach die Richtung änderte. Josef hatte seine Not mit den Windungen, denn dort blieb er leicht am Ufer in den Ästen hängen. Einmal sogar über eine Stunde, bis das Holz dem Gewicht nachgab und als Anhängsel mitschwamm. Der Ast war wohl auch der Grund, warum der Leichnam einige Flusskilometer weiter unterhalb des Weserangerbades in Rinteln strandete. Er bohrte sich in eine der Buchten in den sandigen Untergrund. Ein nächtliches Schiff spülte ihn mit seinen Heckwellen an Land.

Und da lag er nun in der Morgendämmerung. Ein schwarzes Stück Strandgut, steif wie ein Baumstamm. Für eine Wasserleiche sah er gut aus. Dafür hatte die Kälte der Weser gesorgt. Nicht einmal die Fingerkuppen waren aufgequollen.

Dass er trotzdem die Spaziergängerin erschreckte, hätte er selbst am wenigsten gewollt. Aber es war nicht zu ändern. Er war tot und genau das sah man ihm an. Martha Schulze stieß einen Schrei aus, zog ihren Dackel so schnell sie konnte in die entgegengesetzte Richtung. Durch den Schrei waren andere Passanten oben auf der Weserbrücke aufmerksam geworden. Als die Polizei gegen neun Uhr am Tatort eintraf, hatte sich dort bereits eine Menge Schaulustiger versammelt, die von der Brücke gafften. Polizeikommissar Wilfried Müller hatte auch von Ferne mit einem Blick erkannt, dass hier andere Kräfte angefordert werden mussten. Über Funk informierte er die Kripo in Nienburg und Rinteln. Er ließ das Gelände weiträumig, sowie die Brücke für Fußgänger, absperren. Dass auf der gegenüberliegenden Seite der Weser bereits ebenfalls Katastrophentouristen lauerten, konnte er nicht verhindern. Die Wasserschutzpolizei aus Hameln war bereits unterwegs. Schichtführer Müller wollte alles Notwendige veranlasst haben, bis die Kripo eintraf.

Der erste Tag

Schon vor dem ersten Weckerklingeln war Wolf Hetzer wach. Er war nicht direkt aufgeregt, aber es war schon ein besonderer Tag. Die Rintelner Beamten, die er sonst nur von städteübergreifenden Ermittlungen kannte, würden ab heute seine neuen Kollegen sein.

Gaga tat, als schliefe sie noch, doch er wusste es besser. Sie hatte ihren Kopf auf seinen Hausschuh gelegt. Vorsichtig stupste er sie mit der großen Zehe, worauf sie sich brummend auf die Seite rollte und den Schuh freigab.

Im Bad war es frisch. Mist, er hatte vergessen, das Fenster zuzumachen. Nachts war es jetzt schon empfindlich kalt. Bibbernd kam er aus der Dusche, stieg sofort in seinen Bademantel und floh in die Küche. Ein heißer Kaffee war jetzt genau das Richtige. Die Brötchen hingen schon an der Haustür. Diesen Luxus leistete er sich. Wo gab es das schon noch, außer in Todenmann, dass einem jemand die Brötchen ans Haus brachte. In den ersten Wochen hatte Gaga noch angeschlagen. Jetzt kannte sie den jungen Mann und blinzelte nur noch einmal müde in Richtung Tür, wenn der Bote kam, der außerdem die Zeitung mitbrachte.

Bevor der Kaffee durchgelaufen war, sprang Hetzer in Jeans und Hemd. Er musste Gaga und Emil rauslassen.

Der Tag schien schön zu werden, leichter Raureif lag auf der Wiese. Weiter oben hing noch der Nebel in den Bäumen und machte das Bunte blasser. Aber kalt war es. Verdammt kalt. Schnell zurück in die warme Küche. Der Duft von Kaffee und Brötchen war berauschend. Es ging doch nichts über ein gemütliches Frühstück. Dafür stand Wolf Hetzer sogar früher auf, denn er hasste Hektik am Morgen. Das Croissant aß er zuletzt. Er musste immer einen süßen Abschluss haben.

Gegen halb acht verließ er das Haus, stieg in seinen Ford und fuhr in Richtung Stadt. Die alten Bahnschienen humpelten noch wie vor zwanzig Jahren. Kurz hinter der Weserbrücke bog er rechts ab und fuhr durch die Drift zum Hasphurtweg. Jetzt hatte er hinter der Wache sogar seinen eigenen Parkplatz.

„Guten Morgen und herzlich willkommen!“, begrüßte ihn Kriminalhauptkommissar Mensching. „Was für ein Einstand! Sie können gleich mitkommen. Wir haben eine Leiche am Weserufer.“

„Klar“, grinste Hetzer, „das haben Sie extra für mich organisiert.“

Mensching stutzte, dann schmunzelte auch er. „Nein, im Ernst, das ist kein Witz. Es ist heute Morgen ein toter Mann westlich des Weserangerbades angespült worden. Und nun zack, zack. Sie fahren mit Kruse. Er ist Ihr neuer Partner.“

Bei Peter Kruse hatte die Wirkung des Polizeisports über die Jahre stark nachgelassen. Er war jetzt Mitte dreißig und schwamm im Wasser auf jeden Fall oben. Dabei sah er nicht fett oder schwabbelig aus, eher in allem ein bisschen zu groß geraten. Mit seinen 195 cm Körperhöhe überragte er auch Hetzer um Haupteslänge. Kruse spielte gerne die zweite Geige. Verantwortung übernahm er durchaus, aber zu viel durfte es nicht sein. Er hatte ohnehin nicht damit gerechnet, dass er Hetzers Posten bekommen würde, und wenn er genau darüber nachdachte, war er auch jetzt heilfroh, dass dieser Kelch an ihm vorübergegangen war. Immerhin schien der Neue kein Spießer zu sein und auch kein arrogantes Arschloch. Er hatte die alte Schleuder gesehen, mit der Hetzer zum Dienst gekommen war.

Als Hetzer Kruses Hand schüttelte, in der sich seine eigene ganz verloren vorkam, zwinkerte er ihm zu und sagte:

„Wolf ist mein Name, aber ich beiße nicht.“

„Na, dann sind wir jetzt Peter und der Wolf!“, witzelte Kruse und musste selbst über seinen blöden Scherz am meisten lachen.

„Wer weiß, vielleicht werden wir so das gefürchtete Ermittlerduo ...“

„Ja, wer weiß ...“, beruhigte sich Peter allmählich und warf Hetzer den BMW-Schlüssel zu. „Hier, jetzt kannst du mal ein ordentliches Auto fahren.“

„Moment, meins fährt immerhin mit Gas und das ist ganz ordentlich – egal, wie es aussieht.“

„Ist schon gut, ich wollte dich nicht ärgern. Komm, lass uns abdüsen. Willst du fahren oder soll ich?“

„Nee, fahr du mal, du kennst dich hier besser aus, außerdem bin ich eh nicht so scharf aufs Autofahren.“

Gegen halb neun erreichten sie den Fundort über den Parkplatz am Weseranger. Hetzer musste feststellen, dass das Gras noch feucht war.

So ein Mist, gerade waren seine Lieblingsschuhe wieder trocken geworden. Na ja, sei’s drum, das war nicht zu ändern. Sie konnten nachher schnell bei ihm zu Hause vorbeifahren. Er musste sowieso mal nach Gaga sehen.

Pfarrer Fraas lag auf dem Bauch. Noch verbarg der Mantel sein nacktes Gesäß. Am Hinterkopf sah es so aus, als habe er dort eine Verletzung. Als Hetzer und Kruse genauer hinsahen, entdeckten sie einen zehn Zentimeter langen Riss der Schädelhaut. Auch am Hals klaffte ein Spalt im Fleisch. Das sah nicht nach einem natürlichen Tod aus.

Kruse rief in Stadthagen an und forderte die Rechtsmedizinerin an. Während sie warteten, sahen sie sich am Ufer der Weser um und überlegten, ob die Leiche flussaufwärts wohl ins Wasser gestoßen worden sein könnte. Sie glaubten nicht, dass er hier in Höhe des Weserangerbades getötet worden war. Der Blutverlust durch die Wunden musste groß gewesen sein, aber hier waren auf den ersten Blick im Gebiet rund um den Körper keine Blutspuren zu finden. Die KTU würde genauere Untersuchungen anstellen. Nachdenklich kehrten sie zum Toten zurück. Dr. Mechthild von der Weiden war eben angekommen.

„Moin“, sagte sie und drückte Wolfs Hand so stark, dass er dadurch fast in die Knie ging. „Sie müssen der Neue sein. Ich bin Mechthild. Rechtsmedizin der MHH, Institut oder Außenstelle Stadthagen. Ganz, wie Sie wollen.“

„Ich bin Wolf, Wolf Hetzer, um genau zu sein.“

„Aber Sie beißen nicht? Kleiner Scherz. Den haben sich Ihre Eltern wohl auch erlaubt, damals – kurz nach Ihrer Geburt.“

„Es konnte doch niemand wissen, dass ich zur Polizei gehen würde. Ich hätte auch Uhrmacher werden können.“

„Auf keinen Fall! Mit dem Namen war das doch wohl Programm. Anderweitig hätten Sie sich eher blamiert. Ich habe mir meinen Namen auch nicht ausgesucht. Mechthild. Macht und Kampf. Aber er passt auch zu meinem Beruf. Vielleicht wird man, wie man geheißen wird? Doch nun genug des philosophischen Plauderns. Wir haben es hier mit einem Mann um die siebzig zu tun. Er ist wahrscheinlich noch keine zwölf Stunden tot. Die kann er gut im Wasser verbracht haben. Er ist steif wie ein Brett. Bei diesen Temperaturen bleibt eine Wasserleiche schön frisch. Die typischen Erscheinungsmerkmale wie Waschhaut an den Fingerbeeren zeigen sich erst nach Tagen oder Wochen. Am hinteren Schädel – schauen Sie hier – sind ganz eindeutig Zeichen einer Verletzung zu erkennen, wahrscheinlich durch einen stumpfen Gegenstand. Ob dies die Todesursache gewesen ist, kann ich nicht sagen. Wenn Sie den Mantel anheben, werden Sie feststellen, dass der Tote keine Hose trägt. Das ist merkwürdig. Wir drehen ihn mal um.“

Hetzer, Kruse und Dr. von der Weiden sogen fast gleichzeitig die kühle Morgenluft ein, als der Leichnam ein weiteres Geheimnis preisgab. Er war kastriert. Penis und Hoden waren mit sauberem Schnitt vom Körper abgetrennt worden.

Das erklärte es auch, dass der Unbekannte keine Totenflecken hatte.

Er war ausgeblutet.

An seiner Halsvorderseite war ebenfalls eine Verletzung zu sehen. Knapp vier Zentimeter lang, wie ein quer verlaufender Schnitt.

„Nichts für ungut, Wolf“, sagte Mechthild zum Abschied. „Du hast mir das mit deinem Namen doch nicht übel genommen?“

„Keineswegs, ich kenne das doch. Oder glaubst du, du wärst die Erste gewesen, die mich deswegen geärgert hätte?“

„Nicht? Das ist aber schade!“, schmunzelte die Pathologin. „Dann muss ich mir für das nächste Mal was besseres ausdenken. Du kannst mich übrigens ruhig Mica nennen.“

„Wieso denn Mica? Fährst du wie eine Wildsau?“

„Vielleicht auch das. Und ich liebe Finnland. Aber nein, das hat nichts damit zu tun. Mica ist eine Koseform von Mechthild und etwas zeitgemäßer für eine Frau, die mitten im Leben steht. Ich rufe dich an, wenn ich noch etwas Interessantes herausfinde.“

Es ließ sich nicht vermeiden, dass Mica zum Abschied Wolfs Hand drückte, aber diesmal war er darauf vorbereitet. Er hielt dagegen und fixierte sie mit seinen dunklen Augen. Sie grinste und stapfte durch das hohe Gras davon.

Hetzer und Kruse machten auf dem Rückweg zur Dienststelle einen kleinen Schlenker durch Todenmann. Wolf musste zugeben, dass der BMW die Steigungen zu seiner Kate unter der Frankenburg viel besser und satter meisterte als sein PS-schwacher Wagen mit Gasflasche. Ob der Heckantrieb natürlich hier im Winter auch so von Vorteil war, blieb mal dahingestellt. Doch noch war es Herbst. Und ein schöner Herbsttag obendrein. Dass er auch noch so spannend werden würde, hätte er nicht geglaubt.

Als die beiden auf den Hof fuhren, bellten Emil und Gaga im Duett. Gaga konnte durch den seitlichen Anbau, in dem heute der Hauswirtschaftsraum lag, das Haus verlassen, wann sie wollte. Das Grundstück war komplett eingezäunt, und er hatte eine Spezialklappe in die Tür bauen lassen. Sie funktionierte magnetisch, das Halsband war quasi die Eintrittskarte. Daher musste er sie normalerweise nicht zwischendurch in den Garten lassen.

Die nassen Schuhe hatten ebenfalls zu nassen Socken geführt. Wolf ließ beide im Hauswirtschaftsraum zum Trocknen und fühlte sich wie neugeboren, als er seine Kate mit einem neuen Fußensemble verließ. Warme Füße waren etwas Wertvolles. Peter hatte im Auto gewartet. Er hatte heute keine Lust, Gaga kennenzulernen. Er konnte ja auch nicht wissen, dass er sich mehr vor Emil hätte fürchten sollen.

Die Obduktion

Während Wolf Hetzer und Peter Kruse zur Dienststelle zurückfuhren, hatte Stefan Berthold von der Wasserschutzpolizei in Hameln per Funk durchgegeben, dass der mögliche Tatort bei Flusskilometer 136 in Hameln, etwas weserabwärts der Fontanestraße, liegen könnte.

Dort habe man eine Hose mit Blutanhaftungen in einem Strauch am Wasser gefunden.

Hetzer und Kruse machten sofort kehrt, stiegen wieder in den silbernen BMW und rasten auf der 433 in Richtung Hameln davon.

„Hast du gesehen, Wolf, die Kollegen aus Nienburg sind auch schon da.“

„Ja klar, der schwarze Volvo stand ein Stück weiter hinten.“

„Na, dann ist es ja gut, dass wir schon weg sind. Die Verteilung der Aufgaben können wir uns auch noch nachher anhören. Das waren noch Zeiten, als die einzelnen Dienststellen auch bei Kapitalverbrechen autark waren. Jetzt müssen wir immer erst abwarten, was Papi dort oben meint.“

Hetzer konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

„Nun sei doch nicht so hart, Peter, du wirst doch einsehen, dass hier einfach nicht genug passiert in unserem beschaulichen Weserbergland. In ganz Deutschland sind im letzten Jahr nur 365 Menschen ermordet worden. Die Gewalttaten halten sich auch in Grenzen. Da lohnt es sich einfach nicht, in jeder kleinen Stadt eine eigene Abteilung für Gewaltverbrechen zu beschäftigen. Und glaube mir, es wird bestimmt eine Sonderkommission eingerichtet werden, die wir leiten sollen.“

„Hm“, brummte Peter, „dann ermitteln wir mal mit Aussicht auf die gnädige Erlaubnis von ,Papi’.“

Der wenig liebevoll „Papi“ genannte Vorgesetzte war Kriminaloberrat Siegfried Eberlein, der – besonders bei Kapitalverbrechen – seine Finger im Spiel hatte.

Meist entsandte er einen seiner ihm untergebenen Hauptkommissare zur Sondierung der Lage, um anschließend durch dieses Sprachrohr Einfluss auf die Ermittlungen zu nehmen.

Sowohl Hetzer als auch Kruse kannten das Prozedere. Sie waren gespannt, wer ihnen diesmal zugeteilt werden würde.

Inzwischen hatten sie auf der Höhe von Hessisch Oldendorf die Weser überquert und fuhren nun auf der B 83 in Richtung Fischbeck.

Per Funk hielten sie mit den Kollegen auf dem Wasser Kontakt.

Sie hätten sie auch so nicht verfehlen können, denn das Boot war von der Straße aus gut sichtbar.

Direkt gegenüber der Einmündung zur Fontanestraße stellten sie den Wagen ab und schlenderten zum Ufer.

Hier war schon einiges los, die Spurensicherung war bereits vor Ort. Sie hatten den Bereich um den Strauch im Wasser und den Platz, wo das Opfer vermutlich ermordet worden war, abgesperrt. Hetzer und Kruse ließen sich zu der Stelle führen, wo das Gras wie im Kampf plattgewalzt und stellenweise wie mit rostroter Farbe bespritzt war.

„Wenn wir wüssten, wer der Tote ist, dann könnten wir besser verstehen, warum der Mann in der Nacht hierher gekommen ist, um seinen Mörder zu treffen.“

„In dem Alter ist es auf jeden Fall nicht normal, so am Flussufer entlangzuspazieren, vor allem ohne Hund. Vielleicht ist er auch entführt worden.“

„Auch mit Hund würdest du dich im Alter von siebzig Jahren nicht diesen Unebenheiten in der Dunkelheit aussetzen. Ich glaube ganz bestimmt, dass es einen wichtigen Grund gegeben haben muss, warum der Mann hier war. Komm, Peter, wir befragen mal die Bewohner in den Häusern an der Straße. Vielleicht hat jemand etwas gesehen oder gehört. Er muss doch geschrien haben, als er verletzt wurde.“

In diesem Moment klingelte Hetzers Handy.

„Na, böser Wolf“, stichelte Mica, „schon was erlegt? Oder hast du dein braun-graues Fell nur in den Wind gehalten?“

„Nein, meine liebe Mechthild.“ Hetzer sprach den Namen, den sie selbst so verabscheute, mit besonderer Inbrunst aus.

„Ist ja schon gut. Lassen wir den Mist. Ich wollte dir ein paar Informationen geben. Das Opfer muss gestern irgendwann zwischen 22:30 Uhr und Mitternacht gestorben sein. Dass der Mann kastriert war, hast du ja selbst gesehen, oder? Da lebte er leider noch. Es fehlt alles komplett und – man kann sagen, dass der Schnittverlauf fachlich nichts zu wünschen übrig lässt. Es könnte also sein, dass der Täter sich mit medizinischen Dingen auskennt oder Schlachter ist oder Bestatter.“

„Oder Pathologe. Das vereint alles in einem. Mensch, Mica, du hast vielleicht eine Phantasie!“

„Ohne die könnte ich auch meinen Beruf nicht ausüben, glaub mir. Er ist übrigens nicht an dem Schlag auf den Kopf gestorben. Der war zwar ziemlich heftig und ich tippe auf eine Taschenlampe als Tatwaffe, aber zum Tod hat der Aufprall nicht geführt, wenigstens nicht in dem Moment. Es waren Glassplitter in der Wunde. Vielleicht liegt die Lampe noch irgendwo.“

„Bisher ist keine Taschenlampe gefunden worden. Sie könnte natürlich auch in der Weser liegen.“

„Könnte sie. Übrigens ist der Mann ertrunken. In seinen Lungen war reinstes Weserwasser. Ansonsten wäre er aber auch verblutet oder an den Spätfolgen des Schlags gestorben. Drei Möglichkeiten für einen Exitus. Der Mörder ist auf Nummer sicher gegangen, denke ich. Aber es ist noch etwas merkwürdig.“ Mica zögerte.

„Ach ja, was denn?“

„Der Schildknorpel des Kehlkopfes wurde entfernt. Vor seinem Tod. Das kann man – wie im Genitalbereich – auch hier an den Hautunterblutungen feststellen.“

„Was hat das zu bedeuten?“

„Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall konnte er so nicht mehr schreien. Vielleicht sollte er mundtot gemacht werden. Deshalb hat auch niemand etwas gehört. Leider ist sein Gesicht ein wenig lädiert. Er muss wohl beim Treiben im Wasser irgendwo entlang geschürft sein. Das war aber postmortem.“

Hetzer bedankte sich und teilte der Pathologin noch mit, dass sie Blut vom möglichen Tatort zu ihr ins Institut schicken würden und die Hose des Opfer, falls sie ihm gehörte, aber davon ging er aus. Es passte einfach alles zu gut zusammen.

Wolf Hetzer und sein Kollege ließen die Spurensicherung ihre Arbeit machen.

Für sie beide war hier nichts weiter zu tun. Kruse hatte inzwischen über Funk nachgefragt, ob im Bereich Hameln/Rinteln Männer um die siebzig vermisst wurden. Die Antwort war negativ.

In den Häusern rund um die Fundstelle kamen sie auch nicht weiter. Niemand hatte etwas gehört oder gesehen. Nur der alte Pfarrer Fraas sei nach zehn Uhr noch spazieren gegangen, erzählte Wolfgang Wehrmann aus der Fontanestraße.

Er habe ihn gesehen, als er mit Whiskey Gassi gewesen sei. Er schien es eilig gehabt zu haben – und ja, er sei in Richtung Weser unterwegs gewesen.

Hetzer und Kruse bedankten sich und klingelten an der Tür von Josef Fraas.

Niemand öffnete.

Der Nachbar, der im Hof Laub fegte, erzählte ihnen, dass die Haushälterin bis Dienstag bei ihrer Schwester sei, möglicherweise sei ja auch der Pfarrer verreist. Das wisse er nicht. Kruse notierte den Namen der Haushälterin und seufzte. Ihm knurrte der Magen.

„Sag mal, können wir irgendwo zwischendurch anhalten, wenn wir zurück zur Wache fahren. Ich könnte ein ganzes Schwein auf Toast essen.“

Hetzer lachte und nickte.

So viel Menschenmasse musste natürlich versorgt werden.

Im Polizeikommissariat am Hasphurtweg war alles durch die übergeordnete Dienststelle geregelt worden. Der Beamte war sogar schon wieder weg.

„Na, siehst du, Peter, alles halb so wild!“, sagte Wolf und klopfte dem Hünen auf die Schulter. Dabei musste er fast auf die Zehenspitzen steigen.

„Was ist halb so wild?“, fragte Dienststellenleiter Mensching.

„Ich meinte, wir kommen ganz gut voran. Möglicherweise wissen wir bereits, wer das Opfer ist.“

„Das ist gut. Sie werden nämlich die Sonderkommission ,Orchidee’ leiten. Kruse wird Ihnen zur Seite stehen.“

„Das ist gut. Ich meine, dass ich die Kommission leite. Aber wieso ,Orchidee’? Ich kann überhaupt keinen Zusammenhang erkennen. Gibt es dafür einen besonderen Grund?“

„Uns fiel kein besserer Name ein. Wir kennen bisher den Namen des Opfers nicht. Moko ,Wasserleiche’ war uns zu spektakulär. Einziges auffälliges Merkmal ist die Kastration. Die Staatsanwältin kam auf die Idee, als sie einem Telefongespräch mit der Rechtsmedizin zuhörte. Der Tote sei einer Orchiektomie zum Opfer gefallen, hieß es da. Frau Dr. Kukla hat das Wort nicht richtig verstanden. Es war also mehr oder weniger Zufall. Wir fanden das alle sehr lustig. Klingt ja auch schön unverfänglich. Sie hat übrigens großes Interesse daran, dass wir die Sache möglichst schnell aufklären. Wir möchten, dass Sie uns täglich Bericht erstatten. Ich werde zu Frau Dr. Kukla Kontakt halten.“

„Moko Orchidee“, grummelte Kruse, als sie wieder in ihrem Büro waren, wo Hetzer noch nicht einmal dazu gekommen war, seinen Platz einzurichten, „da ist man einmal außer Haus und schon fällt denen nur Mist ein. Eine Blümchen-Ermittlung.“

„Das sind halt die Studierten. Da kannst du nichts machen. Sie haben immer Recht. Machen wir das Beste daraus.“

Hetzer zog seinen Lieblingsstift aus der Tasche und stellte seine Tasse auf den Schreibtisch. „Ich habe überhaupt nur Lieblingssachen“, dachte er. „Ich bin ein glücklicher Mensch.“

„Wie gehen wir weiter vor, Wolf?“

„Versuch du mal, die Nummer von der Schwester der Haushälterin rauszukriegen. Dann können wir sie fragen, ob Pfarrer Fraas verreist ist. Ich frage mal eben nach, ob es weitere vermisste Personen im Umkreis gibt.“

Nach einigen Telefonaten mit dem Hamelner Pfarramt hatte Kruse endlich die Nummer von Hilde Sawatzki notiert.

Das war ein großes Glück, denn er hatte keine Ahnung gehabt, wie die Schwester heißen könnte. Doch Datenbanken waren etwas Tolles. Und so dauerte es keine halbe Stunde, bis er Heide Brüderl am Apparat hatte.

„Brüderl.“

„Guten Tag, Frau Brüderl. Bitte bekommen Sie keinen Schreck. Hier spricht die Kriminalpolizei Rinteln. Mein Name ist Wolf Hetzer. Wissen Sie, ob Pfarrer Fraas verreist ist?“

„Jesses, Maria und Josef. Na. Soweit i woaß, is der Herr Pfarrer scho dahoam. I hob mir a verlängert’s Wochenend frei genumma, um mei Schwester in Hildesheim zu b’such’n. Herrgott na. I bet zum heiligen Antonius, dass ihr iam wiederfinden dat. Is iam woas zug’stoßen? I hob doch ois zurecht g’moacht g’hoabt. Es is a g’nug zum Essen do g’wen. Er hoat sei Wohnung überhaupts net verlassen müssen. Woas is denn g’schehn?“

„Das wissen wir nicht so genau. Wir wissen überhaupt nicht, ob es den Pfarrer Fraas betrifft. Haben Sie vielleicht ein Foto von ihm?“

„Es is oans im G’meindehaus von St. Elisabeth im Arndtweg. Doa sann Bilder von oall die ehemaligen Pfarrer. Oaber um Himmels wuill’n. Bitt’ schön, so soagen ’s mir doch, woas g’schehn is.“

„Heute Morgen ist der Körper eines älteren Mannes in Rinteln am Weserufer angeschwemmt worden. Es gibt keine Vermisstenfälle in der Gegend. Bei unserer Befragung rund um den möglichen Tatort hat einer der Nachbarn angegeben, dass er Pfarrer Fraas spätabends gesehen hat, wie er in großer Eile Richtung Ufer gegangen ist.“

„Na, des ko net sei. Des is net möglich, unser oider Pfarrer. So spat is der no nia aus’m Haus goanga.“ Ihre Stimme klang jetzt ein wenig ruhiger. „Des is a Irrtum. B’schtimmt is er verwechselt worn.“

„Aber warum öffnet er dann jetzt nicht? Wir haben gegen Mittag bei ihm geklingelt. Niemand hat aufgemacht.“

„Ah geh, wissen’s, er ist scho ein bisserl taub auf die Ohrn, der guade Josef. Effentwell hoat er a a Musi g’hert. Mozart und Bach hoat er am liebsten mögn ...”

„Frau Brüderl, wir werden jetzt nach Hameln fahren und nach dem Foto fragen. Wenn sich etwas Neues ergibt, werden wir Ihnen Bescheid geben. Vielen Dank erst mal.“

„Gern g’schehn, Herr Kommissar. Gott hoab Sie selig. I bet zum Herrgott, dass em Herrn Pfarrer nix Schlimm’s g’scheng is.“

Inzwischen war es halb vier geworden. Noch einmal Richtung Hameln, aber das war nicht zu ändern. Sie hätten auf diesen vagen Verdacht hin keinen Durchsuchungsbeschluss für das Haus von Josef Fraas bekommen.

Die katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth lag nicht allzu weit von der Fontanestraße entfernt.

Sie mussten die Löhner Eisenbahnlinie überqueren und ein Stück die Roseggerstraße Richtung Nordost fahren. Das Kirchenbüro war noch besetzt. Lisa Schäfer, die Pfarrsekretärin, führte die Beamten zu Pfarrer Josefs Foto, das in einer Reihe mit seinen Vorgängern hing.

Ohne Zweifel, das war der Mann aus dem Wasser. Sie hatten recht gehabt mit ihrer Vermutung. Das war eben der siebte Sinn, der Riecher, mit dem gute Kriminalbeamte ausgestattet waren.

„Unser guter Pfarrer Josef ist jetzt seit ein paar Jahren im Ruhestand. Er war Leiter der Verwaltungsstelle der katholischen Jugend, und darüber hinaus war er bei der Gemeinde sehr beliebt. Immer korrekt. Immer freundlich und hilfsbereit. Eben das, was man sich unter einem guten Hirten vorstellt. Was möchten Sie denn von Pfarrer Fraas? Sie erreichen ihn nur noch privat in der Fontanestraße, Richtung Weser. Soll ich ihn für Sie anrufen?“

„Das wird nicht möglich sein, Frau Schäfer. Pfarrer Fraas ist heute Morgen in Rinteln am Flussufer tot aufgefunden worden. Wären Sie bereit, ihn zu identifizieren?“

Lisa Schäfer wich zurück. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Der Pfarrer tot? In Rinteln? Was hat er denn da nur gewollt? Und wieso ist er tot? Identifizieren? Nein, nein, das kann ich nicht. Ich hole Ihnen Pfarrer Martin.“

Sie rannte davon, als ob der Leibhaftige hinter ihr her war.

Wolf Hetzer blieb verdutzt zurück. Kruse zuckte mit den Achseln. „Ich kann sie verstehen.“

Auch Pfarrer Martin war schon gesetzteren Alters und die Ruhe selbst.

„Frau Schäfer sagt, Sie haben unseren Pfarrer Josef tot aufgefunden? Am Flussufer in Rinteln hat er gelegen? Das ist ja unfassbar.“

„Das müssen wir leider bestätigen. Dürfen wir uns vorstellen? Ich bin Kriminalhauptkommissar Wolf Hetzer und das ist mein Kollege Peter Kruse.“

„Vielleicht können wir uns in mein Büro setzen, meine Herren? Das wäre angenehmer und der Situation angemessener, denke ich.“

„Ja, vielen Dank. Kannten Sie Josef Fraas schon lange?“

„Oh ja, wir haben uns im Priesterseminar kennengelernt. Da war er fast fertig und ich noch ein Frischling.“

„Was war er für ein Mensch?“

„Er war ruhig, besonnen, sehr ehrlich – auch wenn es unbequem war. Meist war er auch kompromissbereit. Nur zum Schluss hat ihm seine Starrköpfigkeit da manchmal einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

„Als Katholik würden Sie da sagen, dass er ein eher konservativer Geistlicher war, oder war er modernen Ideen gegenüber aufgeschlossen?“

„Oh, das lässt sich nicht so leicht sagen. In gewissen Ansichten war er im Mittelalter stehen geblieben. Dann wieder überraschte er uns mit Aussagen, die keiner von ihm erwartet hätte.“

„Können Sie uns dafür ein Beispiel nennen?“

„Fraas hatte zum Beispiel Verständnis für geschlechtliche Liebe vor der Ehe, auch wenn sie nicht zur Zeugung von Nachkommen diente, aber er hätte nie einer Legalisierung der Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare zugestimmt.“

„Die liberalen Ideen, hat ihm die jemand übel genommen? Wissen Sie, ob es Menschen gab, die ihn verabscheuten?“

„Sie fragen so, als ob Pfarrer Josef keines natürlichen Todes gestorben sei.“

„Das ist er auch nicht. Mehr können wir Ihnen aber zum momentanen Zeitpunkt nicht sagen.“

„Soweit ich weiß, hatte er keine Neider und Feinde. Aber wer weiß, es gibt so viele schlechte Menschen.“

„Wären Sie bereit, Herrn Fraas in der Rechtsmedizin in Stadthagen zu identifizieren? Wir würden das seiner Hausangestellten gerne ersparen.“

„Selbstverständlich. Bitte rufen Sie mich einfach an.“

„Uns wäre es am liebsten, wenn wir das gleich machen könnten. Wir nehmen Sie mit, wenn es Ihnen recht ist.“

„Ja, gut, einverstanden. Wenn es so dringend ist. Einen Moment, ich muss nur kurz regeln, wer meine Jugendgruppe übernimmt. Dann stehe ich Ihnen zur Verfügung.“

Pfarrer Martin Braun ging gemessenen Schrittes davon. Hetzer nahm sein Handy aus der Hosentasche und rief Mechthild an.

Hoffentlich war sie noch da.

„Ja?“

„Mica, bist du das? Hier ist Wolf.“

„Grrr, ich kann jetzt schlecht. Ich stecke mitten in einer Leiche. Kannst du später anrufen?“

„Nein. Ich mache es kurz. Wie lange bist du noch da?“

„Ein paar Nieren und Eierstöcke lang.“

„Ok, wir sind gleich da!“, sagte Hetzer und legte auf, bevor sie Nein sagen konnte.

Gemeinsam mit Pfarrer Braun fuhren Hetzer und Kruse über die B 83 in Richtung Steinbergen. In Buchholz nahmen sie die 442, die Abkürzung durch den Bückeberg. Knapp eine halbe Stunde später erreichten sie das Kreiskrankenhaus Stadthagen.

Mica war noch da.

Sie wusch ihre Hände von all dem rein, was niemand zu genau wissen wollte.

„Na, Wolf, hast du eine Fährte aufgenommen? Du klangst so ruhelos.“

„Darf ich vorstellen, das ist Dr. Mechthild von der Weiden. Ich weiß nicht, was spitzer ist, ihr Skalpell oder ihre Zunge.“

Kruse verdrehte die Augen. Jetzt ging das schon wieder los.

„Wir wissen jetzt, wer der Mann ist, der heute Morgen in Rinteln angeschwemmt worden ist. Es handelt sich um den 72-jährigen ehemaligen Pfarrer der St. Elisabeth Gemeinde. Josef Fraas heißt, äh, hieß er. Pfarrer Braun ist sein Nachfolger. Er soll ihn identifizieren.“

„Ah, na, dann kommt mal mit, ihr drei. Er liegt auf Nummer fünf, bestens restauriert – bis auf die kleine Schwachstelle natürlich.“

Pfarrer Braun hob die Brauen.

„Was für eine Schwachstelle meinen Sie?“

„Das kann ich aus ermittlungstechnischen Gründen leider nicht sagen. Aber ich würde gerne mit Hauptkommissar Hetzer gleich noch ein paar Worte unter vier Augen wechseln, wenn Sie nichts dagegen haben.“

Mica öffnete die Edelstahl-Tür, aus der es leicht dampfte. Dezent zog sie das weiße Laken gerade so weit vom Gesicht, dass dem Pfarrer der Anblick des Halsloches erspart blieb. Es klaffte leicht seitlich und sah unappetitlich aus. Braun hielt sich trotz allem bisher gut.

Er kämpfte wie alle mit der chemikalienlastigen Luft und den Gerüchen des Todes, die hier und dort unweigerlich in die Nase stiegen. Wer das nicht gewohnt war, brauchte starke Nerven oder einen starken Magen – am besten beides.

Pfarrer Braun nickte beim Anblick seines Vorgängers.

Es war eindeutig Fraas, kein Zweifel. Und es drängte ihn zu gehen. Kruse machte Wolf ein Zeichen, nahm den Geistlichen am Arm und verließ den Obduktionssaal.

„Du wolltest noch mit mir reden, Mica? Hast du noch etwas herausgefunden?“

„Ich habe über etwas nachgedacht. Wieso hat ihn der Mörder nicht einfach nur kastriert? Wieso hat er noch zusätzlich den Adamsapfel entfernt? Es hätte doch gereicht, ihm die Stimmbänder zu durchtrennen, damit er nicht schrie.“

„Adamsapfel? Du hattest doch Schildknorpel gesagt?“

„Ach, wusstest du nicht, dass das dasselbe ist? Schildknorpel oder Cartilago thyroidea, im Volksmund auch Adamsapfel genannt.“

„Und was wundert dich dann daran? Mich wundert nämlich jetzt nichts mehr. Er ist doch auch ein männliches Attribut, genau wie die Genitalien. Er sollte entmannt werden – in jeder Hinsicht. Nur warum?“

„Ja, warum? Dafür habe ich auch keine Erklärung. Vielleicht eine verschmähte Liebe. Aber du hast recht, das könnte eine sinnvolle Erklärung sein. Manchmal muss man Dinge erst aussprechen, bevor sie einem richtig ins Bewusstsein dringen.“

„Morgen werden wir die Haushälterin befragen. Sie ist momentan bei ihrer Schwester. Mal sehen, ob sie mehr weiß oder eine Idee hat. Als Tatverdächtige fällt sie aus. Sie ist schon seit Samstag verreist.“

„Selbst wenn sie in den Pfarrer verliebt war oder mit ihm eine Beziehung hatte, dann wird sie doch nicht so lange gewartet haben, um ihn jetzt noch umzubringen. Sie fällt sowieso aus, weil sie den schweren Körper unmöglich von der Kastrationsstelle ins Wasser gezogen haben kann. Und von selbst gegangen ist er bestimmt nicht. Du kannst davon ausgehen, dass er bewusstlos war. Der Schmerz, der Blutverlust – keine Chance.“

„Sei’s, wie es ist. Wir wissen noch zu wenig. Aber jetzt fahre ich erst mal nach Hause. Morgen früh geht es weiter.“

„Dann gute Nacht, Herr Isegrim, Grünkäppchen muss noch aufräumen.“

„Du bist plemplem, ehrwürdige Mechthildis, die Leichen haben dich wuschig gemacht. Beschäftige dich mal mehr mit den Lebenden.“

Hetzer schmunzelte über die schrullige Pathologin und dachte, dass sie mindestens so gaga war wie seine Lady zu Hause.

Jetzt noch schnell nach Rinteln zur Dienststelle, dachte er, den Wagen tauschen und dann nach Hause in sein Paradies am Hang.

„Hör mal“, sagte Peter zum Abschied, „ist dein Hund eigentlich sonst den ganzen Tag allein?“

„Nee, eine Nachbarin geht zweimal am Tag mit Gaga, außerdem sind die Katerbrüder da, die mit ihr kuscheln.“

„Ich wollte nur sagen, ich hätte nichts dagegen, wenn wir sie gelegentlich mitnehmen.“

„Du bist ein feiner Kerl, dass du an so was denkst. Ich bin froh, dass wir jetzt zusammenarbeiten. Also, dann bis morgen. Mal sehen, was der Tag bringt.“

Abendgedanken

Hetzer schwang sich in seinen Ford. Er war doch noch gut in Schuss. Was sind schon acht Jahre. Hetzer gehörte nicht zu den Menschen, die spätestens alle zwei Jahre ein neues Auto brauchten. Für ihn war es einfach ein Transportmittel, mit dem man trocken von A nach B kam. Solange keine Macken auftraten, gab es keinen Grund für eine Veränderung. Veränderungen waren überhaupt nichts für ihn, dachte er und fragte sich, seit wann er das so massiv empfand.

Vielleicht seitdem es sie nicht mehr gab. Da musste wenigstens alles andere möglichst so bleiben wie es war, damit er Halt fand.

Nachdenklich fuhr er den Kirschenweg hinauf und parkte auf seinem Hof. Emil kam ihm schon flügelschlagend entgegen. Als Hetzer ihm den langen Hals kraulte, dachte er, dass es besser wäre, spätestens im Frühjahr einen Artgenossen anzuschaffen. Es war nicht gut, so allein zu sein. Für Emil. Im Sommer war es einfacher, da war Hetzer viel draußen. Und Emil in seiner Nähe. Gaga war inzwischen auch schon am Gartentor und wedelte. Sie hatten eigentlich nichts auszustehen, denn es gab Moni. Moni Kahlert war seine Nachbarin. Anfang 60, sehr sportlich und tiervernarrt. Ihr ultrakurzer Haarschnitt ließ die zierliche Frau zehn Jahre jünger aussehen. Moni war die Einzige, die ohne Furcht Stall, Hof und Haus betreten konnte. Die Tiere liebten sie. Manchmal hatte er den Eindruck, dass sie auch heimlich Staub wischte, doch er stellte ihr diese Frage nie. Im dämmernden Tageslicht kam es ihm heute so vor, als ob er besser durch die Fensterscheiben sehen konnte. Doch auch das würde ein offenes Geheimnis zwischen den beiden bleiben. Es war gut, dass es Menschen wie Moni gab. Hetzer wusste das zu schätzen und lud sie ab und zu zum Essen ein.

Als er vor dem Kaminofen kniete und die Asche entfernte, strichen die Katerbrüder um seine Beine. Das war das allabendliche Ritual. Sie wussten genau, dass es gleich warm werden würde und machten es sich auf dem Biedermeiersofa bequem.

Hetzer wartete, bis er sicher sein konnte, dass das Feuer nicht wieder ausgehen würde und ging in die Küche. Die Kartoffeln waren schnell geschält, halbiert, mit Öl und Rosmarin bestrichen und nach dem Salzen in den Ofen geschoben. Zwei Scheiben Rinderbraten in einer Rotweinsoße mit Gemüsebindung waren noch vom Sonntag übrig geblieben. Jetzt konnte er sich genüsslich ein Stündchen vor den Kamin legen, bis die Rosmarinkartoffeln fertig waren.

Emil war schon gefüttert und im Stall, Gaga lag ihm zu Füßen und die Kater schmiegten sich an seine Beine. Das waren fast Abende wie früher. Als sie noch da war. Aber daran wollte er nicht denken, oder doch? Er hatte dazugelernt. Am Anfang hatte er die Leere verdrängt, war viel unterwegs gewesen. Hatte Freunde getroffen oder eingeladen. Nur nicht allein sein mit sich. Mit sich und dem Schmerz. Der Schmerz, dieser unerträgliche, der nicht vorbeiging. Für den es keine Heilung gab.

In den Monaten, in denen er vom Dienst freigestellt gewesen war, musste er irgendwann begreifen, dass er sich ihm stellen musste, dass er ihn annehmen musste. Es machte keinen Sinn, die Orte zu meiden, an denen er mit ihr glücklich gewesen war. Was nützte es, das Schicksal zu verfluchen. Sie war fort und er musste weiterleben. Ohne sie und doch mit ihr. Mit den Erinnerungen an sie. Mit dem wohligen Gefühl, mit der Liebe, die er fühlte. Manchmal sprach er mit ihr und ahnte, was sie geantwortet hätte. Er war immer noch verbunden mit ihr. Mit niemandem würde er jemals wieder so eins sein. Bei diesen Gedanken und dem beruhigenden Schnurren der Katerbrüder schlief er ein, bis ihn der Backofen mit lautem Piepen weckte. Mühsam stand er auf, reckte sich und ließ das Fleisch auf dem Herd kurz in der Soße warm werden. In diesen Minuten deckte er rasch den Tisch, entkorkte eine Flasche Rotwein und nahm die Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen. Hetzers Essbereich war eine wundersame Mischung aus alten Stühlen und einer Bank, die er in Nienstädt zusammengesucht hatte. Etwas aufgearbeitet, neu gepolstert und mit Lederbezügen versehen, sahen sie trotzdem nicht aus wie neu. Zusammen mit dem Tisch schmiegten sie sich in die Ecke des Wohnzimmers, wo die Treppe nach oben führte. Meist saß Hetzer auf der Bank. So hatte er den Raum im Blick und konnte auch von hier das Feuer sehen. Gaga verfolgte Wolf mit Nase und Augen, doch sie wusste, dass sie nichts bekam.

Man konnte Hetzer ruhigen Gewissens als Gourmet bezeichnen. Während er einen Schluck Rotwein im Mund zergehen, einen weiteren mit dem Rindfleisch melangieren ließ, dachte er an den toten Pfarrer. Es war für ihn so wenig verständlich, warum jemand Interesse daran haben könnte, einen alten Mann zu verstümmeln und dann in die Weser zu stoßen. Die kriminelle Energie des Tathergangs war enorm. Inwieweit das auf die Motive des Täters hindeuten würde, mussten sie herausfinden. Er würde morgen mit der Haushälterin sprechen, ob in der nahen Vergangenheit irgendetwas Außergewöhnliches passiert war oder ob der Pfarrer sich verändert hatte. Er musste auch Mechthild fragen, ob die DNA-Spuren der Kleidung schon ausgewertet waren und ob sich daraus irgendein Hinweis auf den Täter ergab.

Die Backofenkartoffeln waren vorzüglich. Hetzer bestreute sie ein bisschen mit Fleur de Sel. Dieses besondere Meersalz hatte ein anderes Aroma als herkömmliches Salz. Seine früheren Kollegen hatten immer abgewunken, wenn er so viel Aufheben um sein Essen machte oder gar seinen Tee genau nach Temperatur und Ziehzeit kochte. Sie machten gerne ihre Witze über ihn, aber sie waren Freunde gewesen, als es darauf ankam. Das war das Wichtigste. Über die Flachserei hatte er sich eher amüsiert und beim Fastfood angeekelt die Brauen hochgezogen. Wobei er gelegentlich einer Portion Pommes frites gegenüber nicht abgeneigt war, wenn sie gut gemacht war.

Nach dem Essen legte er sich noch ein Weilchen mit einem Buch auf sein Sofa und verpasste den Moment, als ihm die Augen zufielen. Das führte später dazu, dass die zunehmende Kälte ihn weckte und nach oben ins warme Bett trieb.

Im Netz

Montag, 4. Oktober 2010, 21:49 Uhr

Männer ließen sich leicht fangen. Sie waren so vertrauensselig. Vor allem bei Frauen. Denen konnten sie meist nicht widerstehen. Alkohol vernebelte ihnen zusätzlich die Sinne. Doch er hatte eine besondere Gabe. Er wirkte auf beide Geschlechter gleichermaßen anziehend.

Die Damen begehrten ihn fürs Bett und als Lebenspartner. Die Männer sahen in ihm einen echten Kumpel. Er war der Typ Mensch, mit dem man durch dick und dünn gehen konnte, das fühlten beide. Männer und Frauen.

Benno Kuhlmann saß nach der Ratssitzung noch mit einigen Parteibrüdern im „Stadtkater“ und merkte nicht, dass er beobachtet wurde. Als sich das Lokal nach und nach leerte, fiel ihm der sympathische Mann auf, der da hinten so einsam am Tisch saß. Wähler waren immer wichtig. Vor allem neue. Kuhlmann schnappte sich sein Glas und ging – bereits leicht schwankend – auf den Fremden zu.

„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“, fragte er mit seinem gewohnten Politikerlächeln.

„Bitte, gerne.“

„Sie sind sicher neu in der Stadt, wenn Sie hier so spät noch allein sitzen.“

„Nicht so neu, dass mich noch nichts stört, aber ich bin auch noch nicht so lange hier, dass ich wegziehen müsste.“

Und hier konnte Benno Kuhlmann einhaken. Er fragte nach. Wollte alles über den angenehmen Fremden wissen, vor allem, wo er ursprünglich herkam, wie es ihn hierher verschlagen hatte und wie es um seine politische Gesinnung stand. Auch, was er in Rinteln machte, wie es ihm dort gefiel, und so verstrickte sich Kuhlmann genau in dem Netz, das extra für ihn gesponnen worden war. Benno war sich sicher, einen neuen Wähler, ja vielleicht sogar einen Freund gefunden zu haben.

Lachend verließen sie später am Abend das Gasthaus, gingen über den Marktplatz und durch den Park, wo sie sich im Dunkel verloren.

Marga Kuhlmann merkte noch in der Nacht, dass etwas nicht stimmte. Benno mochte ihr nicht immer treu gewesen sein, aber gegen drei, halb vier kam er spätestens nach Hause. Jetzt war es halb fünf und somit fast schon Morgen, doch die Seite neben ihr im Bett war leer geblieben.

Sie stand auf und ging durch die hohen Räume. Vielleicht war er auf dem Sofa eingeschlafen. Doch auch dort war niemand. Sie geriet in Panik. Sah ihn im Geiste angespült am Weserufer oder mindestens aber im Wassergraben ertrunken. Sie wusste, dass er gerne dem Alkohol zusprach.

Gegen acht informierte sie die Polizei. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass er nie wiederkommen würde. Etwas war zu Ende. Sie fragte sich, ob sie traurig wäre, wenn sie recht hätte und konnte sich diese Frage nicht beantworten. Ihre Ehe hielt nun schon über zwanzig Jahre – mehr oder weniger. Die Kinder waren aus dem Haus, sie hatte nie in ihrem Beruf gearbeitet. Sonst hatte sie für ihn alles gemacht. Immer adrett, alles aufgeräumt, der Garten ordentlich. Sie hatte vielversprechende Gäste bekocht, Kuchen gebacken für Hinz und Kunz und alten Leuten vorgelesen.

Er hatte repräsentiert, wichtig geguckt und sich nicht in die Karten sehen lassen. Sie wusste nichts von ihm. Ein Fremder war er für sie im Laufe der Zeit geworden. Ein Schwätzer, der sich selbst am liebsten reden hörte und manchmal dabei sogar in den Spiegel sah. Es verband sie nichts mehr mit ihm als die Vergangenheit und vielleicht die Gewohnheit des Alltags. Doch ohne ihn hatte sie gar nichts.

Es klingelte. Das wenigstens war ein Vorteil von Bennos Bekanntheitsgrad. Die Beamten kamen zu ihr und nahmen die Vermisstenanzeige auf.

Die Bescherung

24. Dezember 1971, gegen 17 Uhr

„Susi, du kannst reinkommen, der Weihnachtsmann war da. Beeil dich, dann kannst du ihn noch mit dem Schlitten durch die Nacht wegfahren sehen.“

Die Mutter gab immer alles in der Weihnachtszeit. Schon Tage vorher wurde eingekauft, gekocht und gebacken. Eigentlich begann der Zauber zum ersten Advent, wenn sich die ganze alte Villa veränderte. Dort ein Mistelzweig über der Tür, Tannenzweige in Vasen, Kugeln im Fenster und Kerzen auf dem Adventskranz. Es duftete anders zu dieser Zeit, es fühlte sich auch anders an. Irgendwie weicher und ruhiger.

Susi hatte die ersten Tage der Weihnachtsferien damit verbracht, Winnetou II zu lesen.

Andere in ihrer Klasse waren noch nicht so weit, dass sie Bücher lesen konnten. Susi hatte sich das Lesen schon vorher selbst beigebracht. Das war im Grunde ganz einfach gewesen.

Sie wusste nicht, wieso die Erwachsenen so ein Geheimnis daraus machten.

In den Winnetou-Büchern war Susi völlig aufgegangen. Da war sie selbst zum Indianer geworden, hatte jedes Pferd im Griff und beherrschte die Kunst der Rauchzeichen. Im Sommer war sie nie anders anzutreffen als mit Köcher und Federschmuck. Pfeil und Bogen hatte sie sich selbst geschnitzt. Ein Stück Angelschnur hatte sie von Thomas bekommen. Die Prärie rund ums Haus und der angrenzende Wald gehörten ihr.

Sie war ganz gespannt auf die Bescherung. Schließlich hatte sie sich wichtige Dinge gewünscht. Reitstunden, eine Angel und natürlich Winnetou III. Den wollte sie bis zum Ende der Ferien durchgelesen haben. Darum zögerte sie auch nicht einen Moment, als Mutter nach ihr rief. Sie stürmte ins Wohnzimmer, in dem der Weihnachtsbaum stand. Eine Riesentanne von über drei Metern. Über und über mit Äpfeln, Nüssen, Kugeln und Kerzen geschmückt. Sie rannte auch zum Fenster, weil sie wusste, dass Mutter dachte, sie glaube noch an den Weihnachtsmann.

„Ach, schade Mama, er ist schon weg!“

„Da kann man nichts machen“, sagte Mama mit einer Spur Bedauern in der Stimme. „Na, dann lass uns mal die Geschenke auspacken.“

Susi rannte zu den Päckchen unter dem Baum. Wie herrlich, alles bunte Schachteln mit Schleifen – eine schöner als die andere.

„Dies hier ist für dich!“, sagte Mama und strahlte.

Susi zog die Schleife auf, wickelte den Gegenstand aus dem Papier und erstarrte. „Hanni und Nanni sind immer dagegen“ von Enid Blyton. Das war nicht ganz das, was sie sich gewünscht hatte.

„Freust du dich?“, fragte Mutter, und sie brachte es nicht übers Herz, sie zu enttäuschen.

„Ganz toll, Mama, wirklich.“

„Und hier kommt das Hauptgeschenk!“, erklärte Vater mit Stolz in der Stimme.

Es war nur ganz klein, eigentlich mehr ein Briefumschlag. Ah, dachte sie, das muss der Gutschein für die Reitstunden sein, den sie sich so gewünscht hatte. Eilig riss sie das Geschenkpapier ab und öffnete die Karte: Ballettstunden, zweimal wöchentlich.

Welche Schmach. Was sollte das? Kannten die eigenen Eltern sie so wenig? Zu nichts anderem war sie weniger geeignet. Sie konnte auf Bäume klettern, Dämme bauen. Notfalls konnte sie einen Regenwurm essen – aber Ballett?

Kleine Tränen rannen ihr die Wangen herunter.

„Sieh nur, Otto!“, rief Mutter, „Susi ist ganz überwältigt. Wir haben alles richtig gemacht. Jetzt wird aus unserem Mädchen eine feine Dame.“

Mit Mühe packte Susi ihr Tütü aus und ihre ersten Ballettschuhe. Sie weinte immer noch.

„Na, na, so beruhige dich doch wieder“, sagte Vater ganz gerührt.

Für Susi war eine Welt zusammengebrochen. Ein Teil ihrer unbeschwerten Kindheit endete in dem Moment, als sie – ihrem Stand gemäß – in die richtige Richtung geleitet werden sollte. Mit Liebe zwar, aber auch mit der Unwissenheit blinder Eltern, die ihre Kinder zu dem machen wollen, was sie selbst für sich nie gehabt hatten.

Bennos Verschwinden

Kurz nachdem sich Peter und Wolf an ihren Schreibtischen niedergelassen und den ersten Kaffee getrunken hatten – für Wolf war es der zweite – klingelte das Telefon.

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