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Man denkt zuerst vielleicht "oh nein, nicht noch eine Vampirgeschichte!" Doch dann entwickelt sich die Story ganz anders und spannender als erwartet..... Eine junge Frau ist plötzlich unsterblich, nutzt ihre neue Gabe um einer Liebe nachzugehen und hat auf einmal ungeahnte Probleme am Hals. Noch vollbringt sie gute Taten, doch was ihr widerfährt, verändert ihr ganzes Wesen.
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Seitenzahl: 455
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Katrin Lindemann
Schattenjäger
Die Geschichte eines jungen, außergewöhnlichen Vampirs
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1: Einen neuen Weg finden.
Kapitel 2: Neue Freunde
Kapitel 3: Eine neue Fährte
Kapitel 4: Getrübter Spaß und edle Jagd
Kapitel 5: Unfreiwillige Bekanntschaften
Kapitel 6: Das Fest der Liebe? Von wegen, wohl eher der Ungeduld.
Kapitel 7: Wut und Zerstörung! Ach ja, und Silvester.
Kapitel 8: Gewissen!
Kapitel 9: Jannis Leid
Kapitel 10: Ein schmerzhaftes Ende!
Impressum neobooks
Katrina war grade auf dem Weg nach Hause, sprang vom Dach aus auf den Balkon ihrer eigenen Wohnung.
Es hatte sich so viel geändert.
Noch vor einigen Monaten hätte ich so etwas nie für möglich gehalten. Auch wenn ich mir immer wünschte, in diese mysteriöse Welt einzutauchen. Und doch traf es mich unerwartet und schlagartig. 3 Monate war es nun her, dass ich verwandelt worden war und wieder allein gelassen wurde. Die Balkontür war wie gewohnt nur angelehnt, so dass ich ohne ein Geräusch von mir zu geben direkt in meine Wohnung treten konnte. Ich schloss die Tür und lauschte den Geräuschen in der Wohnung. Meine Freundin las im Schlafzimmer wohl noch ein Buch. Da sie sich nicht rührte, war ich mir sicher, dass sie die Geräusche meiner Rückkehr nicht bemerkt hatte. Wie albern es mir inzwischen vorkam absichtlich Geräusche von mir zu geben, damit sich jemand nicht zu Tode erschreckte wenn man plötzlich neben ihm stand. Aber da dies zu oft vorgekommen war, ergab ich mich den Umständen. Ich ging in den Flur und streifte dabei den Türrahmen, so laut wie ein Mensch es getan hätte. Klopfte gegen das Holz des Terrariums, ging dann in menschlichem Tempo drum herum und stieß die Tür zum Schlafzimmer leise auf. Janni blickte mich an und legte das Buch beiseite. Sie hatte meine albernen Geräusche gehört und war nicht erschreckt worden. „Schon zurück?“ fragte sie mich. Es sollte wohl belanglos klingen. Ich wusste, dass es ihr immer noch unangenehm war, mit mir in einem Raum zu sein. Zumindest wenn wir allein waren. Ihr beschleunigter Herzschlag verriet sie. Aber ich ignorierte ihn, weil ich hoffte, dass sie sich irgendwann daran gewöhnen würde, was ich war. Zwangsläufig überlegte ich aber wieder, ob ich die bei meinem Geständnis vielleicht nicht so hätte erschrecken sollen. Sie wollte mir ja nicht glauben. Nach einigen Sätzen der Wahrheit, lachte sie mich beinah aus, weil ich so hartnäckig versuchte, sie von etwas zu überzeugen, dass es in ihrer Welt nicht gab. Sie kam zu dem Schluss, dass ich vielleicht betrunken sei und wollte schon gehen. Sie war damals von der Couch aufgestanden und hatte die Hand an der Türklinke, als ich plötzlich vor ihr stand. Eine halbe Sekunde vorher hatte ich noch am Fenster gestanden, welche am anderen Ende des Raumes waren. Sie riss die Augen auf, nicht sicher ob sie das grade richtig verstanden hatte. Guter Trick, hatte sie gemeint. Dann hatte es mir gereicht. Da es spät abends war, hatte ich den Vorteil der Dunkelheit auf meiner Seite. Also packte ich sie und saß eine Sekunde später mit ihr auf dem Dach. Vor Schock wäre sie fast runter gefallen weil sie nicht gewusst hatte, wo sie hin tritt. Natürlich hatte ich mich mehrfach dafür entschuldigt, was sie albern fand. Und was ich ihr hoch anrechnete ist, dass sie sich schnell fasste und mich fragte was ich nun brauchte. Ich war so dankbar gewesen. Und ich würde es auch ewig sein! „Schlechte Gelegenheiten.“ Brachte ich nur heraus und blieb im Türrahmen stehen. „Verstehe.“ Nuschelte sie leise, denn was ich tat machte ihr Angst. Es war aber leider nötig. Das Risiko einen meiner Freunde anzufallen war mir einfach zu groß. Wenn ich jagen musste, war es mir selbst unangenehm dies auszusprechen. Janni war rund um die Uhr meine Vertrauensperson geworden, arbeitete sogar weniger. Seit ich anders war, konnte ich nicht allein sein. Und sie schwieg. Einzig ihr Partner wusste noch was aus mir geworden war, um Verständnis für ihr Verhalten zu haben. Da ich zu einer perfekten Diebin geworden war, musste Janni sich keine finanziellen Sorgen machen, wenn sie nicht arbeitete. Und außerdem ließ ich ihr noch sehr viel Zeit für sich und ihre Beziehung. Ich war am Tag zuvor aufgebrochen um zu jagen, aber es gestaltete sich schwieriger zu jagen wie ich dachte. Man konnte nicht so viele Menschen in zu nahe liegenden Gebieten verletzen ohne, dass jemand ein Muster erkannte. Ich musste mich inzwischen immer weiter entfernen. Ich tötete meine Beute nicht und deswegen konnte ich sie nicht grenzenlos aussaugen. Nur einen gewissen Teil ihres Blutes konnten sie entbehren, ohne dass es gesundheitliche Probleme für sie gab. Zum kotzen!
„Ist hier alles in Ordnung gewesen?“ stellte ich meine Frage so beiläufig wie möglich an sie. „Natürlich, wie immer. Wirst du nochmal los?“ Ich nickte und wartete ihre Reaktion ab. Als sie erleichtert schien, redete ich weiter. „Ich hatte nicht genug und will kein Risiko eingehen. Vielleicht muss ich mich weiter entfernen.“ Ich sah zum Fenster und dann auf den Boden. Menschen mochten es nicht wenn man sich nicht bewegte oder sie anstarrte, es machte sie nervös. Auch wenn sie wussten, dass sie einen Vampir vor der Nase hatten. Und die verhielten sich nun mal anders. Sie setzte sich im Bett auf und sah mich abschätzend an. „Vielleicht ist das eine gute Idee?!“ nach einem fragenden Blick von mir sprach sie schnell weiter. „Ich meine mit dem weiter weg “sie schluckte „jagen.“ Sie hatte Recht, auch wenn ihre Angst noch immer zum Teil aus ihr sprach. Ich nickte kurz, sah auf die Uhr an der Wand. „Ich gehe morgen Abend. Wirst du hier bleiben bei dem Hund?“ – „Ja ich werde Jared fragen, ob er mit hier her kommt.“ Ich sah ihr dankend in die Augen. „Danke Schatz. Ich lass dich jetzt schlafen. Ich bin nebenan wenn es dir Recht ist.“ Die taffe Art die sie eigentlich immer an den Tag legte, kam wieder durch als sie die Augen verdrehte. „Meinst du das stört mich? Dass KillerKate nebenan ist?“ Sie lachte dann und legte sich wieder hin. Ich rang mir ein Grinsen ab, aber ich wusste, was sie dieser Scherz an Mut gekostet hatte. „Ich will es nicht hoffen. Schlaf gut.“ Ich schloss die Tür und ging ins Wohnzimmer. Als ich alle Lichter gelöscht hatte, schaltete ich den Computer an und setzte mich davor. Ich wollte mir ein wenig unsere Nachbarländer ansehen und welche Wege ich am besten nehmen konnte. Direkt durch eine größere Stadt zu jagen auch wenn ich zu schnell für das menschliche Auge war, vermied ich lieber! Meine Art zu jagen würde mich genug Mühe kosten, das wusste ich. Und höchst wahrscheinlich würde ich meinen ganzen Weg mit Verletzten pflastern. Aber was solls. Besser als jemanden zu töten.
Als ich die Karte von Europa vor meiner Nase hatte, blieb mein Blick augenblicklich eine Sekunde auf Barcelona hängen. Ich dachte nur sehr kurz daran, wer in dieser Stadt lebte und mir in den letzten Wochen als Mensch völlig den Kopf verdreht hatte. Noch bei dem Versuch die Gedanken an ihn beiseite zu schieben, wusste ich bereits, was ich mir allein von Janni anhören konnte, wenn ich der spanischen Grenze auch nur nahe kam, geschweige denn, wenn ich mich nicht davon abhielt, diese Stadt zu betreten. Trotzdem war dieser Gedanke einfach zu verlockend. Ihn wieder zu sehen reizte mich. Und da war es auch schon vorbei mit dem Versuch irgendwelche Erinnerungen beiseite zu schieben. Nein, ich ließ mich darauf ein, auch wenn es mich ärgerte wie verschwommen diese Bilder waren. Es war noch nicht lange her, aber ich war menschlich, als ich all das wahr nahm. Ich hatte immer gute Augen, doch wozu sie jetzt fähig waren, stellte alles in den Schatten. Ich wusste noch, dass ich völlig verrückt danach war, wie er roch. Aber ich würde das jetzt sicher alles völlig anders wahr nehmen. Meine Neugier war geweckt und der Entschluss bereits getroffen, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte.
Unfreiwillig hatte ich mich in ihn verliebt, in der kurzen gemeinsamen Zeit. Natürlich war es dumm, denn er lebt in Spanien und zu dem war er noch Stripper. In so einen Mann verliebte man sich nicht, mit so einem hatte man höchstens Spaß. Und trotzdem. Ich wollte ihn wieder sehen. Ich würde einfach dafür sorgen, dass er mich nicht sah. Perfekt! Ich grinste meinen Monitor an und suchte mir eine Strecke raus. Das GPS auf meinem Handy würde den Rest erledigen. Nicht, dass mein Gedächtnis nicht perfekt war und ich mir diese Karte bis ins kleinste Detail einprägen konnte. Aber man wusste ja nie, wer einem über den Weg lief. Grundsätzlich machte ich einen riesen Bogen um andere Unsterbliche. Ich war noch jung und unerfahren. Ich wollte mich mit niemandem um ein Revier streiten und hatte keine Ahnung wie es andere Vampire damit hielten.
Ich hatte Janni bereits gesagt, dass ich einige Tage weg sein würde. Also würde ich genügend Zeit haben ihn zu finden, zu sehen und mir zu merken, wie er riecht. Vielleicht würde es mich umhauen wenn ich ihn wieder wahr nehmen kann, jetzt mit diesen unglaublich verschärften Sinnen. Ein Blick auf die Uhr ließ mich leise seufzen. Es war 2 Uhr morgens, ich würde noch ungefähr 19 Stunden dauern bis ich aufbrechen konnte. Aber wenn ich länger weg war, verbrachte ich den Tag lieber noch mit meinen Freunden. Ließ mich sehen, so dass nicht sofort Fragen gestellt wurden, wo ich war und warum ich mich nicht mit den anderen traf.
Bei diesem Gedanken ermahnte ich mich, auf dem Weg nach Spanien genügend zu jagen. Ich durfte das nicht schleifen lassen. Mal davon abgesehen wurde jemand misstrauisch, wenn ich wieder durstig zurück kam. Verflucht, zu jagen würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich schüttelte über mich selbst den Kopf. Jagen war wichtig, aber ich wollte auch Zeit haben ihn zu sehen. Auch wenn ich mich nicht zeigen würde, er soll nicht einmal ahnen, dass ich in der Nähe bin. Ich verließ die Wohnung und kletterte über meinen Balkon wieder auf das Dach. Als ich in die Sterne starrte, ging ich meinen Erinnerungen nach. Er hatte mich völlig fasziniert. Ob das noch einmal passieren konnte? Immerhin war ich jetzt anders und nahm die Menschen auch anders wahr. Und er war doch nicht mehr als das, ein Mensch! Oder? Sicher war er nur das, aber würde er auch für mich nur das sein wenn ich ihn wieder sah?
Natürlich wird er das nur sein! Ich versuchte mich selbst davon zu überzeugen, dass er sich nicht in mein Gehirn brennen wird, wie schon einmal. Es würde mich auch noch wahnsinniger machen, wenn dies der Fall war. Ich würde ihn nur sehen und nichts weiter! Wenn er nicht zuhause war, wäre es ein Leichtes ihn in der Stadt zu finden. Einmal in seiner Wohnung und seinen Geruch aufgenommen, würde ich ihn überall finden können. Ich lächelte in mich hinein, denn bei solchen Erkenntnissen war ich glücklich über das, was aus mir geworden war. Ich hatte es mir zwar immer heimlich gewünscht, jedoch nie damit gerechnet, dass jemand meinen Wunsch erhören wird.
Ich verbrachte den Rest der Nacht auf dem Dach und zog mich erst bei der Dämmerung zurück. Wenn ich bei der Kälte und mitten im Winter auf dem Dach hockte, stundenlang und ohne mich zu rühren würde sich sicher jemand wundern. Und aufzufallen konnte ich mir nicht erlauben. Also hockte ich mich vor die aufgedrehte Heizung um meine Temperatur etwas zu steigern. Wenn ich mit solch kaltem Körper jemanden berührte, würde er sicher die Flucht ergreifen. Mein Körper wärmte sich also auf und ich ging hier weiter meinen Überlegungen nach. Was sollte ich am Tage in einer Hauptstadt machen, wenn die Sonne schien und ich keine Wohnung hatte um mich zu verstecken? Jemand der mich in der Sonne entdeckte, würde einen Herzanfall erleiden und ewig in einer schattigen Ecke rum stehen kam auch nicht in Frage. Sicher gab es einige hohe Dächer die niemand einsehen konnte. Ich würde mich in der Nacht gut nach einem Versteck umsehen für den Tag. Aber viel spannender war für mich die Frage, wie ich die Nacht verbringen würde. Wie nahe konnte ich ihm kommen? Würde ich in seine Wohnung gehen wenn er schlief? Würde ich auf dem Dach gegenüber sitzen und ihn beobachten wie ein kranker Spanner? Ich schüttelte abwesend den Kopf. Das ging doch alles schon viel zu weit. Oder? Natürlich würde ich ihm seine Privatsphäre lassen. Ich würde ihn nur kurz sehen wollen und mehr nicht, Genau! Janni´s Atem wurde unruhiger im Nebenzimmer, ich wusste, dass sie bald aufwachen würde. Ich war ihr so dankbar, dass sie immer hier war, wenn ich sie brauchte.
Den ganzen Tag verbrachte ich geduldig und intensiv mit meinem Freunden und spielte mit meinem Hund. Wir gingen spazieren und essen. Bei so drückendem Wetter war es perfekt für mich. Die Menschen liebten die Sonne und ihre Wärme, aber ich konnte mich nicht in der Sonne zeigen. Wenn man aussah wie eine wandelnde Taschenlampe, gestaltete Normalität sich wirklich schwierig.
Als es endlich dunkler und spät genug wurde nach Hause zu gehen, war ich auf einmal unruhig. Mein Plan sorgte doch tatsächlich für etwas Nervosität, als ich mir erlaubte genauer darüber nachzudenken. Ich duschte fast hektisch. Ein Vampir in Hektik war sicher ein lustiger Anblick. Eine Minute unter dem warmen Wasser, und ich war fertig. Wenn ich nicht etwas zur Ruhe kam, würde Janni sicher etwas auffallen. Sie hatte den halben Tag mit ihrem Mann verbracht und beide waren nun in meiner Wohnung. Ich hörte sie im Wohnzimmer darüber reden, dass ich weiter weg wollte zum jagen. Janni machte sich Sorgen, ob ich auch nichts Blödes vorhatte. Na klasse, konnte die Frau jetzt schon Gedanken lesen? Ich war vielleicht doch zu hektisch. Als ich mich anzog und das Halfter um meinen Oberkörper legte, versuchte ich mich ruhig zu verhalten. Wir immer war ich in mein dunkles Outfit gehüllt. Flache Stiefel, Lederhose, Top und eine kurze Lederjacke die die Waffen auf meinem Rücken verdeckte. Ich ging ins Schlafzimmer um meine Waffen zu holen. Es machte sich nicht gut die Menschen zu beißen. Das Risiko sie zu verwandeln war zu groß und Wunden mit einem Dolch gezogen, sahen eher nach einem menschlichen Angriff aus. Janni kam aus dem Wohnzimmer zu mir und riss die Augen auf, als sie mich mit den Dolchen in der Hand dort stehen sah. Es war nicht das erste Mal für sie, und doch schockte es sie immer wieder, dermaßen mit der Realität, was mich anging, konfrontiert zu werden. „Ähm…“ Ich blickte auf und in ihr Gesicht, das sie wieder unter Kontrolle kriegen wollte. „Ja?“ hakte ich nach, als nichts kam. Ich schob die Dolche in schnellen, menschlichen Tempo in die Halterungen und ließ sie somit aus ihrem Sichtfeld verschwinden. Das funktionierte, sie fasste sich wieder. „Ist alles ok bei dir?“ Was? Hatte sie gemerkt, dass ich wirklich anders war? „Ja sicher, warum sollte es nicht? Du weißt, dass ich nicht gerne jagen gehe.“ Ich zog den Reißverschluss meiner Stiefel zu. Nebenbei sah ich aus dem Fenster. Wie lange sollte dieses Gespräch noch dauern? Es war stockfinster draußen und sie verschwendete grade meine Zeit. Zeit, die ich für den Weg brauchen würde, Spanien war schließlich nicht um die Ecke. „Ja ich weiß, ich wollte dich auch nicht nerven.“ Na klasse, sie sah mich vorwurfsvoll an. Hatte ich mich im Ton vergriffen? Ich ging langsam auf sie zu und legte noch langsamer, darauf bedacht sie nicht zu erschrecken, eine Hand auf ihre Schulter. „Mach dir keine Gedanken, ich bin brav und in ein paar Tagen zurück. Mein Handy hab ich dabei. Du kannst jederzeit anrufen. In Ordnung?“ Sie sah mir in die Augen und nickte, es war tatsächlich eine Kontrolle. Sie machte sich Sorgen, um mich. Wie absurd. Sollte sie sich lieber um die Menschen sorgen, die ich mir aussuchen werde. Langsam ging ich an ihr vorbei ins Wohnzimmer auf die Balkontür zu. Janni setzte sich wieder auf die Couch zu ihrem Mann und ich sah die beiden noch einmal an, wie sie mich beobachteten. „Ich werd mal los, danke ihr zwei.“ Jared nickte mir zu und grinste. „Viel Spaß beim meucheln.“ Ich musste gegen meinen Willen lachen. Er hatte eine schräge Art von Humor und insgeheim wollte er gerne einmal mitmachen. Sich mal richtig austoben. Er war der Typ, der keiner Schlägerei aus dem Weg ging. „Viel Erfolg.“ Sagte Janni nur reserviert. Ich nickte den beiden zu und ging auf den Balkon, als ich hörte wie die Tür geschlossen wurde, war ich schon ein Ende weg. Umdrehen wollte ich mich nicht mehr, sondern rannte so schnell ich konnte den Weg, der sich in der vergangenen Nacht in mein Gedächtnis gebrannt hatte. Ob es die richtige oder die falsche Entscheidung war, fragte ich mich nicht mehr, es war mir egal. All meine Konzentration richtete sich jetzt auf mein Ziel. Auf ihn. Nachdem ich ca eine Stunde gerannt war hielt ich kurz inne. Ich roch zwei Obdachlose nicht weit vor mir und wollte nachsehen, wo genau ich mich befand. Mein Handy zeigte mir, dass ich mitten in Frankreich war, an der Grenze zu einer kleinen Stadt. Vielleicht 50.000 Einwohner. Ich spürte das Verlangen in meinem Hals bei dem Geruch der Menschen in der Nähe und merkte, wie ich etwas schwächelte. Meine letzte ausgiebige Jagt war mehr als 10 Tage her. Es wurde langsam Zeit. Außerdem, es wäre tatsächlich dumm gewesen, sich durstig demjenigen zu nähern, den ich um keinen Preis verletzen wollte. Ich sprang auf eines der nahegelegenen Dächer und fixierte die beiden unten am Boden. Einer der beiden schlief tief und fest. Perfekt. Ich sprang blitzschnell hinunter und griff mir den größeren der beiden, den, der wach war und sprang zurück auf das Dach. Ein leichter Schlag von mir auf den Hinterkopf und er verlor das Bewusstsein. Dann zog ich einen meiner Dolche und verletzte sein Handgelenk. Grade so tief, dass die Arterie nur leicht verletzt wurde. Vorsichtig trank ich. Mein Verlangen wurde etwas gestillt und eine friedliche Ruhe durchflutete mich. Danach verband ich ihm sein Handgelenk. Ich brachte ihn zurück und tat unten am Boden das Selbe mit dem anderen Typen. Die beiden waren widerwärtig. Ich schmeckte den Alkohol in ihrem Blut und sie hatten sicher ewig nicht geduscht. Ich säuberte meinen Dolch im Schnee und steckte ihn wieder weg. Das würde doch sicher erst einmal reichen, oder? Eine innerliche Bestätigung reichte mir. Ich wusste, dass es nicht ausreichen würde, aber ich wollte keine Zeit verschwenden. Also rannte ich wieder los, weiter Richtung Spanien. Die Temperaturen wurden wärmer, als ich mich der Grenze näherte. Wieder blieb ich stehen um meinen Standort zu überprüfen. Ich hatte die Grenze bereits hinter mir gelassen und in einigen Kilometern würde ich Barcelona erreichen. Wenn ich noch einen Herzschlag hätte, würde dieser sich jetzt sicher beschleunigen vor Aufregung. Es war albern, aber ich freute mich darauf ihn zu sehen.
Am Ortseingangsschild von Barcelona blieb ich wieder stehen, sprang schnell auf einen Baum und sah in die Stadt hinein. Es dauerte sicher eine Minute bis ich weiter rannte. Mich immer auf den Dächern haltend, gefiel mir was ich sah. Die Häuser waren gepflegter und altmodischer. Menschen würden mich nicht sehen können, wenn ich an ihren vorbeirannte, trotzdem vermied ich jedes Risiko. Ich brauchte nur noch 5 Minuten um die Gegend zu erreichen, wo er lebte. Die Straßen waren Menschenleer hier. Also sprang ich von dem Dach und sah mich nach dem richtigen Straßennamen um. Schnell entdeckte ich ihn und lauschte jedem Geräusch um mich herum. Einige Schritte und Blicke später sah ich die Ziffern an der richtigen Haustür. Meine Fresse, ich war wirklich hier.
Ich sprang schnell wieder auf die Dächer, um nicht von den vorbeifahrenden Autos gesehen zu werden. Namensschilder verrieten mir, dass er im obersten Stockwerk lebte. Dort standen nur zwei Namen, also gab es dort nur zwei Wohnungen. Mit einem Satz landete ich auf dem Dach seines Hauses und streckte meine Sinne aus. Im hinteren Teil des Dachgeschosses hörte ich zwei Herzen ruhig schlagen und den noch ruhigeren Atem dazu. Dort schliefen zwei Personen tief. Im vorderen Teil gab es kein einziges Geräusch. Diese Wohnung war also leer. Sofort fragte ich mich, ob er im hinteren Teil schlief und eine Frau neben ihm lag. Vielleicht sollte ich sie aussaugen. Verflucht, was dachte ich da? Nein ich sauge hier niemanden aus, ermahnte ich mich, bewegte mich langsam auf den Balkon der vorderen Wohnung zu und sah in die Dunkelheit hinein. Meine Augen waren perfekt in der Nacht, ich könnte alles erkennen. Wieder war ich froh, über meine Fähigkeiten. Dort hingen Fotos an der Wand und einige standen auf den Schränken. Man wurde es mir hier leicht gemacht. Es waren Bilder von ihm mit seiner Familie und Freuden ohne Zweifel. Ein Fenster stand einen Spalt weit offen und die Ahnung seines Geruches drang zu mir vor. Ich machte einige Schritte auf die offene Balkontür zu um es genauer zu riechen, was mich gleich umhauen sollte.
Abgelenkt von dem Geräusch eines haltenden Autos, drehte ich mich um und sah hinunter. Das letzte was ich brauchen konnte, war jemand der mich hier oben beim spionieren sah, weil ich unaufmerksam wurde. Die Wagentür der Beifahrerseite wurde geöffnet. Also sprang ich zurück auf das Dach und hielt mich flach auf den Ziegeln. Niemand würde mich so entdecken können und ich blieb ganz ruhig. Bis der Wind sich drehte. Oh ….mein ….Gott. Er war es. Er stieg da aus dem Auto. Er redete mit der anderen Person auf dem Fahrersitz. Er bewegte sich im Wind, der mir den Geruch wie eine Peitsche ins Gesicht schlug. Verdammt es haute mich tatsächlich um. Mein ganzer Körper spannte sich an, ich stand völlig unter Strom. Damit hatte ich nicht gerechnet. Er roch noch 100 Mal besser, als ich es in meinen Erinnerungen wahrnehmen konnte. Und der Klang seiner Stimme ließ mich an meiner Entscheidung rütteln, mich ihm zu zeigen. Nein das durfte ich auf keinen Fall. Wenn ich mir das erlaubte, käme ich hier nicht schnell genug wieder weg. Er sprach noch einige Sekunden mit dem anderen Kerl und schlug dann die Tür zu. Er schwang sich seine Tasche über die Schulter und ging dann langsam in die Richtung seines Hauses. Ich war so auf ihn fixiert, dass ich die Gruppe Männer, die sich aus einer Seitenstraße näherten, erst spät für voll nahm. Was hatten die denn vor? Hatten sie gewartet, bis der Wagen weg war? Oh nein! Er kam doch nicht etwa genau jetzt in Schwierigkeiten? Ausgerechnet jetzt wo ich hier auf seinem Dach lag um ihn nur einmal wieder zu sehen? Verdammt, genau das war der Fall. Die Typen gingen auf ihn zu, er beschleunigte seinen Schritt doch sie waren schnell bei ihm. Sie redeten auf Spanisch und ich verstand nicht alles. Sie wollten seine Kohle, natürlich. Bei einem Spruch von ihm holte der erste zum Schlag aus. Er ließ seine Tasche fallen und wich aus. Wow, er war schnell, ich dachte er würde ihn treffen. Alle folgenden Überlegungen kamen in nur einer Sekunde. Ich war beeindruckt, aber als der nächste Typ ausholte um ihn umzuhauen verflog das schnell. Das waren 5 Typen gegen einen, ausgerechnet jetzt. Man. Ich konnte mich doch nicht einmischen oder? Ach scheiß drauf. Ich schoss vom Dach und trat den Kerl weg, einige Zentimeter bevor er sein Gesicht mit dem Schlag erwischt hätte. Der Versuch mich zu beherrschen, scheiterte, als ich ein par Knochen knacken hörte. Gut so. Ich hatte kein Mitleid mit solchen Feiglingen. Als der Kerl rückwärts von mir weg flog und ich mich aufrichtete, hatte ich bereits meine Waffen gezogen. Ich stand zwischen der Gruppe von Feiglingen und ihm. Der hektische Ate hinter mir, drang ich mein Ohr, aber ich konnte mich grade nicht zu ihm umdrehen. Mit Sicherheit hatte er mich noch nicht erkannt und fragte sich, genau wie die Schwachmaten vor mir, wo ich so schnell hergekommen war. Einige Sekunden überlegte die Bande und warf sich fragende Blicke zu. Ich hoffte, dass sie zu dem Schluss kommen würden, dass ich nur eine kleine Frau war. Ihr Kumpel war zu überrascht um zu reagieren. Und genau so kam es. Zwei kamen gleichzeitig auf mich zu und grinsten vor sich hin. Diese Schweine, ich ahnte was sie sich dachten. Ich drehte die Dolche in meinen Händen, dass die Klingen nach hinten zeigten, dann griffen sie mich an. Grimmig grinsend knurrte ich laut, während ich sie fertig machte. Ein Tritt nach dem Einen und einen Hieb mit dem Dolch. Dem anderen Zog ich die Klinge nur über die Brust und stieß ihn um. Der erste hatte sicher einen gebrochenen Arm und einen tiefen Schnitt am Oberschenkel. Die übrigen beiden starrten mich nur noch an, völlig in Panik versetzt. Sicher auch von dem Knurren. Mir schoss in den Sinn, dass es sicher alles andere als menschlich klang. Aber die Blicke in meinem Nacken waren die einzigen, die mich interessierten. Immerhin war er noch da. Ich kauerte in Angriffsstellung immer noch vor ihnen und fletschte die Zähne. Das genügte um sie endgültig in Panik zu versetzen. Sie griffen die schwer verletzten beiden und machten sich aus dem Staub. Einige Sekunden wartete ich noch, bis ich mich langsam aufrichtete. Ich atmete einmal tief ein um mich zu beruhigen. Doch der Geruch von frischem Blut kribbelte in meiner Nase und ich musste mich extrem zuammenreißen. Ich stand nun grade und steckte die Dolche zurück in die Halfter bevor ich mich umdrehte. Er stand noch immer stocksteif hinter mir und starrte mich sicher an. Als ich mich umgedreht hatte, machte ich unauffällig einen Schritt zurück von ihm weg. Ich wollte ihn nicht erschrecken. Jaja, als wenn das noch möglich war nach der Nummer die ich eben abgezogen hatte.
Er riss die Augen auf, als er in mein Gesicht sehen konnte und der Wind meine langen schwarzen Haare nach hinten blies. Hatte er mich erkannt? Ich sah schon etwas anders aus und er hatte mich Monate nicht gesehen. „Katrina“? Oh er erinnerte sich. Sein Blick war fragend und aufgewühlt, und doch schien er etwas ruhiger zu werden, nachdem er mich erkannt hatte. „Hallo Adrian.“ Mehr brachte ich nicht heraus und die Bestätigung, dass ich es war, schien ihn noch einmal zu schocken. Na großartig. Das war ja ein klasse wiedersehen. Anderseits, wie würde er jetzt aussehen, wenn ich nicht hier gewesen wäre? Ich verdrängte das Wort Schicksal aus meinen Gedanken und wartete, dass er etwas sagte. Ließ ihm Zeit, das Ganze zu verdauen und rührte mich nicht. Atmete nur seinen wahnsinnigen Geruch ein. Er war so nahe. Verflucht und auch sein Geruch, versetzte meinen Durst in Hochstimmung. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Sicher sagte ich mir immer wieder, dass er nur ein Mensch war. Doch ließ ich dabei völlig außer Acht, dass ich mich genau von Denen ja ernährte. Hier stand er, groß, kräftig, und sah umwerfend aus. Sein markantes Gesicht hatte sich kein bisschen verändert. Seine tiefen dunklen Augen verwirrten mich noch immer, wenn ich mich darin verlor und sein breites Kreuz versprach eine wohltuende starke Umarmung. Blöd nur, dass sein Duft sich genau die Waage hielt zwischen küss mich und beiß mich. Verdammt!
Ich konnte in seinem Blick erkennen wie sich die Fragen in seinem Kopf überschlugen, während er versuchte, die für ihn wichtigste heraus zu suchen. Was würde wohl zuerst kommen? Was ich war? Wo ich hergekommen bin so schnell? Was ich mit Waffen machte? Warum ich in seiner Nähe war? Lange musste ich nicht mehr warten, war aber doch überrascht von dem was kam. „Danke, du hast mir grad den Hintern gerettet oder?“ Hä? Hintern? Jetzt reiß dich mal zusammen, dachte ich. „Ähm, ja, ich denke schon. Gern geschehen. Geht es dir gut?“ Er nickte und sah noch einmal in die Richtung, wo die Idioten verschwunden waren. „Wo bist du so schnell hergekommen?“ Ah damit hatte ich gerechnet. „Ich war in der Nähe, zufällig.“ Nur der letzte Teil war gelogen und ich war gespannt, ob er es schlucken würde. Tat er natürlich nicht, was mir das Hochziehen eine seiner Augenbrauen bewies. „Zufällig? Und warum bist du bewaffnet? Zufällig in der Straße in der ich wohne? Und kommst aus dem Nichts als der eine mich fast getroffen hatte?“ Verflucht, er hatte mehr mitbekommen als ich dachte. Man hatte ich ein Glück. Da wollte ich mich doch gar nicht zeigen und nun stand ich hier und musste mich erklären. Während er seine Fragen stellte, sah er an mir hinunter und ich überlegte wie viel der Veränderungen er an mir wohl so feststellen würde. Ich entschied mich für etwas Ehrlichkeit. „Na schön, ich wollte dich wieder sehen, aber es war nicht geplant, dass du mich siehst. Und was den Rest angeht, das würdest du nicht verstehen.“ Er sah mir wieder in die Augen. Ob er auch ihre Veränderung sehen könnte? Nein sicher nicht, dafür war es auch zu dunkel hier, mit den par Laternen. Sein Blick durchbohrte mich, aber ich wusste er würde so seine Antworten nicht finden. Nur war es fast entwaffnend, wenn er einen so ansah. Er verstand mich nicht ganz und hielt mich sicher für völlig bescheuert. „Ich weiß ich bin verrückt hier her zu kommen, aber so war das nicht geplant. Was kommst du auch ausgerechnet in Schwierigkeiten, wo ich hier auftauche?“ Er musterte mich noch einen Augenblick bevor er antwortete. „Du kommst extra wegen mir?“ Blitzmerker! „Sicher, was sollte ich denn sonst in Barcelona tun?“ Er nickte wieder leicht und ….Moment mal war das ein Lächeln? Tatsächlich, er lächelte mich an. Konnte das sein? Steckt er das Ganze einfach so weg? „Du hast dich verändert, Kate?!“ War das eine Frage? Und jetzt war ich die, die nur nicken konnte. Wie sollte man sowas auch erklären? Ja weißt du, ich bin ein Vampir geworden kurz nachdem du weg bist und muss mich grade zusammenreißen dich nicht zu beißen? Wohl eher weniger. Jetzt bewegte er sich etwas, einen halben Schritt auf mich zu, bückte sich dann nach seiner Tasche und warf sie wieder über seine Schulter. „Willst du mit rauf kommen?“ Er wollte, dass ich blieb? Wie eigenartig, ich musste ihn doch zu Tode erschreckt haben. „Gern.“ Sagte ich leise. Ein weiteres Lächeln bekam ich, bevor er sich zur Tür wendete, die restlichen Schritte machte und die Tür aufschloss. Ich folgte ihm geräuschlos, so dass er sich einige Male umdrehte um sich zu vergewissern ob ich noch da war. Oben angekommen, hielt er mir die Tür auf und ließ mich eintreten. Wow roch es hier gut. Kein Wunder wenn er hier lebte. Ich konnte keinen anderen Geruch ausmachen, der sich hier stark hielt. Also lebte er allein und hatte keine Freundin. Wie schön, beinah hätte ich gegrinst. Langsam ging ich einige Schritte den langen Flur hinauf. Die Räume lagen fast alle rechts vom Flur. Die erste Tür war geschlossen, die zweite fehlte und gab den Blick in eine schöne kleine Küche frei, und am Ende würde ich das Wohnzimmer mit dem großen Eckbalkon finden. Gerade zu war das Badezimmer. Freundliche helle Farben ließen alles nett wirken. Er hatte sichtlich Geschmack. Es gab keine Pflanzen. Warum auch, wenn man immer mal Monate lang weg war. Die Tür hinter mir fiel ins Schloss und ich spürte wieder seinen Blick auf mir ruhen. Bevor er auf dumme Ideen kam, mich vielleicht anzufassen, ging ich langsam den Flur entlang in das große Wohnzimmer. Vor der Balkontür blieb ich stehen und öffnete sie. Hier traf mich der Geruch meiner eigenen Fährte. Hinter mir wurde das Licht eingeschaltet, nur eine kleine Lichtquelle, kein großes Oberlicht. Und das beruhigte mich, nicht dass er noch zu viel sah. Ich trat auf den Balkon und streckte meine Sinne aus, kontrollierte die Umgebung. Wenn ich die Tür zu lange offen lassen würde, begann er sicher zu frieren, aber ich wollte mir ganz sicher sein. Bis auf einen laufenden Fernseher und jemanden, der irgendwo in der Umgebung Gitarre spielte, hörte ich nichts außer schlafender Menschen. Ich war hier sicher. Naja zumindest bis er anfangen würde mich mit Fragen zu bombadieren. Ich beschloss nach wenigen Sekunden, wieder rein zu gehen, doch er war näher gekommen und beobachtete mich genauer. „Was tust du da?“ fragte er leise. Er hatte bemerkt wie ich mich umgesehen habe. Ich drehte nur den Kopf seitlich um ihn aus dem Augenwinkel sehen zu können. „Nichts Besonderes, ich sehe mich nur um.“ Und wieder war die Hälfte gelogen, Aber er würde es hin nehmen müssen. Er bewegte sich wieder und kam mir immer näher. Warum tat er das? Sein Geruch, sein Herzschlag, alles war schon wieder so nahe, zu nahe. Ich sollte mich aus dem Staub machen. Ich war gefährlich für ihn. Warum hatte ich nicht vor meinem Aufbruch daran gedacht? Manchmal war ich auch dämlich, ob sich das nach ein par Jahrhunderten geben würde? Als er direkt hinter mir stand, wurde ich nervös. Ich spielte mit dem Gedanken mich umzudrehen, aber ich musste mich fern halten von ihm. Das war sicherer. Als er einen Arm hob und ich wusste, was gleich passieren würde, wich ich der Berührung schnell aus und trat zwei Schritte zur Seite. Zu schnell, wie ich bei dem Blick merkte, den ich von ihm erntete. Oh man, ich musste mich zusammen reißen. Er ahnte sonst vielleicht noch was ich war. Er trat an die Brüstung und sah hinunter, sprach als hätte ich mich nicht bewegt. Trotz seiner Überraschung über meine Schnelligkeit. „Und sind wir sicher?“ fragte er mich fast belustigt. Na super, durchschaut hatte er mich also auch schon. „Ähm, ja. Erschrecke ich dich denn gar nicht?“ rutschte es mir heraus. Halt die Klappe, ermahnte ich mich. Er starrte weiter auf die Straße hinunter, vielleicht um bei meinem Anblick nicht seine Konzentration zu verlieren. „Doch tust du. Aber es macht mir keine Angst. Es ist irgendwie schön, dich zu sehen. Auch wenn ich mich frage, ob du noch die Selbe bist.“ Damit habe ich nicht gerechnet und es haute mich um. Dann sah er mich an. Er hatte Kraft gebraucht um es auszusprechen, deswegen hatte er mich während dessen nicht angesehen. Und scheiße, er hatte mehr gesehen als mir lieb war. Wenn auch meine Schnelligkeit und die Waffen nicht gereicht hatten, war es offenbar etwas anderes, das er meinte. Ich überlegte wie ich antworten sollte. Blieb ich bei der Wahrheit? Dann würde er schnell die Flucht ergreifen. Log ich ihn munter weiter an, würde er mich wieder durchschauen und nur weiter fragen. Also musste ich etwas dazwischen finden, am Rande der Wahrheit. Ja der Plan war gut. Sehen wir mal wie er damit umgeht. „Bin ich nicht. Ich will dich nicht erschrecken. Aber du bringst mich aus dem Konzept. Ich wollte mich gar nicht zeigen und jetzt muss ich mich zusammenreißen dich nicht weiter zu erschrecken. Ich werde versuchen mich normal zu benehmen.“ Na das war doch vage genug für ihn, oder? Adrian drehte sich in meine Richtung und machte einen Schritt auf mich zu. Warum kam er bloß immer wieder so dicht. Teufel noch eins, er machte es mir nicht leicht ihm fern zu bleiben. „Du bist aber nicht mehr normal, richtig?“ ich schüttelte nur langsam den Kopf auf diese Frage hin. Wieder ging sein Blick an mir hoch und runter. Zu gern wüsste ich, was er alles sah. Sah er, dass an meinem Körper kein Gramm Fett war? Sah er, dass meine Muskeln sich definiert abzeichneten, unnormal für eine Frau? Sah er, dass meine Haut eine andere Farbe und Oberfläche hatte? Als er mir wieder in die Augen sah, vermied ich es direkt ins Licht zu sehen. Ich wusste, was er dann in meinen Augen entdecken würde. Sie würden ihn anblitzen. Nicht nur, dass das Grün in ihnen viel kräftiger und heller war, sie würden das Licht in einem ungewöhnlichen Regenbogenschimmer zurück schlagen. So wurde es vermieden mich zu blenden, egal wie hell es war. „Dann verstell dich doch nicht!“ Scheiß auf das Licht, ich musste ihn ansehen. Was redete er da? Sein Kopf zuckte leicht zurück und er ging wieder einen Schritt von mir weg. Endlich mal eine angemessene Reaktion. „Du weißt nicht, was du redest.“ Mein Ton war scharf und ich funkelte ihn an. Das war wohl zu viel des Guten. Er wurde blass und griff mit einer Hand an die Balkonbrüstung. Ups, jetzt hatte ich ihm doch Angst gemacht. Aber vielleicht war genau das nötig um ihn in Sicherheit zu wissen. Ich ging weiter rückwärts bis in die Ecke des Balkons und legte die Hände auf die Brüstung. „Es ist besser, wenn ich jetzt verschwinde. Entschuldige Adrian, ich wollte dir das nicht antun.“ Mit einem Satz sprang ich auf die Brüstung und wollte grade springen als er das Wort ergriff. „NEIN!“ oh er war lauter geworden. „Bleib!“ Wie jetzt? Er wollte immer noch, dass ich blieb? Der Junge verkraftete offenbar so einiges. Ich drehte den Kopf und sah ihn an. „Warum?“- „Bist du nicht extra hergekommen um mich zu sehen? Was, wenn ich dich auch sehen wollte und nun willst du so schnell wieder verschwinden?“ Verdammt, er wusste auch noch, wie er mich kriegte. Ich richtete mich auf und sah auf ihn hinunter. Ich hatte vergessen wo ich stand, so sehr hatte er mich mit seiner Aussage schon abgelenkt. Sein Blick wurde etwas panisch, als er mich dort stehen sah. In ca 30 m Höhe. Sicher würde ein Sturz hier runter für einen Menschen sehr ungesund enden, aber für mich doch nicht. Gut, davon hatte er sicher keine Ahnung. „Könntest du bitte da runter kommen?“ Ich hatte ihm noch nicht geantwortet als diese Frage von ihm kam, aber ich ging seiner Bitte nach. Ich hüpfte wieder auf den Balkon und wieder erschreckte ich ihn. Es klang, als würde ein Stein von der Brüstung fallen, nur gedämpft durch die Sohle meiner Schuhe. Verflucht ich vermied aber auch gar nichts. „Mir kann nichts passieren, wenn ich da runter springe.“ Wieder ein panischer Blick. „Springen?“ Ich hatte springen gesagt, nicht fallen. Oh je. Ich musste mich echt zusammen reißen. „Und ja ich bin gekommen um dich zu sehen, aber ich sage es gern noch einmal. Ich wollte mich dir nicht zeigen, du solltest gar nicht merken, dass ich hier war. Aber nö, du musst ja in Schwierigkeiten kommen.“
Er lächelte. Na endlich mal was Richtiges gesagt. Aber er kam schon wieder auf mich zu. Das musste ich unterbinden. Ich hielt ihm eine Hand entgegen. „Nicht. Komm nicht immer so nahe, das ist ….nicht gut.“ Es wirkte, er blieb stehen. „Warum nicht?“ – „Das kann ich dir nicht erklären!“ Er guckte enttäuscht, aber akzeptierte offenbar meine Aussage. „Es gibt eh eine andere Frage, die mich mehr interessiert!“ Ich nickte und ließ meine Hand sinken. „Welche?“ Er steckte seine Hände in seine Jackentaschen. „Wo bist du vorhin hergekommen?“ hatten wir diese Frage nicht schon? Ja ich war mir sicher. „Ich war in der Nähe, wie schon gesagt.“ Ich wurde unruhig, wollte er es jetzt etwas genau wissen? Sein Blick durchbohrte mich wieder und ich setzte eine undurchdringliche Miene auf. „Ja das sagtest du schon. Aber ich meine speziell die Richtung. Du standest sofort vor mir, bist du etwa…“ Sein Blick ging nach oben zum Dach und dann wieder in mein Gesicht. Ich folgte seinem Blick nicht, sondern beobachtete ihn ganz genau. Als er mich wieder ansah wurde, sein Blick weicher. Also sagte ich nichts und nickte nur. Er atmete schwer aus und ließ diese weitere unfassbare Information in seine Erinnerungen einfließen. Ach man, nun konnte ich ihm auch gleich reinen Wein einschenken. Langsam ging ich an ihm vorbei zurück ins Wohnzimmer. Er folgte mir nach einigen Augenblicken. Ich stellte mich mit dem Rücken zum Licht und gegen die Couchlehne, behielt die Tür im Auge. Er blieb kurz ihm Rahmen stehen, sah mich an und überlegte sicher kurz. Dann schloss er die Balkontür und kam direkt auf mich zu. Blieb ca einen Meter vor mir stehen und suchte meinen Blick. Wieder traf mich sein Duft wie ein Hammerschlag. In der Wärme des Raumen kombiniert mit allem hier wo dieser Geruch noch steckte. Ich hob langsam den Kopf um ihn anzusehen. Meine Augen fanden seine. Ich war gespannt was nun kommen würde. Mein Entschluss mich seinen Fragen ehrlich zu ergeben stand. Offensichtlich hatte er bemerkt, dass sich etwas verändert hatte. Er hob die Hand und griff an den Reißverschluss meiner Jacke. Wartete noch einen Moment, um meine Reaktion zu sehen. Als ich nur still stehen blieb, zog er ihn auf. Wir sahen uns dabei in die Augen, aber den nächsten Schritt überließ er wieder mir. Seine Hand war wieder in seiner Jacke verschwunden. Ich ergab mich und ließ die Jacke von meinen Schultern rutschen und auf die Couch hinter mir fallen. Wieder wanderten seine Augen an meinem Körper entlang und hefteten sich auf das Halfter, in dem meine Waffen steckten. Ich öffnete es schnell und ließ es ebenfalls auf die Couch fallen. Es machte mir nichts aus, denn es war ja nicht so, dass ich sie zum kämpfen brauchte, wenn es drauf ankam. Er beobachtete mich und schien fast…was war es nur? Erleichtert? Ja er sah erleichtert aus. Hatte er Angst vor meinen Waffen? Komisch, dabei war ich doch viel gefährlicher. Er wartete immer noch, also hielt ich ihm auf halben Weg meine Hand entgegen. „Du willst meine Veränderung kennen lernen?“ Er sah kurz auf meine Hand und nickte mir dann zu. „Dann greif zu!“ sagte ich leise und er gehorchte. Wenn ihn die Kälte nicht erschrecken wird, dann sicher die Tatsache, dass ich beinah so hart war wie Marmor. Er zog jetzt ebenfalls seine Jacke aus, warf sie vorbei an mir auf die Couch und stand in einem ärmellosen Hemd vor mir. Und noch deutlicher wurde sein Geruch. Verdammt, langsam riskierte ich hier sein Leben. Seine Hände legten sich um meine erhobene Hand und fühlten genau, was ich meinte, wenn ich von Veränderungen sprach. Aber anders als erwartet, schreckte er nicht zurück. Warum tat dieser Mensch nie was ich erwarte? Im Gegenteil, er verschränkte seine Finger mit meinen und überwand den Rest Abstand zwischen uns, drückte seinen warmen Körper gegen die Steinplatte, die ich dagegen sein musste. War ich ihm nicht zu kalt? Die Hand, die er wieder frei hatte, legte sich an meine Wange. Ich konnte nicht anders als ihm verwirrt in die Augen zu starren. Adrian hielt meinem Blick stand und atmete jetzt schneller, auch sein Herzschlag hatte sich beschleunigt bei der Nähe zwischen uns. Wie von selbst schien sich meine freie Hand an seine Hüfte zu legen, nur ganz leicht. Aber hatte es bei dieser Nähe überhaupt noch einen Sinn sich zurück zu halten? War er mir nicht bereits viel näher als ich es zulassen wollte? Zulassen konnte? Sein Kopf senkte sich langsam, sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. „Adrian…ich weiß nicht…“ flüstert ich noch, aber da war es zu spät. Seine weichen warmen Lippen trafen auf meine und ich versteifte mich. Ein Verlangen in meiner Kehle und totale Verwirrung in meinem Kopf breiteten sich aus. Seit meiner Verwandlung war ich niemanden mehr auf diese Art nahe gekommen. Wenn ich das zuließ, dann um zu trinken. Aber das würde ich hier niemals zulassen. Meine Härte und Kälte schien ihn in diesem Augenblick nicht zu stören. Also ließ ich es geschehen, völlig von seiner Nähe umnebelt. Ich ermahnte mich noch zur Vorsicht. Ich hoffte, er würde es dabei belassen und gleichzeitig wollte ich mehr von ihm. Viel mehr. Er ließ den Kuss etwas intensiver werden. Wir küssten uns schließlich nicht das erste Mal und doch war es ganz neu, weil ich neu war. Auch mein Atem beschleunigte sich nun, aber etwas verwirrte mich, Mein Körper schien sich unter dieser Nähe aufzuheizen. Die Stellen die seinen Körper berührten brannten förmlich unter dieser Nähe. Meine Empfindungen waren sicher nicht ganz unschuldig daran. Ich musste mich immer noch kennen lernen. Wer rechnet schon mit so etwas. Er presste sich immer noch an mich und ließ den Kuss andauern, schob seine Hand in meinen Nacken und drückte meinen Kopf an seinen. Auch er wollte mehr. Aber wie viel konnte ich ihm zugestehen ohne ihn zu verletzen? Was, wenn ich mich vergaß? Er war so viel zerbrechlicher als ich. Nach einigen schier unendlichen Momenten löste er sich schwer atmend von mir und sah in meine Augen. „Können wir…ich meine ist es möglich?“ Er wollte es tatsächlich? Mich? Jetzt hier in diesem Augenblick? Ich bleib bei der Wahrheit und musste mich konzentrieren. Ich wollte ihn mindestens genauso sehr, wie er mich. „Ich bin mir nicht sicher, ich will dich nicht verletzen.“ Als Antwort daraufhin küsste er mich wieder. Als wäre es ein Ja. Oder reichte es ihm schon, dass es kein Nein war? Du solltest hier verschwinden, Katrina. Bevor du ihm weh tust. Ich wusste, was vernünftig war und doch wollte ich etwas anderes. Ich schob ihn mit Leichtigkeit etwas von mir weg und senkte den Kopf. „Du weißt nicht, was du da willst!“ Dann sah ich ihn ernst, aber immer noch schwer atmend an, eine Hand auf seiner Brust um ihn auf Abstand zu halten. „Adrian, so sehr ich das auch will. Aber ich bin …gefährlich für dich!“ Meine Ernsthaftigkeit überzeugte ihn. Er hielt sich zurück und wartete auf eine Erklärung. „Ich könnte mich vergessen, was wenn…?“ Ich sah mich hilfesuchend um aber ich musste es aussprechen. Er musste verstehen bevor er etwas wollen konnte. Also nahm ich meinen Mut zusammen. „Was, wenn ich dich beiße?“ Die Überraschung über diese Aussage holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. „Ich bin kein Mensch mehr, Schatz!“ Ich hoffte, dass er jetzt verstand und ich es nicht deutlicher sagen musste. Aber er starrte mich immer noch an. „Was meinst du damit, wenn du mich beißt? Das hast du doch….“ Jetzt weiteten sich seine Augen. Ich hoffte er würde die Aussagen °kein Mensch° und °beißen° nun zusammen bringen. „Du meinst, dass du dich jetzt anders ….ernährst?“ Er schluckte bevor er das letzte Wort aussprach. Zum Glück, er hatte mich verstanden. Ich nickte. „Versteh das nicht falsch, ich habe es nicht vor. Aber wenn ich mich vergesse und es passiert, wenn ich dir weh tue…ich …ich..ich sollte wirklich gehen.“ Ich drehte ihm den Rücken zu und griff über die Lehne der Couch nach meinen Sachen. Seine Hand legte sich um meinen Arm und hielt mich davon ab. Warum ließ ich das zu? Ich hatte viel mehr Kraft als er. Er klebte an meinem Rücken und seine Wärme drang wieder in meinen Körper. „Geh nicht, es wird alles gut gehen.“ WAS? Er wollte es immer noch? War er denn vollkommen geistesgestört? Überrascht, nein geschockt drehte ich mich wieder zu ihm um. Ich konnte nicht nur fühlen in welchem Zustand sein Körper war. Er roch sogar anders. Seine ganze Erregung war so ansteckend und nicht die Spur von Angst. Konnte es möglich sein? Hatte er vielleicht doch nicht verstanden was ich war? Doch hatte er. Er griff an meine Oberlippe, schob sie ein Stück hoch und sah nach meinen Fängen. Ich bleckte die Zähne kurz um ihm die Gefahr zu verdeutlich. Doch er ließ einfach meine Lippe los und küsste sie dann. „Mach damit einfach einen Bogen um mich.“ Dabei beließ er es und küsste mich wieder. Zur Hölle, wie wollte ich das anstellen? Aber ich hatte keine Zeit mehr zu reagieren, ich ergab mich seinem Zustand und war sofort in der Selben Stimmung.
Nach Stunden, so schien es, lagen wir in seinem Bett, er in meinen Armen und unterhielten uns über die gegebenen Umstände. Ich wusste, dass er völlig müde sein musste, trotzdem stellte er mir weiter Fragen. Ob er merkte, dass ich nicht müde war? Oder erschöpft? Nicht einmal außer Atem? „Du solltest vielleicht schlafen.“ Sagte ich leise und streichelte dabei über seinen Kopf. Der lag auf meinem Bauch und drehte sich jetzt zu meinem Gesicht um. Sein letztes Gähnen gab den Auslöser dieses Gespräch nun zu verschieben. „Was ist mit dir? Bist du nicht müde?“ ich wühlte in seinen Haaren während er auf eine Antwort wartete. „Nein, ich schlafe nicht.“ Seine Augen weiteten sich wieder. „Gar nicht?“- „Niemals.“ Adrian drehte sich um, stützte sich auf seine Ellenbogen. Küsste mich kurz und sah mir in die Augen. Wow, es haute mich einfach um wenn er mich so ansah. „Wirst du noch da sein, wenn ich wach werde?“ Mal wieder eine Frage auf die ich vorbereitet war. „Ja, ich bin da wenn du wach wirst.“ Und es war die Wahrheit. Aber Skepsis schlich sich in seinen Ausdruck. „Versprichst du es?“ Ich musste leise lachen. „Ja, ich verspreche es.“ Sagte ich und grinste ihn an. Als ich noch ein Mensch war und er in Deutschland, stellte ich diese Frage ständig wenn wir uns verabschiedeten und es um ein Wiedersehen ging. Er lachte mit mir, er konnte sich ebenfalls daran erinnern. Ich wurde in seine Arme gezogen, als er sich auf den Rücken drehte. „Wirst du auch hier bleiben?“ Schon wieder hatte er mich durchschaut. Ich musste dringend an meiner Fassade arbeiten. „Nein.“ Gab ich Kleinlaut zu, konnte ihn dabei aber nicht ansehen. „Was hast du vor?“ seine Stimme nahm einen eigenartigen Klang an, als fürchtete er, dass ich einfach so verschwinden konnte. „Bist du sicher, dass du die Antwort hören willst?“ Jetzt hob ich den Kopf um ihn ansehen zu können, ich wollte seine Stimmung abschätzen. Kurz überlegte er, nickte dann aber. „Ich muss jagen.“ Die Frage in seinem Gesicht verschwand nicht, also wurde ich deutlicher. „Es ist sicherer, wenn ich hier bei dir bin, sollte ich nicht…..durstig sein! Verstehst du?“ Oh, er verstand. Sein Gesicht wurde blass. Er schloss die Augen und atmete einige Male tief durch. Beinah hätte ich das belächelt. Er wollte tatsächlich mit all dem umgehen können und doch war eben einer Ohnmacht nahe gewesen. So schien es zumindest. „Also bist du hier, wenn ich wach werde. Damit kann ich leben.“ Er ließ das Thema Jagt damit fallen. Auch ich beließ es dabei und küsste ihn noch einmal sanft. Dann wollte ich, dass er einschlief. Also rührte ich mich nicht mehr, nachdem ich die Decke zwischen uns gezogen hatte. Ich war eiskalt im Gegensatz zu ihm, er würde frieren wenn ich mit meiner Haut an seiner lag. Das brachte mir noch einen vorwurfsvollen Blick ein, aber er verstand. Es dauerte keine 5 Minuten bis er fest schlief. Er musste wirklich fertig gewesen sein. Vorsichtig entzog ich mich seiner Umarmung und blickte auf die Uhr. Ich musste mich beeilen, wenn ich zurück sein wollte, bevor sie Sonne aufging. Es war fast 5 Uhr morgens. 2 Stunden hatte ich dank des Winters wohl noch. Ich hob meine Sachen auf und ging geräuschlos in meinem gewöhnlichen Tempo ins Wohnzimmer. Zog mich wieder an und griff bei der Couch nach meinem Waffenhalfter. Nachdem ich es umgelegt hatte, zog ich die Jacke drüber. Es vergingen nur einige Sekunden seit ich aus dem Bett gekrochen war bis jetzt, wo ich nun auf der Balkonbrüstung hockte. Ich streckte meine Sinne aus um mich besser orientieren zu können. Dann sprang ich auf das Dach gegenüber und schoss über viele weitere hinweg, bis ich fand wonach ich suchte. Ein Gossenviertel, wo angebliche Raubüberfälle mit Verletzungen keine Seltenheit waren. Nach zwei aufgeschnitten Handgelenken kam mir der Gedanke, ob ich die Leute direkt zu einem Krankenhaus bringen sollte. Und da kam mir eine Idee. Krankenhäuser waren immer Hüter vieler Blutkonserven. Das würde mir heute viel Zeit sparen. Ein Blick in mein Handy und das Internet verriet mir die Standorte sämtlicher Krankenhäuser. Ich sah auf die Uhr, ich konnte es schaffen wenn ich schnell war. An einem Krankenhaus angekommen schoss ich den Schildern nach in die Abteilung, wo Blut gespendet wurde. Und Bingo. Eine Kühltruhe in einem Nebenraum sah wirklich vielversprechend aus. Ich griff blitzschnell hinein und eilte dann aus dem Fenster auf das Dach. In meinen Händen hatte ich sicher 3 Liter Blut. Das würde eine Weile vorhalten und die nächste Jagt weit nach hinten verschieben. Ich entsorgte die leeren Konserven in den medizinischen Abfall des Krankenhauses und fühlte mich regelrecht betrunken von frischem Blut. Und ich fragte mich ob ich ein schlechtes Gewissen haben sollte. Die Menschen brauchten das Blut sicher. Andererseits ob ich es nun aus den Krankenhäusern klaute oder von den Menschen direkt. So verletzte ich nicht mal jemanden. Undendlich oft konnte ich das aber auch nicht machen, Ich würde mir bald überlegen, einen Mittelweg zu finden um niemals aufzufallen.
