Schatztruhe der Lebenserfahrung - Jens-Uwe Martens - E-Book

Schatztruhe der Lebenserfahrung E-Book

Jens-Uwe Martens

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Beschreibung

»Das Leben ist der beste Lehrmeister, wenn man nur bereit ist, die Lehren, die in den Lektionen verborgen sind, die uns das Leben schenkt oder manchmal auch zumutet, richtig zu deuten.« In anrührenden und inspirierenden Geschichten vermittelt Dr. Jens-Uwe Martens Erkennt­nisse, die er aus seinem bewegten Leben gewonnen hat. So öffnet sich eine »Schatztruhe« an Erfahrungen, die unser Verhalten und Denken positiv beeinflussen können - für ein Leben in Erfüllung und Zufriedenheit.

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Jens-Uwe Martens

Schatztruhe der Lebenserfahrung

Überraschende und lehrreiche Episoden aus einem bewegten Leben

Mit Fotografien von Jürgen Briem

Originalausgabe Dezember 2018

© 2018 Buch&media GmbH, München

Umschlaggestaltung und Layout: Franziska Gumpp

Gesetzt aus der Stempel Garamont und der Benguiat

Umschlagmotiv © Jürgen Briem

ISBN print 978-3-95780-152-4

ISBN epub 978-3-95780-153-1

ISBN pdf 978-3-95780-154-8

Printed in Europe

Widmung

Ich widme dieses Buch all den wunderbaren Menschen, denen ich die Erfahrungen und Geschichten dieses Buches verdanke. Sie haben mein Leben nicht nur bereichert, sie haben mir auch zu vielen Einsichten verholfen, die meinem Leben Erfüllung und Zufriedenheit gegeben haben.

Insbesondere widme ich dieses Buch meinen Kindern, die nicht nur Inhalt und Ziel meines Lebens waren und sind, sondern die mein Leben in einer ganz besonderen Weise bereichert haben.

Ich wünsche mir, dass dieses kleine Büchlein ihnen vielleicht in der einen oder anderen schwierigen Situation helfen möge.

Ihr Kinder, die ich so sehr liebe, braucht ja nicht unbedingt alle Erfahrungen selbst zu machen. Vielleicht könnt Ihr auch aus meinen Erfahrungen lernen!?

Stephanie, unsere Erstgeborene: Du warst seit dem Tag Deiner Geburt an der wahr gewordene Lebenstraum und Du bist es noch heute. Ich sehe mich in vielen Deiner Handlungen und Einstellungen. Du machst Dir das Leben nicht leicht, indem Du manchmal mehr als unbedingt notwendig die Verantwortung auch für andere und für Geschehnisse übernimmst, die Du nicht oder nur schwer beeinflussen kannst. Wie gut ich das kenne. Mir ist es gelungen, mich davon weitgehend frei zu machen – allerdings erst sehr spät. Wird Dir das auch noch gelingen? Du hast Dir ein – aus meiner Sicht – schönes Leben aufgebaut und eingerichtet. Ich fühle mich bei Euch, bei Dir und Thomas und bei Deinen zwei Kindern Annie und Levi, immer sehr wohl. Ich habe manchmal den Eindruck, ich genieße das weitgehend von Dir geschaffene Zuhause mehr als Du. Aber Du lebst zurzeit in einer stressreichen Aufbauphase. Ich wünsche Dir, dass Du bald Dein Leben noch mehr genießen kannst.

Irja, die kreative Gestalterin: Wie Du weißt, sehe ich in Dir häufig Deine Mutter, aber das stimmt nur zum Teil, stimmt nur, was Deine Energie, Deine emotionale Offenheit und vielleicht auch ein wenig Dein Äußeres betrifft. Du bist dabei, Dir nicht nur Deutschland oder den deutschen Sprachraum, sondern die Welt zu erobern. Ich bewundere Deine Weltläufigkeit, wie Du von Kontinent zu Kontinent reist, als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt. Du weißt, was ich unter »Gestalter« bzw. »Gestalterin« verstehe. Du bist im wahrsten Sinne eine Frau, die ihr Leben in jeder Beziehung gestaltet. Dabei machst Du das nicht als Selbstzweck oder aus Angst, die Kontrolle über Dein Leben zu verlieren, sondern weil Du Dich aufgerufen fühlst, gemeinsam mit Deinem tollen Adrian die Welt ein klein wenig zu verbessern. Bravo!!! Manchmal habe ich Angst, dass Du Dich übernimmst. Weißt Du wirklich, wo Deine Grenzen sind? Hat nicht jeder seine Grenzen? Du scheinst keine zu haben!!!? Wo wird Dich Dein Schicksal noch hinführen? Ich hoffe, ich kann Dich noch lange auf Deinem Lebensweg begleiten.

Nikolas, unser erstgeborener Sohn: So wie Du wollte ich sein. Leider bin ich unter sehr schwierigen Verhältnissen groß geworden und ich hatte hart damit zu kämpfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Du kämpfst auch, Du kämpfst, um den Dir gemäßen Platz in diesem Leben zu finden. Ich hatte ihn in Deinem Alter schon gefunden, zumindest glaubte ich das, um ihn dann wieder zu verlieren. (Allerdings denke ich heute, dass ich getrieben war und nicht die Freiheit hatte, die Du Dir nimmst.) Aber ich habe Dir, ich habe Euch gezeigt, dass Schwierigkeiten dazu da sind, um sie zu überwinden und daran zu wachsen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du Deine Schwierigkeiten auch meisterst und ich bin mir sicher, dass Du auch daran wachsen wirst, so wie Du in den letzten Jahren in Deiner Persönlichkeit toll gewachsen bist. Ich bin stolz, dass Du mein Sohn bist. Manchmal habe ich Angst vor der Freiheit, die Du Dir nimmst. Im Vergleich zu Dir bin ich wahrscheinlich ein Angsthase.

Kevin, unser Nachzügler: Nicht nur Deine Geburt war schwerer als die anderer Kinder und Deiner Geschwister. Du hattest es auch in Deinen jungen Jahren nicht einfach. Vor allem, weil Du von allen verwöhnt wurdest. Du hast nicht nur von Deinen Eltern (inklusive Ulla), sondern auch von Deinen drei Geschwistern fast immer die volle Aufmerksamkeit und Liebe bekommen. Warum Du es dadurch schwerer hattest? Was wie ein Paradoxon klingen mag, ist leicht nachzuvollziehen und vielfach zu beobachten: Menschen, die als Kind zu sehr verwöhnt wurden, scheitern oft, wenn sie mit der rauen Realität des Lebens konfrontiert werden. Deine Vernunft, oder wahrscheinlicher Dein Instinkt, hat diese Gefahr erkannt. Du hast Dir die Schwierigkeiten, an denen Du Dich messen und an denen Du aus der Rolle des Umsorgten herauswachsen kannst, selbst gewählt. Du bist – weg von Deinen Geschwistern und Eltern – alleine in eine Schule nach Amerika gegangen und Du bist aus dem Elternhaus ausgezogen, obwohl wir Dir das nicht leicht gemacht haben. (Nach Amerika sind zwei Deiner Geschwister auch gegangen, aber Dir muss es – so stelle ich mir vor – etwas schwerer gefallen sein, denn Deine Erfahrungen in Idyllwild müssen für Dich, nach dem Verwöhntwerden in der Familie, wie eine kalte Dusche gewesen sein. Du hast uns, das weißt Du, viele Sorgen gemacht. Du warst in Gefahr, einen Weg zu gehen, den viele zu sehr verwöhnte Kinder gehen – aber Du hast im letzten Augenblick (?) »die Kurve bekommen«, Du hast einen guten Instinkt für die richtigen und die falschen Freunde gehabt. Deine Eltern hoffen sehr, dass Dir dieser Instinkt auch auf Deinem weiteren Lebensweg immer hilfreich zur Seite stehen wird. (Nebenbei: Natürlich sind wir auch auf Deine intellektuellen Leistungen stolz. Der wegen seiner schwachen schulischen Leistungen immer versetzungsgefährdete Schüler promoviert in Physik! Aber wir haben nie an Deiner Intelligenz gezweifelt.)

Inhalt

Einführung

Es kommt auf unsere Einstellungen an!

I. Die Einstellung zu sich selbst

Der Portier der Spielbank

Können wir wirklich bewusst die Werte beeinflussen, nach denen wir entscheiden, nach denen wir leben? Welchen Grad an Freiheit haben wir wirklich?

»Hoffentlich merkt es niemand«

Wie geht man am besten mit seinen eigenen Schwächen um?

Der Stammtisch

Wer sind wir? Wie können wir uns selbst finden?

Der innere Schweinehund

Wie ich es schaffe, seit fast vierzig Jahren mein Trainingsprogramm durchzuhalten

Das hässliche Entlein

Ein Märchen zeigt mir, wer ich bin und welches Problem ich habe

Unerkannte Helden

Wie viele Helden gibt es unter uns, von denen nie jemand erfährt?Reagieren Sie immer »heldenhaft«?

Der Mann im Kühlraum

Wie stark wirkt unsere Einbildung sogar auf unseren Körper? Welche Macht haben unsere Vorstellungen auf uns?

Die Definition von Alter

Wie können wir mit unserem Alter umgehen, wenn wir im letzten Viertel unseres Lebens angekommen sind?

II. Die Einstellung zum Leben

Der alte Indianer

Wir haben mehr als eine Stimme in uns! Und welche wird unser Leben bestimmen?

Und wie ist die Welt wirklich?

Jeder hat seine Sichtweise und welche ist »die richtige«?

Fehlersuchprogramm eingeschaltet?

Mit welcher Einstellung gehen Sie durchs Leben?

Wiese oder Rasen?

Wann können wir die Umstände, in denen wir leben, unseren Vorstellungen anpassen – und wann müssen wir unsere Erwartungen entsprechend der Gegebenheiten unserer Umgebung verändern?

»Lass es einfach laufen!«

Können oder sollten wir vielleicht nicht manchmal die Tipps, die wir bekommen, auch auf andere Bereiche übertragen? Könnten die Hilfestellungen beim Fahrunterricht eine versteckte Anweisung an meine Lebensführung sein?

III. Die Einstellungen zu anderen Menschen

Menschenkenntnis!?

Können wir – vielleicht durch ein Studium der Psychologie – lernen, andere Menschen zu »durchschauen«, sie vielleicht besser kennenzulernen als sie sich selbst?

Was geht mich mein Nachbar an!?

Wie können wir verhindern, dass wir vorschnell Urteile über andere oder über Situationen mit anderen fällen?

Abenteuer im Urwald

Wie begegnen wir Menschen, die uns gegenüber aggressiv eingestellt sind?

Lebertran für den Hund

Wie oft behandeln wir andere, ohne nachzudenken, nach unseren eigenen Vorstellungen?

Hüte Dich vor Menschen, die anders aussehen oder sich anders verhalten als du!

Wie oft sind unsere Urteile in Wirklichkeit unberechtigte Vorurteile?

Außenseiter

Was kann man schon von Schulversagern in einer Sonderschule lernen? Meine Erfahrungen in einer Schule für Schulabbrecher

Märchen passieren auch heute noch

Dürfen wir über die Lebenswege oder Entscheidungen anderer Menschen urteilen? – Gilt dies unabhängig davon, in welcher Kultur sie aufwachsen?

Sind wir denn nicht klüger?!

Eine Bhutanerin zeigt, wie man Herzen öffnet!

Vergebung für den Mörder

Wie sollten wir die Lehre von der christlichen Nächstenliebe umsetzen?

IV. Die Einstellungen zum eigenen Partner, zur Liebe

Die Kraft der Liebe

Wann, wie lange und mit welchen Mitteln können wir um unsere Liebe kämpfen?

Brauchen wir »Blitzableiter«, wenn wir uns ärgern?

Wenn etwas nicht so klappt, wie wir uns das wünschen, hilft es dann, einen Schuldigen zu finden, den wir dafür verantwortlich machen können?

Die Unordnung im Wohnzimmer

Welche Einstellung haben Sie zur Ordnung?Wird Ordnung nicht völlig überschätzt?

Wie man Freunde gewinnt

Was können wir von anderen Kulturen lernen?

Wie wichtig sind uns Freundschaften?

Die treue Graugans

Welchen Einfluss haben Ehefrauen auf den Erfolg ihrer Männer und deren »Erkenntnisse«?

V. Die Einstellung zur eigenen inneren Stimme

Wir wissen viel mehr, als uns bewusst ist!

Gibt es ein »unbewusstes« Wissen?

Bist Du etwa abergläubisch?

Kann es einem zu gut gehen? Was macht man, wenn einen nicht nur andere Menschen, sondern vielleicht sogar die Götter beneiden?

VI. Einstellung zur eigenen Leistung

»Und wer motiviert mich?«

Muss man sich nicht letztlich selbst motivieren?

Spazierengehen mit dem Hund

Was macht man, wenn man eine Tätigkeit ausüben muss, zu der man keine Lust hat?Kann man sich selbst motivieren?

Erziehungsversuche

Auch Psychologen können mit ihren Erziehungsversuchen scheitern! Manchmal hilft es, wenn man sich von den eingefahrenen Gleisen löst.

VII. Die Einstellungen zu den Menschen im Beruf

Der erfolgreiche Investor

Was ist das Geheimnis wirtschaftlich besonders erfolgreicher Persönlichkeiten?

Die Kraft der Überzeugung

Wenn wir Persönlichkeit ausstrahlen und nicht zögern, stehen uns viele Türen offen.

»Der Wein schmeckt nach Kork.«

Wie wichtig ist die Stimmung bei einer Konferenz? Oder: Hierarchie zeigt sich nicht nur bei der Konferenz selbst!

Die zwei Seiten eines Managers

Was macht man mit Menschen, die einem unsympathisch sind und mit denen man doch zusammenarbeiten muss?

Verhandlungen mit einem Scheusal

Wie führt man Verhandlungen, wenn der Verhandlungs-partner einem gegenüber negativ eingestellt ist?

»Wir haben Ihre Bestellung nicht mehr!«

Wie geht man mit Menschen um, die nicht auf unserer Seite stehen und die uns bewusst das Leben schwer machen?

Ich kaufe eine englischsprachige Enzyklopädie

Wie können wir uns gegen Manipulation schützen?

Achtung Vorurteile

Wie viele Chancen verpassen wir, weil wir uns von unseren Vorurteilen lenken lassen?

VIII. Einstellungen und die Überwindung von Schwierigkeiten

Die verrottete Maus hinter dem Eisschrank

Finden Sie auch manchmal selbst naheliegende Lösungen eines Problems nicht?

Die Angst vor »Katastrophen«

Haben Sie auch immer wieder Angst davor, was alles passieren könnte und welche schlimmen Erlebnisse noch auf Sie warten?

Arbeitslosigkeit als Glück?

Wie können wir mit einer erzwungenen wesentlichen Veränderung, mit einer Krise in unserem Leben umgehen?

Angst vor einer Zahnoperation

Wie können wir mit Angst umgehen?

IX. Die Einstellung gegenüber dem Tod

Umgang mit dem Sterben

Wie gehen wir mit Menschen um, deren Ende kurz bevorsteht?

Nachwort

Einführung

Lernen wir nur in Schule und Universität? Ich bin wie so viele nicht nur 13 (in meinem Fall sogar 14) Jahre durch verschiedene Schulen gegangen und habe ca. sieben Jahre die Universität besucht, ein Studium abgeschlossen und ein weiteres angefangen und dabei sicher viel gelernt. Das Wichtigste, das ich aber gelernt habe und das mir in meinem Beruf und bei der Lösung der Probleme geholfen hat, die sich mir privat oder beruflich gestellt haben, habe ich nicht in der Schule oder Universität, sondern im Leben gelernt.

Natürlich kann ich nicht alles, was mir das Leben beigebracht hat, in Geschichten fassen, aber doch einiges, und es drängt mich, diese Geschichten aufzuschreiben, um anderen die Chance zu geben, ebenfalls aus diesen Geschichten zu lernen. Muss man denn wirklich jede Erfahrung selbst machen?

Ich habe mich bemüht, die Quintessenz der erlebten Lernerfahrungen hier zu schildern. Ich habe in diesem Buch die »Rosinen meines Lebens« gesammelt, ich gebe hier einige Erlebnisse weiter, die mich beeinflusst haben und die vielleicht auch dem einen oder anderen Leser helfen können, mit Schwierigkeiten fertigzuwerden, oder seinem Leben einige Glücksmomente hinzuzufügen.

Noch ein Wort zu der Anrede: Ich habe mir lange über legt, ob ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, mit dem vertrauten »Du« oder mit »Sie« anreden soll. Das »Du« verbreitet sich immer mehr und heute wird man häufig schon in Geschäften, in denen man noch nie war, auch als älterer Kunde von den sehr viel jüngeren Bedienungen mit »Du« angeredet. Ich habe mich trotzdem für das »Sie« entschieden. Ich möchte damit meinen Respekt Ihnen als Leser gegenüber ausdrücken. Ich schätze Sie sehr und ich möchte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich mich Ihnen vertraut fühle, ich kenne Sie nicht und bin mir bewusst, dass Sie und nur Sie entscheiden, wie sehr Sie sich mir und meinen Geschichten öffnen.

Nachdem es sich in diesem Buch fast ausschließlich um selbst erlebte Geschichten handelt, kann es durchaus sein, dass Sie, lieber Leser, an dem einen oder anderen Erlebnis beteiligt waren. Ich habe Ihren Namen verändert und bitte vorweg um Verzeihung, wenn ich mich in einem Detail nicht richtig erinnert habe.

Es kommt auf unsere Einstellungen1 an!

Schon im ersten Semester meines Psychologiestudiums begegnete mir ein Zitat des berühmten Psychologen William James, der schon um 1900 lebte und als Erster die Erfahrung aus Experimenten zur Grundlage der Psychologie erklärte. Das Zitat, das mich so faszinierte und mein ganzes Leben beeinflussen sollte, lautete:

»Die Revolution unserer Zeit besteht darin, dass wir entdeckt haben, welch’ großen Einfluss unsere Einstellungen auf unser Leben haben und dass wir es in der Hand haben, diese Einstellungen zu bestimmen.«

Wenn das stimmt – so überlegte ich mir – dann kann ich also den Gang meines Lebens weitgehend selbst bestimmen, indem ich mir meine Einstellungen bewusst mache und die passenden Einstellungen aussuche oder fehlende positive übernehme. Ich war fasziniert von dieser Idee – und ich kann sagen: Ich habe sie umgesetzt und bei mir selbst erlebt, dass meine Erwartungen gerechtfertigt waren.

Aber was sind »Einstellungen« überhaupt?

Alles, was uns begegnet, wird von uns bewertet: gut oder böse, unnütz oder nützlich, interessant oder uninteressant, begehrenswert oder abscheulich usw. Wahrscheinlich war es für die Menschen, seit sie sich auf diesem Planeten entwickelt haben, überlebensentscheidend, alles sofort zu bewerten, damit sie schnell und ohne lange zu überlegen auf ihre Umgebung reagieren konnten. Wenn jemand in grauer Vorzeit erst überlegen musste, ob der Säbelzahntiger, der plötzlich vor ihm auftaucht, etwas Begehrenswertes oder Gefährliches sei, dann wäre er gefressen worden, bevor er zu einem Ergebnis gekommen wäre. Damit wären seine Gene und damit die Gewohnheit, alles vorurteilsfrei durch Überlegung einzuschätzen, nicht weitergegeben worden, im Gegensatz zu den Genen der Menschen, die alles sofort und ohne zu überlegen spontan bewertet haben. Wir bewerten aber nicht nur Säbelzahntiger und damit alle konkreten Wahrnehmungen sondern auch Abstraktionen, die wir aus vielen Wahrnehmungen gebildet haben. Wir bewerten z.  B. »die Menschen«: Sie sind unserer Meinung nach »von Natur aus« gut oder schlecht, oder etwas konkreter und differenzierter: Wir teilen die Menschen ein in: Deutsche, Neonazis, Unternehmer, Asylanten, Juden, Kapitalisten usw. Und über jede dieser Gruppen haben wir eine bestimmte Meinung, wir bewerten sie, bevor wir die einzelnen Vertreter dieser Gruppen kennengelernt haben. Wenn solche Bewertungen nicht nur einer spontanen, kurzfristigen Laune entsprechen, sondern über lange Zeit unser Handeln beeinflussen, dann nennen wir sie Einstellungen.

Kann man denn Einstellungen »bestimmen«, sich bewusst machen oder gar beeinflussen? Sind wir denn wirklich für unsere Einstellungen verantwortlich, so wie es das obige Zitat von William James nahelegt?

Einstellungen zu verändern, ist sehr schwierig. Sie bilden sich vor allem aufgrund eigener Erfahrungen, oder indem wir sie von unseren Vorbildern übernehmen: solchen, denen wir konkret begegnet sind, oder solchen, von denen wir in Büchern, Zeitschriften, Filmen oder anderen Medien gehört haben. Unser Selbstbild hängt sehr eng mit unseren Einstellungen zusammen. Unser Selbstbild ist uns sehr wichtig, wir verteidigen es mit aller Kraft und daher sind wir auch nicht bereit, unsere Einstellungen zur Disposition zu stellen. Das gilt vor allem für die Werthaltungen, die eng mit unserem Selbstbild verbunden sind.

Trotzdem kann man Einstellungen verändern. Es gibt eine große Zahl von Untersuchungen, vor allem aus den USA, die belegen, dass man alte Einstellungen durch neue ersetzen kann. Das gilt vor allem dann, wenn der Betroffene dies selbst wünscht, seltener, wenn er sich dagegen sträubt.

Sie können also, wenn Sie sich das wünschen, tatsächlich bestimmen, durch welche Einstellungen Ihr Handeln beeinflusst wird. Sie haben das wahrscheinlich schon häufiger in Ihrem Leben getan, ohne sich dessen bewusst zu sein: Sie haben eine Einstellung gegenüber vegetarischer Ernährung entwickelt, gegenüber Mülltrennung, gegenüber alternativen Energien usw. Uns begegnen immer wieder im Leben neue konkrete Eindrücke oder Abstraktionen, zu denen wir Stellung beziehen müssen. Aber wir haben auch eine Einstellung gegenüber uns oder dem Leben selbst. (Ist für Sie das Leben ein »Jammertal« oder ein »süßes Geschenk«?)

Wenn ich oben gesagt habe, dass sich Einstellungen aus persönlichen Erfahrungen gebildet haben, dann ist das eine Vereinfachung, die ich korrigieren muss: Das Entscheidende ist, dass diese Einstellungen in der Regel NICHT das Ergebnis von häufigen Erfahrungen sind, sondern das Ergebnis von – eigentlich beliebigen – Interpretationen dieser Erfahrungen. Wir können also unsere Einstellungen nur in den seltensten Fällen mit Fakten »belegen«, wir können – wenn wir ehrlich sind – nur in den seltensten Fällen argumentieren, dass nur unsere Einstellungen und keine anderen gerechtfertigt sind – obwohl wir uns häufig etwas anderes einbilden. Daraus folgt, dass diese Werthaltungen beliebig und damit veränderbar sind. Die Bedingung, nach der wir eine Einstellung beurteilen sollten, ist, ob sie geeignet ist, ein Leben zu schaffen, das man sich wünscht. Die Kapitel dieses Buches orientieren sich daher an den Einstellungen, die für den Verlauf unseres Lebens und das Lebensgefühl besonders wichtig sind:

I.

Die Einstellungen zu sich selbst

II.

Die Einstellungen zum Leben

III.

Die Einstellungen zu anderen Menschen

IV.

Die Einstellungen zum eigenen Partner, zur Liebe

V.

Die Einstellungen zur eigenen inneren Stimme

VI.

Die Einstellungen zur eigenen Leistung

VII.

Die Einstellungen zu den Menschen im Beruf

VIII.

Einstellungen und Schwierigkeiten

IX.

Die Einstellung gegenüber dem Tod

Am Ende eines jeden Kapitels finden Sie, liebe Leserin und lieber Leser, ein abstraktes Foto von Jürgen Briem. Er ist mein Freund aus alten Schulzeiten und lebt schon seit langer Zeit in Paris. Seine Fotos sind für Sie als »Haltepunkte« gedacht. Vielleicht regen sie Sie zum Nachdenken an, vielleicht erinnern sie Sie an Ähnliches, was sie selbst erlebt haben. Und vielleicht überlegen Sie sogar, ob meine Geschichten nicht auch Einfluss auf Ihr Leben haben könnten. Mit viel Fantasie finden Sie vielleicht sogar eine Verbindung zwischen dem Gelesenen und den Fotos.

1 Ich benutze hier den in der Psychologie gebräuchlichen Begriff Einstellung im Sinne von »innerer Einstellung«. Er ist weitgehend synonym mit »innerer Haltung«, »(Wert-)Orientierung«, »geistiger Orientierung«, »Betrachtungsweisen«, »Konzepte«, »Überzeugung (besitzen)« oder im Englischen »attitude«, neuerdings: »mindset«.

I. Die Einstellung zu sich selbst

Das Bild, das wir von uns selbst haben, ist vielleicht die wichtigste Einflussgröße auf unser ganzes Leben. Zumindest ist sie die wichtigste, die wir mit beeinflussen können.

Sehen Sie sich eher als »Pragmatiker« oder als »Denker«?

Sehen Sie sich als »GestalterIn« Ihres Lebens oder als »Opfer der Umstände«?

Sind Sie stolz auf das, was Sie bisher erreicht haben, oder überzeugt, dass Sie eigentlich versagt haben? Oder glauben Sie, in entscheidenden Situationen die falsche Entscheidung getroffen zu haben, so dass Sie viele Chancen verpasst haben?

Mit welchen Begriffen würden Sie Ihr Wesen am ehesten kennzeichnen?

•Philosoph – Philosophin?

•Sensibelchen?

•Held – Heldin?

•Draufgänger – Draufgängerin?

•Anpasser – Anpasserin?

•Unternehmer – Unternehmerin?

In den folgenden Geschichten wurde mir klar, welchen Einfluss das Bild, das ich von mir habe, auf mein Leben hat und dass ich mir dessen bewusst sein sollte. So wie ich mich sehe, werde ich und entsprechend wird letztlich auch mein Leben aussehen.

Vielleicht können auch Sie – so wie ich – einiges aus diesen Geschichten für sich übernehmen.

Der Portier der Spielbank

Können wir wirklich bewusst die Werte beeinflussen, nach denen wir entscheiden, nach denen wir leben? Welchen Grad an Freiheit haben wir wirklich?

Wenn Sie einem Fremden vorgestellt werden, werden Sie ihn freundlich anlächeln und ihm – zumindest in unserer Kultur – die Hand geben. Aber unser tägliches Verhalten ist von vielen Faktoren bestimmt, nicht nur von der Etikette oder von der anerzogenen Höflichkeit. Auch unsere Stimmung, unsere Erwartungen, die Frage, ob wir uns dem anderen über- oder unterlegen fühlen, wird unser Auftreten einem Fremden gegenüber beeinflussen.

Wir tun das häufig mit dem Blick auf den anderen, wir wollen ihn gewogen machen, wollen ihn nicht verletzen oder verärgern. Vielleicht erhoffen wir uns auch irgendwelche Vorteile, wenn wir ihn für uns einnehmen. Haben Sie sich jemals gefragt, ob unser sichtbares Verhalten auch Rückwirkungen auf uns selbst hat? Ob vielleicht sogar ein immer wieder gezeigtes Verhalten Einfluss auf unseren Charakter haben kann? Ich habe mir diese Fragen nicht gestellt. Bis ich einem interessanten, vielleicht sogar weisen Mann begegnete – dem Portier einer Spielbank.

Mein Leben lang habe ich für verschiedene Gruppen Trainings entwickelt. Das brachte mich immer wieder mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, häufig mit Persönlichkeiten, die ich ohne mein berufliches Interesse kaum kennengelernt hätte. Der Kontakt mit den verschiedensten Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Schichten mit zum Teil exotischen Berufen und oft auch in fremden Ländern war der interessanteste Part meines Berufes. Oft denke ich, dass ich vielleicht von diesen Menschen mehr – vor allem mehr praktisch Verwertbares – gelernt habe, als in meinem Studium.

Eine solche äußerst interessante Persönlichkeit, von der ich eine wichtige Lektion gelernt habe, war der Portier einer großen Spielbank. Ich werde die Begegnung mit ihm sicher nie vergessen. Eigentlich interviewte ich ihn, weil wir ein Lehrsystem für die Spielbank entwickeln sollten. Die Angestellten sollten lernen, wie man Kunden mit kriminellen Absichten schnell erkennen kann und wie man gegebenenfalls so mit ihnen umgeht, dass es die anderen Gäste kaum bemerkten. Letztendlich habe ich von dem Portier mehr, zumindest Wichtigeres gelernt, als ich den Croupiers der Spielbank vermitteln sollte.

Der Portier einer Spielbank hat nichts anderes zu tun, als den Gästen die Tür aufzuhalten, bzw. eine vorhandene Drehtür in Bewegung zu setzen, oder wenn es regnet einen Schirm über die Gäste zu halten, wenn diese vor der Spielbank aus einem Auto steigen oder beim Verlassen wieder einsteigen. Natürlich sorgt er auch dafür, dass ungebetene Gäste die Spielbank nicht betreten, aber das kommt fast nie vor.

Ich war auch früher schon öfter in einer Spielbank. Mich faszinierte die Atmosphäre, wenn alle wie hypnotisiert auf die Kugel starrten, die in dem sich drehenden Kessel hin und her sprang, bevor sie endlich in der Vertiefung einer Zahl liegen blieb, oder manchmal doch noch in das Nachbarfeld hüpfte. Mich interessierten bei meinen Spielbankbesuchen immer mehr die Spieler als die Kugel. Die Croupiers und vor allem den Portier habe ich dagegen kaum beachtet. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich aus den Erfahrungen eines Menschen mit einem solchen Beruf so wichtige Dinge lernen könnte.

Das Interview fand bei einem Kaffee in der Kantine der Spielbank statt und es wurde mir erst während des Gesprächs bewusst, auf wie viele Trinkgelder er verzichtete, während er mir bereitwillig länger als eine Stunde auf meine Fragen antwortete. Ich hatte den Eindruck, dass er sehr gerne mit mir redete. Er hatte es gar nicht eilig – und auch für mich verflog die Zeit, weil er so spannend erzählen konnte, obwohl das Interview um drei Uhr morgens stattfand. Eine Zeit, in der ich normalerweise im Bett liege, die für ihn allerdings normale Arbeitszeit war.

Die Croupiers von Spielbanken leben von den Trinkgeldern, die die Spieler bereit sind zu geben und die mit einem »Vielen Dank, für die Angestellten!« in dem so genannten Tronc landen. Die Einnahmen aus einer Nacht werden nach einem bestimmten Schlüssel unter den Croupiers aufgeteilt. Lediglich der Portier ist daran nicht beteiligt. Er lebt von dem, was ihm die Gäste direkt zustecken, und er kann das auch alles für sich behalten. Ich habe noch nie einem Portier einer Spielbank ein Trinkgeld gegeben und konnte mir daher nicht vorstellen, wie viel das sein würde. Ich war völlig überrascht, als mein Gesprächspartner ganz offen mit der Wahrheit herausrückte:

»Die Tageseinnahmen können sehr unterschiedlich sein. Es kommt auf den Tag an, aber im Schnitt sind es über 8 000.– DM im Monat.« (Das Interview fand vor mehr als 20 Jahren statt.)

Meine Überraschung über die Höhe dieser Summe war wohl für ihn auf meinem Gesicht abzulesen, denn er führte seine Ausführungen fort:

»Ja, das ist nicht wenig und da ich dem Finanzamt gegenüber nur zwei oder dreitausend Mark angebe, ist der Großteil dieser Einnahmen steuerfrei.«

»Wie kommt man denn zu einem solch einträglichen Job?«, fragte ich.

»Nur über Beziehungen. Diese Jobs werden ›vererbt‹. Vorbildung ist natürlich keine erforderlich, wenn auch die Kenntnis mehrerer Sprachen hilfreich ist. Ich bin eigentlich Lehrer. Ich kann fünf Sprachen fließend und mein Hobby ist Theaterspielen. Ich bin spezialisiert auf Shakespeare.«

»Ist dann Ihr Job nicht ein wenig anspruchslos bei dieser Vorbildung?«

»Sie sprechen genau den schwachen Punkt an. Ich fühle mich total unterfordert – und ich fühle mich den meisten Gästen überlegen, vor allem den armen echten Spielern, die süchtig nach dem Spiel sind und die ihr ganzes Vermögen in die Spielbank tragen. Aber das darf ich sie natürlich nicht spüren lassen. Ich muss die Gedanken und Gefühle in mir unterdrücken und eine eher unterwürfige Rolle spielen. Da kommt mir meine Erfahrung als Schauspieler sehr zugute.«

»Bemerken denn die Gäste bei dem kurzen Kontakt, den Sie mit ihnen haben, Ihre Einstellung, die Sie zu ihnen haben?«, fragte ich etwas überrascht.