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Was darf es denn sein? Gut, leichte Kost ist mein Geschreibsel nicht gerade, doch es soll ja auch kein Roman sein, keine Unterhaltungslektüre im eigentlichen Sinne, obgleich es sicher auch unterhaltsam ist. Ich habe versucht - und hoffe auch, es ist mir gelungen - ein paar oft für heikel befundene Themen, ein wenig mehr zu hinterleuchten, als man das üblicherweise macht. Gut, ich habe auch ein bisschen Sarkasmus hineingepackt und auch eine gehörige Portion Selbstkritik, denn viele Dinge, die in diesem Buch erörtert werden, sind auf Erfahrungen aus meinem Leben und den Leben von Freunden, Verwandten und sonstigen Menschen meines direkten Umfeldes aufgebaut. Um nicht ausschließlich meinen Senf zu allem ohne Beweisführung hinzuzugeben, habe ich natürlich keine Mühen gescheut, meine Thesen soweit möglich auch unter Nutzung wissenschaftlicher Quellen zu untermauern. Aber keine Angst, ich habe darauf verzichtet, in die für den "Otto-Normal-Bürger" nur schwer verdauliche Sprache der Wissenschaftler oder in die noch schlimmere der Juristen zu verfallen und mein Werk so allgemeinverständlich wie eben möglich gestaltet. Schließlich sollen meine in diesem Buch erörterten Überlegungen Ihnen eine Hilfestellung bieten. Mein Buch soll dem Leser die Möglichkeit bieten, bestimmte Dinge einmal aus anderer Sicht zu betrachten. Keineswegs jedoch will ich mit diesem Buch missionieren, lediglich einen Denkanstoß soll meinen Lesern damit gegeben werden. Na gut, manchmal erfolgt dieser Anstoß beinah wie eine Ohrfeige - das aber liegt eher an meiner Art, alles ein wenig spitzfindig zu beschreiben.
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Seitenzahl: 172
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Meiner Meinung nach ist es absolut gerechtfertigt, wenn Menschen immer das tun, was sie erstens für richtig halten, zweitens am besten können und drittens woran sie glauben, solange sie damit niemand anderem Schaden zufügen. Ich habe mir eine ganze Weile den Kopf zerbrochen, was das auf mich bezogen heißen könnte und bin zu dem Schluss gekommen, dieses Buch zu schreiben. Zu Punkt Eins konnte ich keinen Grund finden, was ich daran für falsch halten soll, zu Punkt Zwei sagen mir Freunde und Bekannte immer wieder, dass es ihnen Spaß macht, mir zuzuhören. Daraus schließe ich mal vorsichtig, dass ich ganz unterhaltsam sein kann. Der dritte Punkt, also der des Glaubens, war auch recht leicht zu erfüllen, da ich mich als Menschen sehe, für den es nur eine Sache im Leben nie geben wird und zwar, sich egal mit welch er Thematik nicht gedanklich auseinanderzusetzen.
Aber gerade in diesem Fall glaube ich fest daran, dass ich ihnen als Leser mit meinem Buch Freude, Unterhaltung aber vor allem einige interessante Denkanstöße geben kann. Und damit kommen wir zum Aspekt des Schadens. Beim besten Willen kann ich mir keine Gründe vorstellen, wen ich mit diesem Buch schädigen könnte und deshalb schreibe ich es einfach.
Ich habe gewiss in meinem bisherigen Leben schon eine ganze Menge begonnen (und stellen Sie sich vor, einiges davon habe ich sogar zu Ende geführt), was mich nun auf die Idee brachte, etwas Bleibendes, etwas Unvergängliches zu schaffen. Wahrscheinlich schon deshalb, weil die meisten anderen Dinge in meinem Leben es nicht für nötig hielten, von langer Dauer zu sein.
Aber Spaß beiseite, der wahre Grund für dieses Buch liegt ganz einfach in dem Wunsch, zu erfahren, wie viele Menschen es wohl geben mag, die genau wie ich, oder zumindest ähnlich denken. Vielleicht aber auch gerne in Zukunft so denken möchten (das wäre aus dem Erfolg oder Misserfolg beim Verkauf dieses Buches sicherlich abzuleiten).
Sie werden sich zunächst wundern, dass Sie bisher noch nichts von mir gehört haben, aber das besagt gar nichts, denn selbst meine Mutter hat mich bis vor etwa fünfzig Jahren nicht gekannt (aber auch danach hatte sie bestimmt ihre liebe Mühe damit, mich richtig kennenzulernen).
Ob Sie mich nun kennen oder nicht, soll mich nicht daran hindern, Ihnen mit meinen Gedanken eventuell sogar den einen oder anderen Vorteil zu bringen. Es liegt allerdings ganz bei Ihnen, ob ich Sie mit diesem Buch erreichen und ihnen, die bereits erwähnten, Denkanstöße liefern kann, denn das ist mein eigentlicher Wunsch.
Meine kritischen, ja zum Teil selbstkritischen Betrachtungen sollen Sie zum Nachdenken anregen und vielleicht auch eine positive Veränderung bewirken. Sie werden dann zunehmend merken, dass es sehr nützlich sein kann, sich einmal intensiv mit sich selbst zu beschäftigen. Um eine wirkliche Zufriedenheit im Leben zu erreichen, ist es absolut unerlässlich, sich zunächst einmal selbst zu erkennen. Es entspräche nur der Logik, wenn Sie jetzt sagen würden: Ich werde mich wohl selbst am besten kennen! Das ist jedoch nur bedingt eine Tatsache, da der Mensch im Allgemeinen dazu neigt, seine negativen Seiten vor sich selbst so sehr zu beschönigen, dass er felsenfest daran glaubt, alles richtig zu machen. Das Unterbewusstsein weiß allerdings sehr wohl um unsere Fehler und dadurch kommt es oftmals zu einer inneren Zerrissenheit, die uns wiederum unsicher und unzufrieden macht. Dass es tatsächlich mehr in uns gibt, als wir zugeben wollen, habe auch ich erst sehr spät entdeckt. Mich hat es damals fasziniert, Stück für Stück ein wenig mehr von meinem Inneren akzeptieren zu können. Es gehört schon ein wenig Mut dazu sich plötzlich selbst den Spiegel vorzuhalten um sich darin mit allen Vor- und Nachteilen zu erkennen.
Nur sie selbst sind in der Lage, in ihrem Leben eine Veränderung herbeizuführen. Die Entscheidung ob diese positiv oder negativ sein wird, treffen sie ganz allein. Ich habe damals den Grundstein zu meinem zufriedenen Dasein gefunden, als ich aus beruflichen Gründen häufig an Seminaren zur Persönlichkeitsbildung teilnahm. Es ist allerdings nicht sehr einfach, auf diesem Gebiet das Richtige zu finden, da inzwischen Dutzende solcher Seminare angeboten werden. Man soll sich dann schon in die richtigen Hände begeben. Um nur einige der bekanntesten Seminare zu nennen, wären da Nikolaus Enkelmann in Königstein/Taunus, Brian Tracy in Baden in der Schweiz, Dale Carnegie (in Deutschland über Dieter Alten in Hamburg angeboten) oder Frank Bettger in New York oder Dr. Josef Murphy. Natürlich werden deren Seminare überall auf der Welt, also auch in Deutschland, abgehalten und die meisten kann man als Video- oder Audio Seminar auf Kassetten erhalten. Auch Skeptiker sollten sich einmal die Mühe machen, in solch ein Seminar hineinzuhören; es bringt wirklich etwas. Aber, es soll nicht der Sinn dieses Buches sein, ihnen ein, wie auch immer geartetes, Seminar zu verkaufen (an deren Erlöse ich sowieso nicht beteiligt wäre), sondern vielmehr soll es ihre eigenen unterbewussten Gedankengänge in den Vordergrund, ins Bewusstsein rufen.
Kapitel
Liebe - eine Frage der Auslegung?
Sexualität - jedem Tierchen sein Pläsierchen!
Kinder - eine Erfüllung oder einfach nur lästig?
Kapitel
Wer bin ich? - Selbsterkenntnis, der einzige Weg das zu erfahren
Ein gesunder Geist wohnt nur in einem gesunden Körper
Kapitel
Politik - ständig falsch verstanden?
Frieden - eine unlösbare Aufgabe?
Umwelt - das, worin wir leben müssen!
Kapitel
Christen, Juden Mohammedaner und andere Glaubensextremisten!
Toleranz und Intoleranz
Ein Thema, über das sich sicherlich schon jeder einmal den Kopf mehr oder weniger zerbrochen hat, ist die Frage, was ist eigentlich Liebe? Nun, ich kann Ihnen hier keine Standardlösung dieser Frage bieten, deshalb werden Sie die Antwort darauf auch weiterhin selbst suchen müssen, da es hier ganz auf die individuelle Betrachtungsweise ankommt also auf ihre persönliche Definition. Würde man einhundert Menschen nach ihrer Erklärung zu dem Begriff Liebe befragen, erhielte man nicht weniger als ein hundert unterschiedliche Antworten.
So alt wir auch werden, wir werden immer versuchen, dieses Wort Liebe zu erklären und zu ergründen. Sie können davon ausgehen, dass wir nie ein wirklich befriedigendes Ergebnis zu diesem komplexen Begriff erhalten werden. Allerdings fällt es den meisten Menschen von vornherein schwer, die richtige Empfindung als „Liebe“ zu identifizieren. So kommt es dann sehr oft vor, dass man ein bestimmtes Gefühl für Liebe hält, das sich im Nachhinein als etwas ganz Anderes entpuppt.
Genauso verwunderlich ist es, dass man mit 12 Jahren beispielsweise etwas ganz Anderes für Liebe hält, als mit 22, 32, 42 oder 82 Jahren und das liegt ganz einfach daran, dass man nicht nur selbst reifer wird, sondern auch die Empfindungen mit den Jahren reifen.
Ich selbst konnte die ersten Erfahrungen in diesem Bereich sammeln, als ich etwa 10 Jahre alt war und dieses Gefühl zum ersten Mal in mir wach wurde. Ein Gefühl das ich damals, wahrscheinlich ohne nachzudenken und ohne Zögern, Liebe genannt hätte.
Damals schickte meine Mutter uns in den Ferien oft in sogenannte Stadtranderholungscamps, welche für Familien ins Leben gerufen wurden, die finanziell nicht so sonderlich gut weggekommen, dafür aber mit reichem Kindersegen versehen sind. Da beides auf uns zutraf, und somit Urlaub mit der Familie reine Utopie war, konnten wir unsere Schulferien auf diese Weise verbringen. Man traf sich morgens mit den Betreuern am Bus und wurde abends dort wieder den Eltern übergeben. Die Betreuer waren meist freiwillige Jugendliche einer kirchlichen Organisation. Eine dieser Betreuerinnen war Margot, siebzehn Jahre jung und bildhübsch. Im Vergleich zu mir natürlich ganz schön alt, aber für mich das Geschöpf meiner Träume. Ich hing wie eine Klette ständig an ihr. Ich glaube, sie hätte alles von mir verlangen können - ich hätte es getan. Sie allerdings hat mich nicht mehr wahrgenommen, als jeden anderen aus unserer Gruppe (verständlich, seit wann interessieren sich siebzehnjährige Teenager für zehnjährige Bengel). Wenn sie doch nur geahnt hätte, dass ich ihretwegen meine ersten „Liebeskummertränen“ geweint und mir gewünscht habe, dass sie nur noch für mich existieren sollte. Als Erwachsener schwächt man diese Gefühle eines Zehnjährigen natürlich leicht als bewundernde Schwärmerei ab, aber damals war das, was ich empfand, für mich Liebe und das ist auch richtig. Selbst einem Kind sollte man seine eigene Definition für seine Empfindungen lassen und sich nicht lustig darübermachen. Viel sinnvoller wäre es, wenn man als Erwachsener mit Verständnis darauf reagieren würde.
Die nächste Erfahrung in Puncto Liebe war da schon etwas anders. Nun war ich gerade zwölf Jahre alt und mit einigen Freunden unserer Pfadfindergruppe in ein Sommerlager gefahren. Schon bei der Abfahrt fiel mir ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren auf, welches aus einer anderen Ortsgruppe ebenfalls mit in unser Camp fuhr. Von diesem Moment an war ich wie hypnotisiert und hatte nur noch Augen für sie. Sie hieß Simone und war gerade erst 10 Jahre alt geworden. Jede Gelegenheit mich in ihrer Nähe aufzuhalten habe ich genutzt und das viel meinen gleichaltrigen Kameraden auf. Ich glaube, wenn Sie eigene Kinder haben, wissen Sie, wie gemein diese in jenem Alter sein können. Die Folge waren also die üblichen derben Scherze, die ich nicht sonderlich amüsant finden konnte. Dies steigerte nicht gerade mein sowieso noch sehr gering entwickeltes Selbstbewusstsein. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Anwesende meine Empfindungen für Simone durchschaut hatte, nur sie selbst nicht. Sie war natürlich mit ihren zehn Jahren damit noch etwas überfordert. Aber woher sollte ich das denn schon wissen. Eine Gelegenheit, ihr meine Gefühle zu erklären, sollte sich während einer Schnitzeljagd ergeben. Simone und ich wurden unter dem albernen, ständigen Kichern der anderen, rein zufällig in die gleiche Gruppe gewählt, nämlich der, die gesucht werden sollte. Im Verlauf des Spiels zersplitterte sich unsere Gruppe in immer kleinere Grüppchen. Und nun blieb ich, nicht mehr ganz so zufällig, mit Simone zusammen. Obwohl wir genaue Anweisungen hatten, bis wohin wir uns maximal entfernen durften, schafften wir es irgendwie, uns zu verlaufen. Mit dem Erfolg, dass wir über zwei Stunden darauf hofften, dass uns jemand fand. Dass Simone sich nach einer Weile nicht mehr besonders wohl fühlte lag weniger an der Tatsache mit mir allein zu sein, als daran mutterseelenallein auf einem Baumstumpf im Wald zu sitzen und keinen Menschen zu sehen oder wenigstens zu hören. Es war auch nicht gerade sehr Vertrauen einflößend, dass es bereits später Nachmittag war und die Sonne schon recht tief stand. Jetzt hatte ich schon die Gelegenheit mit ihr allein zu sein und traute mich noch nicht einmal ein kleines bisschen über meine Empfindungen zu sprechen. Ich hatte sogar Hemmungen sie tröstend in den Arm zu nehmen als sie zu Weinen anfing. Das Einzige was ich herausbrachte, war der Satz, dass man uns bestimmt schon suchen würde und schon bald gefunden habe. Das war dann schließlich auch so. Der Rest des Camp-Aufenthaltes verging dann so, dass ich Simone nie wieder so nah kam, wie an jenem Nachmittag und ich mir die gehässigen Hänseleien meiner Kameraden anhören konnte. Nach unserer Rückkehr bin ich ein gutes halbes Jahr lang, fast täglich, mit dem Rad in ihren Stadtteil gefahren um sie wenigsten zu sehen. Aber ich sah sie nie wieder.
Die Gefühle, die ich damals empfand, kann ich natürlich nicht ausschließlich aus meiner Erinnerung wiedergeben. Da meine Tochter im Alter von 12 Jahren auch ihre erste Verliebtheit erlebte, und mir für meine Rekonstruktionen ihre Gefühle schilderte, ist es für mich möglich, diese damaligen Empfindungen noch einmal in mir wach zu rufen.
Wenn diese erste Verliebtheit eine Art Schwärmerei gewesen ist, dann würde ich aus heutiger Sicht die zuletzt geschilderten Empfindungen als ein Gefühl, des ersten Suchens nach körperlicher Nähe zum anderen Geschlecht beschreiben, obwohl auch das für mich seinerzeit wirkliche Liebe war. Ich denke, dass dieses Empfinden ein erstes bewusstes Wahrnehmen von Sexualität war (es ist übrigens erwiesen, dass selbst Säuglinge schon Sexualität empfinden und erleben, solange sie durch unsere immer prüder werdende Welt nicht darin behindert werden). Die Anziehungskraft die von dem anderen ausgeht, empfinden wir als sehr intensiv. Ein Gefühl, das wir bis dahin gar nicht gekannt haben. Da wir dieses neue Gefühl als besonders schön und aufregend empfinden, möchten wir es natürlich nicht mehr missen. Und wenn wir nun vor uns und anderen derartigen Gefühlen einen Namen geben sollen, kann uns in unserer Unerfahrenheit doch gar kein anderer Begriff als das Wort Liebe einfallen.
Mit der fortschreitenden Pubertät spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle, um diesen Begriff der Liebe für uns verständlich werden zu lassen. Ob es nun der immer stärker werdende Wunsch ist, die gerade erwachende Sexualität ausleben zu können - ob es der Gedanke ist, in der Clique erst mit einer Freundin oder einem Freund akzeptiert zu werden oder ob es tatsächlich schon wahre Liebesempfindungen sind. Alles dies ist aber für uns zum Zeitpunkt des Geschehens wirkliche Liebe.
Mit fünfzehn Jahren kam ich in den Genuss, wieder ein neues Gefühl für Liebe zu halten. Das Objekt meiner Liebe hieß Verena, war ebenfalls fünfzehn, verdammt gut entwickelt und ziemlich hübsch. Ich lernte sie auf der Geburtstagsfeier meines besten Freundes kennen. Ich glaube behaupten zu können, dass Liebesempfindungen in diesem Alter überwiegend (Ausnahmen dürften auch hier die Regel bestätigen) von äußerer Anziehungskraft geprägt sind. Auch zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht sehr viel Selbstbewusstsein und das äußerte sich durch extreme Schüchternheit. Ich habe einige Stunden gebraucht, bis ihr Reiz auf mich so stark gewirkt hatte, dass ich mich mit ihr zu unterhalten wagte und mit ihr tanzte. Die mehr obligatorische Teenie -Frage „willste mit mir geh‘n " wagte ich erst gegen Ende des Abends - zwischen zwei Tänzen und vier Cola. Dass Verena noch viel schüchterner war als ich, sollte ich in den kommenden drei Monaten unserer Beziehung merken. Anfassen war Tabu Nummer eins und Küssen erinnerte an die Art, die man als „Gute -Nacht-Kuss“ von Mama gewöhnt war. Und so war denn diese große Liebe sehr schnell uninteressant geworden, so dass meine Geburtstagsparty, drei Monate später, gerade der richtige Anlass war, um „Schluss“ zu machen. Diese Gelegenheit ließ sich ihre beste Freundin Bettina natürlich nicht entgehen. Jetzt erlebte ich das gleiche Spiel einmal genau anders herum. Bettina war, wie Verena, fünfzehn aber wesentlich erfahrener - sehr viel erfahrener wie ich bald merkte. Soviel erfahrener, dass ich bald in der Situation war, nicht mehr mit ihr Schritt halten zu können. Ich war einfach noch nicht bereit so weit zu gehen (schließlich muß man seine Hemmungen erst einmal in den Griff bekommen - und davon hatte ich damals mehr als genug). So musste dann ich zum ersten Mal selbst die bittere Erfahrung machen, wie es ist, wenn man abserviert wird.
Wieder einmal habe ich zwei Erfahrungen gemacht, die ich damals sofort für Liebe gehalten habe. Heute würde ich sagen, im ersten Fall, also im Falle von Verena, war es mehr der schon angesprochene Wunsch, erste sexuelle Erfahrungen machen zu wollen. Dieser Wunsch war aber noch auf bestimmte Dinge begrenzt und von miteinander schlafen noch weit entfernt. Mir hätte es gereicht, richtig zu küssen oder einmal einen Busen in der Hand zu spüren. Da Verena noch nicht bereit war mir diese Wünsche zu erfüllen, wechselte ich das Objekt meiner Liebe. Ihre Freundin Bettina hatte bereits diese Erfahrungen gemacht, die ich noch nicht kannte und so wurde ich für sie zu langweilig, da ich die Wünsche, die sie hatte, nicht erfüllen konnte.
Aber solche schmerzlichen Dinge halten bei Teenagern in der Regel glücklicherweise selten länger als zwei oder drei Monate an. So ließ denn meine nächste Liebe nicht lange auf sich warten. Ich verliebte mich in die Freundin eines anderen. Wir waren damals eine Clique von etwa 18 Jungen und 12 Mädchen, die durch ihre gemeinsamen Leidenschaften, Mopeds und Tanzen alle verfügbare Zeit miteinander verbrachten. Melanie war mit Uwe schon ein halbes Jahr zusammen, aber sie stritten sehr oft und hatten sich schon mehrmals getrennt. Für mich ergab sich die Gelegenheit ihr meine Gefühle zu zeigen, als wieder einmal Schluss zwischen den beiden war und wir wieder einmal einen Tanzkurs gemeinsam besuchten. Ich bat sie zunächst meine Tanzpartnerin zu sein und hatte auch Erfolg damit. Später gelang es mir, sie in der Hinsicht zu überzeugen, dass ich der Richtige für sie sei. Melanie war das erste Mädchen, das bei mir Gefühle auslöste, die über rein sexuelle Wünsche hinausgingen. Ich genoss jede Minute in ihrer Nähe. Es machte Spaß sich mit ihr zu unterhalten, mit ihr zu tanzen oder zu schmusen. Wir waren so intensiv miteinander, dass man von uns als „das Liebespaar schlechthin“ sprach. Für alle war klar, Axel und Melanie gehörten zusammen. Nur für zwei war dies anscheinend doch nicht so klar. Zum einen war dies Uwe, der ständig versuchte, sich ihr wieder zu nähern. Zum anderen war es Melanie selbst, die sich durch Uwe und mich in eine Zwickmühle gezerrt sah, schließlich die Flucht vor uns beiden ergriff und sich einem Dritten zu wandte (mit dem sie im Übrigen heute verheiratet ist).
Unseren Kummer ertränkten Uwe und ich in kameradschaftlicher Gemeinsamkeit und einer enormen Menge Alkohol (was - und das soll betont sein - natürlich kein sinnvolles Allheilmittel ist). In meinen Gefühlen zu Melanie kann ich aus heutiger Sicht die ersten Ansätze erkennen, die ich auch jetzt noch als Liebe im weitesten Sinne bezeichnen kann. Bei ihr war ein entscheidender Faktor hinzugekommen, der bei den Gefühlen zu den Mädchen zuvor keine Rolle spielte. Bei ihr hatte ich erstmalig dieses starke Gefühl der Gemeinsamkeit, der Zusammengehörigkeit, des Miteinanders. Deshalb war der Schmerz, sie zu verlieren, erheblich größer, als bei den zurückliegenden Beziehungen. Ich habe eine ziemlich lange Zeit gebraucht, dieses Mädchen gefühlsmäßig zu vergessen.
In diesem letzten Beispiel kann ich also ohne weiteres schon von Liebe sprechen (so wie wir Erwachsenen sie verstehen), da eben nicht nur sexuelle Anziehungskraft, sondern auch andere, höhere Werte vorhanden waren. Jede weitere Beziehung zeichnete sich, wie Sie erkennen werden, dadurch aus, dass immer einige höhere Werte hinzukamen, jedoch auch in einigen Fällen wieder abnahmen und durch andere Werte ersetzt wurden.
Die nun folgende Beziehung war eher eine Flucht als eine Liebe. Kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag lernte ich Silke kennen (erstaunlich ist, es waren wieder drei Monate nach einer Trennung vergangen - die „3“ scheint für mich eine magische Zahl zu sein), als ich nach meiner Trennung von Melanie mit Freunden Karneval feierte.
Sie war ein äußerst hübsches und zierliches Mädchen von 17 Jahren. Zusätzlich zu dieser neuen Beziehung stand ich in diesem Februar unter erhöhtem Stress. Ich machte gerade meinen Führerschein und hatte meine Abschlussprüfung in der Ausbildung, dazu kamen meine Musterung bei der Bundeswehr und eine Aufnahmeprüfung bei der Polizei - und das alles im Ablauf von ca. zwei Wochen. Die Beziehung zu Silke konnte man in gewisser Weise als ähnlich beschreiben, was man, wenn wir geheiratet hätten, als Zweckehe bezeichnen würde. Wir unternahmen sehr viel miteinander, hatten Spaß an allem, aber es fehlte der gewisse Funke, der uns füreinander entflammen ließ. Eigenartiger Weise hielt diese Beziehung erstmals länger als die üblichen drei Monate, nämlich genau doppelt so lang - ein halbes Jahr. Und noch erstaunlicher aus heutiger Sicht ist der Umstand, dass wir nicht ein einziges Mal miteinander mehr als einen Kuss ausgetauscht hatten. Vielleicht hätte mehr daraus werden können, wäre da nicht dieses unerklärbare Gefühl mit dem Namen Liebe von außen über mich hereingebrochen. Anders kann man es nicht beschreiben. So etwas wie das hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Es war im August 1979 als ich in unserem Vereinsheim des Hundesportvereins, während eines Turniers, in der Küche aushalf und dort Pommes-Frites und Würstchen zubereitete. Plötzlich stand ein Mädchen in der Tür um eine Bestellung aufzugeben. Ich war wie vom Blitz getroffen und hatte nur den einen Wunsch, sie näher kennenzulernen. Dass dieser Wunsch auf Gegenseitigkeit beruhte, konnte ich schon bald daran merken, dass Stefanie, so hieß sie, ihre Bestellung völlig vergaß und wir in ein stundenlanges Gespräch verfielen. Während wir sprachen haben wir um uns herum nichts mehr bewusst wahrgenommen. Uns war völlig gleich, wo wir waren, und was um uns herum vorging. Wir hatten uns nie zuvor gesehen und doch war von Anfang an, eine so große Vertrautheit da, als würden wir uns seit Jahren kennen. Ich war sicher, dass dies die wahre Liebe sein musste. Ihre ganze Art weckte in mir Gefühle, die ich nie gekannt hatte, ich kann sagen, es waren Gefühle, von denen ich noch nicht einmal gewusst hatte, dass sie existieren. Stefanie war damals gerade 18 Jahre alt und als sehr behütetes Mädchen aufgewachsen. Ihre naive,
