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Kleines Organ – große Wirkung!
Eine gesunde Schilddrüse in Balance ist das A und O für einen guten Stoffwechsel, für mehr Energie, einen beschwerdefreien Zyklus und Fruchtbarkeit sowie für Verdauung und Gewicht. Oft wird nicht erkannt, dass viele Beschwerden ihre eigentliche Ursache in diesem kleinen, aber so wichtigen Organ haben. Dr. Braun führte viele Jahre eine Schilddrüsenpraxis und hat als Nuklearmediziner stets den ganzen Körper im Blick. Auf Basis seiner eigenen langjährigen Erfahrungen und neuester Studien sieht er Zusammenhänge, auf die es wirklich ankommt. Wenn Sie fundierte Antworten und passende Lösungen zur Linderung Ihrer Beschwerden suchen, hilft Ihnen dieses Buch weiter – Aha-Erlebnisse inklusive.
Für alle, die es genauer wissen und endlich Hilfe finden wollen!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2025
Dr. med. Wolfgang Braun
1. Auflage 2025
40 Abbildungen
Liebe Leserin, lieber Leser,wenn es um die eigene Gesundheit geht, darf man nichts dem Zufall überlassen. »Für eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben«: So lautet das Qualitätsversprechen der Marke Thieme. Ärztlich Tätige, Pflegekräfte, Physiotherapeuten oder Hebammen – sie alle verlassen sich darauf, dass sie von Thieme, dem führenden Anbieter von medizinischen Fachinformationen und Services, die entscheidenden Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bekommen. So können sie die Menschen, die sich ihnen anvertrauen, bestmöglich unterstützen. Auch Sie können sich auf die TRIAS Ratgeber mit dem Thieme Qualitätssiegel verlassen! Diese Informationsangebote helfen Ihnen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es um Ihre Gesundheit geht, selbst daran mitzuwirken, gesund zu werden, sich gesund zu erhalten oder das Fortschreiten einer Erkrankung zu vermeiden. Mit einem TRIAS Titel aus dem Hause Thieme überlassen Sie Ihre Gesundheit nicht dem Zufall!Ihr TRIAS Team
es freut mich, dass dieses Buch Ihr Interesse gefunden hat. Vermutlich haben Sie ein Schilddrüsenproblem und wollen besser verstehen, was ein paar Tropfen Schilddrüsenhormon in Ihrem Körper bewirken. Und Sie möchten sicher wissen, was Sie selbst dafür tun können, dass Ihre Schilddrüse für Sie arbeitet und nicht gegen Sie. In diesem Buch werde ich Ihnen all dies auf verständliche Weise vermitteln.
Es wird vielfach beklagt, dass durch die immer weitere Auffächerung in Spezialdisziplinen, besonders auch in der Medizin, bisweilen der Blick für die Zusammenhänge verloren geht. Als Facharzt für Nuklearmedizin bin ich darin geschult, den ganzen Körper zu betrachten. Zudem war ich vor meiner Spezialisierung auf die Erkrankungen der Schilddrüse einige Zeit in der Allgemeinmedizin tätig. Dort habe ich frühzeitig gelernt, kranke Menschen nicht nur klassisch-naturwissenschaftlich als biologische Wesen aufzufassen, sondern habe auch ein Verständnis für ihr seelisches Erleben und ihre individuellen Reaktionsweisen entwickelt.
Diese ganzheitliche Sichtweise ist der Leitgedanke dieses Buches. Daher behandle ich nicht nur das komplexe Geschehen in der Schilddrüse, sondern gehe auch auf die verschiedenen Hormondrüsen – Schilddrüse, Nebennieren, Eierstöcke – und die Hormonschaltzentralen Hypothalamus und Hypophyse ein. Darüber hinaus beschreibe ich die Zusammenhänge zwischen Darm, Zentralnervensystem und den klassischen Hormondrüsen und befasse mich mit den Neurotransmittern, die unser Wohlbefinden, unsere Stimmungen und letztlich unser Verhalten entscheidend beeinflussen.
Ernährung, Bewegung und der Umgang mit Stress sind zentrale Faktoren im biochemischen System. Ein stabiles inneres Milieu hält Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht. Ist ein Leben ohne Schilddrüse möglich? Ja, aber nur auf Sparflamme. Für ein unbeschwertes Leben ist eine gesunde, gut ausbalancierte Schilddrüse unerlässlich.
Dr. Wolfgang Braun
(© Nicholas F/peopleimages.com/stock.adobe.com)
Titelei
Liebe Leserin, lieber Leser,
Schilddrüse – kleines Organ, große Wirkung
Wie die Schilddrüse funktioniert
Der Schmetterling im Hals
So gelangt das Jod zur Schilddrüse
Natrium-Iodid-Symporter – ein Schleppkahn
Pendrin – das Schnellboot
Die Produktion der Hormone
Der Startschuss kommt von oben
Lego mit Molekülen
Von Zelle zu Zelle
Kommunikation ist alles
Die Aufgabe der Schilddrüse
Wie Schilddrüse und Gesundheit zusammenspielen
Basis: die Schilddrüsenbalance
Energiezentrale und Wärmeausgleich
Wachstum, Entwicklung, Fortpflanzung
Vom Chaos zur Ordnung
Die Bedeutung des Schlafs
Energiekraftwerk und Gleichgewicht
Check: Einfluss der Schilddrüse auf den Körper
Schilddrüse und Gehirnleistung
Schilddrüse und das limbische System
Schilddrüse und HNO-Bereich
Schilddrüse und Augen
Schilddrüse und Atemwege
Schilddrüse und Herz
Schilddrüse und Magen-Darm-Trakt
Schilddrüse und Muskulatur
Schilddrüse und Knochenstoffwechsel
Schilddrüse und Eisenstoffwechsel
Schilddrüse und Fortpflanzung
Was die Schilddrüsenbalance beeinflusst
Schicksal
Weichmacher
Das Darmmikrobiom
Die Erkrankungen der Schilddrüse
Funktionelle Erkrankungen der Schilddrüse
Diagnose der subklinischen Hypothyreose
Diagnose der subklinischen Hyperthyreose
Diagnose der manifesten Hypothyreose und Hyperthyreose
Strukturveränderungen der Schilddrüse
Die blande Struma
Knoten in der Schilddrüse
Schilddrüsentumore
Die Entzündungen der Schilddrüse
Hashimoto-Thyreoiditis
Thyreoiditis de Quervain
Ein breites Spektrum
Schilddrüsen-Check
Schilddrüsenerkrankungen frühzeitig erkennen
Das Neugeborenenscreening
Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche
Untersuchungsmethoden in der Frühdiagnostik
TSH-Bestimmung – bei heißen Knoten nicht ausreichend
Untersuchungen bei familiärer Vorbelastung
Bestimmung des Tumormarkers Calcitonin
Früherkennung durch Feinnadelpunktion
Früherkennung durch molekularpathologische Diagnostik
Früherkennung – Fazit
Symptome von Schilddrüsenerkrankungen
Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsabfall
Fieber
Heiserkeit
Psychische Beschwerden
Durchfall
Geschwollene Lymphknoten
Beeinträchtigung des Sexuallebens
Unsere Haut und die Schilddrüse
Vitiligo – die Weißfleckenkrankheit
Hautveränderungen bei Schilddrüsenerkrankungen
Augenveränderungen bei Morbus Basedow
Weitere Hautveränderungen bei Schilddrüsenerkrankungen
Schilddrüsendiagnostik
Die Schilddrüsenszintigraphie
Heiße und kalte Knoten
Bei kalten Knoten: Feinnadelpunktion
MIBI-Szintigraphie – Alternative oder Ergänzung zur Feinnadelpunktion
Ultraschalldiagnostik der Schilddrüse
Varianten der Ultraschalldiagnostik
Labordiagnostik
Was Cholesterin mit der Schilddrüse zu tun hat
Entscheidend: eine sorgfältige Vorgehensweise
Die wichtigsten Labortests in der Schilddrüsenabklärung
Gynäkologische Laborwerte
Weitere ergänzende Labortests
Entbehrliche Labortests
Schilddrüsenerkrankungen behandeln
Medikamentöse Therapie
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Blande Struma
Radiojodtherapie
Das Prinzip der Radiojodtherapie
Einsatz der Radiojodtherapie
Operation
Risiken eine Schilddrüsen-OP
Wie hoch sind die Risiken?
»Schonende« Operationen
Lokale Eingriffe
Schilddrüsenhormone richtig einnehmen
Hilfreiche Pillen
Einnahmehinweise
Die Bioverfügbarkeit
Neuere Forschungen
Häufige Fragen zur Schilddrüse
Spezielle Fragen von Patientinnen mit Kinderwunsch
Die Schilddrüse – Motor des Lebens
Die Schilddrüse und unser Seelenleben
Und immer wieder die Schilddrüsenbalance …
Hypothalamus und limbisches System
Neurotransmitter: Fundament der Neurowissenschaften
Das sympathische und das parasympathische Nervensystem
TRH spielt eine Schlüsselrolle
TRH hält die Balance aufrecht
Die Chemie der Gefühle
Hormone oder Neurotransmitter?
Serotonin als Glückshormon
Schilddrüsenhormone, Serotonin und Depressionen
Schilddrüsenüberfunktion und Euphorie
Studien zur Stimmungslage und Schilddrüse
Begleiterkrankungen
Schilddrüse und rheumatische Erkrankungen
Basedow und Rheuma
Kombination von Autoimmunerkrankungen
Schilddrüse und Muskel- und Weichteilbeschwerden
Hypothyreose und Muskel- und Weichteilbeschwerden
Hyperthyreose und Muskel- und Weichteilbeschwerden
Wiederkehrende Muskellähmung
Hypothyreose und Fibromyalgie
Resümee
Reine Frauensache
Der weibliche Zyklus
Vier Zyklusphasen
Schilddrüsenhormone und weibliches System
Schilddrüse und Eierstöcke – best friends
Störungen des weiblichen Zyklus
Die häufigsten Zyklusbeschwerden
Die Blutung bleibt aus
Die Blutung kommt zu selten
Selbsthilfe bei Zyklusbeschwerden
PMS und PMDS
Menstruationszyklus und Schilddrüse
Endometriose, PCOS und Schilddrüse
Resümee
Schwanger werden
Wie die Schilddrüse den Eisprung beeinflusst
Ohne Eisprung keine Befruchtung
Wie erkennen Frauen, ob sie einen Eisprung hatten?
Woran erkennen Frauen, dass kein Eisprung stattgefunden hat?
Zusammenhänge: Schilddrüsen- und Geschlechtshormone
Hormonachsen und Homöostase
Voraussetzungen für einen gesunden Zyklus mit Eisprung
Schwanger sein
Einfluss der Schilddrüse in der Schwangerschaft
Die Laborwerte in der Schwangerschaft
Beginn der Schwangerschaft
Die Einnistung und der TSH-Wert
Risiken für schwangere Schilddrüsenpatientinnen
Vorgehensweise bei schwangeren Schilddrüsenpatientinnen
Schilddrüse und Schwangerschaft – Veröffentlichungen
Stillen mit Schilddrüsenproblemen
Was wissen wir über das Stillen?
Thema Leihimmunität
Die meisten Frauen stillen
Veränderungen der Brust
Stillen in der medizinischen Literatur
Versorgung mit Schilddrüsenhormonen und Jod
Empfohlene Jodzufuhr für Stillende
Biochemische Besonderheiten
Selten: Jodid-Transport-Defekt in der Brustdrüse Stillender
Wenn Stillende Thyreostatika einnehmen
Die Wechseljahre
Einschnitt oder Entwicklung?
Veränderung gestalten
Was sich verändert
Hilfreiches Labor
Die körperlichen Begleiterscheinungen
Vorzeitige Erschöpfung der Eierstockfunktion
Knochengesundheit in den Wechseljahren
Die Schilddrüse und die Wechseljahre
Anpassungsleistung der Schilddrüse
Knoten in der Schilddrüse
Resümee
Was der Schilddrüse hilft
Optimale Ernährung für die Schilddrüse
Gesunde Ernährung – was ist das?
Die verschiedenen Ernährungsstile
Grundlagen einer schilddrüsengesunden Ernährung
Einteilung der Nährstoffe
Proteine
Die essenziellen Aminosäuren für die Schilddrüse
Reich an essenziellen Aminosäuren
Die Superkombi: Eiweiß plus Jod
Fette
Die essenziellen Fettsäuren
Kohlenhydrate
Energielieferant
Achtung Fruktose
Fettlösliche Vitamine
Vitamin A für das Sehen, das Immunsystem und die Fortpflanzung
Sonnenvitamin Vitamin D
Vitamin E – antioxidativ und gut für die Schilddrüse
Multitalent Vitamin K
Wasserlösliche Vitamine
Vitamin B1
Vitamin B2
Vitamin B3
Vitamin B5
Vitamin B6
Vitamin B7
Vitamin B9
Vitamin B12
Vitamin C
Mineralstoffe: Mengenelemente
Natrium und Chlorid
Kalzium für Knochen und Nerven
Magnesium für Nerven, Muskulatur, Herz
Ohne Kalium kein Leben!
Phosphor: Bestandteil der DNS
Schwefel: Bestandteil von Enzymen
Mineralstoffe: Spurenelemente
Eisen
Fluor
Zink
Selen
Jod
Sekundäre Pflanzenstoffe
Polyphenole
Die antientzündliche Ernährung
CRP – der Feuermelder unseres Körpers
Antientzündliche Nahrungsmittel
Entzündungsfördernde Nahrungsmittel
Achtung: zu viel Jod schadet!
Der Darm und die Schilddrüsengesundheit
Das Mikrobiom des Darms
Aufgaben des Darmmikrobioms
Darmmikrobiom und Schilddrüse
Eine Doktorarbeit wird zum Bestseller
Präbiotika: Futter für die Darmbakterien
Probiotika: für eine gute Verdauung
Symbiotika: Kombination aus Prä- und Probiotika
Postbiotika: gut für das Immunsystem
Forschungen zur Schilddrüsen-Darm-Achse
Wie das Darmmikrobiom die Schilddrüsenfunktion beeinflusst
Wenn die Darmbarriere schwächelt
Basedow und intestinales Mikrobiom
Mikrobiom-Zusammensetzung bei Basedow und Hashimoto
Resümee
Lebensstil und Schilddrüsengesundheit
Gesunder Lebensstil: Unterstützung für die Schilddrüse
Ernährung
Präzisionsernährung
Die mediterrane Kost
Bewegung
Trainieren Sie im aeroben Bereich
Krafttraining
Körpergewicht
Problem Übergewicht
Mit Genuss zu einem gesunden Körpergewicht
Worauf Sie bei einer Ernährungsumstellung achten müssen
Schilddrüse und Körpergewicht
Wie sich die Schilddrüse auf den Alltag auswirkt
Schilddrüse und mentale Gesundheit
Antriebslosigkeit bei Unterfunktion der Schilddrüse
Reizbarkeit bei Überfunktion der Schilddrüse
Mobbing am Arbeitsplatz
Die zuhörende Medizin
Schilddrüse und mentale Gesundheit – Studien
Schilddrüse und Arbeitsleben
Schilddrüsenkrebs und zeitintensive Behandlung
Präsentismus: körperlich anwesend, geistig abwesend
Schilddrüse und Schichtarbeit
Frauenleiden
Schilddrüse und Sozialleben
Natürliche Heilmittel und alternative Methoden
Natürliche Heilmittel
Algen: zur richtigen Dosierung aufbereiten
Präparat aus Schweineschilddrüsen
Bierhefe: natürliche Quelle für Selen, B-Vitamine und Biotin
Pflanzliche Wirkstoffe für die Schilddrüsenbalance
Adaptogene: was sie sind, was sie leisten
Pflanzliche Arzneimittel und Hashimoto
Ashwaganda und Hormonsystem
Schwarzkümmel
Rosenwurz
Ein Hoch auf die Olive!
Die olle Kamille …
Alternative Methoden für die Schilddrüsenbalance
Alternative Behandlungsmethoden
Meine Haltung zu alternativen Behandlungsmethoden
Ergänzende Therapien
Meditation und endokrine Stabilität
Yoga als Hilfe in den Wechseljahren
Meditatives Gebet
Resümee
Nachwort
Forschung für eine bessere Lebensqualität
Bessere Diagnostik
Forschungen rund um die Schilddrüse
Literatur
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Impressum
© Jo Panuwat D/stock.adobe.com |
Die Schilddrüse ist zwar nur ein kleines Organ, aber die größte Hormondrüse des Körpers und von großer Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.
Die Schilddrüse produziert spezifische Hormone und stellt sie dem Körper zur Verfügung. Auf diese Weise regelt sie zahlreiche wichtige körperliche Funktionen.
Die Schilddrüsenhormone sind wichtig für den Energiestoffwechsel, für den Wärmehaushalt, bei Heranwachsenden für Wachstum und eine normale Entwicklung des Individuums sowohl in körperlicher als auch geistig-seelischer Hinsicht.
Die Aufgabe schlechthin für unsere Schilddrüse ist die Aufrechterhaltung einer stabilen Stoffwechselsituation, der Homöostase. Unser inneres Milieu soll möglichst im Gleichgewicht bleiben und uns helfen, diese Balance zu halten, innen wie außen.
Unterstützt wird die Schilddrüse von Hypophyse und Hypothalamus. Wie oben ▶ beschrieben, fungiert diese Hormonsteuerzentrale als Kapitän auf der Kommandobrücke und greift rechtzeitig ein, wenn das Hormongeschehen aus dem Ruder läuft. Über verschiedene miteinander verbundene Regelkreise wird eine Kurskorrektur vorgenommen, bis die Balance wiederhergestellt ist, sodass das Chaos sich nicht weiter ausbreiten kann.
Bei den zahlreichen Stoffwechselprozessen, die von der Schilddrüse in Gang gebracht werden, entsteht Wärme. Die brauchen wir auch, nicht nur, wenn es draußen ungemütlich kalt ist. Sinnigerweise regen Schilddrüsenhormone auch die Schweißdrüsen zu vermehrter Produktion an. Die Schweißdrüsen geben ihre Produkte nach außen ab, sie zählen zu den exokrinen Drüsen, während die Hormondrüsen, die endokrinen Drüsen, ihre Sekrete in das Innere des Körpers ausschütten. Schwitzen ist übrigens eines der Leitsymptome einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Hyperthyreose.
Auf diese Weise sorgt unsere Schilddrüse dafür, dass wir immer genügend Energie zur Verfügung haben und unsere Körpertemperatur konstant bleibt. Ihr verdanken wir es auch, dass unsere Spezies den ganzen Globus bewohnen kann, vom Nordpol über die gemäßigten Zonen und die Äquatorialgegenden bis Südafrika, Australien und darüber hinaus.
Bei den wichtigen Themen Wachstum, Entwicklung und Fortpflanzung redet die Schilddrüse ebenfalls mit. Eine ausgeglichene Schilddrüsenfunktion – Euthyreose – ist bereits bei der Entstehung neuen Lebens, also während der Schwangerschaft, wichtig.
Wir sprachen schon davon, dass die Schilddrüse von den übergeordneten Hormonzentren Hypothalamus und Hypophyse gesteuert wird und dadurch an das Zentralnervensystem angebunden ist. Die neuroendokrine Forschung beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Hormonsystem und Zentralnervensystem. Sie hat herausgefunden, wie wichtig die Schilddrüse dafür ist, dass die Hormone ihrer Aufgabe nachkommen können. Von unserem Nervensystem ausgehend durchflutet ein Riesenheer von Botenstoffen unseren Körper. Sie sorgen unter anderem dafür, dass wir, wenn es angebracht ist, auch einmal herunterfahren und uns in einem gesunden Schlaf regenerieren können. Das ist nur möglich, wenn die Schilddrüse richtig funktioniert.
Es war eine epochemachende Entdeckung, dass Nervenzellen nicht nur elektrische Impulse weiterleiten, sondern auch auf chemischem Wege Informationen weiterleiten können.
Zur Aufrechterhaltung unseres seelischen Gleichgewichts ist ein gesunder Schlaf elementar wichtig. Dabei spielen verschiedene Hormone eine Rolle, wie Melatonin und Cortisol. So ist Schlaflosigkeit ein wichtiges und ziemlich spezifisches Symptom einer Überfunktion der Schilddrüse, vor allem wenn sie gepaart ist mit unfreiwilliger Gewichtsabnahme und beschleunigtem Ruhepuls von 100 Schlägen pro Minute oder mehr. Umgekehrt ist ein verlangsamter Herzschlag von 60 und weniger Schlägen pro Minute in Verbindung mit vermehrtem Schlafbedürfnis und Mittagsmüdigkeit ein deutlicher Hinweis auf eine Unterfunktion der Schilddrüse.
Alle Organe und Organsysteme sind auf das rechte Maß an Schilddrüsenhormonen angewiesen. Die Schilddrüse ist nahezu für alle biochemischen und physiologischen Abläufe und deren Abstimmung in unserem Körper zuständig. Daher können Störungen dieser Mechanismen so vielfältige und häufig mehrdeutige Beschwerden verursachen.
Auch wenn wir entspannt im Sessel sitzen oder auf der Couch liegen und uns keiner körperlichen oder geistigen Aktivität hingeben, wird Energie verbraucht, damit die basalen Lebensfunktionen aufrechterhalten werden können. Wir sprechen vom sogenannten Grundumsatz. Wenn wir körperlich oder geistig auf den Aktivitätsmodus umschalten, stellt die Schilddrüse den entsprechenden Mehrbedarf an Energie bereit. Die Schilddrüse ist also nicht nur die Klimaautomatik unseres Körpers, sondern auch das Kraftwerk unseres Organismus, das die Kalorien, die wir über unsere Ernährung zu uns nehmen, bedarfsgerecht in die passende Energieform umwandelt.
Wir werden nun den Körper von Kopf bis Fuß betrachten und sehen, wie die verschiedenen Bereiche von der Schilddrüse beeinflusst werden und wie die Schilddrüse auf entsprechende Zuarbeit angewiesen ist. Wenn alles gut läuft, ist das eine echte Win-win-Situation.
Ich habe schon erwähnt, dass die komplexe Chemie der Botenstoffe in unserem Zentralnervensystem nur dann effektiv funktioniert, wenn die Schilddrüse ordnungsgemäß arbeitet. Ja, auch für Lernen und Gedächtnis ist die Schilddrüse wichtig. Das folgende Beispiel veranschaulicht das auf eindrucksvolle Weise.
Ein etwa 40-jähriger Mann suchte mich auf und klagte, er könne sich nichts mehr merken, auch einfache Rechenaufgaben fielen ihm schwer. Auch seiner Partnerin war dies aufgefallen und sie hatte ihm nahegelegt, dies abklären zu lassen. Meine Untersuchung ergab den klaren Befund einer Unterfunktion der Schilddrüse, einer Hypothyreose. Ich leitete eine Schilddrüsenhormonbehandlung ein, die wahre Wunder wirkte. Als der Patient ungefähr 4 Wochen später zur Kontrolle erschien, waren nicht nur die Laborwerte in Ordnung, sondern er war geistig wieder fit und konnte sich wieder alles merken.
Das zeigt uns nicht nur, welche Folgen eine Funktionsstörung der Schilddrüse haben kann, sondern auch, dass eine solche Störung durch eine entsprechende Therapie voll rückbildungsfähig ist. Bei meinem Patienten war nämlich vorübergehend, bis zur Einleitung der Schilddrüsenhormontherapie, die Chemie in einem bestimmten Hirnabschnitt nicht in Ordnung: im limbischen System.
Nicht nur unser Gedächtnis ist auf eine gute Schilddrüsenfunktion angewiesen. Auch unser Seelenleben bedarf der Harmonie der Schilddrüsenhormone. So geht eine Unterfunktion der Schilddrüse bekanntermaßen häufig mit depressiver Verstimmung einher.
Entscheidend dafür ist das limbische System, das mehrere Bestandteile in unserem Gehirn umfasst, die miteinander in Verbindung stehen. Zu ihm gehören unter anderem der Hippocampus, der für Lernen und Gedächtnis zuständig ist, die Amygdala (Mandelkern), weitere Anteile des Zwischen- und Vorderhirns sowie bedeutsame Hirnnervenkerne, in denen Überträgerstoffe wie Neurotransmitter, Neurohormone und Neuropeptide produziert werden. Im Kapitel ▶ »Schilddrüse und mentale Gesundheit« werde ich genauer darauf eingehen.
Auch für die Funktion unserer Sinnesorgane ist ein ausgeglichener Hormonhaushalt der Schilddrüse wichtig. Beispielsweise ist es bekannt, dass eine Verschlechterung des Hörvermögens durch eine Hypothyreose hervorgerufen werden kann, die sich nach Einstellung der Schilddrüsenfunktion bessert. Die Stimmfunktion benötigt ebenfalls ein ausgewogenes Maß an Schilddrüsenhormonen. In früheren Zeiten, als die Schilddrüsendiagnostik noch weniger entwickelt war und eine Unterfunktion häufig erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde, war eine heisere, krächzende Stimme ein hörbarer Hinweis auf eine Hypothyreose.
Bei der sogenannten endokrinen Orbitopathie sind die Augen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Sie ist Folge einer Überfunktion der Schilddrüse vom Typ Basedow. Sie kann mit leichten, kaum wahrnehmbaren Symptomen einhergehen, z. B. dem seltenen Lidschlag, gemessen in Lidschlägen pro Minute. Dies war dem österreichischen Augenarzt Karl Stellwag von Canon (1823–1904) aufgefallen. Beim Dalrymple’schen Zeichen bleibt zwischen Unterlid und Iris ein weißer Rand sichtbar. Das Hervortreten der Augäpfel ist schon ein deutlicheres und typisches Symptom. Weiterhin kann sich das Symptomenbild von Augenmuskellähmungen mit Doppelbildern bis hin zum drohenden oder im Extremfall tatsächlichen Verlust des Sehvermögens erstrecken.
Warum Rauchen ins Auge gehen kann
Zigarettenrauchen schadet in mehrfacher Hinsicht Ihrer Schilddrüse. Insbesondere verschlechtert es in manchmal dramatischer Weise die Augensymptome beim Morbus Basedow.
Beim Rauchen werden reaktive Sauerstoffverbindungen erzeugt, die autoimmunologische Prozesse anstoßen oder verschlimmern können; ferner werden Verbindungen freigesetzt, welche die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen und zur Knotenbildung, im Extremfall auf lange Sicht sogar zur Entwicklung eines Karzinoms führen können.
In Übereinstimmung mit der herrschenden Lehrmeinung habe ich eine Besserung der Augensymptome beim Basedow durch eine Strahlenbehandlung der Augengegend nur bei den Patientinnen und Patienten gesehen, die nicht rauchten.
Die schweren Formen der endokrinen Orbitopathie sind heutzutage dank des medizinischen Fortschritts mit verbesserten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten selten geworden. Allerdings kann es in ausgeprägten Fällen auch heute noch eine therapeutische Herausforderung sein, ein funktionell und ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.
Kommen wir in den Brustbereich. Atemnot, ein Symptom, das immer abgeklärt werden muss, kann auch von der Schilddrüse herrühren. Bei einer vergrößerten Schilddrüse (Struma), die über Jahre bis Jahrzehnte besteht und nicht behandelt wird, ist die Einengung der Luftröhre eine gefürchtete Komplikation. Im Extremfall kann es zu lebensbedrohlicher Atemnot kommen.
Ich habe einen solchen Fall erlebt. Eine ältere Dame konsultierte mich und hatte bereits einen operationswürdigen Kropf. Sie kam, mehr oder weniger gedrängt durch ihre Tochter, immer wieder zu Kontrolluntersuchungen. Der Kropf wuchs und wuchs. Parallel dazu wurde die Angst der Seniorin vor einer Operation immer größer. Irgendwann kam sie nicht mehr zu mir. Einige Jahre später fragte ich die Tochter, die als Krankenschwester tätig war, nach ihrer Mutter. Sie berichtete, dass diese mit dem Notarztwagen in die Klinik gefahren und notfallmäßig operiert worden war. Es ging nicht gut aus. Die alte Dame verstarb kurze Zeit nach der Operation. Bei rechtzeitigem chirurgischem Vorgehen hätte sie noch viele Jahre gut weiterleben können. Doch so dramatisch geht es glücklicherweise nur selten zu.
Zwischen der Herztätigkeit und der Schilddrüse gibt es vielfältige Wechselbeziehungen. Bei einer ausgeprägten Unterfunktion der Schilddrüse entwickelt sich ein sogenanntes Myxödemherz, das beidseits verbreitert ist. Die Pumpfunktion ist beeinträchtigt und es kommt zu Blutrückstau mit geschwollenen Beinen, aber auch Atemnot. Diese Krankheitserscheinungen lassen sich durch eine Behandlung mit L-Thyroxin rückgängig machen.
Auch bei einer Hyperthyreose wird die Herzfunktion beeinträchtigt, was z. B. zu einer Herzschwäche führen kann. Wird durch die Behandlung mit Thyreostatika – Medikamenten zur Dämpfung der vermehrten Schilddrüsenhormonproduktion – die Schilddrüse wieder in Balance gebracht, normalisiert sich auch die Herzfunktion.
In unserer Betrachtung erreichen wir nun den Bauchraum und betrachten die Auswirkungen einer Funktionsstörung der Schilddrüse auf den Magen-Darm-Trakt.
Gehen wir von der Überlegung aus, dass bei einer verringerten Produktion von Schilddrüsenhormonen auch die Tätigkeit der Bauchorgane verlangsamt ist, werden wir uns nicht wundern, dass Verstopfung ein häufiges Symptom einer Hypothyreose ist. Darüber hinaus ist die Aufnahme der Nährstoffe im Dünndarm gestört. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Verfügbarkeit wichtiger Mineralien und Spurenelemente wie z. B. Eisen. Schließlich kann die Produktion des Magensaftes bei Hypothyreose vermindert sein, was wiederum Einfluss hat auf die Aufnahme der Mikronährstoffe.
Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kann es ebenfalls zu Blutarmut und zu einer beeinträchtigten Aufnahme von Mikronährstoffen durch den Darm kommen. Allerdings ist das Bewegungsmuster der Darmmuskulatur in diesem Fall anders: Die Darmbewegungen sind beschleunigt, es kommt zu Durchfällen, zu gehäufter Stuhlentleerung.
Unsere Muskulatur und auch das Nervensystem sind auf eine optimale Versorgung mit Schilddrüsenhormonen angewiesen. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse ist der Ablauf der Muskelkontraktion verlangsamt und die Reflexe sind ebenfalls verzögert. Dies wurde früher genutzt zur Diagnostik einer Unterfunktion der Schilddrüse und war auch zugleich eine Möglichkeit, die Wirkung bzw. mangelhafte Wirkung der Schilddrüsenhormone objektiv nachzuweisen. Dafür gab es einen Apparat, der das zeitliche Verhalten des Achillessehnenreflexes als Kurve aufzeichnete, die, vergleichbar einem EKG-Streifen, auf Thermopapier aufgezeichnet werden konnte. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse sind die Reflexe gesteigert. Während meiner klinischen Lehrzeit prüfte jede Stationsärztin, jeder Stationsarzt die Reflexe durch und gewann daraus wertvolle Hinweise unter anderem auf den Funktionszustand der Schilddrüse.
Was uns Stütze und Halt gibt – das Skelett, unser Knochengerüst – wird ebenfalls in hohem Maße von der Schilddrüse bestimmt. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kommt es zu einem beschleunigten Knochenstoffwechsel und zu einem vermehrten Knochenabbau. Auch der Kalziumstoffwechsel ist beschleunigt, das heißt, das für die Stabilität der Knochen so wichtige Mineral wird vermehrt ausgeschieden. Beides erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Bei einer Hypothyreose hingegen ist der Knochenstoffwechsel verlangsamt, der Knochenabbau ist geringer und die Mineralisierung der Knochen stärker. Dies kann jedoch die Stabilität der Knochen ebenfalls beeinträchtigen.
Auch der Eisenstoffwechsel wird durch den Schilddrüsenfunktionszustand beeinflusst. Sowohl bei einer Über- als auch bei einer Unterfunktion der Schilddrüse kann es zu einer Eisenmangelsituation kommen, aus unterschiedlichen Gründen. Bekannt ist, dass die Aufnahme von Eisen, das als Schwermetall ohnehin nur schwer absorbiert wird, bei einer Schilddrüsenunterfunktion noch schwieriger ist. Im Darm gelangt zu wenig Eisen in den Blutkreislauf. Die Folge ist eine Blutarmut, eine Eisenmangelanämie, die zu Müdigkeit und Blässe führt sowie zu Einrissen an den Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden). Bei der Überfunktion der Schilddrüse hingegen rauscht dieses für die Blutbildung unerlässliche Schwermetall einfach zu schnell durch, mit dem gleichen Ergebnis.
Symptome mit Expertenblick betrachten
Die Symptome einer Über- und Unterfunktion der Schilddrüse überlappen sich häufig. Daher muss ein rein symptomorientiertes Vorgehen bei der Therapie der Schilddrüsenerkrankungen zwangsläufig scheitern und ins – in dem Falle menschengemachte – Chaos führen. Im Inneren herrscht Ordnung, die aber systematisch ergründet werden muss, im Außen finden wir Unordnung, wenn nicht sachgemäß vorgegangen wird.
Daher plädiere ich immer wieder dafür, einen Schilddrüsenexperten einzuschalten, wenn in Hausarzt- oder internistischen Praxen bei Schilddrüsenproblemen keine Klarheit geschaffen werden kann.
Zu guter Letzt schauen wir uns den Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und der Fortpflanzung an. Vom Zyklus über den Eisprung, die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut über die Entwicklung des Embryos und Fötus bis zur Entbindung und zum Stillen – überall ist die Schilddrüse dabei. Die gegenseitige Beeinflussung von Schilddrüse und Fortpflanzungsapparat beginnt schon auf der Ebene des Hypothalamus und der Hypophyse in den höheren Zentren. Im ▶ Kapitel über den weiblichen Zyklus erfahren Sie mehr darüber.
Wir haben darüber gesprochen, wie die verschiedenen Organe in unserem Körper von der Schilddrüse beeinflusst werden. Nun schauen wir uns an, welche Ursachen es für Erkrankungen der Schilddrüse geben kann.
Professor Peter Pfannenstiel, der große Internist, Endokrinologe und Nuklearmediziner (1934–2013) sprach bei seinen beliebten Fortbildungsveranstaltungen von den schicksalhaften Erkrankungen der Schilddrüse und den nicht schicksalsbedingten Schilddrüsenerkrankungen. Zu den schicksalhaften Schilddrüsenerkrankungen zählte er die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, wie Hashimoto, die chronische Entzündung der Schilddrüse und die immunogene Hyperthyreose, die Schilddrüsenüberfunktion vom Typ Basedow. In die nicht schicksalsbedingten ordnete er in erster Linie die Schilddrüsenvergrößerung aufgrund Jodmangels, den sogenannten Jodmangelkropf, ein.
