Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
2011 bis 2015 erschienen die Kolumnen von Michael Fenske in einem Stadtmagazin. Hier gibt es sie nun in gesammelter Form, als kleine Lesehäppchen für zwischendurch. Sie beleuchten auf humorige und verschmitzt-sympathische Art den Ehealltag, machen sich über die Erscheinungen unserer Zeit lustig – und pflegen dabei einen feinen, hintergründigen Wortwitz. Lustig, launig und ab und zu auch kritisch. Achtung: Dieser Band mit neuem Cover umfasst den Inhalt der bisherigen beiden Bände "Schmunzelhäppchen" und "Schmunzelhäppchen II".
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Michael Fenske
Schmunzel-Häppchen
Kolumnen aus den Jahren 2011 bis 2015 - jetzt beide Teile in einem Band vereint.
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
In der Höhle war die Grill-Welt noch in Ordnung.
Glück ist eine klitzekleine Karo-Insel
Gerberas! Ich brauche mehr Gerberas!
Verwandtschaftsalarm!
Garten 2.0
Genieße das Gemüse!
Immer schön auf dem Boden bleiben.
Lauf, Knolle, lauf!
Frühstart in die Gemütlichkeit
Wünsch Dir was!
Kaffeepause mit Wellnessfaktor
Turnen für Fortgeschrittene
Jetzt wird’s bunt!
Gesichtssalat
Ein Stück vom Glück
Körpersprachfehler
Renaissance des Brause-Eintopfs
Bling-Bling-Nasszelle vs. Wellnessbüro
Nur nicht aus dem Takt geraten!
Stell dich deinen sympathischen Besonderheiten
Öffentliche Richtigstellung
'schlaaaaaaand!
Wider den Herbst-Blues
Das katzt mich doch nicht.
Neues Jahr, da bist du ja!
Mode, was bist du alt geworden.
Ein Ding, sie alle zu knechten
Up-, Down-, Kreuzundquerhill
Auf den Kater gekommen
Graf Pergola
Zitrone? Erdbeer? Oder doch Seetang-Papaya?
Für das Leben lernen wir!
Lockermachen. Oder auch nicht.
Weggeputzt
Halloween-Nachwehen
Impressum neobooks
„Du hast WAS?“ – Ich konnte es nicht glauben, aber meine Frau beschloss, mich durch stoische Gleichgültigkeit, mildtätiges Lächeln und ihren Ich-weiß-was-gut-für-Dich-ist-Blick noch mehr auf die Palme zu bringen. „Ich hab den alten Holzkohlegrill zum Sperrmüll gebracht“, erwiderte sie mit einem Schulterzucken, als gäbe es nichts, was logischer wäre. „Morgen kaufen wir einen Gasgrill, und dann wird gesünder und mit weniger Rauch gegrillt!“, setzte sie in freudiger Erwartung des Barbecue-Shoppings fort.
Ich fühlte mich... entmannt. War sie doch tatsächlich drauf und dran, mir die letzte Insignie männlicher Haushaltsvorstandschaft zu rauben. War ich noch nicht genug domestiziert? Schließlich schaute ich schon gegen meinen Willen schlechte Gesangsshows, hatte aufgehört, Wellnesshotels als Kratzbürsten-Besserungsanstalt zu bezeichnen und betrachtete das Bestellen von Salat mit Putenstreifen in einem Biergarten schon lange nicht mehr als Scheidungsgrund. Musste sie mir also jetzt noch mein letztes Hoheitsgebiet unter den Füßen wegreißen – ja, mir sogar die maskulinste Errungenschaft überhaupt, das Feuermachen, nehmen?
Aus Trotz und verletztem Ego weigerte ich mich, sie in den Baumarkt zu begleiten und gab sogar den Macho, als ich sie allein die Kartons aus ihrem Auto wuchten ließ. 'Fit sein, lecker essen, grillen ohne Reue!' las ich und mich schauderte. Aber sie wusste natürlich – wie schon so oft –, wie sie mich rumkriegt: einfach die Schachtel stehen lassen, Bier kaltstellen und telefonieren gehen. Es scheint ganz tief im Kollektivgedächtnis meiner Hälfte der Menschheit vergraben zu sein, dass keine Schachtel ungeöffnet, kein zum Transport zerlegtes Gerät unmontiert und keine Gebrauchsanleitung ungelesen bleiben darf. Es kam, wie es kommen musste: Nach einem mittellangen Telefonat von eineinhalb Stunden kehrte sie zurück und fand mich schwitzend, beide linke Hände zerschrammt, aber glücklich neben einem funkelnden High-Class-Grill auf der Terrasse vor. Hatte sie es also wieder geschafft, und tief in meiner Geninformation schüttelten meine keulenschwingenden Vorfahren mit einem enttäuschten Grunzen ihre zotteligen Köpfe.
Gut, zugegeben, das Grillfleisch schmeckt genauso lecker. Ja, wir grillen jetzt auch öfter, weil's mit Gas schneller geht. Und ein bisschen offenes Feuer fürs steinzeitliche Erbe hat's in meinem Gasgrill auch. „Meiner“? Na, war ja wohl klar, dass ich das Grillen nicht aus der Hand gegeben habe. Ich habe schließlich einen Ruf als Griller zu verteidigen – egal, was verfeuert wird! Also stimme ich auch meiner geliebten Gattin ergeben und bei nahezu jedem Wetter zu, wenn sie glaubt, es wäre eine gute Idee, ein wenig Putenfleisch und Gemüsespieße zu grillen. Ganz Mann eben.
Gut, nennen Sie mich bekloppt. Oder hoffnungslos nostalgisch. Oder einfach kindisch. Aber zu einem Strandurlaub gehört sie einfach dazu: meine Stoff-Luftmatratze, die wohl älter ist als ich selbst. Mit ihrer unsäglichen Interpretation des Glencheck-Karos in schreiendsten Farben hat sie Generationen von Italienfahrern altern sehen, jedem Modewechsel tapfer standgehalten und genug Stracciatella-Eis in sich aufgesogen, um eine Kolonie aus zuckerabhängigen Milben in ihren Fasern großzuziehen. Aber sie hat es verdient, mit in den Urlaub zu kommen. Weil sie mir als Kind die Angst vor dem Wasser nahm, mit mir als Jugendlichem den Wellengang der Costa Brava bezwang und mich noch heute zum Affen macht, wenn ich mich mit ihr todesverachtend in die adriatische Brandung stürze.
„Schon klar, dass Du Dich damit wie Popeye auf hoher See fühlst, aber das hässliche Trumm kommt heuer auf keinen Fall mit!“: Wie immer verstand es meine Frau, einen mein zartbesaitetes Seelchen traumatisierenden Sachverhalt in verständnisvolle und tröstende Wort zu packen. „Es genügt doch wohl schon, wenn ich mich mit Dir und Deinen Badehosen am Strand zeigen muss!“ Natürlich. Meine Badehosen. Diese andere Leidenschaft für alte, aber noch immer nützliche Dinge, die ihr immer wieder als Steilvorlage dient, um mich mundtot zu machen.
Und so kam es, dass ich eines Nachts aus der ehelichen Schlafstatt schlich, um meine Frau zu hintergehen: Ich stahl mich in die Garage, wo ich meiner Luftmatratze ein kuscheliges Winterquartier eingerichtet hatte, und wollte sie in den noch übrigen freien Platz im Kofferraum stopfen. Doch ich hatte nicht mit der kriminellen Energie ausgerechnet jener Person gerechnet, mit der ich Tisch und Bett teile: Wo noch eben das letzte unverbaute Stückchen im Auto frei war, thronte jetzt ein absurd großes Beauty Case, und zugleich war die beste Luftmatratze der Welt verschwunden. Dieses Jahr würden Matratze und ich also erstmals getrennt in den Urlaub fahren: ich ans Meer, sie auf die Müllkippe.
So cool es mein Gemütszustand nur zuließ, steuerte ich uns anderntags an die Adria. Und hielt mich mit dem Zetern zurück, bis ich das Beauty Case am Zielort aus dem Auto hieven musste. „Ist das schwer! Wieviel Schönheit ist da denn drin?“, meuterte ich. „Da drin ist gar nichts schön, ich hab Deine hässliche Luftmatratze eben doch eingepackt!“, konterte meine Frau mit ihrem typischen Ich-bin-Dir-eben-doch-über-Vibrato in der Stimme und grinste triumphierend. Das konnte ja nur ein wunderbarer Urlaub werden.
Niemals werde ich eine klassische Hochzeit feiern! All dieses pompöse Gedöns, die Einladungskarten, die Sitzordnung, die Band, die Blumen, die Kirche, die Fotos... das brauch ich nicht, das will ich nicht, das kriegt sie nicht. Ein Standpunkt, der tief in meiner Junggesellenzeit verwurzelt ist und von dem ich auch nie abrücken wollte. Nicht für diese großen braunen Augen, nicht für diesen Schmollmund und nicht für diese Finger, die unruhig auf der Tischplatte trommelten.
„So, du willst also eine alternative Hochzeit?“, fragte die, die vor dem Gesetz bereits meine Frau war und die ich nun noch zum Alter führen wollte, und zeichnete Gänsefüßchen um das 'alternative' in die Luft. „Und wie sieht sowas aus?“ – „Na ja...“, fing ich an. „Mehr wie ne... Party halt.“ Die Antwort kam so knapp wie frostig: „Tja, dann wirst du wohl Ronald McDonald heiraten müssen. Der schmeißt... Partys!“ Die Gänsefüßchen für 'Party' zerschnitten die eisige Atmosphäre, und ich wusste: Aus der Nummer würde ich nicht mehr rauskommen. Vor meinem geistigen Auge sah ich den Albtraum, der schon so viele Männer heimgesucht hatte: Tischkärtchen beschriften, die Sitzordnung in 3D am Computer planen, bei Hochzeitsmessen als Stammgast persönlich begrüßt werden und Tanzlehrern beim Hochzeitsvorbereitungskurs zur Belustigung dienen. Und mittendrin im Chaos meine Zukünftige mit was Blauem, was Geliehenem und so weiter, wie sie noch vor der Kirche furiengleich das Gasthaus inspiziert, an Tischdecken zupft, die Sektempfangsgläser ausrichtet, am Blumenarrangement nestelt und nach mehr Gerberas auf dem Brauttisch ruft. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn. „Also gut.“, unterbrach sie zu meiner Verblüffung die Schreckensvision. „Мachen wir halt was anderes. Du planst!“
