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Schmutziges Bürogeflüster ist eine erotische Kurzgeschichte. Simon Guth arbeitet für ein Versicherungsunternehmen, doch er hasst seinen Job. Grund ist seine Chefin. Cornelia Fürstmeier ist eine dominante Frau, die von jedem ihrer Mitarbeiter bekommt was sie will. Ihr herrischer Tonfall verschafft ihr den nötigen Respekt und sorgt für Disziplin. Doch auch eine Chefin, die unantastbar scheint, hat so ihre Geheimnisse...
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2017
Der Regen peitschte gegen die Windschutzscheibe meines Prius. Die gewohnte Trägheit ließ mich in den Sitz sinken und das Déjà-vu des Morgens in einer Dauerschleife durch meinen Kopf ziehen. Vor mir lag die fünfte von insgesamt sieben Kreuzungen, die die Straßen der Innenstadt miteinander verknüpften. Für wenige Sekunden brachte die Ampelanlage den Verkehr ins Rollen, dann stand der Verkehrsfluss wieder still und ließ den Blick auf ein Meer von roten Rück- und Bremslichtern richten, dessen greller Schein vom Regen verzerrt wurde. Gelegentlich ertönte ein erregtes Hupen, doch wirklich eilig hatte es keiner.
Ich fuhr die Strecke nun seit fast acht Jahren und hatte die Zeit, die ich von meiner Haustür bis zum Büro brauchte, längst abschätzen können. Logischerweise lagen gelegentlich Differenzen vor, doch diese drei Minuten mehr oder weniger machten den Braten auch nicht mehr fett. Zu Beginn hatte ich es gefürchtet zu spät zu kommen. Mittlerweile war es mir egal. Eine Abmahnung oder sogar ein Rausschmiss würden mir sicher gut tun. Jedenfalls redete ich mir dies ein.
Die mehrstöckigen Büro- und Geschäftsgebäude erstreckten sich über meinem Kopf wie dunkle Riesen, die sich über einen lustig machten. Jeden Tag dieselbe Leier. Verschenkte Lebenszeit.
Der Verkehr hatte sich erneut in Bewegung gesetzt und brachte mich in Schrittgeschwindigkeit meinem Ziel näher. Bereits von weitem konnte ich die Aufschrift des BMC-Buildings erkennen, die auf dem Dach eines der Bauten dominant aufleuchtete und dem Gebäude seinen Charakter verlieh. Ich wusste bis heute nicht wofür BMC stand. Zudem regte mich die stetige Verenglischung auf. Man wollte intellektuell wirken. Ich fand es einfach nur lächerlich. Die englische Sprache wurde immer gegenwertiger und durch die kulturelle Offenheit der jüngeren Generation in unser Land geschleppt. Ob diese Aussage wirklich der Realität entsprach war mir gleichgültig. Ich hatte ohnehin schon viel zu viele Gedanken daran verschwendet.
Der Rhythmus des prasselnden Regens ließ mich die Augen schließen, während ich auf die nächste Grünphase wartete. Ich fragte mich oft, wieso ich meinen Bürojob nicht einfach aufgab und mir stattdessen etwas Spannenderes suchte. Die Antwort auf diese Frage war immer wieder dieselbe. Die Gier und der Wohlstand des Durchschnittsbürgers krallten ihre Greifarme an meinen Bürostuhl und wollten sich keinesfalls von diesem trennen. Mir hatte einmal jemand gesagt,wenn du bis zur Mittagspause Spaß an deinem Job hast, behalte ihn. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal nur im Ansatz Freude daran fand, dem dominanten Tonfall meiner Chefin zu gehorchen und mit den korrupten Zahlen eines Unternehmens zu jonglieren, von dessen Umsatz ich außer meiner Vergütung einen Dreck sah.
Es dauerte zehn weitere Minuten bis mir die Schranke zur Tiefgarage den Weg frei machte. Das Donnern des Regens war von einem zum nächsten Augenblick verstummt und wurde durch das hallende Geräusch des Motors ersetzt.
Ich parkte auf meinem Stammplatz, auf dem ›Reserviert für T-Looks‹ stand, bevor sich meine Lunge mit der stickigen Luft füllte und ich mit meiner Aktentasche unterm Arm in Richtung Treppenhaus stiefelte. Wie gewohnt wartete einer der Fahrstühle bereits auf mich. Ich drückte den Knopf für die fünfte Etage und starrte auf die erneuerte Beschriftung der Drückknöpfe, die aufgrund der Schmierereien einiger Kollegen innerhalb der letzten beiden Tage erneuert worden war. Die oberste Etage teilten sich zwei Rechtsanwälte, in den Etagen darunter waren drei Arztpraxen, ein Steuerbüro und die Räumlichkeiten der T-Looks-Versicherung ausgeschildert, die sich gleich über vier Etagen erstreckte. Zu meinem Glück stieg keiner zu, sodass der Fahrstuhl ohne anzuhalten durchfuhr und ich schließlich mit ernster Miene im fünften Obergeschoss ausstieg.
»Morgen Berta«, grummelte ich der Empfangsdame entgegen.
»Moin, die übliche Morgendepression?«, entgegnete sie, als sie meinen Gesichtsausdruck bemerkte. Es schien sie aufzumuntern, nicht die einzige zu sein, dessen Motivation sich in Grenzen hielt.
»Das Übliche eben!«
Ich schritt an der Schönheit vergangener Tage vorbei, durchquerte einen langen Flur an den duzende Büroräume angrenzten und atmete tief durch, als ich das meinige erreichte und in den Drehstuhl sank.
›Also schön, wo hänge ich mich jetzt auf.‹
Während der Rechner hochfuhr und mich in wenigen Sekunden mit dem Willkommensbildschirm begrüßen würde, warf ich einen Blick in die Bild-Zeitung.Vereitelter Bombenanschlag - Trennungszoff bei Hollywood-Traumpaar - Nacktbilder-Skandal - Politische Dreistigkeit siegt gegenüber Vernunft - Souveräner Sieg der deutschen Nationalelfstachen mir die fett gedruckten Überschriften ins Auge. Während des Abendessens beim Griechen hatte ich mit einem Auge immer wieder in Richtung Fernseher geschielt. Das Spiel war weniger souverän, als vielmehr langweilig gewesen. Ein permanentes Anrennen auf ein Tor und eine mehr als verdiente vier Tore Führung zur Halbzeit hatten die Spannung im Keim erstickt.
Ich blätterte weiter. Mein Blick blieb zwei Seiten später an den chirurgisch vergrößerten Brüsten des Nacktmodels Naomi hängen. Das Model posierte am Riff einer Bucht. Die roten High Heels passten nicht in die Szene, doch sie unterstrichen ihr Sexappeal. Ihr nackter Körper rekelte sich im Glanz der vom Meer reflektierenden Sonnenstrahlen und wirkte unreal und doch zum Greifen nah. Ich versuchte ein anderes Bild in den Fokus zu setzen, doch was war interessanter als ein Nacktmodel? Ich durfte dem Gedankenspiel nicht nachgeben. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal zwei nackte Oberschenkel vor mir liegen hatte. Ich war längst überfällig, besorgte es mir dreimal pro Tag und hatte trotzdem dieses Verlangen nach mehr. Die Fiktion sollte Realität werden. Der Kick der Vorstellung reichte nicht mehr aus. Ich wollte die Vorstellung erleben und fühlen.
Ich spürte Naomis gemachten Brüste in meinen Händen, ich wusste wie es sich anfühlte sie zu kneten und ihre erregten Nippel zu lecken. Ihre gebräunte Haut, ihr langes, gelocktes, schwarzes Haar, ich konnte ihre Schönheit riechen und schmecken und doch war es lediglich die Vorstellung, die mich zur Erregung zwang.
Der plötzliche Knall einer auf meinen Schreibtisch schlagenden Handfläche zog mich erschrocken aus den Gedanken.
»Da ist ja unser Womanizer!«
Ich starrte in Antons von Schadenfreude geprägtes Gesicht.
»Du bist ein verfluchter Idiot und ich hasse dich!«, entgegnete ich kühl.
Er lachte laut auf und schlug mir auf die Schulter. Ich ignorierte es.
»Komm schon. War dein Date etwa nicht gut gestern?«
Ich überhörte ihn und loggte mich mit meinem Benutzernamen und Kennwort im System ein.
»Du stellst dich auch immer an. Die Frau schien mir nett und…«
»Sie schien dir nett? Willst du mich verarschen?«
Ich schnellte herum und stieß seinen Arm zur Seite.
»Uh, ruhig Brauner!«
»Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich nicht gewusst wie…«
Erneut hallte mir ein Lachen entgegen.
»Du musst alles aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Du hast den Abend nicht alleine mastrubierend vorm Fernseher gesessen, sondern warst mit einer attraktiven Dame nett essen!«
»Attraktiv? Die Alte wog mindestens eine Tonne und hat mir mein Essen vom Teller gestarrt!«
»Ich wollte dir doch nur über deine Durststrecke helfen und dir ein guter Freund sein!«
»Wärst du mir ein guter Freund gewesen, hättest du mir hundert Euro in die Hand gedrückt und gesagt:Hier amüsiere dich gut!«
Auf dem Bildschirm vor mir erschien mein Terminkalender. Außer dem wöchentlichen Elf-Uhr-Termin mit der Leitung des Haufens hier, standen glücklicherweise nur Randnotizen drin.
»Ich mache es wieder gut, versprochen!«, heuchelte mir Anton entgegen.
Er trat einen Schritt zurück auf den Flur und blickte sich umsichtig um, damit ihn auch wirklich keiner außer mir hören konnte.
»Hör mir zu, du kennst doch Pele, oder?«
»Pele? Einer der Reinigungskräfte?«
»Ja genau den. Ich beziehe ab und an mal ein bisschen … nun ja sagen wir mal Medikamente gegen meinen Grauenstarr von ihm. Ich bin ihm gestern in der Tiefgarage übern Weg gelaufen als ich Feierabend gemacht habe und seine Schicht wohl gerade begann. Jedenfalls hat er mir ungeheuerliches erzählt!«
»Pele vertickt Gras? Wieso erfahre ich das erst jetzt?«
Ich kräuselte die Stirn. Mein letzter Aufenthalt in Holland war mehr als ein halbes Jahr her. Die zweite Durststecke die ich zu überbrücken hatte.
