6,99 €
Franziska ist ein Exemplar der Gattung "Femina singularis kinderlosis", weiblich, Mitte 30, ohne Partner, ohne Kind. Aber sie ist nicht allein. Sie hat ja ihr Leben, welches mit ihr regelmäßig Mitarbeitergespräche führt und dabei auch gerne schonungslos die eigene Meinung äußert. Gemeinsam machen sie sich auf ins Abenteuer durch die Region "Midlife", sie schauen am Bahnhof des Lebens nach den verbleibenden Reisemöglichkeiten mit der Destination Kinder, suchen wie Landstreicher nach Wegen zur Berufung, überschreiten die Grenze zur Komfortzone und fragen sich, welche Gütesiegel ein Leben braucht, um ein gutes Leben zu sein. Mit humorvollen Metaphern und ungewöhnlichen Bildern findet Franziska ihre ganz eigenen Antworten auf die Fragen, die das Leben nun mal so stellt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2023
Franziska Rülke
Schnaps mit der Liebe
und andere Begegnungen mit dem Leben
Franziska ist ein Exemplar der Gattung Femina singularis kinderlosis, weiblich, Mitte 30, ohne Partner, ohne Kind. Aber sie ist nicht allein. Sie hat ja ihr Leben, welches mit ihr regelmäßig Mitarbeitergespräche führt und dabei auch gerne schonungslos die eigene Meinung äußert. Gemeinsam machen sie sich auf ins Abenteuer durch die Region Midlife, sie schauen am Bahnhof des Lebens nach den verbleibenden Reisemöglichkeiten mit der Destination Kinder, suchen wie Landstreicher nach Wegen zur Berufung, überschreiten die Grenze zur Komfortzone und fragen sich, welche Gütesiegel ein Leben braucht, um ein gutes Leben zu sein.
Mit humorvollen Metaphern und ungewöhnlichen Bildern findet Franziska ihre ganz eigenen Antworten auf die Fragen, die das Leben nun mal so stellt.
Franziska Rülke
Schnaps
MIT DER
Liebe
und andere Begegnungen mit dem Leben
Impressum
© 2023 Franziska Rülke
Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:
tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany
Umschlaggestaltung: Franziska Rülke
ISBN Softcover: 978-3-347-88739-8
ISBN E-Book: 978-3-347-88743-5
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926
Ahrensburg, Deutschland.
Die Liebe hat eine Identitätskrise.
Oder Burnout.
Inhalt
Vorwort
Ich bin 35. Mein Leben nicht.
Das Liebesleben
I am an Alien
Diagnose: Chronische Singleitis
Willkommen bei Super-Mann 2.0
Single-Dasein
Schnaps mit der Liebe
A love affair (oder mehrere)
Untauglich
Ratatouille
Liebesbrief an meine Wärmflasche
Petition gegen öffentlichen Nahverkehr
Unerwarteter Besuch
Das private Leben
Midlife ist eine schöne Gegend
Die perfekte Welle
Ich suche nach meiner Berufung
Hinterm Komforthorizont
Mein Leben will keine Kinder
The grass is greener on the other side
Die Büchse der Pandora
Mein Alltag
Morgenqualen
Sonntag ist ein Arsch
Emotions-Ödnis
Ablenkung
Sport
Mein Waschbrett ist ein Frontlader
Das öffentliche Leben
Rücksicht ist aus
Sauna
Endlich entschlüsselt
Nachruf auf den Bierdeckel
Kampfrede einer Zahnbürste
Problem-Shopping
Oh wie ist das schön
Handbuch für Kreuzfahrer
Am Strand
Adventskalender Wettrüsten
Bundeswehr wird gesundreformiert
Willkommen bei Klobucks
Begegnung mit Trolley
Das sinnvolle Leben
Der große Unbekannte
Die Jagd nach dem Glück
Hilfe, ich bin glücklich
Change your life!
Regal der Möglichkeiten
How to be durchschnittlich
Zeit gewinnen
Leben mit Gütesiegel
Krone der Schöpfung
Kaffeefahrt oder Abenteuerurlaub
Vorwort
Ich bin 35
Mein Leben nicht
An einem Samstagnachmittag saß es am Ende meiner Couch und sagte: „Wir müssen reden.“ Es war klar, dass das kommen würde. Wir sind seit 35 Jahren zusammen. Es gibt nicht viele, die das schaffen. Albatrosse vielleicht, Gibbons und Die Flippers. Wir haben es also schon ganz schön lange miteinander ausgehalten, mein Leben und ich. Ich weiß nicht, ob es Liebe ist, wir sind nicht immer einer Meinung, hadern viel und wundern uns über den anderen. Aber ich will auch kein anderes. Ich brauche es. Es fordert mich. Und umgekehrt halte ich es auf Trab. Manchmal stelle ich die Regeln auf, manchmal bestimmt mein Leben, wo es lang geht. Ich verstehe seine Entscheidungen nicht immer, aber ich weiß, es hat sich was dabei gedacht. So eine Beziehung ist harte Arbeit, das wissen wir beide. Und ich dachte eigentlich, wir reden schon viel miteinander, aber jetzt ist es offensichtlich mal wieder Zeit für ein Mitarbeitergespräch. Das letzte hatten wir mit 25. Da waren wir in der Quarterlife-Crisis und keiner von uns wusste, wo es langgeht. Deshalb sind wir einfach ohne Plan losgelaufen. Und nun, zehn Jahre später, stehen wir hier und stellen fest, der nicht vorhandene Plan ist nicht aufgegangen. Ist das dann jetzt schon die Midlife-Crisis? Vielleicht ist es gar keine Krise und wir machen einfach nur mal eine Bestandsaufnahme.
„Bist du glücklich?“, fragt mich das Leben. Och nö, jetzt fängt es gleich wieder mit so fundamentalen Fragen an.
„Was heißt schon Glück. Das muss man erst mal definieren.“ „Naja, bist du da, wo du sein willst?“ „Also wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre ich jetzt mit dem Mann meiner Träume verheiratet und hätte zwei süße Kinder. Zudem wäre ich erfolgreiche Autorin und würde viel reisen.“ „Tja“, sagt mein Leben, „da es aber nach MIR ging, bist du ewiger Single und weder erfolgreich noch Autorin. Immerhin reist du viel.“ „Super“, sage ich, „wenigstens das.“ Mein Leben hat seinen ganz eigenen Kopf, es richtet sich nicht nach dem, was andere sagen, was man tun oder lassen sollte. Mein Leben möchte nicht konventionell sein, deshalb erlaube ich ihm manchmal, aus der Reihe zu tanzen. Dann machen wir ein paar unerwartete Schritte, einfach so, um uns von der Masse der Einheitstanzenden abzuheben. Lange verreisen zum Beispiel. Oder kündigen. Oder etwas Verrücktes tun. Das ist es, was mein Leben ausmacht, es verhält sich nicht immer altersgerecht.
„Sind wir jetzt erwachsen?“ Noch so eine Frage. „Naja“, antworte ich, „nachdem wir kontinuierlich gesiezt werden, wenn uns jemand nach dem Weg oder der Uhrzeit fragt, werte ich das als Zeichen, dass wir zumindest äußerlich den Eindruck machen, erwachsen zu sein.“ „Aber innerlich, also im Kopf drin, da haben wir uns doch nicht wirklich verändert, wir ticken doch noch genau wie früher“, stellt mein Leben mit einem fragenden Unterton fest. „Ja, das Gefühl habe ich auch“, sage ich. „Aber äußerlich stimmt's schon“, sagt das Leben beiläufig, „man sieht, dass du alt wirst.“ „Wie bitte?“, ich schaue mein Leben entgeistert an. „Ich habe dich beobachtet, heute morgen, ich glaube, es ist ein Zeichen, dass man alt wird, wenn der Kajalstift die Haut vor sich herschiebt. Und auch sonst, deine Oberfläche zieht Falten.“ „Danke“, sage ich. Wenn man sich so lange kennt, ist eine gewisse Ehrlichkeit unvermeidbar. „Aber ich mag dich auch so, es ist ja nur die Oberfläche“, schiebt mein Leben hinterher. Ich mag dich auch, denke ich, und finde es gut, dass wir mal wieder reden.
Das Liebesleben
I am an Alien
„Schau mal, das ist sowas wie du“, ruft mein Leben mir zu. Wir bummeln durch die Ausstellung Exoten und Absonderlinge unserer Gesellschaft, als mein Leben vor dem Käfig mit einer Einzelfrau stehen bleibt. Davor blicken Familien mit Kindern kopfschüttelnd auf die junge, attraktive Frau, die zufrieden lächelnd in einer Ecke sitzt und die Sonnenstrahlen in ihrem Gesicht genießt.
Die Tafel vor dem Käfig erklärt, um welches Exemplar es sich hier handelt:
Femina singularis kinderlosis
Auch „alte Jungfer“ genannt
Alter: über 30.
Verbreitung: Häufig in Großstädten zu finden. Versteckt sich dort in der Anonymität von Mehrfamilienhäusern in Einzimmerwohnungen, oft gemeinsam mit Katzen. Auch in Bars und auf Resterampen in Diskotheken zu finden. Tritt häufig im Rudel mit anderen Einzelfrauen auf.
Besondere Merkmale: Sympathische und liebenswerte Zeitgenossin, meist berufstätig und sehr aktiv, verbringt ihre freie Zeit mit dem Ausleben ihrer Hobbys und der ausgiebigen Beschäftigung mit sich selbst, geht ungern Kompromisse ein.
Paarungsverhalten: Gelegentlich oder häufig wechselnde Geschlechtspartner. Schafft es nicht, ein Männchen dauerhaft an sich zu binden, Ursache ist laut Forschung ein zu hoher Anspruch.
Die Einzelfrau hat mittlerweile ihren Platz an der Sonne verlassen und schwingt sich vergnügt von Ast zu Ast, wobei sie den an den Gitterstäben ruckelnden Kindern mit aufgerissenen Augen die Zunge entgegenstreckt. Gleichzeitig schaut sie amüsiert auf die dazugehörigen Eltern, die es nicht schaffen, ihre Blagen unter Kontrolle zu bringen.
„Das ist doch unerhört!“, schimpfen einige Besucher laut. „Die tut nichts für den Erhalt der Gesellschaft!“ Abwertung ist in ihrem Blick zu spüren: „Meine Kinder zahlen deine Rente nicht!“ Andere wiederum zeigen eine merkwürdige Form von Mitleid. „Die Arme, die sieht doch so nett aus, was stimmt denn mit ihr nicht?“, fragen sie besorgt. „Die ist ganz allein und einsam und hat niemanden, der ihr am Valentinstag Blumen schenkt.“ Ich pruste ein Lachen heraus und ziehe damit den ernsten Blick einiger Besucher auf mich.
Im Käfig telefoniert die Einzelfrau gut gelaunt im Gras, während sie sich nebenbei die Fußnägel knallig rot lackiert. Eltern ziehen ihre pubertierenden Töchter mit den Worten „So wirst du nicht enden“ zum nächsten Exponat. Bei einigen Muttis vor dem Käfig sehe ich in diesem Moment aber auch Wehmut in den Augenwinkeln aufblitzen.
Mein Leben versteht nicht. „Zölibat, Homosexualität, Polyamorie… all diese alternativen Lebensstile sind gesellschaftlich akzeptiert. Aber das hier? Ist die einzig akzeptable Lebensform für Frauen über 30 nur die in einer Beziehung und mit Kindern? Das kann doch nicht sein!“ Ja, das klingt tatsächlich etwas totalitär, denke ich. Ein bisschen wie der weiße Kolonialmacht-Mann, der die Ureinwohner für minderwertig hält, nur weil sie unter freiem Himmel leben. Plötzlich wird mein Leben laut und ruft provozierend in den Raum: „Und wo ist eigentlich der kinderlose Mann über 30 ausgestellt? Hä?“ Leute drehen sich entgeistert zu uns um. „Habt ihr den auch mal begafft? Ach, da drüben ist er ja, in der Kategorie Cooler einsamer Cowboy. Und ratet mal, was darunter steht? Natürlich: Schafft es, ungebunden zu bleiben und macht sein Ding. Na, da sagt ihr nix. Den bewundert ihr. Aber die Frau hier, die darf das nicht.“ Ich zupfe mein Leben peinlich berührt am Ärmel. Zu spät. „Was genau stört euch denn eigentlich? Dass sie tun und lassen kann, was sie will? Wann immer sie es will? Dass sie Freiheit besitzt? Ist es das? Seid ihr vielleicht bloß neidisch? Weil ihr zu früh ins Raster gefallen seid und erst zu spät gemerkt habt, dass ihr auch einen anderen Weg hättet gehen können?“ Ich schaue in erstarrte Gesichter. „Und deshalb tut ihr jetzt so, als seien eure ach so bereichernde Beziehung und eure zuckersüßen Kinder der heilige Gral, ohne den man ein Leben in Verdammnis verbringen muss. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass diese Exemplare sich auch wohlfühlen können? Dass sie zufrieden und glücklich sind? So wie sie leben? Weil sie nicht über Banalitäten streiten? Weil sie keine Kompromisse eingehen müssen? Natürlich sind sie manchmal einsam. Traurig. Aber das seid ihr auch!“ Betretenes Schweigen. „Und das hier, 'zu hoher Anspruch'“, mein Leben schaut in die Runde der Pärchen, „vielleicht hättet ihr euren auch mal etwas höher ansetzen sollen.“ Ich beiße mir auf die Lippen und unterdrücke ein Grinsen. „Bei der Wohnungssuche möchtet ihr alle ein Bad mit Tageslicht, aber beim Partner kann es ruhig ein paar dunkle Ecken geben, oder wie? Eine Brille kauft ihr doch auch nicht, wenn die Stärke nicht stimmt oder sie Druckstellen verursacht. Also warum das beim Partner hinnehmen?“ Einige Frauen mustern ihren Mann aus den Augenwinkeln.
Mein Leben ist noch nicht ganz fertig: „Hört auf, die Einzelfrau hinabziehen zu wollen, hinab in eure Welt. Lasst sie in ihrem natürlichen Habitat, solange sie sich wohl fühlt. Schaut lieber, was ihr von ihr lernen könnt und nutzt ihr Potenzial! Und eines sage ich euch, ich werde nicht eher ruhen, bis auch die letzte kinderlose Einzelfrau gesellschaftlich anerkannt ist und nicht als Absonderling ausgestoßen wird.“
Die Stille im Raum ist zum Bersten gespannt. Plötzlich klatscht jemand. Die Einzelfrau steht strahlend an ihrem Käfiggitter, schlägt die Hände zusammen, pfeift durch die Zähne und johlt. Mein Leben zwinkert ihr zu. „Gehen wir jetzt endlich ein Eis essen?“, fragt es mich und deutet Richtung Ausgang. „Ich wusste gar nicht, dass du so ein Aktivist bist“, flüstere ich ihm grinsend zu. Mein Leben zuckt mit den Schultern und lächelt zufrieden. „Wir sollten eine Stiftung gründen, zum Schutz der Femina singularis kinderlosis. Damit bauen wir Resozialisierungsprogramme auf, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen. Mit Projekten, in denen diese Frauen ihre freie Zeit sinnvoll zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Statt Kindern eben. Sie könnten ja z.B. Kröten über die Straße tragen.“ „Darüber reden wir nochmal“, sage ich und drücke meinem Leben ein großes Eis in die Hand.
Diagnose: Chronische Singleitis
Ein Erfahrungsbericht
Ich bin Quacksalbern auf den Leim gegangen. Jahrelang wurde mir von ihnen eingeredet, mir fehle etwas. Die Diagnose lautete „Chronische Singleitis“. Eine Mangelerscheinung, unter der ich sehr leiden würde. Gleichzeitig zeigten sie Unverständnis, wie ausgerechnet mich das befallen konnte, gehörte ich doch gar nicht in die Risikogruppe, mit meinem passablen Aussehen und dem lieben Charakter. Man machte mir Hoffnung, dass das sicherlich bald vorbei ginge. Als es jedoch mit den Jahren nicht besser wurde, fingen die Ersten an, von Wunderheilung zu reden: „Das geht manchmal schneller, als man denkt!“, versprachen sie. Ich glaubte ihnen. Doch nichts passierte. Dann hieß es, man müsse aktiv was dagegen tun, denn von alleine ginge das nicht weg. Also probierte ich verschiedene Methoden aus, um meinen Zustand zu verbessern.
Online-Kliniken wie Parship versprachen schnelle Heilung (quasi alle 11 Minuten), wollten aber sehr viel Geld dafür. Zudem kosteten sie mich Unmengen an Energie und Zeit, und weil ich mich nach jeder Begegnung mit einem anderen Patienten kranker fühlte, wurde ich auf eigenen Wunsch entlassen. Also versuchte ich es ambulant mit Dating-Apps. Diese hatten die Nebenwirkung, dass mein Daumen einen Links-Drall bekam und ich mich wie ein Proband bei Versuchen zur Wirkung von Freaks fühlte. Ich setzte also auch diese bittere Medizin von minderwertiger Qualität sehr schnell wieder ab. Blieb noch der homöopathische Weg.
Im Park oder Café sitzend oder beim Besuch eines Konzerts stellte ich jedoch fest, dass diese Heilmethode nicht anschlug, da die Wirkstoffe hier viel zu verdünnt waren. In meiner Verzweiflung versuchte ich es sogar mit einem Placebo, musste aber einsehen, dass Affären kein Mittel gegen eine hartnäckige chronische Singleitis waren.
Wieviel Energie musste ich noch in meine Genesung stecken? Langsam verlor ich die Kraft und den Glauben, jemals geheilt zu werden. Leider gab es auch nichts von ratiopharm dagegen, also waren meine letzte Hoffnung die Hausmittel. Ich begab mich in eine Bibliothek auf der Suche nach Fachliteratur und wurde fündig. Im Regal unter dem Stichwort Partnersuche standen ganze 639 Bücher. Drei Monate später war ich schlauer. Ich wusste nun, wie man mit Hilfe von Leitfäden, Regeln und Tipps den Richtigen, den Passenden, den Traummann, den perfekten Partner, fürs Leben, für immer, für ewig, trifft, findet, erobert und zwar mit Hingabe, mit Gottes Führung und in 30 Tagen. Die Regeln waren einfach: sei du selbst, schau dir seine Wohnung an, suche nicht, lass dich finden, sei Traumfrau, verkaufe dich richtig, gib nach, überliste dein Beuteschema, nimm ihn.
Uff. Ich saß überwältigt hinter dem Bücherstapel und starrte ins Leere. Mein Kopf dröhnte von all den Regeln, die ich von nun an befolgen würde und die mir endlich die ersehnte Heilung verschaffen würden. Da tauchte die Bibliothekarin zwischen den Büchern auf, lächelte mich warmherzig an und sagte: „Na, nu geh'n se ma raus und finden ihre bessere Hälfte!“ Plötzlich traf es mich wie ein Blitz: Bessere Hälfte? Wieso bessere Hälfte? Ich brauche keine andere Hälfte. Ich bin doch schon vollständig! Schlagartig wurde mir klar: mir fehlte gar nichts! Diese Mangelerscheinung, wie sie es nannten, war eingebildet. Aufgeschwatzt von der Quacksalber-Industrie und unterstützt von der Gesellschaft. Sie reden dir ein, dass du zu deinem Glück einen Partner brauchst, dass Alleinsein ungesund ist, dass es das Heil nur zu zweit gibt. Was für ein Quatsch! Und wissenschaftlich überhaupt nicht bewiesen. Ich ließ die Bücher liegen und stürzte hinaus auf die Straße. Ich war gesund! Wie befreit lief ich durch den Park, lächelte erleichtert die Leute an und legte mich glücklich ins Gras. Ich konnte endlich aufhören mit der verzweifelten Suche nach einem Gegenmittel. Ich musste nicht mehr heilen, denn ich war schon ganz. Ganz ohne Partner. Ich schwor mir, dass ich meinen Zustand von nun an mehr schätzen und genießen würde. Und in diesem Moment wusste ich: sollte mir jemals ein Partner begegnen, dann ist er allenfalls ein Wellnesspaket, aber auf keinen Fall die Reha.
Nachwort: In der Bibliothek sah ich damals auch sehr viele Menschen hilfesuchend vor der Fachliteratur zum Thema Beziehung sitzen. Da ist der Partner wohl zum Abszess geworden und sie wollten vermeiden, dass der aufplatzt.
Willkommen bei Super-Mann 2.0
DEM Online-Dating-Portal für Frauen
Schön, dass Sie mal wieder reinschauen. In unserem Portal finden Sie wie gewohnt alle Vorteile, die Sie auch vom Online-Shopping kennen: eine riesige Auswahl, Fotos vom Produkt, technische Details und blumige Produktbeschreibungen.
Darüber hinaus bieten wir Ihnen viele brandneue Features. Zum Beispiel bei den Suchoptionen. Um Ihnen die Suche einfacher zu machen, haben wir die männlichen Produkte nun, basierend auf den Erfahrungen unserer Userinnen, in drei große Kategorien unterteilt: Geile Sportler, Tolle Hechte sowie Freaks und arme Schweine. Zudem können Sie mit unseren Filtern ganz gezielt nach Farbe, Maßen, Hobbys und Gehalt suchen. Denn wir wissen, Sie haben sehr genaue Vorstellungen. Neu ist auch unser Sortierungstool, damit lassen sich die angezeigten Männer nach Belieben ordnen, z.B. Intelligenz – aufsteigend oder Aussehen – absteigend. Und natürlich können Sie auch weiterhin wie gewohnt in unseren Bestsellern und Ladenhütern stöbern.
Aber seien Sie gewahr, Sie sind nicht die einzigen, die suchen. Deshalb werden nun auch Hinweise zur Verfügbarkeit der Männer eingeblendet:
Achtung, Männer, die zu Ihren Kriterien
passen, sind sehr beliebt. Diesen Mann sehen
sich gerade 5 andere an!
Letzte Kontaktaufnahme erfolgte vor
3 Minuten. Zögern sie nicht mehr zu lange!
Eine weitere Neuerung ist unser Tool Ähnliche Produkte finden. Hier werden Ihnen Vorschläge unterbreitet wie:
User, die sich Strolchi angesehen haben, interessierten sich auch für Seppi, Juergi und Hansi.
So finden Sie schneller einen Mann nach Ihrem Geschmack.
Was die Produktpräsentationen angeht, sind wir uns bewusst, dass hier noch Optimierungsbedarf besteht. Niemand entscheidet sich für ein Produkt, wenn er nur verschwommene Umrisse sieht oder das Objekt entweder zugehängt, in weiter Ferne oder mit der Visage des Vorbesitzers zu sehen ist. Dafür werden wir Guidelines einführen. Außerdem beabsichtigen wir ein Verbot von Fotos mit Sonnenbrille sowie Spiegel-Selfies. Bis dahin versehen wir alle Bilder mit einem Hinweis, den es auch auf den Verpackungen von Dosensuppen oder Mikrowellenessen gibt:
Fotos sind nur Serviervorschläge, Realität kann stark abweichen.
Und da wir wissen, dass Sie trotz detaillierten Auswahlkriterien nicht die Katze im Sack bekommen wollen, haben wir etwas eingeführt, was in der Welt der Partnersuche bisher fehlte: Bewertungen. Bewertungen von zufriedenen oder unzufriedenen Usern.
Es ist doch mit Partnern wie mit Hotels. Da möchte man eine Weile verbringen und sich wohlfühlen. Wenn aber jemand schreibt: mieser Service oder Schimmel im Bad, dann möchte man da nicht buchen.
Deshalb können Sie ab jetzt die Typen bewerten, mit denen Sie ausgegangen sind. Teilen Sie Ihre Erfahrungen, genau wie beim Online-Shopping.
Hier einige Beispiele unserer Userinnen:
• Achtung Mogelpackung! Verpackung toll, aber kein Inhalt
• Hat nur komisch gebrummt, als ich ihn angemacht habe
• Festplatte offenbar angeknackst
• Keine Standbyfunktion, labert ununterbrochen
• Programmierfehler, für Leute mit Helfersyndrom noch ganz ok
• Bohrer defekt
Damit wissen Sie in Zukunft schon vorher, worauf Sie sich einlassen. Und wir können eine Menge an missratenen Dates vermeiden.
Nun wünschen wir Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem Super-Mann!
Lassen Sie sich doch für den Anfang von den Pseudonymen der Herren verführen. In den verschiedenen Themenfeldern ist für jeden etwas dabei! Und seien Sie gewiss: Pseudonyme halten, was sie versprechen!
Tiere:
Waschbär, Kuschelbär, Icebär, Gartenbär, Bär mit Herz, Rennschwein, Schmusewolf, Ameisenmann, Froschzum-Küssen, Tanzfloh, Alphamster, Papageientaucher, Dr. Tiermehl, Gummielefant,
Alltagstaugliche:
Käsehobel, Eiskratzer, Rennsemml, Softeis, Alaskapalme, Kampfbrot, Vwgolf6, Schnitzl888
Romantiker:
Onlyone, Datemitdir, bleibtreu76, Princebright, Lonelystar, Chance4us, Traumsepp, Suchender, Mondanschauer, Newlove79, Rosenmann, Seeflüstern, Sonnenbrise, MrLoneley
Charaktere:
Granddilemma, Unheimlich, Sophisticated, Lucifer, Undisputed, Psycho1301, Ironmade204, Löwenherz, Pomadi, Suppenkasper, Bayernbatzi,
Könner:
Jodlerkönig, Torwächter, Silversurfer, Teetrinker, Rockstar, Sportler, Manager0815, Chefkoch, Lovedoctor, Wadenknacker, Knechtruprecht, Ritter74, Bademeister, Cashflow, Firestarter, Brainstorm12
Götter:
Zeus72, Blechgott, Perikles777, Circusmaximus, Lordofwar
Schnuckis:
Paulchen1976, Juergi, Michlbub, Tweety, Flockerl, Schnuff, Flocki, Süsserbengel, Blondino
Möge die Liebe mit Ihnen sein!
Single-Dasein
Angenommen du bist Single
sitzt zuhaus’, starrst auf die Klingel,
wartest so, nicht erst seit heute,
dass die große Liebe läute.
Wenn es dann schon einmal schellt,
dein Herz fast in die Hose fällt.
Doch nein, ein Pizzatyp will nur
zum Flyerlegen in den Flur.
Falls du es wagst, mal auszugehen,
um dort die Liebe zu erspähen,
so wird die Hoffnung jäh zersiebt,
weil’s scheinbar nur noch Pärchen gibt.
Zum Glück bleibt noch das Internet.
Versuchst du’s eben mal im Chat.
Doch spätestens beim ersten Date
wird klar, dir fehlt Intimität.
Und sollte dir ganz aus Versehen
im Schwimmbad gegenüberstehen
die Liebe und sie lächelt knapp,
bist du zu feige und tauchst ab.
So bleibst du dann wohl weiter Single,
sitzt zuhaus, starrst auf die Klingel.
Doch irgendwie bist du getrost,
das nächste Mal ist’s nicht die Post.
