Schön wild! - Brigitte Kleinod - E-Book

Schön wild! E-Book

Brigitte Kleinod

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Beschreibung

Farbstark und formschön: Heimische Wildstauden erfüllen alle Anforderungen, die für klassische Stauden gelten. Mehr noch: Langlebig und nachhaltig, machen Wildstauden den Garten jedes Jahr aufs Neue zum Anziehungsort für Schmetterlinge, Wildbienen und Vögel. Gerade das macht ihn einzigartig. Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler bieten in diesem Buch ökologische Alternativen zur konventionellen Beetgestaltung mit heimischen Stauden, Blumenzwiebeln und einjährigen Blütenpflanzen. Ihr Fachwissen und Gespür für ebenso schöne wie pflegeleichte Beete helfen dabei, die unkomplizierten Wilden sicher anzusiedeln. 22 attraktive Ideen für jeden Standort haben die Autoren für dieses Buch entworfen und erprobt: für nährstoffreiche Böden im Schatten bis hin zu sonnigen Sandböden, vor Hecken, unter Bäumen und neben Gebäuden. Übertragbare Pflanzpläne für jedes Beet helfen dabei, die Vorschläge in den eigenen Garten zu holen. Auch auf Pflegemaßnahmen gehen die Autoren ein und liefern Hintergrundwissen zum Naturgarten - für den lebendigen Garten der Zukunft.

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler

Schön wild!

Attraktive Beete mit heimischen Wildstauden im Garten

22 Gestaltungsideen für jeden Standort

illustriert von Heidi Janicek

Rundblättrige Glockenblume

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Schön wild!

Warum Wildstauden?

Mehr Artenvielfalt

Was verstehen wir unter »heimisch«?

Langlebig und nachhaltig

Naturnahe Staudenbeete für jeden Garten

Das Gestaltungskonzept

Vorbilder für die Standortwahl

Der Nutzen für die Tiere

Wildstauden und ihre Blütengäste

Die Praxis

Das Mikroklima im Garten

Die Beete vorbereiten

Die Bodenvorbereitung

Unkraut entfernen

Gestaltungselemente für naturnahe Beete

Die Stauden kaufen

Die Beete bepflanzen

Stauden einpflanzen

Blumenzwiebeln stecken

Richtig säen

Angießen und wässern

Extra: Zwerggehölze statt Leitstauden

Die Pflege der Staudenbeete

Lästige Plagegeister im Wildstaudenbeet

Pflanzenkrankheiten

Die Entwicklung der Beete

22 Mal schön wild für Ihren Garten

Wichtige Hinweise zu unseren Beetvorschlägen

Sonnige Standorte

Boden: Rohboden, steinig bis kiesig, schottrig

Boden: Rohboden, sandig kiesig bis sandig

Boden: sandig lehmig bis lehmig und nährstoffarm

Boden: lehmig humos und nährstoffreich

Beet 1:Aromatischer Kräutergarten

Beet 2:Vielfalt im Steingarten

Beet 3:Bunter Heidegarten

Beet 4:Blüten für Sandbienen

Beet 5:Blühendes für Insekten

Beet 6:Sonniger Saum für Schmetterlinge

Beet 7:Essbare Wildblumen

Beet 8:Blütenpracht aus dem Bauerngarten

Halbschattige Standorte

Boden: viel Wurzelkonkurrenz

Boden: wenig Wurzelkonkurrenz

Boden: normaler Gartenboden unter hohen Laubgehölzen

Boden: normaler Gartenboden neben Gebäuden

Beet 9:Attraktive Blattstrukturen

Beet 10:Trittfestes vor der Wildobsthecke oder unter einem Obstbaum

Beet 11:Bunter Blütensaum vor neu gepflanzter Hecke

Beet 12:Nektar für Hummeln und Co.

Beet 13:Romantisches Rosa mit Weiß

Beet 14:Blattformen und Lichteffekte

Beet 15:Blütenpracht und Teegenuss

Beet 16:Goldgelber Sommertraum

Schattige Standorte

Boden: Gartenboden im Gebäudeschatten

Boden: humos auf der Nordseite einer Laubhecke

Boden: Gartenboden unter großen Bäumen

Beet 17:Dekorative Gräser und Blüten

Beet 18:Imposante Schattenstauden

Beet 19:Blaue Stunde im Schatten

Beet 20:Frühlingsboten und Farne

Beet 21:Blüten unter einem großen Laubbaum

Beet 22:Überlebenskünstler im trockenen Schatten

Ermutigung

Die Autoren

Anhang

Die Wildpflanzen für unsere Beete

Adressen

Schön wild!

Geißklee-Bläuling auf Hornklee

Es gibt eine Vielzahl an Gartenliteratur, die sich mit Staudenpflanzungen beschäftigt. Viele berühmte Gartenarchitekten haben sich mit der Wirkung von Farbe, Form und Zusammenstellung von Prachtstauden beschäftigt und unterschiedliche Gartenstile und Rabattenstile geprägt. Doch nur wenige haben sich dabei die Natur zum Vorbild genommen. Vieles, was als naturnah angepriesen wird, ahmt nur die Vielfalt der Natur nach, verwendet aber hochgezüchtete Prachtstauden, die der heimischen Natur nur wenig dienen.

Wir möchten Ihnen dagegen einfache und erprobte Beetvorschläge mit Pflanzenkombinationen an die Hand geben, die sowohl die heimische Natur zum Vorbild haben als auch aus heimischen Pflanzen bestehen. So haben Sie nicht nur Pflanzenvielfalt im Garten, sondern auch eine Fülle von Tierarten, die auf die vielfach selten gewordenen heimischen Pflanzen angewiesen sind. Nach einigen Jahren kann die Vielfalt im Garten so groß werden, dass Verreisen nicht mehr nötig ist. Sie haben Ihren ganz persönlichen Naturraum im Garten, wo Sie eine Menge Abenteuer im Kleinen erleben können. Denn mit heimischen Pflanzen kommen auch Schmetterlinge, Hummeln und Bienen wieder in den Garten. Eine Vielzahl selten gewordener Insekten lässt sich beobachten, wenn man genauer hinschaut. Aber keine Angst: Wo viele Insekten sind, gibt es auch viele Vögel, die ihre Jungen damit großziehen. Und viele Vogelarten, die im Frühjahr gerne im Garten brüten, genießen im Sommer, Herbst und Winter die Samen der Wildstauden.

Wildstauden im Garten heißt dabei nicht, dass aus dem Garten eine ungeordnete Wildnis wird! Die Natur ist harmonisch und das müssen wir in den Garten bringen. Es gibt keine Grenzen, alles geht fließend ineinander über, kein lästiges Rasenkanten-Abstechen, kein Hacken zwischen den Gehölzen, kein Laubentfernen zwischen den Stauden. Wir gärtnern mit der Natur, nicht gegen sie. Auch im Winter ist unser Garten schön, denn die abgestorbenen Stauden und Gräser bleiben stehen und sehen mit Raureif oder Schneemützchen ganz bezaubernd aus. Hohle Stängel dienen als Überwinterungsquartiere für manche Insekten und fast unsichtbar für uns hängt manch unscheinbare Schmetterlingspuppe versteckt an einem Pflanzenstängel. Und Zeit für die vielen spannenden Beobachtungen haben Sie auch, denn naturnahe Staudenbeete sind deutlich pflegeleichter als Rabatten mit Prachtstauden.

Ganz nebenbei werden Sie sich mit unseren Beeten auch für den Naturschutz verdient machen. Jede heimische Pflanze im Garten hilft, deren Aussterben zu verhindern. Und mit ihr auch das Aussterben der auf sie angewiesenen Tierarten, denn unsere Insekten sind seit Hunderttausenden von Jahren durch die Evolution an heimische Wildpflanzen angepasst, viele sogar nur auf einzelne Pflanzenarten spezialisiert, und können ohne sie nicht überleben. So werden naturnah gestaltete und bepflanzte Gärten zu wichtigen Trittsteinen bei der Ausbreitung von Pflanzen und Tieren.

Vielleicht erstaunt es Sie, aber die Artenvielfalt ist in Städten mit ihren Brachen, naturnah gepflegten Friedhöfen und Parks sowie naturnahen Gärten und begrünten Dächern inzwischen wesentlich größer als auf dem Land. Dort macht die intensive Landwirtschaft den meisten Arten den Garaus und die Bevölkerung hat häufig ein geringeres Bewusstsein für Artenvielfalt. So ernten Stadtimker häufig mehr und häufig besseren Honig als ihre Kollegen auf dem Land, wo es außer den Obstblüten und Rapsblüten im Frühjahr für die Honigbiene ab Frühsommer nichts mehr zu ernten gibt. Auch vielen Schmetterlingen, Hummeln und anderen Wildbienenarten geht es nicht besser als der Honigbiene, und wo es keine Insektenraupen gibt, fehlen sie auch Brutvögeln, die ihre Jungen satt bekommen müssen.

Packen wir es also an und wandeln unsere Gärten in naturnahe Standorte für heimische Wildstauden um. Solche Beete sind mit wenig Aufwand angelegt und Sie werden staunen, wo überall im Garten Wildstauden gerne wachsen. Viele Stellen, die Ihnen bisher nicht bepflanzbar erschienen, lassen sich mit den attraktiven Spezialisten für steinige, trockene, schattige und andere scheinbar schwierige Standorte begrünen und zum Blühen bringen. So geben wir der Natur zumindest ein wenig zurück, was wir anderenorts versiegelt, überbaut und auf dem Lande auch überdüngt haben.

Und da es spezialisierte Wildstauden-Gärtnereien mit über 850 verschiedenen heimischen Pflanzenarten gibt – denn natürlich gräbt man die Pflanzen nicht in der Natur aus –, steht einer (Um-)Gestaltung auch Ihres Gartens nichts mehr im Wege.

Wir wünschen Ihnen viel Freude dabei!

Warum Wildstauden?

Mit Wildstauden hält die Natur Einzug in den Garten. Das bedeutet jede Menge Leben, nicht nur der Pflanzen, sondern auch der vielen Tiere, die ihnen folgen. So sind die hübschen Schmetterlinge auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen, sei es als Raupe oder als erwachsenes Tier. Genauso geht es den vielen Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln zählen. Sie alle können ohne bestimmte Pflanzenarten nicht überleben.

Mehr Artenvielfalt

Wildpflanzen für Schmetterlinge und Wildbienen sind vielerorts so selten geworden, dass sie die »neuen Exoten« sind, während viele Exoten aus fernen Ländern, wie der Rhododendron, zu den üblichen Gartenpflanzen zählen. Das wäre an sich nicht schlimm, hätten wir mit den Neuankömmlingen und Neuzüchtungen nicht so viel an heimischer Flora verdrängt. Mit ein paar Naturschutzgebieten ist es da nicht getan, denn diese Gebiete liegen meist isoliert voneinander. Holen wir jedoch die vielen hübschen Wildstauden wieder in die Gärten, haben wir ein Stückchen Natur direkt vor der Haustür.

Jede Pflanzung mit heimischen Stauden ist auch jenseits des Gartenzauns eine Bereicherung für die heimische Fauna und Flora. Aus dem Garten auswandernde Arten können angrenzende Grundstücke und sogar Naturstandorte besiedeln. So dient die Verwendung heimischer Stauden auch der Natur in der Umgebung. Und ein schönes Beet im Garten kann so manchen Nachbarn überzeugen, es doch auch einmal mit Wildstauden zu versuchen.

Heidebeet am sonnigen Standort: Besenheide (Leitstaude), Amethyst-Schwingel, Sand-Esparsette und Große Fetthenne (Begleitstauden), Gewöhnliches Katzenpfötchen und Kleines Habichtskraut (Bodendeckerstauden)

Dieser aktive und sehr bereichernde Naturschutz wird auch von den Umwelt- und Naturschutzorganisationen als sehr wichtig erachtet, denn die Fläche der Privatgärten übersteigt bei Weitem die der Naturschutzgebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein kleiner Flickenteppich an naturnahen Gärten ist bereits entstanden, doch es ist noch lange nicht genug Fläche. Schaffen auch Sie sich Ihr Wildpflanzenparadies und erleben Sie die Wunder unserer Natur im eigenen Garten.

Es gibt bereits viel zu viele nichtheimische Pflanzen, die auf Wildpflanzen angewiesene Tierarten verdrängt haben. Bedenkt man, dass auf eine einzige heimische Pflanzenart oft über zehn Insektenarten lebenswichtig angewiesen sind, muss man sich über den drastischen Artenschwund, insbesondere der Insekten, in unserer Heimat nicht wundern. Viele fremde Pflanzenarten sind aufgrund mangelnder Feinde und ihres oftmals starken Ausbreitungsdrangs ohne Konkurrenz so invasiv, dass sie sich schnell aus den Gärten heraus ausbreiten und die heimische Pflanzenwelt in der Natur verdrängen. Deshalb ist es so wichtig, Stauden, Blumenzwiebeln und Samen nur bei geprüften Wildstauden-Gärtnereien zu kaufen (siehe Seite 48 und ab Seite 155). Sie kennzeichnen ihre Ware nach Herkunft.

Was verstehen wir unter »heimisch«?

Zu den heimischen Pflanzen zählen alle Arten, die sich ohne Einfluss des Menschen in einem Gebiet ausgebreitet haben, dort dauerhaft vorkommen und sich reproduzieren. Man nennt sie indigene Arten. Die meisten von ihnen haben die letzte Eiszeit hierzulande überlebt oder sind nach dem Zurückweichen der Gletscher von selbst oder mithilfe von Tieren wieder nach Mitteleuropa zurück eingewandert.

Pflanzen, die vor 1492 – der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus – durch Menschen zu uns gelangten, nennt man Archäophyten. Dazu gehören viele unserer Obst- und Getreidearten sowie deren Begleitflora, zum Beispiel Klatschmohn, Kornrade und Kornblume.

Unser Begriff von heimischen Arten umfasst alle Indigenen und schließt einige Archäophyten mit ein.

Pflanzenarten, die nach 1492 zu uns gelangten, werden Neophyten genannt. Die Nutzpflanzen unter ihnen wie Kartoffel oder Tomate sind für die Natur unproblematisch, da sie sich von selbst kaum ausbreiten können. Einige Neophyten unter den Zierpflanzen sind aber invasiv, wie die Herkulesstaude oder das Indische Springkraut. Das bedeutet, sie breiten sich hierzulande mangels natürlicher Feinde sehr schnell aus und verdrängen die heimische Flora (mehr Informationen dazu beim Naturgarten e. V., Adresse siehe Seite 154). Viele der heute üblichen Garten- und Zierpflanzen kamen im 18. und 19. Jahrhundert als Neophyten nach Mitteleuropa, wo sie von Sammlern und Gartenarchitekten in Parks und Gärten verbreitet wurden. So haben sie viele der vorher verwendeten Zierpflanzen aus den Bauerngärten verdrängt. Die meisten Pflanzen in den heute üblichen, nicht naturnahen Gärten sind solche Exoten.

Mediterrane Kräuter zählen streng genommen nicht zu den heimischen Stauden, sind aber schon lange hierzulande eingebürgert. Das Klima in einigen Weinbaugegenden Deutschlands sagt ihnen ebenso zu wie das Mikroklima in Städten und Siedlungen. Und viele Generalisten unter den heimischen Insekten, die mit fast allen Blüten zurechtkommen, profitieren auch von den Mediterranen.

Was sind Wildstauden?

Es gibt etwa 3000 Arten von heimischen Wildpflanzen in Deutschland, davon der größte Anteil Stauden. Unter Stauden versteht man alle nicht verholzenden Blütenpflanzen, zu denen auch die Gräser zählen, sowie die nicht blühenden Farne.

Wildstauden sind natürlich vorkommende Arten, die nicht züchterisch verändert wurden. Sie haben sich viele Jahrtausende an die bei uns herrschenden Umweltbedingungen angepasst und kommen, je nach Standort, mit vielen Veränderungen zurecht. Trotzdem können die meisten Arten nur in versteckten Winkeln und Naturschutzgebieten überleben, weil der Mensch die meisten Standorte so verändert hat, dass Wildstauden dort keinen Lebensraum mehr haben. Ausgeräumte Agrarsteppen, überdüngte Böden, versiegelte Flächen und nicht zuletzt uniforme und »übersichtliche« Gärten mit viel Rasen, Schotter und wenigen Allerweltspflanzen haben ihnen den Garaus gemacht. Ebenso schlimm für Wildstauden ist, dass sie aus Unkenntnis häufig zum »Unkraut« gezählt und bei Erscheinen ausgerissen werden.

Leider ist der Begriff »Wildstaude« in der Gartenliteratur zweideutig. Von der Naturgartenbewegung werden darunter nur die einheimischen Stauden verstanden. Es gibt aber auch eine große Zahl von Wildstauden aus den gemäßigten Zonen anderer Erdteile, die man hierzulande kaufen und pflanzen kann. Da sie jedoch bei uns nicht heimisch sind, haben wir sie – bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel bei den mediterranen Kräutern – nicht berücksichtigt. Ein Grund dafür ist, dass es auch nach ein bis zwei Jahrhunderten ihrer Verwendung in Parks und Gärten noch nicht viele der heimischen Insektenarten geschafft haben, sich an diese Wildstauden anzupassen.

Langlebig und nachhaltig

Die Erfahrungen der Naturgärtner zeigen seit über zwanzig Jahren: Wildstauden sind mindestens ebenso schön, interessant und liebenswert wie übliche Gartenpflanzen. Ein gut gemachtes naturnahes Beet mit heimischen Wildpflanzen ist zudem pflegeleichter, wenn man Anfangsfehler vermeidet, was dieses Buch verhindern soll. Insbesondere die Auswahl und Kombination der Wildstauden müssen gut überlegt sein, damit man keine bösen Überraschungen erlebt.

Natürlicherweise passen an einem Standort nur Arten zusammen, die sehr ähnliche Anforderungen an diesen Standort stellen. Die Pflanzen konkurrieren dort um Licht, Wasser und Nährstoffe, sodass es zu Verdrängung kommen kann, wenn die Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensbereichen kommen. Sie sterben dann sehr schnell ab und verschwinden wieder. Die wenigen professionellen Gärtner, die mit Wildstauden Erfahrung haben, arbeiten in botanischen Gärten oder sind in der Naturgartenbewegung aktiv, ebenso wie die Wildstauden-Gärtnereien und -Produzenten. Diese Menschen haben die passenden Kombinationen jahrelang an Naturstandorten und in Gärten beobachtet. Nicht Konkurrenz um Boden, Licht und Wasser soll im Beet vorherrschen, sondern ökologische Harmonie. Einzelne Arten sollen die anderen nicht verdrängen. Dies erfordert viel Erfahrung und Austausch mit Kollegen und Wissenschaftlern. Auch die erfahrensten Profigärtner erleben immer wieder Überraschungen und lernen Neues hinzu. Das geben sie zum Beispiel im Naturgarten e. V. an Interessierte weiter (Adresse siehe Seite 154).

So kommt es, dass aus einer Naturgartenbewegung inzwischen eine große Gemeinde von Naturgarten-Begeisterten geworden ist, die sich austauschen und unterstützen. Wer Wildstauden ansiedeln möchte, muss also nicht von vorne beginnen und Anfängerfehler machen, sondern kann auf die Jahrzehnte lange Erfahrung der Naturgärtner zurückgreifen. Daraus sind die Vorschläge für Wildstaudenbeete in diesem Buch entstanden, mit denen Sie nichts falsch machen, aber viel erleben können.

Kaisermantel auf Heide-Nelke

Unsere Bepflanzungsvorschläge bestehen allesamt aus langlebigen Pflanzenkombinationen. Doch Langlebigkeit heißt nicht, dass die Staude als solche immer lange lebt. Sie kann auch eher kurzlebig sein, sofern sie sich über Nachkommen am selben Ort vermehrt. Manche Arten machen das bevorzugt durch vegetative Vermehrung mit Ausläufern, andere bilden Samen, die direkt neben der Mutterpflanze herunterfallen (generative Vermehrung). Oftmals dienen die Samen auch der weiteren Verbreitung und werden vom Wind davongetragen (viele Grasarten) oder von Tieren an andere Orte geschleppt (zum Beispiel Veilchen durch Ameisen). Diese Fähigkeit ist im Naturgarten gewollt, da so keine kahlen Flächen entstehen, weil diese gleich wieder besiedelt werden, und der Garten jedes Jahr etwas anders aussieht.

Doch bei aller Vermehrungsfreudigkeit können Pflanzen, die in einer Region lange verschwunden waren, nicht so einfach wieder von alleine auftauchen, selbst wenn die Standortbedingungen jetzt stimmen. Deshalb ist es so wichtig, in den Gärten wieder heimische Wildstauden gezielt und passend zum Boden und zu den Lichtverhältnissen anzusiedeln. Die von ihnen abhängigen Tiere, besonders die flugfähigen Insekten, finden sich dann auch ohne Hilfe des Menschen über weite Entfernungen meist von selbst wieder ein, wenn sie an einem Ort in der Nähe, zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet, überleben konnten. So kann jeder Wildstaudenstandort im Garten zum möglichen Trittstein für Insekten, Vögel und andere Tierarten sowie selten gewordene Wildstauden werden und dabei helfen, die Artenvielfalt von Flora und Fauna zu erhöhen.

Unsere Bepflanzungsvorschläge kombinieren je zehn bis 15 heimische Arten miteinander. Dabei sind nicht nur die Arten allesamt langlebig, auch die jeweilige Kombination funktioniert nachhaltig, ohne dass einige Arten andere verdrängen. Die einjährigen und zweijährigen Pflanzenarten versamen sich jedes Jahr von selbst. So entsteht eine natürliche Dynamik mit Pflanzen, die – angepasst an den gewählten Standort – in jedem Beet ein ganz einmaliges Bild erschaffen. Die Pflanzung wird jedes Jahr und zu jeder Jahreszeit ein bisschen anders aussehen, je nach Wetter und anderen Umgebungsfaktoren. Mal dominiert eine Art, mal eine andere, aber insgesamt entsteht eine stabile Lebensgemeinschaft, die mit einem Minimum an Pflege auskommt.

Die Lebensdauer der Stauden

In unseren Breiten haben Pflanzen unterschiedliche Strategien entwickelt, den Winter zu überstehen. Diese Strategien bestimmen den Lebenszyklus der Arten. Man unterscheidet:

Einjährige Pflanzen: Sie keimen, wachsen, blühen und versamen sich innerhalb einer Vegetationsperiode. Sie können durchaus immer wieder am selben Standort erscheinen, jedoch handelt es sich immer um die nächste Generation aus dem Samen der vorhergehenden. Sie werden meist ins Beet gesät und nicht gepflanzt.

• Beispiele: Nelken-Leimkraut, Acker-Stiefmütterchen, Sand-Strohblume

Zweijährige Stauden: Sie keimen im Sommer und entwickeln sich zu einer meist flachen Rosette, die den Winter überdauert. Im nächsten Frühjahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich. Danach stirbt sie ab und die nächste Generation beginnt den Zyklus von Neuem.

• Beispiele: Roter Fingerhut, Königskerzen

Mehrjährige Stauden: Sie überdauern den Winter als flache Blattrosette oder eingezogen mit unterirdischen Speicherorganen wie verdickten Wurzeln, Knollen oder Zwiebeln. Unter den mehrjährigen Stauden unterscheidet man:

• Kurzlebige Stauden: Sie stehen meist drei bis fünf Jahre am selben Platz und entwickeln sich dort prächtig, während dieser Zeit versamen sie sich und bleiben so über Jahre im Garten. Beispiele: Akelei, Färberkamille, Natternkopf

• Langlebige Stauden: Sie bleiben oft über Jahrzehnte im Garten, nahezu unverändert am selben Platz, und mögen keine Störung. Beispiele: Lungenkraut, Storchschnabel, Pfingstrose, Laserkraut. Zu den langlebigen Stauden zählen aus gärtnerischer und gestalterischer Sicht auch die Farne und Horstgräser.

Halbgehölze und Zwerggehölze: Beide sind sehr langlebig, weil sie aus der verholzenden Basis immer wieder austreiben. Halbgehölze verholzen nur an der Basis, der obere Teil bleibt krautig. Sie bleiben viele Jahre am selben Platz. Genauso die komplett verholzenden Zwerggehölze, Sträucher mit einer Wuchshöhe bis 150 cm. Beide werden im Staudenbeet wie langjährige Stauden gepflanzt.

• Beispiele Halbgehölz: Sonnenröschen, Gamander, Thymian

• Beispiele Zwerggehölz: Färber-Ginster, Zimt-Rose, Kriech-Weide

Naturnahe Staudenbeete für jeden Garten

Es gibt kaum einen Platz im Garten, der sich nicht mit heimischen Stauden bepflanzen ließe. Das erste Beet »Schön wild« mag in einem konventionellen Garten mit Thujahecke und Rasen etwas fremd aussehen, aber die Fremden sind dort Thuja und Rasen, nicht die von uns vorgeschlagenen Stauden! Letzteren sollten wir Stück für Stück wieder den ihnen zustehenden Lebensraum zurückgeben.

Den Anfang kann zum Beispiel ein Beet vor der Hecke machen, für das Sie Rasensoden abtragen und den Boden darunter auflockern und mit Sand abmagern. Schnell bepflanzt und eingesät, hat man dort noch nicht einmal mit viel Unkraut zu kämpfen. Wer einen konventionell bepflanzten Garten hat und vom Rasen weg will, kann zum Beispiel nach und nach runde oder ovale Inseln im Rasen zu Wildstaudenbeeten umgestalten, sodass vom Rasen nur noch breite Rasenwege übrig bleiben. Oder Sie verkleinern die Rasenfläche vom Rand her nach und nach. Noch einfacher ist es, Beete mit konventionellen Stauden oder Rosen in naturnahe Beete umzuwandeln. Dazu gräbt man erst alle Pflanzen aus, lockert den Boden und passt ihn gegebenenfalls mit Zuschlagstoffen an die gewünschte Bepflanzung an. Wollen Sie allerdings die Thujahecke loswerden, sollten Sie zuerst diese und andere Rodungsarbeiten durchführen (lassen). Daran anschließend pflanzen Sie neue Gehölze, falls gewünscht. Erst danach kommen die Stauden an die Reihe.

Bunter Blütensaum im Halbschatten: Alpen-Schuppenkopf (Leitstaude), Fettwiesen-Margerite, Wiesen-Storchschnabel und Gewöhnlicher Frauenmantel (Begleitstauden), Gewöhnliche Kornrade (Ansaat)