Schöne, vielfältige Pflanzenwelt des Ahrtals – ein Einstieg - Ruprecht Düll - E-Book

Schöne, vielfältige Pflanzenwelt des Ahrtals – ein Einstieg E-Book

Ruprecht Düll

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Beschreibung

Wie schon in Teil 1 beschreibt das Buch wichtigere, interessante Pflanzenarten im Ahrtal zwischen Blankenheim und der Ahrmündung in den Rhein bei Kripp. Die Arten werden auch mit Fotos vorgestellt. Wichtige Merkmale, Ökologie und Verbreitung werden behandelt.

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Danksagung

Die Enkelin des Autors LEA WUNDER hat mit viel Akribie das Layout gestaltet. Sein Freund, der Geologe Prof. Dr. Wilhelm Meyer, hat eine kurz gefasste, geologische Einführung für das Ahrtal mitgeteilt. Seine Frau IRENE DÜLL-HERMANNS hat mit großer Sorgfalt die Korrekturen gelesen. Allen möchte der Verfasser seinen herzlichen Dank aussprechen.

Alle Rechte liegen beim Autor, insbesondere diejenigen der Reproduktion und Datenspeicherung

Inhaltsübersicht

Bedecktsamer H—Z

Register

Übersichtsregister

Hain- oder Wald-Sternmiere - Stellaria nemorum – Nelkengewächse

Eine um 20(-30) cm hohe, rasig wachsende, kahle Schaftpflanze (Hemikryptophyt) mit weit kriechenden Ausläufern. Die Stängel sind rund und brüchig. Die weichen Blätter sind ei- oder herzeiförmig, die unteren gestielt. Blütezeit Juni bis August. Es sind kleine Trichterblumen mit 3 Griffeln und mit auffällig fast bis zur Basis geteilten Kronblättern. Bestäuber sind Fliegen und Käfer. Ausbreitung: mit kugeligen, 5-zähnig aufspringenden Kapseln. Fruchtstiele erst gekrümmt, reif aber aufrecht (negativ geotrop). Eine Streufrucht. Windstreuer und Schwimmausbreitung. Die Samen sind warzig und bis 1,3 mm groß.

Eine nährstoff- und feuchteliebende Art der Laubwälder und Säume in Bach- und Flussauen der Gebirge. So im direkten Ahrbereich von unterhalb Blankenheim bis bei Ahrweiler sowie an der Ahr bei Bad Bodendorf.

Äußerlich und standörtlich sehr ähnlich und im Ahrtal ebenfalls verbreitet, aber später blühend und durch reichlich Bedrüsung unterschieden ist der Wasserdarm (Stellaria aquatica (= Malachium aquaticum).

Eine weit verbreitete Art trockener Wälder und (als Waldrelikt) grasiger Böschungen ist die Große St., St. holostea. Entsprechend dem trockenen Standort ist sie von xeromorpher Gestalt, nämlich durch lineale, grasartige, derbe Blätter ausgezeichnet. Blüten- und Ausbreitungsbiologie ähnlich der Hain-Sternmiere.

Hain-Sternmiere, blühender Bestand

Heide-Günsel, blühend

Heide-Günsel, Zottiger G. - Ajuga genevensis – Lippenblütler

Meist um 10-20 cm hohe, dem Kriechenden Günsel (A. reptans) ähnliche Pflanze, aber ohne Ausläufer und mit zottiger Behaarung (als Lichtschutz). Ab April bis Juni. Die Lippenblumen mit kurzer Oberlippe. Bestäubung durch langrüsselige Hummeln und Bienen. Die Früchte in 4 Spaltfrüchte (Klausen) mit großen Ölkörpern zerfallend. Ausbreitung durch Ameisen. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Wurzelsprosse.

In Trockenwäldern und an trockenen, grasigen Säumen. Kalkhold. Im Ahrtal ziemlich selten, vor allem im Kalkgebiet, so unter Blankenheim, oberhalb Ahrhütte sowie z. B. bei Fuchshofen. Früher bei Kreuzberg (KÜMMEL 1950).

Das Kraut ist gerbstoffreich und wirkt deshalb wundheilend sowie gegen Durchfall. Dazu soll es als Abortivum (abtreibend) eingesetzt worden sein. Doch werden die Blätter gleichzeitig für Salat und Gemüse empfohlen.

Heilbetonie, Heil-Ziest - Betonica officinalis (= Stachys officinalis)

- Lippenblütler

Mit einem meist 30–70 cm hohen, wenig beblätterten Stängel sowie schmal zungenförmigen, gekerbten, an der Basis herzförmigen, lang gestielten Grundblättern. Als Wurzelstock überdauernd (Rhizom-Geophyt).

Blütezeit Juni-August. Mit oft vormännlichen „Lippenblumen“. Die Kronröhre innen behaart (Einkriechschutz). Besucher sind Bienenverwandte, Schwebfliegen sowie mehr als 20 verschiedene Tagfalter.

Die Früchte zerfallen in 3 mm lange, 1,1 g schwere, glatte Klausen. Ein Wind - und Tierstreuer. Lichtkeimer.

In wechselfeuchten Magerwiesen und an Säumen. Kalk- und düngerfeindlich! Außer im Kalkgebiet zerstreut bis ins mittlere Ahrtal, aber im Rückgang. Früher am „Koppen“ (1938) und im “Wingsbachtal” (KÜMMEL 1941 in 1950).

Diese ehemals hoch angesehene Arzneipflanze – ein Allheilmittel - wird heute fast nur noch in der Volksheilkunde verwendet, so wegen des Gerbstoffgehaltes gegen Durchfall, bei Erkrankungen der Atemwege und äußerlich als Wundheilmittel sowie in Schlafkissen bei Schlaflosigkeit. Homöopathisch gegen Asthma. Auch eine hübsche Wildgartenpflanze.

Wegen des starken Dufts von Schlangen und kaltem Gewürm gefürchtet. Sie heißt in der Schweiz (deshalb) „Fluhblume“ (PERGER).

Heil-Betonie blühend Blütenstände

Heil-Betonie, blühend

Herbstzeitlose, Gewöhnliche - Colchicum autumnale

– Herbstzeitlosengewächse

„Colchicum“ ist der lat.-griech. Name der Pflanze. Er bezieht sich auf die Kolchis, in der griechischen Mythologie die Heimat der Giftmischerinnen. „Zeitlose“ wegen der ungewöhnlichen Zeiten von Blühen und Fruchten. Im Mittelalter auch „filius ante patrem“ genannt wegen des – wie man glaubte - ungewöhnlichen Erscheinens der Früchte vor den Blüten. Ein typischer Fall von Umkehr der Kausalität! In der Vulkaneifel hat man die grünen Früchte ganz poetisch und treffend „Nacktärsch“ genannt.

Eine 5–40 cm hohe, kahle Knollenpflanze. Die Wechselknolle liegt in ca. 15 cm Tiefe. Die Blätter erscheinen erst im folgenden Frühjahr zusammen mit der Frucht. Ursprünglich sicher als Anpassung an ein wintertrockenes Steppenklima. In gleicher Weise günstig als Anpassung an unsere Wiesenwirtschaft. Die Blüte entspringt der Knollenbasis. Blütezeit August bis November. Es sind blattlose, vorweibliche „Große Trichterblumen“ mit bis zu 20 cm langer, weitgehend im Boden verborgener, am Fruchtknoten endender Kronröhre. Die Perigonzipfel bis 8 cm lang. Nektar wird am Grunde der Staubblätter abgeschieden und ist neben Faltern und Bienen auch langrüsseligen Fliegen zugänglich. Der Pollenschlauch benötigt Monate bis zum Eindringen in die Samenanlage. Die Befruchtung erfolgt erst im Winter. Die Frucht reift erst im Sommer. Ein Windstreuer. Samen anfänglich mit klebrigem Anhängsel, deshalb Ameisenausbreitung sowie Klebausbreitung durch Weidetiere.

In Wiesen und lichten, feuchten Wäldern auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden. Im Ahrtal zerstreut ab unter Blankenheim bis Schuld, dann nordöstlich Insul und bis unter Liers. Früher im „Bärenbachtal“ bei Rech (KÜMMEL 1950). Selten: südlich oberhalb Ahrweiler (1990), nordwestlich Gimmingen (1993) und häufig in den Bodendorfer Wiesen sowie bei Westum.

Die Colchicum-Arten sind in allen Teilen sehr stark giftig. Besonders Samen und Wurzeln enthalten das jahrelang beständige Zell- und Kapillargift Colchicin. Bereits 1–5 g Samen sind für den Menschen tödlich. Im Heu bleibt das Gift erhalten! Frisch wird die Pflanze vom Vieh meist gemieden. Wenn nicht, kann es über die Milch der Schafe und Ziegen zu Vergiftungen führen. Die Wirkung setzt erst nach Stunden ein, und der Tod tritt nach 1–2 Tagen ein. Arzneilich z. B. bei Gicht und Hauterkrankungen angewandt. Diese gefährliche Anwendung war schon den Alten Griechen bekannt. Auch in der Homöopathie gebraucht, so bei Gicht, Rheuma, Polyarthritis etc.

Herbstzeitlose, blühende Pflanzen

Herbstzeitlose, unreife Fruchtkapsel

Herkulesstaude, Kaukasischer oder Riesen-Bärenklau - Heracleum mantegazzianum – Doldenblütler

„Heracleum“ ist der griech. Name des Bärenklaus oder eines anderen Doldenblütlers, nach dem Helden Herakles (= Herkules) aus der griechischen Sage. Er soll die Heilwirkung der Pflanze entdeckt haben. „Bärenklau“ wegen der Blattform (wie eine gespreizte Klaue).

Weil sie blühend bis über 3 m hoch werden kann sowie bis 1 m lange Blattspreiten besitzt, ist die Staude neben dem Hopfen (Humulus) eine der größten bei uns wild wachsenden, krautigen Pflanzen. Eine zweijährige Halbrosettenpflanze, die aber als Rosette erst einmal etwa 2–4 (–7) Jahre alt wird, ehe sie zur Blüte gelangen kann. Der Stängel ist rau, hohl und kantig gefurcht, was ihm eine hohe Stabilität verleiht. Am Grund der Blätter befindet sich eine große, als Knospenschutz dienende Blattscheide (= Ochrea). Ein Tiefwurzler.

Blütezeit Juli bis August. Mit vormännlichen „Nektar führenden Scheibenblumen“, in bis um 0,5 m breiten Blütenständen mit „strahlenden“ Randblüten. Die Griffel mit der kopfigen Narbe entwickeln sich meist erst nach den Staubblättern. Ihre Basis umgibt ein grünliches, reichlich Nektar absonderndes Griffelpolster (Diskus). Die Bestäubung erfolgt meist rein zufällig durch herumlaufende oder sich sonnende Insekten. Die Früchte sind geflügelte, um 8 x 5 mm große, elliptische Doppelachänen: Scheibenflieger. Pro Pflanze werden bis zu 100.000 Teilfrüchte produziert, die sehr langlebig sind. Hauptausbreitung als Schwimmer sowie besonders auch durch gedankenlose Menschen, die den Gartenmüll im Freiland „entsorgen“. Dazu Wasserhaft- und Zufallsausbreitung durch Weidetiere.

Ein Neubürger (Neophyt) seit 1890. Ursprünglich als Zierpflanze für größere Gartenanlagen eingeführt (Heimat Kaukasus), hat sie sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet und verdrängt zunehmend, vor allem an Flussufern, die heimische Vegetation und muss daher dringend reduziert werden. Auf keinen Fall weiter als Gartenpflanze halten. Zur Bekämpfung können Schafe eingesetzt werden, die die Pflanzen ohne Schaden fressen. Auch sollte man die Rosetten rechtzeitig ausstechen. Im Ahrtal zerstreut, ebenfalls in Ausbreitung. Von Oberahreck bis bei Walporzheim/Dernau sowie 1x bei Sinzig.

Die Giftwirkung auf der Haut ist wesentlich stärker als bei der heimischen Art. Nach Berührung oder durch Stängelsaft können noch nach mehreren Stunden bis Tagen Brandblasen auftreten, vor allem im Sonnenlicht. In letzter Zeit mussten Kinder schon bis zu 2 Wochen im Krankenhaus behandelt werden.

Der einheimische, sehr ähnliche Wiesen-Bärenklau, H. sphondylium, ist in allen Teilen kleiner. So z. B. nur bis 1,5 m hoch und die Blattspreiten nur um 50 cm breit. Hauptausbreitung durch Weidetiere und über Stallmist.

Im ganzen Ahrtal verbreitet und durch Überdüngung der Wiesen und Weiden eher häufiger geworden.

Junge Blätter sollen gekocht ein leckeres, mildes Gemüse ergeben. Jedenfalls liefern sie ein gutes Tierfutter, z. B. für Kaninchen, Schafe und andere.

Die ähnliche, aber kahle Engelwurz, Angelica sylvestris, ist völlig kahl und kennzeichnet feuchtere Plätze. Sie ist in weiten Teilen des oberen und mittleren Ahrtals noch häufig, aber im Gegensatz zur vorigen Art ein geringerer Nährstoffzeiger Ihre sonstige Autökologie entspricht der der vorigen. Die Stängel sind ein bevorzugter Überwinterungsort für zahlreiche Kleintiere. Bisher hat man darin 65 Arten nachgewiesen.

Auch eine alte Heilpflanze. Dazu wurde aus den pulverisierten Blättern früher ein Läusepulver hergestellt.

Herkulesstaude, blühend

Herkulesstaude, unreifer Fruchtstand

Hohe Esche, weiblicher Blütenstand

Hohe Esche - Fraxinus excelsior – Ölbaumgewächse

„Fraxinus“ ist der lat. Name der Esche und des oft aus diesem Holz gefertigten Speeres. Lat. „excelsior“ bedeutet höher, wegen der oft beachtlichen Höhe, die der Baum erreichen kann (s. u.). „Esche“ ist ein germanisches Wort, althochdeutsch Ask. In reicheren Gebieten, so im Eifelvorland, steht „Esch“ für Ortsbezeichnungen. In der früher durch sehr ärmliche Verhältnisse gekennzeichneten Eifel leitet sich diese Ortsbezeichnung meist nicht von diesem Baum ab, sondern bezieht sich eher auf „äschen“, einer früher verbreiteten, befristeten Wirtschaftungsform, die auf Abbrennen der Gehölze und der Nutzung der danach freiwerdenden Mineralien für den Ackerbau beruhte.

Ein winterkahler, bis maximal 45 m hoher Laubbaum und damit einer der höchsten Europas. Der Stammdurchmesser erreicht 1,7 m. Der Baum kann etwa 200–250 Jahre alt werden. Eine frostempfindliche Art, die aber in besonderer Weise dadurch angepasst ist, dass neben der samtig-schwarzen Hauptknospe zwei kleinere Nebenknospen nach Spätfrösten für Ersatz sorgen. Die unpaarig gefiederten Blätter werden 20–35 cm lang, sind kreuzgegenständig und treiben oft erst im Mai aus. Hauptreservestoff ist der Zuckeralkohol Mannit. Ein Tiefwurzler mit Mykorrhiza.

Die Blüten erscheinen im April/Mai vor der Laubentwicklung, man nennt das „vorlaufendend“. Sie sind vorweiblich und windblütig. Entsprechend fehlt eine Blütenhülle (im Gegensatz zu ursprünglicheren Verwandten, wie der Blumenesche (F. ornus), die noch insektenblütig ist!). Unsere Art ist dreihäusig, d. h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen und solche mit Zwitterblüten. Je Staubblatt werden ca. 12.000 Pollenkörner entlassen. Der so reichlich angebotene Pollen wird von Honigbienen gesammelt. Auch ein Heuschnupfenerreger.

Es werden 2-samige, nur 0,1 g schwere Nüsse mit propellerartigem, einseitigem Flügel als Drehflieger entwickelt. Es sind Wintersteher. Die Ablösung erfolgt nur bei starkem Wind, wobei dann statt ca. 25 m bis 500 m Flugweite erreicht werden können. Ausbreitungswirksam ist auch die Verschleppung durch Kleinsäuger und Vögel. So hat man beobachtet, dass der Dompfaff im Spätwinter mit Vorliebe die ölreichen Eschenfrüchte verzehrt.

Ursprünglich ist die Art in krautreichen Hang-Laubwäldern, Bach-Eschenwäldern und Auen. Oft aber nur gepflanzt oder auch verwildert. Im ganzen Ahrtal häufig, aber oft nicht ursprünglich. Verwendung als guter Straßenbaum, Park- und Forstgehölz. Auch ein sehr gutes Laubfuttergehölz liefernder Baum (besonders bei Kopfschnitt). Die Rinde enthält u. a. Cumarin-Glykosid und in Lösung blaugrün fluoreszierendes Fraxin (deshalb auch zum Blaufärben benutzt). Das Holz ist hart, elastisch und leicht zu bearbeiten, sehr wertvoll und vielseitig verwendbar, z. B. für Speere (s. Name).

Die ‚Weltenesche‘ Yggdrasil war neben der Eiche der am höchsten angesehene Baum in der germanischen Mythologie. Er verband Himmel und Erde, wie auch Erde und Hölle. Und unter jeder Wurzel rauschte ein heiliger Quell. In der Edda heißt es, dass die Götter bei der Esche Yggdrasil täglich Gericht halten.

Eschenzweige sollen von den Hexen auch zum Brauen des Gewitters benutzt worden sein (PERGER).

Hohe Esche, junge und ältere Blätter nah

Hopfen - Humulus lupulus – Hanfgewächse

Eine sommergrüne Kletterstaude (Hemikryptophyt), d. h. die bis über 6 m langen, mit feinen Widerhaken (= Kletterhaaren) besetzten Sprosse werden jedes Jahr neu gebildet. Eine erstaunliche Leistung. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Windepflanzen ein Rechtswinder (s. SPOERL). Die untersten Stängelglieder (Internodien) wachsen aufrecht. Die Sprossspitze neigt sich und führt im Uhrzeigersinn autonome, kreisende Bewegungen (Nutationen) durch. Je Umgang benötigt sie etwa 2 Stunden. Bei Berührung einer Unterlage wird das Wachstum der gegenüberliegenden Stängelseite gefördert, so dass sich der Stängel um die Stütze windet. Blütezeit Juli bis August. Windblütig und zweihäusig, Die männlichen Blüten zu blattachselständigen Trauben angeordnet und die weiblichen in zapfenartigen Blütenständen.

Ausgebreitet werden die von den zur Reife stark verlängerten, als Flugorgan dienenden Hochblätter umgebenen kleinen Nüsse als Flügelflieger und manchmal auch als Schwimmer. Ungeschlechtliche Ausbreitung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.

Die Wildform in Auwäldern, an Gehölzsäumen und Zäunen, auf frischen bis nassen, nährstoffreichen, tiefgründigen Böden wärmerer Lagen. Eine Charakterart der „Schleiergesellschaften“ der Talauen, z. B. auch an der Ahr. Hier verbreitet ab Umgebung Ahrhütte bis zur Ahrmündung. Wohl ein Alteinwanderer (Kulturflüchter), denn für Deutschland erst seit dem 8. Jh. erwähnt. Die gelben, kurz gestielten Drüsen an den Zapfenschuppen liefern das „Hopfenmehl“ der Brauer. Sie enthalten eine harzige Masse mit den Bitterstoffen Humulon und Lupulon. Während der Lagerung gehen sie in einschläfernd wirkende Substanzen über. Deshalb ist stark gehopftes Bier ein gutes Schlafmittel. Medizinisch als Beruhigungsmittel verwendet. Darum heißt es bei SPOERL: „Bier macht gut bürgerlich“. Die Volksmedizin hält den Hopfen für appetitanregend und magenstärkend. Die Frühjahrstriebe können roh oder gekocht gegessen werden („Hopfenspargel“) und gelten als Delikatesse. Die Römer und Griechen kannten nur die Nutzung als Gemüse und Heilpflanze. Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 erlaubte nur noch den Hopfen als Bierwürze. Bis dahin wurden z. B. auch Gagelstrauch (Myrica) und Bilsenkraut (Hyoscyamus) als Würze gebraucht. Alle „Würzen“ sind zugleich Konservierungsmittel. Homöopathisch wird Hopfen bei Schlaflosigkeit, Blasenreizung und Hautleiden verordnet. Früher ein alternatives Haarwuchsmittel im Sinne der „signatura rerum“: Jungfrauen, die gern langes Haar hätten, wird empfohlen, Haare am Hopfen zu vergraben, denn mit dem Gedeihen des Hopfens soll auch das Haar in die Länge wachsen (PERGER).

Hopfen, männliche Blütenstände

Hopfen, weibliche Blütenzapfen

Hopfen, Bestand mit jungen Zapfen

Hopfen-Seide, Blütenstände nah

Hopfen-Seide, Nessel-Seide – Cuscuta europaea - Seidengewächse (oder Windengewächse)

Der Name „cuscuta“ ist der lat. Name, dieser allerdings vermutlich arabischer Herkunft. Die volkstümlichen Gattunsnamen „Teufelsseide“ und „Teufelszwirn“ beziehen sich darauf, dass Bettler sich den Saft der Pflanze auf die Haut strichen, um Ekzeme zu bewirken. So hofften sie, mehr Mitleid zu erregen und mehr milde Gaben zu erhalten. Die Artnamen bezeichnen die vorherrschenden Wirtspflanzen.

Ein einjähriger, linkswindender, innerhalb von 3-4 Monaten 30–150 cm hoch wachsender Vollschmarotzer. Wiederum eine erstaunliche Leistung. Die Stängel nackt und 1(-2) mm dick, Chlorophyll ist nur in Resten vorhanden. Der fadenförmige, keimblattlose Keimling ist ein Bodenkriecher. Indem er an der Spitze weiterwächst, stirbt er am Ende ab und die freiwerdenden Wertstoffe wandern zur Spitze. Gleichzeitig führt er kreisende Suchbewegungen durch. Kürzlich wurde nachgewiesen, dass die Parasiten dabei ihren Wirt „erriechen“ und so gezielt auf die potentiellen Wirtspflanzen „zusteuern“! Bei Kontakt umwinden sie diese und bilden gleichzeitig Saugfortsätze (Haustorien) aus, die bis zu den Leitgefäßen des Wirtes vordringen, um dort die gelösten Assimilate bzw. Wasser aufzunehmen. Übermäßig ausgebeutet, kann die Wirtspflanze absterben.

Blütezeit Juni/Juli (August). Je nach Wirt entweder Langtags oder Kurztagpflanze. Die Blütenknäuel sind 10-15 mm dick. Relativ langlebige „Glockenblumen mit klebrigem Pollen“. Der Nektar wird durch die Schlundschuppen bedeckt. Teilweise geschlossenblütig (= kleistogam). Eine „Wespenblume“, Besuch vor allem durch Grabwespen. Die Lebensdauer der fleischigen Blüten beträgt etwa 10 Tage. Die Kapseln enthalten je 4 hartschalige Samen, die von der bleibenden, trockenen Blütenhülle umgeben werden und so spezifisch leichter sind. Dadurch wird Windausbreitung als Ballonflieger, wie auch Schwimmausbreitung möglich. Dazu wohl auch Zufallsausbreitung durch Weidetiere.

In Staudengesellschaften feuchter, nährstoffreicher Standorte, vor allem der Flussaue. Wirtspflanzen sind Brennnesseln, Hopfen, Luzerne und andere Stauden, selten Gehölze. Öfter im Ahrtal (sonst selten): so beim „Vellerhof“ und „Streitenau“ (F. WAGNER 1993), z. B. zwischen Insul-Dümpelfeld (reichlich), auch im „Langfigtal“ (1x: WENDLING 2003) und östlich Rech an der Ahr wie noch mehrfach bis nahe der Ahrmündung.

Bemerkenswert ist auch die inzwischen allgemein seltene Thymian-Seide, Cuscuta epithymum. Der vorigen Art vor allem biologisch ähnlich, aber zierlicher als die Hopfen-Seide. Sie ist nur bis 30 cm lang. Sie blüht erst im August/September und ihre Blütenknäuel sind nur 5-10 mm breit. Ballonflieger und Zufallsausbreitung (d. h. unverdaut wieder ausgeschieden) durch Weidetiere. - In sonnigen Trockenrasen, auf Thymian und ähnlichen Lippenblütlern. Auch im Ahrtal ziemlich selten: so am “Umlaufberg” Insul, im “„Langfigtal“”, zwischen “Steinbergsmühle” und Rech (1996) und am “Trotzenberg“. Durch Verwucherung der Trockenrasen im Rückgang und so gefährdet.

Durch goldgelbe Fadenstängel und dem vorwiegenden Vorkommen auf Weiden unterscheiden sich zwei aus Amerika eingeschleppte Arten, die im Bereich der Ahrmündung vorkommen. Die Gronovi Seide, Cuscuta gronovii wurde auch im „Langfigtal“ gefunden. Ab August blühend und die Blütenstände sitzend. Die Hopfenähnliche Seide -Cuscuta lupuliformis blüht schon früher, im Juli/August und hat dazu kurz gestielte Blütenständen.

Hufeisenklee - Hippocrepis comosa – Schmetterlingsblütler

Eine niedrige, meist bis 10 cm hohe, wintergrüne Halbrosettenpflanze (Hemikryptophyt oder Chamaephyt) mit 5(-10) cm langen, unpaarig gefiederten Blättern und tiefreichenden Wurzeln, ein Xerophyt.

Blütezeit von Mai bis Oktober. Die vormännlichen „Schmetterlingsblumen mit Pumpmechanismus“ (vgl. Kronwicke). Das seitliche Eindringen der Bestäuber zum Nektar wird durch eine den Nektar überdeckende Platte verhindert. Der Rüssel der Besucher – Hummeln, Bienen und Schmetterlinge – muss Narbe und Staubbeutel berühren, um so die Bestäubung zu sichern. Blüteneinbruch ist trotzdem möglich.

Die Bruchfrüchte zerfallen bei der Reife in 4–6 einsamige Teilfrüchte. Diese sind zuletzt hufeisenförmig. Zufällige Darmausbreitung z. B. durch Ziegen. Vor allem auch Wasserhafter, d. h. bei feuchtem Wetter durch Adhäsion und bei Sturm - Flügelflieger.

Typisch für lückige, sonnige, magere Kalktrockenrasen, steinige Hänge. Kalkstet und darum nur im Kalkgebiet, dort aber ziemlich verbreitet. So auch im Ahrtal: bei Ahrhütte bis nordöstlich Ahrdorf.

Hufeisenklee, blühend

Hufeisenklee, Bruchfrüchte

Hügel-Meier -Asperula cynanchica – Rötegewächse

Er ist eine meist unter 20 cm hohe, niederliegende bis aufsteigende, ästige Staude mit reich verzweigtem Wurzelwerk und schmal linealen Blättern in 4 –6-zähligen Quirlen. Das sind Trockenanpassungen (Xerophyt!).

Ab Juni bis September blühend mit den 2-3 mm breiten „Kleinen Trichterblumen“. Besuch durch Zweiflügler, Falter und Käfer. Die Früchte sind kleine gekörnelte Nüsse, die als Regenschwemmlinge ausgebreitet werden. Vegetative Vermehrung als Wurzelkriecher.

In lückigen Trockenrasen und an steinigen Hängen. Kalkzeiger. Im Ahrtal in den Kalkgebieten ziemlich verbreitet, so zwischen Ahrhütte und Ahrdorf. Dazu auf kalkhaltigem Sandstein bei Altenahr, so an der „Engelsley“ und „Breitley“.

Hügelmeier, blühende Pflanze

Jakobs Greiskraut, J. Kreuzkraut - Senecio jacobaea – Korbblütler

„Senecio“