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Ein Kuddelmuddel von Kurzgeschichten, kurze Geschichten. Seemannsgarn, also eine erfundene Geschichte die nicht ganz der Wahrheit entspricht. Froschgeschichten die auch selber weiter erfinden kannst.
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2022
SchräglageoderEs hätte ja sein können!
Skurrile, fantastische Geschichten die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Meine Leidenschaft ist das Schreiben, meine Texte sind frisch, rotzig, frech und manchmal provokativ. Alltägliches wird auf den Prüfstand genommen, umgedreht und von der anderen Seite betrachtet. In meinen skurrilen Fantasy-Geschichten bediene ich mich gerne wahren Begebenheiten und treibe diese genüsslich auf die Spitze. Hemmungslos wird Erfundenes und Tatsächliches durcheinandergewürfelt.
Holger Holgerson wurde 1948 geboren. Lübeck, Oberhausen, Tübingen, Freiburg, Cambridge und Schaffhausen waren Stationen seiner Wanderjahre. Heute lebt er mi seiner Familie in der Nähe von Bern.
Für meine Kinder Susanne, Anika, Fabian und Florian
Holger Holgerson
Schräglage
oder
Es hätte ja sein können!
© 2022 Holger Holgerson
ISBN Softcover: 978-3-347-73824-9
ISBN E-Book: 978-3-347-73825-6
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Cover
Widmung
Titelblatt
Urheberrechte
SCHRÄGLAGE ODER ES HÄTTE JA SEIN KÖNNEN!
ANNIN
FROSCHGESCHICHTEN
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Widmung
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Urheberrechte
SCHRÄGLAGE ODER ES HÄTTE JA SEIN KÖNNEN!
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SCHRÄGLAGE ODER ES HÄTTE JA SEIN KÖNNEN!
Skurrile, fantastische Geschichten die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.
OH, WIE STARK BIN ICH
Mit gerötetem Gesicht, ganz niedergeschlagen, traf ich sie im Wald. Mit hängenden Armen schleifte sie ihren Sattel hinter sich her. Ob ich ihr Pferd gesehen hätte; fragte sie mich. Ich verneinte. Ihre Hilflosigkeit rührte mich und ich bot ihr meine Hilfe an. Sie lud mir den Sattel auf die Schultern und ich trabte stolz mit ihr davon.
Einige Jahre brauchte ich um sie abzuwerfen. Die Druckstellen vom Sattel waren noch lange sichtbar.
Sie hingegen hatte keine Mühe umzusteigen.
Immer wieder sah ich sie, aus sicherer Entfernung wohlgemerkt, auf anderen daher traben.
Ich aber fliehe bei den geringsten Anzeichen von Hilflosigkeit. Stiefeln, Leder und Pferde meide ich wie die Pest.
VERLIEBT
Oh, Willy ich bin verliebt, sprach sie zu ihm. Schau doch nicht so, nicht in dich, nein richtig verliebt. Sie tanzte durch die enge Wohnung voller überschäumender Lebensfreude. Dass die Vase vom Tisch fiel störte sie nicht weiter, sie lachte nur. Ich könnte alle Welt umarmen, Willy.
Er sagte gar nichts, schaute ihr nur hinterher. Was hätte er auch sagen können?
Oh, Willy, morgen bin ich mit ihm verabredet. Wie gefalle ich dir, soll ich dies Kleid anlegen, nahm ein Kleid aus dem Schrank und hielt es hoch und meine Haare, mein Gott, soll ich nicht doch noch zum Coiffeur? Wirbelte einige Male um ihre Achse, so dass ihre Haare und ihre Röcke flogen. Stolperte und fiel auf den Hosenboden. Lachend blieb sie liegen, oh Willy ich fühle mich so glücklich, so frei, ich wollte ich könnte fliegen.
Oh, Willy ich beneide dich richtig, wäre ich nur du.
Willy gab keinen Ton mehr von sich, schaute sie nur verängstigt aus seinem Käfig an, flatterte zaghaft mit den Flügeln und hoffte, dass sie nicht vergaß, ihm Körnerfutter zu geben.
AUCH EIN LEBEN
Immer wieder starrte sie das Bild an, eine abgegriffene, vergilbte Fotografie, Mehr war ihr nicht geblieben.
Der Trauer hingebend, hockte sie dumpf brütend an ihrem Fensterplatz und schaute ins Leere. Von Zeit zu Zeit drückte sie eine große Muschel an ihr Ohr, aber das ferne rauschen der Wellen, vermochten sie auch nicht zu trösten.
Alles hatte sie verloren, irgendwann war sie auch sich selbst abhandengekommen.
Aber heute, heute spürte sie einen Anflug von Leben.
Sie verließ ihren Fensterplatz und schrieb umständlich einen Brief an die Postdirektion.
Warum nur, fragte sie, gibt es keine Trauermarken. Schwarz weiß, unauffällig, geflissentlich Beileid, Mitgefühl bezeugend? Warum nur diese schreienden Farbkleckse?
Zum ersten Mal nach Jahren lächelte sie, als der Pfleger ihr das Essen brachte.
VORWÄRTS
Immer dieser Wind von vorne und auch noch die Strömung, das war ein wenig zu viel.
Er wollte sich ja nicht beklagen, den Kurs hatte er alleine gewählt. Nur das Ziel verlor er manchmal aus den Augen. In der letzten Zeit immer häufiger. Kurskorrekturen waren der Anlass.
Oft war es kein Vorwärtskommen, dies auf der Stelle kreuzen. Könnte der Wind sich nicht mal drehen? Der Wind peitschte das Wasser und spuckte es ihm ins Gesicht.
Sein Freund sagte ihm mal, er habe keine Probleme, man müsse nur mit dem Wind segeln, dann komme man viel schneller vorwärts. Aber doch nicht dorthin wo hin mal wolle, hatte er geantwortet. Ja und, war die lakonische Antwort, dafür aber schneller.
Sich treiben lassen wohin der Wind gerade blies, nein, das wollte er nun doch nicht.
PROBLEMLÖSUNG
Kommt gar nicht in Frage, warum sollte ich auch, sprach er zu ihr, meine Maske abnehmen. Jahrelang, aber wirklich jahrelang habe ich dafür gebraucht sie, so zu perfektionieren. Du bist die erste, die meine Tarnung erkennt, aber mich deswegen gleich zu erkennen geben? Alles aufgeben bloß wegen dir! Wo käme ich denn dahin, nein wir, wo kämen wir denn dahin, wenn alle ihre Maske abnehmen würden. Das wäre ja chaotisch, wenn die Harten, Markanten ihr Profil verlieren würden, den Schneider wechseln müssten, etwas Feminineres bitte!!! Nein, nein, ich bitte dich, da könnte ja kein Politiker sein Amt mehr ausüben und überhaupt, was sind das auch für Gedanken?
Drehte sich abrupt um und ging aus der Tür, so wie jeden Tag, wenn er Zigaretten vom Kiosk brauchte. Lief prompt zur nächsten Telefonzelle und bestellte sich beim Diskret-Versand eine Maske, Größe 54, Nr. 0373, gefühlsbetont.
DER IRRE
Gleißend brach ein Lichtstrahl, Scheinwerfer gleich, in die diffuse, fleckenartige Dämmerung des Waldes. Er stand im Lichtkegel. Der Vorhang ging auf.
Die Erinnerung kam übermächtig, riss ihn fast von den Beinen, stürzte sich wie eine Lawine auf ihn.
"Kein Himmel kann es wollen und auch die Erde nicht, dass wir zerbrechen sollen, wie wenn ein Glas zerbricht."
Der Beifall erfüllte ihn, brandete, Woge für Woge traf ihn, riss ihn mit sich. Seibern, mit irrem Blick, der Sprache nicht mehr mächtig, verbeugte er sich und war als Mensch verloren.
Immer wieder hörte ich von Freunden, sie haben ihn im Wald gesehen, aber keinem ist es je gelungen sich an ihn heran zu pirschen. Lange Zeit hat man nun nichts mehr vernommen, man munkelt er sei im kanadischen Forst.
Ich halte es für ein Gerücht.
In Vietnam war er, das war gewiss.
BEERDIGUNG
Sie wollte schon immer ihre Ruhe. Alles war ihr zu laut, zu lärmig. Nichts war ihr zu beschwerlich, sie unternahm alles, um Ruhe zu haben. Auch den langen Arbeitsweg nahm sie dafür in Kauf. Aber auf dem Lande, wo sie jetzt wohnte, fand sie die gewünschte Ruhe auch nicht. Erst störte sie der Traktor des Bauern, die Autos der Vertreter, das sporadische Wiehern der Pferde, das Quaken der Frösche. Es wurde nur immer schlimmer. Die Fenster öffnete sie schon lange nicht mehr. Nicht nur wegen des Lärmes, man könnte ja auf die Idee kommen sie wäre daheim und kämen sie besuchen.
Am Anfang saß sie, Abend für Abend, auf der Bank vorm Haus und strickte.
Strickte ihre Gedanken engmaschig in einen Ohrenschützer. Leider deuteten die Nachbarn dies falsch und glaubten, sie suche Kontakt. Dies knirschen ihrer Annäherung auf dem Kiesweg bereitete ihr fast körperliche Schmerzen. Arbeiten geht sie schon eine Zeit nicht mehr. Die Fensterläden hat sie auch geschlossen und geht nur noch auf Zehenspitzen.
Sie will halt nur ihre Ruhe.
All ihre Ersparnis habe sie zusammengekratzt, habe ich gehört, und sich einen Platz auf dem Friedhof gekauft. Vielleicht ist dies ja auch nur ein Gerücht.
JEDER HAT EINE ZUKUNFT
Die Beine übereinandergeschlagen lag ich in der Frühlingswiese, kaute auf einen Halm und schwelgte in Erinnerung.
"He, Sie", wurde ich aus meinen Träumen gerissen, „können Sie mir eine Auskunft geben".
Ich nickte leichtfertig mit dem Kopf und starrte weiter in die blaue Weite des Himmels.
"Ich habe mich fürchterlich verfranzt, hierher wollte ich gar nicht", sagte die Stimme hinter mir, „aber alle die ich nach dem Weg fragte, schickten mich in eine andere Richtung." Seufzend fügte er noch hinzu, „jetzt habe ich die Orientierung verloren.“
"Wo wollt Ihr den hin,“ fragte ich eher gelangweilt, nur um den Störenfried loszuwerden.
"In die Zukunft."
Ruckartig drehte ich mich um die eigene Achse und schaute den Frager verblüfft an. Ein alter, wettergegerbter Greis, mit verschlissener Lederkleidung hatte mir diese Frage gestellt. Auf dem Kopf trug er eine lederne Kappe mit Ohrenklappen, seine Motorradbrille hing um den Hals und sein Moped, war dermaßen beladen, dass ich fürchtete, es breche jeden Moment zusammen.
"Wo wollt Ihr hin?“ fragte ich gedehnt.
"In die Zukunft,“ wiederholte er und schaute dabei verloren in die Ferne. Mehr zu sich selbst sprach er weiter, "Die Vergangenheit kam mir so leicht vor. Ich habe Erfahrungen gesammelt aus Leidenschaft. Jede war mir recht und ich nahm sie wahr, hemmungslos. Ich wollte genießen für alle Zeiten.
Was konnte mir noch passieren, ich war gewappnet für die Zukunft. Erst heute weiß ich, dass ich genauso hemmungslos benutzt wurde, ich glaubte gelebt zu haben, aber ich wurde gelebt. Jetzt hat mich meine Vergangenheit eingeholt, nichts kann ich mehr machen ohne sie. Sie erdrückt mich schier. Nichts ist mir geblieben für die Zukunft, nichts. Oh ja, Erfahrungen genug, aber eben, sie hindern mich zu vertrauen. Ich wollte immer alles haben, ich wollte leben. Ich habe doch nur gelernt fürs Leben. Aber für welches? Ich habe doch alles für meine Zukunft getan, wollte mich verwirklichen und nun, habe ich mich verloren. Jetzt will ich meine Zukunft! Die hat man mir doch versprochen. Sogar eine große Zukunft hat man mir vorausgesagt. Dort will ich hin. Hier stehe ich, an der Schwelle meiner Zukunft. Es ist nicht mehr weit. Ein Schritt noch, dann ist es geschafft. Alles wird leichter, alles wird besser, alles erfüllt sich. Meine Last kann ich hier ablegen, ich brauche sie nicht mehr zu tragen, ich spüre sie so schon fast, eine wahrlich große Zukunft".
Sprach der Greis, warf sein Bündel vom Moped, schwang sich in den Sattel und rief mir im davon fahren zu; „Jeder Mensch hat doch eine Zukunft, oder?
"
IM TRAM
Durch den Lautsprecher scharrte die Stimme des Fahrers „Lindhalde"… Süßlicher Verwesungsgeruch lag in der Luft. Der Lautsprecher scharrte wieder monoton und kündigte die nächste Haltestelle an. Aber gehalten hat die Straßenbahn noch nie, fiel mir plötzlich auf. Die unwirkliche, metallene Stimme aus dem Lautsprecher kündigte die nächste Haltestelle an.
„Galgenbeeerrrrggg". Der schläft gleich ein, dachte ich und wollte darüber mit meinem Nachbarn ins Gespräch kommen. Leichenblass starrte dieser aber geradeaus. Ich drehte mich um, aber auch die anderen Fahrgäste schauten nicht anders. Nur im hinteren Teil des Wagens, blickte einer gehetzt um sich und klammerte sich an seine abgewetzte Aktenmappe. Alle waren weiß gekleidet. Wieso, fragte ich mich, aber mein Blick wurde abgelenkt, als ich aus dem Fenster schaute.
Wir fuhren durch große museumsähnliche Räume von eigenartiger, transparenter Geometrie. Unter mir hetzten Menschen in Miniatur scheinbar ziellos umher. Wohin, war nicht auszumachen.
Die Zeit war auch zu kurz um dies feststellen zu können. Schon waren wir in einem anderen Raum. Hier lagerten sorgfältig beschriftet, Träume und Hoffnungen. So gestapelt, dass es unmöglich schien, auch nur einen Traum herauszuziehen, ohne dass der Stapel auf einen einstürzen und man begraben würde.
