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Dr. Destiny, ein äußerst fähiger und genialer Superschurke, hat die Hoffnung, seine ungeliebte Realität zu verlassen. Aber vor allem den Willen, eine Welt zu finden, in der es keine Superhelden gibt, die ihn daran hindern, Erfindungen zu machen. Sein Vorhaben wird jedoch durch die Superheldin Nova gestört, sodass sie sich beide überraschend in einer Realität wiederfinden, in der es auf einmal keine Superhelden mehr gibt. Stattdessen beherrschen Superschurken die Welt. Was Dr. Destiny seltsamerweise missfällt und weswegen er sich zu einem Bündnis mit der einzig verbliebenen Superheldin Nova entschließt, um das Rätsel des Verschwindens der Superhelden zu lösen. Auch wenn Nova für dieses Vorhaben ihre Identität als Superheldin verbergen muss. Eine Reise durch eine von Superschurken beherrschte Welt beginnt. In der die Hinterlassenschaften von Superhelden Ruinen sind. In denen viele Kämpfe und Herausforderungen Dr. Destiny und Nova erwarten. Werden sie das Rätsel des Verschwindens der Superhelden lösen? Werden die Superhelden wieder auftauchen und die Welt von der Herrschaft der Superschurken befreien? Was werden Dr. Destiny und Nova in Zukunft machen? Und ist Dr. Destiny wirklich ein Superschurke? Dieser Roman wirft einen skeptischen Blick auf ein Superheldentum, das durch Ruhmsucht, Prestigestreben und das Ignorieren menschlicher Opfer vergiftet ist.
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Seitenzahl: 804
Veröffentlichungsjahr: 2025
Ben Schwarzinger
Ben Schwarzinger
Eine Welt ohne Superhelden
Science Fiction Roman
R. G. Fischer Verlag
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 2025 by R. G. Fischer Verlag
Sontraer Str. 13, D-60386 Frankfurt/Main
Alle Rechte vorbehalten
Titelbild: liuzishan/stock.adobe.com
Schriftart: Times
Herstellung: rgf/1B
ISBN 978-3-8301-1965-4 EPUB
Für meine ersten Leser
Dr. Destiny bedroht die Welt
Die Glorie der Superhelden
Der Anfang eines Bündnisses
Das Zuhause eines Superschurken
Eine alte Bekanntschaft
Demon City
Dreck und Mutanten
Die Masken von Demon City
Eine Welt der Superschurken
Zuhause
Volle Kraft voraus
Refugium
Die Macht der Superhelden
Ein Held entscheidet sich für ...
Ein Schurke entscheidet sich für ...
Der letzte Kampf des Dr. Destiny
Mein Name ist Dr. Destiny. Und bevor Sie sich wegen meines Namens wundern, denn eigentlich gibt es solche Namen nicht, muss ein Bekenntnis gemacht werden. Und zwar, dass ich ein Superschurke bin, obwohl man die Bezeichnung Schurke bevorzugen sollte. Denn wenn man ein Superschurke ist, hat man sofort einen Superhelden im Nacken. Was bedeutet, dass man gestört wird, wenn man etwas macht. Und das immer wieder.
So haben Superhelden mich zum Beispiel daran gehindert, durch einen eigenen Fernsehsender und Hypnose die Weltherrschaft zu erlangen. Dabei war dies bloß eine Maßnahme, um etwas mehr Ordnung zu schaffen. Wie zum Beispiel alle roten Autos zu entsorgen, weil mir die Farbe Rot nicht gefällt.
Mein Vorhaben, mit Laserstrahlen die Regierung auszulöschen, ist ebenfalls durch das Eingreifen der Superhelden gescheitert. Obwohl sie meine Beweggründe verstanden. Denn die Regierung hatte gerade neue Steuern eingeführt.
Jedoch ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt, als man den Versuch beendete, durch einen Supercomputer alles Geld der Welt auf mein Konto zu überweisen. Man benannte mich nämlich als verrückt. Dabei war dies eigentlich eine harmlose Tat. Schließlich sollten nur meine Finanzen verbessert werden. Um die notwendigen Mittel zur Verbesserung meiner Erfindungen beschaffen zu können.
Denn niemand scheint zu begreifen, dass Körpertauschmaschinen, Wetterkontrollsatelliten, Todesstrahlen, Gehirnkontrollchips, Roboterarmeen oder Realitätsmanipulierer zwar einfacher als Weltuntergangsmaschinen zu bauen sind, aber die Einzelteile, aus denen sie bestehen, extrem viel kosten. Was übrigens ein Hinweis darauf ist, dass die Wirtschaft für Superschurken deutliche Nachteile hat. Aber das interessiert niemanden.
Tatsache ist, dass man als Superschurke in einen Kreislauf gefangen ist. Zuerst überfällt man eine Bank, um Geld für Erfindungen zu haben, danach baut man in seinem Versteck die Erfindung. Sodass man eigentlich einen sehr guten Plan umsetzen kann, der in der Regel angemessene Vorteile bringen soll. Wie zum Beispiel den Bau einer Armee aus Robotern, die einen Freiraum in der Größe eines Kontinentes erobern sollen. Nur um vor oder während der Ausführung von einem Superhelden bekämpft zu werden. Was üblicherweise eine sehr turbulente Schlacht ist, die mit verschwiegenen Kollateralschäden, schlimmen Verletzungen und einer Ablieferung im Gefängnis endet. Danach posieren die Superhelden vor der Kamera und erzählen von ihrer tollen Leistung und was ihr besiegter Feind so Schlimmes getan habe.
Ein Bericht, der in der Regel übertrieben ist. Als ob es einen Unterschied gäbe, ob man versucht, sich durch genetisch gezüchtete Monster mehr Respekt zu verschaffen oder durch eine vom Staat begründete Behörde wie dem Finanzamt.
Im Unterschied zu normalen Schurken kann mich das Gefängnis jedoch nicht halten, sodass mein Ausbruch niemanden überraschen sollte. Und das folgende Problem das eigentliche Hindernis ist. Denn es wird wieder Geld für meine nächste Erfindung benötigt. Woraufhin das erneute Überfallen einer Bank folgt. Was den Kreislauf wieder von vorne beginnen lässt.
Mit dem Ergebnis, dass man mich schon sehr oft ins Gefängnis geworfen hat, was aber nicht die Vernichtung meines Willens bedeutete, sodass sowohl der Ausbruch als auch der Kampf mit den Superhelden folgten. Was eigentlich bewundert werden sollte, weil diese im Gegensatz zu mir mit Fähigkeiten wie Laseraugen, übermenschlichen Kräften oder Unverwundbarkeit ausgestattet sind.
Weshalb man die Begegnung mit Superhelden mit einem Boxkampf mit Naturgewalten vergleichen kann. Mit dem Unterschied, dass man im Gegensatz zu den Superhelden weder Boxhandschuhe noch Mundschutz erhält. Und ein Schiedsrichter, der ein Stopp aussprechen könnte, nicht existiert.
Stattdessen wird man immer nur beschimpft, während die Superhelden bejubelt werden, die mich mit Schlägen festnehmen. Dass diese Festnahmen bisher äußerst schmerzhaft und demütigend waren, hat die Menschen nur noch lauter jubeln lassen. Was der Grund war, weshalb bei mir schließlich eine Sicherung durchbrannte. Denn nach meiner zehnten Festnahme und einem blutenden, sozial gedemütigten Erwachen in einer lichtlosen Zelle, ist in mir eine Wut entstanden, die mich zu etwas befähigte, dass mit Sicherheit nicht mehr harmlos war.
Natürlich hat dies zuerst niemand bemerkt. Schließlich hatte man mich nicht nur zusammengeschlagen, verhaftet, weggesperrt und erniedrigt, sondern auch vergessen. Um die Aufmerksamkeit auf den nächsten Superhelden auszurichten, der gerade den nächsten Superschurken bekämpfte. Was sehr aufregend gewesen sein muss, weil so andere Dinge ebenfalls vergessen worden sind. Wie zum Beispiel den zuvor besiegten und eingesperrten Superschurken zu füttern. Der wegen Hunger und Isolation bisher unbekannte Qualen litt.
Ein Hinweis für die Schwierigkeiten mit denen Superschurken zu kämpfen haben. Sowie auch die Erklärung, weshalb Superschurken sich sehr aggressiv gegen Verhaftungen wehren und auch ständig aus den Gefängnissen ausbrechen.
Bei mir ist jedenfalls etwas entstanden, das mich nicht nur zum Ausbrechen, sondern auch zum Pulverisieren meines Gefängnisses befähigte. Worauf man sich sowohl wieder an Dr. Destiny erinnerte als auch ein verblüfftes Entsetzen zeigte.
Die eintreffenden Superhelden zeigten jedenfalls vor den Kameras der Reporter ein gewisses Extrem. So als wäre eine Katastrophe nicht verhindert worden, haben sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gejammert, wie dieser Mensch bloß aus der gelassenen Ausrüstung eine Apparatur bauen konnte, die Beton und Eisen in Staub verwandelt.
Dass Menschen nicht in Staub verwandelt worden sind, ist niemandem aufgefallen. Die Steigerung meines Verhaltens jedoch schon. Und zum Nachteil der Superhelden ist dies etwas zu spät passiert. Denn nun kam es zu Taten, die selbst mich überraschten.
So sind von mir immer schneller und entschlossener Todesstrahlen, Mutanten, Weltuntergangsmaschinen und bestochene Politiker losgelassen worden. Dinge, die sowohl meine Bekanntheit drastisch haben steigen lassen, als auch die Superhelden dazu zwang, sich sehr viel Mühe zu geben. Bis sie schließlich in Gruppen kämpfen mussten, um mich aufzuhalten, wie sie es genannt haben. Während man das, was diese Superhelden taten, als das Wüten von Barbaren bezeichnen kann.
Schließlich haben mich diese ungebildeten, nach Prestige suchenden Hohlköpfe ohne Gnade verfolgt. Dass ihre Laune dabei immer schlechter wurde, hat mich nicht gestört, weil auch meine Laune im Keller war. So tief, wie es nur ging. Und auch so tief, dass mich tatsächlich die Bereitschaft ergriff, meine Weltuntergangsmaschinen zu aktivieren.
Denn wenn sie mich fanden, gab es immer ein riesiges Chaos, bei dem meine mühsam erdachten und gebauten Erfindungen zerstört wurden.
Erst nach einem längeren Aufenthalt im Gefängnis setzte ein Beruhigen ein, sodass sich meine Gedanken sowohl mit neuen Weltuntergangsmaschinen als auch Superwaffen beschäftigen konnten. Denn zur Abwehr von Superhelden braucht man Waffen, die Menschen mit übermenschlichen Fähigkeiten abwehren können. Eine Erfahrung, die jeder Superschurke nach seiner ersten Begegnung mit einem Superhelden macht. Schließlich ist dies eine Begegnung zwischen Katze und Maus. Auch wenn die Katze den Vorwurf äußert, dass die Maus gerade versucht hat, mit einer Strahlenpistole entweder eine Bank zu überfallen oder die Welt zu erobern.
Tatsache ist, dass die Superhelden Personen wie mich verfolgen. Was äußerst lästig sein kann. Und mit dem ständigen Wiederauftauchen von Vertretern vergleichbar ist. Mit dem Unterschied, dass die Superhelden nicht vor der Haustür bleiben und klingeln, sondern mit ihren Superkräften die Tür eintreten, das Haus stürmen und dieses hemmungslos verwüsten.
Deshalb ist mir im Gefängnis die Erkenntnis gekommen, dass die Abschaffung der Superhelden eine universelle Notwendigkeit sein sollte. Deren Umsetzung die Weltherrschaft benötigt. Schließlich könnte man als Herrscher der Welt die Superhelden einfach verbieten. Genauso wie Superschurken verboten sind. Weshalb die Weltherrschaft nun ein Ziel ist, um die Superhelden loszuwerden.
Übrigens ist dies der einzige Grund, warum man die Weltherrschaft anstreben sollte. Durch die Beobachtung von anderen Superschurken sind nämlich zwei Schlussfolgerungen unumgänglich. Erstens dass die Weltherrschaft einfach zu erlangen ist, aber nur für kurze Zeit gehalten werden kann. Andere Superschurken, welche die Weltherrschaft erreichten, mussten nämlich kurz darauf Kämpfe mit neu aufgetauchten oder wiederauferstandenen Superhelden austragen. Oder sich mit Krisen wie sozialen Unruhen und Revolutionen auseinandersetzen.
Einige Superschurken waren deswegen von den Aufgaben eines Weltherrschers schlicht überfordert. Und konnten einfache Dinge wie die weltweite Regelung von Steuern, die Organisation des Verkehrswesens oder die Planung von Budgets nicht bewältigen. Weshalb ihr Aufgeben das zu erwartende Endergebnis war. Jedoch immer mit der Ausrede, dass sie von einem Superhelden überwältigt worden seien.
So hat zum Beispiel die Superschurkin Mind Girl durch Massenhypnose zwar die Weltherrschaft erreicht, aber durch das Auftauchen eines neuen Superhelden wieder verloren, der einfach in ihr Büro eindrang und die Maschinen zerstörte, mit denen Mind Girl die Menschheit in Dauerhypnose gefangen hielt. Was jedoch etwas unglaubwürdig ist, weil Mind Girl ihre Maschinen zur Verstärkung ihrer Fähigkeiten in der Regel immer sehr robust konstruiert. Und man auf einem Zeitungsfoto nach ihrer Verhaftung diese Maschinen im Hintergrund unzerstört erkennen kann.
Interessanterweise hat Mind Girl danach einen Wechsel vollzogen und transformierte zur Superheldin. Was für Superschurken, die nicht mehr nach der Weltherrschaft streben, nichts Ungewöhnliches ist.
Tatsache ist, dass Mind Girl nochmal Glück hatte, die Weltherrschaft nur kurze Zeit gehabt zu haben. Durch die Beobachtung von anderen Superschurken, welche die Weltherrschaft für längere Zeit erreichten, kann man bedauerlicherweise im Falle eines Erfolges auch ein neues Problem erkennen. Denn wenn ein Superschurke die Weltherrschaft für längere Zeit erkämpft, muss er sich einer anderen Form von Bedrohung zuwenden.
Er ist nämlich dazu gezwungen, gegen Konkurrenten aus anderen Welten, Dimensionen und Universen zu kämpfen, die als Invasoren auftauchen und einen Eroberungskrieg beginnen. Was natürlich äußerst ärgerlich ist. Besonders weil diese Form von Bedrohung ebenfalls einen Eroberungskrieg gegen jede bekannte und noch unbekannte Welt, jede Dimension und jedes Universum als Antwort erfordert.
Und eigentlich ein tragisches Element besitzt. Denn in der Regel sind die Invasoren in Wahrheit Flüchtlinge, die aus ihrer ehemaligen Heimat fliehen, um anderen Konkurrenten oder Superhelden zu entkommen.
Was äußerst verständlich ist. Schließlich sind auch von mir Eroberungsfeldzüge unternommen worden. Und zwar in der Hoffnung, einen Ort zu finden, wo man von Superhelden weder gestört noch gefunden wird. Nur um mit einem anderen Problem konfrontiert zu werden. Sobald man nämlich an einen anderen Ort reist, ganz egal ob in diesem oder einem anderen Universum, wird man dort mit bisher unbekannten Superhelden konfrontiert. Oder mit verfolgenden Superhelden aus der alten Heimat.
Ganz egal wohin ein Superschurke also reist, er muss sich gegen diese verdammten Superhelden verteidigen, die nicht nur eine lästige Störung sind, sondern auch alle Vorhaben verhindern, ganz egal, was es ist.
So hat man mich zum Beispiel einmal davon abgehalten den Mond in Gold zu verwandeln. Dabei war es bloß meine Absicht, jedem Menschen einen sehr großen Goldbrocken zu schenken. Als Entschuldigung dafür, dass sie eine Woche vorher durch meinen neuesten Strahler in Kaninchen verwandelt wurden.
Was kein Versuch war, die Weltherrschaft zu erlangen, sondern bloß die Reaktion auf einen Reporter, der mich hämisch mit einem schlechten Zauberer verglichen hat. Dass er deswegen zum Karottenessen verdammt war, kann man doch als angemessen bezeichnen. Und dass ihm durch den Rest der in Kaninchen verwandelten Menschheit Gesellschaft gegeben wurde, war eine Freundlichkeit. Auch wenn es einige andere Superschurken gibt, die behaupten, dass mir bei der Einstellung meines Strahlers ein Fehler passiert sei. Eine unverschämte Unterstellung. Die sind doch nur auf meinen Erfolg neidisch.
Dass die Superhelden mich gefunden und gezwungen haben, es rückgängig zu machen, braucht nicht erwähnt zu werden. Offenbar können selbst Kaninchen Superkräfte besitzen und gefährlich sein.
Während die Bestrafung für das Vorhaben, den Mond zu vergolden, eine Gemeinheit war. Denn schließlich war es keine durchgeführte Tat, sondern bloß ein Vorhaben. Doch man hat weder meine Erklärung noch meinen Protest gegen das Einsperren hören wollen.
Und das ist das Problem. Man hört mir nicht zu. Jede Erklärung wird unterbrochen oder gestört. Und zwar immer von Superhelden. So als ob es keine Alternativen gäbe. Genau wie jetzt.
Ein beeindruckendes Luftschiff ist durch meine Hände entstanden. Denn es ist so groß wie ein Kriegsschiff. Mit sogar noch mehr Waffen als die Metallblöcke des Militärs. Zweihundert Kanonen, dreißig Strahlenwaffen und Hunderte Bomben. Und außerdem ist es mit meiner neuesten Erfindung ausgestattet.
Einem Versetzungsgenerator. Der mich dazu befähigen soll, überallhin zu reisen. Kein Universum wird vor mir sicher sein. Bis irgendwann und irgendwo ein Universum gefunden wird, in dem es keine Superhelden gibt.
Bis auf den einen Superhelden, der mir gegenübersteht. Denn mein Luftschiff ist von einer sehr hartnäckigen Superheldin geentert worden. Die sogar die Mühe besitzt, mich als ihren Erzfeind zu benennen. Auch wenn wir bis jetzt nur eine einzige Begegnung hatten. Und sie eigentlich eine neue Superheldin ist.
Nova.
»Sie sind erledigt, Dr. Destiny!«, brüllt sie mir entgegen. Während meine Rüstung aktiviert wird. Auf die man übrigens sehr stolz sein kann. Schließlich ist sie ein ständig verbessertes Wunderwerk der Technik. Denn jedes Mal, wenn mich ein Superheld besiegt oder einen neuen Trick hat, wird sie verfeinert, sodass man mit dieser Rüstung fliegen, schwimmen, tauchen und sehr schnell laufen kann. Besonders die Panzerung ist beachtenswert. Die ein Überleben selbst nach der Explosion eines Sterns ermöglicht. Was einmal passiert ist. Als ein Kollege von Nova und zwar dieser Hornochse Mr. Universe einen Stern auf mich warf. Das Mr. Universe mich ohne diese Rüstung ausgelöscht hätte, hat natürlich ebenfalls niemanden interessiert. Während meine Antwort durch eine Strahlenpistole als Tat eines Monsters betitelt wurde. Dabei sollte eine Strahlenpistole mit der Fähigkeit zu atomisieren eigentlich noch als harmlos benannt werden. Wenn man bedenkt, mit welchen Geschossen die Superhelden angreifen.
Nova hat jedenfalls keine Bedenken, mich mit diesen anzugreifen. Denn sie will offenbar mein Luftschiff zerstören und meine Pläne verhindern. Was natürlich mit meiner Strahlenpistole beantwortet werden muss. Deren Einsatz aus Gründen der Notwehr immer berechtigter ist. Meine Gegnerin wird nämlich immer rabiater. Was mir immer mehr die Freude gibt, ihr passende Antworten zu verpassen.
Natürlich weicht sie aus. Eine sehr menschliche Handlung. Die auch eine gewisse Weitsicht beweist. Denn schließlich kann sie nicht wissen, mit was für einem Strahler sie angegriffen wird. Jedoch auch eine gewisse Verwirrung erzeugt, weil Nova von sich behauptet, gegen jeden Strahler immun zu sein.
Denn sie behauptet von sich, die Tochter einer Göttin zu sein. Was mich nicht überraschen würde. Man kann sie nämlich mit einer wandelnden Supernova vergleichen. Ein Eindruck, der durch ihr Kostüm entsteht. Denn nur wenige Superhelden haben ein so gutes Kostüm. Dessen sehr intensives Rot mir seltsamerweise gefällt. Es gibt ihr nämlich ein sehr markantes Aussehen. Es ist auch keine Übertreibung oder der Hinweis auf ein gesteigertes Ego, sondern ein gut geschnittenes Etwas. Genau wie ihre Maske. Denn ihre Gesichtszüge werden durch ihre Maske unterstrichen statt verdeckt. Sie könnte jeden Schönheitswettbewerb gewinnen. Was meine Abneigung gegen die Farbe Rot verschwinden lässt.
Jedoch sind mir ihre bisherigen Taten nicht unbekannt, sodass ihr Verhalten auf der Bühne eines Schönheitswettbewerbes berechenbar ist. Sie würde nämlich zuerst ihre Konkurrentinnen durch Energie aus ihren Händen in Asche verwandeln. So schnell, dass diese dabei keine Schmerzen hätten. Nur um danach in einer Aura aus Licht und Wärme über die Bühne zu schweben. Um als eine Inkarnation aus Gnadenlosigkeit den Preis einzufordern. Denn schließlich ist sie nicht nur wie eine kleine Sonne, sondern auch unzerstörbar. Dass ihre Schönheit ihre eigentliche Waffe ist, kann offenbar außer mir keiner erkennen. Denn sie hat ein Gesicht, welches ihre Fans bezaubert und die Presse dazu bringt, Lobeshymnen zu schreiben.
Was sie zu einer Person macht, der man alles vergeben kann. Mit Ausnahme von mir. Denn es ist ein furchtbarer Anblick, wie Nova als Antwort auf meinen letzten Angriff anfängt, Löcher in mein Schiff zu brennen. So groß und tief, als würden Raketen einschlagen. Ein Albtraum, den sie immer weiter vergrößert.
»Hör auf damit«, donnert meine Stimme über das nun rauchende Deck. Zusammen mit dem Unterton einer sehr ernsten Ankündigung von Konsequenzen. Nur um zu beobachten, wie weitere Löcher in mein Schiff gebrannt werden.
»Geben Sie auf«, schreit sie zurück. Was meine Sympathie für sie verschwinden lässt. Weggebrannt wie mein Schiff, welches so mühsam zusammengebaut wurde. Woraufhin mich der Zorn eines Superschurken erfüllt. Den man nicht erwecken sollte, weil es der Zorn eines Menschen ist, der Superhelden etwas entgegensetzen kann. Was vermutlich Nova sowohl weiß als auch erkennt. Denn als Nächstes versucht sie mir mit dem Charme einer jungen Frau einen psychologischen Schlag zu versetzen.
»Dr. Destiny«, säuselt sie wie eine Verführerin, »das sind Sie doch nicht. Sie haben doch mal ganz andere Sachen gebaut. Sie waren doch mal Erfinder.«
Das stimmt. Es gab eine Zeit, in der Dr. Destiny als ein Professor an einer Universität eine Tätigkeit hatte. Sowohl um dort zu unterrichten als auch um in einem eigenen Labor zu arbeiten. Sehr viele wundervolle Dinge sind dort entstanden, die man dort in Ruhe und ohne Störung erfinden konnte.
Doch dann hat man mich immer wieder gestört. Man dachte offenbar, dass es meine Aufgabe sei, Dinge für andere zu bauen. So als wäre mein Labor ein Bestellservice. Denn ständig haben irgendwelche Menschen mir die Anweisung gegeben, etwas Bestimmtes zu bauen. Weshalb meine Erfindungen zum Erhalt meiner Ruhe eingesetzt werden mussten. Was auch sehr gut funktionierte. Schließlich hat es niemand gewagt, an einem automatisierten Todesstrahler vorbeizugehen.
Bis mich ein Superheld besuchte. Um mir vorzuwerfen, dass meine Erfindungen die Stadt zerstören würden. So als ob mein Labor eine Produktionsstätte für Abscheulichkeiten sei. Oder als ob es mich nicht kümmern würde, dass meine Erfindungen gefährlich sind.
Eine bösartige Unterstellung. Auch wenn es nicht geleugnet werden kann, dass zu diesem Zeitpunkt mir ein paar meiner Erfindungen abhandengekommen sind. Und man auf einige andere besser hätte aufpassen sollen.
Trotzdem ist es eine Unverschämtheit, mich für die Taten eines von mir gebauten Roboters verantwortlich zu machen. Wenn ein Roboter, dessen eigentliche Aufgabe das Putzen ist, auf einmal die Welt erobern will, kann dies nicht meine Schuld sein. Genauso wenig, wenn einer meiner Computer anfängt, Menschen zu digitalisieren. Was vermutlich ein Schrei nach Aufmerksamkeit war, der dazu aufforderte, sich mit ihm zu unterhalten. Oder dass man einen anderen Computer baut, der sich mit ihm unterhält.
Aber man hat mir nicht zugehört, mich einfach weggesperrt und als Monster bezeichnet. Und da der Superheld natürlich die Presse von seiner Großartigkeit überzeugen wollte, hat er sich vor die Kameras der Reporter gestellt und mich als einen Verbrecher betitelt. Was nicht nur eine Gefängnisstrafe, sondern auch eine gewaltige Rufschädigung zur Folge hatte. Und auch bedeutete, dass es in keinem Labor mehr eine Stelle für mich gab.
Was mein Anfang als Superschurke bedeutete. Denn irgendwie und irgendwo mussten Platz und Ressourcen geschaffen werden, um wieder erfinden zu können.
Zuerst wurde aus den Teilen eines alten Fernsehers eine Strahlenpistole gebaut. Mit der ein paar Banken überfallen wurden. Mit dem so besorgten Geld war es möglich, Teile für meine nächsten Erfindungen zu besorgen. Deren Bau natürlich an einem ruhigen Ort stattfinden musste. Was mit Absicht natürlich gründlich missverstanden worden ist. Besonders von der Presse, die mich inzwischen Dr. Destiny nannte. Mein eigentlicher Name ist so in Vergessenheit geraten.
Was dazu führte, dass mich die Superhelden suchten und aus meinem Versteck zerrten.
Natürlich waren das noch junge Superhelden, die weder Erfahrung noch Bekanntheit besaßen. Und deswegen einen vermeintlichen kleinen Schurken festnehmen wollten. Der bloß mit einer Strahlenpistole herumfuchtelte.
Doch dieser kleine Schurke hat es ihnen gezeigt. Nur um die Erfahrung zu machen, dass die Superhelden nicht aufgeben. Und immer stärkere kommen. Was auch bedeutet, dass man als Superschurke immer verliert. Denn sobald man einen Superheld losgeworden ist, erscheint der nächste. Was einen Sieg unwahrscheinlich macht. So wie jetzt auch. Denn Nova wartet nicht auf meine Antwort, sondern beginnt wieder damit, mein Luftschiff anzugreifen. Offenbar wollte sie mich nur ablenken.
Doch vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit, die Oberhand zu gewinnen. Zwar ist meine Niederlage eine Gewissheit. Aber ein Ablenkungsmanöver ist noch umsetzbar. Zum Aufgeben fehlt mir nämlich der Wille. Dazu war Dr. Destiny noch nie bereit. Wie sehr viele Superhelden erfahren mussten. Nachdem meine Erfindungen blutend aktiviert wurden.
Eine Erfahrung, die nun auch Nova erhält, als der Versetzungsgenerator meines Luftschiffes aktiviert wird. Was bedeutet, dass sich eine Blase aus Energie um uns herum aufbaut. Ein blaues Wabern, welches sich mit der Energie von Nova zu vermischen scheint.
Moment, das scheint nicht nur so. So ist es tatsächlich. Die Energie von Nova beginnt mit der Energie des Versetzungsgenerators zu reagieren. So als ob man zwei Farben mit einander mischt. Unerwartet. Und beunruhigend, weil das nicht passieren sollte. Aber mit Sicherheit besorgniserregend. Denn Nova bemerkt es nicht. Sie beschießt nämlich mit ihren Energien sowohl mein Schiff als auch mich, was meine Rüstung an ihre Grenzen bringt, während Nova das triumphierende Lachen der Superhelden von sich gibt und meine Warnung ignoriert. Vielleicht will sie es auch so lange ignorieren, bis sie die erwartete Kapitulation hört.
»Aufhören, hier stimmt was nicht.«
Doch sie hört mich nicht. Mit anderen Worten, mein Ablenkungsmanöver ist nicht nur misslungen, sondern auch mein Untergang. Mein Luftschiff ist nämlich von einer mir unbekannten Energie umgeben, die alles Mögliche sein kann oder erzeugen könnte.
Was das Bedürfnis entstehen lässt, dies zu studieren. Aber auch den Wunsch, dass meine Gegnerin etwas von einem Wissenschaftler hätte. Denn sie macht einen Fehler, den man ihr ewig vorwerfen kann. Aber für den man mich mit Sicherheit verantwortlich machen wird. Schließlich ist Dr. Destiny ein Superschurke!
Nova lässt ihre Energie nämlich als einen einzigen gewaltigen Energiestoß auf das Deck meines Schiffes schießen, sodass das Deck nicht nur beschädigt, sondern auch durchschlagen wird. Die Energie dringt tief in das Innere meines Schiffes. Dort, wo sich der Versetzungsgenerator befindet.
Vermutlich hatte Nova die Erwartung, dass mein Schiff explodieren würde. Die äußerst wahrscheinlich war, bis ihre Energien mit denen des Versetzungsgenerators reagierten.
Was drei Dinge passieren lässt.
Erstens explodiert mein Schiff nicht einfach, sondern es beginnt zu pulsieren. So als ob eine neue Form von Energie geboren wird, die aus dem tiefsten Inneren meines Schiffes wie ein Orkan hervorbricht.
Zweitens sieht Nova, zuerst noch triumphierend, mein Gesicht. Und sie sieht nicht, was sie erwartet hat zu sehen. Denn es sind nicht Fassungslosigkeit oder Zorn, die mich ergreifen, weil mein Schiff zerstört und meine Pläne somit verhindert werden. Vermutlich kennt sie nicht mal meine Pläne. Sie ist nur hier, weil Dr. Destiny hier ist. Stattdessen sieht sie das Gesicht eines Menschen, der sie mit seinem Blick tadelt und wegen ihres Handelns Enttäuschung empfindet. Schließlich hat er sie zum Aufhören aufgefordert. Somit schenkt sie der Umgebung Aufmerksamkeit. Und sieht deswegen etwas, was sie nicht erwartet hat zu sehen. Eine Form von Energie, die sie nicht kennt. Was etwas passieren lässt, das sie nicht versteht.
Und drittens wird mein Schiff zusammen mit mir und Nova von diesen Energien erfasst und verschwindet. So als würden wir von Wasser verschlungen werden.
Mein armes Schiff. Und mein noch bedauernswerterer Versetzungsgenerator. So viel Zeit und Mühe wurden investiert. Nur um zu einem Sinnbild aus Zerstörung zu werden, was den Grund für mein momentanes Bemühen verdeutlicht. Denn in einem Universum ohne Superhelden wäre dies nicht passiert. Dort hätte man als Superschurke seine Ruhe. Weshalb meine Bestrebung darin besteht, ein Universum ohne Superhelden zu finden.
Zu verschwinden ist nichts, wovor man Angst haben muss. Schließlich verschwinden sowohl Superschurken als auch Superhelden ständig. Wobei Erstere meistens ins Gefängnis verschwinden. Oder an irgendeinen anderen Ort, wohin sie von den Superhelden gebracht werden.
Zum Beispiel lässt der Superheld Mr. Universe bei Gelegenheit seine Feinde in eine andere Dimension verschwinden. In der es nichts außer einem hellen Weiß gibt. Eine Erfahrung, die man nicht machen will. Deren Abwendung mir aber nicht gelang, die mich in eine sehr schmerzhafte Eintönigkeit versetzte. Die mit der Zeit so schmerzhaft war, dass dies nicht nur der Versuch eines Einsperrens war, sondern auch die Absicht, mich zu brechen.
Möglicherweise soll auch die von Mr. Universe umgesetzte Idee mich bloß an einen Ort bringen, an dem man nichts aus irgendwelchen Teilen erfinden oder bauen kann. Schließlich hat es ihn gestört, dass aus Teilen von einem alten Schrottplatz ein Riesenroboter entstanden war, der eine ganze Stadt verwüsten konnte.
Dass er es nicht getan hat, interessierte Mr. Universe natürlich nicht. Der Bau dieses Riesenroboters war nämlich bloß eine Spielerei. Auch wenn es mir in den Fingern juckte, ihn zu aktivieren und einen zweiten zu bauen.
Die Vorstellung des Beobachtens eines Ringkampfes zwischen zwei Riesenrobotern besaß eine wachsende Verlockung, die man einfach nicht verdrängen konnte. Schließlich wäre dies ein Ringkampf der Superlative gewesen. Der mit Sicherheit auch einen finanziellen Bonus eingebracht hätte. Denn man hätte durch das Einladen von Zuschauern riesige Summen an Wetteinsätzen verdienen können. Die das Überfallen von Banken für eine Weile unnötig gemacht hätten.
Um etwas Praktisches wie eine Klonmaschine bauen können. Mit der Möglichkeit, sehr viele unnötige und unfähige Politiker gegen brauchbare Individuen auszutauschen. Die mit Sicherheit meine Interessen vertreten hätten.
Ob Mr. Universe von diesen Plänen wusste, hat er mir nicht verraten. Denn er hat mir nicht die Möglichkeit gegeben, zu fragen. Auch wenn die Ahnung existiert, dass er meinen Plan unterstützt hätte. Denn Mr. Universe hat ebenfalls Probleme mit Politikern. Mit einigen hat er sich sogar direkt angelegt, sodass sie zu Superschurken mit sehr aggressiven Absichten, wie zum Beispiel das Universum auszulöschen, mutierten. Was selbst aus der Perspektive von Dr. Destiny etwas Bösartiges ist. Schließlich sollte man nicht sein eigenes Zuhause in die Luft jagen. Eine Überzeugung, durch die man beweisen kann, dass das eigene Denken nicht von Irrsinn geprägt ist.
Aber eine Sache ist sicher. Und zwar, dass Mr. Universe nicht erwartet hat, dass Dr. Destiny sich aus eigener Kraft befreien kann. Denn Dr. Destiny gibt nicht auf. Und das bedeutet, dass ihn das Fehlen von Werkzeug und Materialien nicht aufhalten kann. Selbst wenn man in eine andere Dimension eingesperrt ist.
Weshalb mein Ausbruch für Mr. Universe eine Überraschung war. Besonders wegen der Aktivierung des Riesenroboters. Der so stabil gebaut war, dass sein Bekämpfen selbst für Mr. Universe ein Kraftakt war. Jedenfalls musste dieser Riesenroboter von Mr. Universe ganz anders bekämpft werden als sonst.
Dass er mich danach nicht finden konnte, war ein kleiner Trost. Denn das war der Beweis dafür, dass mein Versteck ihm noch immer unbekannt war. Auch wenn meine Verstecke immer wieder von Superhelden gefunden werden. Was mich dazu zwingt, hinter dauernd neue Verstecke zu bauen.
Was ein weiterer Grund ist, weswegen diese Superhelden abgeschafft werden müssen. Denn dauernd stürmen sie in mein Versteck und wollen mich aufhalten. Auch wenn gar nichts passiert ist. Weshalb man das Wort Hausfriedensbruch verwenden kann.
Falls man gefunden wird. Denn Mr. Universe hat mich ohne Erfolg gesucht. Zusammen mit der unangenehmen Ahnung, dass meine nächste Erfindung äußerst hinterhältig sein könnte. Deren Umsetzung tatsächlich eine Gemeinheit gewesen wäre. Als eine weitere kleine Rache sollte nämlich ein Farbentferner alle Farben in der Umgebung von Mr. Universe entfernen. Um ihm zu zeigen, wie das ist, in einem weißen Raum eingesperrt zu sein.
Aber das Interesse an dieser Erfindung ging verloren. Woraufhin der Bau an meinem Luftschiff begann. Schließlich war das Schaffen von Distanz zu Mr. Universe durch das Verschwinden an einen anderen Ort vielversprechender.
Doch was nun passiert, ist eine Form von ungewolltem Verschwinden. Und das ist etwas, was mich stört. Denn eigentlich war das Drücken eines Knopfes geplant. Und nicht das Reagieren von Energien, die ein Chaos entstehen lassen. Das weder gewollt noch kontrolliert ist, sondern die Extreme von ungewisser chaotischer Gefährlichkeit besitzt.
So ungewiss und chaotisch, dass selbst Nova in Sorge gerät. Sie sieht nun nicht mehr wie eine Superheldin in einem epischen Kampf mit einem Superschurken aus, sondern wie ein blutjunges Mädchen, das verwirrt auf dem Deck eines Luftschiffes steht und sich äußerst besorgt umsieht. So als wäre sie auf einer Tanzveranstaltung, bei der sie niemand kennt oder als ob sie sich unbewaffnet in einer dunklen Gasse befindet. Was äußerst verständlich ist, weil die um uns herum tobenden Energien sich zu beeindruckenden Kaskaden steigern.
Außerdem ist nun ihre Jugend erkennbar. Wahrscheinlich ist sie gerade erst erwachsen geworden. Kein Teenager mehr, aber noch nicht mit der Lebenserfahrung einer Erwachsenen ausgestattet. So als ob sie einen Teil von sich hinter ihrer Superheldenmaske versteckt hätte.
Zum ersten Mal sieht man auch ihre Augen. Und nicht diese glühenden roten Leuchtkugeln. Die gnadenlos alles wegbrennen können. Was andere Superschurken mit sehr viel Bedauern erfahren mussten.
Übrigens eine sehr schöne Augenfarbe. Ein sehr helles Blau. Das eine gewisse Feuchtigkeit besitzt. Und mich dazu bringen könnte, sie zu trösten, wenn sie keine Superheldin wäre.
Auch ihre Figur erscheint nun nicht mehr wie die einer Superheldin. Denn die Superhelden haben normalerweise eine überdimensionale, nur aus Muskeln bestehende Erscheinung oder eine ideale Perfektion mit Proportionen eines offenen Versprechens an das Fortpflanzungsbedürfnis. Stattdessen hat sie das Aussehen eines Menschen, den man kennenlernen will.
Doch nur für einen sehr kurzen Moment. Denn das Mädchen lässt wieder seine Maske zu einer Dominanz werden und brüllt mich wieder als die Superheldin Nova an.
»Was tun Sie da, Dr. Destiny?« Das Fehlen einer Kontrolle scheint sie zu ignorieren. »Sie können mir nicht entkommen!«
»Sei still, du Glühwürmchen«, wird sofort zurückgeschossen.
Dass man sie beleidigen kann, gibt sowohl Kraft als auch Selbstbewusstsein. Genügend, um die Situation zu analysieren. Doch meine Gegnerin kann offensichtlich nicht begreifen, dass die gegenwärtige Situation kein gewollter Vorteil ist. Weshalb sie sich zum Angriff bereit macht. Die Zeit zur Analyse ist also äußerst knapp.
»Hören Sie auf! Das ist doch sinnlos!«
Dass sie sich zu wiederholen beginnt, ist ein Zeichen für eine Form des Triumphes, den man als Superschurke nur selten bekommt. Denn normalerweise sind die Superhelden bis zu ihrem Sieg in einen Mantel aus Überlegenheit gekleidet. Der selbst nach den härtesten Schlägen nicht zerreißt.
Doch das ist nur ein schwacher Triumph, weil die Analyse der Umgebung eine Besorgnis entstehen lässt, die etwas sehr Betrübliches beinhaltet.
Die Energie von Nova hat sich durch mein Luftschiff gebrannt und es schwer beschädigt. Dass es noch fliegt, ist ein Wunder. Auch wenn es nicht mehr wirklich fliegt, sondern sich an einem anderen Ort befindet. An dem es wilde Tänze von fremden Energien gibt. Vermutlich befinden wir uns in einem anderen Universum. Was soll’s, das war sowieso mein Ziel.
Nur dass dies ein unbekanntes Universum ist. Was die Vermutung entstehen lässt, dass die Energie von Nova mehr mit dem von mir erfundenen Versetzungsgenerator reagiert hat als zuerst angenommen. Dass man deswegen die Schuld an Nova weitergeben kann, ist eine Freude.
Dass der Versetzungsgenerator nicht zerstört ist, sondern immer noch arbeitet, ist interessant. Und auch ein Hinweis darauf, dass wenn er nicht mehr funktioniert, wir auch nicht mehr hier sein werden.
Doch im Moment arbeitet er noch. Irgendwie. Was der Beweis für die Großartigkeit meiner Erfindungen ist. Und auch ein Hinweis, dass man noch etwas tun kann. Und zwar den Versetzungsgenerator abzuschalten. Auch wenn man dies mit dem Verschütten von Öl bei einem Feuer in der Nähe von Dynamit vergleichen kann. Denn es könnte alles mögliche passieren. Wie zum Beispiel das wir unumkehrbar hierbleiben.
Was ein Albtraum wäre, weil man dann auf ungewisse Zeit mit Nova festsitzt. Also mit einer noch neuen Superheldin, deren Persönlichkeit, wie bei allen neuen Superhelden, Probleme erzeugen kann, weil diese die Tendenz zum unbedachten Handeln besitzt.
Und bedauerlicherweise hat Nova sogar die Bemühung diese Tendenz zu beweisen. Denn nun wird sie zu etwas, das man als die Steigerung einer Superheldin beschreiben kann. Genauso wie sie vorher ein Stück hinter ihrer Maske hervorgekommen ist, verschwindet sie wieder hinter dieser.
Sie wird zu einem unmenschlichen Ding. Eine Form von Energie, welche nur noch die schwache Erinnerung an einen Menschen hat. Und das mit einer sehr urtümlichen und gnadenlosen Ausstrahlung. Was die Frage entstehen lässt, wieso Nova von ihren Fans und der Presse als Superheldin benannt wird. Und nicht als eine Gefahr für die Menschheit.
Denn das hier hat die Feindlichkeit, welche man nicht bei einem Superhelden, sondern bei einem Superschurken erwartet. Eine Manifestation aus Gnadenlosigkeit, welche das Bedürfnis zur Kapitulation entstehen lässt, weil sie nun ein Inferno hinter einer Superheldenmaske ist. Das bedenkenlos seine Energien freilässt. Ob mit den Händen oder nur durch ihre Gedanken, ist bedeutungslos. Denn sie ist die Energie, die das Luftschiff, den Versetzungsgenerator und sogar diesen Ort zerreißt. Außer dem Gedanken, dass nicht die Superschurken die eigentliche Gefahr sind. Und meine Absicht, einen Ort zu finden, an dem es keine Superhelden gibt, eine sehr gute Idee ist.
Doch im nächsten Moment ist alles wieder da. Zum Glück ist Nova nun wieder menschlich. Alles ist in Ordnung. Bis auf mein Luftschiff, das nun explodiert. Und zwar sowohl sehr laut als auch sehr hell, sodass man nur kurz die Gelegenheit hat, die Umgebung zu studieren.
Wir sind von einem blauen Himmel umgeben. Der nicht nach dem Himmel einer anderen Welt aussieht. Auch der Boden unter den wenigen Resten meines Luftschiffes sieht wie der Boden der Erde aus. Denn er kommt bedrohlich näher. Ein explodiertes Luftschiff kann schließlich nicht mehr fliegen, sondern sehr schnell abstürzen.
Der Blick auf die Anzeigen meiner Rüstung ist deshalb der erste Schritt, um den nun einsetzenden Überlebenskampf zu beginnen. Schließlich könnte dies ein sehr gefährlicher Boden an einem unbekannten Ort sein. Zum Glück sind die Angaben meiner Anzeigen eindeutig. Ganz egal wo wir eben noch waren. Wir sind wieder dort, wo wir vorher waren. Natürlich mit ein paar Unsicherheiten. Denn auch meine Rüstung ist beschädigt worden. Sowohl von der Explosion meines Luftschiffes als auch von Novas Angriffen.
Was bedeutet, dass der Kontakt mit dem Boden keine Berührung mit einer giftigen Substanz ist, sondern bloß das tödliche Aufschlagen. Weshalb man dies verhindern sollte. Selbst wenn dafür die Zerstörung meines Luftschiffes akzeptiert werden muss.
Ein Tiefschlag für mich. Der wegen sehr großer Mühe beim Bau und der Vorfreude für das Gelingen meines Planes äußerst hart trifft.
Inzwischen hat auch Nova bemerkt, dass wir fallen. Was sie verwirrt. Offenbar ist sie geistig noch nicht wieder zurück. Vielleicht hat sie auch angenommen, dass mein Luftschiff nicht so einfach zu zerstören ist.
Was mich an der Intelligenz der Superheld zweifeln lässt.
Dass sie fliegen kann, ist jedenfalls ein Grund, warum sie sich keine Sorgen machen muss. Während mich meine Rüstung in eine heftige Beschäftigung einfängt. Denn meine Rüstung, die mich vor sehr vielen Dingen, die man im Kampf mit Superhelden erlebt, beschützen soll, ist schwer beschädigt. Die Möglichkeit des Überlebens eines Aufschlagens ist also reduziert worden.
Ein Moment, der anderen Menschen mit Sicherheit eine tödliche Verzweiflung gibt. Der Boden kommt sehr schnell näher, sodass immer mehr Einzelheiten zu erkennen sind. Also ein Grund, um entweder in Panik zu verfallen oder aufzugeben. Mir jedoch einen Stachel aus Entschlossenheit verpasst. Tief eingedrungen, bringt er mich dazu, fieberhaft an meiner Rüstung zu hantieren, während der Boden immer näher kommt, so als ob ein zahlenloser Countdown abläuft.
Doch Dr. Destiny gibt nicht auf. Und deswegen arbeiten meine Hände fieberhaft, während mir der Gedanke kommt, dass dies ein guter Zeitpunkt wäre, in dem man von einem Superhelden gerettet werden könnte.
Aber leider sind nur die wenigsten Superhelden dazu bereit, die Superschurken zu retten. Denn schließlich sind die Superschurken keine Menschen, die sie bewundern oder ihnen dankbar sein könnten. Und außerdem sind Superschurken Feinde, denen man die menschliche Leidensfähigkeit absprechen kann.
Was die Rettung durch Nova unwahrscheinlich macht. Denn mir ist bekannt, dass ein anderer Superschurke mit dem Namen Omniverse von ihr nicht gerettet worden ist. Und das nur, weil er es gewagt hat, die Temperaturen weltweit dauerhaft zu senken, sodass in der Sahara Schnee fiel. Eine Tat, die ihm weltweite Abneigung einbrachte. Obwohl er äußerst verständliche Gründe besaß.
Omniverse ist nämlich durch einen Laborunfall zu einem Kaltblüter geworden. Ein Mensch, der nur bei Temperaturen unter null überleben kann. Und wegen einer Klage bankrott. Das Labor, in dem er den Unfall hatte, zerrte ihn nämlich mitleidlos vor Gericht. Um ihn dort mit der Behauptung des Verursachens eines absichtlichen Schadens zu ruinieren. Eine sehr grausame Unterstellung, die eigentlich durch einen langen und schmerzhaften Krankenhausaufenthalt entkräftet werden sollte. Vermutlich hatten sie nur Angst, dass er sie vorher verklagen könnte. Was ihm nach deren Klage finanziell nicht mehr möglich war.
Die Annahme, dass dies das Ende der Geschichte sei, war aber nur kurz. Omniverse ist nicht einfach bedeutungslos geworden. Stattdessen begann er mit sehr brutalen Raubzügen. Schließlich brauchte er Geld, um den Kühlschrank zu bezahlen, in dem er nun leben musste. Der extrem teuer war, weil er sehr niedrige Temperaturen benötigte.
Aber selbst mir ist aufgefallen, dass er im Laufe der Zeit zu einer etwas unangenehmen Person wurde. Jedes Mal, wenn er aus seinem Kühlschrank kam, besaß er etwas mehr Gefühlskälte. So als ob sein Mitgefühl für andere in diesem Kühlschrank eingefroren worden sei. Offenbar ist das tagelange Dahinvegetieren in einem Kühlschrank keine empfehlenswerte Lebensweise.
Zu Nova ist er jedenfalls sehr unfreundlich gewesen. Genauso wie zum Rest der Menschheit. Die wegen seines Planes, weltweit die Temperaturen zu senken, zum schnellen Kaufen von Winterkleidung und Heizdecken gezwungen war. Was wahrscheinlich der Grund war, warum Nova kein Mitgefühl mit ihm hatte. Vielleicht hat er auch etwas Beleidigendes zu ihr gesagt. Oder vielleicht hätte er auch nicht versuchen sollen, sie mit einem Eisberg zu erschlagen. Nachdem sie die normale Temperatur wiederhergestellt hatte, war seine Rettung jedenfalls uninteressant.
Wofür man dankbar sein kann, wenn das eigene Versteck sich zu diesem Zeitpunkt in der Arktis befindet, sodass ein sehr kalter Ort noch kälter wurde. Bei dessen Auftauen selbst die Heizung versagt. Und die Notwendigkeit entstehen lässt, ganz schnell eine eigene Sonne zu erschaffen. Gar nicht so einfach. Denn mit gefrorenen Reagenzgläsern und zitternden Händen ist die Erschaffung einer Sonne eine schwierige Aufgabe. Zum Glück war meine Sonne groß genug, um sowohl in meine Hand zu passen als auch genügend Wärme zu geben.
Während Omniverse vor den Augen von Nova wie ein Stück Eis schmolz. Obwohl sie meiner Meinung nach ihm hätte helfen können. Schließlich hätte sie ihn sehr schnell irgendwo hinbringen können. Auch wenn bei der Arktis ein Protest mit meiner neuesten Erfindung die Folge gewesen wäre. Denn schließlich war mein Versteck noch etwas zu sehr eingefroren.
Übrigens wird keines meiner Verstecke je wieder in der Arktis sein. Stattdessen sind meine gegenwärtigen Verstecke als einfache Häuser in Wohngebieten getarnt. Schließlich ist die Fähigkeit zu lernen eine Voraussetzung, um Kämpfe mit Superhelden zu überleben.
Vor allem wenn man auf die Erde stürzt und mit sehr viel Mühe und unter Zeitdruck die Rüstung repariert, die einen retten könnte. Das bereits erlernte Ignorieren des Zeitdruckes befähigt mich dazu, meine Rüstung noch rechtzeitig zu reparieren, sodass deren Flugfähigkeit ein Entkommen vor dem sicheren Tod ermöglicht. Bevor die Reste meines Luftschiffes wie Bomben aufschlagen. Um endgültig zerstört zu werden.
Was mir einen härteren Schlag versetzt, als ihn Nova geben könnte. Die Mühen, dieses Luftschiff zu bauen, haben eine Verbindung entstehen lassen. Ein vertrautes Band zu jeder einzelnen Schraube. Deren Anblick als verbrannter Schrott mir nun einen Stich gibt.
Doch das interessiert Nova nicht. Als sie neben mir erscheint, während mir die Tränen übers Gesicht laufen. Ein gewaltiger Schlag, der meine Tränen versiegen lässt und meine Rüstung endgültig zertrümmert, ist ihre einzige Handlung.
Woraufhin meine Rüstung auf die Erde fällt, als wäre sie Altmetall. Dabei ist sie gegen solche Schläge eigentlich gebaut und immer wieder verbessert worden. Zum Glück sind wir bereits auf der Erde, sodass nur ein paar blaue Flecken statt eins schmerzhaften Aufprallens das Ergebnis darstellt.
Ein weiterer schmerzhafter Moment, bei dem die meisten Superhelden bedenkenlos nachsetzen. Und den Superschurken mit weiteren Schlägen behandeln. Mit der Absicht, dessen Niederlage zu einem Inferno zu gestalten.
Jedoch hat Nova die Gnade, das Heben meiner Hände zu bemerken. Auch wenn die Chance gering ist, dass sie dies akzeptieren kann. Schließlich ist sie eine Superheldin, die gewinnen will. Doch zu meinem Glück handelt sie nach dem Lehrbuch. Und stellt sich deswegen wie eine Schicksalsgöttin vor mich.
»Sie sind verhaftet, Dr. Destiny!«
Dass man ihren Energien und Schlägen nichts mehr entgegensetzen kann, macht ihre Worte eigentlich unnötig. Wenn nicht sogar lachhaft. Die trotzdem akzeptiert werden müssen. Durch die Zerlegung meiner Rüstung in mehrere Teile und die Zerstörung meines Luftschiffes sind meine Optionen äußerst reduziert worden. Zwar ist Aufgeben noch immer keine Option. Doch eine temporäre Kapitulation ist akzeptabel. Besonders wenn meine Gegnerin Nova heißt, die wie alle Superhelden durch ihre Meinung über mich erbarmungslos sein kann. Schließlich ist Dr. Destiny ein Superschurke, der bekämpft werden muss.
Obwohl meine einzige Tat der Bau eines Luftschiffes war, sodass ihr Angriff auf mich die eigentliche Gewalt darstellte. Wenn man mich nicht als Superschurken benannt hätte, könnte man mich mit einem Menschen vergleichen, in dessen Wohnung gerade ein Sondereinsatzkommando der Polizei eingedrungen ist. Mit der Begründung, dass Wohnungen verboten sind.
Die Zerstörung meines Luftschiffes durch ihre herumgeschleuderten Energien war ebenfalls eine von ihr ausgehende Gewalt. Die man mit der Sprengung eines Hauses durch die Polizei vergleichen kann. Mit der Behauptung, dass ein Verdächtiger, der noch nichts getan hat, sich darin verstecken könnte. Denn die Wahrheit ist, dass Dr. Destiny nichts getan hat. Noch nicht.
Es ist bloß ein Luftschiff gebaut worden. Das eine Superheldin angegriffen hat. Mit der Begründung, dass der Erfinder ein Superschurke ist. Eine Begründung, die etwas zu oft verwendet wird. Sowie auch bedeutet, dass Superhelden immer wieder auftauchen und eine Rechtfertigung zum Kämpfen besitzen. Mit dem Endergebnis der Einlieferung in ein Gefängnis.
So wie es Nova jetzt tut. Das Anlegen von Handschellen, das Anheben wie eine Briefmarke und das Fliegen durch die Luft sind für sie eine routinierte Leichtigkeit. Während mein Blick mit Wehmut an den Resten meines Luftschiffs und meiner Rüstung hängen bleibt. Kein sehr schöner Abschied. Aber wenigstens einer, der mein Fortbestehen beinhaltet.
Durch die Geschwindigkeit von Nova in der Luft ist die Reise kurz. Aber lange genug, um ein Nachdenken aufkommen zu lassen. Wie zum Beispiel, wo meine Fehler waren und was man beim nächsten Mal besser machen kann. Meine Rüstung könnte zum Beispiel gegen die Energie von Nova aufgerüstet werden. Genauso wie mein nächstes Luftschiff. Denn eigentlich hat es funktioniert. Nur das Eintreffen und Wirken von Nova haben meine Pläne verhindert. Was bedeutet, dass man es ein zweites Mal probieren könnte.
Doch bevor das nächste Luftschiff gebaut werden kann, wird sehr viel Zeit vergehen. In der Dinge wie ein Gefängnisausbruch stattfinden und analysiert werden muss, was passiert ist, als sich die Energien von meinem Versetzungsgenerator und denen von Nova miteinander verbanden. Denn eigentlich hätte das nicht passieren dürfen, weshalb dies untersucht werden muss. Schließlich können die Folgen noch eintreten oder es gibt bereits schlimme Konsequenzen, die noch nicht erkennbar sind.
Was mich meine Kapitulation bedauern lässt. Denn ohne Kapitulation könnte man bereits herausfinden, was passiert ist. Was für mich so einfach ist wie das Bauen einer Strahlenpistole, mit der man dann eine Bank überfallen kann.
Ein sogar äußerst einfacher Schritt, mit dem meine Karriere als Superschurke begann. Schließlich ist es sehr einfach, Strahlenpistolen zu bauen. In denen dann neu entwickelte Strahler eingebaut werden. So sind bereits Todesstrahler, Lähmstrahler, Röntgenstrahler, Atomstrahler, Pufferstrahler, Infrarotstrahler, Nanostrahler, Antistrahler, Liebesstrahler, Wetterstrahler, Blitzstrahler, Wärmestrahler, Kältestrahler, Energiestrahler, Hassstrahler, Goldstrahler und sogar Superheldenstrahler von mir gebaut worden.
Wobei der Superheldenstrahler meine größte Schande war. Denn kein Superschurke sollte einen Strahler bauen, durch den man unabsichtlich einen Postboten in einen Superhelden verwandelt. Der von seinen neuen Superkräfte etwas zu sehr begeistert war. Und sofort den nächsten greifbaren Superschurken bekämpfte. Ein wilder Kampf, der leider in meinem Versteck stattfand, sodass dieses Schaden zu nehmen drohte.
Zum Glück konnte die Niederlage durch den schnellen Bau eines Antisuperheldenstrahlers abgewendet werden, der meinen Gegner wieder normalisierte und enttäuschte. Offenbar hatten ihm die wenigen Minuten mit Superkräften bereits das Selbstbewusstsein und Denken eines Superhelden gegeben, sodass er sich nicht mehr vorstellen konnte, kein Superheld mehr zu sein. Außerdem war er nicht besonders von der Erklärung begeistert, dass seine Verwandlung ein unbeabsichtigter Fehlschuss aus einer unfertigen Erfindung war.
Die Forderung von diesem sogenannten Captain Blitzpapier, ihn erneut zu verwandeln, war wegen der Beinahezerstörung meines Versteckes und seines Versuchs, mich ins Gefängnis zu bringen, die Inakzeptabilität in Reinform. Woraufhin mir sein Rauswurf sehr viel Freude bereitete. Aber auch der Gedanke, dass dieser Rauswurf trotz des Einsatzes eines Killerroboters noch zu sanft war, weil der nach Superkräften hungernde Postbote sich noch wochenlang vor meinem Versteck herumtrieb.
Zunächst eine zu tolerierende Störung, die zu einer Belästigung wurde, als er versuchte einzubrechen, nur um den Superheldenstrahler zu finden. Aber meine Verstecke sind immer gut gesichert, sodass er nicht mal durch das Fenster kommen konnte. Sein nächster Versuch, mit einer Planierraupe einzudringen, war ebenfalls erfolglos. Sein Gesicht, nachdem mein Abwehrsystem die Planierraupe zerstrahlt hatte, war eine seltene Erheiterung.
Was ihn dazu brachte, sich selbst ein Kostüm zu nähen und mich damit zu provozieren. Ständig ist er vor meinem Versteck aufgetaucht und hat irgendetwas geschrien. Und zwar Dinge, die mich ganz offensichtlich beleidigen und provozieren sollten. Weshalb die Hoffnung, mich dazu zu bringen ihn erneut zu verwandeln, unerfüllt blieb. Dass er darüber hätte froh sein können, hat er nicht erfahren.
Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Entwicklung meines Schrumpfstrahlers Priorität. Mit dem man durch Verkleinern ein paar wirklich störende Dinge hätte entfernen können. Wie zum Beispiel stinkenden Müll, den kläffenden Hund des Nachbarn und den Bürgermeister, der nicht von mir gewählt worden war und der es für unnötig hielt, sich meine Beschwerden anzuhören. Stattdessen hat er mich aus seinem Büro werfen lassen. Mit den Worten, dass dieser Besucher keine Ahnung von den tatsächlichen Problemen hätte. Vielleicht wäre auch ein Erscheinen mit meiner Superschurkenidentität und nicht die Tarnung als normaler Bürger hilfreich gewesen. Was mich auf die Idee brachte, ihm mit einem Schrumpfstrahler die relative Größe von Problemen zu verdeutlichen.
Doch umgesetzt werden konnte dies nicht, weil dieser sogenannte Captain Blitzpapier bei mir eingebrochen ist. Indem er meinen Roboter durch eine Verkleidung als Paket täuschte. Woraufhin der Roboter natürlich verschrottet wurde. Und Pläne für einen Roboter mit mehr Verstand entstanden. Jedoch ist dieser Gedanke beinahe sofort wieder aufgegeben worden. Denn mein letzter Roboter mit Verstand ist mir weggelaufen. Um eine eigene Karriere als Superschurke zu beginnen. Seine erste Begegnung mit einem Superhelden hat er aber nicht überstanden. Was traurig war. Denn schließlich war er immer noch meine Erfindung.
Der nächste Roboter erhielt deswegen sowohl Verstand als auch Gewissen. Weshalb der Roboter mich als Feind betrachtete, ebenfalls weglief und mit dem nächsten Superhelden zurückkam. Was zu einer Schlacht in meinem eigenen Versteck führte. Denn der Superheld hat diesem bekloppten Blechkasten geglaubt, dass in meinem Versteck etwas Gefährliches entstünde. Dabei wurde bloß an einem Erdbebenstrahler gearbeitet. Nicht weil er verwendet werden sollte, sondern weil es mir in den Fingern juckte, einen neuen Strahler zu bauen.
Um mich gegen den eingedrungenen Superhelden zu wehren, musste eine Vielzahl meiner Strahler eingesetzt werden. Wie zum Beispiel mein Magmastrahler. Nur um am Ende ein zerstörtes Versteck und einen kaputten Roboter zu haben. Während der Superheld aus den Trümmern gestiegen ist und mich ins nächste Gefängnis brachte.
Seitdem werden nur noch dumme Roboter von mir gebaut. Da gibt es gelegentlich auch Probleme. Aber nicht solche, wie man bei den intelligenten Robotern hat.
So war das Eindringen von Captain Blitzpapier der Fehler eines dummen Roboters. Der immer noch toleriert werden konnte. Denn der von ihm Reingelassene hat auf seiner Suche nach dem Superheldenstrahler nicht alles zerstört, was in Reichweite war.
Stattdessen hat er auf der Suche nach dem Superheldenstrahler eine riesige Unordnung verursacht. Ohne zu bedenken, dass es in meinem Versteck gefährlich sein könnte. Besonders wenn sein Eindringen bei meiner Rückkehr bemerkt würde. Beziehungsweise das Ergebnis seiner Suchaktion sich mir offenbarte. Oder würde es Ihnen gefallen, wenn jemand ohne Ihre Erlaubnis in den Ihnen vertrauten Raum eindringt und ein Chaos anrichtet?
Schließlich hat er meinen Strahler gefunden. Genau in dem Moment meiner Rückkehr. Die ihn dazu brachte, sich mit einem triumphierenden Grinsen selbst zu bestrahlen. Natürlich in der Erwartung, wieder zum Superhelden zu werden.
Möglicherweise hat er erst durch den Blick auf mein fassungsloses Gesicht den Ansatz eines Begreifens gehabt. Denn bedauerlicherweise war der von ihm benutzte Strahler, der von mir gerade erfundene Schrumpfstrahler. Aber er war auch von der Gier nach den Superkräften ergriffen, sodass er dies ignorierte und nicht aufhörte sich zu bestrahlen. Woraufhin er innerhalb einer Sekunde sehr schnell schrumpfte. Und zwar so schnell, dass er sich vor meinen Augen auflöste.
Man kann sich bis heute nicht sicher sein, ob er die Größe einer Bakterie erreichte. Um dann von irgendeiner einzelligen Lebensform gefressen zu werden. Oder auf die Größe von Atomen reduziert wurde, sodass er von diesen zerquetscht worden ist. Es könnte sogar sein, dass er noch kleiner geschrumpft ist. Was sein endgültiges und sicheres Verschwinden bedeuten könnte. Denn es ist noch nicht bewiesen worden, dass es etwas noch Kleineres als Atome gibt. Herausfinden kann man dies nicht, weil seine vorherigen Provokationen am Ende mich doch irgendwie verletzten und mir deswegen die Lust nach einer Forschungsreise in diesen Bereich fehlte.
Bedauerlich war auch, dass mein Schrumpfstrahler beinahe sofort nach der Benutzung explodierte. Was zuerst mein Versteck zerstörte und danach irgendwie den nächsten Superhelden anlockte. Woraufhin ein Gefängnisaufenthalt folgte. Dieses Mal jedoch mit einer richtigen Anklage. Denn man hat mich beschuldigt, eine Bombe gebaut zu haben. Dabei sind bloß zwei Häuser in der Nachbarschaft zerstört worden.
Falls die Möglichkeit existierte, diesen Captain Blitzpapier wiederzufinden, ist sie durch die Zerstörung meines Versteckes und der anschließenden Gefängnisstrafe endgültig dahin.
Im Gefängnis gab es jedenfalls die Möglichkeit, mir Gedanken über neue Erfindungen zu machen. Denn wegen der Sache mit dem Superheldenstrahler, Captain Blitzpapier und der Zerstörung meines Versteckes gab für eine sehr lange Zeit kein Interesse mehr an Strahlern.
Vermutlich wird es auch jetzt die Möglichkeit geben, mir Gedanken über meine nächsten Erfindungen zu machen. Denn Dr. Destiny gibt nicht auf. Und das bedeutet, dass mich die Mauern eines Gefängnisses nicht brechen können. Selbst wenn eine Superheldin mit dem Namen Nova dieses aussucht.
Das Gefängnis ist bald zu sehen. Und sogar ein Gefängnis, das mir wegen vorheriger Aufenthalte bekannt ist. Was vermutlich der Grund ist, warum die Wärter nicht überrascht sind, als sich ihnen eine fliegende Frau nähert.
Dass sie uns beim Näherkommen erkennen, ist natürlich auch keine Überraschung. Schließlich sind sowohl Superhelden als auch Superschurken allgemein bekannt. Zumindest die meisten von uns.
Doch es gibt einen bestimmten Grad an Bekanntheit. Zwar erhält man eine gewisse Bekanntheit, wenn man eine Bank mit einer Strahlenpistole überfällt oder eine Maschine baut, mit der man die Welt zerstören kann. Doch der Name einer Person, die dann den Tag rettet, ist mit Sicherheit länger bekannt. Denn es gibt die Form von dauerhafter Bekanntheit, die entsteht, wenn die Menschen in ihrem alltäglichen Leben immer wieder mit einem Namen konfrontiert werden.
Ein Superheld, der zum Beispiel immer wieder in den Zeitungen steht, ist dauerhaft bekannt. Während die Superschurken zu einer anhängenden Erinnerung werden. Eine Form von Ruhm und Bekanntheit, durch die mich jeder kennt. Denn schließlich sind von mir mehrmals Banken überfallen, Weltuntergangsmaschinen gebaut und Feldzüge gegen die Verteidiger der Freiheit geführt worden. Jedenfalls aus der Perspektive der Zeitungen, die Schlagzeilen brauchten.
Während einige andere Superschurken nur wenigen bekannt sind. Wie zum Beispiel Toxic. Ein relativ unbekannter Superschurke. Aber auch jemand, der nicht wirklich nach Bekanntheit oder Ruhm strebt, sondern ein Superschurke ist, der einfach nur Ärger verursachen will, statt die Weltherrschaft anzustreben oder eine Bank zu überfallen.
Sein Bemühen ist nämlich auf die Produktion von Dreck fokussiert. Um das zu verstehen, muss man seine Geschichte kennen. Denn Toxic ist das Kind von Eltern, die ihr Kind geliebt haben. So sehr, dass sie Angst hatten, dass selbst der kleinste Fleck eine Gefahr für ihn sein kann. Deshalb haben sie seine Umgebung sauber gehalten. So perfekt, wie es nur jemand mit einer Zwangsstörung tun konnte. Und immer mit der Liebe von Eltern verbunden. Ein Handeln, das er nicht kritisierte. Im Gegenteil, er hat es geliebt, weil man es als die Liebe von Eltern akzeptieren konnte.
Bis seine Eltern nicht mehr da waren. Weshalb das Fehlen seiner Eltern als ein Punkt in seinem Leben benannt werden kann, ab dem sich sein Denken und Verhalten veränderten. Denn ab diesem Zeitpunkt hat er Dreck ganz anders gesehen.
Auf einmal hat er Dreck geliebt. Und wollte deshalb Dreck produzieren. Mehr als das. Er hat in Dreck gelebt. Irgendwo hat er ein Loch gefunden. Voller Dreck. Und hat sich dort niedergelassen. Jedoch war dieser Dreck ein Haufen toxischer Müll. So toxisch, dass er zu einer riesigen Ratte mutierte. Deren Verhalten das eigentliche Entsetzliche ist. Denn sein Verhalten war nicht mehr freundlich, sondern äußerst toxisch. Zumindest aus der Sicht von Umweltschützern. Denn die stören sich daran, dass er überall Müll verteilt, der in der Regel toxisch ist.
Weshalb man ihm den Namen Toxic gab. Und in den wenigen Zeitungsartikeln als wandelnde Umweltsünde beschrieb. Was ihm gefiel und ihn das Bemühen von Umweltschützern tolerieren ließ. Die unbedingt einen Superhelden finden wollten, der ihn bekämpfte oder seine Taten ungeschehen machte. Jedoch hat das Bekämpfen oder Ergreifen von Toxic die Superhelden nicht interessiert. Denn Toxic war nicht bekannt genug, sodass er keine Schlagzeile eingebracht hätte.
Auch später, als Toxic ganze Landschaften vergiftete, war es offensichtlich, dass die Zeitungen sich nicht für ihn interessierten. Denn im Gegensatz zu anderen Superschurken hat er keine Städte bedroht, mit selbst gebauten Armeen die Weltherrschaft angestrebt oder Geld gestohlen, sondern bloß gewaltige Mengen von toxischem Müll an irgendwelchen Orten abgeladen. Also nichts, was eine Schlagzeile wert wäre. Und deshalb förderte auch niemand seine Bekanntheit und kein Superheld hat ihn ernsthaft bekämpft. Stattdessen gibt es nur einige Umweltschützer, die sich über seine Taten ärgern.
Toxic ist also ein relativ unbekannter Superschurke und ein Gegensatz zu mir, denn mich kennt man. Besonders an Orten wie ein Gefängnis, dessen Wachen es gewohnt sind, dass ein Superheld vorbeikommt und mich ablädt.
Die folgende Einsperrung ohne Anhörung, Anklage oder Prozess ist nichts, worüber man sich zu wundern braucht. Denn sobald man als Superschurke benannt wird, ist dies die normale Praxis.
Jedoch fällt mir bei der Landung und dem unsanften Fallenlassen etwas auf. Und zwar, dass die Wachen dieses Mal ein anderes Verhalten haben. Denn normalerweise schauen die Wachen entweder erwartungsvoll oder hämisch auf den gefangenen und besiegten Superschurken herab. Auf dieses gefährliche Individuum, von dem die Zeitungen berichten und das nun hilflos und geschlagen ist, sodass Möglichkeiten zum Demütigen angeboten werden. Die man erstaunlich schnell lernt zu ertragen.
Stattdessen taxieren mich die Wachen wie ein gefährliches Tier, welches man nicht in seiner Nähe haben will. Vor dem man zurückweicht, weil frühere Zuversicht und Selbstbewusstsein fehlen.
Eine ungewöhnliche Situation, welche durch besorgte Gesichter nicht übersehen werden kann. Und die Schlussfolgerung ermöglicht, dass seit meiner letzten Inhaftierung sich etwas verändert hat.
Doch was könnte das sein? Und wieso fällt dies Nova nicht auf? Jedoch könnte es auch sein, dass Nova davon abgelenkt ist, sich mit dem nun aufgetauchten Gefängnisdirektor zu unterhalten. Offenbar hat man uns von Weitem gesehen und ihn deshalb gerufen.
Möglicherweise ist Nova auch zu sehr damit beschäftigt, sich in die typische Position einer triumphierenden Superheldin zu steigern, sodass sie Ungereimtheiten ignoriert. Sie verkündet nämlich äußerst laut, meine sogenannten abscheulichen Taten und ihren Triumph über mich. So vehement, als ob sie sich ebenfalls überzeugen muss.
Dass der Gefängnisdirektor sie mit einem sehr neutralen Gesichtsausdruck ansieht, während er sich anhört, was sie ihm sagt, scheint sie nicht zu stören. Vermutlich hat sie noch nicht so oft Superschurken abgeliefert.
Die Aufforderung nach meiner Einsperrung ist jedenfalls eine zu erwartende Plattitüde. Die von dem Hinweis unterstrichen ist, dass die von ihr abgelieferte Person ein Superschurke ist. Mit einer so selbstgerechten und entschlossenen Stimme, dass man darin die Erinnerung an die typischen Untaten von Superschurken schmecken kann.
Da Nova eine Person ist, die andere Menschen nach einem unbequemen Einwurf mit purer Energie zu Asche verbrennt, gibt es natürlich keine Widerworte vom Gefängnisdirektor. Woraufhin sie sich zufrieden abwendet.
Erst als Nova wieder davonfliegt, verändert sich seine Miene. Und zwar so, als ob er mit jemandem gesprochen hätte, dem er wegen sehr viel Macht nicht widersprechen konnte. Aber ihn auch reden lassen wollte, sodass er sich später mit den Konsequenzen auseinandersetzen kann. Beziehungsweise auf diese seinen Blick auszurichten. Also auf mich. Was meiner Neugier eine gewisse Vorsicht gibt. Und mich dazu bringt, die Muskeln anzuspannen als auch meinen Verstand zu aktivieren.
Was auch immer als Nächstes passieren wird, Dr. Destiny ist bereit. Denn schließlich ist es für ihn eine Gewohnheit, mit Superhelden zu kämpfen. Und deshalb sind bewaffnete Menschen wie Gefängniswärter keine Bedrohung.
Interessanterweise scheinen die Wachen und der Gefängnisdirektor dies zu wissen. Er gibt sogar mit einem Nicken zu verstehen, dass man mir freundlich aufhelfen soll. Was seltsam ist, weil man mich normalerweise brutal ergriff und durch die Gänge des Gefängnisses zu den Zellen zerrte. Die vorsichtige Freundlichkeit ist deshalb interessant. Genau wie das Abnehmen der Handschellen nach einem weiteren Nicken des Gefängnisdirektors, der durch die Abwesenheit von Nova offenbar eine Entscheidung fällt.
Er stellt sich jedenfalls neben mich und verhält sich wie ein Butler, der mich in eine Villa eintreten lassen will. Während bei mir die Analyse beginnt. Sowohl von dem Gefängnis als auch von dessen Direktor. Der mir durch frühere Inhaftierungen sogar bekannt ist. Was mir die Möglichkeit gibt zu erkennen, dass sich dieser seit unserer letzten Begegnung ein bisschen verändert hat. Zwar ist meine letzte Inhaftierung in diesem Gefängnis ein paar Jahre her, jedoch sieht er älter aus, als er eigentlich sollte.
Denn seine Haare sind etwas grauer geworden. Auch kann man einige Ansätze von Falten und einen Verlust von Glanz in den Augen erkennen. Was der Hinweis auf eine erlebte Veränderung ist. So als wäre etwas passiert, das die ihm bekannte Welt veränderte. Interessant ist auch, dass das Gefängnis, durch das wir gehen, seit meinem letzten Besuch ebenfalls anders ist. Denn es sieht weniger benutzt aus. So als gäbe es weniger Wachen oder Gefangene. Und tatsächlich kann man sehen, dass nur wenige Zellen belegt sind. Als ob beinahe gar keine Gefangene mehr hier sind. In einigen Zellen, an denen wir vorbeikommen, liegt sogar eine sehr dicke Staubschicht.
Wir nähern uns einem Bereich, in dem es spezielle Zellen gibt. In denen zum Beispiel die Temperatur niedrig gehalten werden kann. Oder in denen eine Abschirmung gegen Energie existiert. Also Zellen, in die Superschurken gewöhnlich eingesperrt werden. Schließlich sollte man einen Menschen, der Hitze erzeugt, nicht in eine Zelle sperren, deren Metallgitter er schmelzen kann.
Übrigens ist eine dieser Zellen sogar von mir selbst gebaut worden. Und zwar weil einer meiner Konkurrenten für eine Weile eine Ruhepause benötigte. Ein Superschurke mit dem Namen Deep Ocean, der eine sehr enge Verbindung mit dem Ozean hatte, sodass er diesen vergrößern wollte. Wozu er eine meiner Erfindungen stahl. Einen Wasserproduzenten, der das zeitraubende Einkaufen und mühsame Schleppen von Wasserflaschen beenden sollte. Und so gut funktionierte, dass nicht nur die Ozeane anfingen zu steigen, sondern auch die Superhelden überforderte. Denn sie konnten Deep Ocean einfach nicht finden. Selbst die wenigen Superhelden, die genau wie Deep Ocean eine Verbindung zum Ozean hatten.
Vermutlich hätten sie das Problem mit genügend Zeit gelöst. Denn Deep Ocean wäre mit Sicherheit irgendwann aufgespürt worden. Jedoch war es offensichtlich, dass dies erst nach der Überflutung meines Versteckes gelungen wäre.
Außerdem war die Arroganz von Deep Ocean, meine Erfindung als seine eigene Konstruktion auszugeben, eine Provokation, die ein Handeln von mir erzeugte. Dessen Umsetzung im Gegensatz zu der wirkungslosen Problembewältigung der Superhelden sehr schnell geschah.
Als Erstes wurde Deep Ocean durch das Aufhetzen von Walen lokalisiert. Sehr einfach, wenn man sowohl einen Übersetzer erfindet als auch darauf hinweist, dass Deep Ocean sich von sehr großen Fischen ernährt. Danach wurde der umgebende Ozean durch ein Wurmloch kurzfristig weggesaugt. Was verblüfftes Zappeln auf dem Trocknen erzeugte und eine rechtzeitige Reaktion verhinderte, als ein Hitzestrahler seine auf Wasser basierenden Waffen durch ein Verdampfen neutralisierte. Woraufhin die auftauchenden Superhelden den Rest erledigten.
Natürlich sowohl mit dem anschließenden Posieren vor den Kameras der Reporter als auch mit dem Ignorieren der Frage, woher auf einmal die Zelle kam, mit der Deep Ocean effektiv weggesperrt werden konnte.
Meine Verärgerung befähigte mich auch dazu, eine Zelle zu bauen, die sowohl einem Aquarium ähnelte als auch die Fähigkeiten von Deep Ocean blockierte. Was dieser erst bemerkte, als er keine Tsunamis mehr einsetzen konnte, um die Gefängnismauern zu zermalmen. Oder seine Hilferufe an Meeresungeheuer unbeantwortet blieben. Denn keiner seiner überdimensionalen Verbündeten erhoben sich aus den lichtlosen Tiefen des Ozeans, um ihn zu befreien.
