Schwalbenschwanz Momente - Renate Stremme - E-Book

Schwalbenschwanz Momente E-Book

Renate Stremme

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Beschreibung

Die Kunst des Leisen: Spiritualität im Alltag entdecken. Ein Schmetterling im Sommerlicht, der Wind im Herbstlaub, ein Blick, der tröstet: Schwalbenschwanz Momente erzählt von jenen stillen Augenblicken, in denen das Wesentliche hörbar wird. In poetischen Kurzgeschichten begegnen wir Menschen, Tieren und der Natur als leisen Begleiter*innen. Jede Erzählung öffnet ein Fenster zu Spiritualität im Alltag und lädt dazu ein, dem eigenen Inneren zu lauschen. Die Texte verweben Achtsamkeit, Verbundenheit und Hoffnung zu einer literarischen Karte für ruhige Stunden. Mit leiser, sinnreicher Klarheit zeigen diese Erzählungen, wie kleine Zeichen im Alltag Orientierung schenken. Wer im Leisen das Große sucht, findet hier Geschichten, die sanft berühren und lange nachklingen. Für alle, die Natur, Stille und die zarten Wunder des Lebens lieben: Dieses Buch macht sichtbar, was uns trägt. Und vielleicht flüstert das Leben schon auf der nächsten Seite.

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Zwischen Himmel und Erde Geschichten aus dem Herzen des Lebens

„Möge jeder Moment, den du bewusst erlebst, zu einem leisen Flügelschlag werden, der dein Herz berührt. Wie ein Schwalbenschwanz im Sommerlicht“.

Inhalt

Vorwort

Kapitel 1 - Der Duft eines Morgens

Kapitel 2 - Lektionen auf vier Pfoten

Kapitel 3 - Die leise Sprache des Herzens

Kapitel 4 - Wenn Abschied Heilung schenkt

Kapitel 5 - Natur als Lehrmeisterin

Kapitel 6 - Alltag im Gebet

Kapitel 7 - Menschen die bleiben

Kapitel 8 – Die Brücke zwischen den Welten

Kapitel 9 – Ein Zuhause in mir

Kapitel 10 – Der Weg geht weiter

Schlusswort

Vorwort

Es gibt Augenblicke, so zart und still, dass sie beinahe übersehen werden. Doch wer innehält und lauscht, spürt den feinen Pulsschlag des Lebens – wie ein kaum hörbares Flügelschlagen im Morgenlicht. In solchen Momenten öffnet sich eine unsichtbare Tür zwischen Himmel und Erde. Sie führt nicht weit hinaus, sondern tief hinein – dorthin, wo Erinnerung, Vertrauen und Neubeginn leise miteinander tanzen. Wer dieser Einladung folgt, betritt einen Weg, der nicht gerade verläuft, sondern sich wie ein Schwalbenschwanz durch die Landschaft des Lebens windet: voller Farben, Wendungen, Aufbrüche und Heimkehr. Vielleicht beginnt auch deine Reise hier – nicht laut, nicht stürmisch, sondern mit einem sanften Nicken des Lebens.

Manchmal sind es die leisesten Augenblicke, die in uns die tiefste Bewegung auslösen. Ein flüchtiger Schmetterling im Sommerlicht, das Rascheln der Blätter an einem stillen Herbsttag, eine vertraute Stimme, die dich im richtigen Moment berührt. Es sind diese zarten, unscheinbaren Momente, die sich still und kraftvoll in dein Herz einprägen. Ich nenne sie Schwalbenschwanz Momente.

Der Schwalbenschwanz ist mehr als nur ein seltener, wunderschöner Schmetterling. Er ist für mich ein Symbol – ein Bote zwischen den Welten. Wenn er erscheint, öffnet sich für einen kurzen Augenblick etwas, das größer ist als das Sichtbare. Er steht für Leichtigkeit, Wandlung und die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Als ich ihn das erste Mal sah, war es, als hätte sich ein unsichtbares Tor geöffnet – ein stiller Gruß, ein Zeichen, das blieb.

Dieses Buch ist eine Sammlung solcher Brückenmomente. Es erzählt Geschichten aus dem Herzen des Lebens – vom Zuhören, vom Loslassen, vom Wiederfinden. Von Menschen und Tieren, von Natur und Stille, von Begegnungen, die Spuren hinterlassen, und von inneren Wegen, die dich nach Hause führen. Es sind keine lauten Geschichten, keine großen Gesten. Es sind Geschichten, die entstehen, wenn du innehältst.

Jedes Kapitel trägt ein Stück meines Weges in sich – und vielleicht auch ein Stück deines. Vieles in diesem Buch ist nicht geplant oder konstruiert. Es sind Erfahrungen, die leise in mein Leben traten – manche wie eine sanfte Berührung, andere wie ein tiefer Einschnitt, der alles veränderte. Doch alle haben mich gelehrt, genauer hinzuhören: auf das Leben, auf die Zeichen, auf die stillen Stimmen in und um mich herum.

Der Schwalbenschwanz begleitet dich durch dieses Buch. Am Anfang jedes Kapitels findest du ihn als Symbol, als Einladung, dich auf den Weg zu machen. Ihn wahrzunehmen bedeutet, den eigenen Blick zu öffnen – für das, was oft im Alltäglichen verborgen liegt.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles laut, schnell und voller Ablenkung ist. Termine, Erwartungen, Verpflichtungen – oft rauschen die Tage an dir vorbei, ohne dass du wirklich da bist. Doch die Schönheit des Lebens offenbart sich nicht im Lärm. Sie zeigt sich in den feinen Zwischentönen: im Blick eines Tieres, in einem Spaziergang durch den herbstlichen Wald, in einem einfachen Handgriff, der plötzlich wie ein Gebet wirkt.

Spiritualität muss nichts Abgehobenes sein. Sie braucht keine großen Rituale oder besonderen Orte. Sie geschieht mitten im Leben – beim Kochen, beim Putzen, beim Arbeiten im Garten, beim Beobachten der Natur. In der Art, wie du Menschen begegnest. In dem Mut, zu fühlen, zu trauern, zu lieben, loszulassen und neu zu beginnen.

Als meine Mutter starb, begann für mich eine neue Ebene des Wahrnehmens. Es waren nicht die großen, lauten Abschiede, die blieben, sondern die feinen Zeichen danach: ein Zwinkern, ein Schmetterling, eine vertraute Stimme am Grab. Diese leisen Momente haben mir gezeigt, dass es mehr gibt, als wir mit bloßen Augen sehen. Sie waren wie liebevolle Berührungen aus einer anderen Welt.

Vielleicht erkennst du beim Lesen Parallelen zu deinem eigenen Weg. Vielleicht erinnerst du dich an besondere Momente. Oder vielleicht laden dich die Geschichten ein, deinen Blick wieder bewusst zu heben – weg von der Eile, hin zu dem, was da ist, wenn du still wirst.

Dieses Buch ist kein Ratgeber. Es ist eine Einladung – eine Einladung, dich selbst in den Geschichten zu entdecken, die Natur als Lehrmeisterin zu erleben, deinen Alltag als Gebet zu spüren. Menschen, die bleiben, mit offenem Herzen zu erkennen – und ebenso den Mut zu finden, loszulassen, wenn sich Wege trennen. Vielleicht erinnerst du dich beim Lesen an deine eigenen Schwalbenschwanzmomente. Vielleicht entstehen neue. Denn es sind die kleinen Dinge, die das Leben groß machen.

Ich wünsche dir, dass du zwischen den Zeilen nicht nur meine Stimme hörst, sondern auch deine eigene. Dass du spürst, wie reich das Leben ist, wenn du ihm zuhörst. Dass du erkennst, wie sehr jede Begegnung, jede Jahreszeit, jeder Abschied und jeder Neubeginn Teil eines größeren Ganzen ist – eines stillen Gewebes, das uns alle miteinander verbindet.

Möge dieses Buch für dich eine Brücke sein – zwischen Himmel und Erde, zwischen deinem äußeren und deinem inneren Leben, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Und vielleicht – ganz vielleicht – flattert während des Lesens ein Schwalbenschwanz an dir vorbei. Dann halte für einen Moment inne. Atme. Und lächle.

„Und vielleicht, während du diese Zeilen liest, bemerkst du etwas Leises – ein Flügelschlagen, einen Atemzug des Lebens, der dich erinnert: Du bist angekommen im Jetzt. So beginnt die Reise, sanft, ohne Eile. Atme ein, atme aus – und lass uns gemeinsam weitergehen.“

Kapitel 1

Der Duft eines Morgens

Der Tag begann wie viele andere – und doch lag etwas in der Luft, das sich kaum beschreiben ließ. Vielleicht war es das Spiel der Sonnenstrahlen, die sich vorsichtig durch die Gardine schoben, als wollten sie mich an etwas erinnern. Oder das leise Summen der Welt draußen, das durch das offene Fenster hereinströmte.

Ich blieb einen Moment still sitzen, noch im Morgenmantel, und spürte in mich hinein. Kein Handy, kein Radio, keine Eile. Nur das Atmen, das Kommen und Gehen der Gedanken – und irgendwo tief darunter dieses leise Gefühl: Heute gibt es etwas zu entdecken.

Rex lag nicht weit entfernt, den Kopf auf die Pfoten gebettet, doch seine Augen waren wach. Er beobachtete jede meiner Bewegungen, als wüsste er längst, dass dieser Tag nicht einfach nur ein weiterer Tag sein würde.

Als ich den Riegel öffnete, erhob er sich langsam, schüttelte den Schlaf aus dem Fell und trat hinaus. Erst da nahm ich den feuchten Duft des Morgens wahr, sah den feinen Nebelschleier über der Wiese und wie Rex die Schnauze in den Wind hob, als könne er darin schon den ganzen Tag lesen.

Der Weg hinter dem Haus war noch feucht vom Tau, und der Duft von Erde, Gras und Blüten stieg mir in die Nase. Ein Geruch, der mich sofort zurück in meine Kindheit trug – in die Tage im Garten meiner Großeltern.

Den Bauerngarten meiner Kindheit habe ich lebhaft vor Augen, mit seinen dichten Himbeersträuchern, an denen ich immer naschte, während die Sonne warm auf die Schaukel fiel, die im Wind leise knarrte. Der Fliederbaum stand etwas abseits – für mich war er wie eine kleine Hölle, wild und verschlungen, aber auch voller geheimnisvoller Schönheit. Auch Oma bleibt mir präsent, wie sie in ihrer geblümten Kittelschürze zwischen den Beeten stand, den Strohhut tief ins Gesicht gezogen, während Opa mit der Gießkanne den Bohnenreihen Leben einhauchte. Der Rasen war weich unter meinen nackten Füßen, und jedes Mal, wenn ich darüber lief, kitzelte das Gras zwischen den Zehen wie ein leises Lachen der Erde.

Oft zog mich Oma an der Hand zu den Johannisbeersträuchern, deren rote Perlen in der Morgensonne funkelten. Opa zwinkerte mir dann zu, als wollte er sagen: „Hier, das ist unser kleines Paradies.“ Diese Bilder schienen weit entfernt, und doch fühlten sie sich an diesem Morgen so nah an, als könnte ich einfach den nächsten Schritt tun und mitten in dieser Zeit stehen.

Ich sehe mich noch zwischen Omas Dahlien und Ringelblumen hindurchlaufen, während Opa am Gartentor stand und in den Himmel blickte, als lausche er einer Melodie, die nur er hören konnte. Damals verstand ich nicht, dass er in diesen Momenten mit etwas sprach, das nicht von dieser Welt war – heute erkenne ich es.

Ein sanftes Anstupsen an meiner Hand riss mich aus den Erinnerungen. Rex stand vor mir, die Ohren aufmerksam gespitzt, als spüre er genau diesen Moment, diese Verbindung zwischen uns. Ich lächelte, strich ihm über den Kopf und ging weiter.

Der Weg schlängelte sich zwischen hohen Hecken hindurch, das Licht brach sich in den Tropfen des Taus, und jeder Schritt fühlte sich an wie ein leises Versprechen: Die Vergangenheit verlässt uns nie ganz – solange wir bereit sind, sie mitzunehmen.

„Manchmal liegt die größte Magie in der Einfachheit des Augenblicks. Ein Duft, ein Blick, ein leises Geräusch – sie sind wie kleine Anker, die uns verbinden mit dem, was größer ist als wir selbst. Öffne dein Herz für diese leisen Zeichen. Sie tragen dich sanft durch die Zeiten und erinnern dich daran, dass du nie allein bist.“

Über die Kraft kleiner Momente

Es sind oft die kleinen Dinge, die uns am tiefsten berühren – ein Vogel, der frühmorgens sein Lied anstimmt, das erste Licht, das sanft durch das Fenster fällt, oder der stille Blick, den man mit einem Tier teilt, das einem nah ist. Solche Momente sind wie winzige Anker im Fluss des Lebens, die uns festhalten, wenn alles andere zu schnell vorbeizieht.

Doch ich weiß auch: Es ist nicht immer leicht, diese Wunder im Alltag zu erkennen. Die Hektik, die vielen Gedanken, die Sorgen und Pflichten können uns blind machen für das, was direkt vor unserer Nase geschieht. Manchmal ist das Leben so laut, dass das Flüstern der kleinen Momente kaum zu hören ist. Ich habe gelernt, dass es Übung braucht, genau hinzuschauen und zu fühlen. Mein Weg begann damit, mir bewusst mehr Zeit für mich selbst zu nehmen – auch wenn es nur ein paar Minuten am Tag waren. Diese kleinen Auszeiten wurden zu kostbaren Momenten, in denen ich durchatmen, beobachten und spüren konnte. Ein kurzer Blick aus dem Fenster, das bewusste Lauschen auf Vogelgesang, ein tiefer Atemzug inmitten des Trubels – all das sind kleine Rituale, die den Raum schaffen, um das Leben wieder ganz wahrzunehmen.

Durch mein bewusstes Wahrnehmen entdeckte ich die Fotografie für mich. Ich besorgte mir einen Fotoapparat und begann, die Welt um mich herum festzuhalten. Für mich wurde das Fotografieren zu einer Form der Meditation – ein achtsames Beobachten, das mich entspannt und mein Herz öffnet. Jeder Klick der Kamera ist wie ein Innehalten, ein Festhalten des Augenblicks, der sonst vielleicht unbemerkt vorbeigegangen wäre.

Je mehr ich mir diese Zeit gönnte, desto leichter fiel es mir, diese stillen Geschenke des Alltags zu entdecken und zu schätzen. Es ist ein sanftes Lernen, sich selbst und die Welt mit offenen Sinnen zu begegnen – und sich selbst dabei liebevoll zu begleiten.

Wer nicht meditieren möchte, findet bestimmt mit der Zeit für sich selbst etwas Passendes – so wie ich für mich das Fotografieren entdeckte. Es geht darum, kleine Rituale zu finden, die das Bewusstsein für den Moment schärfen und gleichzeitig Freude schenken.

„Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit auf dem Weg zu deinem wahren Selbst. Erlaube dir täglich kleine Momente der Stille und des Bewusstseins. Wie zarte Sonnenstrahlen nähren sie deine Seele und öffnen das Herz für die Schönheit des Augenblicks. So wächst in dir eine tiefe Verbundenheit mit allem, was ist.“

Kleine Achtsamkeitsübung: „Der bewusste Atem und Blick“

Setze dich an einen Ort, an dem du dich wohlfühlst, oder bleibe einfach für einen Moment stehen – egal ob drinnen oder draußen.

Schließe für einen Moment die Augen und atme tief ein und aus.