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»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan
Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …
Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft.
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Seitenzahl: 241
Veröffentlichungsjahr: 2025
Zum Buch
Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für eine chinesische Elitefamilie, die ein Leben in Luxus und scheinbar grenzenloser Macht führt. Sie kümmert sich bereits seit vielen Jahren fürsorglich um den siebenjährigen Kuan Kuan. Yu kennt die Geheimnisse der Familie, doch ihre Arbeitgeber ahnen nicht, dass auch sie etwas verbirgt. In der Hoffnung, ein hohes Lösegeld für ihn einfordern zu können, plant Yu, Kuan Kuan zu entführen. Doch die Dinge nehmen eine Wendung, als das Kindermädchen während der Entführung aus dem Radio erfährt, dass der angesehene Patriarch der Familie wegen Korruption verhaftet wurde.
In dem unter Druck stehenden politischen Umfeld Chinas kann sich selbst das Schicksal der mächtigsten Familien über Nacht umkehren. Der Vater des Jungen wird verhaftet und seine Mutter ist auf der Flucht. Yu Ling bleibt mit dem Kind allein zurück und muss eine Reihe von Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern werden.
Zur Autorin
Zhang Yueran, geboren 1982, begann schon mit 14 Jahren zu schreiben, ist heute eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger, urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Autoren unter 40. Ihre Romane und Erzählungen haben sich hunderttausendfach verkauft und wurden in zahlreiche europäische und asiatische Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman. Zhang lebt in Peking und lehrt Literatur und kreatives Schreiben an der Renmin-Universität.
Zur Übersetzerin
Karin Betz übersetzt chinesische und englische Literatur. Zu den von ihr ins Deutsche übertragenen Stimmen gehören u.a. der Friedenspreisträger Liao Yiwu und der Literaturnobelpreisträger Mo Yan. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit der August-von-Schlegel-Gastprofessur für die Poetik der Übersetzung an der FU Berlin 2021 und dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis 2024.
Zhang Yueran
Schwanentage
Roman
Aus dem Chinesischen von Karin Betz
Ecco
Die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel 天鹅旅馆 bei Shanghai Sanlian Bookstore Co., Ltd, Shanghai. Die erste US-Ausgabe erschien 2025 unter dem TitelWomen, seated bei Riverhead Books, New York.
www.eccoverlag.de
© 2024 Zhang Yueran
Deutsche Erstausgabe
© 2025 für die deutschsprachige Ausgabe
Ecco Verlag in der
Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Valentinskamp 24 · 20354 Hamburg
Dieses Buch wurde vermittelt durch Riverhead Books, einem Imprint der Penguin Publishing Group, einer Division von Penguin Random House LLC.
Covergestaltung von wilhelm typo grafisch
Coverabbildung © Ashmolean Museum / Bridgeman Images
E-Book-Produktion von GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783753001173
Jegliche nicht autorisierte Verwendung dieser Publikation zum Training generativer Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) ist ausdrücklich verboten. Die Rechte der Urheberinnen und des Verlags bleiben davon unberührt.
An diesem Tag im April stand Yu Ling sehr zeitig auf. Schon der warme Duft des sengenden Sonnenlichts auf der Bettdecke sagte ihr, dass keine Hoffnung auf Regen bestand. Draußen war es bereits hell. Sie saß am Bettrand und schaute durch das Fenster des ersten Stocks hinaus in den Garten. In den vergangenen beiden Wochen hatte der Magnolienbaum seine Blüten verloren, sie abgeschüttelt wie eine aufgebrachte Frau; als die letzten gefallen waren, hatte die Magnolie über Nacht Vernunft angenommen. Jetzt war sie wieder ein gewöhnlicher grüner Baum. Yu Ling machte ihr Bett, verstaute den ordentlich gefalteten Schlafanzug im Schrank und ging ins Zimmer nebenan.
Sie trat ans Bett und lüftete die Decke. »Zeit zum Aufstehen! Wir machen einen Frühlingsausflug!«
Der Junge öffnete die Augen, purzelte aus dem Bett und flitzte ins Bad, um sich die Zähne zu putzen. Vom Plattenspieler unten drang Chopins Revolutionsetüde herauf, eins der Lieblingsstücke des Hausherrn. Yu Ling stellte sich neben die Badezimmertür, in der Hand einen grauen Pullover.
Als der Junge herauskam, schüttelte er energisch den Kopf. »Ich will den gelben mit dem Auto vorne drauf.« Vergeblich versuchte er Yu Ling zu entwischen, die ihn festhielt und ihm trotz seines lautstarken Protests den Pullover überzog.
»Wir gehen im Grünen wandern. Da wird der gelbe zu leicht dreckig.«
Auch die Hose war grau, und die Schuhe waren schwarz, ein altes Paar, das ihm bald zu klein sein würde. So sehe er ja schon ganz schmuddelig aus, bevor er überhaupt losgegangen sei, maulte der Junge. Sie beachtete ihn nicht.
»Willst du ein Spielzeug mitnehmen?«, fragte sie.
»Den Teddy.«
»Den sprechenden Bären?« Yu Ling schüttelte den Kopf. »Der macht zu viel Krach.« Stattdessen landete ein blassgelber Elefant im Rucksack. »Den hattest du schon immer gern, weißt du noch?«
Der Junge rannte nach unten. Auf dem Tisch standen Tupperdosen mit Ananas- und Zuckermelonenstückchen, geputzten Erdbeeren und Pfirsichen, die aß er am liebsten. Das waren aber nur die Naschereien. Das eigentliche Mittagessen würden diverse Fleisch- und Fischspieße sein. Yu Ling hatte dem Jungen ein richtiges Barbecue versprochen, wobei »richtig« bedeutete, dass alles, was es zum Essen gab, auf Holzspießchen steckte. Den ganzen gestrigen Abend hatte sie damit verbracht, Fleischstückchen auf Spieße zu reihen, und heute schien alles, was sie sah, ein Loch zu haben. Hui, das andere Hausmädchen, kam mit einer Gießkanne in der Hand aus dem Garten.
»Meine Güte, wie wollt ihr so viel Zeug schleppen?«
»Kommst du auch mit, Tante Hui?«, fragte der Junge.
»Schön wär’s.«
Der Vater des Jungen lief im Trainingsanzug die Treppe hinunter, vermutlich auf dem Weg ins Fitnessstudio.
»Hast du an die Kartusche für den Gaskocher gedacht?«
»Ich nehme zwei extra mit«, sagte Yu Ling. Wie immer, wenn er mit ihr sprach, wich sie seinem Blick aus. Um sich die Kränkung zu ersparen, sah der Hausherr sie deshalb nie direkt an. Diesmal schweiften seine Augen zu dem neu erworbenen Rundlehnstuhl aus Rosenholz.
»Pack auch einen Bluetoothlautsprecher ein, damit Kuan Kuan unterwegs Musik hören kann.« Er überschätzte das musikalische Talent seines Sohns und nötigte ihn ständig, Klavierspielen zu üben. Erst vor zwei Tagen hatte er, weil der Junge partout nicht zur Klavierstunde wollte, die Lego-Burg kaputt getreten, die der Großvater bei seinem letzten Besuch mit ihm gebaut hatte. Einen ganzen Tag hatten sie dafür gebraucht. Das würde er seinem Papa nie verzeihen, nie, hatte sich der Junge geschworen. Als sie das Haus verließen, drehte er sich daher nicht einmal um, sooft sein Vater ihm auch nachrief.
Yu Ling verstaute die Tupperdosen in einer großen weißen Reisetasche, hob sie in den faltbaren Campingkarren und platzierte zuletzt den Klappgrill obendrauf. Mit einer Hand zog sie den Karren, an der anderen hielt sie den Jungen.
»Zieh den Reißverschluss deiner Jacke zu«, sagte sie zu ihm, »wir gehen ein gutes Stück.«
Der Junge schüttelte ihre Hand ab und zog am Karren. In der Tasche klirrten die Gläser. Das Sonnenlicht zauberte einen winzigen Regenbogen auf den Schirm aus Sprühnebel, den der Rasensprenger über dem Grünstreifen verteilte.
»Warum hat der nur vier Farben? Ich will einen richtigen Regenbogen.«
»Warte bis zum nächsten Regen.«
»Wann regnet es wieder?«
»Ich weiß es nicht, aber dann gibt es keinen Frühlingsausflug. Was ist dir lieber, Regenbogen oder Ausflug?«
Der Junge streckte ihr die Zunge heraus und rannte los, den Karren hinter sich herziehend. Der Weg zum Haupttor des Anwesens führte an einem Beet voller dunkelroter Tulpen vorbei und dann entlang eines künstlichen Teichs, an dessen Ufer gerade ein Gärtner versuchte, einen toten Fisch mit einem Netz, das an einem langen Stiel befestigt war, aus dem Wasser zu bergen. Als er die beiden erblickte, ließ er sofort von seiner Arbeit ab und grüßte mit einer angedeuteten Verbeugung. Draußen angekommen, führte sie den Jungen noch ein Stück die Straße hinunter. An der nächsten Ecke parkte unter einem großen Baum ein maroder ehemals weißer Minivan voller Rostflecken, die hinteren Radkästen arg lädiert. Eigentlich hätte Dong, der Fahrer der Familie, sie an ihr Ziel bringen sollen, aber er war unterwegs, um diverses Material für den Umbau eines ihrer anderen Häuser zu besorgen. Macht nichts, hatte Yu Ling zu ihm gesagt, ein alter Bekannter aus ihrem Heimatort könne sie fahren.
Die Tür des Vans öffnete sich, und der Fahrer sprang heraus. Der Junge musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen. »Bist du Onkel Kürbis? Dein Kopf sieht gar nicht aus wie ein Kürbis.«
Der Mann grinste. »Wart ab, bis ich mir die Haare abrasiere, dann siehst du, was für ein kreisrunder Schädel das ist.«
Der Junge lief um den Wagen herum und begutachtete die Rückseite. Yu Ling musste ihn mehrfach rufen, bis er wieder zu ihr kam. Sie hielt ihm die Tür auf, ließ ihn auf die Rückbank klettern und legte ihm den ausgeleierten Gurt an, dann stieg sie selbst auf der Beifahrerseite ein. »Ich setze mich nach vorn. Onkel Kürbis kennt den Weg nicht.«
»Von wegen, ich wohne schon länger in Peking als du«, sagte der Mann.
Er startete den Motor, und der Van setzte sich rumpelnd in Bewegung. Dieses Auto war vollkommen anders als alles, was der Junge gewohnt war, es hatte nicht einmal einen Kindersitz. Aufgeregt rutschte er von einer Seite der Rückbank auf die andere und stellte sich hin, um zu sehen, ob sein Kopf an die Decke reichte, bis Yu Lings strenger Blick ihm gebot, sich sofort hinzusetzen.
Der Mann fuhr mit einer Hand am Lenkrad, die andere fummelte nach einer Zigarette, die er sich in den Mundwinkel steckte, und in Richtung Feuerzeug auf dem Armaturenbrett gestikulierte. Yu Ling wollte ihm Feuer geben, aber die Flamme erstarb ständig wieder.
»Dumme Nuss.« Der Mann stopfte ihr die Zigarette zwischen die Lippen.
Yu Ling drehte den Kopf zum Fenster. Sie wollte nicht, dass der Junge sie mit einer Zigarette im Mund sah. Hastig nahm sie einen Zug und reichte sie dem Mann zurück. Er schnitt dem Jungen im Rückspiegel eine Grimasse. »Willst du auch mal?«
»Spinnst du?«, fuhr Yu Ling ihn an. »Er ist erst sieben!«
»Als ich sieben war, haben mein großer Bruder und ich uns mit anderen auf der Straße geprügelt.«
»Ich habe keinen Bruder«, sagte der Junge verunsichert.
Der Mann lachte laut. »Dann sind deine Eltern schuld, was? Ausreden erfinden kannst du immerhin.«
Der Van bog von der dicht befahrenen Straße auf die Stadtautobahn. Sobald sie schneller fuhren, vibrierten die Scheiben. Yu Ling zog ihr Telefon aus der Handtasche, warf einen Blick aufs Display und steckte es wieder ein. Dabei stieß ihre Hand an den Bluetoothlautsprecher. Sie nahm ihn heraus; eine silberglänzende Scheibe voller Löcher, wie eine Bienenwabe. Das goldene Sonnenlicht lief wie Honig darüber.
»Wozu hast du den denn dabei? Hier gibt’s ein Radio«, sagte der Mann.
»Der Klang ist besser. Was hast du für Musik auf dem Handy?«
»Als ob du den Unterschied hören würdest. Auf meinem Handy ist nur Stand-up-Comedy.«
»Ich will Stand-up-Comedy!« Der Junge klatschte in die Hände. »Das hab ich noch nie gehört.«
»Echt jetzt?«, brummte der Mann und tippte auf seinem Handy herum. Seltsame Geräusche kamen aus dem Lautsprecher. Der Junge verstand erst kein Wort, aber da ertönte auch schon lautes Gelächter vom Band. Der Junge lachte mit, auch bei den nächsten Malen, wenn die programmierten Lacher die Show unterbrachen. Er hielt den Lautsprecher dicht ans Ohr, um die richtigen Stellen nicht zu verpassen.
Yu Ling drehte sich zu ihm um. »Hör auf, an deinen Nägeln zu kauen.« Ihre Stimme war leise, zu leise, um zu dem Jungen durchzudringen, aber sie wiederholte das Gesagte nicht, sondern lehnte sich auf ihrem Sitz zurück.
Der Mann warf ihr einen Blick zu. »Was ist los?«
»Nichts, lass mich einfach in Ruhe.« Sie schloss die Augen.
Es würde noch ein Weilchen dauern, bis sie aus der Stadt heraus waren. Sie versuchte zu schlafen, hatte aber das Gefühl, ihre Lider schlössen nicht dicht genug, um das einfallende Sonnenlicht abzuhalten. Sie hörte, wie der Mann das Feuerzeug schnappen ließ, und roch den Zigarettenrauch. Dann ließ er das Fenster herunter. Der kalte Windstoß wehte ihr Haar an der Stirn nach oben wie kleine Flämmchen. Der Wind flaute ab und lebte wieder auf, zog ihr die Kopfhaut zusammen und hämmerte gegen ihre Schläfen. Sie war sich sicher, irgendetwas vergessen zu haben. Das Gefühl hatte sie schon beschlichen, kaum dass sie zum Tor hinaus gewesen waren, jetzt formte es sich zur Gewissheit. Sie überlegte angestrengt, aber ihr Gehirn war wie Brei, und darin herumzurühren, machte ihn nur noch zäher. Als sie die Augen öffnete, waren sie schon auf dem Land und fuhren durch endlose Felder mit goldgelben Blüten. Raps. Sie hatte einen Augenblick überlegen müssen, bis ihr der Name einfiel. Zu lange schon lebte sie in der Stadt, wo Blumen etwas Besonderes waren, ein kostspieliges Produkt mit der Lebensdauer von einer Woche. Wer war wohl der Erste gewesen, der Blumen abgeschnitten hatte, um sie zu verkaufen? Eine geniale Idee.
Da fiel ihr ein, was sie vergessen hatte. Heute war Sonntag, der Tag, an dem der Mann vom Blumenmarkt kam. Der kleine Mann parkte seinen Transporter immer vor der Villa, öffnete die Ladeklappe und ließ Yu Ling selbst aussuchen. Weiße Lilien, Pfingstrosen, Ranunkeln. Den gewählten Strauß drückte sie dann an die Brust, die Blüten taufeucht. Kein echter Tau, das wusste sie, nur aufgesprühtes Wasser, um die Blumen frisch zu halten. Doch die duftenden Blumen verliehen jedem ganz gewöhnlichen Sonntag etwas Besonderes.
Heute würden ihr die Blumen entgehen. Hui würde an ihrer Stelle am Tor warten. Früher war sie immer für die Blumen zuständig gewesen, aber die Hausherrin fand, Hui habe einen furchtbaren Geschmack. Wer war schon wie Yu Ling, die von jeder Sorte den Namen kannte und ein Händchen für das passende Arrangement hatte. Die Hausherrin hatte zwar Ikebanakurse besucht, aber ihr fehlte es an Geduld. Am Ende warf sie jedes Mal ihr halb fertiges Gebinde Yu Ling hin. »Du hast Talent dafür, ich lasse dich dein Potenzial zur Entfaltung bringen«, meinte sie.
Die Hausherrin sollte gegen Nachmittag zurück sein, wahrscheinlich eher abends. Ständig verpasste sie die Flüge und musste umbuchen, entschuldigte sich aber nie für ihre Versäumnisse. Ihrer Meinung nach war es einer Künstlerin nicht würdig, sich um Pünktlichkeit zu bemühen. Die Reise nach Hongkong war ein spontaner Entschluss gewesen. Weil ihr gerade die Inspiration zum Malen fehlte, hoffte sie, eine Kunstauktion werde sie auf neue Ideen bringen. Und das tat sie. Gestern hatte sie am Telefon verkündet, einen indischen Paravent ergattert zu haben.
»Großartig«, hatte ihr Mann gesagt, wie immer. »Das feiern wir gebührend, wenn du zurückkommst.«
»Morgen bin ich wieder da«, hatte sie gesagt.
Yu Ling und der Junge hatten Blicke gewechselt. Kuan Kuan wusste genau, dass aus dem Frühlingsausflug nichts wurde, wenn seine Mutter zurückkam. Was lernt er denn dabei, würde sie sagen, geh mit ihm zu einer Ausstellung oder auf ein Konzert!
»Wenn du wirklich einen Ausflug ins Grüne machen willst«, hatte Yu Ling zu dem enttäuscht aussehenden Jungen gesagt, »dann gleich morgen früh, bevor deine Mama zurückkommt.« Glücklich war er ihr um den Hals gefallen.
Der Junge klebte mit der Wange am Fenster, reglos wie eine Eidechse. Der monotone Ablauf der Comedy hatte ihn schläfrig gemacht.
Der Mann fingerte an seinem Handy herum, dann schaltete er das Radio ein. »Warum kommt keine Musik?«
Kaum hatte er das gesagt, kam ein Brummen aus den Lautsprechern, dann Gesang, der aber gleich ausblendete, wie ein davonfliegender Luftballon. Als das Rauschen nachließ, kam die Musik wieder zurück. Zwei Zeilen eines Lieds ertönten, doch dann legte sich wieder ein Rauschen und Pfeifen darüber, noch stärker als zuvor. Yu Ling hielt sich die Ohren zu und bat den Mann, sofort das Radio abzuschalten. Stur drehte er den Sendersuchknopf, bis er einen störgeräuschfreien Kanal fand, auf dem gerade die Nachrichten liefen. Die Staatliche Gesundheitskommission werde ab sofort auch Berufskrankheiten in die staatliche Gesundheitsfürsorge einschließen. Der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitszugstrecke sei begonnen worden. Die Stimme der Nachrichtensprecherin war kristallklar, schon allein dafür waren sie dankbar. Die Sprecherin konnte sagen, was sie wollte, alles klang nach guten Nachrichten.
In den Jungen kam wieder Leben. Er ließ das Fenster herunter und streckte den Kopf hinaus.
»Lass das!«, sagte Yu Ling.
Prompt hing der Junge mit dem ganzen Oberkörper draußen und stieß einen fröhlichen Schrei aus.
Yu Ling drehte sich um und forderte den Mann auf, sofort rechts ranzufahren.
»Jetzt mach nicht so ein Getue«, sagte der Mann, »ich sehe doch, ob einer an uns vorbeifährt.«
»Das ist mir egal!«
Die Augen des Manns blitzten wütend. »Nun werd nicht gleich hysterisch. Bleib cool.«
Links vor ihnen tauchte ein großer Lastwagen auf. Sofort drehte sich Yu Ling wieder nach dem Jungen um. Der saß inzwischen wieder brav auf seinem Platz und studierte aufmerksam den Lastwagen. Dann deutete er auf den großen Käfig auf der Ladefläche. »Was ist da drin?«
Yu Ling reagierte nicht. Der Junge fragte noch einmal. »Vielleicht Hühner«, antwortete der Mann.
»Wohin fahren die?«
»Zum Markt«, sagte der Mann, »um geschlachtet zu werden.«
Der Junge schwieg. Kurz darauf beugte er sich vor, tippte dem Mann an die Schulter und bat ihn anzuhalten. Der Mann ignorierte ihn und überholte den Lastwagen. Als sie auf gleicher Höhe waren, streckte der Junge den Kopf zum Fenster hinaus und schrie: »He! Anhalten! Anhalten!«
Der Lastwagenfahrer trat sofort auf die Bremse und stoppte. Der Junge reckte sich nach dem Türgriff, und Yu Ling schrie auf. Der Van fuhr auf den Seitenstreifen und kam zum Stehen.
»Was machst du da, verflucht noch mal?«, brüllte der Mann den Jungen an.
Yu Ling sagte, sie steige mit dem Jungen aus, der aber versprechen musste, auf keinen Fall auf der Straße herumzurennen. Der Fahrer des Lastwagens kniete unterdessen neben der Hinterachse und inspizierte die Reifen.
»Was hast du da auf deinem Laster, Onkel?«
Der Fahrer starrte ihn finster an. »Verdammt, ich habe gedacht, mir wären die Reifen geplatzt!«
Der Junge rannte zur Ladeklappe und stellte sich auf die Zehenspitzen. »Darf ich mal sehen?«
»Würden Sie so nett sein …?« Yu Ling sah den Fahrer flehend an. Sie rief den Mann zu sich, ließ sich seine Zigaretten geben und streckte dem Fahrer das Päckchen hin. Er klemmte sich eine Zigarette hinters Ohr, stand auf und öffnete die Ladeklappe. Dann hob er den Jungen hoch und half ihm auf die Ladefläche. Der Junge ging in die Hocke, um den Käfig zu inspizieren, in dem sich weiße Gänse drängten, dicht an dicht, sodass es aussah wie ein einziger weißer Federball, aus dem sich lange Hälse durch das Gitter reckten.
»Schwäne!«, rief der Junge entzückt. »Solche hab ich letztes Jahr auf einem See gesehen, im Urlaub mit Papa und Mama.«
Yu Ling korrigierte ihn nicht, sonst hätte der Junge sie bestimmt nach dem genauen Unterschied zwischen Schwänen und Gänsen gefragt, über den sie nichts zu sagen wusste. Schwäne kannte sie nur aus dem Fernsehen, wie sie majestätisch über herrliche Seen glitten, als hätten sie keine Füße.
»Hast du genug gesehen?«, fragte sie den Jungen.
»Können wir die mitnehmen?«
Yu Ling setzte ein strenges Gesicht auf. »Wenn wir Schwäne kaufen, gibt es keinen Ausflug. Deine Entscheidung.«
Der Junge ließ sich auf die Ladefläche plumpsen. »Dann kein Ausflug.«
»Wie du meinst. Dann fahren wir jetzt nach Hause.« Sie stapfte zum Auto zurück, aber der Mann packte sie am Arm. »Was soll das?«
»Wir fahren zurück, heute ist kein guter Tag für einen Ausflug.«
»Spinnst du?« Der Mann zog hastig an seiner Zigarette, warf die Kippe weg und rief dem Fahrer zu: »Wie viel?«
»Fünfhundert pro Stück.«
Der Mann riss die Augen auf. »Das ist ja glatter Raub.« Trotzdem zog er sein Smartphone hervor und überwies das Geld.
»Du kannst dir einen aussuchen, aber nur einen«, sagte er zu dem Jungen.
»Und was wird aus den anderen Schwänen?«
»Die gehen dorthin, wo sie hingehören«, sagte der Mann. »Jetzt mach schon, wir müssen weiter.«
Der Junge zog eine Schnute und sah zu Yu Ling. Auch der Mann sah Yu Ling an. Sie zögerte. »Wir haben nicht so viel Geld. Du kannst einen Schwan haben oder gar keinen. Du entscheidest.«
Der Junge gab nach, aber dann zerbrach er sich den Kopf, welchen er nehmen sollte. Die Gänse schliefen, nur auf der hinteren Seite des Käfigs war eine, die die pechschwarzen, glänzenden Augen aufriss. »Die da«, sagte der Junge. Als der Fahrer in den Käfig stieg, schlugen jedoch im Nu sämtliche Gänse die Augen auf und wichen schnatternd zurück. Der Fahrer griff sich eine heraus, aber der Junge bestand darauf, dass er die ganz hinten wollte, die er eben ausgesucht hatte. Seine Augen wanderten über den Käfig, von links nach rechts, von rechts nach links. Der Fahrer richtete sich genervt auf und wartete, die Hände in die Seiten gestemmt.
»Der da!« Der Junge deutete auf eine Gans und breitete die Arme aus, um sie in Empfang zu nehmen. Gleich darauf, als die großen Hände des Fahrers die Gans am Bauch packten, stieß das Tier einen entsetzlichen Schrei aus, und der Junge schlang die Arme um den Kopf, ging auf die Knie und rührte sich nicht vom Fleck, bis der Fahrer ihm die Gans reichte. Er hatte ihr mit einem Strick die Füße zusammengebunden.
»Kann sie nicht davonfliegen?«, fragte der Junge.
»Wenn sie könnte, wäre sie nicht da, wo sie ist«, sagte der Mann. »Ich habe Tante Yu gesagt, dass wir den Ausflug trotzdem machen, aber nur, wenn du aufhörst, Ärger zu machen. Verstanden?«
»Aber er kann fliegen. Ich habe schon Schwäne fliegen gesehen.«
Die Gans wurde sicher auf dem Rücksitz verstaut. Yu Ling stellte den Rucksack des Jungen zwischen ihn und die Gans und ermahnte ihn, bloß nicht die Hand nach ihr auszustrecken. »Pass auf, dass sie dich nicht beißt.«
Der Van setzte sich wieder in Bewegung, die Scheiben vibrierten, die Radioansagerin verlas weiter die Nachrichten. Wie ein Soldat im Hinterhalt ließ der Junge eine Hand unter den Rucksack gleiten, tastete sich in unbeobachteten Augenblicken vorsichtig in Richtung Gans und hielt wieder inne, um zu sehen, ob sie sich rührte.
Yu Lings Handy klingelte, und sie kramte es aus der Handtasche hervor. Es war der Hausherr. Etwas Unerwartetes sei vorgefallen, sagte er, als sie dranging, sie solle Kuan Kuan sofort nach Hause bringen. Dann legte er auf, ohne ihre Antwort abzuwarten.
»Was ist los?«, fragte der Mann.
Der Junge stand vom Rücksitz auf. »Ich will nicht nach Hause!«, schrie er.
»Setz dich hin!«, sagte Yu Ling.
Der Junge setzte sich, offenbar beruhigt, als er feststellte, dass der Van mit unverminderter Geschwindigkeit weiterfuhr. Seine Hand schlüpfte wieder unter den Rucksack und wagte sich vor, bis sie die Füße der Gans berührte.
Im Radio sagte die Sprecherin, dass eine Kaltfront Richtung Süden ziehe, in den nächsten Tagen erwarte man sinkende Temperaturen. Dann wurde es zwölf Uhr, Zeit für die aktuellen Nachrichten. Der Van verließ die Autobahn und bog zu einer Tankstelle ab.
Yu Ling öffnete die hintere Tür. »Geh mal rasch zum Klo«, sagte sie.
Der Junge warf einen Blick auf die Gans.
»Ich passe auf«, versprach Yu Ling. »Sie wird nicht abhauen.«
Der Junge sprang aus dem Wagen und marschierte in Richtung Toiletten, nicht ohne sich alle paar Schritte umzudrehen, als zöge ihn etwas magisch an, dann kam er wieder zurückgerannt.
»Jetzt weiß ich, was an diesem Auto anders ist!«, rief er stolz dem Mann zu, der ihm entgegenlief. »Es hat keine Nummernschilder!«
Ausdruckslos schritt der Mann an ihm vorbei. Yu Ling stand mit zurückgebogenem Kopf neben dem Wagen und trank gierig Wasser aus einer Flasche. Der Mann gesellte sich wieder zu ihr.
»Hast du dein Telefon ausgestellt?«, fragte er.
Sie nickte.
»Du musst die SIM-Karte wegwerfen.«
»Warte noch, bis wir die Mautstelle passiert haben.«
»Bist du immer noch unentschlossen?«
»Hör auf mit deinem Gequassel. Ich brauche einen Moment Ruhe.«
Der Van nahm die Auffahrt zur Autobahn. Die Straße stieg an, bis sie auf einer Höhe mit den Wipfeln der auf beiden Seiten stehenden Pappeln war. Die Baumkronen bogen sich im Wind, die Zweige öffneten und schlossen sich wieder. Der Himmel war grau geworden, die Sonne verbarg sich hinter einem Wolkenschleier.
Der Junge beugte sich vor und beobachtete die Erwachsenen auf den Vordersitzen. Vor wenigen Minuten hatte er sie wissen lassen, dass er hungrig war, aber niemand hatte ihm geantwortet. Es war sehr still im Wagen, selbst das Klirren der Fensterscheiben war kein Lärm mehr, sondern Teil der Stille geworden. Das Radio lief weiter, aber niemand hörte zu. Dann erstarb plötzlich die Musik, und die Stimme der Nachrichtensprecherin meldete sich.
»Laut Informationen der Staatlichen Aufsichtskommission für Disziplinarinspektion wird derzeit gegen den früheren Parteisekretär der Provinz Yunnan, Qin Xinwei, wegen des Verdachts auf schwere Vergehen ermittelt. Gegenwärtig wird er von der Kommission zu den Vorwürfen befragt. Qin, 1954 in Luoyang, Provinz Henan, geboren, war seit Februar 1971 werktätig. Er ist Parteimitglied und Doktor der Wirtschaftswissenschaften …«
»Das ist Opa!«, brüllte der Junge. »Mein Opa heißt Qin Xinwei!«
»Still!«, sagte Yu Ling. Sie drehte den Ton auf.
»Es handelt sich um die erste Ermittlung auf Provinzebene in diesem Jahr.«
»Was heißt Ermittlung?«, fragte der Junge.
Niemand antwortete.
Der Mann packte das Lenkrad mit beiden Händen und fuhr den Wagen so abrupt auf den Seitenstreifen, dass die Gans vom Sitz rutschte und panisch mit den Flügeln schlug. Der Junge wollte sie hochheben, und prompt schnappte sie mit dem Schnabel nach seiner Hand.
Schnell ließ der Junge die Hand in der Hosentasche verschwinden und fragte noch einmal: »Was ist eine Ermittlung?«
Nach kurzem Schweigen drehte Yu Ling sich zu ihm um. »Dein Opa ist zu einer Sitzung einberufen worden.« Sie erinnerte sich an die Worte des Lastwagenfahrers. »Ich glaube, mit den Reifen stimmt etwas nicht. Lass uns mal nachsehen.«
Sie und der Mann stiegen aus und trafen sich vor dem Wagen.
»Verdammte Scheiße«, sagte der Mann. »Alles wegen dir. Wir hätten es früher machen sollen. Jetzt haben wir den Salat.«
Yu Ling bemühte sich, unbesorgt zu klingen. »Ich habe ja gesagt, dass ich kein gutes Gefühl hatte. Heute war nicht der richtige Tag.«
»Es war nie der richtige Tag! Kapierst du’s denn nicht? Die Familie ist am Arsch.«
»Und wenn bei der Ermittlung nichts herauskommt? Wer weiß, ob er nicht am Ende nach Hause gehen kann, als wäre nichts gewesen.«
»Nach Hause gehen? Sag mal, guckst du nie Nachrichten? Der sitzt für den Rest seines Lebens im Knast. Und seine Tochter und ihr Mann werden garantiert in die Sache hineingezogen. Qin Wen ist ein Einzelkind, oder?«
Für Yu Ling klang das reichlich übertrieben. Was konnte Qin Xinwei schon verbrochen haben? Er hatte doch bestimmt niemanden umgebracht.
Der Junge sprang aus dem Wagen, ging neben den Vorderreifen in die Hocke und inspizierte sie gründlich. Dann lief er nach hinten.
Der Mann starrte ihm nach. »Ich rufe jetzt bei seinem Vater an.«
»Nicht heute. Die haben jetzt genug Sorgen.«
»Ihr Geld kommt von den einfachen Leuten, was ist schon dabei, wenn wir uns etwas davon zurückholen, hm?«
»Was ist schon dabei?«, echote der Junge, der gerade in einer Phase war, in der er gern die Sätze der Erwachsenen nachplapperte.
Yu Ling zog ihn zurück ins Auto und schob die Gans beiseite, um neben ihm auf der Rückbank zu sitzen. Durch das Fenster beobachtete sie den Mann, der sich unter einen Baum gestellt hatte, die eine Hand auf den Baumstamm gestützt, die andere hielt das Handy am Ohr. Das silbrige Plastikgehäuse glitzerte in der Sonne. Der Mann war kräftig gebaut, kurzer Hals, breite Schultern.
Er kam zurück zum Van und sagte, er habe versucht, Kuan Kuans Vater anzurufen, aber niemanden erreicht. Yu Ling solle es selbst versuchen. Wenn er drangehe, solle sie sagen, es habe auf der Straße einen Unfall gegeben, weshalb sie erst spät nach Hause kämen. Yu Ling setzte sich nach vorn auf den Beifahrersitz, legte die SIM-Karte wieder ein und rief an. Eine automatische Ansage teilte mit, der Angerufene sei vorübergehend nicht erreichbar.
»Rufst du meinen Papa an?«, fragte der Junge.
»Versuch’s bei der Mutter«, flüsterte der Mann.
Yu Ling rief die Nummer auf. Diesmal war die Stimme der Ansage weiblich: Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist nicht erreichbar. Sie legte das Handy weg.
Alles schwieg, bis auf das Radio. Wieder meldete sich die Sprecherin mit der Wettervorhersage.
»Ich will nicht nach Hause!«, rief der Junge von hinten.
Yu Ling schenkte ihm keine Beachtung. Sie wählte die Nummer von Dong, dem Fahrer des Hausherrn, aber auch sein Handy war ausgestellt. Schließlich versuchte sie es bei Hui. Es läutete, ohne dass jemand abnahm.
»Scheiße.« Der Mann lehnte sich im Sitz zurück, warf den Kopf in den Nacken und zerknüllte das leere Zigarettenpäckchen in der Hand. Er stieß ein kurzes, schnaubendes Lachen aus. »Im Grunde habe ich dich gerettet, dich hätten sie nämlich auch gleich mitgenommen.«
»Wer will Tante Yu mitnehmen?«, fragte der Junge.
Der Van setzte sich wieder in Gang und fuhr zur Erleichterung des Jungen in dieselbe Richtung weiter. Verstohlen zog er die Hand aus der Hosentasche und betrachtete die rote Bissspur am Finger. »Ich schimpf dich nicht«, wisperte er der Gans zu und steckte die Hand wieder in die Hosentasche. »Du hast bestimmt schlechte Laune.«
Der Van bog von der Autobahn auf eine holprige Landstraße ab, nicht mehr als eine unbefestigte Schotterpiste voller Schlaglöcher, die den Wagen und seine Insassen kräftig durchrüttelten. Die Gans schlug aufgeschreckt mit den Flügeln und zappelte so lange, bis sie wieder auf dem Boden landete. Als der Junge nach ihr griff, drehte sie den Kopf und sah ihn angriffslustig an. Der Junge hob abwehrend die Hände und gab auf.
»Haben wir uns verfahren?«, fragte er.
