0,99 €
Ein schöner Tag am Meer. Eine junge Frau will nur ein paar Fotos machen, doch ein unbedachter Schritt lässt sie ins Wasser stürzen. Ein schwarzer Schatten an der Wasseroberfläche ist das Letzte, was sie wahrnimmt, bevor sie das Bewusstsein verliert. Was dann folgt, sind Ereignisse, die sich mit menschlicher Logik allein nicht erklären lassen...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2019
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Viel schöner hätte der Tag nicht mehr werden können, jedenfalls nicht, wenn man das Wetter als Maßstab heranzog. Morgens war es noch grau gewesen, aber jetzt schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, der nur durch einzelne Schäfchenwolken aufgelockert wurde. Die leichten Wellen, die mit leisem Rauschen an den Strand plätscherten, ließen ab und an helle Lichtpunkte aufblitzen. Auf dem Wasser tanzten die kleinen, in leuchtenden Farben gestrichenen Boote der Fischer an ihren Ankertauen sanft auf und nieder. Ein idyllischer Anblick, wie gemacht, um sich an seinen Liebsten zu lehnen und sich romantischen Träumen hinzugeben.
Sie aber saß allein und ließ ihren Gedanken freien Lauf.
Hannahs dreiwöchiger Urlaub in Südamerika hatte nicht den Verlauf genommen, den sie sich gewünscht hatte. Die dauerhafte Nähe und die Begegnung mit der für beide völlig neuen Kultur Südamerikas hatten die Beziehung zu Daniel nicht etwa wie erhofft vertieft, sondern im Gegenteil vollständig ruiniert. Der letzte Streit war so heftig gewesen, dass Daniel in seiner Wut seinen Rückflug nach Deutschland um eine Woche vorgezogen hatte. Seine Freundin – oder besser Ex-Freundin, wie Hannah mit einer Spur Bitterkeit dachte – hatte er überhaupt nicht gefragt, sondern ihr nur morgens mitgeteilt, dass er jetzt ein Taxi zum Flughafen nehme. Sie war bestürzt gewesen, aber ihrerseits den Flug für teures Geld umzubuchen und ihm nachzureisen ließen weder ihr Budget noch ihr Stolz zu. Stattdessen hatte sie alle geplanten Touren ins Umland abgesagt, sich in einem noch billigeren Hostel einquartiert und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Sollte Daniel doch zu Hause alleine in seinem Saft schmoren und sich fragen, ob es ihr gut ging!
Fünf Tage waren so vergangen. Gestern hatte Hannah beschlossen, ihren Urlaub mit einem schönen Tag am Meer zu beenden. Und so hatte sie sich heute früh auf den Weg gemacht. Eine gute Dreiviertelstunde brauchte der Bus vom Hostel im Stadtzentrum Valdivias bis zur Endstation der Linie 20 in Niebla, wo sich Hannah eine Weile auf einer kleinen Feria aufgehalten und die Auslagen der Händler bewundert hatte. Von Niebla aus waren es vielleicht noch weitere zehn Minuten Fahrzeit mit dem Bus bis nach Los Molinos gewesen. Den ganzen restlichen Vormittag hatte sie in dem kleinen Ort an der chilenischen Küste verbracht. Sie hatte nach hübschen Fotomotiven gesucht und sie vor allem im Wechselspiel aus Licht und Schatten, Wolken und Himmel, Bergen und Wasser gefunden. Zum Mittagessen hatte sie einen großen Teil ihrer verbliebenen Pesos investiert und sich einen Teller frischer Meeresfrüchte gegönnt. Auf der Außenterrasse des Restaurants sitzend, genoss sie die frische Luft und den freien Blick über die Corral-Bucht, welche die Mündung des Río Valdivia in den Pazifik bildete. Sie fühlte sich so frei und entspannt wie schon lange nicht mehr.
Mittlerweile war es früher Nachmittag geworden, und Hannah überlegte, wie sie den Rest des Tages verbringen wollte. Sich in den Bus zu setzen und einfach nur zurück nach Valdivia zu fahren erschien ihr als die reinste Verschwendung. Ein Spaziergang würde einen guten Abschluss des Tages bieten. Hannahs Blick schweifte über den Strand und die Bucht. Ob man wohl dort entlang bis nach Niebla laufen konnte? Ein paar Felsen reichten anscheinend weit ins Meer hinein, aber die ließen sich bestimmt überwinden. Sie würde es auf einen Versuch ankommen lassen.
