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Sonntag hatte sich zehn Minuten Zeit gelassen, sein Büro zu räumen. Von globalen Prozessen war die Rede, von schmerzlichen Zwängen. Mit dem Aktenkoffer in der Hand driftet er durch die Stadt, steigt in einen Zug, lässt sich von seinem inneren Kompass auf die Insel führen, nach Usedom, Landschaft seiner Kindheit. In einer gemieteten Segeljacht möchte er am liebsten aus seinem Leben davontreiben. Unmerklich und im Takt der Wellen gleitet er aus der früheren Existenz, weg von den schwarzen Gedanken, überlässt sich dem Boot und der See, kämpft instinktiv um sein Leben und ahnt noch nicht, dass das Schiffchen seine Arche ist ...
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Seitenzahl: 538
Veröffentlichungsjahr: 2012
Matthias Wegehaupt
Schwarzes Schilf
Roman einer Reise
Matthias Wegehaupt, Schwarzes Schilf
Dieses Buch wurde durch den Deutschen Literaturfonds, Darmstadt,gefördert.
Mit einer Karte von von Pommern von Abraham Ortelius (1573)© Peter Palm
ISBN E-Pub 978-3-8412-0403-5ISBN PDF 978-3-8412-2403-3ISBN Printausgabe 978-3-351-03384-2
Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, März 2012© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, BerlinDie Originalausgabe erschien 2012 bei Aufbau, einer Marke derAufbau Verlag GmbH & Co. KG
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.
Umschlaggestaltung hißmann, heilmann, hamburg / Anna-Lena Witte
unter Verwendung einer Gouache aus der Serie »Schilf« von Matthias Wegehaupt
Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart
www.aufbau-verlag.de
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Innentitel
Inhaltsübersicht
Informationen zum Buch
Informationen zum Autor
Impressum
1. Freigesetzt
2. Spiegelungen
3. In der Halle
4. Zwei Fotos noch
5. Tempo 250
6. Hinauf
7. Rennen
8. Geschändete Bilder
9. Räume
10. Lauter fremde Orte
11. Die Gedanken flach halten
12. Ein Regionalzug
13. Fahrt in die Nacht
14. Sag ich doch!
15. Die Usedomer Bäderbahn
16. Wald und Ufer
17. Hinab zum Wasser
18. Saum des Meeres
19. Muschelschalen
20. Bezahlt wird bei der Abreise
21. Mieten Sie sich eine Jacht
22. Stagniess
23. Und alles erledigt sich
24. Paddeln und Treiben
25. Wind
26. In anderer Wirklichkeit
27. Ein Stern
28. Wer aber war Josefine Jodeck?
29. Die Schilfnacht und der Morgen
30. Pink, pink, pink
31. Papier
32. Nur ein Stück Holz
33. Doch ein neuer Tag
34. Das verschlossene Tor
35. Kaffeetrinken im Golfhotel Balm
36. Unbegreiflich
37. Einfach etwas waschen
38. Vertrieben von Sir Henry
39. Träume
40. Der Richtberg
41. Zwiebackkauen, das ging
42. Hinter dem Schilf
43. Lüttenort, die schmalste Stelle der Insel
44. Der Kontrollpunkt
45. Das Anwesen
46. Das Tabu
47. Der grosse Strand der Nackten
48. Nahe der Görmitz
49. Unter Deck
50. Netzelkow und der Peenestrom
51. Der Silberort Quilitz
52. Zwei Brücken
53. Blumen, Katzen, Kerzen
54. Gummlin, dat is man so
55. Hast du nicht zufällig ’ne Million bei dir?
56. Ort der Gespenster
57. Ein Holzkloben
58. Weiter
59. Kamminke und der Berg der Toten
60. Unerträgliche Geschichten
61. In die Wörter flüchten
62. Ein tiefer Hafen
63. Verwesungsgeruch
64. Ein kleiner Hafen zwischen alten Bäumen
65. Ein Feuer
66. Wie im Kieślowski-Film
67. Träumen
68. Der Blick an Sonntag vorbei
69. Engelsburg und Gotteshaus
70. Entsetzen
71. Shoppen
72. Unter einer Folie auf
73. Swinemünder Blumenhüte
74. Bunte Schmetterlinge
75. Der 300-Stufen-Schinkel-Turm
76. Schenkuje
77. Auf See
78. Strich zwischen Himmel
79. Der Hieb
80. Das hatte er doch gewollt!
81. Zwischen den zwei Ankern
82. Lichtgeäst und schwarze Wracks
83. Der Ruden, die Insel da draussen vor der Insel
84. Auf dem Turm
85. Diesmal die Frage nach einer Kalaschnikow
86. Am Ufer und im Hafen hinter der Kaimauer
87. Lauter vergnügte Ausflügler
88. Der Schnellboothafen von einst
89. Der riesengrosse grosse Pott
90. Alles im Eimer
91. Im Hafen Peenemünde
92. Verdammter Pappkarton!
93. Was seid ihr hier nur für Memmen!
94. Eis schlecken
95. Der weite Weg
96. Vorantreiben
97. Ein Museumsflur
98. Hinter dem Glaskasten
99. Abgase wartender Busse
100. Kant hinter Zäunen
101. Balustraden
102. Tönen von der Empore hinab
103. Sprüche
104. Nicht Pech und
105. Immer wieder das Messer
106. Würfeln im Hafen
107. Nachtgedanken
108. Zwei Männer in engem Raum
109. Sonntag, ein Schuldiger
110. Gerede wird zum Gespräch
111. Immer noch Worte unter Deck
112. Gedanken in der Enge
113. Verstummen machen
114. Trockene Luft
115. Ein Sprosser auch hier
116. Allein saufen is nix!
117. Beschriebene Blätter in fremder Hand
118. Manntje! Manntje! Timpete!
119. Der dritte Mann
120. Beschädigte Kerle
121. Die Nebelburg
122. Das Bild des Gezeichneten
123. Buchstaben
124. Traumzettel auf dem Sperrholztischchen
125. Der Morgen
126. Echo
127. Machandelboom
128. Das Bild unten auf dem Beton, über den schon …
129. Bombentrichterbiotope
130. Schritte
131. Eines schönen Tages befahl’n …
132. Gehen
133. Bockwürste
134. Schillernde Fliegen
135. Die Melodie
136. Hallender Donner
137. Kleine Boote leuchtend weiss
Hastige Schritte die Treppe hinab.
Nur zehn Minuten hatte er sich Zeit gelassen, seinen Platz zu räumen.
Nur zehn Minuten!
»Da wären noch eine ganze Reihe Urlaubstage offen«, hatte es geheißen.
Urlaubstage!
Um Urlaub war es ganz und gar nicht gegangen.
Von schwerwiegenden Entscheidungen war die Rede gewesen, von globalen Prozessen, die vor der Tür des Konzerns nicht haltgemacht hätten, von Einschnitten, von schmerzlichen Zwängen, von überraschenden Verwerfungen.
Worte. Der große Nebelvorhang.
Nun hetzte Sonntag die Straße hinab. Sonntag, der Mann, der draußen war, eilte am Hutgeschäft vorüber. Wieder kein einziger Kunde im Laden. Wovon leben die nur?, hatte er sich früher manchmal gefragt.
Vor der bunten Eiskonditorei flatterten erschrocken Tauben auf. Tauben, die sich von anderen Passanten nicht hatten stören lassen, suchten das Weite.
Sonntag, der lange Mann, der seinen Abschied bekommen hatte, kam die Straße hinab.
Hatte er wirklich gesagt »Schönen Tag noch!«?
Wörter, deren Sinn er nicht begriff, wirbelten um ihn herum. Schwindel, aber immer noch eilige Schritte. Schritte die Straße hinab. Plötzlich überflutete ihn bodenlose Gleichgültigkeit, Leere, die nur die Ankündigung von etwas Grässlichem sein konnte. Sonntag drehte sich, kippte gegen den Mast einer Straßenlaterne und umklammerte reglos das kalte Metall. Dort, wo die Straße über den Hügel kam, gegenüber von Park und Museum, blitzte böse das Glas der Konzernfiliale und tanzte mit im gespenstischen Reigen. Er kniff die Augenlider zusammen und versuchte, an den Park zu denken, in den er von der Treppe aus Tag für Tag hatte blicken können. Rasengrün und sommers wie winters eine schwarze liegende Skulptur Maillols. Aber auch dieses Bild wirbelte.
Sonntag, der lange Mann, der eine Straßenlaterne umarmte, riss die Augen auf, das Karussell kam langsam zur Ruhe. Sein Herz aber raste. Wortloses Glotzen Vorübergehender. Seine Hand löste sich vom Metall. Schritte machen. Es ging. Gehen, das ging. Gehen, das ging wieder. Gehen, das ging immer noch. Wieder eilte er voran. Entgegenkommende Leute winzig und stumm. Es schien, als hätten sie keine Wörter mehr für das, was sie hatten schreien wollen. Wieso schreien?
Wer flieht, kann nicht mehr denken. Er zwang sich, langsamer zu gehen, ganz bewusst langsamer. Die Füße gehorchten. Das Aktenköfferchen war immer noch bei ihm. Es hing an seiner rechten Hand. Es schien ein anderes Gewicht bekommen zu haben. Alle Dinge schienen ein anderes Gewicht bekommen zu haben.
Eine Woge hatte seine Welt überflutet. Wahrscheinlich wich man ihm aus. Er stieß mit niemandem zusammen.
Wieso ließ er das Aktenköfferchen nicht einfach davonschwimmen?
Er hatte dort oben noch geredet. Nun kamen eigene Worte vorüber. Ganze Sätze drifteten vorüber. Sätze, die tatsächlich gesprochen worden waren. Seine Sätze. Sein eigenes Lachen. Dabei war er doch stumm, denn nun hatte er niemandem mehr etwas zu sagen, niemandem Weisungen zu erteilen, niemandem etwas zu befehlen, nicht einmal sich selbst, denn er wusste nicht, wohin. Er trieb. Seine Füße aber gingen.
Die Straße schien ihre festgeschriebene Lage im Raum verloren zu haben. Nur das Köfferchen wusste, was sich gehört: Es hing herab. Es zog ihn hinab. Er musste rasche Schritte machen, damit er auf der Treppe nicht strauchelte. Straucheln ohne Gesträuch. Ein idiotischer Gedanke. Aus dem grellen Licht des Tages hinab unter die Erde. Hinab in den U-Bahnschacht, hinab in die Neonwelt. Hinab in die Zugluft fahrender Züge.
Ein schwarzer Gedanke folgte ihm.
Die Umweltkarte noch gültig. Fünf Stationen fahren. Der Wind, der ihm entgegenkam, war so heftig, als wollte er ihn aus der Welt blasen. Eine Frau mit Stöpseln in den Ohren bewegte unendlich fern und selbstverliebt rhythmisch die Hüften, nicht ihr Zug. Sonntag ließ sich von einem Abteil verschlucken.
Er jagte unter der Erde dahin. Er blickte aus dem Fenster, starrte in die Finsternis und sah die Spiegelung seines fremden Gesichts.
Erste Station. Die Lichter des Abteils mischten sich mit den Lichtern draußen. Die Leute auf dem Bahnsteig glitten durch Spiegelbilder. Spiegelnde Wagenfenster, spiegelnde Reklametafeln. Menschen traten durch imaginäre Wände. Blicke durch Menschen hindurch. Zerhackte Blicke hindurch durch Fenster fahrender Züge. Menschen zerrissen urplötzlich, um auf dem Bahnsteig unversehrt weiterzuwandeln. Sonntag sprang auf und musste sich zwingen, wieder Platz zu nehmen. Das war nun seine Aufgabe: Sitzen bleiben. Sitzen bleiben, das ging. Sitzen bleiben die Aufgabe. Immer hatte er eine Aufgabe gehabt.
Schräg gegenüber holte ein Assi aus seinem offenen Hemd ein Handy hervor. Der Kerl hielt sich das Telefon ans Ohr, als wäre er angerufen worden. »Verkaufen«, rief er wie ein Börsenmakler. »Sofort verkaufen!«
Ein paar Halbwüchsige im hinteren Teil des Wagens begannen im Takt mit Messern zu klappern. Das war wohl Musik. Sie kamen von Passagier zu Passagier. Vorneweg ein Kleiner mit einem Kaffeebecher aus Pappe in der Hand. Auch im Becher klapperte es. »Du haben Euro! Kleine Spende!« Dahinter die anderen mit ihren tönenden blitzenden Messern. Manche Leute ließen etwas in den Pappbecher fallen. Die Blicke einiger Fahrgäste aber waren gefährlich.
Sonntag starrte vor sich hin. Die Jugendlichen kamen heran und machten sich klappernd bemerkbar. Er sah sie mit offenen Augen an, ohne sie zu sehen. Die Burschen brachen die Sammelaktion ab. Sie klappten routiniert ihre Messer zusammen, ließen sie in den Hosentaschen verschwinden und verschwanden selbst beim nächsten Halt. An der Tür zwei junge blondierte Mädchen. Sie zeigten ihre alten schmuddligen Kinderbäuchlein. Sonntag hielt sein Köfferchen zwischen den Knien. Sonntag reglos. Die Türen schlossen sich. Die Mädchen blickten den Messerburschen nach. Gangster sind sexy.
Sonntag starrte durch sein Spiegelbild hindurch auf die von Lämpchen schwach erhellten Wände des U-Bahn-Tunnels. Kabel sprangen auf und nieder. Bleib sitzen, bleib sitzen, du fährst doch voran, bleib sitzen. Die große Verunsicherung hockte reglos neben ihm. Seine Station.
»Bleib sitzen!« Sprach das jemand hinter ihm? Sonntag hatte die Kraft nicht, sich umzublicken. Auch der Mann mit der roten Mütze da draußen und die schwarzen Buchstaben der Haltestelle blieben ohne seinen Blick und die Treppe da draußen ohne seine Schritte.
Fahr vorüber!
Er versuchte im Spiegeln der gläsernen Trennwand die Gestalt hinter sich zu erkennen. Aber da war niemand.
Der Hauptbahnhof, die Endstation. Die U-Bahn hatte sich geleert. Sie würde zurückfahren. Diese Gewissheit half ihm auf.
Kleine Schritte auf der breiten steinernen Treppe. Reklame an jeder Stufe. Immer gleiche Worte. Ausgestreckte Beine. Menschen, sitzend an die Wand gelehnt, hielten ihm Blechbüchsen entgegen. In den Blechbüchsen klapperte es. Überall klapperte es. Sonntag sah die ausgestreckten Beine, sah die schweigenden Hunde, nahm aber nichts von all dem wahr. Treppauf. Der Aktenkoffer hing brav an seiner Hand. Der Aktenkoffer wusste noch, was sich gehört.
Mit dem Aktenköfferchen in der Rechten driftete er einer elektronischen Anzeigetafel entgegen. Seitlich eines Blumenhäuschens strandete er. Ein Kiosk mitten in der Bahnhofshalle. Blumen. Blumen ohne Duft, bonbonfarben vor und hinter Glasscheiben. Blumen wie für ein Krematorium geschaffen.
Er kippte gegen die Kioskwand und krallte sich mit der Linken an einer Kante fest. Die Hand verkrampft. Er erwartete einen ähnlichen Anfall wie da draußen auf der Straße. Aber das rasende Drehen blieb aus.
Er sah sich angelehnt in der riesigen Halle stehen. Nach einer Weile zog der, den er da sah, ein Handy hervor. Der Mann wählte die Nummer des eigenen Festnetzanschlusses. Der AB meldete sich.
»Die Filiale hat es erwischt und mich auch«, sagte der Mann, der da lehnte, »wenn es kommt, kommt es dicke. Die lieben Hedgefonds lassen gleichfalls grüßen. Alles futsch. Ich muss für eine Weile allein sein!« Für eine Weile. Es gelang ihm nicht, bitter zu lächeln.
Lächeln, das ging nicht mehr. Der Mensch, der er selber war, schaltete das Handy ab und blickte hinauf zu den blinkenden Lichtern der Anzeigetafel. Städtenamen und Abfahrtszeiten. Lautlos wechselten Buchstaben und Ziffern. Was will ich noch?, fragte er sich. Er spürte keinerlei Schwindel, spürte aber das Unheil, das den Herrn, der dort lehnte, lauernd beobachtete.
Das Bühnenstück war zu Ende. Der Vorhang war gefallen. Das Licht ausgeschaltet, und der, der zu nichts mehr gebraucht wurde, lehnte erledigt an einem Blumenkiosk mitten in einer Bahnhofshalle.
Ringsherum eilige Leute. »Ihr werdet sehen, wozu ich fähig bin!«, flüsterte es plötzlich. War er das, der das sagte? Er riss den Mund auf, um diesen Satz in die verdammte Bahnhofshalle zu schreien. Kein Ton. Nein, er hatte niemandem etwas zuzurufen, und niemanden würde interessieren, wozu der Kerl, der da lehnte, fähig wäre. Man würde allenfalls denken: Noch ein Verrückter.
»Wollt ihr wissen, was wirklich gespielt wird?«, flüsterte er. Nein, niemand würde wissen wollen, was gespielt wird. Alle wollten weitermachen wie bisher. Immer so weitermachen, solange es irgendwie ging, weitermachen.
Sonntag blickte wieder zur Tafel hinauf. Städtenamen, Ziffern. Glotz nur, immer glotz nur, dachte er, das Hasardspiel hat alle Welt um den Verstand gebracht. Er krallte seine Linke fester in das Holz der Kioskkante.
Nein, diese Schwäche, diese unbekannte verächtliche Schwäche!
Die Bilder, die ihm kamen, aber waren seltsam sanft. Alte Ansichtskarten. Landschaften, Häuser und Orte trieben vorüber: die längst entsorgte Postkartensammlung seines Vaters. Sonntag schüttelte sich. Die Bilder verschwanden.
Menschen, vor Koffer gespannt, rollten mit ihrem Gepäck vorüber.
Trippelnde Hunde. Nirgendwo Anzeichen einer nahenden Katastrophe. Touristen sind es, dachte er. Touristen sind überall von der Wirklichkeit ausgeschlossen. Alle sind wir nur noch Touristen. Eine Dame mit üppigem Goldschmuck an faltigem Hals. Ein Kind mit zugeklebtem rechtem Auge, am Arm vorangezerrt. Ein junges Mädchen mit Nasenring. Details, die nichts mit ihm zu tun hatten.
Jugendliche, mit Bierflaschen und Fahnen in den Fäusten, rot-weiße Schals umgehängt, kamen grölend eine Treppe herab. Reisende gaben den Weg frei und drückten sich an die Wand. Die Floristin trat hinter ihren Blumen hervor. Sie stutzte, ermahnte ihn dann aber, sich, bitte schön, nicht an die Scheibe zu lehnen.
Sonntag antwortete nicht. Er sah sie nicht an. Er war das nicht, der da lehnte, und der da lehnte, wagte nicht, sich zu bewegen.
Als die Verkäuferin in ihrem Kiosk verschwunden war, versuchte er es doch. Es ging. Ja, gehen, das ging. Er war es, der da ging.
Er kam an Schaufenstern vorüber. Schaufenster mitten im Bahnhof.
Eine rote Parfümerie links. Wieder die Spieglung, die die Menschen zerschnitt. Irgendwo skandierten die Fußballfans Sprüche. Wortfetzen flatterten durch die Halle. Fetzen überall. Verkäuferinnen, rot-weiß gekleidet, passend zum Mobiliar hinter dem Fenster. Statt Pistolen steckten Schminkpinsel in Gürtelhalftern. Ich hätte mich beizeiten um eine Waffe kümmern müssen, dachte er. Bruchbuden, fünfstöckige Bruchbuden, habe ich stattdessen gekauft.
Eine einzige Makarow, neun Schuss, zu kaufen wäre besser gewesen. War doch alles zu haben 89, nicht nur Immobilien. Wieder blieb er stehen. Wieder schüttelte es ihn. Neben dem Eingang der Parfümerie stand ein Tisch mit bunten Überraschungstüten. Ein kleiner Junge packte blitzschnell zu, dann raste er durch das Gedränge mit seiner Beute davon.
Ein Geldautomat. Sonntag blieb stehen. Die Geheimzahl, eine Zahl aus der Welt der vergangenen Tage. Verwunderlich, dass der Kerl, der da stand, die Nummer noch wusste. Es funktionierte noch. Der Mann, der er selber war, verstaute Karte und Geld und trat in den Zeitungsshop. Das Geschrei der bunten Blätter konnte ihn nicht meinen. Er, der Herr dort, brauchte lediglich eine Plastetüte. Ringsherum die Nachrichten aus dem Promizoo. Ein Showmaster im Freudenhaus verreckt. Soll er doch! Pralle Busen auf Titelseiten. Kauft! Kauft auf Borg, gönnt euch alles. Verdammt noch mal, genießt! Nur darum geht es! Die Welt der Verführer.
Er im Geschrei. Es ist Krieg, dachte Sonntag. Leute, es ist ein Krieg, niemand aber bemerkt es! Nur die Eroberer wissen es.
Wusste er, was Krieg bedeutet? Nichts wusste er offenbar, und was er fühlte, begriff er nicht. Er sah, wie er sich, vom Lächeln der Politiker eingekreist, umsah.
Er griff zu einer Illustrierten und legte das Blatt mit dem Grinsen nach unten in seinen Korb. An den Zeitungsständern ringsherum lächelte es unbeeindruckt weiter.
Immer mehr Lächler warf er in sein Drahtkörbchen. Selbst eine russische Ausgabe war dabei, obwohl er des Russischen nicht mächtig war.
Plötzlich aber blieb er stehen. Ein fremder Blick hatte ihn getroffen. Dschingis Khan, der mächtige Eroberer, lächelte. Europas Entsetzen des 13. Jahrhunderts hinter einem Lächeln verborgen. Erst als es keine Beute mehr zu verteilen gab, war die Schreckensherrschaft zusammengebrochen. Nun aber hatte der Mongolenherrscher das glänzende Titelblatt eines Wirtschaftsmagazins erobert. »Dschingis Khan, der Vordenker der Globalisierung.« Der Eroberer, dem nur noch selbstgegebene Regeln galten, lächelte.
Sonntag warf das Magazin ins Körbchen und stellte den Korb auf den Kassentisch. Auch die Dame an der Kasse lächelte. Ein erfreulicher Kunde. Elf Zeitungen und drei Magazine im Körbchen.
Sonntag zog aus dem Bündel der Scheine einen Fünfziger. Die Dame lächelte angesichts des Scheinebündels noch herzlicher und reichte Sonntag Quittung, Wechselgeld und Plastiktüte. Land des Lächelns.
Von Piktogrammen geleitet, fand Sonntag am Südende der Bahnhofshalle bei den Schließfächern eine Box, in der ein Schlüssel steckte.
Er zögerte, dann aber klemmte er das Zeitschriftenbündel zwischen die Knie und schüttete den Inhalt des Aktenköfferchens in die Plastiktüte. Papiere, Stifte, Stimmungsaufheller, Wohnungsschlüssel. Alles Dinge, die ihm nicht mehr zugehörig schienen. Dinge einer Vergangenheit.
Aber nicht doch, Herr Sonntag, ich bitte Sie, was Sie erlebt haben, erleben täglich Tausende. Ihre Stressreaktion ist vorübergehender Natur und völlig normal. Gegen alle diese Nebenerscheinungen können wir eine ganze Menge tun!, würde sein Arzt heiter sagen, mit dem Gesicht zucken und ihm aufmunternd aufs Knie klopfen.
Nein, die Tabletten entsorgen. Schluss. Sonntag schob die Tüte ins Schließfach, schaltete das Handy aus, legte es nach kurzem Innehalten dazu und zog auch noch die Uhr vom Handgelenk. Er verschloss das Türchen. Fünf Euro in den Schlitz. Den Schlüssel abziehen. Vor Jahren wurden fünfzig Pfennig gefordert, erinnerte er sich. Er war lange nicht auf diesem Bahnhof gewesen.
Er steckte den Schlüssel in die Anzugtasche, sperrte die Zeitungslächler in die Finsternis seines Aktenkoffers und begab sich zurück zum Service Point. Service Point! Er stellte sich an. Unglaublich langsam kroch die Schlange im Reisezentrum voran. Service steht jedem zu. Ausnutzen, was zusteht, schien sich jeder zu sagen. Lässige Beinstellung derer, die an der Reihe waren. Stand- und Spielbein. Kein Blick zurück zu all den Wartenden.
Sonntag in der Warteschlange. Dort vorne musste er ankommen. Doch wieder ein Ziel. Schließlich hatte er einen Fahrschein in der Hand. Nun den Schließfachschlüssel entsorgen. Wieder eine Aufgabe.
Er begab sich auf den Bahnhofsvorplatz. Teilnahmslos beobachtete er sich. Draußen war immer noch der gleiche grelle Sommertag. Herumlungernde, Nach-unten-Durchgereichte, Penner in der Sonne.
Er suchte mit Blicken einen Gully, fand aber keinen. Vielleicht saß einer der biertrinkenden Tagediebe drauf. Zurück in die Halle.
Alle Dinge musterten ihn fremd und feindlich. Es schien so, als wüssten sie längst, dass auch er nicht mehr dazugehörte. Unruhe kam über ihn. Er verkroch sich hinter dem Vorhang eines Fotoautomaten. Bevor er Platz nahm, knöpfte er sich, ohne es zu bemerken, die beiden Jackettknöpfe auf. Er stellte das Aktenköfferchen zwischen seine Füße. Keinerlei Schwindel. Der hoffnungslose Mann im Spiegel sah ihn reglos an.
Würdest du diesen Herrn einstellen?, fragte er sich. Zwei Jahre USA, fünf Jahre Japan, gut und schön, was aber würde dieser Mann dem Konzern in fünf Jahren wert sein. Doch noch ein Foto machen. Für Bruchteile einer Sekunde in dieses Kabuff gehören. Sonntag schob die Rechte in die Tasche und fand das Wechselgeld vom Zeitungskauf. Während er die Münzen in den Schlitz steckte, beobachtete er sein Spiegelbild. Er kannte sich aus in Gesichtern. Er hatte über Jahre Menschen beurteilen müssen. Die Kleidung Markenqualität. Italienische Designerbrille. Kurzhaarschnitt, intelligent, offenbar vielseitig einsetzbar. Aber dieser Blick! Schwindel auf offener Straße? Danke, mein Herr, wir geben umgehend Bescheid.
Sonntag drückte auf den Auslöser. Hätte er eine der Zeitungen mit dem aktuellen Datum ins Bild halten sollen?
Jemand trat vor die Kabine und berührte den Vorhang. Sonntag nahm die beiden Fotos aus dem Automaten, erhob sich und ging hinaus. Er steckte die Fotos in die Tasche und spürte den Schließfachschlüssel. Vielleicht ist eine Nachricht auf der Mailbox. Nein, kein Wort mehr! Wieder ein Geldautomat. Wieder hob der, der da durch die Bahnhofshalle irrte und der er selber war, Geld ab. Er hantierte provozierend mit den Scheinen.
Niemand machte Anstalten, ihn mit diskret in die Seite gepresstem Messer um Herausgabe des Geldes zu bitten. Stoßt doch zu, ihr Idioten! Ich habe einen Batzen Bares in der Hand, aber jeder Bettler ist reicher, als ich es bin.
Nein, niemand war bereit, ihm vollends den Garaus zu machen.
Wieder begab er sich hinaus auf den Bahnhofsvorplatz, diesmal fand er einen Gully. Er ließ den Schlüssel fallen und schob ihn mit dem Fuß durch die Ritzen. Schlüssel fallen voraus. Er ging zurück in die Halle und trieb in ein kaffeebraun gefliestes Café. Die Treppen zu den Fernbahnsteigen nah.
Radiomusik. Regionale Nachrichten.
Ein von einem IC überfahrener Einbrecher hatte es in die Meldungen geschafft. Ein Fährtenhund hatte die Ermittler von der zerstückelten Leiche bis zu einem Supermarkt geführt. Ein scheppernder Geschirrwagen, von einer Blondine geschoben, löschte weitere Worte aus. Die Dame sammelte Tassen und Teller ein.
Im Radio plärrte nun ein geiles Frauenstimmchen. Bässe wummerten. Sonntag sah sich immer noch am Pressplattentischchen, das vorgab, ein Marmortischchen zu sein. Er trank Kaffee und wunderte sich, dass er nicht kotzen musste.
Die Tasse leer. Im separat erhöhten Nebenraum züngelten Feuer: Endlosvideos in großen Goldrahmen, durch Spiegel an gegenüberliegenden Wänden verdoppelt. Feuer, die nicht rauchten, Feuer, die nicht wärmten, Feuer, die kein Holz fraßen. Gäste in kalten Höllenfeuern.
Eine durchdringende Stimme schallte aus dem Höllenraum hinab: »Das dürfte kein Thema sein, 700 Euro pro Person.« So hoch der Preis?
Hinter dem Tresen Begrüßungsgelächter. Die Ablösung trudelte ein. Schichtbetrieb. Fröhlicher Abschied. Leute, die dazugehörten.
Sonntag ging hinaus. Er kam an einem Waffengeschäft vorüber. Schreckschusspistolen und Luftdruckgewehre frei. Spielkram konnte er nicht brauchen. Er stieg die Treppe zu den Bahnsteigen hinauf.
Trostlosigkeit wehte ihm auf dem Bahnsteig entgegen. Gelb gestrichene Menschensilhouetten. Eisern erstarrt die Mutter mit Koffer und Kind.
Als er den Kopf hob, sah er das riesige Reklameposter hinter den Gleisen. Von der Wand lächelte eine liegende Schöne. Das Lächeln als Beruf.
Tauben trippelten auf grauem Bahnsteigpflaster. Menschen krümeln. Immer mehr Tauben flatterten herab. Die schadhaften Schwanzfedern berührten den Boden. Schleifen im Staub. Er tat, als würden ihn Tauben interessieren. Aus der Trägerkonstruktion der Bahnsteigüberdachung spießten aus allen Waagerechten Drähte in die Höhe.
Hinter den Gleisen verendete ein Vogel. Immer wieder streckte sich ein Flügel. Wie eine Hand streckte sich der Flügel. Man hätte meinen können, das täte der Wind. Aber es war kein Wind.
Sonntag musste sich setzen. Metallkorbstühle, oval und gebogen. Er wäre fast vom Sitz gefallen, sein Hintern hatte eine ebene Fläche erwartet. Die Posterdame lächelte verächtlich.
Die Anzeigetafel veränderte zuckend ihre Angaben. Von den Buchstaben angelockt, näherte sich ein ICE, wählte das rechte Gleis und stand kurz darauf vor ihm. Sonntag fand seinen Wagen und fand seinen Platz.
Warum ein Fensterplatz? Wollte er nicht den Blicken dieser Stadt entkommen?
Der Zug setzte sich sanft in Bewegung. Sonntag reglos. Geschwindigkeit draußen. Wer Bahn fährt, hat ein Ziel. Tempo 250. Die roten Ziffern leuchteten, die 0 wurde rasch zur 6 und wieder zu einer 0.
Ringsherum Leute, plaudernd in blindem Vertrauen. Draußen die Nähe verschwommen, die Landschaft in der Ferne aber gestochen scharf. Der Zug lief so ruhig, dass Sonntag das Gefühl bekam, er würde sich nicht einmal verletzen, sollte er sich hinausstürzen.
Nein, die anderthalb Billionen sind nicht verbrannt. Sie waren nie da. Aber da waren Zocker, die das Geld, das nie da war, in richtiges Geld eingetauscht hatten. Auch in meins. Wieder drohte ihn die Panik zu packen. Gehen. Gehen, das ging auch im Zug.
Er stand plötzlich im Gang. Er begab sich zur Toilette, nicht zur nächsten, nein, zu einer vier Wagen weiter. Alles rennt zum Klo, seit man Unmengen Wasser säuft. Er aber hatte kein Wasser getrunken.
Er trat ein und versuchte vergeblich, zu kotzen. Er ging zurück und konnte sich wieder setzen. Fahren, sitzend fahren, das ging wieder. Er, ein Reisender. Ich bin ein Reisender, sagte er sich. Immer muss man irgendwas sein. Die Lichtreflexe vom Glas der Armbanduhren tanzten auf den Wänden des Großraumwagens. Sonnenflöhe. So etwas sah er. Hatte er früher nie gesehen. War auch unwichtig. Nichts auf dieser Welt war wichtig. Seine eigene Uhr ruhte im Schließfach in der Finsternis.
Draußen begleitete ein gieriger Drachen die rasende Fahrt. Hartnäckig blieb das Untier auf gleicher Höhe. Es musste über Zäune hüpfen, über Häuserwände gleiten, über Gewässer, Brückenpfeiler, Schallschutzwände huschen, es musste Sträucher und Bäume überspringen, aber es blieb nicht zurück. Es wartete auf seine Chance, den Aufprall, die Katastrophe. Irgendwann würde es dazu kommen. Noch aber sprang das Schattentier über die Reklametafeln neben den Bahnhöfen und die tristen Gemäuer dahinter, und der Herr Sonntag sah zu. Jemand hatte neben ihm Platz genommen. Nun war er eingezwängt. Platzkartenwagen.
Eine alte Dame räumte fortwährend den Tisch vor sich auf. Kekse, Trinkbecher, Flasche, Zeitung. Zeitung, Flasche, Trinkbecher, Kekse. Sonntag konstatierte, dass die Alte von einem Herrn unverwandt beobachtet wurde. Der Sohn wahrscheinlich. Der Sohnemann entdeckte Kekskrümel an ihrem Mund. Er kommandierte: »Hildrun, ein Taschentuch!« Die Frau neben ihm wischte der Alten den Mund ab. Und wieder das beobachtende lauernde Schweigen. Kekse, Trinkbecher, Flasche, Zeitung. Auch andere werden verrückt, dachte Sonntag.
Der Zug verlangsamte sein Tempo, als wäre er vom Schattendrachen da draußen müde gehetzt worden. Ein Bahnhof. Leute stiegen aus. Sonntag sah auf einer Backsteinwand ein weißes Zeichen. Oder waren es schwarze Zeichen, die ein weißes Geviert zu einem Buchstaben machten? Hatte er jemals einzelne Buchstaben angesehen? Der Buchstabe blickte ihn an, und Sonntag kam sich selbst vor wie ein Buchstabe, der aus einem Text gefallen war.
Jemand berührte ihn an der Schulter. Der Zug fuhr bereits. Fahrkartenkontrolle.
Eine Mutter mit drei Kindern kam in den Großraumwagen. Die Kinder begannen Verstecken und Erschrecken zu spielen. »Aber nicht bescheißen!«, kreischte das Mädchen. Die Kinder schienen sich in den Verstecken zwischen den Sitzbänken selbst in Polster, Sitze, Armlehnen oder Bankbeine zu verwandeln. Entdeckt, stürzten sie mit einem Schrei zurück in die Wirklichkeit. Erschreckende Erweckung. Selbst der Entdecker schrie angesichts der Rückverwandlung. Niemand beneidete die Frau, die wie ein ausgemergeltes wachsames Muttertier auf ihrem Platz saß.
Sonntag eingezwängt, obwohl viele Plätze frei waren.
»Mama, dir fallen doch immer Spiele ein, es wird langweilig!«, eine schrille Stimme.
Ein anderer Zug hielt auf dem Gleis nebenan. Eine Frau ganz dicht hinter den Scheiben. Blicke. Der Zug fuhr weiter. Sonntag wandte sich ab. Aber es war der andere Zug, der losgefahren war. Vor den Fenstern seines Zuges, hinter schallisolierendem Glas, standen noch Menschen, die mit dürftigen Gesten von Reisenden im Inneren des Zuges Abschied nahmen. Sie quälten einander im Warten. Sie warteten auf den erlösenden Pfiff.
Jetzt fuhr der Zug an. Eingesperrt nach einem Klicken. Sonntag schloss die Augen, als könnte er schlafen. Erst nach einer Weile blickte er wieder hinaus.
Auf einem braunen Tümpel lagen Schatten von Bäumen. Irgendwann, irgendwo ragte ein Fernsehturm in den Himmel. Der Turm schien sich von seinem Fundament zu lösen und nach vorn zu neigen, als wäre er drauf und dran, über den eilenden Zug hinwegzuschweben. Eine Frau telefonierte. »Was, ein Personenunfall? Das kann Stunden dauern. Polizei, Staatsanwalt, Krankenwagen. Alles muss aufgenommen werden. Fahr zurück nach Koblenz und nimm die andere Strecke.« Auf endlos weitem Feld ein einsam staubaufwirbelnder Traktor. Wogende Vogelschwärme.
Ein kleines Kind, eine rot-gelbe Papierkrone auf dem Kopf, rannte im Großraumwaggon grinsend auf und ab. Die Krone rutschte über die Augen. Das Kind, blind, blieb stehen. Es tappte zum Vater. Der Vater rückte die Krone zurecht.
Ein chinesisches Mädchen mit einem Geigenkasten auf dem Rücken kam den Gang entlang. Das gekrönte Kind trommelte mit Patschhändchen an die Scheibe und rief unentwegt: »BURGER KING, BURGER KING!« Dann lief es wieder zwischen den Sitzen auf und ab. Sonntag las auf der Krone BURGER KING. Ein anderes Kind ahmte Schüsse nach. »Feuer!«, schrie es. »Feuer!«
Als Sonntag aus dem Fenster blickte, sah er eine Kleingartenanlage. Ein hoher Apfelbaum mit abgesägten Ästen huschte vorüber. An einen letzten Stumpf hatte jemand eine Stange genagelt. An der Stange flatterte die deutsche Fahne.
»Aber ich habe gewonnen«, rief ein Kind.
»Ich verliere gern«, antwortete die Mutter und packte das Spiel ein.
Die Reisenden erhoben sich, zerrten Taschen und Koffer von den Gepäckablagen und setzten die Taschen und die Koffer auf deren winzige Kunststoffrädchen.
Sonntag blickte reglos auf eine zurückgelassene Zeitung. Worte, rot wie Blut. Ereignisse auf einen Blickfang reduziert. Seine Augen fielen immer noch darauf herein. Vorgegaukelte Eindeutigkeit. »Endstation!«, sagte eine Dame. Sie sah ihn an.
Er erhob sich. Er zog das Aktenköfferchen von der Gepäckablage. Im Stich gelassene Zeitungen schrien ihre Nachrichten ins Leere. »ICH HABE OTTO ZUM MANN GEMACHT!«
Sonntag in der Schlange.
»EIN SCHLÄFER SCHLÄGT ZU – ÜBER 50 TOTE!« Die Menschenschlange kroch Richtung Ausgang. Menschen vor den Scheiben, überall Menschen, alle wollen sie gebraucht werden, aber man braucht sie nicht mehr, er spürte es. Geld spielt am liebsten nur noch mit Geld.
Er taumelte. Jemand hatte ihn angestoßen. Wir versinken, wenn wir nicht vorangehen, dachte er. So einfach ist das.
HAUPTBAHNHOF, große schwarze Buchstaben vor den Abteilfenstern.
Im Menschenstrom graue Säulenbündel, die ein gewaltiges Glasdach trugen. Bunte Schilder hingen herab wie flache Früchte. Weiße Züge hüben und drüben und überall die rollenden Koffer. Ein Rollen in der Luft. Stimmen von irgendwoher. Im Raster verborgene Verwirrung.
Von Ziel zu Ziel voran ins Nirgendwo. Zwischenziele auf Fahrscheine gedruckt. Ein Mann, der sich als Reisender ausgab, leuchtete mit einer Taschenlampe scheu in Abfallboxen. Sonntag sah es und wurde auf eine der Rolltreppen geschoben. Höher und höher ging es. Wollte er von oben das ameisenhafte Strömen von Menschen sehen? Nichts wollte er sehen. Vor ihm, hinter dem Abgrund, die große gläserne Wand. In der Wand ganz ganz unten gläserne Türen.
In gläsernen Buchsen bewegten sich Aufzüge wie riesige Kolben. Es schien, als sollten Menschen nicht befördert, sondern zerstampft werden. Sonntag abseits am Geländer. Er blickte hinab. Wartete er auf das Taumeln, das ihn packen und hinabwerfen würde? Eine Uhr gegenüber. Er beobachtete die Zeiger. War das immer noch die Zeit, in der er bisher existiert hatte? Vor ihm die Tiefe. Eine geschwungene Bahnsteigkante unten. Bring’s hinter dich. Der Schwerpunkt seines Körpers schien sich immer weiter nach oben zu bewegen. Er spürte, dass sich die Füße vom Boden lösten.
Eine Frauenstimme unmittelbar neben seinem Ohr. Sie nannte einen fremden Namen und verfügte, dass Herr Düsterblach sich … Sonntag trat vom Geländer zurück. Habe ich diesen Namen, dass ich gehorche? Er sah, die Säule war perforiert: eine Lautsprechersäule.
Langsam fuhr er eine Rolltreppe hinab. Menschen im warmen lockenden Licht der Geschäfte eine Etage tiefer. Der Bahnhof ein riesiges Kaufhaus. Frauen mit freizügigen Dekolletés bedienten. Händler an den Ufern des Menschenstroms.
Hüfthohe Scheiben vor Abgründen. Moslemmädchen kamen auf einer Rolltreppe heraufgefahren. Schwarze Tücher bedeckten Hals und Haar. Ein schmächtiger Bewacher bei ihnen. Sonntag wandte sich ab. Er wurde hinab und hinaus ins Freie gespült. Die Gitter des gläsernen Dachs waren nicht mehr über ihm.
Grelle Sonne, er aber trieb in fahlem, totem Licht dahin. Kofferrollen links und rechts. Unheimliches monotones Grollen.
Wartende Taxis, wartende Fahrradrikschas. Rikschas auf sanft ansteigendem asphaltiertem Platz. Rikschas in Deutschland.
Ein Vogel glitt an der gläsernen Front hinab. Gescheitert an blau gespiegeltem Himmel.
Ampeln. Kein Kofferrollen mehr. Geruch von Wasser. Schwarzes Wasser glitzernd in der Stadt. Hinter dem steinernen Flussufer das Kanzleramt. Es schien aus menschenleeren unbewohnbaren Räumen zu bestehen. Sonntag sah sich gehen. Wohin ging er? Nein, das war nicht mehr er. Er hatte immer gewusst, wohin.
Ein Herr trat dem, der da ging, in den Weg, schob ihm einen ausgebreiteten Stadtplan entgegen und fragte in gebrochenem Deutsch nach der Bismarckstraße. Unwillig schob Sonntag das Papier beiseite. Unter dem Plan war eine dritte Hand. »Sorry«, sagte der Fremde und wandte sich in gelassener Würde ab. Die Brieftasche, Ausweis, Scheinebündel, Fahrkarte, alles noch da. Sonntag wunderte sich. Er wunderte sich, dass seine Finger das überprüften. Nicht er, die Finger prüften. Eine Fußgängerbrücke unter ihm. Ganz unten das Wasser.
Ein Tönen unter den Brückenbohlen. Flugplatzansagen, aber kein Flugplatz. Glockenklänge, aber keine Kirche. Vogelgesang, aber nur ein paar mit Abfall beschäftigte Spatzen. Seine Hand glitt am Geländer entlang. Eine Klanginstallation offenbar. Wer erträgt in dieser Welt noch die Stille?
Unter der Brücke hindurch rauschten Ausflugsschiffe.
Schäumendes Schraubenwasser. Eisenleitern, die irgendwann einmal gelb gewesen waren, stiegen an steinernen Ufern senkrecht aus der Spree.
Sonntag blieb am Geländer stehen. Die Papageienstimmen der Bootsführer, die den Fahrgästen die Bauten erklärten, flatterten an seinen Ohren vorüber. »Venedig, Amsterdam und Stockholm haben zusammen weniger Brücken als Berlin …«
Sonntag ging weiter, ging immer weiter. Gehen, das ging.
Das Bundeskanzleramt rechts. Arme Frau, dachte Sonntag ohne Mitgefühl, nun hast du sicher begriffen, das Spiel wird ganz woanders gespielt, und dort zerplatzen gerade all die Superblasen. Mächtig hat es geknallt. Jetzt bin ich taub.
Er sah die Bäume auf den Säulen hinter den Gittern, und es kam ihm so vor, als wäre das Kanzleramt bereits eine weiße Ruine in der Realität nach dem großen Borgen.
Zwischen den Säulen als Überdachung ein Segel.
So klein ist das Fell, das denen, die noch Steuern zahlen, über die Ohren gezogen wurde? Zynismus konnte ihn auch nicht retten.
Verkralltes rostiges Eisen. Er kannte das Kunstwerk. Nun war es ihm neu. Sind das die Hände Ersaufender oder die Krallen des deutschen Adlers, den man entsorgt und verbuddelt hat?
Nein, Zynismus konnte ihm nicht mehr helfen.
Gegenüber schlängelte sich eine lange Menschenschlange die Reichstagstreppe hinauf. Die Schlange verschwand im Portal, aber hoch oben in der gläsernen Kuppel zeigte sie ihren Kopf. Offenbar beäugte sie all die fröhlichen Menschen unten auf den weiten grünen Flächen.
Sonntag sah sich um. Woher nehmen diese Leute ihre Heiterkeit?
Er betrat das grüne Spielfeld, hatte aber nicht vor, mitzuspielen. Das war vorbei. Er setzte sich dem Kanzleramt gegenüber ins kurzgeschorene Gras. Das Aktenköfferchen stand neben ihm.
MIR IST ELEND, ICH BIN AM ENDE, DENN ICH BIN EINER VON DENEN, DIE NICHT ENTKOMMEN KÖNNEN. IHR ABER SPIELT IMMER NOCH DAS TÖRICHTE SPIEL: DEUTSCHLAND, GROSSES REICHES LAND! IHR VERSTECKT DIE WAHRHEIT HINTER SCHULDEN UND LIEFERT UNS NAHENDEN KATASTROPHEN AUS. BASTA.
Kann man das auf ein Transparent schreiben? Sonntag erhob sich.
Menschen, über deren Schultern gelbe mit Worten bedruckte Plastefolien hingen, kamen ihm entgegen. Reklame für Adidas. Irgendwelche Medaillen baumelten an Hälsen. Medaillen fürs Mitmachen.
Ich habe auch mitgemacht, dachte er erbittert.
Aufbrandender Applaus. Von Zuschauern durch Seile getrennt, rannten Sportler vorüber. Klatschen, rufen, rennen. Rennen durchs Brandenburger Tor.
Hier hatte sich vor gar nicht langer Zeit die Sehnsucht an einer Mauer zu Tode gestoßen, hier marschierten im Januar 33 die Uniformierten mit Fackeln in den Fäusten unter der Quadriga hindurch, und Hitler winkte als Sieger von einem Balkon. Diese Läufer aber rannten Richtung Siegessäule.
Sonntag trieb in anderer Richtung. Gespannte Seile. Werbeposter an Fassaden. Ganze Häuserwände verdeckt. Edles Grau, edles Schwarz. Die Haare der Damen blond. Zwanzig Meter hohe Verkündigung: So sieht ein Mensch aus, der dazugehört. Fassaden der Täuschung. Kaufe, und du bist so.
Sonntag irrte immer noch herum. Andere rannten. Nachzügler, angetrieben von ermunterndem Beifall, schleppten sich vorwärts. Manche hoben grüßend die Arme. Kopierte Siegergesten. Sonntag ging. Innehalten schien ihm unerträglich. Seine Beine hatten eine Aufgabe. Sie gingen. Sie durften noch tüchtig sein. Die ja. Und das Aktenköfferchen, auch das hatte eine Aufgabe. Es hing herab und verbarg fremdes Lächeln in der Finsternis.
Jemand blickte ihn an. Es waren die Augen des Kaufmanns Gisze.
Holbeins Gemälde in ein riesengroßes Werbeposter verwandelt. Die filigranen Blumen in der gläsernen Vase waren mit weiß wuchernden Schimmelpilzen überpinselt: ALTE BLUMEN GEHÖREN IN DIE BIOTONNE. Mit freundlicher Unterstützung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin.
Ja, wir sind allesamt verrückt geworden, dachte Sonntag.
Aus einem Durchgang dröhnte das Rollen leerer Mülltonnen wie der Donner eines Gewitters, und in der Mitte der Straße ritt Friedrich der Große Richtung Fernsehturm.
Honecker hat ihn wieder dort hingestellt. Das ZK träumte wohl von einem neuen Preußen. Vielleicht wäre das Deutschlands letzte Chance gewesen.
Der Sockel des Standbildes von einem eisernen Zäunchen umgeben. Die preußischen Tugenden in Bronze dahinter.
Von der anderen Straßenseite blickte marmorweiß Wilhelm von Humboldt herüber.
Sonntag ging über eine Brücke. Eine Frau saß da und spielte Schifferklavier. Sinnlose Dudelei und ein geöffneter Akkordeonkasten, der Almosen schlucken wollte. Voraus eine riesige Containerhalle weiß und babyblau vor leerem Platz: TEMPORÄRE KUNSTHALLE. Im Hintergrund eine Betonruine. Fast schien es, als hätte man den Türmen des World Trade Center ein Denkmal gesetzt. Schwarze Löcher in senkrechten Flächen, Ausgänge in Abgründe. Reste des Palastes der Republik. Der Beton, von der Hitze der Schneidbrenner, die Eisen amputiert hatten, fleckig geschwärzt.
Auf der Kugel des Fernsehturms blitzte das Kreuz.
Irgendwo Glockengeläut. Eine Kirche rief. Er war nicht gemeint. Er überquerte eine vielspurige Straße, aber niemand war bereit, ihn zu überrollen.
Platanen. Die Rinde fleckig wie die Tarnanzüge von Soldaten. Russentouristen fotografierten einander vor dem Marx-Engels-Denkmal. Sonntag blieb stehen. Auch die beiden sind draußen. Stalin, Pol Pot und Mao. Massenmörder lassen herzlich grüßen.
Zwei kleine Jungs kletterten auf die blankgewetzten goldglänzenden Knie von Marx und setzten sich auf die goldenen Handrücken. Ungerührt glotzten die bärtigen Gespenster ins Weite. Die Mutter der Kinder schaute telefonierend zu. Die rechte Hand am Ohr, die linke flatterte im Rhythmus der Worte.
Weitergehen, Sonntag.
Ein Mann in Rotarmistenuniform bot am Straßenrand Fellmützen, Uniformstücke, Abzeichen, Feldflaschen und Feldstecher feil. Militärplunder ausgebreitet auf einem Klapptisch. Der Mann stumm. Der Mund mit einem Pflaster verklebt. Er stempelte Passanten sowjetische Dokumentensiegel auf die Handflächen.
Lautloser Widerhall der grausigen Schlacht im zertrümmerten Berlin. Die letzten Verteidiger der Reichskanzlei Freiwillige der französischen Waffen-SS. 33. Division Charlemagne. Plötzlich dieser Gedanke. Undeutliche Bilder in der Totenstille der Vergangenheit. Riesige Trümmerberge, die nicht zu sprengende Flaktürme verbargen, wuchsen empor.
Das Pochen ausgemergelter, schuftender Frauen erfüllte plötzlich die Luft. Steine putzen. Arbeiten, arbeiten, schindern oder vollends untergehen. Längst verwehte Geräusche wurden zu Wahnsinnslärm. Sonntag presste die Hände an die Ohren.
Reglos stand er auf einer Brücke. Das Geräusch der Steineklopfer wurde leiser und erlosch. Er hielt sich fest. Autos glitten an ihm vorüber. Ein Straßenschild: Schlossplatz. Schlossplatz ohne Schloss. Die düsteren Fahrstuhlschächte von Erichs Lampenladen hinter dem Zaun. Sonntag sah das alles. Der Schwindel war nicht über ihn gekommen.
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