Schwätzen und Schlachten - Verena Roßbacher - E-Book

Schwätzen und Schlachten E-Book

Verena Roßbacher

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Beschreibung

»Roßbacher glänzt mit intellektuellem Anspruch und Sinn für Komik« Die Presse Ihr Debüt war ein Paukenschlag: Verlangen nach Drachen hob sich »als buntschillernder Exot aus dem Grau deutschsprachiger Erstlinge hervor« (SZ) – dank glänzender Adaption des altwienerischen Tons, skurriler Figuren, hanebüchener Handlung und derb-komischer Sprache. Schwätzen und Schlachten treibt das alles auf die Spitze.Diesmal also Berlin, diesmal drei junge Helden, ein Mordfall und ein Versagen auf ganzer Linie. Dazu eine Erzählerin, die Teil des Geschehens ist und sich nach Kräften bemüht, den Überblick zu behalten, ein Kaffeehaus im Prenzlauer Berg, in dem in einem fort geredet wird, während Mehlspeisen verzehrt werden, ein Hausmusiktrio, jede Menge Ungereimtheiten und ein Muster aus Raute, Fliege, Sechseck, Fünfeck, Zehneck, das den Schlüssel zu allem bilden könnte, wenn … Ja, wenn Stanjic, der Österreichflüchtling, Glaser, der Mann aus den neuen Medien, und von Sydow, der sich nach den Frauen verzehrt, ohne je eine zu bekommen, sich nur ein bisschen besser als Detektive eigneten – und eins und eins zusammengezählt hätten. Verena Roßbacher erschafft einen ganz eigenen Kosmos, in dem ihre monomanischen Figuren darum ringen, ihre Sicht der Dinge mit der allgemeinen Verfasstheit der Welt zusammenzubringen. Voller Komik, Skurrilität und Lust an der zielführenden Abschweifung wird hier erzählt, und etwas Großes entsteht: der Diskurs- und Gesellschaftsroman unserer Zeit! Ein Lesevergnügen, das dem Leser die Augen öffnet und übergehen lässt.

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Seitenzahl: 942

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhalt

TitelWidmung1. Wenn der Bär kommt2. Stichwort: autobiografisches Schreiben3. Es geht auch um Österreich4. Schon wieder ein Berlin-Roman5. Die Zukunft gehört den Neuen Medien6. Ein bisschen Geometrie schadet nie7. Adam und Eva8. Mein Lektor und ich9. Frauen10. Es sind alles Schwätzer11. Die Natur12. Die Deutsch-Französische Freundschaft13. Dies ist auch ein Buch über Menschen in Lebenskrisen14. Die Sache mit der Auskunft15. Meine Zwickmühle16. Der erste Film17. Die Schweiz ist ein kleines, aber wichtiges Land18. Probleme mit dem Personal19. Alkohol, Teufelszeug20. Jetzt aber: der erste Film!21. Astronauten22. Der Osten ist immer gleich um die Ecke23. Endlich geht es um Liebe24. Schweizer Erinnerungen25. Die Nachbarin26. Das neue Konzept27. Ein Wort zum Trabant28. Schlachten – darum geht es29. Simon, der Mörder30. Astrologie ist besser als ihr Ruf31. David, der Schussel32. Nein, David hat einfach eine gute Nase33. Die Angst vor den Walküren34. Ein Wort zum Klopapier35. Familientreffen sind schön36. Die Natur hupft nicht37. Kaffee ist alle38. Ein kleiner Exkurs zum Christentum39. Manchmal ist das Schicksal zum Greifen nah40. Üble Folgen der Laktoseintoleranz41. Es gibt auch so was wie moralische Integrität42. Wo sind eigentlich die ganzen Kugelstoßerinnen aus der DDR?43. Auch die Telekommunikation wird erörtert44. Das ist schwer verdächtig45. Wo fängt der Balkan an?46. Was die Welt dringend braucht: den Lektorenroman47. Reizthema Sexismus48. Von Männern und Plauzen49. Müssen wir wirklich so viel Auto fahren?50. Ein heimlicher Besuch51. Noch kurz zum Multitasking52. Die beiliegende Fahrradkarte53. Das gefährliche Paris-Syndrom54. Die Probe55. Was vorher geschah56. Lassen Sie die Finger von Büchern, in denen geträumt wird57. Noch ist nicht Weihnachten58. Olaf ist Pragmatiker59. Israel ist ein heißes Land60. Der Auftritt des Schnösels61. Der Detektive Mühen62. Was hat eigentlich Siebeck damit zu tun?63. Manchmal möchte man weit weg sein64. Der längste freie Fall eines Österreichers65. Hier wird auch mal geprobt66. Hier wird wirklich mal geprobt67. Na also68. Frederik kann echt viel essen69. Kunst ist ein weites Feld70. Der Analytiker-Axel71. Es bleibt mysteriös72. Im Süden ist es schön73. Katharina ist eine interessante Frau74. Bin ich nur eine Episode?75. Ortsansässige Kunstschaffende76. Sie wollen zum Alex und wissen aber nicht, wo der wohnt?77. System ist alles78. Gedichte sind richtig wichtig79. Man will die Mark zurück80. Drogen sind auch keine Lösung81. Sags mit Träumen82. Die anale Phase83. Immer der Nase nach84. Die alte Frage: Was war zuerst, das Ei oder der Schlumpf?85. Eine schöne Landpartie86. Begann alles in Las Vegas?87. Väter sind schwierig88. Wir müssen über Goethe reden89. David Stanjic ist ein wilder Tiger90. Was hat Fabian damit zu tun?91. Ich sollte wirklich den Verlag wechseln92. Im Wald ist immer fix was los93. Auf dem Hühnerhof94. David geht auf dem Zahnfleisch95. Ein Brot mit Hackepeter – ein Omen?96. Die Causa Fritzl97. Endlich: ein Rezept zum Nachkochen98. Buchen Sie doch mal einen Nähkurs!99. Wer nackig ist, kann nichts mehr ausziehen100. Die Firmengründung101. Die Wahrheit über seine Mutter102. Holzhacken ist gesund103. Das Herz wird überschätzt104. Vitamin-B-Mangel – wie man ihm begegnet105. Der Onkel – Österreich holt uns ein106. Ein schöner Tag107. Auch der Golf hat seine Tücken108. Vielleicht endet Frederik als Gulaschsuppe109. Frau von Sydow ist in Wahrheit eine Außerirdische110. Ein Pferd namens Anneliese111. Ist Simon ein eiskalter Pokerspieler?112. Ein Heiland ist geboren113. Das Augenlicht meiner Oma114. David ist kein Cineast115. Schon mal von König Leonidas gehört? Ich auch nicht116. Danke, Olaf117. Boccia ist auch ein Sport118. Alkohol hat auch seine positiven Seiten119. Ein eleganter literarischer Trick120. Olaf hats nicht so mit der Eleganz. Oder mit der Literatur121. Die Muskatellertraube wird ein gutes Buch122. Waren Sie an der Informationsveranstaltung?123. Mantra-Singen hilft auch bei Lektoren124. Gott sei Dank gibts Dr. Huhn!125. Warum wir mehr Gedichte schreiben sollten126. Wollen Sie ein Buch über schwierige Beziehungen?127. Das Verhör128. Wir machen alles falsch129. Nichts ist schlimmer als Heimweh130. Der Arsch mit Ohren131. Der letzte Film132. Was spricht der Magier?133. Spielen Sie öfter mal mit Ihrer Schwimmnudel134. Jetzt säuft der Kahn endgültig ab!135. Mit den Waffeln einer Frau136. Tüten wirs ein137. Noch ein Wort zum Konjunktiv138. Meine wahre Identität139. Genug geschwätztBuchAutorImpressum

Widmung

1. Wenn der Bär kommt

Da wurde einer umgebracht, was an sich schon blöd genug ist.

Und es war nicht so, dass sich irgendeiner von ihnen als Detektiv geeignet hätte.

Aber was heißt denn Detektiv! Das ist ein großes Wort und sicher ein spannender Beruf, jeder, der dabei an schöne Frauen, vielfältige Starkgetränke und alles in allem an harte Jungs denkt, hat vermutlich eine Menge Bücher gelesen, bloß mit Sicherheit die falschen.

Stanjic konnte wohl trinken, bloß wurde er davon so enervierend rührselig und so grässlich weinerlich, schlecht, wenn es gilt, wichtige Spuren zu sichern und ausgefuchste Mörder zu stellen.

Glaser hatte es eher mit Früchtetee, das darf man sowieso keinem erzählen, und Sydow hätte immer schon gerne eine Frau und hatte nie eine.

Jungs, das ja, aber hart? Sie waren einfach drei Jungs und es war eher so, dass sie in die Kalamitäten mehr oder weniger ungeschickt hineintaperten.

Wenn sie eins und eins zusammengezählt hätten, wäre alles anders gekommen, aber im Rechnen waren sie auch noch nie gut. Früchtetee und Sentimentalitäten, keine Frauen weit und breit und im Rechnen eine Niete, Sie sagen: Das fängt ja gut an! Hören Sie: Verglichen mit mir gehts Ihnen prima, ich muss immerhin hier Rede und Antwort stehen.

Hier wird jemand umgebracht werden und alles, was ich habe, sind drei softe Jungs, die im schlimmsten Fall sogar stricken können, jede Fußspur vertrampeln und hinter Scotch lediglich einen probaten Kalkentferner vermuten, irgendwas Wirksames für die Toilette.

Aber was solls, wenn der Bär kommt, grab dir ein Loch, leg dich hinein und stinke. Alte Jägerweisheit.

2. Stichwort: autobiografisches Schreiben

Noch kurz zu meiner Person. Sie fragen sich sicherlich, wie ich dazu komme, Ihnen diese unselige Geschichte auseinanderzusetzen. Ich stieß tatsächlich erst sehr spät dazu. Ich war damals eingeladen, Weihnachten auf einem Gutshof in Mecklenburg zu verbringen, ich bin über sieben Ecken mit Sydows Großmutter verwandt. Wies der Teufel will, traf ich dort auch auf David Stanjic – ich kannte ihn bereits wegen einer ganz anderen Geschichte, die sich vor ein paar Jahren zutrug –, und die Sache begann mich zu interessieren.

Am 26.12.2012 überschlugen sich die Ereignisse, einer war mausetot und es folgte ein informeller Nachmittag, der der allgemeinen Aufklärung dienen sollte. Mich persönlich machte er allerdings nicht gerade klüger.

Zurück in Berlin hatte ich erst mal anderes zu tun und vergaß die Angelegenheit – bis ich hörte, Wolfram Siebeck koche neuerdings im Tante. Ich dachte, ich könnte einen Bericht darüber als Anlass nehmen, bei Oma Sydow vorbeizuschauen und bei der Gelegenheit auch etwas ausführlicher mit David zu plaudern. So kam eines zum anderen, ich recherchierte, kratzte da und dort die Einzelheiten zusammen, bis ich überblicken konnte, in was für eine verfahrene und umständliche Groteske sie alle geraten waren. Ganz nebenbei geriet ich dabei selbst in, wie soll ich sagen, gewisse amouröse Verwicklungen, aber keine Sorge: Im demütigen Dienst der allgemeinen Aufklärung bin ich absolut nicht korrumpierbar.

Nebenbei erwähnte ich dann die Sache beim Kaffee gegenüber meinem Lektor und er meinte, das sei doch was, ein Mord und gleich drei Hochzeiten, das klinge doch nach einem tollen Buch.

Insgeheim bezweifelte ich das. Meine diversen Einwände wischte er vom Tisch.

Persönliche amouröse Verwicklungen?, wiederholte er gut gelaunt, dann nimm für Mathias doch ein Pseudonym! Er grübelte kurz, blätterte fahrig durch eine herumliegende Fernsehzeitschrift und blieb beim Samstagabendprogramm hängen, die Robin-Hood-Verfilmung mit Russel Crowe. Crowe?, meinte er angetan, wie wärs mit Russel Crowe?

Also bitte, sagte ich, ich kann doch nicht in Berlin einen Russel rüber zu Bolle schicken zum Einkaufen, wie sieht das denn aus.

Er durchforstete die Liste der Nebendarsteller, Max von Sydow, rief er begeistert, das klingt doch ganz ausgezeichnet!

Max, sagte ich entsetzt, geht gar nicht, das verzeiht Mathias mir nie!

Frederik, sagte er abschließend und klappte die Zeitschrift zu, Frederik von Sydow ist ein prima Name.

Also meinetwegen.

Ich wäre im Übrigen, fügte ich missmutig hinzu, aber gar nicht selbst dabei gewesen.

Ach was, rief er, ich solle mir, meinte er, während er dem Kellner um die Rechnung winkte, ein bisschen Mühe geben, mit ein wenig Fantasie und Einfühlungsvermögen würde ich das Ding schon schaukeln.

Und wie rede ich von ihnen?, rief ich ihm hinterher, er eilte schon gewichtig zum Ausgang, Vor- oder Nachnamen?

Nachnamen natürlich, sagte er, schon in der Tür, er tippte irgendwas in sein Blackberry, das wirkt professioneller. Vor allem, er hob kurz den Kopf und deutete mit diesem monströsen Taschenrechner auf mich, vor allem angesichts deiner eigenen amourösen Verwicklungen, da gilt es, äußerst korrekt zu sein.

Ja, sagte ich.

Und vergiss das Wichtigste nicht.

Ja?

Kapitelüberschriften.

Kapitelüberschriften?

Enorm wichtig, in den Kapitelüberschriften fasst du logisch zusammen, worum es in dem folgenden Kapitel geht. Ein lieber Leser weiß dann jeweils, was ihn erwartet, und kann zur Not mal was überblättern.

Verstehe.

Frohes Schaffen!, rief er mir noch zu, weg war er.

So viel dazu.

3. Es geht auch um Österreich

Es würde also einen Mord geben. Es gab Indizien, die ihn ankündigten.

Nicht ganz unwichtig in der Profession des Detektivs ist natürlich seine eigene Gewissheit darüber, dass er einer ist. Leute klingeln ihn an oder besuchen ihn in seinem schäbigen Büro. (Sie sehen: Ich lese die falschen Bücher.) Sie klagen ihm ihr Leid und der Detektiv legt los. Oder aber, der Detektiv stößt rein zufällig auf ein kriminelles Problem, beispielsweise im Urlaub. Luftkurend in den Schweizer Bergen oder schnorchelnd im indischen Ozean gerät er in irgendeinen tödlichen Schlamassel und wird ihn lösen, wenn’s sein muss in Gamaschen oder einem knappen Badehöschen. Schwieriger wird es, wo einer kein Detektiv ist, Böses geschieht und der, der kein Detektiv ist, es nicht ahnt, vielmehr vielleicht denkt: interessante Sache hier, oder: spannend.

So ungefähr lag der Sachverhalt. Sie fanden diesen Text, und Worte sind harmlos, dachten sie, dabei kann alles Gedachte, Gesagte, getan werden, es kann jedes Wort so ungeheuer fleischlich werden und gefährlich.

Aber das kam später. Vorerst dachten sie noch: interessante Sache hier, irgendwie spannend. Wenn überhaupt. Sydow fand es nicht mal witzig.

Es war also nicht so, dass einer von ihnen sich als Detektiv geeignet hätte, aber ganz grundsätzlich: Man könnte sich fragen, wofür sich irgendeiner von ihnen überhaupt eignete. Sie machten zusammen Musik, aber na ja. Bis anhin die üblichen Verdächtigen, Mozart, Schumann und Freunde und alles, was sich auf Größe eines Trios zusammenstauchen ließ, ein bisschen fiedeln und tröten, alles in allem krauchten sie um die traurige Tatsache Hausmusik, bis Simon Glaser diese neue Idee hatte, eine super Idee, sagte er begeistert, ja, geht so, sagten die anderen.

Sonst? Wenig Erbauliches. Glaser trank diesen Früchtetee, fand Heizen mit Holz wichtig und war an den Stadtrand gezogen, als wär das schon ein Programm. Er machte in Kunst oder Neuen Medien, wenn er einem was erklärte, befiel einen augenblicklich eine Art Blackout und der dringende Impuls, sich vom Acker zu machen. Kann sein, es lag an den Erklärungen oder an ihm, kann sein, an der Kunst an sich, den Neuen Medien.

Womit er sein Geld verdiente, war im Großen und Ganzen undurchsichtig, irgendwas mit Film.

Was, Film, sagte Sydow, er fand das zu undurchsichtig.

Na, so Filme eben, sagte Stanjic, komisches Zeug.

Und wo spielt er so was?

Keine Ahnung, Vereinslokalen, öffentlichen Toiletten.

Vereinslokalen?

Türkische Vereinslokale zum Beispiel, da rennt eh den ganzen Tag der Fernseher und die Sachen von ihm sind immer in Endlosschleife, das ist genau das richtige Format.

In Endlosschleife? Warum?

Weil man sie sonst nicht versteht.

Sagt wer.

Sagt Simon.

Und die Türken, was sagen die?

Keine Ahnung, sind doch Türken. Aber wenn ich Türkisch könnte, würd ich sagen, sie sagen: Das ist also dieses Deutschland. Schlimm.

Verstehe. Und du?

Ich verstehe sie auch so nicht.

So viel dazu. Stanjic hatte damit so seine Erfahrungen. Nicht, weil er ein Vereinsjockel wär, er kam nicht mal aus der Türkei. Stanjic kam aus Österreich, er war ein Österreichflüchtling, aus Österreich geflüchtet, wie andere Leute aus Krisengebieten flohen, er fand, Österreich war in der Krise und die Welt schaute nicht hin.

Gott sei Dank hatte er diesen Quatsch hinter sich, diese latente selbstzufriedene Unzufriedenheit, die engstirnige Besserwisserei, dieses im Grunde durch und durch marode und malade System, manchmal sagte er Quark anstatt Topfen, nur so vor sich hin, er sagte Postbote anstatt Briefträger und wartete auf den echauffierten Aufschrei, das genäselte Aufheulen seiner ehemaligen Mitbürger, Österreich aber war weit weg, Krisengebiete sind immer so angenehm weit weg.

Das Interessante daran war: Sagte einer in Deutschland Marille statt Aprikose und die Milch geht über, fanden das alle sympathisch und irgendwie exotisch, umgekehrt, sagte Stanjic zu Sydow, umgekehrt kann ich dir da nur abraten.

Ich fahre sowieso nie nach Österreich, sagte Sydow.

Ist auch besser so, was soll man in Krisengebieten auch groß ausrichten, außer man ist von Amnesty oder von der Caritas, die könnten in Österreich vielleicht noch was reißen. Vielleicht. Aber ich meine theoretisch. Sagen wir, du würdest dorthin verschleppt, von Männern mit Damenstrumpfhosen über dem Kopf, in einem verdunkelten Bus nach Österreich gekarrt, vor dem Dom aus dem Auto geworfen, und stehst jetzt in Wien auf dem Stephansplatz und suchst, beispielsweise, nach einem Bäcker. Die lange Fahrt, das schwere Los der Verschleppten, die Ungewissheit unter den Strumpfhosen, dieses Österreich an sich, die Angst hat dich innerlich aufgezehrt, du hast einen Bärenhunger. Du fragst einen dahergelaufenen Ureinwohner: Wo bitte kann ich hier ein paar Schrippen kaufen, und denkst hoffnungsvoll: Vielleicht hilft mir der Exotenbonus, Schrippen, denkst du, sie werden hören, ich komme aus Berlin, ich bin hier fremd und einsam, ich vermisse die Schrippe, die Bulette und Kaffe statt Kaffee, der Österreicher wird mich zum Frühstück einladen. Weit gefehlt. Hohn und Spott wirst du ernten, Bosheit und Stinkerei. Der Österreicher wird dich nicht nur nicht zum Frühstück einladen, er wird dich immer und konsequent in die falsche Richtung schicken, immer dahin, wo in tausend Jahren nie ein Bäcker auftaucht. Fahre nicht nach Österreich. Auch nicht theoretisch.

Ist gut. Gott sei Dank ist dir die Flucht gelungen.

Ja, die Krise hatte mich schon fest in der Mangel. Aber ich bin dem Land entwischt.

Das war natürlich nur die halbe Wahrheit.

Ach was, sagte Sydow, es hat mit der Wahrheit rein gar nichts zu tun, es hat mit Österreich nichts zu tun.

Dieses Land ist ein Debakel, sagte Stanjic gern.

Kann schon sein, erwiderte Sydow, bloß ist dein eigenes Debakel ganz und gar privater Natur, es heißt Klara und macht auf Dauer, dass dir das Land zu eng wurde. Nicht weil das Land so klein wär oder Klara so dick, mehr so innerlich.

Stanjic war, kurzum, eine feige Socke, in Österreich war die Krise und er rannte davon, setzte sich ab und tat, als wär er ein politischer Mensch. Dabei:

Der Österreicher, sagte Sydow abschließend, ist an sich kein politischer Mensch, beim Österreicher ist immer alles privat. Es heißt Klara oder Topfen statt Quark und betrifft den Österreicher immer höchstpersönlich.

4. Schon wieder ein Berlin-Roman

Stanjic hatte die ersten Wochen im Berliner Exil damit zugebracht, sich zu verlaufen, er ging konsequent in die falsche Richtung, stieg stur in die verkehrte U-Bahn und fand den Bus nicht. Dann kaufte er sich ein Auto, damit wurde es nicht besser, aber er saß dann immerhin immer im Trockenen.

Schade war –

Schade ist, pflegte Sydow gerne zu sagen, dass es die Mauer nicht mehr gibt. Du hättest spätestens dort jeweils gemerkt, dass es Zeit ist, umzukehren.

Stimmt, sagte Stanjic, schade. Er fuhr neuerdings Lunchpakete aus, auch ein Job. Man lernt da, sagte er, die verschiedensten Menschen –

Jaja. Sydow hielt entweder nichts von Menschen oder davon, dass sie alle verschieden waren, er mochte die Sandwichs nicht oder was, jedenfalls fand er, das sei zwar auch ein Job, aber ein schlechter.

Aber zurück zu den Filmen. Sie hatten David Stanjics Zutrauen in die Neuen Medien nicht gerade gestärkt, aber natürlich war er von Österreich her ein gebranntes Kind.

Die Österreicher machtens im Film wie in allem anderen auch, entweder ganz richtig oder grundsätzlich falsch, vornehmlich, sagte Stanjic, vornehmlich natürlich Zweiteres.

Man sah dann Österreicher in Filmen wahlweise in ihrer Selbstzufriedenheit oder in ihrer Unzufriedenheit, man sah sie in ihrer Brutalität wüten oder in ihrer Dumpfheit dräuen, man sah sie in ihrer ganzen tragischen Tristesse dahinmarodieren oder ihren maladen Geist balsamieren und fragte sich, wozu das alles noch auf Filme bannen und in Kinos zeigen, ist die Realität nicht schon grausig genug?

Doch, fand Stanjic. Darum, sagte er sich, schau ich mir ein bisschen diese Filme an vom Glaser, ärger kanns nicht werden.

5. Die Zukunft gehört den Neuen Medien

Wenn er einen der Filme schaute, verstand er ihn nicht. Sie ließen ihn in tiefer, ratloser Kontemplation zurück, wiewohl er sie sich jeweils mehrfach zu Gemüte führte, sie waren, wie gesagt, vorsorglich für eher beschränktere Persönlichkeiten wie ihn, immer in Endlosschleife.

Wollten ihm die Filme irgendwas sagen? Was? Wollten sie ihm nichts sagen? Warum nicht? Trotzdem, er hatte das diffuse Gefühl, ab einer gewissen Menge geschauter Filme womöglich irgendeinen geheimen Zusammenhang aufzudecken. Er dachte sich den Effekt in etwa so, wie wenn man durch diverse Zimmer stöbert, von jedem Bett die Decke zieht und hofft, dass was darunter ist.

Stanjic dachte zum Beispiel: eine nackte schöne Frau. Oder – na ja. Er dachte im Grunde nur: eine nackte schöne Frau. Was sollte man sonst in einem Bett Interessantes finden. Aber das fände er sehr interessant. Er fände es geradezu inspirierend. Bisher hatte er aber nichts dergleichen entdeckt, auch in den Filmen spielten bedrückend wenig nackte Frauen mit, es waren wohl eher symbolische Filme, bloß verstand er die Symbole nicht. Gut möglich, dass eins der Symbole eine nackte schöne Frau symbolisierte, aber er wusste nicht, welches. Vielleicht hätte er sonst mächtig viel Spaß gehabt beim Filmeschauen.

Vielleicht aber auch nicht. Er war eher nicht so für Symbolik. Er mochte nackte schöne Frauen, er mochte, dass sie nackt waren, er mochte ihre Schönheit. Er war, dachte er bei sich, ein ganz schlichter Charakter.

6. Ein bisschen Geometrie schadet nie

Im Nachhinein war mir natürlich klar, was der hinterhältige Zusammenhang war, der diese Filme miteinander verband.

Ich kann sagen, alles wäre anders gekommen, hätten sie zwei und zwei zusammengezählt und all die kleinen Steinchen gedeutet, die die Zukunft schon auf ihren Weg gestreut hat. Und hier liegt genau der Hund begraben: Wir werden erst auf Seite 278 wissen, was es genau damit auf sich hat, aber so viel möchte ich Ihnen schon mal verraten: Es ist kein Stein. Es ist eine kleine Kachel. Es gibt genau fünf Formen in verschiedenen Farben und mit zusätzlichen Linien darauf, die sich verbinden, sobald man ein Muster legt. Die Kacheln haben einprägsame Namen: Raute, Fliege, Sechseck, Fünfeck, Zehneck. Verstehen Sie? Sie können, wenn Ihnen das zu abstrakt sein sollte, sich ein paar entsprechende Bildtafeln ansehen, beispielsweise im Darb-i-Imam-Schrein im Iran kann man diese Fliesenkunst sehr schön betrachten. Sie können sich aber auch das Cover meiner Verlagskollegin Eva Menasse anschauen, praktischerweise hat sie eines dieser Muster zur Vorbereitung auf mein Buch in ihrem aktuellen Werk Quasikristalle zur Verwendung gebracht.

Wir werden uns noch eingehender mit diesem System beschäftigen, im Moment dazu nur so viel: Es ist ein Muster. Und alles, was ich hier so umständlich darlege, ist ein weiteres Stück, das wir brauchen werden, um das Gesamtbild zu erkennen. Ich habe der Einfachheit halber pro Fliese ein Kapitel veranschlagt, mein Lektor hielt das für übersichtlicher. Sie könnten also, wenn Sie ein Freund der plastischen Anschauung sind und gerne basteln, die einzelnen Kapitel aus dem Buch schneiden und sie sodann in Ihrem Wohnzimmer auslegen – Sie können aber genauso gut faul darauf warten, dass David Stanjic den Job für Sie erledigt, sicher haben Sie Wichtigeres zu tun, ganz im Gegensatz zu ihm.

Ich saß am Ende mit einem gewaltigen Haufen an Material da und habe alles Unnötige aussortiert, ich schwöre.

Es geht immer noch ungeheuer weitschweifig zu und her, aber: Alles ist wichtig, ich versuche einfach, diesem komplexen und verdrehten Fall irgendwie Herr zu werden. Hören Sie? Stünde auf dem Buch, das Sie gerade erwartungsfroh in Händen halten, etwa: Krimi oder: Polizeiroman, so wären Sie in beständiger Habachthaltung, Sie hörten die Flöhe husten und vermuteten hinter jedem meiner Worte einen sensationellen Hinweis auf das Gesamtgeschehen. Und zu Recht. Sie hätten einen erprobten Ermittler, Sie vertrauten auf Sherlock oder Guido, auf Philip und Jules, Sie wähnten sich in der angenehmen Sicherheit, dass diese Leute einfach vom Fach sind, gut, hin und wieder scheinen sie die Sache zu versemmeln, aber das täuscht. Sie sind ausgekocht, in ihrem scharfen Geist rattert und fuhrwerkt es beständig, auch wenn man das von außen nicht unbedingt erkennen mag.

Hier verhält sich die Sache leider etwas anders. Weil, und das ist der springende Punkt: Lange ahnte keiner von unseren Freunden, dass die gefährliche Handlung schon längst ihren Lauf genommen hatte, noch wusste niemand, dass der Kreis sich immer enger zog. Noch war nichts passiert.

7. Adam und Eva

Wo also beginnen? Ich denke, ich nehme einen heiteren Tag im Sommer 2012. Es war das erste Mal, dass David Stanjic die Uetliberg-Episode erwähnte. Für alles, was davor war, habe ich mir vorgenommen, ein paar elegante Rückblenden einzubauen. Eigentlich nämlich beginnt die Geschichte viel früher, nämlich 2003, bloß sagt mein Lektor, ich solle nicht bei Adam und Eva anfangen, sondern knackig mit einer Liebesszene beginnen, das käme immer gut.

Aber Adam und Eva, sagte ich, das ist doch eine Liebes-

Ach was, sagte er, das Thema ist doch abgefrühstückt.

Von mir aus.

Apropos Astronauten, sagte Stanjic darum einmal, es war hoher Mittag und es gab Rindfleisch und Polenta.

Wieso apropos, Sydow blickte von seinem Teller auf, schaute sich stirnrunzelnd um und angelte sich einen Pfefferstreuer vom Nebentisch.

Sie saßen im Visite-ma-tante, was natürlich lustig gemeint war, visite ma tente, eine harmlose Aufforderung aus der Zeit der französischen Besatzung, ihre exquisite Pfadfinderkunst zu begutachten, mit der die Soldaten versuchten, die deutschen Mädchen in ihr Lager zu locken.

Das ist etymologisch höchst umstritten, behauptete Sydow.

Papperlapapp, sagte seine Oma, ich habs am eigenen Leib erlebt.

Zur Zeit der französischen Besatzung. Sagte Sydow. Im 19. Jahrhundert. Ja?

Werd nicht frech, sagte seine Oma.

Papperlapapp sagt heute übrigens kein Mensch mehr, sagte er.

Als ich –

Ja, weiß schon, im 19. Jahrhundert, als du ein junges Mädchen warst und von französischen Soldaten unter windigen Versprechungen ins Iglu gebeten wurdest, hast du gesagt, Papperlapapp –

Unsinn. Ja, habe ich gesagt, ich zelte für mein Leben gern. Sonst wärst du heute überhaupt nicht hier, sondern würdest noch –

Mit den Mücken fliegen, sagte Sydow.

Genau, sagte Frau Sydow, mit den Mücken. Im Übrigen habe ich dort –

Den besten Milchkaffee deines Lebens getrunken, sagte er.

Richtig.

Dein Großvater, Sydow verfiel in ihren leicht getragenen Tonfall, war ein sehr romantischer Mann.

Das war er wirklich, Frederik, wir haben in späteren Jahren noch oft ein Zelt aufgestellt in unserem Garten und manchmal hat er gesagt –

Omi! So was erzählt man doch nicht seinem Enkel, so was wirft mich, psychoanalytisch gesehen, wieder um Jahre zurück.

Ich denke, warf Stanjic ein, du bist so psychophob.

So auch wieder nicht.

Im Übrigen, sagte Stanjic, ein paar Jahre auf oder ab macht bei dir, psychoanalytisch gesehen, das Kraut nicht fett. Immerhin kriegst du dann deine Zehnerkarte schneller voll, ein Jahr gratis.

Das war auch wieder wahr.

Wie auch immer, sie saßen im Visite-ma-tante, was natürlich lustig gemeint war, visite ma tente, Tante, besuch mein Zelt, meine Tante, verstehen Sie? Lustig, oder?

Geht so, murmelte Sydow, er fand so was offen gestanden nicht mal witzig. Jedenfalls gehörte das Café seiner Oma, sie fand so was richtig lustig, Omas eben, sie war schon auch eine Tante, aber eben nicht seine.

Ich habe, sagte Sydow, kein Wort von einem Astronauten gesagt. Er tunkte eine Gabel voll Polenta in die Soße und begann wieder zu essen. Schön übrigens, dass man dich auch mal wieder sieht, du hast ein paar Proben vergeigt, ist dir das klar?

Ja, weiß ich, mir ist da was –

Weißt du, das mit dem Verlaufen zieht langsam nicht mehr.

Ich habe mich auch nicht verlaufen, das ist eine merkwürdige Sache, wollte ich dir eben erzählen, es geht um Simon und –

Simon geht mir auch auf den Zeiger, kaum, dass du wieder serviert wirst, fehlt der Glaser, hat das irgendeinen geheimen Zusammenhang?

Das ist gar nicht so verkehrt, darüber wollte ich ja gerade mit dir –

Später vielleicht, mir fällt da nämlich was anderes ein, sagte Sydow, jetzt, wo dus sagst, apropos Astronauten, das war folgendermaßen.

Wie gesagt, was sie richtig gut konnten, war das weit Ausholen und das Ausführlichwerden, die Hausmusik, na ja, wenn sies freut, aber um die enormen Umwege, um überhaupt irgendwo zu Potte zu kommen, kommt man, so man sich ihnen an die Fersen heftet, nicht herum.

Wiewohl, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Art des Fortkommens, sich schlussendlich immer alles fügt, es sind gewaltige Schlenker, das ja, sinnlos oder gar ohne Zusammenhang mit dem eigentlichen Geschehen, das hier berichtet werden soll, sind sie mitnichten.

Es waren drei Jungs und hart waren sie nicht, aber zäh, auf eine eigentümlich verdrehte Art. Die Letzten werden die Ersten sein und wer zuletzt kommt, ist auch da, das wären so Sentenzen, die sie sich, wenn ihnen mal der Schneid ausgehen sollte, unverdrossen zuriefen. Bloß geht denen nie der Schneid aus.

Apropos, sagte Sydow also, Astronauten.

Es war an einem Abend nämlich folgendermaßen gewesen:

Ich habe die Tür hinter mir zugezogen –

8. Mein Lektor und ich

Nein, sagte mein Lektor.

Was nein.

In der Perspektive kommst du bei der Szene nicht weit, Überraschung, Witz, Schönheit – kann man dann alles den Hasen geben.

Den Hasen?

Und jetzt schreibst du alles um und machst auf personalen Erzähler, wie gehabt.

Aber Frederik erzählt es doch dem Stanjic.

Für dich immer noch Sydow. Ja und?

Er raffte seine Papiere zusammen und winkte dem Taxichauffeur draußen durch die Scheibe des Cafés hinweg zu, er hatte es eilig, Termine, berühmte Autoren, die seiner harrten, er ist ein viel beschäftigter Mensch. Machst du eben, rief er im Hinausgehen, ein neues Kapitel und here we go!

Verstehen Sie, dass ich manchmal unendlich müde bin?

Sydow hatte die Tür hinter sich zugezogen, seine Brille beschlug, eine flotte Impression von Nebel über Feldern, fette Erdschollen im Zwielicht, der Dunst, der über den Wiesen hängt, wenn der Morgen leise davontrappelt. Er wartete, bis es wieder aufklarte, die Äcker verblassten und die Felder sich an den Rand der Stadt zurückzogen, er wartete, bis es aufklarte und es nur eine Brille war, die beschlug, und die Stadt, die er kannte.

Das Visite-ma-tante war proppenvoll, das war keine Neuigkeit. Kleine Cafés sind, sobald sie voll sind, immer proppenvoll, es war ein sehr kleines Café. Wenn sehr kleine Cafés proppenvoll sind, denken alle, es müsse ein besonders gutes kleines Café sein und die Sache wird zum Selbstläufer.

Sydow dachte, während die Brille langsam wieder aufklarte, an andere Selbstläufer, aber so auf die Schnelle fiel ihm gar keiner ein.

Er dachte, bis die Brille vollständig wieder aufgeklart war, proppenvoll ist ein absolut ekelhaftes Wort. Er dachte an andere, weniger ekelhafte Worte, aber nicht mal so was fiel ihm ein. Er dachte solchen und anderen überflüssigen Quatsch und ließ es bleiben. Es war nur eine Überbrückung gewesen, bis die Brille wieder aufgeklart war, er hätte es genauso gut sein lassen können.

9. Frauen

Hör mal, sagte Stanjic, wegen den Astronauten –

Kommt schon noch, warte mal, Sydow schob den leeren Teller weg und richtete sichs ein, ausführlicher zu werden.

Es war warm und roch gut nach Kaffee und Hefezopf. Er knöpfte sich den Mantel auf und wickelte diesen Schal vom Hals, wickelte diesen Schal vom Hals wickelte diesen – es nervte kolossal, dieser elendslange Schal, er nervte einfach, der Schal war, ungewickelt und entrollt, unverschämt lang, sicher an die zweieinhalb Meter, eher mehr, und kolossal, auch kolossal war ein bescheuertes Wort, heute fielen ihm nur grauslige Wörter ein, proppenvoll, kolossal, kolossal sagte kein Mensch.

Er stopfte den Schal in den linken Mantelärmel, natürlich passte gar nicht alles rein, natürlich nicht, sagte er vor sich hin, wie sollen drei Meter Schal in 80 cm Ärmel passen. Dieser Schal, er pulte den Schal wieder aus dem Ärmel und knüllte ihn so gut es ging zusammen, aber es ging nicht gut, er knüllte ihn also nicht zusammen. Er klemmte ihn unter den Arm, dieser Schal ist ein Skandal, wenn ich nicht so ein netter Mensch wäre, würde ich meine Oma darin einwickeln und erst im Frühjahr wieder auswickeln. Das würde sie lehren, unbescholtene Bürger als wandelnde Spulen zu verwenden, sie hätte dann einfach ein bisschen Zeit zum Nachdenken.

Er zwängte sich zwischen den voll besetzten Tischen durch, Herrgott, sagte er entnervt, vis-à-vis wäre ein hektargroßes Kaffeehaus, Platz genug zum Versteckenspielen mit den Kellnern, aber nein, ihr müsst euch hier herinnen auf dem Schoß sitzen, schon klar. Er kämpfte sich durch bis zur Theke, hängte seine Sachen links daneben an die Garderobe und wickelte ausführlich den Schal um den ganzen Ständer. Er nahm sich eine von den Zeitungen mit herüber.

Er sah seine Oma zwischen den Tischen herumgehen, frisch onduliert, aber das nannte man vermutlich überhaupt nicht mehr so. Er hatte keine Ahnung, wie man das jetzt nannte, seine Oma jedenfalls ging zwischen den Tischen herum und sah adrett aus, aber auch adrett sagte man nicht mehr, er haute sich mit der flachen Hand auf die Stirn. Adrett, das nennt sich dann Neue Deutsche Literatur, würde ich Noch Neuere Deutsche Literatur studieren, sähe sie womöglich flott aus, wäre ein heißer Feger, und ich, Flegel, lümmelte in zwielichtigen Kaschemmen. Die deutsche Literatur, sagte er, krankt an einem chronischen Hinkebein, kommt einfach den vielen neuen Büchern nicht hinterher, die im Schweinsgalopp die Äonen durchmessen.

Er blätterte ein bisschen durch die Zeitung, das Wetter blieb, wie es war, wieso auch nicht. Deutschland hatte so seine üblichen Probleme, wie immer rang es mit seiner Identität, Europa: die üblichen Schwierigkeiten, die Gurken zu krumm, der Euro zu schwach und alte Tomatensorten hatten keine Chance, Europa stritt über die Türkei, das Übliche eben, die Welt, sie drehte sich weiter, die bekannten Themen. Einer Astronautin entglitt bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS ihre Werkzeugtasche, flog davon. Seither tauchte sie regelmäßig am Nachthimmel auf. Derzeit, teilte die NASA mit, überschwebe sie gerade Europa und wurde von einem Hobbyastronomen dabei gefilmt, wie sie am Stern Eta Pisces im Sternbild Fische vorbeizog, offensichtlich entschlossen auf dem Weg zum Widder.

10. Es sind alles Schwätzer

Ach so, sagte Stanjic, apropos Astronauten.

Ich bin überhaupt noch nicht fertig, rief Sydow, das war quasi erst das Vorwort, es kommen noch lauter wichtige und interessante –

Kannst du deiner Oma erzählen, Stanjic war klar, jetzt oder nie, apropos Astronauten, sagte er.

Vergiss es, sagte Sydow.

Stanjic stand auf und holte sich eine Zeitung, schlug sie auf. Von mir aus, sagte er, er lehnte sich zurück, hielt sich die Zeitung vors Gesicht, aber ohne mich.

Man kann nicht sagen, dass Stanjic nicht eine gewisse Entwicklung genommen hätte. Ich habe in meinem letzten Bericht, Verlangen nach Drachen, einen, wie ich finde, ganz gelungenen Einblick in Stanjics Charakter gegeben. Sicher, er war immer ein smarter Typ. Aber so wahnsinnig schlapp! Doch Gott sei Dank: Die Krise weckt im Menschen oft die erstaunlichsten Fähigkeiten und er, in seiner gebeutelten Heimat nun keineswegs als Vielredner, als eloquenter Sprachjongleur bekannt, erkletterte hier in der Fremde hurtig die Höhen des eifrigen Schwätzens, hatte er bis anhin eher schwermütig das Schicksal über sich entscheiden lassen, griff er neuerdings kurzerhand hinein ins Geschehen, tunkte wacker seine Hände in die Ponderabilien und nahm beherzt den Faden an sich. Man muss allerdings anmerken: Hätte er nicht das Lebensruder endlich an sich gerissen, er wäre mit zweien wie Sydow und Glaser innerhalb kürzester Zeit ganz einfach auf der Strecke geblieben, wäre untergegangen wie ein Sack Kartoffeln im weiten Ozean, und fragen Sie nicht, wie der dorthin gekommen ist.

Also, für ihn mag es ein wichtiger Schritt sein in puncto Autonomie und Selbstbestimmung, für alle anderen, die auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, wenn einer erst mal so richtig in Fahrt kommt, für die unter uns, die, gleich mir, in völligem Unvermögen, einen gewaltigen Redeschwall zum Stoppen zu bringen, sitzen bleiben wie erschlagen, für uns alle geht hier die Sache weiter. Oder, wie Sydow sagen würde, apropos Wetter.

Wieso Wetter, sagen wir, haben wir was verpasst?

Kann schon sein, sagte Sydow, also: Das Wetter blieb, wie es war, wieso auch nicht. Deutschland hatte so seine üblichen Probleme, wie immer rang es mit seiner Identität, Europa, die üblichen Schwierigkeiten, die Gurken zu krumm, der Euro zu schwach und alte Tomatensorten hatten keine Chance, usw.

Auch der Weltraum hatte, wie man sehen konnte, so seine Probleme, er blätterte sich durch. Wirtschaft, es ging bergauf oder bergab, es wurde gewarnt, es wurde prophezeit, Manager erörterten ihre jährlichen Haushaltsausgaben und kamen zu dem Schluss: Ja, 30 Millionen Lohn sind gerechtfertigt, Sydow ging über zum Sport: Die einen rannten einem Ball hinterdrein, die andern stopften ihn in ein Netz, wieder andere droschen auf ihn ein, schlugen ihn mit fantasievollen Geräten über Platten und Plätze und in Löcher, es schien der Ball dem Sport so einige Probleme zu machen, aber man kämpfte unverdrossen.

Berlin: Bei den Schnellbahnen der öffentlichen Verkehrsbetriebe gingen während der Fahrt die Türen auf, Reisende fielen hinaus, die Türen gingen wieder zu. Die Vorsitzenden der öffentlichen Verkehrsbetriebe sagten, sie könnten sich das auch nicht erklären.

Vermischtes: Das Amt für Statistik rechnete vor, es seien im letzten Jahr rund 20000 Kinder weniger auf die Welt gekommen als im Jahr davor und damit wiederum nur halb so viele wie vor 50 Jahren. Das liege, vermuteten Experten, zum einen daran, dass Frauen weniger Babys bekämen.

Das liege, er las den Artikel ganz langsam und sorgfältig noch einmal, vermuteten Experten, zum einen daran, dass Frauen weniger Babys bekämen. Er blätterte eine Seite vor, blätterte zurück, hm, sagte er nachdenklich. Er nahm die Brille ab und begann sie in seinem Pullover zu reiben. Er schaute mit der vermeintlichen Konzentriertheit der Kurzsichtigen in die Kuchenvitrinen, putzte sehr gründlich seine Brille, was, wie er feststellen musste, als er sie wieder aufsetzte, wirklich nichts besser machte, es war ein Wollpullover.

Auch die Misere beim Kindermachen hatte sich dadurch komischerweise nicht verändert, was ihn, angesichts der Logik des Artikels, eigentlich wunderte.

Zum einen, sagte er, zum andern, er nahm die Brille wieder ab, hauchte sie an und zog sein Unterhemd aus der Hose, polierte an den Gläsern und schaute konzentriert die Schokoladenkuchen an.

Anna kam schon wieder mit einem neuen Tablett aus der Küche, lauter Schokoladenkuchen, sie öffnete die Vitrine und holte eine der leeren Tortenplatten heraus, hallo Frederik, sagte sie.

Anna? Er drehte den Kopf, kniff die Augen zusammen, bist dus? Er ging nah an sie heran, hallo Anna.

Anna – sie heißt im Nachnamen übrigens Snozzi, aber sie trägt es mit Fassung – steckte in ehrgeizig kurzen Hosen und gestreiften Strümpfen, mit Brille hätte er das genau gesehen, so zogen die Schenkel als wunderbar verträumte Schemen an ihm vorbei, in einer Art Wischtechnik.

Bringst du frischen Kuchen?

Den beste der Stadt, sagte Anna Snozzi, sie hatte die vollen Platten hineingeschoben und schloss die Glastür, aber erzähls nicht weiter, sonst rennen sie uns hier die Bude ein.

Von mir kein Wort zu niemandem, sagte Sydow, er schloss den Mund ab und warf den Schlüssel weg, ich schweige wie ein Grab, ich bin froh, dass ich das Café für mich alleine habe, es wäre schlimm, wenn diese wohltuend gähnende Leere hier sich in ein proppenvolles zu kleines Lokal verwandelte.

Er widmete sich wieder seiner Brille, zum einen, sagte er, zum andern. Zum einen liegt es daran, dass die Frauen weniger Babys bekommen. Zum andern liegt es daran, dass die Männer ihre Frauen nicht mehr finden, weil sie wegen der reinwolligen Strickpullover ihrer überdominanten Omis so verschmierte und verkratzte Brillen haben und hilflos und blind durch öde, frauenfeindliche Gegenden irren und versehentlich und aus Verwechslung sich an unschuldigen Rehen vergreifen und zu verzweifelten Sodomiten werden, was der Geburtenrate, warnen Experten, vermutlich nicht förderlich sein wird.

Vielleicht aber auch schon. Er setzte die Brille wieder auf, suchte nach seiner Frau, aber die war auch mit geputzter Brille nicht da. Er hatte auch mit geputzter Brille keine Frau, was er für sowohl bedrohlich als auch bedenklich und zu allem Überdruss der Geburtenrate nicht förderlich erachtete. Er schaute kritisch auf den Artikel, Brille geputzt, Frau nicht da, sagte er zu den Experten, was nun? Euch mangelt es an Babys? Ich wars nicht. Schickt die Frauen zu mir!

11. Die Natur

Ich wusste doch, sagte Stanjic, er ließ die Zeitung sinken, ich wusste doch, es würde um Frauen gehen.

Astronauten, es geht um Astronauten.

Ja, Stanjic wurstelte das Blatt zusammen, knüllte es weg, du fängst bei Astronauten an und landest unweigerlich bei den Frauen. Du könnstest auch mit allem möglichem anderen anfangen und landetest dann immer bei den Frauen, du fängst immer mit allem Möglichem anderen an, völlig wahllos. Ist dir aber ganz egal, ist ein prima Einstieg, denkst du dir, um schön über dein Lieblingsthema zu reden, Frauen.

Unsinn, das liegt in der Natur der Sache.

Welche Natur, was für eine Sache.

In der Frauennatur, die versteckt sich, gut getarnt, in den abgelegensten Sachverhalten, kaum hat man sich darein vertieft, springt sie heraus wie ein Schachtelteufel und sagt, ich war vorher schon da.

Die Natur.

Ja.

Springt heraus.

Genau.

Und ist immer vorher schon da.

Kannst du nicht ernsthaft bestreiten. Kannst du in der Bibel nachlesen.

Und zudem, sagte Stanjic, er fand das auffällig, wo sind wir eigentlich in diesem Unsinn, wo ist Simon, wo bin ich?

Nicht da, sagte Sydow.

Wie nicht da, wir sind doch immer da.

Eben nicht. Keine Ahnung, wo ihr euch herumtreibt, jedenfalls habt ihr mich an dem Abend vollkommen hängen lassen. Vermutlich bist du durch Moabit geirrt und hast dich gewundert, dass hier alles so fremd und neu aussieht, und Simon ist, seit er sein neues Programm fährt, sowieso nie da, wenn man ihn braucht. Hockt in seiner Wohnung und freut sich über die Nähe zum Wald, bisschen Früchtetee. Aber jetzt hör zu, ich war gerade am Zeitunglesen.

Ich bin gerade am Zeitunglesen, sagte Stanjic.

Echt? Sydow betrachtete den Haufen Papier, interessante Technik, österreichisch? Ihr habt einfach den Dreh raus, Wahnsinn. Aber lass dich nicht stören, Bildung ist ja so wichtig. Weiter im Text, ich war gerade am Zeitunglesen, in typisch deutscher, dröger Manier, Seiten umblättern und so.

12. Die Deutsch-Französische Freundschaft

Er schlug die Seiten um, schon wieder ein Bus mit einer gesamten Schulklasse ausgebrannt, wir können uns das, sagten die Vorsitzenden der Verkehrsbetriebe, auch nicht usw., die Vorsitzenden der Verkehrsbetriebe konnten sich so was einfach auch nicht erklären.

Und dabei: Kinder sind in unserem Land ein rares Gut, sagte Sydow, die Geburtenrate geht stündlich zurück, wir können uns, sagte er, diese Verkehrsbetriebe im Grunde gar nicht leisten, unsere Männer ziehen, bebrillt und blind, geschlossen durch die Fauna und begatten verdatterte Rehe, die Frauen würden schon Kinder wollen, grübeln aber noch, von wem, und wissen nicht, wo sie mich finden können, weil ich in einem Schal gefangen bin und das kleine Café wegen hartnäckiger Gerüchte im Umlauf so ekelig proppenvoll ist.

Die armen Frauen, sie fragen sich, von wem sollen wir die Kinder kriegen, von den Experten?

Die Experten, sie haben keine Zeit, sie müssen in ihren Forschungszentren forschen oder finden, da sie immer diese nicht optischen Chemiebrillen tragen vom Experimentieren, nicht einmal den Weg in die Wälder, um neue Expertisen anzustellen. Sie wollen in die Wälder und landen in der Mensa. Sie landen dann einfach immer in der Mensa. Sie schauen, mit den nicht optischen Chemiebrillen und der vermeintlichen Konzentriertheit der Kurzsichtigen, in die Kuchenvitrinen in ihrer Expertenmensa, sehen Schokoladenkuchen und denken aber, es sind die Kinder von Männern, die sich mit Rehen paarten, wundern sich. Und die Verkehrsbetriebe rotten uns mit ihren eigenen Mitteln aus. Niemand kann sich irgendwas erklären. Die Frauen nicht, sie suchen ihre Männer an den total falschen Orten, die Männer nicht, sie wundern sich über die komischen Geräusche ihrer Frauen beim Kindermachen, die Rehe nicht, sie verstehen die faunische Welt nicht mehr, die Vorsitzenden nicht, ihre Fahrzeuge machen, was sie wollen, die Kinder nicht, sie sind viel zu wenige, um sich zum Nachdenken in sogenannten Thinktanks zusammenzutun, die Experten in den Mensen stellen Mutmaßungen an über die Entwicklungen dieser neuen Spezies in diesen Inkubatoren, aber da entwickelt sich nichts. Es werden durch falsch gestreute Gerüchte (bester Kuchen der Stadt) nur immer weniger, darum gefallen sie sich in der Formulierung zahlloser Syllogismen. Busse brennen aus, weil sie vermutlich Feuer gefangen haben. Pendler fallen aus fahrenden Schnellzügen, weil sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Türen geöffnet haben.

Seltsame Welt, sagte Sydow. Die Frauen würden mich übrigens, so sie meiner in dem proppenvollen Café doch irgendwann zufällig ansichtig würden, gar nicht als Mensch, Mann und potenziellen Kindsvater erkennen, sie würden mich wegen des kolossalen Schals mit einer wandelnden Garnrolle verwechseln. Mit einem Strickstrumpf. Denkt da irgendeine Frau auf der Welt ans Kindermachen? Nein, keine einzige. Im besten Fall denkt eine Frau da an ihre Oma, weil die so schön stricken kann.

Apropos, er schaute nach seiner Oma aus, die so schön stricken konnte. Das war übrigens, falls jemand gerade nicht aufgepasst hat, das ist übrigens, sagte Sydow, die Probe aufs Exempel. Ich denke an mich und meine fehlende Frau. Dann denke ich an mich als Strickstrumpf und dann automatisch an meine Oma. Und genauso geht es den armen Frauen. Sie denken nicht sexuell, wenn sie mich sehen, sie denken nicht: ich eine Frau und du ein Mann, sie denken nicht einmal mütterlich in Abetracht der von mir zu erwartenden Kinder, nein, sie denken großmütterlich.

Das war, dachte Sydow, der Geburtenrate vermutlich nicht förderlich.

Er blätterte sich durch den weiteren Unsinn, war das vielleicht eine Faschingszeitung? Eine Faschingszeitung vor dem Fasching, damit es noch lustiger ist? Nein, keine Faschingszeitung und es war auch nicht noch lustiger, es war einfach eine seltsame Welt, er blätterte sich vor bis zur Seite der Deutsch-Französischen Freundschaft.

Er las gerne die Seite der Deutsch-Französischen Freundschaft, immer umarmten sich auf der Seite der Deutsch-Französischen Freundschaft Deutsche und Franzosen im Namen der Freundschaft, immer wurden Rezepte ausgetauscht zwischen deutschen und französischen befreundeten Gourmets, immer behaupteten die Franzosen, das schlechte Wetter käme zu ihnen von Deutschland herüber und dass sie aber trotzdem Freunde blieben, immer betonten die Deutschen ihre eigene philosophische Schwermut, die bodenlose Tiefgründigkeit, die Fähigkeit zur metaphysischen Transzendenz und dem allem grell widersprechend der Franzosen Hang zu Schi-Schi und Tandaradei, was aber der gegenseitigen Freundschaft keinen Abbruch tue, hätten sie, die Franzosen, doch das Herz am rechten Fleck. Wo – ungewiss. Nichts für ungut, Freundschaft!

Heute umarmten sich auf einem halbseitigen Bild die beiden Kanzler, sie waren gute Freunde.

Sydow sah sofort, dass das Bild montiert war, seit François Hollande wars aus mit der Freundschaft, ein frostiger Händedruck, mehr war von Merkel nicht zu erwarten. Na egal.

Das Pariser Naturkundemuseum gab in einem Nachruf den Tod der Riesenschildkröte Kiki bekannt, sie war vor drei Tagen im Alter von 146 Jahren verschieden.

Kiki war, schrieb der Direktor elegisch in einem offenen Brief an seinen deutschen Freund und Kollegen im Naturkundemuseum Berlin, berühmt für ihre demonstrativen, von lauten Grunzlauten begleiteten Liebesspiele, die im ganzen Jardin des Plantes widerhallten.

War sie anfangs, erinnerten sich alte - sehr sehr sehr alte, sagte Sydow streng – Museumsangestellte, noch in einer Schubkarre zu ihren Gespielen gefahren worden, habe das später, wegen ihres beträchtlich angewachsenen Gewichts und Umfangs, ein fest angestellter Gabelstapler bewerkstelligt, er hieß Jean-Jaques Fontemblaux und trug einen Schnauz.

Auf dem Foto stand er rauchend neben einem ruhenden Gabelstapler und schaute in eine sinnlose Zukunft. Der ausgebildete Chauffeur, stand darunter, Jean-Jaques Fontemblaux, befinde sich seither in Trauer. In tiefer Trauer und auf trauriger Arbeitssuche, lege aber, so die unten geschaltete Jobanzeige, Wert darauf, auch weiterhin ausschließlich im Zeichen der Liebe unterwegs zu sein. Zuschriften bitte unter Chiffre usw.

Das französische Rezept war, saisonbedingt sommerlich, eine Crêpe Framboise, die Deutschen kochten schon wieder Wurst. Currywurst sei, behauptete Siebeck, ein traditionell deutsches Essen, perfekt für einen gelungenen Sommerabend.

Siebeck, dachte Sydow verärgert, verlottert auch zusehends. Er, der bis vor Kurzem noch Kartoffeln nur als Bamberger Hörnchen kennen wollte und von sich behauptete, herauszuschmecken, ob ein Kuchen von Hand oder mit der Maschine gerührt wurde, speiste das deutsche Volk neuerdings mit allerlei Frechheiten aus Wurst ab, er, der sich die Erziehung des germanischen Gaumens auf den Bauch geschrieben hatte, wurde nur immer dicker. Und er ordnete neuerdings alles seiner neuen dicken Freundschaft mit diversen dicken französischen Küchenchefs unter. Er hatte, so schien es, die Deutsche Küche einfach aufgegeben. Sollten die hiesigen Ignoraten seinetwegen alle zwei Tage Wurst essen und dazwischen Kartoffeleintopf von der gemeinen Linda, sollten sie, war Siebeck doch egal, wieder ohne schlechtes Gewissen ihre Billigeinkäufe tätigen und beim Essen sparen, wo sie konnten, Pangasius fressen und denken, das sei ein wichtiger Fisch, er, Siebeck, hatte es satt, ihnen ständig auf die Finger zu schauen, und war mit wehenden Fahnen und quellendem Fleisch zu den Franzosen übergewechselt. Er und Alain Ducasse hatten sich die dicken Arme um die Schultern gelegt und prosteten sich zu, sie hatten vor Freude und Freundschaft rote Nasen und putzige Mehlstaubstüber auf den –

Das ist schön, dass du dich weiterbildest, seine Oma stellte das Tablett ab und ordnete irgendwelche Falten, am Rock natürlich.

Er legte die Zeitung zusammen, ja, geht so, sagte er, Bildung ist ein zweischneidiges Schwert.

Was ist mit dieser Liebesszene, fragte mein Lektor hier irritiert, er blätterte durch den Wust von Manuskriptseiten, wir hatten doch abgemacht, dass –

Was soll ich machen, sagte ich, wenn Mathias, ach was, Frederik einmal loslegt, habe ich keine Chance mehr. Stanjic übrigens auch nicht.

Für dich immer noch Sydow, sagte er pingelig, du kannst hier nicht deine persönlichen amourösen Verstrickungen –

Meinetwegen!, rief ich, die Leute an den Nebentischen schauten zu uns rüber (wir saßen übrigens wieder im Liebling, am Helmholtzplatz, ich hatte wenig Lust auf das Tante und Frau von Sydow, die zu allem ihren Senf dazugeben würde), ich kann, zischte ich, wie Stanjic nur warten, bis sich die Gelegenheit bietet, wieder –

Von mir aus, sagte er, aber die Infos hier kann man hoffentlich noch brauchen.

Ja sicher, sagte ich sofort, ich fang hier nichts an, was ich nicht zu Ende bringe, das alles wird noch nützlich sein.

Er seufzte und betrachtete schwermütig den Blätterstapel. Dass du das nicht hinkriegst, sagte er, eine Geschichte schön auf knackigen 100 Seiten abzuwickeln.

Wohl kann ich das, behauptete ich, die abermalige Verwendung des Wortes knackig ließ ich unkommentiert, er liebt es, ich hasse es.

Wetten, sagte er hinterlistig.

Gilt, ich schlug ein. Wovon soll es handeln, fragte ich.

Wurscht, sagte er, Hauptsache knackig.

Also weiter:

Seine Großmutter schaute sich suchend um, sichtete Anna Snozzi irgendwo im Getümmel und gab ihr einen Wink. Sie setzte sich zu ihm an den Tresen. Ich muss jetzt mal was essen und die Beine ausruhen. Manchmal kommt es mir vor, als gäbe es in ganz Berlin kein anderes Café.

Frau Sydow schob die Zeitung beiseite und machte Platz, Anna Snozzi brachte von hinten aus der Küche einen Teller mit gebutterten Zopfscheiben und ein Glas Quittengelee, Kaffee in einer Kanne und diese ungeheuer bauchigen Tassen und nahm das Tablett mit dem schmutzigen Geschirr mit.

Sydow nahm sich eine Scheibe Zopf und löffelte großzügig Gelee drauf. Er schob ihr das Einmachglas hin, und du, Omi? Frisch onduliert?

Frau Sydow schenkte Kaffee ein. Das nennt man glaube ich gar nicht mehr so, sie stellte die Kanne ab, aber wie man heutzutage dazu sagt, weiß ich auch wieder nicht.

Keine Ahnung, sagte er, aber sieht flott aus, er verteilte das Gelee akribisch bis an den äußersten Brotrand, adrett, piekfein, schnieke, Omi, du bist ein heißer Feger, sie schlug ihm leicht mit dem Handrücken an die Wange, er duckte sich, Lümmel, sagte er, Flegel, er fing ihre Hand ab, rück den Zucker rüber, kesse Mieze, schnurrte er, er zog die Kaffeetasse zu sich. Er warf vier Stück Zucker in seinen Kaffee, diese ungeheuer bauchigen Tassen, sie hatten epidemisch das gesamte Café in ihrem Griff, auf manchen stampften Mädchen mit geschürzten Röcken und strammen Waden in Zubern voller Trauben, dann wieder zog ein knochiger Ochs einen Karren mit Heu, immer im Tassenrund herum, es war für die Katz, aber was sollte er machen. Heute, Frederik hielt sich seine Tasse vors Gesicht, heute trug auf seiner Tasse ein gebückter Sämann einen verbeulten Schlapphut und säte irgendwas, dem Sonnenuntergang entgegen.

Seine Oma rührte sich Zucker und Milch in den Kaffee, er hob ihre Tasse hoch, derselbe Mann, er hatte seinen Hut abgelegt und sich umgezogen, er erkannte ihn aber trotzdem, senste ein wogendes Getreidefeld. Seine Oma sagte, es seien provencalische Motive, er stellte die Tasse zurück, biss von seinem Brot und sagte, die Hässlichkeit hat also einen Namen. Es waren ungeheuer bauchige und ungeheuer hässliche Tassen, und, sagte er zu seiner Oma, wenn die Hässlichkeit auch ein Gesicht hat, dann sicher ein provencalisches.

Jaja, sagte sie.

Und, sagte er, sie malt ihr Konterfei auf Tassen und Teller, wenn keiner hinguckt.

Ja, sagte sie, wenn man das so betrachten will, sie schnitt ihren Zopf in schmale Streifen, nahm sich einen davon. Hast du schlechte Laune, Frau Sydow schob ihm die Zopfstreifen zu, er steckte sich einen um den anderen davon in den Mund.

Nein, sagte er, das nennt man provencalische Motive.

Ich meine deine Laune, hast du schlechte Laune.

Eben, das nennt man provencalische Motive.

Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen.

Keine Laus, sagte er, in meinem Inneren sieht es exakt so aus wie auf den bauchigen Tassen, sagte er, mir ist ein französisches Bauernmädel mit dicken Waden über die Leber gelaufen, trampelt dort herum.

Das französische Bauernmädel denkt, meine Leber sei ein Zuber voller Trauben, trampelt drauf herum. Sie denkt, wenn sie lange genug darauf herumtrampelt, wird was draus. Sie denkt, dann tröpfelt der junge Wein aus mir heraus, sie denkt, sie kann aus allem Wein herausholen, einfach weil sie jung und stramm ist. Sie denkt das einfach, ich weiß nicht, warum. In meinem Inneren karrt ein knochiger Ochse Heu herum, immer rundherum, das hat überhaupt keinen Sinn. In meinem Inneren zieht sich der Sämann zum Pflügen und Dreschen eine andere Hose an, aber ich erkenne trotzdem, dass es immer derselbe ist. Dieses zermürbte Gesicht vergisst man nicht. Es ist immer derselbe. Es ist ein Einmannbetrieb, mich kann man nicht täuschen, er kann sich nicht mal Angestellte leisten. Immerhin drei verschiedene Hosen, das ist schon was. In meinem Inneren ist das schon was.

Brauchst du Geld? Frau Sydow nestelte –

Nestle nicht, sagte er. Er hielt ihre Hand fest, steckte ihr das Portemonnaie wieder zurück in die Schürze, ich glaube, man nestelt nicht mehr. Keine Ahnung, wie man das heutzutage nennt, im Seminar für Allerneueste Deutsche Literatur haben wir das noch nicht gelernt. Wir kommen den Büchern einfach nicht mehr hinterher. Wir sind ein Verein mit lauter Hinkebeinen. Und lass gut sein, Omi, ich brauch kein Geld.

Wenn du aber doch ein Paar Hosen brauchst, sie kramte wieder in ihrer Schürze, holte das Portemonnaie –

Auch gekramt wird nicht mehr, er nahm ihre Hand in die seinen, tätschelte sie ein bisschen, ich weiß auch nicht, wie man das alles nennt, du und ich, Omi, wir nesteln und kramen, du bist flott und ich ein Flegel und wenn uns ein Zopfbrot mit Marmelade runterfällt, sagen wir – er schaute sie erwartungsvoll an.

Hoppala? Seine Oma verräumte den Geldbeutel wieder in der Schürzentasche.

Eben, Sydow schüttelte traurig den Kopf, sagt alles kein Mensch mehr. Ich studiere, was das Zeug hält, renne in die Seminare für die Allerallerneueste Neue Deutsche Literatur, aber die neuesten Bücher sind einfach schneller. Ich brauch keine anderen Hosen. Ich und der Sämann teilen uns unsere Beinkleider, selbe Größe. Auch derselbe Geschmack, alles gleich. Der Sämann ist mein Freund, mein französischer Freund. Mal sehen, vielleicht helfe ich ihm gleich noch beim Ernteeinholen, mähen dreschen ackern, die ganze Chose. Vielleicht schaffen wir es mit vereinten Kräften, seinen Betrieb aus dem Würgegriff der Armut zu befreien. Vielleicht, er tätschelte die zusammengefaltete Zeitung, dann wieder ein bisschen ihre Hand, vielleicht kriegen wir irgendwann eine halbe Seite im Dossier Deutsch-Französische Freundschaft. Und ein Jobangebot. Das Bauern, es lohnt sich einfach nicht mehr. Viel zu anstrengend.

Frederik, mir scheint –

Auf dem halbseitigen Bild der Deutsch-Französischen Freundschaft stecken wir dann wie diese feisten Damen von dem Plakat bei Mrs. Sporty in einer riesigen Hose und freuen uns, dass wir jetzt zu zweit darin Platz haben. Bei den dicken Damen macht das überhaupt keinen Sinn, außer dass sie sich jetzt närrisch freuen, dass sie zu zweit Platz haben, wo vorher eine von ihnen schon alle Nähte schier gesprengt hat, sonst macht es aber absolut keinen Sinn, weil sie hätten genug Hosen zu Hause im Schrank, es sind die typischen Besserverdiener, die ihren Babyspeck nicht wieder loskriegen nach dem Kindersäen – ich frage mich übrigens, ob das Mrs. Sporty auch so leidet unter den Frauen, die zum einen weniger Babys bekommen und darum zum anderen nicht mehr ihren Babyspeck loswerden müssen – jedenfalls, sie bräuchten sich bei Gott nicht zu zweit in eine zu weite Hose bemühen, sie haben genug Hosen und müssen diese Hosen auch nicht schonen, bei dem Sämann und mir wiederum macht das aber absolut Sinn, weil die übrigen beiden Hosen leider beim Mähen und Dreschen verdroschen worden sind, wir –

Frederik –

Dabei sind diese beiden Damen in der riesigen Hose ja immer noch dick, sie waren nur vorher noch dicker, sie waren vorher furchtbar schlimm dick, jetzt sind sie immer noch schlimm dick, der Sämann und ich, wir waren beide weder vorher noch nachher dick, dick wird man nicht, wenn man unter der provencalischen Sonne darbt und sich von Brot und gepanschtem, er hielt inne, oder gepatschtem, wenn ich an die strammen Waden von dem Mädel denke, wie sie mit ihren nackigen Füßen darin herumpatscht, dann –

Frederik?

Die war sicher nie bei Mrs. Sporty, so was gibts dort überhaupt nicht, sie ist auch nicht furchtbar schlimm dick, mehr so propper, sie ist ein Mädel, das einfach gut im Saft steht, wenn man ihr auf den Hintern klopft, schnallts. Die steht einfach gut im Fleisch. Weil sie immer so Näschereien nascht, sie ist fürwahr genäschig, würden die Hinkebeine in meinem Seminar jetzt sagen, sonst sagt das kein Mensch mehr. Nascht die vielen Süßigkeiten, die ihr naive verliebte junge Bauernburschen zustecken, so ins Busentuch hineinstecken, schau mich nicht so an, das macht man dort so, ich habs auf einer deiner Tassen haargenau gesehen. In der Provence tragen junge Mädchen Busentücher und junge Burschen stecken ihnen ein Calisson d’Aix hinein, eine eiergelbe Brioche. Aber den Sämann und mich, uns verwöhnt kein Mensch. Nein, die Hosen sind nicht so enorm, weil vorher der Sämann dick war wie eine Dame vor dem Besuch bei Mrs. Sporty, das sind diese Hosen gemacht aus Sackleinen, oben exakt der Durchmesser von einem Mehlsack zum Beispiel und das ist ein ordentlicher Durchmesser, es sind Hosen gemacht aus Mehlsäcken. Da bindet man sich dann einfach ein Stück Schnur drumherum, fertig ist der Sack, passt.

Frederik.

Ja, Omi.

Du hast schlechte Laune.

Ja, Omi. Ich habe entsetzlich schlechte Laune.

Wenn es wegen der Finanzen ist, wenn du dir keine Klamotten mehr kaufen kannst, dann –

Nein, Omi, ist nicht wegen Geld. Ich geh zu Hause immer nackt, das schont die Kleider enorm.

Frederik, bitte, ich –

War ein Witz, Omi. Ich habe Geld wie Heu. Ich zieh zu Hause immer meinen teuren Daunenschneeanzug an, der ist mit Daunen aus purem Papiergeld. Es ist ein Managerschneeanzug, sicher fehlt er auf keiner ernsthaften Berechnung eines Managerlohnes, der Manager sagt: Ja, 30 Millionen Jahreseinkommen sind berechtigt, weil – und dann zählt er die vielen wichtigen und unerlässlichen Posten seiner Haushaltsausgaben auf, unter anderem der Schneeanzug, die Daunen aus druckfrischen Tausendernoten, sie müssen alle naselang erneuert werden, wegen der optimlen Luftzirkulation. Wer, wie der gemeine Manager und ich, Geld wie Heu hat, trägt den feinen Schneeanzug. Spart auch Heizung.

Frederik, das ist doch nicht lustig.

Siehst du. Nicht einmal lustig bin ich mehr. Ich habe einfach schlechte Laune.

Wenn es nicht wegen Geld ist, was ist es dann? Hast du Streit mit deinem Vater.

Ich?, rief er empört, Streit mit meinem Vater? Er machte ein beleidigtes Gesicht.

Ich dachte nur, weil du mitunter –

Ich habe immer Streit mit meinem Vater.

Das kanns also nicht sein.

Nein.

Also?

Vielleicht wegen deinem Schal, wie soll je eine Frau mich finden, wenn ich in deinem kilometerlangen Schal stecke, in deinem kolossalen Schal in deinem proppenvollen Café, nie wird mich hier eine Frau finden, ich könnte fröhlich Kinder machen mit alleinstehenden Frauen und stecke fest in Schal und Café, du bist an allem Schuld.

Der gibt schön warm, oder?

Ja, Omi. Ist ein prima Schal. Vergiss es. Ist ein prima Schal.

Also.

Meine Frau ist weg.

Frederik, du hast gar keine Frau, seine Oma bestrich zwei weitere Scheiben Zopf mit Quittengelee, schnitt sie in schmale Streifen und schob sie ihm hin.

Er räumte sie auf dem Teller hin und her, legte das Lavendelfeld frei, meinst du, das ist auch nur einen Deut besser, als wenn sie weg wäre? Er betrachtete düster die Landschaft, stopfte sich einen Zopfhappen nach dem anderen in den Mund, kaute, willst du mich fertigmachen? Willst du Salz in offene Wunden schütten? Denkst du, es ist besser, wenn keine Frau einen will, als wenn einem die Frau wegrennt? Ich weiß nicht.

Frederik, du bist so ein patenter Kerl –

Kein Mensch ist heutzutage mehr –

Meinetwegen, aber so ein netter junger Mann wie du –

Bitte versuch nicht, witzig zu sein.

Ich bin nicht witzig.

Hat sich eben so angehört.

Frau Sydow seufzte, sie schmierte noch ein paar Zopfscheiben, ach Frederik, du hast einen merkwürdigen Sinn für Humor.

Ich habe, er nahm eines der Brote, bevor sie es in Streifen schneiden konnte, und stopfte es in einem Aufwasch in den Mund, ich glaube fast, Omi, ich habe überhaupt keinen Humor, sagte er gedämpft.

Ich auch nicht, Frederik, das weißt du doch.

Witzig!

Sie schwiegen ein bisschen. Frederik strich die Zeitung glatt, das Bild der Werkzeugtasche, sie besuchte die Sternzeichen. Flog durchs Weltall, mausallein.

Er mochte das stete Rhabarbern der Gäste. Anna Snozzi kam und brachte frischen Kaffee.

Anna, sagte Sydow, er schob die Zeitung beiseite, betrachtete sie, jetzt, bebrillt und geputzt und scharfsichtig erspähte er die mutigen Hosen, Anna, sagte er erfreut, gut siehst du aus.

Danke, Frederik, sie schenkte ihm und seiner Oma Kaffee nach.

Anna, sagte er erfreut.