Schweigen, wenn alles in dir schreit - Rosemarie Ruppen - E-Book

Schweigen, wenn alles in dir schreit E-Book

Rosemarie Ruppen

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Beschreibung

Ein schreckliches Geheimnis umgibt das Schicksal von Sarah. Während ihre Eltern vermuten, dass Sarah ein Verhältnis mit Elias hat, wagt sie es nicht, über die Wahrheit zu sprechen. Während ihrer Arbeit in einem großen Dorf wurde sie von Leo, einem Mitbewohner, brutal vergewaltigt. Wie kann man mit so einem Ereignis fertig werden? Warum spricht Sarah nicht mit ihren Eltern oder Freundinnen offen über dieses Erlebnis? Sarah schämt sich und zieht sich in ihr Schweigen zurück. Wie sie nach und nach doch mit ihren Ängsten fertig wird und ob die Beziehung mit Elias doch noch zu einem glücklichen Ende kommt, zeigt dieses Buch. Die Autorin schildert in ihrem Episodenroman die Geschichte von einigen jungen Menschen, deren Schicksale sich zeitweise überschneiden.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Impressum 2

Danke 3

Widmung4

1 5

2 6

3 16

4 19

5 22

6 26

7 28

8 29

9 32

10 33

11 37

12 40

13 46

14 48

15 53

16 57

17 63

18 66

20 72

21 73

22 75

23 78

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-083-9

ISBN e-book: 978-3-99131-084-6

Lektorat: Leon Haußmann

Umschlagfoto: Kevin Carden, Igor Korionov | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Rosemarie Ruppen-Imhof

www.novumverlag.com

Danke

Geschrieben in der Corona Zeit,

ein großes „DANKE“ an meine Familie und Freunde

für die Unterstützung in dieser schwierigen Zeit.

Widmung

Für meine Enkelinnen

Isabelle, Lara und Xenja

1

Eine schöne farbige Jacke wie sie sich schon lange gewünscht hatte! Einige Tage vor Weihnachten 1965, voller Freude öffnete Sarah das Paket. Sie nahm die Jacke aus der Schachtel, drückte sie an sich. Die Freude war groß. Tränen rannen über ihr Gesicht. Sie vermisste Elias, ihre erste große Liebe.

Sarah hörte Schritte, sie wollte die Schachtel unter das Bett schieben, zu spät. In der Türe stand ihre Mutter. „Was gibt es denn da zu verstecken?“ „Ich habe ein Weihnachtsgeschenk von meiner Freundin bekommen.“ Die Lüge stand Sarah wohl ins Gesicht geschrieben. „Darf ich mal sehen?“ Sie nahm die Schachtel hervor und öffnete sie zaghaft. „Und das soll ich dir glauben? Du schickst die Jacke zurück! Wir wollen nicht, dass dir dieser Mann Geschenke macht.“ „Nein, bitte nicht … ihr kennt doch Elias nicht einmal.“

Doch alles Betteln nützte nichts. Ihre Eltern hatten ihr den Umgang mit Elias verboten. Sie sei noch viel zu jung für eine feste Beziehung und das noch mit einem Mann, der ein paar Jahre älter war als sie. Ein paar Minuten später kam ihre Mutter zurück ins Zimmer. „Darf ich doch?“ Sarah wollte die Mutter umarmen, doch die Mutter ging einen Schritt zurück. „Mach das Paket bereit! Ich bringe es zur Post.“ Voller Wut schrie Sarah: „Das darf doch nicht wahr sein …“ Nachdenklich, tieftraurig, ließ sie sich in einen Sessel fallen. Sollte sie ihren Eltern erzählen, was ihr „Schlimmes“ widerfahren war?

2

Aufgewachsen war Sarah behütet in ihrem Elternhaus, zusammen mit ihren drei Schwestern und ihrem Bruder. Die Ferien verbrachte sie oft bei den Großeltern, den Eltern ihrer Mutter. Sie liebte ihre Großmutter über alles. Ihre Geschichten faszinierten sie immer wieder. Besonders die Geschichte vom kleinen bunten Schmetterling … Ihr Großvater nannte sie immer meine „Kleine“. Er verwöhnte Sarah, wo er nur konnte. Mit ihrem Onkel hatte sie es immer lustig. Er war für sie wie ein großer Bruder. Neben dem Haus der Großeltern stand ein großer Kirschbaum.

Im Frühling war der Baum voll mit großen, roten Kirschen. Ihr Onkel hielt ihr die Zweige runter. So konnte sie die süßen Kirschen pflücken und essen. „Warum isst du keine Kirschen?“, fragte sie einmal ihren Onkel. Schmunzelnd sagte er zu Sarah: „Weil da kleine Würmchen drin sind.“ „Nein …“, rief sie und spuckte die Kirschen aus! Dann öffnete sie ein paar von den roten Kirschen. Doch von Würmchen war nichts zu sehen. Sie aß die süßen Kirschen weiter. Ihr Onkel meinte dann: „Es war Spaß, ich mag keine Kirschen.“

Im Winter ging er mit Sarah oft schlitteln. An seiner Hand stampfte sie im Schnee die Wiese hoch. Neben ihrem großen Onkel kam sie sich klein vor. Oft nahm er sie auf den Rücken und trug sie hoch. Wenn sie nach dem Schlitteln ausgekühlt nach Hause kamen, hatte Sarahs Großmutter eine große Kanne Tee auf dem Kachelofen abgestellt. Sie und ihr Onkel schlürften den heißen Tee und wärmten sich die Hände an den heißen Tassen. Nur Großmutter konnte so guten süßen Tee kochen.

Schon als Kind konnte Sarah, in sich gekehrt, über längere Zeit an einem Ort sitzen. Sie liebte es, in der Nähe ihres Vaters zu sein. Sie schaute ihm oft bei seiner Arbeit zu. Freudig winkte sie im zu, wenn er sie erblickte. Einmal sah sie ihren Vater weinend am Tisch sitzen. Den traurigen Blick ihres Vaters konnte sie lange nicht vergessen. Ihre Mutter erklärte ihr: „Deine Großmutter ist heute gestorben. Für deinen Vater ist das sehr schwer. Er hat seine Mutter sehr geliebt.“ Auch Sarah vermisste ihre Großmutter. Sie war oft bei ihr auf Besuch. Mit großer Geduld hatte sie ihr beigebracht, wie sie ihre Schuhe selber binden kann. Dabei sah sie oft voller Mitleid auf die rauen, rissigen Hände.

Einmal fragte sie ihre Großmutter: „Tun dir denn deine Hände nicht weh?“ Zärtlich strich sie über Sarahs Gesicht und meint: „Nein, mein Kind die tun mir nicht weh. Weißt du, als dein Großvater, mein Mann gestorben war, musste ich oft hart arbeiten. Es war nicht immer einfach, doch meine Kinder waren das ‚Wichtigste‘ für mich. Meine rissigen Hände haben mich nie gestört und ich habe mich dafür nie geschämt.“

Sarah stand auf und setzte sich ihrer Großmutter auf den Schoss und fuhr ihr mit ihren kleinen Händen durch ihr graues Haar. Wenn das Wetter es nicht erlaubte, draußen zu spielen, war Sarah gerne in der Nähe ihrer Mutter. Wenn sie ihr Strickzeug in die Hände nahm, setzte sie sich nahe zu ihr. „Wenn ich größer bin, lernst du mich dann auch stricken?“, fragte sie ihre Mutter oft.

Sarah liebte die Natur, sie konnte sich an jeder kleinen Blume erfreuen. Oft brachte sie ihrer Mutter ein Blumensträußchen nach Hause. An einem wunderschönen Sommertag stand sie vor der großen Wiese, nahe ihrem Elternhaus. Sie konnte nicht widerstehen, lief los und setzte sich mitten in das meterhohe Gras. Sie schaute zum tiefblauen Himmel und dachte, ob ihre Großmutter sie wohl sehen könne. Ein kleiner Marienkäfer setzte sich auf ihr Knie. In Gedanken an ihre Großmutter versunken, sah sie den Bauer nicht auf das Feld zukommen. Plötzlich schreckte sie ein lautes Geschrei auf … „Was fällt dir ein, komm da sofort raus. Wenn ich dich hier noch einmal sehe, sperre ich dich in den Schweinestall.“

Sarah hoffte, dass ihre Eltern nicht von ihrem Abenteuer erfuhren, denn das würde bestimmt Hausarrest geben.

Genau richtig an einem regnerischen Tag, packte sie ihr Geburtstagsgeschenk aus. Sie jubelte vor Freude. Ein roter Regenschirm, wie sie sich schon lange gewünscht hatte. Sie holte ihre Jacke und nahm ihren Regenschirm. „Ich muss schauen, ob er den Regen aushält“, sagte sie freudestrahlend zu ihrer Mutter und verließ das Haus.

Ihre Mutter schaute ihr nach … sie freute sich mit ihrem Mädchen. Sarah blickte zurück und hielt begeistert ihren kleinen Daumen hoch. Sie vergaß sogar ihren Geburtstagskuchen, den sie mit ihren Geschwistern teilen wollte. Was für sie im Moment zählte, war ihr roter Regenschirm, mit dem sie stolz den Weg hochlief.

Sie klopfte bei ihrer besten Schulkameradin an. Ihre Mutter öffnete die Türe. „Ist Charlotte zu Hause, ich möchte ihr meinen neuen Schirm zeigen und sie zum Kuchen einladen?“ „Sicher, komm rein. Viel Glück auch von mir.“

Sarah ging gerne zu Schule. Das Lernen fiel ihr leicht. Ihre Lehrerin sagte oft zu ihr: „Du bist eine gute Schülerin, aber du bist eine Träumerin.“ Das störte sie allerdings gar nicht.

Ihr war noch nicht bewusst, dass Träume zerstört werden können! Jahre später, aus dem kleinen verträumten Mädchen war eine lebensfrohe, hübsche junge Frau geworden, wünschte sie sich oft die Zeit zurück. Gerne erinnerte sie sich an ihre behütete Kinderzeit in ihrem Elternhaus. Die Tage bei ihren Großeltern vermisste sie sehr.

Gut gelaunt kam sie auf ihr Elternhaus zu. Sie winkte ihrer Mutter am Fenster. Sie hatte den Nachmittag mit einer Kollegin verbracht. Sarah setzte sich zu ihrer Mutter und sah sie an. „Sag schon, was hast du auf dem Herzen?“ „Paula geht im Herbst in ein Mädchenpensionat. Meinst du, dass ich da auch hingehen könnte? Paulas Mutter meinte, wir könnten im Sommer arbeiten gehen. Sie hat eine Liste von Sommerjobs für junge Mädchen. So könnte ich einen Teil der Internatskosten selber bezahlen.“ Sarah sah ihre Mutter an. „Du sagst nichts?“ „Ich rede am Abend mit deinem Vater. Du weißt ja, dass du nach der obligatorischen Schulzeit arbeiten gehen solltest.“ Am Abend hörte sie ihre Eltern miteinander diskutieren und ahnte nichts Gutes. Sie lag noch lange wach, schlief dann mit dem Gedanken ein, dass sich bestimmt alles zum Guten wenden würde.

Als Sarah am Morgen, sie stand früh auf, in die Küche kam, saßen ihre Eltern am Tisch und tranken Kaffee. An ihren Gesichtern, besonders am traurigen Blick ihres Vaters entnahm sie, dass sie ihr keinen positiven Entscheid mitteilen würden. „Wir können uns dein Studium nicht leisten. Du musst die Grundschule fertig machen und dann arbeiten gehen. Es tut uns leid.“ Ohne ein Wort zu sagen, nahm sie ihre Schultasche und verließ die Wohnung … An diesem Morgen spürte, ja wusste sie: ihre wohlbehütete, schöne Kinder- und Jugendzeit war vorbei!

Zwei Monate später: Sarah saß im Zug und Tränen verschleierten ihren Blick. Sie blickte aus dem Fenster. Der Zug fuhr vorbei an Wiesen, Bächen und Dörfern. Es überfiel sie eine unendliche Traurigkeit. Es war ein Einsteigen und Aussteigen, doch sie nahm es kaum wahr. Eine ihr gegenübersitzende ältere Frau schaute sie schon längere Zeit an. „Geht es dir nicht gut? Du bist noch jung und schaust so traurig aus.“ „Nein es geht mir nicht so gut“, sagte sie zaghaft. „Ich bin heute das erste Mal allein unterwegs.“ Beim Aussteigen sagte ihr die Frau: „Pass gut auf dich auf. Vielleicht sehen wir uns einmal wieder. Wenn du magst, kannst du mich besuchen. Ich wohne hier im Dorf und heiße Helene Bircher.“ „Ich bin Sarah, danke für ihre Einladung.“

Sarah sah die junge Frau mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm. Sie ging auf sie zu. „Sind sie Frau Müller?“ „Ja, ich bin Anna, so darfst du mich auch nennen. Das ist meine Tochter Lena. Und du bist Sarah. Meine Mutter hat mir von dir erzählt. Hattest du eine gute Reise?“ „Ja danke, das Elternhaus zu verlassen, fiel mir nicht leicht.“ Anna tat das junge Mädchen leid. „Ich nehme dir deinen Koffer ab, der ist bestimmt schwer. Du darfst Lena mit dem Kinderwagen schieben.“

Das kleine Mädchen lächelte Sarah an, als ob es ihr Mut machen wollte. Sie lächelte zurück und die „Kleine“ fing an zu strampeln und lustige Laute von sich zu geben. „Ein Herz hast du bereits für dich gewonnen“, meinte Anna. Auf dem Weg in ihr neues Zuhause erklärte ihr Anna, was es in dem großen Dorf alles zu sehen gab. „Hier ist die Schreinerei meines Vaters. Er beschäftigt dort acht Arbeiter. Zwei sind hier vom Dorf. Die restlichen Arbeiter kommen von auswärts. Sie wohnen in unserem Haus. Und hier ist unser Laden, da darfst du arbeiten. Ich hoffe, es wird dir gefallen. Wir schauen kurz hinein, so kannst du meine Mutter kennenlernen. Meine Mutter und ich teilen uns die Arbeit. Ab Morgen bist du unsere neue Mitarbeiterin“, sagte Anna freundlich.