Schwere Stunde - Thomas Mann - E-Book

Schwere Stunde E-Book

Thomas Mann

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Beschreibung

Thomas Manns Erzählung "Schwere Stunde" zeigt den Dichter Friedrich Schiller in einer Nacht voller Zweifel und Krankheit, während er an seinem Werk "Wallenstein" arbeitet. Der Sturm draußen spiegelt die innere Unruhe, die ihn quält, und seine körperliche Schwäche verstärkt die Last des schöpferischen Ringens. Ärzte und Freunde mahnen zur Ruhe, doch Schiller zwingt sich weiter, getrieben von dem Anspruch, seinem Werk gerecht zu werden. Mann entwirft das eindringliche Bild eines Künstlers, der zwischen Verzweiflung und schöpferischer Leidenschaft schwankt, und macht deutlich, dass wahre Größe nicht im mühelosen Schaffen liegt, sondern im Überwinden von Schwäche und Zweifel. Diese Erzählung ist ein bewegendes Porträt des Dichters als leidender Mensch und zugleich eine Hommage an die Kraft der Kunst, die selbst in schwersten Stunden weitergetragen wird.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 14

Veröffentlichungsjahr: 2026

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SCHWERE STUNDE

THOMAS MANN

INHALT

Schwere Stunde

Er stand vom Schreibtisch auf, von seiner kleinen, gebrechlichen Schreibkommode, stand auf wie ein Verzweifelter und ging mit hängendem Kopfe in den entgegengesetzten Winkel des Zimmers zum Ofen, der lang und schlank war wie eine Säule. Er legte die Hände an die Kacheln, aber sie waren fast ganz erkaltet, denn Mitternacht war lange vorbei, und so lehnte er, ohne die kleine Wohltat empfangen zu haben, die er suchte, den Rücken daran, zog hustend die Schöße seines Schlafrockes zusammen, aus dessen Brustaufschlägen das verwaschene Spitzen-Jabot heraushing, und schnob mühsam durch die Nase, um sich ein wenig Luft zu verschaffen; denn er hatte den Schnupfen wie gewöhnlich.

Das war ein besonderer und unheimlicher Schnupfen, der ihn beinahe nie völlig verließ. Seine Augenlider waren entflammt und die Ränder seiner Nasenlöcher ganz wund davon, und in Kopf und Gliedern lag dieser Schnupfen ihm wie eine schwere, schmerzliche Trunkenheit. Oder war an all der Schlaffheit und Schwere das leidige Zimmergewahrsam schuld, das der Arzt nun schon wieder seit Wochen über ihn verhängt hielt? Gott wußte, ob er wohl daran tat. Der ewige Katarrh und die Krämpfe in Brust und Unterleib mochten es nötig machen, und schlechtes Wetter war über Jena, seit Wochen, seit Wochen, das war richtig, ein miserables und hassenswertes Wetter, das man in allen Nerven spürte, wüst, finster und kalt, und der Dezemberwind heulte im Ofenrohr, verwahrlost und gottverlassen, daß es klang nach nächtiger Heide im Sturm und Irrsal und heillosem Gram der Seele. Aber gut war sie nicht, diese enge Gefangenschaft, nicht gut für die Gedanken und den Rhythmus des Blutes, aus dem die Gedanken kamen …