"Schwester, bitte...!" - Hema Kaiser - E-Book

"Schwester, bitte...!" E-Book

Hema Kaiser

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Beschreibung

Eine wahre Geschichte über ein sehr seltenes Syndrom: Das Thoracic Outlet Syndrom. Die Autorin beschreibt auf humorvolle Art den Weg von der Diagnose bis zur Rehabilitation.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.tredition.de

Hema Kaiser

Hema Kaiser

„Schwester, bitte…!“

Die unglaublich kranke Geschichtemeines Thoracic Outlet Syndroms

www.tredition.de

© 2015 Hema Kaiser

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

e-Book:

978-3-7323-5456-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

„SCHWESTER, BITTE…!“

oder die unglaublich kranke Geschichte meinesThoracic Outlet Syndroms

VORWORT

Wenn Sie dieses Buch lesen, dann hoffentlich aus dem Grund, dass Sie sich unterhalten wollen, und nicht, weil Sie ein gesundheitliches Problem haben. Sollte bei Ihnen ein Thoracic Outlet Syndrom diagnostiziert worden sein, dann lesen Sie nicht weiter, sondern wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Dieses Buch ersetzt nicht den Arztbesuch. Lesen Sie auch keinesfalls die Beipacktexte der Ihnen verschriebenen Medikamente. Sie merken schon, in welcher Branche ich arbeite: in der Pharmabranche.

Es wird Ihnen auch gleich auffallen, dass ich keine Schriftstellerin bin, doch ich musste diese Geschichte einfach aufschreiben. Nehmen sie nicht alles ernst; ich versuche die Dinge mit einer gewissen Ironie zu betrachten, das hat mir über Vieles hinweggeholfen. Der Ruf „Schwester, bitte…!“ war mein Begleiter in einer sehr schweren Zeit und musste einfach der Titel für dieses Buch werden.

Sie müssen wissen, dass ich mich in vollem Besitz meiner geistigen und körperlichen Kräfte befinde und dass es mir gut geht. Das war aber nicht immer so.

1. Kapitel - Die Erkenntnis

Heute ist wieder einmal so ein grauer Februar-Montag, den ich zum Lesen meiner unzähligen medizinischen Fachzeitschriften benutzen kann. Schuld daran ist der von meiner Familie hoch geschätzte Armin Assinger und seine „Millionenshow“.

Meine Familie, das sind mein Mann, mein Sohn, meine Mutter und mein Kater „Herr Ingenieur Toperzer“ - er ist immer dort, wo auch wir sind - sieht mit großer Begeisterung diese Sendung, und ich nutze diese Zeit zum Lesen medizinischer Fachzeitschriften.

Ich stoße auf einen Artikel über das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) oder Nervenenge-Syndrom. Wow, klingt das spannend. Es wird die Krankengeschichte eines 26-jährigen Profisportlers beschrieben. Er hat immer wieder Probleme mit der Durchblutung und den Nerven in Armen und Händen. Durch sein intensives Training war der Skalenusmuskel (Halsmuskel) vergrößert und Verursacher seiner Beschwerden. In einigen Fällen sind aber Halsrippen die Ursache. Bei Halsrippen handelt es sich um anatomische Besonderheiten, sogenannte rudimentäre Organe, also Überbleibsel aus der Evolution. Und hier läuten bei mir die Alarmglocken! Seit zirka dreißig Jahren ist mir bekannt, dass ich Halsrippen habe. Genauso wie die Migräne eine Erbschaft von meinem Vater. Ich bin halt mit meinen 156 cm zu klein für die vielen Rippen, die ich habe.

Seit Jahren leide ich unter Schmerzen im Hals- und Brustwirbelbereich, Verspannungen, Spannungskopfschmerzen, Schulterschmerzen und eingeschlafenen Händen und Armen. Leider nehmen die Schmerzen in den letzten Jahren ständig zu. Eine ganze Lade prall gefüllt mit Röntgen- und MRT-Bildern, ein Archiv an Befunden und das Gefühl, ein Hypochonder zu sein, all das soll jetzt endlich eine Erklärung haben?

Ich bin davon überzeugt, dass ich mich selbst richtig diagnostizierte, und begebe mich auf die Suche nach einem fachkundigen Arzt.

2. Kapitel - Die Diagnose

Ich arbeite im wissenschaftlichen Außendienst einer Pharmafirma und kenne aus meiner zwanzigjährigen beruflichen Tätigkeit geschätzte sechshundert Ärzte. Nur, wo soll ich anfangen zu suchen? Ich denke, dass ich ein orthopädisches Problem habe. Also setze ich hier an und frage bei meinem nächsten Besuch an einer orthopädischen Abteilung nach. Der diensthabende Oberarzt schaut mich an und meint: „Das könnte durchaus die richtige Diagnose sein. Da es sich dabei um ein sehr seltenes Syndrom handelt, müssen Sie einen Spezialisten aufsuchen.“

Der überaus freundliche Orthopäde ist sehr engagiert, denkt nach und bespricht sich mit Kollegen. Schließlich sagt er zu mir: „Wir sind uns einig, hier gibt es nur einen, und das ist der Professor Bär. Er arbeitet in unserem Schwesterspital im Krankenhaus Spritzing und ist sicher der Einzige, der Ihnen hier weiterhelfen kann.“

Ganz begeistert, so schnell den Richtigen gefunden zu haben, rufe ich in Spritzing an und frage nach einem Termin. Dieser wird mir für den 17. Juni zugeteilt. „Nehmen Sie sich aber den ganzen Vormittag Zeit, das kann dauern!“

Na toll, es ist Ende März, das heißt: in fast drei Monaten! Auf meine Frage, ob man da nichts machen kann, antwortet die Dame schon genervt, aber nicht unfreundlich: „Sie können sich ja einen Termin in seiner Privatordination ausmachen, da sind Sie sicher schneller dran.“

Ok, das mache ich. Ich investiere oft genug Geld in „Unnützel“- eine Investition in meine Gesundheit ist ja etwas Sinnvolles.

Ich suche nach der Adresse seiner Privatordination und vereinbare online einen Termin für Mitte April. Die Praxis befindet sich in einer heiß diskutierten neuen Wiener Fußgängerzone. Wartezeit fünfundvierzig Minuten, naja, das fängt schon gut an mit dem Bär.

Die Tür geht auf, und ein imposanter Mann steht vor mir. Er ist gut zwei Köpfe größer als ich und empfängt mich mit strengem Blick. Ich - natürlich auch nicht schüchtern - beantworte seine Frage, was er denn für mich tun könnte, so: „Ich habe bei mir ein TOS diagnostiziert und hätte gerne Ihre Bestätigung.“

Er schenkt mir ein mildes Lächeln: „Na wie kommen’s denn darauf? Das ist etwas sehr Seltenes. Schau ma mal!“ „Der nimmt mich eh nicht ernst“, sind meine ersten Gedanken, „vielleicht war meine Einleitung auch zu provokant.“

Er untersucht meinen Oberkörper, meine Arme und Hände eingehend. Dann betrachtet er meine alten Röntgenbilder und überlegt. Sein Grinsen ist längst verschwunden. Er schaut mich sehr ernst an und meint: „Sie kennen Ihren Körper sehr gut und haben eine vollkommen richtige Diagnose gestellt.“ Es fehlt nur mehr „Frau Kollegin“, aber das bilde ich mir wahrscheinlich ein. Jedenfalls spricht er mit mir auf Augenhöhe. Er weckt in mir Emotionen, die ich nicht für möglich gehalten hätte: Ich fühle mich verstanden! Er erzählt mir von zahlreichen Patienten, die zu ihm als „arbeitsscheue Lamentierer“ geschickt werden. Menschen, die von Arzt zu Arzt laufen, um endlich eine Diagnose zu erhalten. Manchmal aber auch Menschen, die resigniert haben. Im Laufe des einstündigen Gespräches entwickle ich großes Vertrauen zu ihm. Er überweist mich zu mehreren verschiedenen Untersuchungen. Als Sofortmaßnahme bietet er mir eine Aufnahme ins Krankenhaus Spritzing an. Dort soll eine sogenannte Skalenusblockade (Regionalanästhesieverfahren zur Schmerztherapie) gemacht werden. Da ich dort drei Tage stationär aufgenommen werden muss, sucht er geduldig mit mir nach dem nächstmöglichen Termin Ende April.

„Der Bär ist ein sympathischer Kerl“, erzähle ich zu Hause und fühle mich so angekommen. So soll es sein, so soll es bleiben. Vorerst.

3. Kapitel - Die Therapie

Der Aufenthalt im Krankenhaus ist ein voller Erfolg! Ich checke an einem Montag nüchtern ein und habe auch gleich am Vormittag den Eingriff. Schon vor vielen Jahren habe ich Autogenes Training gelernt, das ich immer in Stresssituationen anwende. So gelingt es mir, schon vor der Einnahme der Beruhigungstablette einzudösen. Nach ungefähr einer Stunde wache ich in meinem Zimmer auf. Mein rechter Arm ist zwar gelähmt, aber mir geht es gut. Am nächsten Morgen ist alles wieder in Ordnung und ich stehe die Prozedur noch einmal durch. Mir ist zwar noch etwas schwummelig, doch bin ich sehr zuversichtlich.

Einige Tage später findet die Magnetresonanzuntersuchung statt. Ich habe NUR drei Wochen gewartet, schließlich bin ich Privatzahler, sonst hätte es doppelt so lange gedauert. Hinein in die Röhre, Arme nach oben und schon geht’s los. Nach zirka einer halben Stunde ist alles vorbei und ich nehme wieder im Wartezimmer Platz. Ich warte und warte und wundere mich schon, worauf eigentlich. Die Röntgenassistentin kommt zu mir und bittet mich, die Untersuchung zu wiederholen. Also noch einmal das gleiche Prozedere… Danach werde ich ins Büro des Radiologen gebeten. „Ich muss Ihnen etwas zeigen, das man sehr selten sieht!“ Sogar für mich als Laien ist eindeutig die Unterbrechung der Durchblutung meiner Armarterie zu erkennen. Es handelt sich um eine hundertprozentige Stenose auf der linken Seite bei angehobenen Armen (Stenose: Verengung eines röhrenförmigen Körperabschnittes). Auf der rechten Seite sind es noch immer achtzig Prozent. Das heißt, es fließt bei erhobenen Armen kein Blut durch meine Gefäße.

Das ist der Hammer. Ich bin plötzlich total deprimiert, obwohl es mir im Moment so gut geht. Vielleicht bleibt das ja auch so…

In den nächsten Wochen geht es mir weiterhin hervorragend. Ich bin so glücklich, eine Diagnose, eine Therapie und keine Schmerzen zu haben. Im Juni nehme ich dann den offiziellen Ambulanztermin bei Prof. Bär wahr. Er macht mich allerdings darauf aufmerksam, dass der Zustand nur wenige Wochen bis zu maximal sechs Monaten andauern kann. Wenn die Therapie erfolgreich ist, kann man sie zwar noch einmal wiederholen, aber es ist keine Dauertherapie.

Als er dann meine Befunde studiert, rät er mir aber doch zur Operation. Er klärt mich detailliert über die Risiken auf. „Ich habe einige Patienten, die mir gesagt haben, ‚wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich nicht operieren lassen’. So eine Operation ist sicher kein Sonntagsspaziergang, aber in Ihrem Fall die einzige Chance, dauerhaft beschwerdefrei zu sein. Wir wären froh, wenn wir bei allen Patienten die Diagnose so genau stellen könnten. Sie sind ein Klassiker!“

Als Fünfzigjährige freue ich mich zwar über den „Klassiker“, trotzdem verlasse ich die Ambulanz mit hängenden Ohren.

4. Kapitel - Die Kur

Um meine Beschwerden zu lindern, buchte ich schon vor Monaten einen Kuraufenthalt in Radlersburg. An einem wunderschönen Julisonntag reise ich an und beziehe ein gepflegtes Zimmer mit Balkon und Blick zum Pool. Herrlich! Drei Wochen nur für mich alleine. Voll motiviert niste ich mich ein und verteile meine vielen Kleidungsstücke gleichmäßig auf die Kästen.

Beim Abendessen erlebe ich eine Überraschung. Ein guter Freund meines Ex-Mannes sitzt am Tisch hinter mir. Er ist Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Salzburg und rettete meinem Ex vor gut zwanzig Jahren das Leben. Wir haben uns sicher fünfzehn Jahre nicht gesehen und besuchen gemeinsam die Hotelbar. Es gibt nicht nur viel zu erzählen, sondern auch zu verkosten. Wir befinden uns schließlich im Land des Traminers. So nett der Abend auch war, bin ich doch froh, dass der Herr Dozent bald wieder nach Hause fährt. Wenn jeder Abend so verläuft, brauche ich nach der Kur noch eine Entziehungskur.

Montag früh wache ich durch lautes Kommandieren auf: „…und eins und zwo und eins und zwo. He schneller! Schneller! Nich’ hängen lassen, wir sind hier in keinem Altenheim!“. Oje, was ist das? Ich fühle mich als wäre ich bei der Deutschen Bundeswehr gelandet. Wo bin ich nur hingeraten?

Das herrliche Frühstücksbuffet auf vier Sterne Niveau lässt mich schnell den Schock vergessen. Gut gelaunt nehme ich meinen Termin bei der Kurärztin wahr. Sie ist nett und bemüht, weiß aber mit meinem Outlet Syndrom nicht wirklich etwas anzufangen. Ich bekomme die Standardbehandlungen verordnet, Aqua Fitness ohne Hanteln und Nordic Walking ohne Stöcke.