Second Life - Robert C. Moss - E-Book

Second Life E-Book

Robert C. Moss

0,0

Beschreibung

Als Robert C. Moss die reale Madeleine das erste Mal traf, ahnte er noch nicht, daß er ein Mal ein Buch über sie und ihn schreiben würde. Sein Leben verlief bis dato recht beschaulich, ein braver Familienvater mit Interesse an Karriere und verschiedenen Hobbies. Er ahnte auch nicht, wie sehr ihn diese Begegnung beeinflussen würde. Robert C. Moss wusste um die Abgründe des Lebens, aber er hätte sich niemals vorstellen können, wie tief diese Abgründe sein können und wie schwierig bis aussichtslos es sein kann, diese aus eigener Kraft zu verlassen. Auch nicht für einen Menschen mit dem unglaublichen Potential einer Madeleine. Mittlerweile hat er es geschafft, sie aus ihrem Umfeld zu entfernen und ein zweites Leben zu verschaffen. Es war hart, und es war lehrreich, weil es beide an die Grenzen des Machbaren gebracht hat. Und es ist noch nicht ganz beendet. Aber es wird gut enden. Robert C. Moss hat aus seiner Perspektive diese Geschichte und ihre Lehren in seinem Buch verarbeitet, eine Geschichte, die auf fesselnde Weise eine reale Begebenheit beschreibt. Eine Geschichte, die zeigt, was Sucht und Drogen bei einem Menschen und seinem Umfeld anrichten. Wieso es so schwer ist, aus dem Teufelskreis der Sucht, Schulden und Hoffnungslosigkeit auszubrechen. Eine Geschichte, die aber auch Mut macht, weil sie aufzeigt, daß es möglich ist, den Teufelskreis aufzubrechen. Die Verarbeitung in einem Buch war für beide Beteiligten wichtig- für Madeleine, die ihre Vergangenheit aufzuarbeiten hat und für den Autoren, der das Gleiche von der anderen Seite erlebte. Second Life ist ein Tatsachenroman aus der erlebten Perspektive von Robert C. Moss. Er ist Mahnung und Abenteuer zugleich, ein Statement, von dem auch ein Signal der Hoffnung für all Jene ausgeht, die am unteren Rand der Gesellschaft angekommen sind und die sich ihren Weg nach oben kämpfen. Es ist auch eine Mahnung an die Gesellschaft, diese Menschen nicht allein kämpfen zu lassen, weil tatsächlich etwas geht.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 103

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Robert C. Moss

Second life

https://www.facebook.com/RobertCMossSecondLife/

Über den Autor

Die schlechte Nachricht zuerst: Niemand kennt Robert C. Moss. Er existiert nicht, denn Robert C. Moss ist ein Pseudonym. Es gibt viele Gründe, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. In diesem Fall ist es der Wunsch, die Hauptpersonen zu schützen, speziell Madeleine. Es war ihr ausdrücklicher Wunsch, dem ich gerne nachkomme, alle Orte, Personen und den Autoren zu maskieren. Ebenso war es ihr Wunsch, die Geschichte so schonungslos wie nötig zu beschreiben. Nicht jeder, der sie auf der Straße trifft, könnte mit dieser Schonungslosigkeit und den Fakten entsprechend umgehen. Auch, wenn sie zu ihrer Vergangenheit als Teil ihres Lebens steht.

Durch die Anonymisierung erhält Madeleine die Gelegenheit, ihr neues Leben zu führen, als normaler Mensch, ohne die Last ihrer Vergangenheit, die ihr am Ende mitsamt ihrem wirklichen Namen im Weg stehen könnte. Denn was sie nicht braucht, sind Menschen, die mit dem Finger auf sie zeigen und alte Wunden aufreißen. Geben wir ihr diese Chance.

Robert C. Moss

Second life

Mit aller Kraft hart an der Grenze

Für Madeleine

Lebe, Liebe, Kämpfe.

„Veränderung kann schmerzhaft sein, aber nichts schmerzt mehr, als dort zu sein, wo man nicht hingehört.“

„Wenn du versuchst, es allen immer Recht zu machen, hast du das Wichtigste vergessen: Dich selbst.“

„Wenn ich immer nur das tun würde, was Andere von mir erwarten, könnte auf meinem Grabstein stehen: Mein Leben gefiel allen, nur mir nicht.“

Impressum

Robert C. Moss

c/o Autorenservices.de

König-Konrad-Str. 22

36039 Fulda

Mail: [email protected]

Tel.: 075518581887

Kapitel 1: Verrückt

Immer, wenn ich jemandem die Geschichte dieses Buches erzählen will, beginne ich mit den Worten "Ich hab da etwas Verrücktes gemacht". lch weiß, dass das, was in sechs Monaten passiert ist, für viele unbegreiflich ist. Die Reaktionen reichen von "wie kann man sich das antun" bis hin zu "Unglaubliche Sache, die Du da getan hast".

Es gibt viele Begriffe, die man anwenden kann, wenn man sich irgendwann im Laufe seines Lebens dazu entschließt, etwas grundsätzlich anders zu machen. Gerade, wenn sich dieses "Irgendwann" um die Mitte der 40er Jahre des eigenen Lebens befindet, bietet sich der Begriff "Midlife Crisis" geradezu wie selbstverständlich an.

Tatsächlich ist das der meist gehörte Begriff, den ich mir dafür anhören musste. Warum hatte ich mich dazu entschlossen, mich trotz großer Familie einer Person anzunehmen, die am unteren Punkt ihres Lebens angekommen war und sie mit aller mir verfügbaren Kraft wieder nach oben bringen zu wollen? Die einhellige Meinung war klar: Midlife Crisis.

Viele Menschen haben mich gefragt, warum jemand, der alles hat und sich keine Sorgen machen muß, sich dieses antut? Ich habe mir und allen anderen dafür drei Antworten parat: Genau deswegen - Weil ich alles hatte und sie nichts. Weil ich es will. Und weil ich der festen Überzeugung bin, dass der Mensch es wert ist.

Wenn man ohne Sorgen und Nöte aufgewachsen ist und Vieles von selbst in den Mund geflogen kam (Schule, Studium, Job, Familie, Haus), mag es wie der normale und gegebene Status Quo vorkommen. Genauso, wie es gegeben scheint, dass jemand, der mit miserablen Voraussetzungen ins Leben startet, auf der schiefen Bahn und im Abseits landet.

Das ist falsch. Ich bin der festen Überzeugung, dass nichts auf diesem Planeten und im Universum in Stein gemeißelt ist. Man kann alles verändern, wenn man es will. Ein Status Quo lässt sich beheben. Wenn man viel Leben bekommen hat, kann man etwas davon abgeben an Jemanden, der keines hatte. Das nennt man gesellschaftliche oder soziale Verantwortung. Und ich bin bis heute davon überzeugt, einen Teil dessen, was ich gegeben habe, zurück zu bekommen. In welcher Form auch immer.

Kennen Sie den Animationsfilm Zoomania? In diesem wunderbaren filmischen Kunstwerk wächst die Hasendame Judy zusammen mit ihren Eltern und 160 Geschwistern und Verwandten auf einer Karottenfarm auf. Der Werdegang zum Karottenfarmer ist dort ein natürlich vorgegebener Weg, denn als Karottenfarmer "macht man die Welt zu einem besseren Ort". Doch Judy ist anders, will ihren eigenen Weg gehen, will in die große Stadt Zootopia gehen, um dort Polizistin zu werden, in einer Stadt, in der Jeder sein kann, was er will. Und sie geht dort ihren Weg, gegen alle Widerstände, mit Erfolg.

Die Frage, die sich automatisch stellt, ist: Geht das im realen Leben? Kann man werden, was man will, wenn man wirklich will?

Madeleine ist wie Judy. Alles, was sie brauchte, war der entscheidende Schub nach vorne, durch die Schallmauer ihrer Probleme, die sie nicht selbst durchbrechen konnte. Sie kann Vieles werden, was sie will. Mit etwas Hilfe.

Natürlich, ich kann nicht der ganzen Welt helfen. Auch das ist ein Satz, den ich oft gehört habe. Aber für diesen einen besonderen Menschen macht es den großen Unterschied.

Anders gesagt: Wenn Tausend Menschen den besonderen Unterschied für einen Anderen machen würden, wäre viel erreicht.

Es ist meine Geschichte und ihre Geschichte, die Geschichte vom festen Willen, ein zweites Leben zu schenken, das auf ein Erstes folgt, das nie gelebt wurde. Eine Geschichte, die auch von der Frage handelt, wieviel ein Menschenleben wert ist und wie viel man bereit ist, für ein solches aufzugeben.

Einige werde ich jetzt gleich mit einer harten Wahrheit konfrontieren müssen, die sich eine Liebesgeschichte erhoffen: Es ist keine. Liebe hat in dieser Geschichte keinen Platz, aus verschiedenen Gründen. Wie auch immer unser Verhältnis zueinander ist oder sein könnte, es spielt keine Rolle. Es geht um die Handlung und die Ereignisse. Eine fesselnde und spannende Geschichte künstlich mit Gefühlen zu unterfüttern ist hier fehl am Platz.

Es ist noch nicht vollbracht, aber wir sind nahe dran. Es wird Zeit. Wir haben viel aufgewendet - Mit aller Kraft hart an der Grenze.

Mit einem Menschen durch alle Tiefen zu gehen und ihn nicht fallen zu lassen, ist wahre Freundschaft.Ihn aus den Tiefen zu holen und dann die Höhen zu erleben, ist die größte Erfüllung.

(Robert C. Moss)

Steckbrief

Name: Madeleine B.

Alter: 25

Staatsangehörigkeit: Französisch

Schulabschluß: Hauptschule

Berufsabschluß: Keiner

Ausgeübter Beruf

Produktionshelferin (Schicht), Metzgereiverkäuferin, Servicekraft, Reinigungskraft

Vorstrafen: Ja

Schulden: ca. 30.000€

Finanzielles Vermögen: Keines

Einkommen: Keines

Physis: Suchtkrank und nicht erwerbsfähig. Diverse Folgekrankheiten der Sucht, angeschlagene Gesundheit aufgrund nicht behandelter Leiden

Psyche: Psychosen aufgrund unbewältigter traumatischer Erlebnisse der Vergangenheit, Schuldgefühle, Zukunftsängste, Minderwertigkeitsgefühle, gelegentliche Suizidgedanken

Perspektive :Keine

Kapitel 2: Schicksal

"Möchten sie sich vielleicht hier hin setzen? Dann müssen sie nicht stehen". Das war Madeleines erster Satz, als wir uns begegneten.

Es war im späten Sommer, die letzte Augustwoche, als wir uns das erste Mal über den Weg liefen. Eine der Mittagspausen, in der ich manchmal in die Stadt ging, um der Arbeit für eine Stunde zu entfliehen, neue Kraft tanken. An dem Platz standen (und stehen immer noch) zwei Sitzbänke. Madeleine hatte gerade auf der rechten Bank Platz genommen, ich auf der linken. Wahrgenommen hatte ich sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht, als sich plötzlich über mir am Gebäude jemand dazu entschlossen hatte, mit Bauarbeiten zu beginnen, so dass Teile von oben herabfielen und ich dazu gezwungen wurde, aufzustehen. Madeleine mußte das bemerkt haben, ihr Angebot, mich ersatzweise zu ihr auf die Bank zu setzen, nahm ich dankbar an- im Stehen zu essen, ist nicht wirklich meine Sache.

Es war eine dieser Gelegenheiten, bei denen man schnell ins Gespräch kommt. Sie erzählte mir von sich - Dass sie Französin ist, aber hier geboren und aufgewachsen. Dass sie vor kurzem erst wieder aus Frankreich zurück kam, ziemlich mittellos und kaum Freunde hier hat. Dass sie gerade einen neuen Job in einer renommierten Bar am Sportplatz angenommen hatte, um über die Runden zu kommen. Und, für diese Offenheit bin ich bis heute dankbar, von ihrer dunklen Vergangenheit, die sie hinter sich lassen möchte. Es hat mich tief beeindruckt, wie offensiv sie bei der ersten Begegnung damit umging.

Sie hatte Schlüssel und Handy vergessen, kam nicht zurück in ihre Wohnung, musste warten, bis ihr Mitbewohner wiederkam - "Ich bin ziemlich verpeilt", sagte sie. Worauf diese Verpeiltheit beruhte, sollte ich in einem langen Prozess mit viel Geduld noch herausfinden.

Meine Handynummer schrieb sie mit Lippenstift auf die Rückseite eines Kassenzettel - Handy und Stift waren ja nicht verfügbar - und wir verabredeten uns spontan für Freitag abend.

Nach fast 2 Stunden Unterhaltung ging ich zurück an die Arbeit und sie wartete darauf, bis ihr Mitbewohner zurück kam und die Tür offnete. Ihre letzten Worte waren: "Das wir uns hier getroffen haben, war Schicksal". Wie schicksalhaft das noch werden würde, sollte ich noch sehen. Es war eine Begegnung, die uns beide an die Grenzen des Machbaren bringen würde. Und darüber hinaus.

Kapitel 3: Geduld

Dass man für Madeleine viel Geduld aufbringen mußte, zeigte sich am Tag der ersten Verabredung. Punkt 22 Uhr zur verabredeten Zeit war ich am vereinbarten Ort. Alleine. Und das sollte, natürlich, so bleiben. Was hatte ich auch erwartet? Die Chancen, dass das funktionierte, standen 50:50. Nach einer Stunde ging ich wieder. Sie hatte zwar meine Nummer, aber ich nicht ihre. Man konnte davon ausgehen, dass sie in ihrer sprichwörtlichen Verpeiltheit den Termin einfach vergessen hatte. Wenn da nicht mein kleiner Dämon diese kleinen fiesen Stiche versetzt hätte: "Sie hat dich vergessen, die kommt nicht, die wollte nicht, du bist einfach nicht der Typ, mit dem man was Trinken geht, sieh es ein." Jeder Mann hat so einen kleinen, fiesen Mistkerl im Ohr, ohne Ausnahme. Dabei hat der nicht mal einen Namen.

Und jeder Andere hätte vermutlich das Handtuch geworfen - ich hatte keine Telefonnummer, keine Adresse, nichts, was mir ermöglicht hätte, Madeleine zu treffen und nach den Gründen zu fragen, warum sie mich versetzt hatte. Bis auf einen - ich wußte, wo sie arbeitete: Eine Bar am Sportplatz. Internet sei Dank, man kann ja suchen und, von Zeit zu Zeit, auch finden. Und tatsächlich wurde ich fündig. Montag war dort Ruhetag, Dienstag würde ich hingehen.

Es war nur der erste Fall einer endlosen Reihe von Fällen, die mir ein unglaubliches Maß an Geduld abverlangen würden, und die jedes Mal diesen kleinen fiesen Teufel in mir wecken würden, der wieder Zweifel ins Hirn streute, warum ich mir das antue. Von meiner gesamten Ausbildung, Arbeit und meiner Persönlichkeit her war ich bis zu diesem Zeitpunkt an Pünktlichkeit und Verlässlichkeit gewöhnt. Hier wurde ich mit dem genauen Gegenteil konfrontiert, was meine Geduld bis an die Grenze strapazierte und weiter strapazieren würde. Vielleicht war es aber gerade diese Herausforderung, die reizvoll war. Das ist bei mir so, Herausforderungen müssen angenommen und gemeistert werden.

Ich würde noch lernen müssen, wie viele Anläufe es brauchen würde, sich mit Madeleine zu verabreden, wie viele Male der Vertröstung ich an kalten und regnerischen Abenden verbringen würde (woran überhaupt nichts Romantisches war). Ich habe sie nicht gezählt. Irgendwann hat Madeleine bei jedem Mal danach dann den Hinweis gebracht, warum ich es mit ihr aushalte und nicht einfach weggelaufen bin.

Übrigens, als kleine Zwischenepisode: Vor dem Haus, in dem sie wohnte, standen eine Reihe von Mülltonnen. Da ich ziemlich oft unten warten mußte, bis sie kam, habe ich irgendwann begonnen, den Tonnen Namen zu geben. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich alle Tonnen mit Namen kenne. Und weil auf den Tonnen die Beschriftung in mehreren Sprachen vorlag, konnte ich mir das Wissen aneignen, was bspw. „Mülltonne“ auf Türkisch bedeutet: çöp tenekesi.

Acht Verabredungen nacheinander führten zu acht recht einsamen Abenden in der Nähe ihrer Wohnung. "Meine Freundin/Schwester musste ins Krankenhaus", "Mir gehts nicht gut", "Ich bin nicht zu Hause", "Meine Mama ist da", oder einfach gar nichts.

Es ist wahrscheinlich meiner Hartnäckigkeit, meiner Neugierde und meinem Misstrauen geschuldet, dass ich nicht bereits nach dem dritten Mal das getan habe, wo Andere keinen Moment gezögert hätten: Die Notbremse zu ziehen und zu gehen. Vielleicht war es auch nur ein Hauch von einer Ahnung, dass Madeleines Probleme doch noch komplexer sind, als ursprünglich angenommen und dass ein Gehen die Sache schlimmer machen würde.

Und ich hatte Recht.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt weiß ich: Es braucht viel Geduld im Umgang mit ihr. Sehr viel Geduld. Wenn man es genau nimmt- der Bedarf geht tatsächlich gegen unendlich. Nur ein ganz besonderer Mensch hat soviel Geduld wirklich verdient. Madeleine ist ein besonderer Mensch. Denn Madeleine ist eine Powerfrau. In vielerlei Hinsicht.

Kapitel 4: Powerfrau