Seelenhunde - Severine Martens - E-Book

Seelenhunde E-Book

Severine Martens

0,0

Beschreibung

Die unterhaltsamen Hundegeschichten der Fabelschmiede stecken voller Lebensweisheiten. Es sind Geschichten zum Nachdenken, Mitfühlen und zum Schmunzeln. Sie gehen mitten ins Herz und beantworten die Frage nach dem eigentlichen Wesen der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Hunde schenken Trost und Freude und werten das Leben auf eine unbeschreibliche Art und Weise auf. Ganz so, wie es eben nur Hunde können. Kein Hundefreund sollte sich diese wunderbaren Geschichten entgehen lassen, die neben Milow und Luna auch von Schnaufi und Knautschi, den Kloppekumpels Pille und Daffi, Professor A.J. Ruff und Barney Geröllheimer, Frau Ponzelmeier, Frollein Suleika und wie die Vierbeiner sonst noch heißen, erzählen. Manchmal wird sogar der Beweis geführt, dass Hunde in Wirklichkeit kleine Zauberer sind. Sie verändern unser Leben!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 330

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ich habe Deine Flügel gespürt,

gerade eben und es war nur ein kurzer Moment. Wie ein kleiner Windzug, fast wie ein Hauch und ich habe Deinen Geruch gerochen. Es kam von hinter mir und als ich mich umdrehte, warst Du nicht mehr da!

Ich konnte Dich nicht sehen, aber ich konnte Dich spüren bevor ich versuchte, Dich zu sehen. Ich habe die Augen geschlossen, mich wieder umgedreht und an vorgestern gedacht. Da warst Du doch noch da, Dein Geruch umwirbelte mich wieder und Deine Flügel schwangen sich mit einem großen Schwung über meinen Kopf. Diese Gewissheit, einfach nur ein Gefühl und ganz selbstverständlich - fast wie früher, als Du noch jeden Tag hier warst. Einfach nur da!

Eben mal nach dem Rechten gucken und sehen, ob das Frauchen alleine klar kommt. Eben nur mal gucken und dann wieder weg! Ich weiß meine Liebe, Du hast viel zu tun und viele neue Aufgaben. Sage den anderen, dass es uns gut geht! Luna kann jetzt schwimmen und der Milow hört auf seinen Namen. Das sind tolle Sachen, wollte ich Dir nur kurz noch sagen.

Fliege mein Engel und kümmere Dich um die anderen, die vielen neuen und die Unzähligen mit dem viel zu kurzen Leben auf Erden. Ihr habt da oben immer viel zu tun! Die vielen armen Seelen aus dem Meer der Tränen, im dem man nicht gut schwimmen kann. Die große Wiese, die Leichtigkeit, das Licht und der Regenbogen. Es ist wunderbar, diese Gewissheit zu haben und ich danke Dir für Deinen Besuch.

Es ist schön, dass es Dich gibt, denn ich habe Deine Flügel gespürt und Deinen Geruch gerochen!

(Für Tiffany und all die anderen … unvergessen!)

Inhalt

Ich habe Deine Flügel gespürt

Noch ein Buch?

I. Besinnliches:

Seelenhunde

Wer den Himmel berührt

Mistköter

Das Leben ist mupflich

Wenn es mit schlecht geht

Dem Himmel so nah

Das Haus am See

Luna und der rote Ball

Ich warte auf Dich

Das Herz in der Hand

Deine wunderbaren Augen

II. Heiteres

:

Das artgerechte Frauchen

Superpodilitohundikategorisch

Der Mensch

Nicht mein Tag, ich geh' ins Bett

In der Stadt

Ich bin hier bloß der Mensch

Luna und der Wald

Augenschnuddel und Schlafgeruch

Pogo im Kompost

Der Engel

Zwei Hunde

Köta, Thöle und die Misthunde

Luna und der Wackelzahn

III. Nachdenkliches

:

Mensch, Du Hundemensch

So!

Luna und die Angst

Milow, das Feld und der Wind

Kscht, Boing, ClickKlack und Quietsch

Kloppekumpels

Knautschi, Schnaufi & die Knutschkugeln

Das Einzige was zählt

Im Wald und gut zu Vögeln

Jeder für sich und Gott gegen alle

IV. Kritisches

:

Der gerettete Hund

Die gewaltlose Gewalt

Der kynologische Hund

V. Vergangenes

:

Anaconda

Ich spreche von Leika

Ratatöskr, das Einhörnchen

Am Teich

Deine Spuren im Sand

VI. Sprechende Hunde

:

Talking Dogs

Talking Dogs on Tour

Good Dog, happy Man

VII. Lunas Weihnachtsgeschichten

:

Luna und der Weihnachtsmann

Der verschenkte Hund

Wunschzettel eines Hundes

VIII. Let's speak Podengo

:

Milow und der Müll

Milow und die neue Welt

Milow und die Straße

Milow und sein neues Zuhause

IX. Laras Geschichten

:

Whisky und Wodka

Lieschen Müller und die Rübe

Die Schildkröte Theobald

Die Ratte

Das Herz blutet und die Seele brennt

Noch ein Buch?

Seit fast vier Jahren betreiben wir nun unser kleines Blog 'Die Fabelschmiede' und wir haben dort mehr als dreihundert Hundegeschichten und andere Texte veröffentlicht. Nun erscheint unser sechstes Buch mit dem wunderbaren Titel 'Seelenhunde'.

Warum das?

Ja nun klar: Wir versammeln unter diesem Titel, der seit eh und je für die Geschichten der Fabelschmiede steht, unsere sechzig schönsten und beliebtesten Texte in einer Art Fan-Ausgabe. Geschichten zum Nachdenken, Mitfühlen und zum Schmunzeln. Geschichten, die mitten ins Herz gehen – und manchmal auch ins Hirn. Unsere besten Geschichten nur für Euch.

Deshalb das!

Wir wünschen Euch viel Freude und gute Inspirationen beim Lesen.

I. Besinnliches

Über die Liebe zu unseren Hunden,

über das gemeinsame Leben an Ihrer Seite

und darüber wie sie unser Leben verändern,

für immer!

Seelenhunde

Sie wohnen unter Deiner Haut, mitten in Dir drin und einen Zentimeter links vom Herzen. Es ist die Stelle, an der die Seele ihrem Mittelpunkt hat und wo alle unsere Tränen und Lachfalten ihr Zuhause haben. Sie sind immer bei Dir, begleiten Dich durch Euer gemeinsames Leben und bleiben auch da, wenn sie schon lange gegangen sind. Sie fangen Dich auf, wenn Du fällst, und sie stützen Dich, wenn Du keine Kraft hast. Da, wo sie sind, ist der Ort, an dem Du Zuhause bist.

Seelenhunde sind der Anker, an dem Dein Leben hängt. Euch verbindet ein unsichtbares Band wie aus Gummi und je weiter Ihr auseinander seid, desto mehr zieht es Euch zurück.

Eure bittersten Tränen verschwinden, wenn sie sich auf Eurem Schoß zu einem einen Kringel zusammenrollen. Ihre großen Erlebnisse und kleinen Erfolge lassen Euch jedes Mal lachen und die gemeinsame Freude lässt Euch alle Sorgen vergessen. Wenn andere Dinge Stress und Anspannung in Euer Leben gebracht haben, sind sie da und zeigen Euch den Weg nach Hause. Sie sind immer da, wenn Du sie brauchst, und gemeinsame Spaziergänge sind wie eine frische Brise in der Seele, die Euch alles Vorausgegangene vergessen lassen.

Seelenhunde reparieren Deine Seele und auch Dein Herz, jeden Tag mehrmals und immer wieder. Sie machen es einfach so und ohne jede Mühe.

Sie sind immer da, wenn Du sie brauchst, und sie sind immer dort, wo Du bist. Manchmal sind sie der Grund, warum Du überhaupt noch aus dem Bett aufstehst und oft sind sie der letzte Anlass, doch noch einmal das Haus zu verlassen und vor die Tür zu gehen. Wie viele Leben sie wohl schon auf diese Art und Weise gerettet haben? Sie halten Dich auf Trab und in Bewegung – und sie bringen immer wieder neue Dinge in Dein Leben. Sie sind Deine Tankstelle und die Salbe auf den Narben des Lebens.

Seelenhunde sind ein untrennbarer Teil von Dir und kein Skalpell der Welt kann diese Verbindung trennen.

Sie sind die Pfadfinder, wenn Ihr Euch verlaufen habt, und sie sind die Lotsen, wenn Ihr nicht mehr weiter wisst. Sie nehmen Euch jeden Tag mit in ihre Welt. Sie holen Euch ab und sie bringen Euch jedes Mal heile und unversehrt zurück. Manche sagen, sie könnten zaubern und Wünsche erfüllen, die Worte nicht aussprechen können. Andere wissen, dass sie Eure Sehnsüchte und Träume erkennen, bevor ihr es selber könnt.

Seelenhunde sind die Liebe und die Wärme in Eurem Herzen. Sie sind die letzte Zuverlässigkeit in der Welt, wenn alles andere euch verlassen hat.

Sie lieben Euch ohne Ansehen Eurer Person. Ohne Blick auf Eure Herkunft, Euer Aussehen oder Eure Kontoauszüge. Ihnen ist es egal, ob Ihr in einer kleinen Villa mit großem Garten oder in einem Hochhaus im achten Stock wohnt. Ihr braucht einfach nur da zu sein und nichts weiter zu machen, als ihre Liebe in Eure Herzen zu lassen. Sie öffnen die Tür zur Seele und Eure einzige Aufgabe ist es, Ihnen dort einen warmen Platz einzurichten – für Immer!

Seelenhunde sind der Grund, warum Du bist. Und sie sind der Grund, warum Du jeden Tag erneut die Kraft hast, einen Tag mehr zu leben!

Wer den Himmel berührt

Mein kleines Mädchen, die ein Hund ist und keine sieben Kilo wiegt, hat eine riesengroße Seele. Die reicht von hier bis zum Mond und noch ein ganzes Stückchen weiter. Bis zu der Stelle, wo man über den Regenbogen gucken und eine große bunte Wiese sehen kann! Dort oben ist sie dem Himmel so nahe, dass sie ihn berühren und mit ihrer Pfote ein klitzekleines Loch reintuppsen kann. Sie kann mit Allen reden und spielen, die schon lange vor dieser Zeit hier unter waren - und mit denen, die da oben immer noch sind! Es sind die schönsten Momente meines Lebens, wenn sie mir davon erzählt. Nur Hunde können so etwas, glaube ich. Die Seele eines Menschen ist dazu einfach nicht groß genug!

Ihre Augen leuchten, wenn sie spricht. Auf eine ganz besondere Art, die nur ich sehen und verstehen kann. Genau so machen es alle Hunde, wenn man ihnen zuhört und ihnen nah genug ist - nur dann kann man es sehen und spüren. Man braucht einfach nur da zu sein und darf den richtigen Moment nicht verpassen. Manchmal passiert es draußen beim Spaziergang und manchmal mitten in der Nacht, wenn wir eigentlich schlafen sollten. Sie schauen Dich mit ihren großen Augen an, fangen Dich ein und nehmen Dich mit in ihre Welt. Sie bringen Dich an einen Platz, an dem Du noch nie warst und wo Du alleine niemals hingehen könntest. Sie machend es mit einem Augenblick und nur Hunde können so etwas, glaube ich. Sie lassen unsere Seele fliegen und geben ihr zwei kleine Flügel!

Wer den Himmel berühren kann braucht ein großes Herz. Als Standbein sozusagen, damit man nicht umfällt, und als Wohnung, damit die Seele auch mal schlafen kann. Das Herz eines Hundes ist eine große Wohnung, damit auch Du da drinnen wohnen kannst. Dein Hund gibt Dir ein Gefühl von Größe und Leichtigkeit, das Du alleine gar nicht haben kannst. Er zeigt Dir Dinge, die Du ohne ihn gar nicht sehen kannst. Sie sind immer noch an Deiner Seite, wenn alle anderen schon längst gegangen sind. Sie helfen Dir, das Leben leicht zu machen, und sie sorgen dafür, das Du niemals alleine bist. Nur Hunde können so etwas, glaube ich. Sie machen unsere Seele größer und schenken uns ihr großes Herz, damit wir mit ihnen gemeinsam fliegen können.

Wer fliegen kann ist klar im Vorteil und wer über den Regenbogen gucken kann, fliegt weiter als ein Horizont weit sein kann, und kann Dinge sehen, von denen wir Menschen noch nicht einmal träumen. Noch nicht einmal, wenn wir schlafen! Wie klein werden Deine Sorgen, wenn Dein Hund Dich braucht, und wie tief kannst Du schlafen, wenn Dein Hund Dich wärmt. Diese ständige Gewissheit von Vertrauen, Liebe und Zuneigung mit der sie Dich umgeben. Diese unbedingte Bedingungslosigkeit mit der sie Dir ihr ganzes Leben schenken. Sie öffnen Dein Herz und geben Dir jeden Tag erneut die Kraft für einen neuen Morgen. Menschen können das nicht. Nur Hunde können so etwas, glaube ich. Sie wärmen Deine Seele wenn Du frierst, und sie geben Dir ein Zuhause, wenn Du alleine bist.

Wer mit den Engeln fliegt, den Himmel berührt und über den Regenbogen gucken kann, der weiß, dass es auch am letzten Tag noch einen Morgen geben wird.

Hunde wissen das!

Mistköter

Mein Name ist Milow und ich werde meistens Milow H. Lunke genannt. Ich bin eine Mischung aus portugiesischem Podengo und Mistköter, weil ich ein Podengo aus Portugal bin und gerne Mist mache. Wenn mein Frauchen Mistköter sagt, dann bin ich der beste Mistköter der Welt, und das finde ich toll! Mein Frauchen, die ich meistens einfach nur ‚Die‘ nenne, ist nicht besonders schlau und sie ist kein Hund. Aber sie gibt sich immer große Mühe und das ist in meinen Augen eine ganze Menge wert.

Ich hatte bisher kein so tolles Leben, jedenfalls wird das von vielen immer wieder behauptet. Ich sehe das etwas anders! Na klar ist es doof, auf der Straße zu leben und nie zu wissen, wann und wo es das nächste Mal was zu essen gibt. Das versteht die wohl auch - jedenfalls tut die immer so und schreibt ja auch andauernd drüber. Das gute an meinem alten Leben war, dass ich hingehen konnte, wohin ich wollte. Und wenn ich da wieder weg wollte, dann bin ich da eben wieder weg. Und wenn mir was zu blöd oder zu gefährlich wurde, dann bin ich eben abgehauen. Hat auch immer geklappt - bis auf das eine Mal, da haben sie mich geschnappt, und deshalb bin ich ja jetzt auch hier.

Ich krieg jetzt jeden Abend was zu essen und ich kann mir das inzwischen sogar merken und freue mich jedes mal drauf. Jeden Abend nach der Flitzewiese rückt die meine Schüssel raus und ich finde das richtig toll. Aber erstens könnte da nun wirklich etwas mehr drin sein und zweitens könnte die das Essen auch gleichmäßiger über den Tag verteilen. Am besten wäre es, wenn ich mir das selber einteilen könnte - aber die will ja alles selber bestimmen und einem noch viel mehr vorschreiben. Ich habe mich sogar ein wenig dran gewöhnt, dass ich mir draußen selber nichts besorgen darf. Ist zwar blöd, aber die wird immer sauer und dann werde ich auch sauer! Naja, soll die halt denken, dass sie recht hat - abends gibt es dann ja immer. Da kann ich mich wirklich drauf verlassen und das finde ich gut so!

Angeblich bin ich ja auch noch ein Baustellenhund, jedenfalls redete die neulich so mit einer anderen. Die stand da mit ihrem brennenden Stöckchen in der Gegend rum und hat einfach behauptet, dass sie mit mir andauernd neue Baustellen hätte. Die kann einem ja richtig leid tun, wie schwer sie es mit mir hat - angeblich! In Wirklichkeit denkt die sich doch immer nur neue Sachen aus, die ich machen soll oder nicht mehr machen darf. Könnt ihr Euch vorstellen, wie lästig das sein kann?

Ich finde ja, dass ich schon richtig viel und toll gelernt habe. Bei meinen letzten Leuten wurde ich festgebunden, wenn die sich zum Essen hingesetzt hatten - naja, waren ja auch nur neun Tage und die hatten echt nur Angst um ihre Frikadellen. Heute darf ich mit der kleinen Luna neben Frauchen liegen, wenn die am essen ist. Das klappt schon richtig toll, findet die auch! Und, wenn wir draußen spazieren gehen, bin schon gar nicht mehr so hinter alten Kaugummis, Brötchentüten und anderem Müll hinterher - meistens jedenfalls. Die hat mir einfach mal gezeigt, dass sie immer viel tollere Sachen zum Essen dabei hat, als auf der Straße rumliegen. Die krieg ich aber nur, wenn ich die anderen Sachen liegen lassen. Und ich krieg das auch immer öfters hin, glaube ich jedenfalls.

Ein Hammer war allerdings, als die damit ankam, dass ich zu klein für mein Gewicht sei und ab sofort nur noch Diät zu essen bekommen würde. Angeblich hätte die Tierärztin gemeckert, aber das hätte Frauchen auch ruhig mal aushalten können. Und wer zahlt wieder die Rechnung? Und das mit Diät essen ist auch Käse, denn ich kriege immer noch das Gleiche - es ist einfach nur weniger als vorher. Als wenn ich das nicht merken würde, ich bin doch nicht blöd! Und dann noch dieses Sportprogramm, das die sich für mich ausgedacht haben. Ich hasse dieses Fahrradfahren. Immer so langsam und schnurstracks geradeaus, das finde ich total langweilig. Die sagt ja immer, das sei gut für meinen Rücken, und angeblich hätte Frau Doktor das auch gesagt. Alles Quatsch, denn in Wirklichkeit geht es meinem Rücken saugut und er tut beim Toben und Kloppen schon lange nicht mehr so weh. Das ist schon eine ganze Weile so und hat mit dieser blöden Diät und dem Radfahren gar nichts zu tun - bestimmt nichts, da bin ich mir total sicher!

Ehrlich, mir geht das so richtig saugut. Vor allem, seit das Wetter wieder schöner geworden ist und wir viele Neulinge auf der Hundewiese treffen. Ich finde ja, dass diese Wiese mir gehört und, dass ich das einigen Jungs auch klipp und klar sagen sollte. Natürlich hat die da wieder was gegen und nervt ohne Ende. Angeblich hätte die damit wieder eine neue Baustelle und bla bla bla! Nix darf man hier in diesem Land und vor allem bei der nicht. Da haben andere Hunde bei anderen Leuten es tausendmal besser, aber ich darf ja nichts sagen! Das ist vielleicht auch besser so, bevor hier jemand denkt, dass es mir schlecht geht.

Ich bin ein portugiesischer Podengo mit Mistköter drin. Ich lebte in einem anderen Land auf der Straße und ich lernte, für mich selber zu sorgen. Ich wurde vor ca. einem Jahr eingefangen, sollte getötet werden und wurde gerade noch rechtzeitig gerettet. Ich wurde aufgepäppelt und nach einer Weile in dieses Land verfrachtet. Ich war bei Menschen, die mich eigentlich gar nicht wollten. Danach nochmal das Gleiche, bis ich dann hier angekommen bin. Ich wurde nie gefragt und man wollte immer nur mein Bestes. Alles, was ich an Regeln auf der Straße gelernt hatte, war über Nacht wertlos für mich geworden. Und die Regeln meiner neuen Welt waren mir unbekannt und ich konnte sie nicht verstehen. Ich war unsicher, hatte Angst - und ich klammerte mich an jeden Strohhalm!

Heute nach einem Jahr bin ich hier angekommen. Ich habe in dieser Zeit mehr gelernt, als manch ein Mensch sich vorstellen kann. Ich bin der tollste Mistköter der Welt - und ich bin es gerne!

Das Leben ist mupflich

Das Leben ist mupflich, sagt klein Luna, und verschwindet wieder unter der Bettdecke. Nur noch ihre kleine schwarze Lakritznase schaut hervor und der Rest des Hundes schnurchelt sich wieder zufrieden ins Traumland. Jetzt stehe ich mit dem Milow alleine auf dem Flur und unsere morgendliche Geschäftsreise zu dritt kann ich wohl vergessen. Es regnet, und zwar im Mengen, und wenn es in Mengen regnet, funktioniert Luna nicht mehr. Alleine das prasselnde Geräusch auf unseren schrägen Dachfenstern reicht für sie aus: Eine entsetztes Gesicht, ein verzweifelter Blick und *schwupps* ist sie wieder die Treppe hoch und im Schlafzimmer verschwunden.

Also ziehe ich mit dem Halunken alleine los! Allerdings nur kurz, mal eben den Garten und den Zaun kontrollieren, die morgendlichen Botschaften seiner Kollegen überschreiben und dann ebenfalls wieder rauf in die warme und trockene Bude. Schnell in die Küche und gucken, ob auf dem Boden noch Krümel von gestern abzuwischen sind - und dann ins Wohnzimmer und rauf aufs Sofa. Luna, die inzwischen wieder aufgetaucht ist, schnüffelt ihm am Hintern, überlegt ganz kurz ob sie auch mal müsste und lässt sich mit einem *Plumps* neben ihn fallen. Als ich in die Küche gehe, hebt der Milow kurz den Kopf und überlegt, ob sich das aufstehen für ihn lohnen könnte. Die vertrauten Geräusche lassen ihn aber ahnen, dass ich mit meinem Frühstück bald wieder auftauchen würde, und er bleibt neben Luna liegen. Wenig später sitze ich mit meinen Stullen zwischen den beiden auf dem Sofa und wir drei lassen es uns schmecken. Warum extra aufstehen, wenn man sein Fraule durch und durch kennt und sowieso immer alles so kommt wie es kommt. Ich bringe mein Tellerchen brav in die Küche, Milow passt genau auf, ob auf dem Weg noch was herunterfällt, und kurze Zeit später nickern die beiden wieder ein! Warum in Hektik verfallen, wenn es keinen konkreten Anlass dazu gibt, und warum grundlos herumlaufen, wenn man auch dösen kann.

Manchmal beneide ich die beiden, vor allem wenn ich selber mal wieder nicht weiß wo mir der Kopf steht und vor lauter Aktivismus gar nicht schaffe. Wie viel angenehmer wäre es da gewesen, einfach auf dem Sofa sitzen zu bleiben, die Beine hochzulegen und erst aufzustehen, wenn es wirklich Sinn gemacht hätte. Kluge Hunde habe ich hier, einfach nur schlau und ich sollte mir ein Beispiel dran nehmen. Eine Geschichte könnte ich darüber schreiben, kommt mir so in den Kopf, und schon wieder springe ich auf. Das Leben ist mupflich, grunzte Klein Luna, und der Halunke fügte hinzu, ich solle nicht solch eine Hektik machen! Beide verschwinden im Schlafzimmer, wollen dort in Ruhe weiter dösen und ich klappe mal wieder das Laptop auf! Ein leises Schnarchen lässt mich aufhören und wie ich aufstehe, dringt ein leises Fiemen an meine Ohren. Luna liegt im Bett auf dem Rücken, träumt einen kleinen Traum und rennt mir ihren Beinen den Wolken hinterher - der Milow schnarcht mit den Holzfällern um die Wette.

Das Leben ist mupflich, fällt mir wieder ein, und ich brauche nicht lange zu überlegen. Ich schnappe mir ein dickes Buch aus dem Regal, lege mich zu den beiden auf das Bett und fühle mich fast ein bisschen wie meine Hunde.

Nicht nur Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit und - mal ehrlich - bald wird uns der Alltag wieder in seine Fänge nehmen. Mupfen wir also die Gelegenheit und nehmen wir uns die Zeit die wir brauchen: Die Zeit für uns selbst!

Wenn es mir schlecht geht

Wenn es mir schlecht geht, sagt Klein Luna: Komm los, wir gehen in den Wald! Hör auf zu grübeln und flitze einfach los mit uns, sagt sie dann, und der Milow ist sowieso immer dafür! Komm los, wir lüften Deine Gedanken, sagt er mit seinem tollen Lächeln um die Schnauze, und er weiß ganz genau, das es mir gut tun wird. Dann gehen wir irgendwohin, wo wir nur mit uns sind - sonst niemand anders, und vor allem keine Sorgen und keine Angst vor dem Morgen!

Wenn es mir schlecht geht, rollt Luna sich auf meinem Schoß zu einem kleinen Knäuel zusammen und wärmt meinen Körper und meine Seele. Im Bett kriecht sie unter meine Decke und ist einfach nur da, mehr nicht! Solange, bis ich aufhöre zu weinen, und ihre wunderschönen braunen Augen keine Traurigkeit in mir mehr zulassen. Milow liegt derweil neben dem Kopfkissen und hält Wache, bis wir beide wieder selber auf uns achtgeben können!

Wenn es mir schlecht geht, ist der Milow immer neben mir und passt auf mich auf. Manchmal leckt er mir durchs Gesicht, als würde er sagen: Brauchst nicht zu weinen, wir sind sind doch da! Mache Dir keine Sorgen, ich bin doch Dein Großer, und wir haben gemeinsam doch schon ganz andere Sachen hingekriegt. Das hier wuppen wir auch noch, aus der Hocke, und morgen scheint auch für Dich wieder die Sonne. Ganz bestimmt, musst nur dran glauben - ich bin für Dich da!

Wenn es mir schlecht geht, dann schaue ich in zwei wundervolle Augenpaare, die sagen: Kein Stein ist so schwer, dass wir ihn nicht gemeinsam tragen können. Dann geht es mir schnell wieder besser. Und dann bin ich froh, dass meine besten Freunde Hunde sind und keine Menschen. Sie sind immer da, wenn ich sie brauche - oft lange bevor ich es selber merke. So etwas können Menschen nicht, das können nur Hunde!

Wenn es mir schlecht geht und ich nicht mehr weiter weiß, sagen sie: Komm hör auf zu weinen, Du hast eine Aufgabe und wir brauchen Dich doch! Wie sollen wir sein in dieser Welt, ohne Dich! Wir haben doch gemeinsam schon so viel erlebt und ausgehalten - sei heute ruhig mal traurig, aber freue Dich auf morgen, so machen wir Hunde das. Es wirkt, jedes mal und immer wieder!

Wenn es mir schlecht geht, bin ich nie alleine. Ich brauche nicht reden und mich erklären, oder mich gar dafür entschuldigen. Ich kann sein wie ich bin, einfach traurig sein, und ich kann mich fallen lassen, weil ich aufgefangen werde. Mühelos und ohne vorher zu fragen. Ich brauche mich nicht zu schämen, weil mich meine Freunde immer so nehmen wie ich bin - ganz egal wie ich bin. Auch das können nur Hunde!

Wenn es mir schlecht geht, dann bin ich ein glücklicher Mensch, weil es mir gar nicht lange schlecht gehen kann. Es sind nur Momente, in denen ich grad mal nicht dran denke, das ich niemals alleine bin, und mit meinem Kopf nicht zu Hause bin. Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich Freunde habe und mein Leben mit ihnen teilen darf. Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich Freunde habe, die mir ein Zuhause geben!

Wenn es mir schlecht geht, dann denke ich an die Geschichte meiner Lieben: Luna in ihrem dunklen Keller, eingesperrt und vergessen, und der Milow irgendwo im Nirgendwo, alleine mit seiner Angst und seinem knurrendem Magen. Diese Geschichten, über die ich so oft schreibe, obwohl ich eigentlich gar nicht mitreden kann. Sie wurden gerettet und heute retten sie jeden Tag einen Menschen - meistens mich! Mir kann es gar nicht schlecht gehen und, wenn sie mir tief in die Augen schauen, bin ich der glücklichste Mensch der Welt - ein wahrer Glückspilz!

Dem Himmel so nah

Ein Liebeslied an das Leben mit Hunden:

Ihre Liebe wohnt in Deinem Herzen und ein kurzer Blick aus ihren Augen lässt deine Seele fliegen. Die kleinsten Gassigänge werden zu Abenteuerreisen und Deine größten Sorgen werden leicht wie der Wind. Dem Himmel so nah, mit dem Kopf in den Wolken und den Pfoten auf dem Boden - so ist ihre Liebe zu Dir!

Keiner von ihnen wird ewig leben, denn jeder kleine Tod gehört zum großen Plan - aber wenn sie erst einmal Dein Herz berühren, dann bleiben sie für immer! Ihre Liebe zu Dir ist für sie ein ganzes Leben und sie schenken Dir alles was sie haben - bis zum Schluss! Sie bekommen keine grauen Haare, so etwas sagen nur die Menschen. Hunde nennen es Silber und später im Himmel wird es zu Gold, wie das Haar der Engel.

Jeden Morgen beginnt Dein Leben an ihrer Seite und am Abend wiegen sie Dich in den Schlaf. Sie umarmen Dich mit ihrer Seele und begleiten Dich durch Deine Träume. Du brauchst Dich nicht zu sorgen und wirst niemals einsam sein, denn Du bist nie alleine und sie passen immer auf Dich auf. Ein einziger Blick von ihnen kann böse Geister vertreiben und die Engel rufen. Ihre Wärme wird immer um Dich sein - jeden Tag, bis zum nächsten Morgen und für den Rest ihres Lebens!

Sie zeigen Dir die unendliche Leichtigkeit des Seins und sie spielen Polka mit Deiner Liebe. Manchmal tanzen sie leise zu Klängen im Wind und singen für Dich das Lied von der Ewigkeit. Sie zeigen Dir eine Welt, in der die Uhren keine Zeiger haben, und wenn ihr dort angekommen seid, werden sie Dein Leben verändern - für immer! Sie kennen den Platz an dem die Liebe wohnt und werden Dir irgendwann sagen, dass sie dort auf Dich warten werden.

Mit dem Kopf in den Wolken, den Pfoten auf dem Boden und Deiner Liebe Herzen!

Dem Himmel so nah!

Das Haus am See

Die zweitbeste Zeit meines Lebens waren die Jahre am See. Das war die Zeit an der Seite von fünf Katzen, einer Frau und zwei Hunden. Es ist die Geschichte von Suleika und Tiffany, wie sie zu uns kamen und warum sie mein Leben veränderten. Und es ist die Geschichte von unserem kleinen Haus und von dem See, an dem wir so oft waren.

Die Geschichte, die ich erzählen möchte, geht so:

Unser kleines Haus lag nicht direkt am See und das war auch gut so. Hätte es direkt am See gelegen, wäre ich an diesem einen Tag nicht auf die Idee gekommen, das Fahrrad zu schnappen und mit Leika einfach loszusausen. Es war noch sehr früh am Morgen und die Sonne krabbelte so gerade über den Horizont. Es war das erste mal und der Anblick des Sees und der großen Wiesen im Morgennebel war einfach überwältigend. Es war morgens um sechs Uhr, niemand außer uns war unterwegs und wir hatten das Gefühl, dass der ganze See uns alleine gehört.

Ich stieg in die Pedalen und sauste mit dem Fahrrad die Strecke von fast vier Kilometern einmal rund um den See herum. Leika lief frei und flitzte mal links und mal rechts vom Fahrrad mit. Sie tobte über die Moorwiesen und preschte an flachen Uferstellen im gestreckten Galopp durch das Wasser. Ich habe diese Bilder noch heute vor Augen! Der See hatte uns gefangen und in den nächsten Jahren fuhren wir diese Strecke jeweils morgens und abends. Wir lernten andere Menschen und Hunde mit dem gleichen Hobby kennen und wenn wir uns auf unserer Tour trafen, dann war es jedes mal ein kleines Fest. Die Hunde sprangen gemeinsam ins Wasser, schwammen um die Wette den geworfenen Bällen hinterher oder tobten einfach nur kreuz und quer durch die Gegend. Bälle hatten wir immer genug, denn wir kamen auf unserem Weg an Tennisplätzen vorbei und Tennisplätze sind einfach klasse zum Bälle finden.

Wir fuhren bei Wind, Regen und Wetter, im Sommer wie im Winter. Auf einer unserer Touren lernten wir unsere Freundin Tiffany kennen, die von ihren ehemaligen Besitzern ausgebüxt war. Und wir entdecken dort das Ski-Langlaufen für uns, als im Winter 2006 der ganze See und die Moorwiesen zugefroren waren. Als die Tiffi zu uns stieß, musste sie von Anfang an mit. Anfangs noch hauptsächlich im Fahrrad-Anhänger, später dann auf eigenen Füßen. Tiffany war nicht solch eine Flitzebiene wie mein Leika, sie wollte lieber herum toben und mit mir um die besten Stöckchen kämpfen. Beim Radfahren trödelte sie oft absichtlich und tat so, als wenn sie völlig aus der Puste wäre. Aber ich brauchte nur stehen zu bleiben und einen Ball in die Hand zu nehmen, dann war die Puste schlagartig wieder da. Wir hatten sie schnell durchschaut und deshalb nur noch ein Stückchen lieber gewonnen. Das Flitzen am Rad blieb Leikas große Leidenschaft und die Pausen gehörten Tiffany. Während wir herumtobten und um die tollsten Stöckchen kämpften, ging Leika lieber schnell eine Runde Schwimmen oder legte sich irgendwo hin und bewachte ihren Frisbee.

Hinter Frisbees her zu sausen war das einzige, was Leika wohl noch besser fand, als am Rad zu flitzen. Frisbees fand sie toll, weil sie besser zu sehen sind, nicht so schnell fliegen wie Bälle und weil man sie klasse im Flug schnappen kann. Tiffany war mehr der Typ für alles, wo man ordentlich reinbeißen konnte - alte und vermoderte Holzstöcke zu finden und zu zerlegen, das war ihre Spezialität. Weggeworfene Dinge für andere wiederholen zu müssen, das war nicht ihr Ding und das fand sie einfach nur doof!

Tiffany und Suleika leben schon lange nicht mehr, aber sie begleiten als Schutzengel noch heute unsere Wege und Träume. Damals habe ich mir immer ein kleines Häuschen an unserem See gewünscht. Morgens aufzustehen, aus dem Haus zu kommen und über einen kleinen Steg gleich zum Wasser laufen zu können - das war ein großer Traum von mir. Mittlerweile wohne ich in einem anderen Ort und ich war bestimmt über zehn Jahre nicht mehr an unserem geliebten See. Aber wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich meine beiden Lieben dort flitzen und toben, dann sehe ich den Morgennebel und die weiten Wiesen und es ist mal wieder keiner da, außer uns. Oft kullern dann die Tränen, denn es waren immer wunderschöne Momente, die in meinen Erinnerungen einen goldenen Bilderrahmen bekommen haben.

Meistens sitze ich dann mit Luna und Milow vor unserer kleinen Hütte, die mein Mann vor einigen Jahren noch gebaut hat. Wir hatten das Glück, ein kleines und verwildertes Stückchen Land mitten im Moorwald ergattern zu können und sogar einen kleinen See haben wir darauf. Eine Pfütze im Vergleich zu unserem alten See, eher ein kleiner Tümpel, aber für uns ist es ein kleines Paradies. Wir fahren von unserer Wohnung so ungefähr eine halbe Stunde mit dem Rad dorthin und vieles auf dem Weg ist mir jedes mal auf eine unheimliche Art und Weise vertraut. Der Flitzemaus Luna geht es meistens nicht schnell genug und der Trödelbär Milow lauert die ganze Zeit eigentlich nur auf die nächste Spielpause. Fast wie früher, denke ich dann, und manchmal fühle ich mich wie auf einer Zeitreise. Die Vergangenheit holt mich ein und oft fühlt es sich so an, als seien meine beiden Mädels wieder mit dabei. Klein Luna springt wie Leika in den See und schwimmt den Bällen hinterher, während der Halunke sich mit den wirklich wichtigen Dingen des Hundeseins beschäftigt, ganz so wie die alte Tiffany. Ich sitze dann vor unserem Haus am See, klappe das Laptop auf und fange an, diese kleine Geschichte aufzuschreiben.

Der Kreis hat sich geschlossen!

Es ist schön, eine Vergangenheit zu haben, in der man immer noch leben kann – und es ist schön, ein Leben zu haben, in dem die Vergangenheit immer noch einen Platz hat.

Luna und der rote Ball

Alle Hunde der Welt sind tolle Hunde, aber die tollsten Hunde der Welt sind natürlich meine Hunde. Welche denn auch sonst? Luna zum Beispiel ist das Beste, was mir je passiert ist! Sie ist der Sonnenschein in meinem Herzen und ich verdanke ihr mein Leben. Unsere Seelen sind zusammengewachsen und ich kann ohne sie nicht mehr sein.

Heute ist ein guter Tag für ein Liebeslied!

Als die Kleine damals zu uns kam, wurde sie von meiner alten Tiffany sofort adoptiert. Tiffi war immer die Nummer Eins. So sehr Nummer Eins, wie nur ein Hund sein kann, mit dem man schon 12 Jahre zusammenlebt. Luna kam dazu und war die Nummer Zwei, was ganz schön viel ist, weil bei uns Zwei gleich nach Eins kommt. Ich ging mit Tiffi auf Abenteuertour und Luna nahmen wir mit. So war das immer und es war immer toll, die kleine Maus mit dabei zu haben!

Als Tiffany fast 14 Jahre alt war, ging sie von uns und Klein Luna wurde über Nacht zur Nummer Eins. Der Abschiedsschmerz von Tiffi war sehr groß und sollte unser Leben noch lange Zeit begleiten. Klein Luna war der Engel, der mir half, meine Gedanken von der Vergangenheit zu lösen und wieder nach vorne zu schauen. Sie war so anders als mein altes Mädchen, nicht nur viel kleiner, sondern einfach nur anders. Niemals versuchte sie, in Tiffis Fußstapfen zu treten. Sie wollte lieber eigene hinterlassen und das schaffte sie ausgesprochen gut.

Es dauerte nicht lange und sie fing an, ihre Wünsche deutlich zu reklamieren. Luna war auch damals schon ein Flitzehund und ich entdeckte das Fahrradfahren mit Hund völlig neu für uns beide. Radfahren mit Luna war schon immer anders als ich es von meinen Schäferhunden bisher kannte, denn die wollten am liebsten langsam traben. Luna wollte Rennen und Flitzen. Vollgas in die Pedale und, wenn ich schon längst aus dem letzten Loch pfiff, dann wurde die Rennmaus erst richtig warm. Sechs Kilometer am Stück und dann eine halbe Stunde Päuschen zum Toben, Trinken und Mäuse jagen. Auf dem Rückweg wieder flitzen, bis ich völlig aus der Puste war. So war das vom ersten Tag an: Eine Riesengaudi und so es ist bis heute geblieben.

Einzigartig ist der Blick, den sie mir beim Rennen manchmal zuwirft. So ganz von unten schräg nach oben, direkt in die Augen, als wenn sie sagen wollte: Juchu, das macht Spaß mit dir zusammen und jetzt mal richtig Gas geben, los geht’s, juchu! Stolz wie Bolle bin ich dann jedes mal auf meine kleine Maus. Vor allem dann, wenn wir mal wieder andere und größere Hunde ganz locker abgehängt und weit hinter uns zurückgelassen haben.

Steigerungsfähig ist sie nur noch, wenn wir mit ihrem roten Ball spielen. Es muss der Rote sein und er muss schon ein paar Tage älter sein. Mindestens zehn mal im Graben gelandete und von anderen Hunden richtig schön durchgekaut – stinkend und vollgesabbert, dann ist er erst richtig gut. Ich habe immer einen Vorrat an roten Bällen zu Hause und wenn der alte mal abhanden gekommen ist, dauert es immer eine Weile, bis der neue wieder was taugt.

Lunas roter Ball ist der beste Ball der Welt und sie lässt ihn niemals aus den Augen. Wenn ich ihn werfe, dann flitzt sie so schnell, dass sie ihn im Flug noch überholt. Hat sie ihren Ball wieder, kommt sie damit zurück geflitzt – aber nicht, um ihn mir zu bringen, sondern, um ihn in irgendeiner Ecke des Platzes erst mal ordentlich durchzuknautschen. Danach muss ich versuchen, ihr den Ball abzujagen, um ihn dann anschließend gegen ein Leckerli abzutauschen. Danach darf ich dann endlich wieder werfen und Luna darf wieder flitzen. So hat mein Mädchen mir das beigebracht und im Laufe der Jahre bin ich richtig gut geworden damit, meinte Luna neulich mal. Auf dem Heimweg trägt sie ihren Ball grundsätzlich selber, darauf legt sie allergrößten Wert. Bis in unsere Wohnung schleppt sie ihn mit sich herum und sie bewacht ihn, bis es endlich Abendbrot gibt.

Und dann kamen die Tage, an denen sie mir das Leben rettete. Es ist noch kein Jahr her und ich war nach dem Tod meines Mannes noch nicht wieder richtig im Leben zurück. Ich hatte immer noch oft das Gefühl, dass die Erde sich ohne mich weiterdreht und ich völlig nutzlos übriggeblieben war. Einzig meine kleine Prinzessin war der Grund, warum ich morgens überhaupt noch aus dem Bett krabbelte. Ihre pure Lust am Leben und ihre Liebe zu mir gaben mir jeden Tag immer wieder kleine Lichtblicke. Wenn ich draußen mit Luna unterwegs war, hatte ich das Gefühl, ein Teil dieser Welt zu sein, nur dann - und wir waren oft draußen zu dieser Zeit!

Luna war mein einziger Anker in dieser Welt und sie war mein kleiner Sonnenschein, zu dem ich immer konnte, wenn es mir schlecht ging. Luna war immer da, meistens auf meinem Schoß oder im Schlafzimmer – das ist heute noch ihr Reich. Meist lag sie dort friedlich schlafend, geschafft vom letzten Flitzeabenteuer und den vielen Leckerli danach. Ein kleiner Kringel von Hund, der bequem in jedem Brotkorb einen Schlafplatz finden würde, mitten in unserem großen und leeren Bett.

Und dann kam der Tag, an dem Luna der Meinung war, dass es an der Zeit wäre, unsere kleine Familie zu vergrößern. Das war der Abend auf der Hundewiese an dem wir den Milow trafen und es war ein toller Abend, der sehr viel in unserem Leben verändern sollte. Luna hatte einen neuen Kumpel, ich hatte einen zweiten Hund und darüber hinaus hatten wir eine liebe Freundin gefunden. Ein neuer Lebensabschnitt mit vielen weiteren Veränderungen begann und ich hatte über Nacht einfach wieder Bock auf das Leben. Ich fing an, unsere kleinen Geschichten aufzuschreiben und ich mache das bis zum heutigen Tag mit wachsender Begeisterung. Ohne meinen kleinen Sonnenschein wäre das alles gar nicht passiert – ohne sie hätte ich das alles nicht geschafft!

Ich gehe nirgendwo hin, wo Luna nicht auch mit hin darf, und wenn ich es trotzdem tue, dann tut es weh. Bei dem Milow ist das anders, der scheint manchmal sogar recht froh zu sein, wenn ich auch mal weg bin und er seine Ruhe haben kann. Mit Luna ist es fast so, als wenn uns ein Gummiband verbindet, und je weiter ich mich von ihr entferne, desto mehr zieht mich dieses Band zurück. Wenn ich morgens das Haus verlasse, verabschiede ich mich zig mal von ihr und vergewissere mich genauso oft, dass ihr auch ganz bestimmt nichts passieren kann, während ich weg bin. Die Heimkehr ist jedes mal ein kleines Freudenfest, fast so, als wenn wir uns jahrelang nicht gesehen hätten. Den Milow dagegen muss ich manchmal wecken, damit er überhaupt mitbekommt, dass ich wieder da bin – aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kann nachts nicht Schlafen, wenn Luna sich nicht unter der Bettdecke an mich ankuschelt und dabei die seltsamsten Grunzgeräusche produziert. Jedenfalls glaube ich das, denn bisher ist das nicht vorgekommen, dass sie nicht da war. Der Milow ist da anders, so wie Kerle halt oft sind. Der Hakunke schläft am liebsten am Fußende, bewacht uns und die Futtertonne und will in erster Linie seine Ruhe haben. Luna steht mit auf, wenn ich nachts mal aufs Klo muss und morgens brauche ich ihren Schlafgeruch, sonst werde ich gar nicht richtig wach. Sie hat einen guten Schlafgeruch, vor allen an den Füßen und ich liebe das. Milow riecht morgens immer, als wenn er heimlich ein Deo benutzt. Das ist auch ganz toll, aber nicht so toll wie Lunas Füße.