Seidenstadtblues - Ulrike Renk - E-Book

Seidenstadtblues E-Book

Ulrike Renk

4,8

Beschreibung

Freitagabend und der KEV spielt, als Sabine Thelen, Kommissarin beim KK11 in Krefeld, aus dem Bereitschaftsdienst gerufen wird. In einem Schrebergarten soll geschossen worden sein. Tatsächlich findet man einen Toten, doch der weist keine Spuren eines gewaltsamen Todes auf. War es nur ein Unfall? Sabine Thelen nimmt die Ermittlungen auf - und verschwindet spurlos. Hauptkommissar Jürgen Fischer und seine Kollegen setzen alles daran, sie zu finden, doch jede Spur führt ins Nichts. Dann wird ein Schrebergarten in Brand gesetzt; in den Trümmern liegt die Leiche einer Frau. Ist es Sabine Thelen …?

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Ulrike Renk, Jahrgang 1967, aufgewachsen in Dortmund, Studium in Aachen, lebt seit über zwanzig Jahren in Krefeld am Niederrhein. Sie schreibt historische Romane und Kriminalromane. »Seidenstadtblues« ist der fünfte Fall von Hauptkommissar Jürgen Fischer.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© 2012 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: photocase.de/salynaz Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-111-4 Niederrhein Krimi Originalausgabe

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EINS

»Thelen.« Sabine drückte das Handy an ihr Ohr, hielt sich das andere zu. Sie stand vor dem Königpalast an der Westparkstraße. In der Schlange ging es lebhaft und laut zu. Gleich würden sich die Krefelder Pinguine in den Play-offs beweisen müssen.

»Sabine? Kannst du meinen Bereitschaftsdienst übernehmen?«

»Roland, ich habe Karten fürs Eishockeyspiel.«

»Meine Mutter ist gestürzt und hat sich den Oberschenkel gebrochen. Sie muss noch heute operiert werden.« Hauptkommissar Roland Kaiser klang verzweifelt.

»Oh«, entfuhr es Sabine. »Das tut mir leid. Natürlich übernehme ich deinen Dienst.«

»Es sieht alles ruhig aus. Ich gebe deine Nummer weiter, aber ich bin mir sicher, dass du das Spiel in Ruhe sehen kannst. Ansonsten liegt nicht viel an. Die Mappe mit den laufenden Vorgängen lege ich dir auf den Schreibtisch.«

»Alles klar. Und alles Gute für deine Mutter.«

»Danke, Sabine, du hast mindestens zwei gut bei mir.«

Nachdenklich legte Sabine auf. Wenn die Eltern älter werden, dachte sie, kommen plötzlich ganz neue und andere Sorgen auf uns zu. Sie hoffte inständig, dass es dienstlich an diesem Wochenende tatsächlich ruhig bleiben würde.

»Probleme?«, fragte Jürgen Fischer und strich sich über das stoppelkurze Haar. Dabei verzog er das Gesicht.

»Immer noch Schmerzen?«

»Nur wenn ich den Arm falsch bewege, was immer wieder vorkommt, weil ich einfach nicht daran denke.«

Vor ein paar Monaten war Hauptkommissar Fischer von einem Verrückten angegriffen und zusammengeschossen worden. Er hatte trotz der schweren Verletzungen überlebt und befand sich nun in ambulanter Reha. Es würde noch ein Weilchen dauern, hatte die Physiotherapeutin gesagt, bevor er wieder zurück zum KK 11 könne. In den ersten Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt hatte Fischer die freie Zeit genossen, doch nun sehnte er sich zurück zur Dienststelle und zu seinen Kollegen.

Sabine erläuterte ihren beiden Kollegen den Grund für Rolands Anruf.

»Wäre zu blöd, wenn uns dein Bereitschaftsdienst das Wochenende verderben würde«, meinte Oliver Brackhausen und führte die beiden zu ihren Plätzen.

Sabine nickte nur.

Die Krefelder Pinguine dominierten das Spiel, aber vor dem Ende des ersten Drittels erzielten die Gegner ein Tor.

»Verdammt!« Oliver sprang auf. »Das hätte nicht sein müssen!«

»Wir haben noch zwei Drittel.« Jürgen Fischer grinste. »Also beruhige dich und hol uns Bier.«

Oliver war gerade weg, als Sabines Handy klingelte. Fast hätte sie es überhört, denn die Fans im Königpalast skandierten ihre Schlachtrufe. Zum Glück hatte sie das Mobiltelefon in die Hosentasche gesteckt und spürte den Vibrationsalarm.

»Thelen.« Wieder musste sie sich das andere Ohr zuhalten. »Okay«, sagte sie schließlich. »Ich komme sofort. Wo ist das? Inrath? Ist hier um die Ecke, ich brauche nicht lange.«

»Was ist passiert?«

»In einer Kleingartenanlage wurden Schüsse gemeldet. Die Schutzpolizei ist schon unterwegs.«

Fischer stand auf. Sabine sah ihn überrascht an.

»Ich komme mit«, sagte er. »Wenn ich darf.«

»Na klar.« Sabine lächelte. »Aber du musst im Wagen warten.«

Sie schaute sich nach Oliver um, doch von ihm war nichts zu sehen. Der Königpalast war gut gefüllt, fast ausverkauft. Die Fans drängten sich zu den Ausgängen, um Bier oder Würstchen zu holen.

»Verdammt.«

Fischer zog die Augenbrauen hoch.

»Keine Spur von Oliver, aber er hat den Wagenschlüssel.« Sabine zuckte ratlos mit den Schultern.

»Ruf ihn doch an.« Jürgen Fischer schmunzelte.

Sabine schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn und drückte die Kurzwahl auf dem Handy. »Oliver, vergiss das Bier, ich bin rausgerufen worden. Du kannst hierbleiben, ich brauche nur den Schlüssel.«

»Kommt gar nicht in Frage«, sagte Oliver, als sie ihn im Foyer trafen. »Ich lass dich doch nicht alleine zu einer Schießerei fahren. Wo ist das überhaupt?«

»In einer Schrebergartenanlage hier in der Nähe. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Schießerei ist. Eine ältere Frau hat Schüsse gemeldet. Vielleicht spielen aber auch nur Jugendliche mit einer Blechdose Fußball oder so.«

Vor der Gartenanlage warteten zwei Streifenwagen auf sie.

»Wir haben einen Toten«, sagte einer der Polizisten. »Ich habe schon den Gerichtsmediziner angefordert.«

»War der Notarzt da?«

»Ja, und ist auch schon wieder weg.«

»Ist der Mann erschossen worden?«

»Das kann ich nicht genau beantworten. Es gibt zwar Blut bei der Leiche, aber eine Schussverletzung habe ich nicht gesehen. Ich wollte die Leiche auch nicht unnötig anfassen.«

Sabine nickte. »Irgendwelche Spuren einer Kampfhandlung?«

»Nein. Das Gartentor stand offen, genauso wie die Tür zum Haus. Aber dort ist alles ordentlich, nichts deutet auf einen Kampf hin.«

»War er dort alleine?«

»Jedenfalls ist jetzt niemand mehr dort. Wir haben den Garten abgesucht und auch die Nachbargärten. Um diese Uhrzeit ist hier nicht mehr viel los. Im Sommer sieht das ganz anders aus.«

»Gut, ich schaue es mir mal an.«

Sie folgten dem schmalen Weg, der von hohen Buchsbaum- und Ligusterhecken begrenzt wurde, durch die Anlage. Nur manchmal konnte man einen Blick auf die liebevoll gepflegten Lauben und Gärten erhaschen. Der März war nach dem strengen Winter mild gewesen, und die ersten Knospen zierten die Bäume und Sträucher. Narzissen, Krokusse und Hyazinthen blühten schon vereinzelt. Ein Zaunkönig zirpte. Es roch nach Rauch und Humus, frischer Erde und fauligem Laub.

»Dort vorne rechts ist es«, sagte der Polizist und zeigte Sabine den Weg.

Plötzlich knallte etwas in der Ferne, und Sabine fuhr erschrocken zusammen. Sie griff nach ihrer Waffe, doch das Holster hatte sie gar nicht umgeschnallt.

»Verdammt, wo war das?«, zischte sie und ging in die Hocke. Zwischen den hohen Hecken konnte man kaum etwas erkennen, und die Dämmerung wurde inzwischen zur Dunkelheit.

»Das war nichts.« Der junge Schutzpolizist zog sie wieder hoch. »Dort hinten verbrennt ein älterer Mann Laub, Gartenabfälle und Äste. Die Äste krachen im Feuer.« Er lachte, nicht höhnisch, sondern gewinnend. »Mir ging es vorhin genau wie dir. Vermutlich wurden wir wegen solcher Geräusche auch gerufen.«

Sabine runzelte die Stirn. »Es ist doch verboten, Gartenabfälle zu verbrennen.«

»Ja, aber die meisten halten sich nicht daran. Sie machen das schon immer so.«

Fischer hatte zu ihnen aufgeschlossen und die Unterhaltung verfolgt. »Die Feuerstelle wurde überprüft?«, fragte er nun.

»Ja, wir waren da.« Der Schutzpolizist drehte sich um und zeigte auf ein Tor. »Dort ist der Garten, in dem wir die Leiche gefunden haben.«

Sabine folgte ihm.

Durch ein schmiedeeisernes Tor gelangten sie in einen gepflegten Garten. In der Mitte stand ein kleines Häuschen mit einem Spitzgiebeldach. Die Fensterläden waren grün gestrichen. Auf der überdachten Terrasse standen gestapelte Plastikstühle in einer Ecke. Ein gemauerter Grill begrenzte die Terrasse zur anderen Seite. Die Tür des Häuschens war nur angelehnt.

»Wie habt ihr die Leiche gefunden?« Fischer schaute sich um. Die Rabatten waren frisch geharkt, das alte Laub türmte sich in einer Ecke des Gartens. Der Kompost war umgesetzt, und die Beete waren auf die Aussaat vorbereitet worden.

Der Streifenbeamte sah Fischer erstaunt an. »Wir hatten einen Hinweis bekommen.«

»Telefonisch? Von wem?«

»Eine ältere Dame hat angerufen.«

»Ich kapier das nicht so ganz«, sagte Fischer. »Es ist ein Anruf eingegangen, dass hier in der Kleingartenanlage Schüsse gehört worden seien?«

Der Kollege nickte.

»Und dann seid ihr hierhergekommen und habt festgestellt, dass nur Äste im Feuer knacken?«

»Richtig.«

»Und wie seid ihr dann auf die Leiche gestoßen? Wo ist sie überhaupt?«

»Hier im Haus.« Der Polizist ging vor und öffnete die Tür. »Die alte Dame hat uns hierhergeschickt. Sie meinte, der Nachbar wäre etwas seltsam und hätte schon öfter mit dem Luftgewehr auf Vögel oder Kaninchen geschossen.«

Sabine ging an ihm vorbei in das kleine Häuschen. Auch hier war es sehr ordentlich und aufgeräumt, fast schon zu sauber für ein Gartenhaus. Es gab offensichtlich zwei Räume, sie standen in dem größeren. Unter dem Fenster war eine Couch, die aussah, als ob man sie ausklappen könnte. Davor stand ein Tisch. In der linken Ecke befand sich ein Esstisch mit einer Eckbank aus Kiefernholz. Davor lag ein Mann, seltsam verdreht. Sein Kopf lag auf der linken Seite, die Füße zeigten nach rechts, als wäre er mitten in einer Pirouette gestürzt. Um seinen Kopf hatte sich eine Blutlache gebildet. Während Fischer und Brackhausen an der Tür stehen blieben, hockte sich Sabine neben den Toten, vorsichtig darum bemüht, keine Spuren zu verwischen.

»Er ist ganz offensichtlich tot«, murmelte sie.

»Überraschung!« Oliver grinste.

Sabine sah zu ihm auf und funkelte ihn böse an. »Allerdings kann ich nicht erkennen, ob er eine große Wunde hat und wo sie herrührt.« Sie beugte sich über den Toten, richtete sich dann auf. »Nach einer Schussverletzung sieht es nicht aus.«

Fischer ging einen Schritt in den Raum, schnüffelnd wie ein Hund. »Es riecht aber nach Kordit.«

»Meinst du?« Auch Sabine sog die Luft tief ein. »Ich finde, es riecht nach Gartenabfällen, die verbrannt werden.« Sie lächelte schief.

Jürgen Fischer zuckte mit den Schultern. »Ich bin nicht im Dienst.«

»Die Spurensicherung ist schon angefordert?«

Der Schutzpolizist nickte.

»Und was ist da hinten?« Sabine zeigte auf einen karierten Vorhang, der die Rückseite des Raumes bedeckte.

»Eine kleine Küche und ein winziges Bad.«

Sie schob den Vorhang zur Seite. Zwei Küchenschränke aus Resopal, ein brummender Kühlschrank, eine kleine Spüle und ein Zwei-Platten-Herd bildeten das Mobiliar. Auf der Spüle standen zwei saubere Gläser, auf dem Kühlschrank eine angebrochene PET Wasserflasche. Weitere Einwegflaschen waren ordentlich neben dem Kühlschrank gestapelt. An der linken Seite befand sich die Tür zu dem kleinen WC.

»Ausreichend, um sich hier längere Zeit aufzuhalten«, konstatierte Sabine und ging nachdenklich zurück in das vordere Zimmer.

»Bin ich hier richtig? Herr Fischer, das ist aber eine freudige Überraschung. Sind Sie wieder im Dienst?«, tönte eine Stimme vom Eingang.

Maria Papanikolaou, die Rechtsmedizinerin aus Duisburg, musste sich mit ihren knapp eins achtzig bücken, um durch die Tür zu kommen. Sie hatte die roten Locken zu einem wilden Knoten im Nacken zusammengesteckt, trug Plastiküberzieher an den Füßen und Latexhandschuhe. Bedauernd blickte sie auf ihre Hände und hob sie dann zum Gruß.

»Doktor Papanikolaou, nett Sie zu sehen.« Fischer lächelte. »Nein, ich bin noch nicht wieder im Dienst. Ich war mit der Diensthabenden Kollegin beim Eishockey, als sie hierhergerufen wurde.« Er sah sich nach Oliver um. »Jetzt wird es aber Zeit für mich zu gehen. Oliver?«

»Alles klar, ich bring dich zurück zum Eisstadion.«

»Lohnt sich nicht mehr«, sagte Maria Papanikolaou. »Die Pinguine führen sechs zu zwei, und das war am Ende des zweiten Drittels.«

»Aber dort steht mein Wagen.« Fischer grinste.

»Soll ich zurückkommen?«, fragte Oliver Sabine.

Sie überlegte einen Moment und schüttelte dann den Kopf. »Ich habe den Bereitschaftsdienst übernommen, du hast frei. Es sieht auch nicht so aus, als würde sich hier noch etwas Dramatisches abspielen. Fahr nach Hause und vergiss nicht, die Katze zu füttern.«

Dann drehte sie sich zur Rechtsmedizinerin um. »Wir wurden wegen angeblicher Schüsse gerufen, aber dort hinten verbrennt jemand Holz und Abfälle. Wahrscheinlich ist einfach nur das Harz in den Ästen explodiert.«

»Trotzdem gibt es einen Toten.« Papanikolaou sah an Sabine vorbei. »Ich schau es mir mal an.«

Der Schein der Deckenlampe spendete nicht viel Licht. Papanikolaou nahm eine kleine Taschenlampe aus ihrem Alukoffer und besah sich den Toten. »Ist er schon fotografiert worden?«

»Nein. Die Techniker sind aber unterwegs.«

»Er ist noch nicht besonders lange tot, ich schätze mal, höchstens drei Stunden. Genaueres kann ich sagen, wenn ich die Rektaltemperatur habe.« Sie legte ein Thermometer auf den Wohnzimmertisch. »Er blutet aus der Nase. Das könnte ein Anzeichen für eine Kopfverletzung sein.«

»Eine Schussverletzung?«, fragte Sabine.

»Das kann ich erst sagen, wenn ich den Kopf gedreht habe.« Die Rechtsmedizinerin stand auf und sah sich um. »Es ist möglich, dass er gestürzt ist. Sehen Sie dort auf der Tischplatte? Da ist etwas Blut und …«, sie beugte sich vor, »ich würde sagen, Haare. Vielleicht ist er mit dem Kopf dort aufgeschlagen.«

»Könnte er gestoßen worden sein?«

»Möglich. Vielleicht ist ihm auch schwindelig gewesen, oder er ist gestolpert. Es sieht hier ja nicht nach einem wilden Kampf aus.«

»Nein.« Sabine atmete tief ein. »Es sieht überhaupt nicht danach aus, als ob hier noch eine andere Person gewesen wäre.« Sie zögerte. Lag da nicht ein Hauch von Putzmittel in der Luft?

In diesem Moment hörte sie Stimmen und Schritte auf dem Kies des Weges. Die Techniker kamen und stellten große Scheinwerfer auf. Sabine verließ das Häuschen, um die Männer ihre Arbeit machen zu lassen. Sie würden alles genau fotografieren, Fingerabdrücke nehmen und nach weiteren Spuren suchen.

Nach einer Stunde hatten sie alles getan, was zu tun war. Die Männer packten ihre Sachen wieder zusammen. Siegfried Brüx, der Leiter der Spurensicherung, kam auf Sabine zu. »Du kannst wieder übernehmen. Die Papanikolaou macht gerade die Leichenschau.«

»Anzeichen für ein Verbrechen?«

»Keine Spuren eines Kampfes.«

»Also ein Unfall.« Sabine seufzte.

»Möglich. Allerdings standen zwei Wassergläser auf der Spüle. Wir haben sie eingetütet.«

»Gut.«

»Bericht gibt es Montag, solange dies sich nicht zu einem dringlichen Fall entwickelt.«

»Danke.« Sabine ging zur Gartenlaube zurück. Sie hatte versucht, mit der Frau zu reden, die die Polizei gerufen hatte. Doch die ältere Dame war nach Hause gefahren und ging dort nicht ans Telefon.

»Ich bin gleich so weit«, sagte Maria Papanikolaou, als Sabine das Häuschen betrat. Sie hatte den Leichnam auf den Rücken gedreht und leuchtete mit ihrer Taschenlampe in den Rachen des Toten. »Er blutete aus dem Mund und aus der Nase, hat sich wohl auf die Zunge gebissen. Ich kann ansonsten keine Verletzungen feststellen.«

»Sie vermuten also auch keine Straftat?«

»Beschwören möchte ich es nicht. An seinen Handgelenken sind Druckspuren, die könnten aber auch von zu engen Handschuhen oder Ähnlichem herrühren. Die Techniker haben allerdings nichts dergleichen gefunden.«

Papanikolaou richtete sich auf. »Auf den ersten Blick gibt es keine Abwehrspuren an den Händen oder Armen, keinerlei Kampfspuren. Am Hinterkopf ist eine Wunde, die aber so aussieht, als sei sie durch den Sturz entstanden.« Erneut deutete sie auf die Tischkante. »Merkwürdig ist allerdings die Stellung, in der er sich befand. Wäre er gestolpert und auf den Tisch gefallen, hätte er mit der Stirn aufschlagen müssen und nicht mit dem Hinterkopf. Vielleicht hat er einen Anfall gehabt.«

»Aber fällt man da nicht eher nach vorn als nach hinten?«

»Schon, aber wer weiß. Ich werde ihn in die Rechtsmedizin nach Duisburg bringen lassen. Melde mich dann morgen bei Ihnen.«

Sie versiegelten den Garten. In der Jackentasche des Toten hatte die Spurensicherung eine Brieftasche gefunden. Der Personalausweis fehlte, jedoch gab es eine Bankkarte und einen Führerschein sowie ein Rezept für ein blutdrucksenkendes Mittel, alle auf denselben Namen ausgestellt. Sabine ließ die Adresse ermitteln und atmete tief durch. Angehörigen den Tod eines Familienmitgliedes mitteilen zu müssen, gehörte zu den unangenehmsten Aufgaben ihres Berufs.

ZWEI

Der Tote hatte in Gatherhof gewohnt. Als sich Sabine von den Streifenbeamten dort hinfahren ließ, kreuzten einige Autos hupend durch die Straßen. Die Krefelder Pinguine hatten also gewonnen.

Sie parkten vor dem Mehrfamilienhaus und schauten sich um. Die Parkbuchten waren gefüllt, zwischen den Häusern waren Grünflächen, die lieblos aussahen. Das Haus an der Gatherhofstraße, in dem der Tote gelebt hatte, war ein typisches Siebziger-Jahre-Haus; hässliche Platten, die sich zum Teil gelöst hatten, verkleideten die Wände. Einige Häuser in der Straße waren bereits saniert worden, dieses gehörte nicht dazu.

Sabine klingelte, doch niemand öffnete. Eine Nachbarin in der Erdgeschosswohnung zog die Gardine beiseite, doch als Sabine ihr ihre Marke hinhielt, verschwand sie hinter dem Vorhang. Für einen Moment überlegte Sabine, ob sie bei den Nachbarn schellen sollte, unterließ es dann aber. Stattdessen ließ sie sich zum Präsidium am Nordwall bringen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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