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Seifenblasen und Kies ist der zweite Gedichtband der Autorin Naima H. Marie. Es ist eine Sammlung von Gedichten und Kunst, die sich mit Themen wie Liebe, Hass und Schmerz auseinandersetzen. Die Inhalte sind zum Teil sehr explizit und düster. Allerdings finden sich auch etliche philosophische Gedichte in dem Buch, die zum Nachdenken anregen und grundlegende Fragen ergründen. Im Gesamten gibt das Buch einen tiefen Einblick in eine sensible, aufgewühlte, einsame und doch sehr farbenfrohe Welt.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Licht und Dunkelheit
Bitter und Süss
In den Wolken, Erdboden
Harmonie und Dissonanz
Einige Gedichte handeln explizit von sexuellen Übergriffen, Depressionen oder Suizid. Darüber hinaus werden manche Gedichte von (gemalten) Bildern begleitet, die Darstellungen jener Themen enthalten können.
Wenn es dir mit diesen Themen nicht gut geht, lies bitte nicht weiter, oder lies nicht allein.
Für den Fall, dass dich eines oder mehrere der Themen betreffen, findest du am Ende des Buches eine Liste mit Telefonnummern, an die du dich jederzeit wenden kannst.
könnte doch nur alles riechen
nach frischen, orangenen mandarinen
wäre der himmel bloß immer türkis
mit sonnenstrahlen aus dem paradies
prise sterne gestreut in der nacht
offenbaren der ruhezeitens pracht
frischer kaffe morgens in der stadt
abends dann durch pizza pasta satt
nicht weit geht man bis in den wald
welcher ist unter naturs gewalt
über unberührte holzstämme springen
am bächlein sitzen, melodien singen
über einem fliegen vögel umher
im gestrüpp darunter raschelt es sehr
eine welt ohne gewalt wäre so adonisch
den traum fest zu halten, obligatorisch
- traum
die stadt ist leise
die lichter gedimmt
alles im einklang
mit der leere die in mir singt
wolken durch den mund ausatmen
etwas des nebels im innern
durch rissige lippen
nach draußen tragen
müde augen sanft geschminkt
glasige blicke im wind
wie schick doch eingekleidet
leichen zur beerdigung sind
klopfendes herz
eingeschlossen hinter rippen
will sich freikämpfen
der gefangenschaft entrinnen
gelbe, weiße blätter
einen weg den schuhen bilden
nackte bäume über einem
blicke in frühen himmel bieten
die enten erwachen
schwimmen ihre runden im see
versteckt im stadtpark
der sonst ist noch leer
frühe morgende beruhigen
die schlaflose seele
welche von der nacht gejagt
erschöpft ist am tag
- frühe morgende
die graue decke der zeit
ruht auf schränken, wie auf betten
all die uhren stehen still
und jede hält eine andere zeit
erstarrte zeiger warten noch immer
auf eine musik, die nimmer mehr erklingt
eine gitarre liegt nackt da
ihre saiten verkommen, vollkommen
bücher auf dem nachttisch schlafen
warten auf den weckenden kuss
den vielleicht die zukunft bringt
halbvolle pastateller in der küche
riechen für immer warm und frisch
doch keiner kann die gabel heben
um sich ihrer anzunehmen
blumen im garten blühen für immer
doch wurden ewig nicht gewässert
so voller leben in der schwebe
leere straßen, ein windzug, stille
von der zeit zurück gelassen
doch in erinnerung noch immer da
- friedhof der erinnerung
keine kunst beherrsche ich besser
als das romantisieren und verdrehen
mich selbst belügen, realitäten ziehen
keine kunst
nicht das malen, nicht das schreiben
nicht das singen, nicht das zeichnen
nicht das spielen, nicht das sein
keine kunst beherrsche ich besser
als deine lügen handoffen zu empfangen
& behütend zu meiner realität zu machen
ein gewand kann man ablegen
nicht aber das diese
denn es wird genäht in die haut
feine stiche durchsieben
des lebens zarte haut
verwoben in den fluss des lebens
bremst es diesen nüchtern aus
der schwarze stoff färbt ab
durchwandert deinen körper
von außen nach innen, erneut hinaus
schwer hängt es an den beinen
wie voll der bauch mit steinen
die zähne hat es auch
sie blitzen immer wieder auf
beißen sich von drinnen raus
die schnürung ein korsett
liebreizend, fast coquette
zieht sich immer weiter zu
mitten drin die prinzessin,
die suchte ein kleid immerzu
richtige wahl, flüstert der stoff
so komfortabel und edel doch
warum dann die schlinge
weshalb die schwere am leib
die sanfte hand, die so hart greift
ach du schwarzes, schweres kleid
kennst meinen körper
bis ins kleinste detail
weißt deine hände anzulegen
passend auf meinem leib
kennst meine art
weißt, wie ich mich bewege
hast all die facetten, die
meiner stimme gehören gelernt
doch nicht kennst du mich
kannst keine idee inne haben,
würde wer nach mir suchen
wüsstest du zu suchen, nein
die wellen meiner physe
sind dir wohl bekannt,
doch der lauf meiner gedanken
zog dir nie durch die hand
greifen und umspielen konntest
strähnen meines blonden haars,
nie begriffen hingegen
hast du gefühle, ideen aber
das puzzle meiner finger
ja gar das meines gesichts
war dir wohl und gut vertraut
fremd dafür alles unter der haut
meiner beine wege gingst
wusstest genau, es geht wohin
die straßen meiner seele
hast du nie besucht hingegen
straßen meiner seele
so wenig beachtung gebt ihr mir her
sehe schon selbst kein spiegelbild im fenster mehr
schreie, eines lebensliebend sterbenden
doch sitze noch immer hier - in stille
los prusten, eine warnung, ein alarm
keiner hört, keiner sieht, sehnsucht nach was war
bilder gemalt mit nichts als klarem wasser
neben nassem blatt bin bloß ich noch blasser
das gewellte papier ist kein zertifakt mehr wert
doch genutzt, zerknüllt als notizzettel wird es geehrt
die gruppe war immer größer als auf dem foto
doch die kamerahand bildete aus dem trio duo und solo
unsichtbar bin ich, mehr nichts als nichtig
ihr seht mich nicht, undurchschaubar durchsichtig
foltere meine ohren nicht länger
bitte, lass mein gehör verschont
von deinen geschliffenen worten
noch heiß vom eisen
über das sie schleiften
zu richten meine missetaten
mit denen ich chaos übertraf
und denne dem urteil unterlag
immer dem urteil
doch niemals dem richter
- urteil
“Ich könnte alles tun.”
das waren seine worte
und sie hallen nach noch heute,
wie schlagender hagel auf glas.
“Niemand würde etwas mitbekommen.
Ich könnte dich anfassen und du
könntest nichts dagegen machen.”
nicht die worte machten angst,
es war das zittern seiner lippen
das beben in der harten stimme
die verzweiflung in den augen
und die hände, die waren wie klauen
es war seine einnehmende präsenz
die mir stumm befahl zu bleiben
meine unfähigkeit zu sprechen
dafür bekam ich gold im schweigen
mein körper war in angst getränkt
meine stimme in adrenalin ertränkt
feuer schoss mir durch die blutbahn
still verharrte ich abwartend
nie nahmen meine sinne besser wahr
nie glaubte ich mich mehr in gefahr
kann ich nur lieben
was mich kaputt macht
kann die liebe denn jemals
auch etwas in mir heilen?
mich besiegt die sprache
und doch ist sie alles
was ich zu geben habe
musik beherrscht mich
und nimmt mir meine seele
meinen stolz, mein herz
wieso liebe ich immerzu
was mich kaputt macht nur
gebe meine seele her
für wenige sekunden
die es sind nicht wert
verliebe mich in männer
die mich lebensfroh stimmen
und sich selbst beendigen
wieso liebe ich immerzu
was mich kaputt macht nur
leuchte für die dunkelheit
die mir gibt nichts zurück
außer kälte und leid
das streichholz zischt, vergesse
dass einer kerze das ende naht
in dem moment, wo sie erstrahlt
wieso liebe ich immerzu
was mich kaputt macht nur
kann ich nur lieben
was mich kaputt macht
kann die liebe denn jemals
auch etwas in mir heilen
so satt habe ich das warten
dass ich nichts mehr essen brauche
rosa wangen lassen auf liebe schließen
wie bei blässe man auf krankheit baut
bringst mich immerzu zum weinen
wasser braucht der mensch zum leben
und das flüssige salz meiner tränen
ist deines zaubers würze
heute morgen erwachte ich
nicht so wie ich jeden morgen erwache
es war ein tieferes erwachen
in morgentaustille und sonnenstrahlen
ein klavier spielte sanfte töne
kraulte jede faser meiner empfindungen
wärmte mir die seele, wie die sonne den tag
im sonnenuntergang hätte ich geweint
es als tragisches ende empfunden
doch an diesem morgen heilte es wunden
neige ich auch dazu, das leben zu sehen
im schwarz und weiß der tasten
so entsteht durchs spielen dieser
doch erst jede erdenkliche farbe
heute morgen war ich vom denken befreit
meine gedankenwelt eine leere wiese
friedlich und von den tönen geweckt
die auf sie fielen wie sonnenprisen
es war, als wäre ich eingesunken im grün
den blick oben, orangenen himmel zu sehen
