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»Wenn schweigen der einzige Ausweg ist.« Betty, ein freundliches Mädchen vom Lande, scheint ein ganz normales Leben zu führen. Bis ein paar bedeutende Ereignisse ihr Dasein auf die Probe stellen. Diese tragische Geschichte ist nur eine von vielen, von denen uns die meisten jedoch für immer verborgen bleiben. Wie stark ein Mensch wirklich ist, kann man von aussen nur schwer erkennen. Aber Vorsicht, wenn wir einen kleinen Blick in das Leben eines anderen erhaschen, besteht die Gefahr, plötzlich überwältigt und sprachlos zu sein.
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2021
»Wo deine Seele sich geborgen fühlt,
ist dort, wo du Liebe erfährst.«
Sarina Graf
Vorwort
Motiv 1: Neue und alte Gesichter
Motiv 2: Die Geburt der Kosenamen
Motiv 3: Der Pullover
Motiv 4: Lehrer sind keine Magier
Motiv 5: Dummer Jungenstreich
Motiv 6: Die Wette
Motiv 7: Rosarote Brille
Motiv 8: Die wahren Freunde
Motiv 9: Zu Hause
Motiv 10: The Outsiders
Motiv 11: Heli und Simi
Motiv 12: Ein Lächeln ist nicht gleich ein Lächeln
Schlusswort
Lieber Leser,
bevor ich mit der Geschichte beginne, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Sarina Graf und ich lebe zusammen mit meinen geliebten Tieren in der Schweiz. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Schon immer habe ich gerne Geschichten geschrieben und mich auf einem einfachen Blatt Papier ausgetobt. Einer meiner größten Wünsche war es immer, ein eigenes Buch zu schreiben. Nun, da du dies hier liest, ist es mir wohl gelungen. »Smile :)«
Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich dich mit du anspreche, jedoch fühle ich mich dir so näher und es ist meiner Meinung nach besser leserlich.
Ich hatte angefangen an diesem Buch zu schreiben und gerade einmal drei Seiten geschrieben, als ich es wieder zur Seite legte und es fast in Vergessenheit geriet. Doch bevor dies geschehen konnte, fing ich ein paar Jahre darauf schließlich wieder an, daran weiterzuschreiben.
Ich muss zugeben, dass ich anfangs ziemlich überfordert war und kein Ende in Sicht war. Ich wusste nicht, wie ich es aufbauen sollte, und als ich dann endlich ein paar Kapitel geschrieben hatte, stellte ich das Ganze nochmals auf den Kopf.
Ich wollte sicherstellen, dass es so verständlich wie nur irgend möglich ist, um es dir nahezubringen. Aber ich wollte auch vergewissern, dass ich zufrieden mit dem Ergebnis bin. Vielleicht bin ich ein wenig akribisch, was dies angeht, aber ich möchte, dass es zu hundert Prozent stimmig ist.
Schlussendlich habe ich mich dazu entschlossen, es zu veröffentlichen, da ich anderen helfen möchte. Ich möchte dir, lieber Leser, und auch vielen anderen Menschen neue Hoffnung schenken. Ob du nun in einer ähnlichen Situation sein solltest oder du dich, so wie ich, einfach dafür interessierst, spielt überhaupt keine Rolle. Dieses Buch soll dazu dienen, vielen Menschen neuen Mut zu schenken und aufzuzeigen, wie sich jemand fühlt, wenn er glaubt, am Ende zu sein. Es soll aufzeigen, wie schmerzhaft das Leben sein kann, und es beweist, dass alles, was einem Menschen je angetan wurde, zwar sehr schmerzhaft ist, aber es nicht unüberwindbar sein muss. Es erzählt eine Geschichte eines Mädchens, das es im Leben nicht immer leicht hatte und von vielen ausgeschlossen wurde. Wir alle tragen die Verantwortung für unser Leben und was wir daraus machen wollen in uns. Egal welche Steine uns in den Weg gelegt werden, wir alleine entscheiden, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen.
Ich möchte dir, lieber Leser, zeigen, dass es für manche Menschen unmöglich ist, nachzuempfinden, was sie anderen mit ihren Worten und mit ihrem Auftreten antun. Ich hoffe sehr, dass es vielen Menschen die Augen öffnen wird und sie in sich gehen, bevor sie anderen Schaden zufügen. Wir alle müssen mit den Konsequenzen leben. Und wir alle sind, meiner Meinung nach, ein Stück weit dafür verantwortlich, wie sich andere in unserer Gegenwart fühlen. Ob wir sie mit Respekt behandeln oder ob wir sie durch den Dreck ziehen, es ist alleine unsere Entscheidung.
Mein Wunsch ist es, dass wir unseren Mitmenschen gegenüber mit Würde begegnen und sie rücksichtvoll behandeln. Natürlich sind wir nicht in der Lage, alle zu mögen, dies ist mir bewusst. Jedoch liegt es in unserer Macht, wie wir mit ihnen umgehen. Falls es dir nicht möglich ist, versuche ihnen einfach aus dem Weg zu gehen, ohne über sie herzufallen. Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist, wenn dich jemand ungerecht behandelt. Jedoch sollten wir es besser wissen als jene, die uns durch den Dreck zu ziehen versuchen.
Und nun, lieber Leser, möchte ich dich auf eine Reise schicken, um dir eine Geschichte zu erzählen.
Die Folgen negativer Gedanken
Wie viele Nachrichten bekommt man täglich auf sein Handy zugeschickt? In einer Welt wie dieser wurde es zu einem großen Teil unseres Alltags und wir können uns kaum noch vorstellen, ohne sie zu leben. Wir sind von ihnen abhängig geworden. Viele von diesen Nachrichten sind vollgepackt mit freudigen, erwartungsvollen und lustigen Gesprächen. Doch es gibt auch solche, die so mächtig sind, dass sie einen sogar zum Weinen bringen. Manche von ihnen können wirklich sehr gefährlich sein. Manchmal versteht man etwas vielleicht falsch, was eigentlich gar nicht so gemeint war und wir es einfach falsch auffassen. Es werden Nachrichten versendet, ohne nachzudenken, ohne zu überlegen, welche Auswirkungen und welche Folgen sie haben könnten. Doch niemand macht sich die Mühe, sich zu überlegen, welche Auswirkungen sie haben könnten. Wir schreiben einfach drauflos und drücken schlussendlich auf »Senden«. Aber letztendlich liegt es an uns selbst, was wir daraus machen.
An diesem Abend textete ich gerade mit meinem Freund. »Hey, mein Schatz, kommst du heute noch zu mir? Es geht mir nicht gut«, schreibe ich ihm, während ich auf meinem Bett sitze und ungeduldig auf eine Antwort warte. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich auf das Display meines Handys starre, um nachzusehen, ob er mir schon geschrieben hat. Ich hatte heute keinen guten Tag und ich würde ihn jetzt gerne bei mir haben. Auf der Arbeit war die Hölle los und dann wurde ich noch dazu von einer Mitarbeiterin ständig aufgezogen. Sie mag mich nicht besonders, was sie mir auch regelrecht zu spüren gibt. Schon komisch, wie das Leben einen zu prägen versucht und einem immer wieder Steine in den Weg legt.
Plötzlich blinkt mein Smartphone auf und eine Nachricht von Sandro kommt rein. Sofort entsperre ich mein Handy und lese seine Message. »Hallo Betty, nein, ich bin noch mit meinen Jungs unterwegs. Ich liebe dich.« In diesem Moment sank meine Laune noch weiter in den Keller. Je nach Situation und Verfassung, in der wir uns gerade befinden, können unsere Reaktionen in völlig verschiedene Richtungen ausfallen. Wenn es uns gut geht und wir im Gleichgewicht sind, würden wir so einer Nachricht wahrscheinlich nicht einmal groß Beachtung schenken und es wäre uns vielleicht völlig egal. Doch fühlen wir uns schlecht und alleine, kann sich eine Nachricht wie diese anderseits wie eine knallharte Ohrfeige anfühlen.
Ohne zu zögern, schreibe ich zurück: »Aber du wolltest doch heute zu mir kommen, mir geht es wirklich nicht gut …« In der Hoffnung, dass ich ihn noch umstimmen und sich seine Meinung noch ändern könnte. Mein Herz klopft wie verrückt und ich wünsche mir, dass er sich noch umstimmen lässt. »Sorry, aber ich fahre heute nicht mehr zu dir, ich habe gerade keine Lust darauf«, antwortet er nach einer Zeit. Ich reagiere sehr enttäuscht und schreibe ihm ziemlich wütend zurück: »Du hast es mir aber versprochen!« Vom einen Zeitpunkt auf den anderen wandelt sich meine Enttäuschung schlagartig in Trauer um. Ich bin frustriert und alles kommt wieder in mir hoch. Ich empfinde eine große Einsamkeit und fange an zu weinen. Ich fühle mich unglücklich und unverstanden. Ein weiteres Mal habe ich jemanden um Hilfe gebeten und wurde wieder enttäuscht. Es war ein Hilferuf und er wurde einfach ignoriert. Dieses Gefühl wünscht man wirklich keinem einzigen Menschen auf dieser Welt. Es ist das Gefühl, das einem den Atem rauben lässt, und man kann es nicht nachvollziehen, wieso man überhaupt so empfindet. Die Person auf der anderen Seite jedoch kann nicht verstehen, wieso man so reagiert. Menschen können nur so viel nachempfinden, wie sie selbst schon empfunden haben, und sind nicht in der Lage, es so zu sehen, wie jemand, der schon viele schlechte Dinge erlebt hat.
Ich hatte schon all meine Sachen für den ersten Schultag nach den Sommerferien in meinen Rucksack gepackt und wollte gerade aus der Tür gehen, als mir meine Mutter zurief: »Ich wünsche dir viel Spaß an der neuen Schule, Betty!« »Danke Mum!«, rief ich zurück und schloss die Tür hinter mir. Ich ging den langen Feldweg, der sich direkt vor unserem Haus befand, an einer großen Wiese vorbei, die neben einem riesigen Wald lag. Unter meinen Füßen konnte ich hören, wie sich die Kieselsteinchen aneinander rieben und knirschten, während ich einen Schritt nach dem anderen die Straße entlanglief. Ich nahm den wunderbaren Geruch des frisch gemähten Grases wahr, als ich in der Ferne schon meine Freundin Lena erkennen konnte. Sie wartete geduldig auf mich, bis ich endlich bei ihr ankam. »Hallo Betty«, sagte sie mit einer fröhlichen Stimme zu mir, als ich sie mit einer innigen und herzlichen Umarmung begrüßte. Ich war sehr froh darüber, dass wir derselben Klasse zugeteilt wurden, da wir bereits, wie in den Jahren zuvor, gemeinsam zur Schule gehen durften. Bisher war ich immer eher eine mittelmäßige Schülerin und hatte schon die Befürchtung, dass sie in eine bessere Klasse kommen würde, beziehungsweise ich in eine schlechtere. Doch dem war nicht so und ich war sehr erleichtert darüber, als es hieß, dass wir nun noch immer zusammen sein würden.
Schon immer hatte ich das Gefühl, nicht hierherzugehören. Wo auch immer ich war, überall fühlte ich mich ausgeschlossen und neigte dazu, mich fehl am Platz zu fühlen. Diese Tatsache war sehr schwer für mich zu begreifen.
Umso glücklicher war ich, dass Lena an meiner Seite war und wir nicht getrennt wurden. Wir hatten etwa 30 Minuten, die wir auf uns nehmen mussten, bevor wir bei der neuen Schule ankamen. Ich war schon ziemlich nervös geworden, wie ich es immer war, wenn etwas Neues auf mich zukam. Letzte Nacht fand ich kaum Schlaf und lag deswegen noch ziemlich lange wach. Zusammen überquerten Lena und ich eine Wiese, die einem Wanderweg diente, und dann folgten wir den Stufen einer Treppe hinunter, die direkt an einem kleinen Wäldchen entlangführte. Danach gingen wir eine betonierte Straße entlang, die an einem Haus vorbeiführte. Nach diesem Haus bogen wir links ab, wo wir an ein paar weiteren Häusern vorbeigingen, die links und rechts von uns angereiht waren. Weiter unten führte uns die Straße an einem Waldrand entlang, bis wir endlich im Dorf ankamen. Dort überquerten wir die Hauptstraße und liefen eine Nebenstraße entlang, die uns auf direktem Wege zu unserer neuen Schule führte. Endlich angekommen, in einer 30er-Zone, stand auch schon, linker Hand von uns, ein großes dunkles Gebäude, das gerade frisch renoviert wurde. Es war mit schwarzen Schiefertafeln ausgestattet, die die Außenwände des Schulhauses umhüllten. Alles wirkte noch sehr neu und unberührt. Frisch gepflanzte Birken standen nebeneinander aufgereiht und zierten den gesamten Pausenplatz. Dies war also unsere neue Schule, in der wir die nächsten drei Jahre verbringen und neue Erfahrungen machen würden. Draußen auf dem Schulhof versammelten sich mehr und mehr die neuen Schüler, die dort gemeinsam mit uns warteten und ebenfalls sehr gespannt darauf waren, was nun folgen würde. Man konnte schon vom ersten Moment an beobachten, wie sich kleine Grüppchen zu bilden begannen. Die einen kannten sich bereits von den vorherigen Schulen und die anderen waren sich noch total fremd. Es ist schon sehr spannend zu beobachten, wie völlig unbekannte Menschen aufeinandertreffen, einen mit einem durchschauenden Röntgenblick abchecken und in eine Schublade stecken. Wie sie anfangen, jede einzelne Person abzuwägen, die um sie herumsteht. Man behauptet, dass bereits der erste Moment einer neuen Begegnung einer der wichtigsten zu sein vermag. Schon ein paar Sekunden genügen, um sich ein Bild über eine Person zu machen, um diese dann einzuordnen, und letztendlich entschieden wird, wie man zu diesem Menschen steht. Es wird ganz genau darauf geachtet, wie sich jemand verhält, wie sein Auftreten ist und wie er auf einen wirkt. Aber in Wirklichkeit ist es nicht bloß das alleinige Auftreten, das zählt, nein, es ist vielmehr das, was diese Person zum Beispiel trägt, wie sie aussieht und woher sie stammt. Viele Menschen sind leider sehr oberflächlich und auch ich musste diese Erfahrung machen. Ich konnte es damals noch nicht vorhersehen und nicht einmal in meinen schlimmsten Träumen hätte ich mir vorstellen können, was in den nächsten Jahren auf mich zukommen würde. Doch leider kam es so weit und hörte nicht wieder so schnell auf, wie es gekommen war. Die Klassen wurden ganz neu gemischt, als ich auf die neue Schule kam. In meinem Jahrgang gab es mehrere Klassen und in einer davon wurden Lena und ich untergebracht.
Auf einmal wurde es ganz ruhig um uns herum; wo zuvor noch lautes Gerede und Getümmel war, kehrte plötzlich eine erwartungsvolle Stille ein. Ich versuchte einen Blick nach vorne zu werfen. Weil ich eher eine der kleineren Schülerinnen war, musste ich mich auf meine Zehenspitzen stellen, damit ich etwas erkennen konnte. Durch eine kleine Lücke zwischen den Schülern vor mir konnte ich wahrnehmen, dass aus dem Eingang der Schule ein paar Lehrpersonen kamen. Ebenfalls war auch der Schuldirektor höchstpersönlich anwesend. Er stellte sich vor die ganzen neuen Schüler hin und hielt eine Ansprache. Der Schuldirektor und unsere neuen Lehrpersonen, die uns durch die bevorstehenden Jahre begleiten würden, hießen uns herzlich willkommen an der neuen Schule. Sie baten darum, uns bei den jeweiligen Klassenlehrern, die uns bereits im Voraus zugeteilt wurden, zu versammeln. Als die neu gemischten Klassen endlich alle beieinanderstanden, wurden wir durch die ganze Schule geführt, damit wir wussten, in welchen Zimmern wir in Zukunft Unterricht haben
