Sem Namenlos - Angelika Hensgen - E-Book

Sem Namenlos E-Book

Angelika Hensgen

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Beschreibung

Das Leben kennt keine Generalprobe. Hineingeworfen in eine unwiederholbare Aufführung versuchen die meisten Menschen ihr Bestes. Manche legen sich ein dickes Fell zu, andere gehen zu Therapeuten. Es gibt auch welche, die die dünne Haut einfach behalten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Realität und Traum bilden das fette Leben, in dem sie ihren Weg suchen, ohne sich selbst zu verlieren. Sem Namenlos ist eine von Ihnen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Roman

Angelika Hensgen, in Krefeld geboren und dort aufgewachsen, lebt seit 1986 mit ihrer Familie in Köln. Hier studierte sie Literatur und Sprachwissenschaft. Die Autorin schätzt alle literarischen Gattungen als Möglichkeit für ihre Wortkunst und veröffentlichte Kriminalromane, Erfahrungsberichte, essayistische Kurzprosa und Lyrik.

Angelika Hensgen

Sem Namenlos

Verwirrung

© 2019 Angelika Hensgen

Umschlaggestaltung Ronja Hensgen

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359

Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7482-9634-8

Hardcover:

978-3-7482-9635-5

e-Book:

978-3-7482-9636-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für meine Familie

„… Der Mensch ist ein Mikrokosmos, er ist ein Gewächs, organisch wie eine Frucht, er hat Farbe, Zerbrechlichkeit und Süße. Ihn zu manipulieren, zu konditionieren, bedeutet, ihn in ein mechanisches Objekt zu verwandeln - ein Uhrwerk Orange.“ (Anthony Burgess)

1

Der beste Zustand: Während Blut aus dir quillt einen heben. (Weniger günstig ist der Zustand, wenn man Elvira heißt und sich die Periode einbildet, weil man Opfer einer Geschlechtsumwandlung ist). !Den besten Zustand! Genau… wollen wir ihn heraufbeschwören: Zwei Wolkengebirge treffen aufeinander und bilden einen grauen Nebelvorhang, der sich nur träge lichtet, um dem Publikum einen Blick auf die Bühne zu gönnen.

Sasas Mutter tobt. !Vom Drehstuhl aus tritt sie gegen die Schreibtischkante! das Holzmöbel bricht ein Bein, legt sich schräg gegen die Wand und lässt schadenfroh Bücher, Hefte, Stifte zu Boden klappern. /!Ich bin nichts!/ Sasa und Marc stehen am Türrahmen gepresst, die Arme umeinandergeschlungen: Hänsel und Gretel, soundsovielte Begegnung mit der Hexe. Lasst mich allein! Die Kinder entmaterialisieren. Stattdessen Fred. Die Daumen eingehakt in die Ränder der Hosentaschen lehnt er am Schrank. Sie beachtet ihn nicht. Mit beiden Händen fasst sie den Schreibtisch und rüttelt ihn, dass die Sorge um weitere Beine nicht unbegründet ist. !So billig soll er nicht davon kommen! Ihr sonst blasses Gesicht ist signalrot und aufgepustet wie ein Ballon kurz vor dem Knall. Sie lässt vom Tisch ab und eilt suchend von dieser in jene Ecke des nicht weiträumig zu nennenden Zimmers, verharrt kurz vor dem Bücherregal, wendet und eilt zum Schrank, an dem nach wie vor Fred lehnt. Die Zeit der Gegenüberstellung dehnt sich. Auflösung: In vorgeschriebenem Bewegungsablauf öffnet der Mann die Vitrinentür, nimmt eine Teekanne und überreicht sie der Frau. /Da!/ Sie nimmt und… stellt sie zurück. Sie lachen.

Es gibt ein paar Regeln. Trotzdem… das Bedürfnis zerbricht den Apparat. Seinen Kopf zwischen den Händen halten meinen Mund auf seine unvorbereiteten Lippen pressen mit der Zunge seine Zunge zurückdrücken und Deinemundhöhleistmein spielen. Projektion der kämpfenden Schmeckleckorgane hinter die Stirne und ganz kurz: Körper ohne Gitter kongruent auf unzählbar empfangenden Quadratzentimetern. Nun hat er sich befreit. Geratschte Zunge, ich stehe im Leeren und seine Augenränder rot: als müsste er weinen. Ich sauge an meinen Mundrändern. Er wendet sich ab. Geneigte Köpfe bei denen, die ich mag. Zusammen werden sie mich nicht mehr ansehen. Er wendet sich ab. Trost: Rücken schaue ich gerne an.

? WO IST euer vergrabener Schatz?

Zwei Männer zündeten sich an <=> Ich funktioniere noch. Sätze unterbringen, die irgendwer irgendwo gelesen hat und !wiedererkennt! Am besten noch ein paar Einzelheiten, die immer wiederkehren, immer anders wiederkehren. Im Heroinrausch über Kölner Ring. Querschnittgelähmter Bungee-Springer mit Rollstuhl: /weil er ein Teil von mir ist/. Meinen Mund auf seine unvorbereiteten Lippen pressen. /Das Licht im Herzen/ => wir liegen brüllend vor Lachen unter den Seminarbänken, Köpfe zurückgeworfen, schlagen uns auf die wissenden Schenkel. ?Frau sagt /SEX ich will SEX/ statt /Yes I will Yes/? Ob Haut über Haut oder Stoff über Stoff, ich nehme die Samtlippe zwischen Daumen und Zeigefinger, nehme die Samtlippe zwischen Lippe und Lippe bis meine Nasenspitze feucht wird, weil MEIN Herz klopft und ihre Feuchtigkeit an MEINEM Schenkel rinnt.

Der Tagungsraum ist spärlich besetzt. Zwei, drei junge Köpfe, eine trockene Schatulle. Ja, sie ist es. Sie wird es sein, die meine Blätter tadelt. Jede meiner flachen Hände liegt auf einem weißen Bogen, schiebt diesen über jenen, wenn sich die Kanten treffen stehen sie auf zu einem Giebeldach oder einer spitzen Welle. Ein erwachsener Mann betritt den Raum. Ist es Verlegenheit, wenn der Kopf gesenkt bleibt, bis er seinen Platz findet? Ist es Verlegenheit, wenn die Fingerspitzen Papierränder heben und fallen lassen? Es ist nicht Verlegenheit, er kennt seine Augen ja. Ich schaue an die Decke, ich suche ihn nicht. Stolz oder wie? Jetzt bin ich dran. /Hab ich mir gedacht!/ Das Ausrufezeichen steht als gefaltete Hände vor ihrer Nasenspitze, die Augen senden eine Dackelklage gen… Ich stehe empört auf. Die geklöppelte Spitze meines Tops klebt auf der Haut. Tadel hatte ich erwartet, aber ?SUBVERSIV? Da gibt es nichts mehr. Sie führt mich in einen Nebenraum. Vor dem Gericht verantworten. !HAHA! Als die alte Frau abzieht, gehe ich auf den Flur. Neben der Tür hängt ein Spiegel. Ich zücke meinen Lippenstift und male meinen Mund rot an, richtig rot, über die Ränder hinaus. Ich nehme die Roller aus dem Spind und begebe mich an die Sonne. Ein Klumpen jugendlicher Converseredsocks schenkt mir geteilte Aufmerksamkeit. „Die stürzt bestimmt.“ Ich rolle auf dem glatten Gehweg, nur die Straße ist mit Kopfsteinpflaster bedeckt. Im linken Augenwinkel setzt sich ein Kotflügel fest. Mist, ich wollte alleine hin, sieht besser aus, immer. Ein Schmetterling landet auf meiner Schulter. Ich fahre eine gekonnte Kehre. Doch kein Ordnungshüter: Fred mit den Kindern. Na, ja. Sasa bleibt stehen bei einem grauhaarigen Hundebesitzer - sie neigt sich dem Tier zu… der Mann staunt über die Freude des Hundes.

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