Separation - Helena Küster - E-Book

Separation E-Book

Helena Küster

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Beschreibung

Tamara Ann wird in den Untergrund verbannt, und ein Entkommen scheint aussichtslos. Obwohl sie dieses Leben verabscheut, hat sie einen Plan vor Augen. Die Menschen um sie herum müssen sterben. Tamara muss töten - sie muss ihre Liste abarbeiten und entwickelt eine Strategie, die nicht nur sie selbst, sondern auch alle um sie herum in Gefahr bringt. Sie nennt es Reinigung. Dann aber lernt sie Luke Gane kennen, der ihr zeigt, dass das Leben auf eine ganz andere Weise zu genießen ist, und auf einmal wendet sich das Blatt. Alles, woran Tamara je glaubte, wandelt sich. Durch Luke gelangt sie an die Unité, und diese arbeitet auf etwas hin, das die Weltgeschichte verändern könnte. Und Tamara ist auf einmal mitten drin, obwohl sie nicht einmal weiß, wer sie selbst eigentlich ist. Niemand weiß das. Denn niemand kennt ihre Vergangenheit...

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Seitenzahl: 246

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Helena Küster

Separation

Die Reinigung

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Fakten

Prolog

Tamara Ann

Schritt 1

Tenebris

Wandlung

Unité

Einstieg

Luke

Keine Aussicht

Mariannes Geheimnis

Die letzten Vorbereitungen

Dr. Feller

Kampf für Vereinigung

Resistenz

Ende

Epilog

Impressum neobooks

Fakten

Wir schreiben das Jahr 2351.

Ein neues System beherrscht unsere Welt: die Separation. Der Mensch ist so allgewaltig, dass er fähig ist, ethische Fragen wie die Unterscheidung von gut und schlecht zu beantworten. Er hat die Kontrolle über jedes einzelne Molekül, über jedes Refugium der Natur, denn der Mensch selbst ist Macht. Er ist das Imperium.

Der Untergrund ist die Seite des Jenseits vom Diesseits: Es ist die Seite der schlechten Menschen. Und es gibt die Seite der Würdevollen, der guten Menschen, derer, die gut situiert sind, derer, die sich an die Gesetze des Systems halten und sich über ihre gute Seite definieren. Im Untergrund leben die weniger wohlhabenderen, gemeinsam mit allen, die gegen das Gesetz verstoßen – mit allen Straftätern dieser Erde. Der Untergrund ist für die Schlechten. Es gibt nur eine geringe Chance, jemals wieder aus dem Untergrund zu entkommen – doch diese Chance ist wirklich minimal. Die Organisation des Untergrundes, die Compensatio, entscheidet, wann ein Mensch sich als unfehlbar und substantiell gut auszeichnet, und die Möglichkeit hat, wieder an die Oberfläche zu kehren. Doch das erfordert harte Arbeit, unermessliche Loyalität dem Gesetz und System gegenüber und vor allem die vollkommene Unterwerfung. Man muss sich lösen von jeglichen eigenen Impulsen und nur so existieren, wie es das System vorschreibt. Das System schafft eine bessere Gesellschaft, eine Sozialisation, frei von allem Schlechten. So haben die Menschen die Gewalt über alles, zum ersten Mal in der ganzen Weltgeschichte sind sie der Ansicht, das Böse vertrieben zu haben  vertrieben in den Untergrund.

Prolog

Kennen Sie das Gefühl der Vollkommenheit? Ein Affekt, der Glücksgefühle in Ihnen entflammen lässt. Etwas Derartiges, das Ihnen Sicherheit und Geborgenheit schenkt?

Ja genau so ein Gefühl meine ich. Kennen Sie diese innere Empfindung? - Gut, ich nämlich nicht.

Ich meine, es war letztes Jahr. Da gestand ich mir ein, okay Tamara, du bist mit einem Fluch des Pechs und Ungeschicks belegt. Ich bin das ewige Vakuum, eine Versagerin, die egal welche Handlung sie auch nur beginnt, gar über sie nachdenkt, zum Scheitern bringt. Vielleicht war es mein Schicksal, in den Untergrund vertrieben zu werden. Möglicherweise bin ich hier sogar gut aufgehoben. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich damit gut zurechtkomme.

Ich meine, es war das letzte Jahr, als ich diesen Fluch wirklich realisierte. Und heute Morgen, an einem ganz gewöhnlichen Morgen meines stinklangweiligen, eintönigen und so grauen Alltags erwachte ich auf meiner harten Matratze, rieb mir die Augen und schlenderte durch meine bunkerartige Wohnung hindurch in die Küche. Eine Art Pantryküche. Etwas anderes ist hier im Untergrund wohl kaum zu finden.

Ich mag mein eigenes kleines Reich, obwohl es eigentlich nicht viel her macht – Ein einfaches, im Kolonialstil aufgebautes, quadratisches Zimmer mit nur den nötigsten Möbeln. Doch trotz dieser simplen Einrichtung bangt es mir Tag für Tag davor, es nicht länger finanzieren zu können. Auf die Unterstützung von meinen Eltern kann ich auch nicht zählen. Unsere missliche Lage war schließlich der Grund dafür gewesen, dass wir im Untergrund gelandet waren.

Jedenfalls taumelte ich den verkommenen Steinboden entlang und begab mich in die Küche. Den Blick in den Spiegel habe ich mir gespart. Ich sah schließlich jeden Morgen aus wie eine aus einem Film entschlüpfte Horrorgestalt mit rotunterlaufenen Augen und Haaren, die in alle Richtungen abstehen. Noch trug ich mein Schlafdress. Und mit Schlafdress meine ich kein sexy Nachthemdchen aus Spitze. Nein, ganz und gar nicht. Ich meine mein ausgeleiertes und verwaschenes rotes Shirt mit Pyjamahose dazu.

Ich bereitete mir eine Schale Müsli vor, setzte mich an meinen runden Holztisch und schlürfte die Milch. Wäre Papa da gewesen, hätte er schon längst wieder etwas zu bemängeln gehabt. Hörte er mich schlürfen oder schmatzen, schüttelte er meistens nur den Kopf und sagte etwas wie: du hast einfach kein Benehmen. Aber er war nicht da, also konnte ich meinen Trieben freien Lauf lassen.

Ich erschrak, als mich die Klingel aus den Gedanken riss. Ich schaute auf. Mein Blick fiel auf das vergilbte, von Stahl umrahmte Küchenfenster unmittelbar vor mir. Andrew Williams stand dort. Er kannte mich in solchen Outfits, also öffnete ich ihm ohne Hemmungen.

„Hey Andrew“, begrüßte ich ihn und versuchte, an ihn heranzurücken, um ihm einen Kuss auf den Mund zu drücken.

Er wehrte mich ab, indem er seine Arme vor den Schulten verschränkte und den Kopf zur Seite zog.

„Wir müssen reden“, betonte er.

Sein Blick beunruhigte mich. Er war schon seit einer ganzen Weile mein Freund und ich war der festen Überzeugung, alle Seiten an ihm zu kennen. Doch nun musste ich feststellen, dass dies nicht der Fall war.

„Was ist denn los?“

Er wirkte vollkommen losgelöst. Ängstlicher, als ich ihn je erlebt hatte. Wackelig stand er auf seinen Beinen und bemühte sich, Distanz zwischen uns zu bewahren. Seine Haltung war in keinster Weise einschüchternd. Und hätte ich an ihn herangewollt, hätte ich es auch geschafft.

Ich führte ihn zu mir in die Küche, bat ihn, sich auf die Holzbank zu setzen und lehnte mich an der Arbeitsplatte an.

„Ich mache mit dir… Schluss“, sagte er, während er vergeblich versuchte, meinen Blicken zu entweichen.

So ein Schisser, dachte ich, hat nicht einmal den Mut, mir dabei in die Augen zu sehen.

Vermutlich hätte ich traurig sein sollen, doch in mir machte sich ein ganz anderes, aber viel gewaltigeres Gefühl als Trauer breit.

Ich schluckte ein paar Mal, versuchte die aufsteigende Panik in mir zu dämpfen und sah den Mann mit dem savannengelben Haarschopf vor mir an. Seine Statur war massiv, so markant, dass ich eigentlich hätte Angst bekommen müssen. Aber diese Schwäche in seinem Ausdruck war alles andere als beängstigend. Er hatte grüne Augen, wunderschöne smaragdgrüne Augen, in die womöglich jeder gerne hineinsah – bis auf mich. Ich mochte Andrew nie wirklich. Er diente nur zum Zweck. Doch in diesem Augenblick waren sie nicht auf mich gerichtet, sodass man ihren Anblick hätte genießen können, stattdessen hafteten sie auf dem Boden. Ich merkte, wie sehr er mir entkommen wollte. Mir fiel auf, dass er noch viel blasser war, als er es ohnehin schon war – man muss anmerken, dass Blässe das Markenzeichen des Untergrunds darstellen könnte, wenn man bedenkt, dass die Einwohner seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahren, keine Sonne mehr zu Gesicht bekommen haben. Seine Hautfarbe hatte einen Stich von Absinthgrün angenommen.

Ich presste meine Lippen aufeinander und formte sie zu einer schmalen Linie.

„Es tut mir leid… vor allem jetzt, wo du mit deiner Wohnung zu kämpfen hast…aber irgendwie hat das mit uns doch nie gepasst…“ Ich sah ihm an, wie viel Mühe es ihn kostete, die Worte aus seinem Mund herauszuwürgen.

„Oh Andrew, glaub mir, du hast wirklich keinen guten Zeitpunkt ausgesucht – für dich“, ich machte eine langanhaltende Pause, „Was mich betrifft – du hättest keinen besseren finden können“.

Für einen kurzen Moment sah er auf, schaute mich stutzig an und befreite sich schließlich wieder von meinen suchenden Blicken. Er schnappte angestrengt nach Luft, während ich nur mitleidig auf ihn herabblickte.

Ich schielte zur Seite, glitt entlang der Arbeitsplatte weiter zu meiner Spüle und drehte Andrew schließlich den Rücken zu. Ich griff zu dem Messerblock unmittelbar neben der Spüle, nahm das Tranchiermesser heraus und streifte unauffällig mit meinen Fingen über die Klinge. Ich wusste, dass Andrews Augen immer noch auf den Boden fixiert waren. Also reagierte ich schnell. Sein Atem wurde vom Betonboden und den Metallwänden meiner verlassenen Bunkerwohnung zurückgeworfen. Es nahm alles um uns herum ein. Es gab nur ihn und seinen unfassbar aufgeregten Atem, und mich und meine Nervosität – meine aufkommende Angst vor mir selbst. Mein Gesicht fühlte sich heiß an, und Haarsträhnen klebten an meinem schweißnassen Nacken. Dann holte ich einmal tief Luft, drehte mich zu Andrew um, lief geradewegs auf ihn zu und rammte ihm das Messer ins Herz. Ich stieß mit aller Wucht zu und realisierte nur noch, wie er jählings sein Gesicht fassungslos aufrichtete, die Augen aufs Äußerste weitete und schreiend von der Holzbank auf den Boden fiel.

Ich zog das Messer heraus, als ich mir sicher war, dass er tot war. Hernach ging ich zur Spüle, wusch mir das Blut von den Händen und spürte ein erstes Mal dieses Gefühl, das ich Ihnen anfangs beschrieben habe. Etwas, das mich aus dieser ewigen Leere zurückholte. Und vor allem spürte ich Erleichterung.

Dr. Feller sieht Tamara erschrocken an, so, als hätte man ihm soeben ins Ohr geschrien. Es ist ersichtlich, wie sehr er versucht, seine Fassung zu bewahren.

„Es war mein erster Mord. Und es war auch das erste Mal, dass ich das Bedürfnis hatte, jemanden umzubringen“.

Der Psychologe räuspert sich, richtet seine Brille und schaut auf seine Notizen. Mit Verzögerung wagt er dann doch einen Blick in Tamaras verschmitztes Gesicht, immer noch bemüht, gemessen zu wirken.

„Wieso hatten Sie das Bedürfnis, zu töten?“, fragt er kleinlaut, während ein Tropfen Schweiß auf seiner bärtigen Oberlippe zittert.

Tamara braucht nicht lange, um eine Antwort zu finden. Sie ist in keinster Weise nervös. Es scheint, als würde sie über etwas ganz Alltägliches reden.

„Er ist kein guter Mensch gewesen. Und dann hat er mich verlassen. Folglich hielt ich den Zeitpunkt für seinen Tod angebracht“.

Wieder schluckt Dr. Feller. So etwas ist ihm noch nie widerfahren.

Seit Jahren schon meistert er seine Arbeit als souveräner Kinder- und Jugendpsychologe, der verstörte Teenager wieder auf den richtigen Weg bringt. Die meisten Teenager wissen nicht, was sie mit ihrer Zukunft anfangen, wie sie die Trennung ihrer Eltern am besten verkraften oder auch, wie sie mit ihrer gesamten Entwicklung klarkommen sollen. Er ist für Teenager da, die mit der Welt des Untergrundes nicht zurechtkommen. Für jene, die sich als gut erweisen wollen, um irgendwann wieder an die Oberfläche zu können. Für jene, die die Hoffnung auf ein Leben auf der anderen Seite noch nicht aufgegeben haben.

Allesamt sind es immer unreife, nervige Geschöpfe gewesen, die sich noch zu einer erwachsenen, selbstbewussten und eigenständigen Person entfalten mussten.

Tamara Ann aber, wie sie hier sitzt, mit ihren kurzen blonden Locken, den inbrünstig schauenden, azurblauen Augen, den markanten Gesichtszügen und vor allem mit diesem selbstgefälligen Gesichtsausdruck, ist ganz und gar nicht unsicher. Im Gegenteil. Obwohl sie sich als Versagerin beschimpft, thront sie wie die Krone der Schöpfung auf Dr. Fellers beigem Sofa. Sie nimmt alles um sich herum ein, als wäre sie ein Pol. Ein durchtriebenes Etwas, das jede Faser in Dr. Fellers Körper zum Zucken bringt – vor Angst. Man darf nicht vergessen, Dr. Feller gehört zu den Guten. Falls es so etwas überhaupt noch gibt. Er ist lediglich im Untergrund tätig, um das Menschenbild eines Guten zu vertreten. Unter der Woche arbeitet er für ein hohes Gehalt im Untergrund, am Wochenende jedoch kehrt er zurück zu seiner Familie auf die andere Seite. So ist das hier mit den Psychologen. Sie besitzen eine Art Visitenkarte, die ihnen erlaubt, sich in beiden Welten zu bewegen. Durch das Einscannen ihrer Karten können sie an den Wächtern vorbei zu den Aufzügen, die sie an die Oberfläche befördern.

Dr. Feller tut es also für das System, um mehr gute Menschen schaffen zu können. Doch bei Tamara erkennt er nicht den Hauch eines guten Strangs. Tamara ist durch und durch böse, denkt er.

„Haben Sie Gewissensbisse, Frau Ann?“, will er schließlich wissen.

Tamara lacht kurz auf, beißt sich auf ihre schwarz lackierten Fingernägel und meint schroff: „Nein“. Knapp und lapidar – als wäre es eine Nichtigkeit.

„Wieso sind Sie hier? Was erwarten Sie sich von unseren Sitzungen?“, hakt er weiter nach.

„Um niemals welche zu kriegen“. Tamaras kesse Stimme hallt im ganzen Raum wider. Beinahe wirkt sie anmaßend.

Dr. Feller schluckt. Er führt seine Hand in sein aschgraues Haar und zupft sie zurecht. Er tut das ganz bedacht, doch man merkt, wie sich das Unbehagen in ihm breit macht.

„Wie darf ich das verstehen? Sie möchten diesen Mord niemals bereuen?“

Tamara zuckt fahrlässig mit den Schultern.

„Diesen Mord werde ich niemals bereuen. So oder so. Nur die, die folgen, dürfen mich nicht zerstörten“.

Dr. Feller gibt einen seltsamen Laut von sich.

„Sie wollen weiter morden?“

„Ja“.

„Aber…Frau Ann…“, Dr Feller zuckt so heftig zusammen, dass seine Brille eine Etage tiefer rutscht und nun schief auf seiner Nase hängt. „Haben Sie etwa Gründe dazu?“, fragt er zitternd und dem Gesichtsausdruck eines angeschossenen Rehs.

Tamara lacht kurz auf. Ihr spitzes Gesicht formt sich nun zu einer ironischen Grimasse.

„Ich bin schlecht, Sir. Das müssten Sie doch wissen. Ich bin im Untergrund. Ist das Grund genug für Sie?“, schäkert sie.

Dr Feller wird immer unruhiger. Mittlerweile ist ihm ganz mulmig, und seine Hautfarbe ist nun nicht mehr grünlich gefärbt, sondern vielmehr nimmt es die Farbe einer tizianroten Tomate an. Ein kugelrundes Gesicht mit der Farbe einer leuchtenden Ampel und darauf prangenden schwärzlichen Knopfaugen, die von buschigen, grauen Brauen hochgezogen werden.

„Ich mache nur Spaß“, sagt Tamara und lächelt Dr Feller freundlich an.

Aber dennoch: Der Psychologe kann diesen schwarzen Humor seiner Patientin nicht als wahrlich lustig empfinden.

„Aber Dr Feller: ich stelle mir deutlich spaßigere Dinge vor, als einfach so ein bisschen rum zu töten. Hier und da. Wieso nicht?“

Dr Feller schweigt. Er kann nicht genau einschätzen, ob es sich noch immer um einen Scherz handelt.

„Aber Sie wollen weiter töten?“

Tamara nickt fest und wild entschlossen. Ihr Kurzhaarschnitt wackelt nun wie die Locken eines Pudels im Wind. Es sieht fast süß aus, fast ladylike. Aber Tamara Ann ist alles andere als ladylike.

Seine Pupillen vergrößern sich restlos. Nun scheitern seine Bemühungen, seine empörte Miene durch eine gefasste zu ersetzen. Es ist offensichtlich. Dr Feller fürchtet sich.

„Ja - Ich nenne es Reinigung“.

Tamara Ann

Tamara Ann ist gerade mal 19 Jahre alt, halbwüchsig, pfiffig und ausgekocht. Sie hält sich für die ewige Versagerin, eine Lappalie, die keine Rolle in dieser Gesellschaft zugeteilt bekommt. Doch sie hat einen Plan, sie möchte ihr Leben ändern und endlich jemand sein, der sich nicht durch das Schlechte auszeichnet, sie will diejenige sein, die diese Welt verändert.

Als sie die Praxis von Dr. Feller verlässt, fühlt sie sich zum ersten Mal so, als würde ihr Plan Form annehmen. Sie entschied sich bewusst für Dr. Feller, denn im Untergrund ist er für seine aufmerksame und verständnisvolle Ader für die Schlechten bekannt. Und hier mangelt es wirklich nicht an Psychologen. Die Seelenklempner sind sozusagen das Fundament der heutigen Zeit. Es gibt fast niemanden mehr, der ohne einen Therapeuten klar kommen würde. Tamara wehrte sich eigentlich strikt dagegen, ihre Probleme von jemandem anderen lösen zu lassen – doch nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sie doch mit jemandem über sich und ihr Vorhaben reden will.

Der Wind der anhaltenden U-Bahn streift Tamaras mattes Gesicht, sodass sie ihre tintenblauen Augen fest zusammenkneifen muss. Ihre kurzen Locken werden ihr ins Gesicht geweht, und zum ersten Mal wird ihr seitlicher Haarcut erkennbar. Sie steigt ein und setzt sich neben einen Mann mit schwarzer Lederjacke und durchlöcherter Jeans. Normalerweise hasst sie es, neben jemandem zu sitzen und nicht zu wissen, ob dieser jemand womöglich schon einmal jemanden umgebracht oder andere Straftaten begangen hatte, aber heute ist es ihr egal. Denn heute ist sie auch jemand, der getötet hat.

Tamara schaut gedankenverloren aus dem Fenster und lässt das schleusenartige Schachtsystem an ihr vorbeiziehen. Es ist wie ein dunkles Labyrinth aus Metall und Beton. Endlos lange, schattenreiche Gänge und dunkle Schächte lassen das Unterweltnetzwerk wie das Inferno erscheinen. Tamara fühlt sich in ein unterirdisches Geflecht der Verdammten verbannt. Seit Jahren schon hat sie die Sonne nicht gesehen.

Der letzte Tag war jener, als ihr Vater seinen Job verlor. Ihr Vater ist Detektiv gewesen, deckte Verbrechen auf und sorgte dafür, dass die richtigen Straftäter in den Untergrund verbannt wurden. Einmal aber missbrauchte er seine hohe Stellung, gemeinsam mit einem Kollegen, einem gleichzeitig guten Freund der Familie. Sie kaschierten das Vergehen jemandes, der ihnen sehr nah stand, und das nur, um sich selbst und die Familie zu schützen. Sie waren der festen Überzeugung, es handele sich um einen wahrhaftig guten Menschen, der es nicht verdient hat, in den Untergrund verbannt zu werden. Also nahmen sie das Risiko auf sich. Das Luceat aber, der Machtsitz des Systems, fand es heraus und verdammte Tamaras Vater, seinen Kollegen und fast die gesamte Familie in den Untergrund. Seither lebt Tamara hier – und sie hasst es. Vor allem wenn sie tagtäglich an diesen Werbepostern der anderen Seite vorbeifährt. Sie weiß, dass das ein Ansporn sein soll, etwas Gutes zu tun, um die Möglichkeit zu haben, auf die andere Seite aufzusteigen. Aber die Bilder von bunten Prachtbauten, zahlreichen mosaikbestückten Wegen, pompösen Anwesen, die durch illusteres Buschwerk eingezäunt werden, das sich so schwülstig an den Seiten der Bauten emporhebt, führen Tamara nur noch einmal vor Augen, wie viel Kontrolle die Menschen haben wollen. Protzige Einfahrten, die durch feudale Hecken umgrenzt werden, hohe Blendbögen, die sich fast in den Himmel erstrecken, perlweiße Mauerziegel, die die Anwesen zu Kunstwerken machen. Überall diese bunten Mosaikprachten, Farben über Farben, als sei die andere Seite selbst ein Kunstwerk. All das sind Kennzeichen für die andere Seite. Die Menschheit lechzt nach Perfektion. Es gibt kaum noch natürliche Grünflächen, stattdessen nutzt die Gesellschaft jede Art von Landschaft dazu, ein Kunstwerk aus ihr zu schaffen, das so pompös und beeindruckend ist, dass es die Sehenswürdigkeit schlechthin sein könnte. Tamara schüttelt den Kopf, als sie erneut an einem dieser Werbeplakate vorbeikommt. Sie verabscheut die andere Seite genauso sehr wie den Untergrund. Alles, in dieser Zeit, widerspricht ihrer Vorstellung von einem glücklichen Leben. Das einzige, das sie wirklich vermisst, ist die frische Luft, der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen. Vor allem aber das glückliche Leben in ihrer Familie, frei von Sorgen und Schuldgefühlen.

Endlich erreicht sie ihre Wohnung. Eigentlich ist ihre Wohnung ein einfacher Schacht in einem der Gänge. Doch sie kann sich glücklich schätzen: Diese Gegend ist wenigstens einigermaßen sauber. Als Tamara ihre Wohnung betritt, wird sie von deren üblichen Leere erschlagen. Sie seufzt, als sie Andrews Leiche auf dem Boden liegen sieht. Das Blut hat bereits eine große Pfütze um den fahl erstarrten Mann gebildet. Tamara ignoriert das Bild ihres toten Exfreundes, und auch den Geruch, der sich allmählich in der ganzen Wohnung verteilt, läuft dann zu einem ihrer Schränke und kramt ein Buch mit nelkenrotem Einband hervor. Sie schlägt die erste Seite auf, macht ein Häkchen hinter das Geschriebene und blättert weiter. Als sie das Buch zuschlägt, fällt ihr Blick auf ihre hölzerne Kommode. Sie verweilt eine ganze Weile auf der Stelle. Krampfhaft greift sie nach dem Bild. Ihre Hände sind zittrig, als sie über das Glas des Bilderrahmes streift. Sie kneift ihre Augen zusammen, um ihre aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Sie denkt an den Tag, an dem ihr dieses Foto geschenkt wurde, und zum ersten Mal macht sich ein echtes Lächeln auf ihren Lippen breit.

„Tamara? Kommst du mit zum See?“, krächzte Pete durch die Flure des Hauses.„Ja bin sofort da“.

Tamara schaute noch einmal in den Spiegel und versuchte, ihre endlos lange Lockenmähne irgendwie in den Griff zu bekommen. „Tam“, drängte der Junge mit den karamellblonden Krauselocken.

„Ich bin ja schon da!“

Tamara stürmte die sepiagoldene Wendeltreppe inmitten des gläsernen Hauses hinunter und rannte Pete in die Arme.

„Endlich!“, stöhnte der Junge und verdrehte grinsend die Augen.

Tamara verpasste ihm einen leichten Hieb in die Seite. Sie liebte es, sich mit Pete zu necken.

„Alles Liebe!“, meinte der Junge und drückte Tamara einen feuchten Kuss auf die Wange. Sie grinste nur verlegen und fuhr dem Jungen mit ihrer Hand durch die Haare.

Die beiden verschwanden aus der eisblauen Glaspracht von Haus und liefen die lange Einfahrt entlang. Der von weißem Marmor gekennzeichnete Weg wellte sich wie ein Bach bis vorne hin zur Straße. Ringsherum fanden sich scharlachrote Laternen und Statuen, die Eisskulpturen glichen. Diese Figuren schienen wie Wächter vor dem cyanblauen Schloss aus Glas. Tamara hatte sich immer gefragt, was das sollte: die durchsichtigen Scheiben, die widerhallenden Wände und der Schein von Aquamarin überall – vor allem aber der unnötige Protz. Sie regte sich oft – und gerne – über alles Mögliche auf. Natürlich war sie trotzdem glücklich, denn sie hatte eine gesunde, intakte Familie, deren einziger Antrieb die Liebe war – und das gab es in der heutigen Zeit kaum noch zu finden. Vielmehr ließen sich die Leute von der Gier und dem Schmachten nach Perfektion dirigieren. Doch sie fand so viel an dem Leben, das sie führen musste, lächerlich und vollkommen übertrieben. Pete streifte mit seiner Hand die Hecke neben sich.

„Die sollten wir langsam auch mal wieder zurecht schneiden und den restlichen Hecken der Gegend anpassen!“, meinte er und begann sofort zu lachen.

„Du meinst, damit sie sich auch so schwülstig wie alle anderen Hecken hier zum Himmel emporstreckt? Oder damit Familie Burns nichts mehr zu meckern hat?“ Auch Tamara wieherte einmal kurz vor Lachen auf. Familie Burns regte sich tagtäglich über die ungestriegelte Hecke der Anns auf, ein ewiges Streitthema, aber trotzdem waren sie Freunde.

Pete sah sie nur an und schmunzelte. Er trat näher an sie heran und legte seinen Arm um sie.

„Was würde ich nur ohne deinen Humor machen, Tam?“

Sie zuckte mit den Schultern und erwiderte seine zärtliche Umarmung. Wie wohl sie sich doch in Petes Armen fühlte, so geborgen und vollständig –glücklich.

Die beiden näherten sich dem künstlich angelegten Speichersee. Das von Menschenhand angelegte Gewässer ähnelte einer von Kies umrahmten Meeresbucht mit leichtem Wellengang. Natürlich war es keine der Natur entsprechende Bucht, so etwas gab es in der heutigen Zeit kaum noch. Etwas dergleichen wäre viel zu willkürlich, und würde nicht unter dem Einfluss der Menschen stehen können. Die Menschen aber wollten nichts Unberechenbares wie die Macht der Natur unter sich haben, denn sie fürchteten sich davor, etwas nicht unter Kontrolle zu haben.

„Da vorne sitzen sie“, meinte Pete und zeigte auf eine Gruppe von Leuten inmitten des Kieses.

Tamara steuerte auf die Truppe zu, während sie ihren Blick über den von unten beleuchteten See schweifen ließ. Eigentlich sieht es schön aus, dachte sie. Der See ist wie eine Lichtquelle, schimmert glänzend und macht die Atmosphäre zu etwas Phantasiereichem.

„Hey Mum, hey Dad“, begrüßte Tamara ihre Eltern, als sie zu der Gruppe tritt.

„Hey Schatz“, freuen sich die beiden im Chor. „Alles Gute zu deinem 18. Geburtstag!“ Tamara lächelte die beiden an. „Danke!“

Auch die anderen standen nun auf, um Tamara zu ihrem 18. Geburtstag zu gratulieren. Tamara genoss es, wie sie im Mittelpunkt ihrer Liebsten stand. Das hier waren Augenblicke, die sie niemals enden lassen wollte.

„TamTam, mein Löckchen!“, gellte ein Mann mit hellen, purpurnen Haaren und fahler Haut. Auf seinem Gesicht prangte ein breites Grinsen.

„Lijah“, sagte Tamara und verzog ihr Gesicht zu einer höhnischen Grimasse.

Der Mann mit dem magentafarbenden Kurhaarschnitt trottete auf sie zu und fiel ihr um den Hals – unelegant, dass es so aussah, als würde er auf sie zustolpern. „Alles Gute!“, krächzte er immer noch lachend. Elijah Smith war der beste Freund von Tamaras Vater – und Tamara konnte sich keinen besseren Freund vorstellen. Auch wenn Elijah ein totales Wrack war – unorganisiert, kopflos, chaotisch, vergnügungslustig – und einfach so in den Tag hineinlebte, war er der eine Freund, ohne den Tamaras Vater niemals zurechtkommen würde.

Nachdem sie sich von Elijahs schwankender Umarmung gelöst hat, gesellte sie sich zu den anderen auf die Picknickdecke. Dort waren noch einige anderen. So ziemlich alle Freunde der Familie. Sogar Magret Knopik, Tamaras beste Freundin, und ihre Eltern waren gekommen. Familie Burns, die Nachbarn, mit denen Familie Ann so gut wie jeden Tag aufgrund der ungestriegelten Hecke Streit hatte, und Christopher Bone und seine Familie. Christopher Bone war Tamaras erster Freund gewesen, und er hatte sie zutiefst verletzt, nun aber war Tamara darüber hinweg und konnte ganz normal mit ihm umgehen. Sie hatte schließlich auch Pete und viele Freunde, die immer für sie da waren. Sie nickte den anderen kurz zu und bedankte sich, dass alle gekommen waren, um mit ihr Geburtstag zu feiern.

Dann schaute sie der Dämmerung entgegen, atmete tief durch und versuchte, den Moment zu verinnerlichen.

„Wir haben noch ein Geschenk für dich!“, quietschte eine glockenreine Stimme von der Seite.

Tamara wendete sich sofort der Seite, von der die glasklare Stimme kam, zu. Und augenblicklich musste sie lächeln.

„Danke“, sagte sie und nahm das Geschenk entgegen.

Sie stellt das Bild zurück auf die Kommode, verweilt aber noch einen kurzen Moment auf der Stelle. Einen Tag nach diesem wundervollen Abend mussten sie ihr Zuhause verlassen. Seitdem veränderte sich alles.

Schließlich greift sie nach ihrer Tasche, wirft sich ihre Lederjacke über und verschwindet wieder im Schachtenlabyrinth.

Sie steuert geradewegs auf Riks Kneipe zu, die in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung steht.

„Hey Tam“, ruft Chris ihr zu, als er bemerkt, dass Tamara die rustikale Kneipe betreten hat.

„Hey“. Tamara winkt ihm zu und läuft ohne die Miene zu verziehen auf ihn zu. Chris Tepner ist einer ihrer engsten Freunde. Er gehört zu ihrer Freundesclique, weshalb sie ihn eigentlich mögen sollte. Doch das ist nicht der Fall, sie konnte ihn noch nie leiden. Vorsichtig schlängelt sie sich durch die schmalen Tischreihen des kleinen, ruppigen Pubs zu Chris und setzt sich zu ihm an den runden Holztisch in der verruchten linken Ecke, in der sie Tag für Tag saßen.

Er pafft seine Pfeife, indes er versucht, durch das Summen der Gespräche hindurch Rik hinter der urigen Theke zu erreichen, um sich noch ein Bier zu bestellen. Mit den Händen fuchtelnd und der Pfeife im Mund steckend umarmt er Tamara, als sie sich an den Tisch setzt.

„Wo ist Andrew?“, will er wissen. Natürlich fragt er nach ihm. Normalerweise gibt es Tamara nicht ohne Andrew.

Für den Bruchteil einer Sekunde ist es still, und die beiden lauschen dem flackernde Licht der Öllampen, dem Surren der Gespräche und dem Geschlürfe von Getränken.

Dann aber antwortet Tamara schlagartig.

„Ich weiß es nicht“, lügt sie. „Aber ich schätze, er wird nicht mehr kommen“.

Sie sagt das, ohne mit der Wimper zu zucken. Dass sie Andrew getötet hat, scheint sie in keinster Weise mitzunehmen.

Chris nickt, hakt aber nicht weiter nach und wendet sich wieder seinen Bemühungen zu, ein weiteres Bier zu bestellen.

„Willst du auch was?“

„Einen Cognac“, beschließt Tamara, „ oder einen Sherry.

„Okay“, sagt Chris und steht auf, nachdem er verstanden hat, das Rik nicht auf ihn anspringen wird. Bevor er zur Theke geht, dreht er sich noch einmal zu Tamara um und meint: „Die anderen kommen gleich auch noch“,

Er schenkt Tamara sein schönstes Lächeln. Mit dem hellblonden Haar, der stürmischen Windfrisur und den weichen Gesichtszügen wirkt er wie ein ganz netter Kerl, dem man niemals etwas Schlechtes zutrauen könnte. Tamara aber weiß, dass Chris es Faust dick hinter den Ohren hat. Er ist ein Straftäter. Ihrer Ansicht nach ist es gerecht, dass er von seiner Familie losgerissen wurde und in den Untergrund musste. Tamara verabscheut Chris für seine Tat, aber im Untergrund ist es schwer, Freunde zu finden, die noch nie etwas Schreckliches gemacht haben. Vor allem, da es hier keine Sicherheitsdienste gibt. Niemand würde nach den Menschen fahnden, die ein Verbrechen begehen. Denn man geht davon aus, dass sich keiner mehr wage, zu sündigen, wenn man doch auf die andere Seite kehren will. Es stimmt – seit Chris im Untergrund ist, führt er sich wie ein vernünftiger Bursche auf. Das aber reicht Tamara nicht.

Als Chris mit einem Cognac und zusätzlich einem Sherry in der Hand zu ihr tritt, schaut sie liebenswert gen seine Augen.

„Alles klar, das wird sicher ein unvergesslicher Abend“, sagt sie dann.

Schritt 1

Die vier Freunde sitzen immer noch in Riks Kneipe und trinken Bier. Johanna Peerce und Kai Remer sind dazu getreten. Johanna ist ein fürsorgliches, herzliches Mädchen, ein Mensch, der immer offenherzig und aufrichtig handelt. Ihre finanzielle Lage brachte sie in den Untergrund. Seither bemüht Johanna sich darum, wieder aufzusteigen: Sie hilft den Menschen und engagiert sich im sozialen Dienst, indem sie für die Sauberkeit der Straßen im Untergrund sorgt. Die Compensatio aber ignoriert ihren Einsatz. So sehr Johanna auch danach eifert, wieder als guter Mensch anerkannt zu werden, so sehr wird sie auch immer wieder enttäuscht. Aber dennoch: Sie gibt die Hoffnung nicht auf und tut stets alles dafür, sich durch ihre Mühe zu beweisen.

Sie fährt sich durch ihr dunkelbraunes, dichtes Haar und lächelt ihren Kai an. Seit Tamara die beiden kennt, sind sie ein Paar. Johanna ist ganz hingerissen von Kai, was für Tamara schon immer ein Rätsel war. Kai ist ein schlaksiger Kerl – hagere Statur, fettige, ockerblonde Haare und ein Gesicht, das so sehr in sich verfallen ist, dass man nicht den Hauch eines Gefühls in seinem Ausdruck erkennen kann. Tamara weiß nichts über ihn. Er erzählt auch nie irgendetwas. Oft hatte Tamara das Gefühl, er kam nur mit in die Kneipe, um Johanna einen Gefallen zu tun. Er wirkt nicht so, als würde er selbst Vergnügen daran haben, mit den anderen zu quatschen und zu trinken. Tamara weiß nicht einmal, weshalb er im Untergrund gelandet ist. Doch eigentlich interessiert es sie auch nicht.

Riks Kneipe ist das einzige, das den Freunden bleibt. Diese Abende, an denen sie Bier trinken. Tamara genießt diese Abende nie, doch bisher gab es nichts anderes, womit sie sich die Zeit hätte vertreiben können.