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Der Mond wird bluten. Eine sternklare, warme Nacht. Ich werde dich finden mein Engel. Du wirst MEIN sein. Als die junge FBI Agentin Elisha im Traum diese Worte hört, ahnt sie nicht, dass der geheimnisvolle Fremde mit den meerblauen Augen und dem mitternachtsschwarzem Haar, wirklich existiert, bis er ihr eines Nachts begegnet und sie in seinen Bann zieht. Die sündigen Fantasien ihrer Träume scheinen sich zu erfüllen, aber der Krieger Alexy birgt ein düsteres Geheimnis: Er ist das einzige göttliche Mischwesen dieser Erde. Zur Hälfte Vampir. Zur Hälfte Engel. Die Liebe zu einer Sterblichen ist ihm nicht gestattet. Er hat seine Treue dem Orden der Shadowwalker geschworen, ein Bündnis von Vampiren und Gestaltwandlern, die gegen die Mächte der Finsternis kämpfen. Aber er hegt nicht nur verbotene Gelüste für einen Menschen, sondern sieht sich auch bald einer seltsamen Faszination für seinen Kampfgefährten Jayzon gegenüber, mit dessen Hilfe er Elisha aus den Fängen des Bösen befreien muss. So nimmt er sie schließlich mit in seine Welt, ohne zu ahnen, dass er die Frau gefunden hat, die sein Schicksal für immer verändern könnte...
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Seitenzahl: 403
Veröffentlichungsjahr: 2021
Rückblick 19. Jahrhundert.
Es ist eine bitter kalte Nacht. Der Himmel bedeckt von einem Meer aus Sternen, kleine silberne Punkte auf schwarzer Seide. Ich ziehe durch die Straßen von Los Angeles. Hier bin ich zu Hause, kenne jeden Winkel, jede Ecke.
Es ist meine Stadt.
Die Stadt der Engel und ich bin der, der sie vor dem Bösen beschützt. Während ich meine wahre Gestalt hinter einem Trugbild verberge, denke ich über Lara nach. Ich habe ihr nie gezeigt, wer ich wirklich bin, doch der überirdische Teil in mir lässt mich ahnen, dass sie es längst weiß. Ich bin kein gewöhnlicher Krieger, auf meinen Schultern lastet das Schicksal der Welt. Meine Augen haben Dinge gesehen, die bis zum Anbeginn der Menschlichen Zeit zurückreichen.
Schreckliche, unvorstellbare Gräueltaten. Das Gleichgewicht zwischen der dunklen Welt und dem göttlichen Reich ist in Gefahr.
Die Welt der Schatten droht das Licht für immer zu verschlingen, doch das ist es nicht, was mich heute Nacht quält. Auch wenn ich kein Mensch bin, so habe ich doch ein Herz und es blutet. Wegen ihr...
Zwischen uns ist es schon lange nicht mehr so, wie es einmal war. Lara hat sich verändert. Sie wirkt auf mich seltsam distanziert, ihre Launen sind anstrengend. Oft kehrt sie erst kurz vor dem Morgengrauen heim.
Ich frage mich, ob es an mir liegt, an dem Geheimnis, das seit jeher zwischen uns steht und von dem alles abzuhängen scheint. Einem Geheimnis, das ich nicht teilen kann, weil ich ihr Leben nicht in Gefahr bringen will.-
Dabei will ich nicht sehen, dass die wahre Gefahr von ihr ausgeht. Ich fühle mich geblendet. Als hätte nicht ich etwas vor ihr zu verbergen, sondern sie vor mir.
Ich weiß nicht einmal, ob sie ein Wesen das für die Armee Gottes geschaffen wurde und in dieser Welt existiert, um unter dem Licht des Mondes über die Finsternis zu wachen jemals lieben kann.
Wahre Liebe ist selten und kommt in dem Buch meines Schicksals nicht vor, aber ich weiß, dass, was immer wir auch haben enden muss. Gleich heute Nacht.
Meine Augen wandern über ihren Mund, ihre Lippen erinnern mich an die Oberfläche von Eis, als ich sie zärtlich mit meinen Fingerspitzen berühre. Ich schaue sie an, ihre Augen sind dunkle Tümpel, fast schwärzer als die Nacht selbst. Sie ist nicht mehr die Frau, in die ich mich einst verliebt habe.
Unsere Liebe scheint erfroren zu sein.
Alles ist oberflächlich geworden. Was sieht sie, wenn sie in meine Augen blickt? Erkennt sie, wer ich wirklich bin? Ein Blick in ihre emotionslosen stumpfen Augen und ich weiß: Es liegt nicht an mir. Lara gibt mir das Gefühl, als interessiere sie sich nicht mehr für mein Herz und für meine Seele, sondern allein für meinen Körper.
Ich hatte geglaubt, das sei nicht immer so gewesen, aber wahrscheinlich war es nie anders und ich habe bloß den dummen menschlichen Fehler gemacht, mir Träume zu gestatten.
Für wahre Gefühle ist sie blind, meine Lara. Was ist nur mit ihr geschehen? Was hat sie so verändert? Meine Gedanken sind wirr, ich weiß nicht mehr wo wir stehen, wo wir einmal gestanden haben.
Seit mehreren Nächten scheint sie von Sex völlig besessen zu sein, was mich im Grunde nicht stören würde. Jeder Teil meiner Existenz liebt die Leidenschaft, das Feuer, an dem er sich verbrennt.
Vielleicht ist es das Spiel mit der Gefahr, das mich reizt. Vielleicht auch nur der Wunsch, wenigstens einen winzigen fühlenden Teil von Menschlichkeit erhalten zu können, den ich nie besaß.
Berührungen, Wärme, einen Herzschlag, das pulsierende Leben. Ich will es fühlen. Doch, wenn Lara mich berührt bleibe ich kühl. Dort ist kein Feuer, das in meinem Inneren lodert. Keine Sehnsucht, die in mir brennt. Mein Wille ist unwichtig. Bedeutungslos. Die Art wie sie mich 'liebt' ist fern von aller Romantik. Sie ist wie ein Raubtier im Bett, - hungrig, rücksichtslos und brutal - nimmt sich, was sie will.
Ihr Begehren und das Spiel mit der Macht scheinen keine Grenzen zu kennen.
Was ich wünsche zählt nicht. Was ich tue ist nie gut genug. Sie will stets mehr, ist niemals befriedigt. Ich bin nur ihr Spielzeug, langweile ich sie, werde ich entsorgt. Noch heute muss ich es beenden!
Ihre finsteren Augen kommen mir jetzt noch düsterer vor. Ihre feinen Gesichtszüge sind perfekt, wie in Stein gemeißelt. Lara steht regungslos vor mir. Nicht eines Blickes würdigt sie mich.
„Alex“, raunt sie. Ihre weiche Stimme steht in einem unnatürlichen Kontrast zu ihrer feindseligen Haltung. „Lara, ich muss mit dir reden. Bitte weiche mir nicht schon wieder aus.“ Ich bin erbärmlich. Ich klinge wie ein bettelndes Kind das vor seinen Eltern um Anerkennung buhlt. Nicht wie der himmlische Krieger Gottes, dem man einst das Gleichgewicht der Welt anvertraute. Ich komme mir mittlerweile wirklich dämlich vor. Wie ein Idiot renne ich ihr schon seit Tagen hinterher. Meine Kehle schnürt sich zusammen. „Ich muss dir etwas sagen... Ich bin …“, beginne ich wackelig und richte meinen Blick in die Ferne. Lara fährt mit der lautlosen Eleganz einer Wildkatze zu mir herum. Mein Herz bleibt beinahe stehen, als sie nur eine Sekunde später hinter mir wieder auftaucht. Ihr Haar hat die Farbe von Auberginen, wie ein Flammenmeer ziert es ihren Kopf. Das Mondlicht bricht sich in ihren Pupillen. Ihre gespenstische Schönheit jagt mir Angst ein. „Spare es dir“, zischt sie gegen mein Ohr. Ihre langen Finger legen sich in meinen Nacken. Ich schaudere. „Ich weiß es längst.“
Kalt wie Morgentau streicht ihr Atem meine Wange. Ich zucke erneut zusammen. „Du... Ach ja?“
Ihre Worte verwirren mich. Sie kann unmöglich das Gleiche meinen, wie ich. Wie will sie wissen, was ich bin? Niemand kann die Tarnung eines göttlichen Wesens durchschauen. Lara streicht sich durch ihr seidiges Haar. Ich werde einfach nicht schlau aus ihr. Sie ist mir seltsam fremd. Fast als wäre sie nicht mehr dieselbe Person.
„Du willst Schluss machen, Alex.“
Ehe ich etwas sagen kann, schneidet sie mir das Wort ab.
Ihre Stimme ist nun klebrig wie Honig, klingt nach süßer Versuchung. Verdammt, ich sollte stark sein. Mein Wille ist eisern, doch das was hier gerade mit mir geschieht, wirft mich aus der Bahn. Ich kann ihr kaum widerstehen. Sie scheint mich zu beherrschen. Wie gebannt blicke ich in ihre rabenschwarzen Augen, entdecke Flammen darin, die vielleicht schon immer dort waren. Und da erkenne ich es:
Sie ist nicht im Geringsten mehr die, die sie einmal war. „Du glaubst, ich habe mich verändert“, spricht sie meine Gedanken vor mir aus. Ich stehe nur da. Starre stumm, wie der Zuschauer, der das Schauspiel eines Theaterstücks auf der Bühne verfolgt, zu ihren samtweichen Lippen.
Eine Sekunde später landen diese an meinem Hals. Laras Nasenflügel blähen sich, sie schnüffelt an meiner Haut, wie ein Süchtiger am Opium. Ich höre sie fiebrig meinen Duft inhalieren, als wäre ich die Luft, die sie zum Atmen braucht. „Vielleicht ist es ja so. Was, wenn du gar nicht falsch liegst, Alex?“
Voller Erotik lässt Lara die Silben meines Namens über ihre Lippen gleiten und gibt dem letzten Buchstaben einen weichen Nachklang. Ich habe das Gefühl, als würde ich meiner Kontrolle beraubt werden. Der Kontrolle über meinen eigenen Körper. Meine Stimme ist wie betäubt, die Worte in meinem Kopf nur noch Schall und Rauch. Ein sanftes Säuseln. Die Stimme einer Frau, die mit ihren Reizen spielt. Welcher die Männer zu Füßen liegen.
„Ich kenne dein Geheimnis, mein Schatz. Ich weiß wer du bist und nun zeige ich dir, wer ich bin.“ Von nun an, geht es rasend schnell, die Gebäude in meiner Nähe schwanken, jemand reißt mir den Boden unter den Füßen weg. Ich schlage hart mit dem Kopf auf das Pflaster, meine Lippen springen auf, Blut läuft über mein Kinn. Mit meiner schwindenden Energie versuche ich an die höheren Mächte zu appellieren, doch niemand hört mein Flehen. Aus trüben Augen sehe ich ein Gesicht über mir. Ganz nah kommt es heran. Schwarz wie Ebenholz, wie dunkle Höhlen sitzen ihre Augen darin. Ich blicke in das Antlitz des Bösen.
„Lara...“
Ihre Lippen rauben mir die Kraft, legen sich wie zu einem Kuss an meine pulsierende Schlagader.
Mit Leichtigkeit drückt sie mein Gesicht gegen das kühle Pflaster. „Ich will, dass du es siehst, mein Engel“, knurrt sie mich an. Brutal umklammern ihre Finger mein Kinn. Ihre langen Nägel zerkratzen meine Haut. „Lass mich sofort los!“, stoße ich wütend hervor, ein schwacher Versuch, ihr die Machtverhältnisse klar zu machen.
„Du bist ja total Irre!“
Und ich in einem Zustand, in dem ich nicht sein sollte. Ich sollte fliegen, mich erheben und über ihr aufsteigen, ihr zeigen, mit wem sie es wirklich zu tun hat. Doch ich kann nicht. Sie ist so stark, sie bricht meinen Willen wie ein dünnes Streichholz. Lara presst ihr ganzes Gewicht auf meinen Brustkorb, stemmt die Knie gegen den Boden. Mit einer kaum sichtbaren, fließenden Bewegung greift sie nach meinen Handgelenken und nagelt sie fest. „Sieh hin!“, faucht sie. „Sieh mich an, Alex!“
Ich werde in das Dunkel ihrer Augen gezogen und bin Zeuge eines Anblicks, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nein! Unmöglich. Was ich sehe, gleicht einem Alptraum. Ich höre Knochen knacken, ihre Augen wandeln sich. Das finstere Schwarz weicht ihrem Blick und macht einem leuchtenden Rot Platz. Blutrote Iriskreise funkeln mich an. In meinem ganzen Leben habe ich Vieles gesehen. Ich habe den Tod selbst gesehen, die Dunkelheit stets gespürt, solch etwas entsetzliches und zugleich wunderschönes, war jedoch nie dabei. Ich will sie anschreien, aber mein Schrei erstirbt, bevor er das Licht der Welt erblickt. Hilflos winde ich mich unter ihrem zierlichen Körper, der wie ein Zehntonner auf mir lastet. „Oh, gütiger Gott!“, presse ich hervor. Und ich meine es wörtlich. Wo sind die himmlischen Mächte, wenn man sie braucht? Und warum, zur Hölle, geht mir jetzt der Arsch auf Grundeis? Mir- einem Wesen Gottes? Sie sollte vor mir knien. „Was, zum Teufel bist du?“ Sie entblößt ihre nadelspitzen Eckzähne und stößt sie mit einer solchen Gewalt in meine Kehle, dass mein Bewusstsein schwindet. Das Blut fließt, in heißen Strömen, es besudelt den Asphalt, färbt die Erde mit unsterblichem Rot. Ich falle_...
„Ich bin dein schlimmster Alptraum.“
Meine Augen schließen sich, der Schmerz zerreißt mein Fleisch, bohrt sich tief in mein pochendes Herz. „Вist du sicher, dass du nicht mehr mit mir zusammen sein willst, mein Schatz?“, wispert sie kühl. Meine Sinne schwinden, die Welt um mich herum versinkt in Nebel. Geküsst vom eisigen Hauch des Todes liege ich da. Unfähig zu denken, zu schwach zum Handeln. „Wirst du mich jetzt töten?“, keuche ich mit meiner letzten Willenskraft, wissend, dass ich eigentlich nicht sterben kann. Sie lächelt, als stimme sie meinem Gedankengang zu. Es wirkt grotesk. Eine grausam verzerrte Fratze.
„Оh ,Nein! Nicht töten. Das wäre die reinste Verschwendung, mein Hübscher.“
Gegenwart:
Mit einem bestialischen Fauchen schoss er vom Dach uns segelte in einem eleganten Bogen durch die Luft.
Es schien, als würde er mitten im freien Fall inne halten.
Mit tödlicher Eleganz - um die ihn jede Raubkatze beneidet hätte - kam er auf allen Vieren auf und zerkratzte dem schwarzäugigen Monster, mit einem gewaltigen Prankenhieb die Kehle.
Dunkles Blut spritzte, wie eine makabre Fontaine des Grauens auf sein goldbraunes Gesicht, traf die gebräunte Haut seiner nackten Brust, die unter der Motorradjacke hervor blitzte.
„Verdammter seelenloser Bastard“, schrie er über das Leder an seinem beachtlichen Bizeps wischend.
„Die ist von Armani. Die habe ich gerade erst erstanden, du Wichser!“
In seinem scharf geschnittenen Gesicht saßen perfekte, hohe Wangenknochen, smaragdgrüne katzenhafte Augen funkelten wild in die dunkle Nacht hinein.
Lange, geschmeidige Finger fuhren blutverschmiert durch haselnussbraunes Haar.
Ein weiteres Mal ließ er das Monster seine Krallen spüren. Sie waren gewaltig, messerscharf und absolut tödlich. Die blitzend weißen Fänge, hinter seinen sinnlichen aber auch grimmig verzogenen Lippen machten das Bild des düsteren Alptraums vollkommen.
„Du bist kein Vampir“, hörte er eine fremde dunkle Bariton Stimme.
Zu seinen Füßen hatte sich die leblose Hülle des Seelenlosen, in eine schleimige nach Verwesung stinkende Pfütze Abschaum verwandelt, die nun langsam gen Boden sickerte.
Keuchend stand er da, seine Muskeln zitterten und seine Augen glühten wie grünes Höllenfeuer.
Jayzon fuhr herum, die Hände an die in Leder bekleideten Hüften gestemmt, die grünen Augen zu schmalen, argwöhnischen Schlitzen verengt.
Mit abschätzig kaltem Blick sah er den Typen an, der dort in den Schatten der Hochhäuser lehnte und ihm seine kostbare Zeit stahl.
„Stimmt, bin ich nicht. So und jetzt verpiss dich, ich habe schlechte Laune und du stehst mir im Weg!“
Die Krallen an seinen Fingern waren noch immer nicht ganz eingefahren, als er auf den Mann zuging und wie ein Löwe auf Beutejagd um ihn herum schlich.
Er wischte sich den Dreck an seinen schwarzen Jeans ab. Es war vorbei. Die Kreatur, die da am Boden lag, war tot.
Hinter seinen Schläfen begann es heftig zu pochen, als würde ihm jemand dicke Nägel in den Schädel stoßen.
Grob und mit einem leisen Knurren stemmte Jayzon die Hände an sein schmales Becken und versuchte den Unbekannten aus dem Weg zuschieben.
Doch, das war ungefähr so effektiv, als versuche man einen Berg mit bloßer Hand an eine andere Stelle zu stoßen. Über 1.80 Meter harte Muskelkraft stellte sich ihm entgegen. Nicht, dass Jayzon besonders klein geraten war - er hatte mindestens die gleiche Körperhöhe wie sein Gegenüber und er besaß Muskeln an den richtigen Stellen- aber für dieses Geschöpf schien seine Kraft dennoch nicht auszureichen. Ein Hauch von Unsicherheit machte sich auf seinem, sonst so hartem Gesicht bemerkbar.
Alex' Augen funkelten in einem eisigen Blaugrün. Seine Mine blieb unbewegt, seine Lippen zu einer festen Linie verzogen. Er inhalierte den Geruch des Fremden und weitete mit offener Bewunderung die Pupillen. „Еin Wolf bist du auch nicht.“
Der Angesprochene fletschte die Zähne „Man, du nervst! Geh mir endlich aus dem Weg und quatsch mich nicht voll!“
Alex starrte ihn an, nicht einen Millimeter wich er von der Stelle, nicht einmal als das geheimnisvolle Wesen, welches weder Vampir noch Wolf zu sein schien, ihn abermals mit seinen Krallen bedrohte.
Was war er?
Für einen Menschen schien sein Geruch zu animalisch, zu wild, zu... Seltsam. Alex hätte schwören können, dass eine Spur Wolfsblut durch seine Adern floss.
Das Knurren wurde lauter und gereizter.
„Was glotzt du denn so? Soll ich dir vielleicht ein Passfoto geben? Okay ich habe dich gewarnt! Mir reicht es! Wenn du die sanfte Tour nicht verstehst, dann machen wir es eben auf die Harte!"
Er ging in die Hocke und setzte zum Sprung an, doch in dem Moment, als er wie ein Pfeil auf seinen Widersacher zuschoss, war dieser plötzlich wortwörtlich verpufft.
Jayzon konnte nicht anders, als leicht ungläubig zu blinzeln.
Seine Krallen verschwanden und verkümmerten zu gewöhnlichen stumpfen Nägeln. Nichts an ihm glich jetzt noch dem Tier, das er bis vor wenigen Sekunden noch verkörpert hatte.
Die grünen Blitze in seinen Augen erloschen und zurück blieb ein tiefes Braun, welches dunkel wie Schokolade war.
Um seine hellere, haselnussfarbene Iris tanzten goldene Sprenkel. „Zeig dich, Feigling! Lass uns die Sache wie Männer ausstehen,. Von Angesicht zu Angesicht. Na los, komm her!“
Kalte Hände legten sich auf Jayzons Schultern und Alex Präsenz strich ihm wie ein Luftzug über den Nacken.
Die feinen Haare dort, richteten sich schlagartig auf.
„Buuuh“, machte Alex, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
Der seltsame Typ schreckte tatsächlich ein wenig zusammen, fing sich aber schnell wieder und bleckte die langen Reißzähne, die sich durch seinen Kiefer schoben.
„Du hältst dich wohl für ganz besonders witzig, was?! Tu das besser nicht noch einmal, sonst werde ich...“
Puff.
Da war er wieder weg.
„Wirst du was? erklang es belustigt, direkt neben seinem Ohr.
Jayzon kochte innerlich. Man sollte ihn jetzt besser nicht länger reizen. Allmählich fragte er sich, warum er überhaupt noch hier tatenlos herum stand. Er hätte längst das Weite suchen sollen oder dem Typen eins aufs Maul hauen. Doch irgendetwas an diesem Kerl faszinierte ihn.
Er schnupperte an ihm. Der Mann roch fremdartig und in jeder seiner anmutigen Bewegungen lag etwas sehr dunkles, bedrohliches. Trotzdem, schien er nicht wirklich auf einen Kampf aus zu sein, was Jayzons Angriffslust nun nur wieder anstachelte.
Alex hatte für den Fremden bloß ein amüsiertes Kichern übrig. Anscheinend ging ihm bei seinem Harry Potter Zaubertrick voll einer ab.
„Das nennt man teleportieren.“
Jayzon rollte ein weiteres Mal genervt mit den Augen. Klugscheißer.
Schließlich machte er wirklich Anstalten zu gehen, wollte einen Fuß vor den Anderen setzten, doch Etwas, hielt ihn davon ab.
Eine unsichtbare Macht?
Er spürte einen Druck, der seine Schultern zusammenpresste, als lägen sie in einem Schraubstock. Erschrocken schaute Jayzon auf seine Arme herunter, die plötzlich wie Feuer brannten.
„Was, zum Teufel machst du da? Hör sofort auf damit!“ Er konnte sich nicht mehr bewegen.
„Nein!“
Das klang scharf und unbeugsam . Alex Stimme duldete keinen Widerspruch. „Sag mir erst ,was du für ein Wesen bist!“
Ein Schatten verfinsterte seinen Blick. „Ich rieche, dass du kein Mensch bist." Wie Alex war er aber auch nicht.
"Mir scheint, wir haben den Selben Feind. Ich konnte sehen, wie du ihm mit deinen Krallen die Kehle zerfetzt hast“.
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, knurrte Jayzon, der mehr und mehr in Rage geriet. Ein weiterer Versuch sich zu regen blieb ohne Erfolg.
Plötzlich wurde sein Körper gegen die Häuserwand geschmettert.
Der Aufprall ließ all seine Luft keuchend aus seinen Lungen entweichen und als der Lykane sich aufrichtete, sah er geradewegs in die blutroten Augen eines Monsters. „Scheiße, Mann!“, entfuhr es ihm leise.
Das blasse Gesicht entblößte eine perfekte Reihe perlweißer Zähne, die ebenso spitz waren, wie seine eigenen.
„Warum ist es dir so wichtig, verdammt! Wieso willst du unbedingt wissen, wer ich bin?“, spie Jayzon voller Verachtung.
Ein erstickter Laut, der wie eine Mischung aus Fauchen und das Jaulen eines Hundes klang, löste sich aus seiner Kehle.
„Warum solltest du mich töten? Gerade hieß es noch wir hätten den gleichen Feind ", rief Jayzon seinem Angreifer mit krächzender Stimme ins Gedächtnis.
Tatsächlich schien Alex einen Moment inne zu halten, lockerte jedoch nicht den Griff mit dem er die Kehle des anderen gegen den Steinboden drückte.
Alex hob eine Augenbraue. Jay wagte ein Grinsen, was allerdings dank seiner langen Raubtierzähne ein wenig grotesk wirkte.
„Heißt das du lässt mich am leben?“
Ein Halswirbel knackte, als Alex den Kopf über die Schultergelenke rollen ließ „Weiß ich noch nicht.“ Kam ganz darauf an, ob er ihm nun verriet, wer er war. Seine Stimme klang kalt, wie der Nachtwind, der in seinen dunklen Haaren spielte.
Jayzon wehrte sich nicht. Dazu war ihm sein Leben doch zu wichtig. Und er war nicht unsterblich. Nicht annähernd so, wie das Wesen, das da über ihm kauerte.
Ein Monster mit roten Augen, welches einem bösen Alptraum entsprungen sein musste.
Vampir.
Er musste ein Vampir sein. Die blasse Haut, das merkwürdige Farbenspiel seiner Augen. Die Teleportation.
Vampire unterschieden sich nicht nur durch ihr Aussehen von seiner Rasse. Im Gegensatz zu den Gestaltwandlern, also den Lykanen waren sie kalt wie Eis.
Man sagte ihnen nach, dass sie keinerlei Emotionen hätten. Wie gefühlleere Hüllen.
Dieser hier jedoch, wirkte ganz und gar nicht so. Es schien unter seiner Oberfläche zu brodeln wie die Lava in einem Vulkan, der nur darauf wartete im richtigen Moment Asche zu speien.
„Was glaubst du denn, was ich bin?“, fragte Jayzon mit einer Spur Trotz in der kratzenden Stimme.
Alex hatte seine Hände ein Stück von Jayzons Kehle geschoben. Er vertraute darin, dass dieser genug Grips im Kopf hatte, um nicht gleich aufzuspringen.
Der Kerl schien in der Tat einiges auf dem Kasten zu haben. Außerdem wirkte er verdammt mutig und schlagfertig auf ihn.
Das brachte Jayzon definitiv Pluspunkte auf Alex Beliebtheitsskala ein und weckte umso mehr seine Neugier.
„Ich sagte doch schon, dass ich deinen Geruch nicht einordnen kann. Nichts menschliches aber auch kein Wolf. Und so wie ich, bist du auch nicht“, zischte er.
Jayzon schnaubte „Ach, und wie bist du? UNTOT?“
Das Wort traf Alex, wie einen Schlag in den Magen, es schnitt ihm mit der Schärfe einer Rasierklinge direkt in sein kaltes Herz. Er mochte es nicht, so bezeichnet zu werden. Untote waren emotionslose Zombies. Bloß leere umherwandelnde Hüllen ohne Herz. So war er nicht. Er war anders.
Er hatte Gefühle.
Manchmal waren diese sogar dermaßen heftig und überwältigend, dass er Schweißausbrüche davon bekam und nicht wusste, wie er damit umgehen sollte.
Hinzu kam seine Gabe, die er wohl trefflicher als einen Fluch bezeichnete.
Der Vampir verfügte über die Fähigkeit der Empathie. Er konnte die Gefühle anderer wahrnehmen, als wären sie seine eigenen.
Was für viele eine Bereicherung sein mochte, war für Alex mit der Zeit schlichtweg zu einer Last geworden, denn die Gefühle, die er spürte, waren nicht immer angenehmer Natur und wenn er es nicht schaffte, den Schalter umzulegen, der seine Gabe unterband, stiegen sie zu einem unerträglichem, nervenzerrendem Lärm an.
Bis heute arbeitete Alex daran Barrieren aufzustellen, die ihn davor schützten. Leider jedoch hielten diese nicht jedem Emotionssturm stand.
Wenn er selbst unter starkem Stress stand, brachen sie leicht ein.
In solchen Momenten war die Empathie der reinste Schmerz.
Als Alex zum Vampir geworden war, hatte man ihn einfach zurückgelassen., ohne ihm die wichtigsten Dinge in der Welt der Schattenwesen beizubringen. Völlig hilflos und verängstigt . Sein altes Leben zählte nicht mehr, all das Schöne und Gute das ihn einst umgab, hatte man für immer zerstört. Mit ihrem dunklen Kuss hatte Lara das Licht aus seiner Seele gesaugt. Sie hatte einen Engel zu Fall gebracht, ihm die Flügel gebrochen und mit seiner Verwandlung sein Schicksal auf Ewig verflucht.
Der ständige Blutdurst ekelte Alex an. Er sehnte sich mehr denn je nach dem ewigen Tod. Eine Sehnsucht, die niemals gestillt werden konnte, denn er war nun ein Verdammter , ein Kind der Nacht.
Was er auch tat, wie sehr er auch litt, er würde es einfach … überleben.
Um die Erlösung zu finden, hatte er Vieles ausprobiert. Wochenlanges Hungern war nur eine der selbst auferlegten Qualen gewesen.
Dabei war er sogar zu Selbstmord bereit gewesen. Er hatte versucht seinem Dasein ein Ende zu bereiten, indem er sich der Sonne aussetzte.
Ja, er wollte sterben . Die Sonne hatte bereits seine Haut versengt, als in der letzten Sekunde, wie aus dem Nichts ein Schatten erschienen war. Groß und Dunkel, schwärzer als die Nacht selbst. Von Kopf bis Fuß in Leder gekleidet, sein Körper ein einziges Waffenarsenal.
Sein Retter, war zu seinem Meister geworden, hatte ihm gelehrt in der dunklen Welt zu leben, zu kämpfen und einen neuen Sinn zu finden.
Er hatte ihn in den Orden eingeführt, welchen er seither sein zu Hause nannte.
Heute war es ein Jahrhundert her, seit er von den SHADDOWWALKERN aufgenommen worden war, wie ein verlorener Sohn.
Alex zuckte zusammen, als ihn ein dumpfes Trommeln gegen seinen Brustkorb, aus seiner melancholischen Erinnerung riss.
„Hey? Jemand zu Hause?“
Eigentlich hielt Jayzon nichts von Blutsaugern, aber dieser hier schien irgendwie anders zu sein. Seltsam faszinierend.
Jayzon's schokobraunen Augen leuchteten kurz auf, er grinste teils zynisch, teils amüsiert und schließlich waren seine Fänge verschwunden und zurück blieb ein junger Mann, der Merkmale einer Katze besaß.
Alex formte die Lippen zu einem tonlosen 'O', als er endlich erkannte, mit wem oder besser was er es zu tun hatte – Ein Halbblut.
Ein Wesen, das zu einem Teil von einer Katze und zum Anderen von einem Wolf abstammte. Ein Lykane!
Die rote Glut die seine Iris umgab war verschwunden, fortgespült von einem Ozean aus Grünblau.
“ Heilige Scheiße, ist das zu glauben?“
Mit einem leisen Fluch krabbelte Jayzon unter Alex' Griff weg, der zu perplex war, um darauf zu achten ihn festzuhalten, sprang auf die Füße und grinste sichtlich amüsiert: "Tja, glaub es oder nicht.. Ich bin ein Wesen aus Wolf und Katze. Wobei ich bevorzuge den Ausdruck Wolfskatze.“ Ein gespieltes ‚Miau‘ entwich seinen Lippen. Klang es doch so viel schärfer, wenn die Frauen im Bett ihn anflehten es ihnen wie ein Raubtier zu besorgen. Wer wollte da schon eine Schmusekatze haben? Und 'mach's mir du großer böser Wolf', klang selbst in Jayzons Ohren zu schräg.
Er fuhr sich mit seiner rauen, rosa Zunge über die Lippen.
Ganz plötzlich wirkte Alex wie erstarrt. Regungslos, gleich er einer riesengroßen Marmorstatue. Der Wind spielte in seinen Haaren, während seine Brust sich langsam hob und senkte. Seine Augen wurden mit einem Mal klar wie ein Bergsee.
„Heilige Scheiße nochmal! Dich dürfte es gar nicht geben“, stammelte er verwirrt.
Die Worte seines Mentors kamen ihm in den Sinn. Das Erste was man ihm damals gelehrt hatte, war, dass ein Nachfahre in dessen Adern das Blut zweier tierischen Arten floss als unrein angesehen wurde.
Ein Bastard, dem man keinerlei Respekt zollte.
Jayzon's kehliges Lachen riss den Vampir abermals aus seinen Grübeleien. „Sagt ausgerechnet ein Vampir. Der Ursprung allen Legenden.“
Alex antwortete nicht, stattdessen starrte er auf Jayzons Finger. Seine Nägel waren kurz und verbargen nun die tödlichen Krallen zu denen sie werden konnten.
Seine Haut hatte einen goldigen Schimmer angenommen. Jayzon's Augen wurden plötzlich dunkel. Etwas Uraltes blitze darin auf, ein Schatten einer Erinnerung die Alex besser nicht heraufbeschworen hätte. Genauso schnell, wie sie erschienen war, verschwand sie jedoch wieder.
In Jayzon's Stimme lag keine Spur mehr von Menschlichkeit. Ein tiefes Donnergrollen prallte wie ein finsteres Echo gegen die Mauern der umstehenden Hochhäuser. Der Gestaltwandler funkelte Alex mahnend an „ Merk dir eins! Mein Leben, hat dich einen Dreck zu interessieren, klar!" Keine Frage, eine Drohung. Durch Jayzon's Muskeln zuckte unterdrückte Wut.
Alex konnte den Schmerz in seinen Augen sehen und überdeutlich spüren, als wäre er sein eigener. Was war diesem Wesen nur grausames zugestoßen?
Der Lykane machte einen Satz nach vorn. Offensichtlich hatte Alex in ihm eine vernarbte Wunde wieder aufgerissen. Er rannte fort, wollte die Erinnerungen nicht näher an sich heran lassen. Er wollte NIEMANDEN an sich heran lassen. Erst recht nicht, diesen merkwürdigen Kerl.
„Wie heißt du?", fragte Alex mit samtener Stimme und tauchte lautlos, fließend wie ein Schatten hinter dem Wesen auf.
„Jayzon Whitaker."
Er blieb stehen und schnaufte, hatte keinen Schimmer, warum zum Teufel er ihm das überhaupt verriet.
In einer beinahe versöhnlichen Geste, streckte der Vampir dem Gestaltwandler seine Hand entgegen.
Eis traf auf Feuer als Jayzon zögerlich Alex' Hand ergriff.
„Du solltest nicht weglaufen, Jayzon."
„Ach? Und warum nicht? Du kennst mich nicht einmal!!
Der Krieger berührte seine Schulter und traf auf glühenden Stahl.
„Weil ich glaube, wir beide haben womöglich mehr gemeinsam, als du denkst. Ich bin Alexy Holloway. Jayzon, ich möchte dass du mit mir kommst, ich glaube wir könnten deine Hilfe gebrauchen. Hier draußen herrscht Krieg, ein Sturm zieht auf und er wird mit seiner ganzen Gewalt, alles was diese Welt ausmacht in ein dunkles Nichts ziehen. Wenn du für das Gute kämpfst, diese Welt vor dem Verderben bewahren willst, komm mit mir. Du bist tapfer und stark. Ich habe selten soviel Stärke gefühlt“, fuhr er fort. Offenbar war es ihm ernst damit.
Dennoch konnte Jayzon nicht verstehen, wovon er eigentlich redete. Als der Vampir seinem fragenden Blick begegnete, sagte er knapp: „Ich habe diese Gabe, Emotionen von anderen wahrzunehmen.“
Daraufhin schwieg Jayzon nur noch. . Niemand sollte wissen, wie verletzlich und gebrochen er in seinem Inneren war. Ein Gedanke, der ihm ganz und gar nicht gefiel hinterließ einen kalten Schauer in seinem Nacken. Wieviel hatte Alex schon gespürt? Wieviel wusste er bereits über ihn? Über die Dinge, die man Ihm angetan hatte?
Elisha massierte sich mit den Daumen die Schläfen. Sie fühlte sich abgespannt und eine Migräne Attacke jagte die Nächste.
Sie brauchte wirklich dringend Urlaub. Vielleicht aber auch nur eine ordentliche Mütze voll Schlaf. Seit Wochen wälzte sie sich nachts unruhig im Bett hin und her. Tagsüber war sie so müde und entkräftet, dass sie fast im Stehen einschlief und wenn sie dann nach Feierabend endlich zur Ruhe kam, wollten ihre Lider einfach nicht zufallen. Sie fühlte sich hellwach, wie nach einer Kanne Espresso. Daran musste der Mond schuld sein.. Er hatte sie schon immer rastlos gemacht, ihr den Schlaf geraubt und ihren Körper kontrolliert.
Der Silberne Glanz und Luna's strahlende Schönheit hatten etwas fesselndes, etwas geradezu paralysierendes an sich.
Schon als Kind war sie in Vollmondnächten gerne über die Veranda ihres Elternhauses in den üppigen Rosengarten geschlichen und hatte stundenlang in ihrer Hollywoodschaukel gesessen, den Kopf in den Nacken gelegt und die silberblauen Augen gen Himmel gerichtet.
Das Mondlicht hatte in ihrem weißblonden Haar getanzt und ihrem blassen Teint einen sanften Schimmer verliehen. Auf dem Rasen hatte sie sich so lange im Kreis gedreht bis ihr ganz schwindelig geworden war und ihre kleinen Beinchen schwer wurden. Mitten im grünen Gras hatte sie auf dem Rücken gelegen und stundenlang den Mond angeschaut. Ob es wohl irgendwo da draußen im Meer der unzähligen Sterne eine bessere Welt gab?
Seufzend versuchte Elisha die schwere Last ihrer Kindheitserinnerungen von sich zu
schieben.
Ihre Augen wirkten heute matt und glanzlos. Fast schon grau, gar nicht so strahlend und voller Leben, wie man es von der quirligen Blondine gewohnt war.
Sie hatte ihr welliges Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Mit einer müden Handbewegung zog sie den Gummi aus ihrem Schopf und ließ die Strähnen über ihre schmalen Schultern fließen.
Sie wäre angeblich viel zu zierlich für den Knochenjob beim FBI. Darüber konnte sie heute nur noch grimmig lächeln. Zählte sie nun nämlich zu einer, der besten Agentinnen und das hatte sie auch erreicht ohne mit ihren umwerfend langen Wimpern zu klimpern. Allein durch Disziplin und jeder Menge harter Arbeit!
Leider schienen manche da anderer Meinung zu sein.
Mutter Natur meinte es ziemlich gut mit ihr. Mit den langen Beinen und ihrer schmalen Taille, dem straffen Po und ihrer makellosen Haut, wäre sie vielleicht besser in der Modebrache aufgehoben gewesen. Das zumindest war es, was sie immer wieder zu hören bekam. Wen wunderte es noch, dass sie viele Neider hatte, die ihr den Erfolg nicht gönnten und sie bloß auf ihr Aussehen reduzierten.
Dabei fand Lish sich selbst alles andere als hübsch. Dass die Leute sie stets als perfekt ansahen, war zu einem nervenden Fluch geworden. Sie hasste ihr weißblondes Haar, weil es genauso unnatürlich zu sein schien, wie die Farbe ihrer Augen. Nichts an ihr wirkte normal.
Ihr ganzes Leben bestand darin, immerzu nach Perfektion zu streben. Nicht um ihrer Willen, sondern weil man das von ihr verlangte. Schon während ihrer Schulzeit trainierte ihr Vater sie Klassenbeste zu sein. Wehe sie kam einmal nicht mit einer guten Note heim, nicht auszudenken, wie sehr er sie bestrafte.
Versagte sie, bekam sie die Konsequenzen dafür hart zu spüren.
Lish musterte ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Nach Außen hin mochte sie vielleicht einem Engel gleichen, mit all ihrer Außergewöhnlichkeit. Doch in ihrem Inneren war sie eine verletzte Seele.
Müde kickte Lish ihre Sneakers von den Füßen. Auf dem Teppich vor ihrem Schreibtisch legte sie sich hin und machte sich winzig klein. Zog die Beine immer näher an die Brust heran, legte den Kopf auf die Knie und schloss die Augen. Vom Licht des Bildschirms brannten ihre Pupillen. Erschöpft. Sie war so furchtbar erschöpft. Diese Mal streckte der Schlaf seine Arme nach ihr aus und wenig später fand sie sich in einem Traum wieder.
Eine Wiese im Mondlicht. Sie stand umgeben von silbrigem Schein. Ihre Füße spürten das weiche Gras. Die Halme kitzelten zwischen den Zehen. Den Wind in ihrem Haar. Es war warm und roch nach Sommer. Wunderschön. Sie fühlte sich gelöst. Befreit.
Elisha drehte sich im Kreis. Sie war wieder Kind und doch hatte sie den Körper einer Erwachsenen. Sie war beides. Sie war was sie sein wollte und es gab Niemanden der ihr etwas vor schrieb. Freiheit. Sie fühlte die Freiheit. Grenzenlos.
Ihr Haar verbarg ihre entblößten Brüste.
Nackt legte sie sich ins Gras und badete in Lunas Licht. Die Sterne spiegelten sich in ihren silberblauen Augen. Den Mund leicht geöffnet räkelte sie sich auf der Lichtung.
Und dann war da plötzlich ein Gesicht. Augen so strahlend wie Diamanten, ein blaugrüner Ozean eingebettet auf elfenbeinfarbener Haut, umrandet von Mitternacht. Der Geruch von dunklen Gewürzen und ein zartbitterer Hauch von Schokolade erfüllte die Luft.
Gott, er war wunderschön. Sein Antlitz hatte harte Züge wie in Marmor gemeißelt, seine Schultern waren breit und die Muskulösen Arme luden dazu ein sich an ihn zu schmiegen.
„Wer bist du?“, hörte sie sich flüstern.
Nackt lag sie vor ihm. Frei von Scham erhob sie sich aus dem feuchten Gras und schritt in die Dunkelheit um ihm nahe zu sein.
"Der Mond wird bluten... Eine sternklare warme Nacht. Ich werde dich finden, mein Engel. Du wirst MEIN sein.“, raunte er mit tiefem unwiderstehlichem Klang.
Der Wind verstummte. Sein Duft war so intensiv, dass er ihr unter die Haut kroch.
Ihr Körper begann unter seinen Blicken zu kribbeln. Blaugrüne Diamanten bohrten sich in ihre Augen. „ Du wirst mich finden? Der Mond blutet? Was soll das heißen?“
Langsam streckte sie ihre Hand nach ihm aus. Doch sie konnte ihn nicht berühren. Noch ehe sie sein göttliches Gesicht erreichte war er… Weg. Einfach so. Wo seine Füße den Boden berührt hatten war nur noch Luft. Als hätte es ihn nie gegeben.
Elisha erwachte, und schnappte nach Luft. Ihre Bluse klebte an ihrem Körper, die Jeans kratzten auf der erhitzten Haut. Sie hatte die Beine weit gespreizt und ihr Unterleib stand in Flammen.
Zwischen ihren Schenkeln spürte sie ein angenehmes Ziehen. Sie war feucht.
Jayzon stieß einen anerkennenden Pfiff aus, als er den Wagen sah. Er lehnte sich nach vorn um in das Innere des dunklen Z4s hinein zu spähen. Schwarze Ledersitze und eine Mittelkonsole in dunklem Holz getäfelt. Das Coupé war echt heiß und Alex schien Geschmack zu haben.
„ Was hat denn das Baby so unter der Haube?“, fragte er mit ehrlichem Interesse und ließ sich auf den Beifahrersitz sinken.
„Satte 300 Pferdestärken“ Alex Mine blieb ungerührt, während er die Sonnenbrille vom Amaturenbrett zog und sich auf die Nase setzte. Mit dem schwarzen Ledermantel, den harten Wangenknochen und den dunklen Strähnen, die ihm bis zum Kinn reichten strahlte er etwas cooles, gleichzeitig aber auch sehr verwegenes aus. Jayzon ergänzte dieses Bild perfekt.
Sie fuhren durch eine Straße die Jayzon völlig fremd erschien. So finster wie die Nacht selbst. Offenbar die düsterste Straße die er je gesehen hatte.
Das war ein Teil von Los Angeles den er definitiv noch nicht kannte und er war auch nicht scharf darauf ihn kennen zu lernen. Hier gab es keine Häuser weit und breit und selbst die Bäume am Straßenrand wirkten wie große bedrohliche Ungeheuer die ihren langen Schatten auf die wenigen vorbeifahrenden Fahrzeuge hinab warfen. Alex hatte einen rasanten Fahrstil, was Jayzon nur recht war. Es gab nichts, was er mehr hasste als schleichend durch den Verkehr zu kriechen. Man wollte ja schließlich heute noch ankommen und nicht erst im nächsten Jahrhundert.
Während Alex den Wagen weiter über den Highway jagte, überkam seinen Beifahrer mit einem Mal eine schwere Müdigkeit und etwas in ihm sandte ein Warnsignal aus. Das Kribbeln, welches ihm in Füße und Hände fuhr, wirkte nicht echt. Fast wie eine Betäubung.
Er fühlte sich unter Drogen gesetzt, als sein Körper ihm mehr und mehr entglitt. Der Drang die Augen zu schließen, wurde unerträglich, also gab er ihm schließlich nach, dem Geschehen nun gänzlich ausgeliefert.
„Schlaf schön“, flüsterte Alex neben ihm, so beruhigend als würde er ein Baby wiegen.
Den Rest der Fahrt verbrachte der Lykane friedlich schlummernd auf dem Beifahrersitz.
Alex hielt vor einem schmiedeeisernen Tor und tippte einen Code ein, ehe sich die Pforten geräuschlos öffneten und er hindurch fuhr. Nach außen hin war das Anwesen des Shadowwalker Ordens unsichtbar. Lediglich ein Wald war zu sehen und nur wer dazu bestimmt war den mystischen Ort zu finden, würde hinter das Trugbild blicken können.
Ein unsichtbares Kraftfeld schützte vor den Feinden und ungebetenen Gästen. Oberste Priorität galt der Anonymität ihrer Rasse. Niemand durfte jemals von der Existenz der übrig gebliebenen Wesen des Mythos erfahren, zu welchem auch Vampire und Lykanen zählten.
Ob man Jayzon wirklich vertrauen konnte, würde Alex spätestens dann herausfinden, wenn er erwachte und Mytheria betrat.
Mytheria war eine eigene Welt und doch war sie fest verankert mit dem Planeten der Menschen. Einzig und allein den Wesen des Mythos war es möglich, diese ohne physisch und psychische Schäden, zu betreten. Ein Mensch würde, insofern er überhaupt die Sicherheitsmaßnahmen - Elektrozaun, Kameras und Laserstrahlennetz - überlebte, seinen Verstand an den Wahnsinn verlieren.
Geschriebenes Gesetz. Die Hüter des Mythos, die über das Gleichgewicht der Schattenwesen wachten, hatten es seit Anbeginn der Zeit so geregelt, zum Schutze der Rasse und für ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen. Vampire und alle, die ihnen ähnlich waren ernährten sich nicht von ihnen. Sie hatten andere Quellen und ließen die Sterblichen in Frieden. Das war ihr Dank dafür, dass man sie in Frieden ließ, dass man nicht in ihre Welt eindrang und sie verfolgte wie Freiwild. Leider gab es dort draußen aber noch immer jene, die das Gesetz missachteten und die Existenz der Rasse gefährdeten. Jene nannte man 'Seelenlos' denn sie hatten kein Gewissen, kannten keine Skrupel und nahmen sich wonach es ihnen gelüstete. Sie waren wie wilde Tiere, Bestien die ihren Hunger nach Blut nicht zügeln konnten. Sie waren kalt und gefühllos und sie jagten alles, was ihnen über den Weg lief. Wegen ihnen herrschte ein ewiger Krieg der sich immer weiter über die Mauern der Mystischen Welt austrug und die Grenzen zu sprengen drohte…
„Zwei Opfer. Es waren beides Frauen, man fand sie unweit des Hudson Rivers.“, berichtete Bryan mit ernstem Gesichtsausdruck. Der Krieger hatte die Beine von sich gestreckt und seine Kampfstiefel ruhten auf dem Tisch. Neben ihm saß Julyan in einem Ledersessel und starrte angestrengt auf den Bildschirm seines Dell Notebooks.
Eine schöne Scheiße war das!
Die Leichen auf dem Bildschirm waren grauenvoll zugerichtet mit Bisswunden an Hals und Handgelenken.
„Diese Wichser werden immer skrupelloser! Ich hab gerade so richtig Bock ihnen die Fresse zu polieren, die bleiche Kehle aufzuschlitzen und ihnen ihr seelenloses verrottetes Herz…“
Er hielt mitten im Satz Inne, da die Tür zum Büro aufgestoßen wurde und jemand mit schweren Schritten hinein kam. Der maskuline dunkle Geruch von Leder und einem herben Hauch Zartbitter Schokolade schwebte in den Raum. Aber da war noch etwas.
Eine andere Note. Etwas, das Julyan nicht so ganz einordnen konnte und ihm doch irgendwie bekannt vor kam.
Nun drehten auch Bryan und Went die Köpfe herum.
„Hey, Alex!“
Der Anführer des Kriegerordens erhob sich von seinem Platz und grinste. Er kam auf den Bruder zu und begrüßte Alex mit einem Schulterklopfen. Ein Zeichen, um ihn willkommen zu heißen. Went war- ohne Frage ein imposanter Mann von 2 m Statur, und einer beachtlich muskulösen Figur. Mit seinem dunklen, schulterlangem Haar, welches immer ein wenig zottelig wirkte, dem Kinnbärtchen, den moccabraunen Augen und dem Bandana, welches er um die Stirn trug, hätte er allerdings genauso gut in einem Piratenfilm die Hauptrolle spielen können. Er ließ von Alex ab und deutete mit seiner beringten Hand neben den Vampir. Übertrieben schnüffelnd meinte er mit tiefer machtvoller Stimme „ Wie ich sehe, hast du uns jemanden mitgebracht.“ Er strich sich über eines der vielen Lederarmbändchen, die sein Handgelnk zierten und trat näher an Jayzon heran. aus seiner Trance erwacht, ließ dieser die Augen misstrauisch über alle Anwesenden gleiten wobei für eine Sekunde glühend grüne Sprenkel darin aufblitzten. In seine Unsicherheit mischte sich Argwohn. Irgendetwas sagte ihm, dass er hier nicht hingehörte.
Als er den Kopf zur Seite drehte stand Julyan dicht neben ihm und begutachtete sein Gegenüber wie eine Ware auf dem Markt. Die Türkisfarbenen Augen, in dem markanten , perfekten Gesicht leuchteten wie Laserstrahlen und Jayzon verspürte ein Frösteln am ganzen Körper.
In diesen karibikblauen Augen lag eisige Kälte.
"Du bist ein Wolf.“ Die Stimme war ebenso kühl und tonlos wie der Typ selbst.
Jayzon hätte beinahe mit den Pupillen gerollt aber das schien in Anbetracht dessen, dass er sich an einem völlig fremden Ort in mitten des trauten Heims von Kerlen, die so groß wie Schränke wirkten nicht klug zu sein.
„Das ist Jayzon.“, nahm ihm Alex schließlich das Wort ab, welches er einfach nicht über die Lippen bekommen wollte. „Er ist auf unserer Seite. Hab ihn dabei beobachtet, wie er einen Seelenlosen gekillt hat.“
Ein überraschtes Raunen ging durch die Menge. Went wollte sich gerade wieder in seinen Sesseln schmeißen, doch dann überlegte er es sich offenbar noch einmal anders. Schnurstracks marschierte der Anführer auf den Neuling zu
„Tatsächlich, ja? Das ist gut. Sehr gut sogar! Solche Leute sind mir stets willkommen.“
„Ich denke, wir haben ein Problem“, mischte sich nun ein weiterer Krieger ein.
Bryan sah niemand bestimmtes an, er konzentrierte sich auf die Fotos, die Julyan gerade aufgerufen hatte. Seine kupferfarbenen Augenbrauen zogen sich besorgt zusammen. Bei dem Anblick, schüttelte Jayzon sich vor Ekel. Es drehte ihm den Magen um. In dieser Hinsicht war der Lykane wohl doch ein zartes Seelchen.
Went übernahm das Wort und richtete sich nun an Alex:
„Diese Bastarde haben die Grenzen von Mytheria überschritten. Zwei Morde wurden heute Nacht in der Nähe des Hudson Rivers entdeckt. Die Frauen hatten Biss-Spuren am Körper und ich fürchte es werden nicht die letzten Opfer sein.“
Alex betrachtete angespannt den Bildschirm. Die Morde hatten sich in New York ereignet? Verdammt! Das war Scheiße!
Diese Bastarde gingen eindeutig zu weit. Sie gefährdeten nicht nur den Mythos, durch ihr bestialisches Verhalten, sie brachen alle Tabus. Jemand musste sie aufhalten!
Das Schattenreich Mytheria konnte man nicht ausmachen. Es hatte keinen festen Sitz es war überall dort, wo die Krieger gerade gebraucht wurden.
Zur Zeit saßen sie in L.A. Doch wie es aussah, würden sie einen Ausflug nach New York machen.
Went erhob sich und begann energischen Schrittes im Raum auf und ab zu tigern.
Er teilte die Krieger in zweier Patrouillen ein. Bryan und Julyan sollten sich in der Innenstadt umsehen, während er selbst in Mytheria Wache hielt. Jayzon schickte er zusammen mit Alex nach New York. Wenn er wirklich so vertrauenswürdig war, wie er schien, konnte er sich dort unter Beweis stellen.
New York, die Stadt die niemals schlief. Der Straßenlärm der vorbeifahrenden Autos war genauso gegenwärtig wie die Hochhausreihen, die sich wie eine Netzwerk aus Arterien mitten durch das Herz der Metropole schlängelten. Menschen tummelten sich in ihren Straßen und wuselten wie Ameisen herum.
Im Schatten eines verlassenen Gebäudes lehnte eine Gestalt, von Kopf bis Fuß verhüllt. Über den Rand ihrer Sonnenbrille blickte ihre Augen, stumpf und leblos hervor. Sie hasste die Stadt. Verabscheute all die unzähligen Lichter, die Schaufenster mit ihrem funkelnden, pompösen Glanz. Das fröhliche Gelächter der ahnungslosen Menschen in der Passage. Für sie waren es nichts weiter, als dumme, manipulative Spielzeuge. Figuren auf einem riesigen Schachfeld, die es umzustoßen galt. Erschaffen um Vergnügen zu bereiten. Hunger zu stillen.
Die Gestalt verfolgte reglos wie sich eine Frau aus der Menge löste und allein auf eine schmale Seitengasse zulief.
Verfluchte Sonne! Der Tag war das einzige, was diesem unschuldigen, jungen Ding Schutz bot, denn die Gestalt konnte sich nicht frei bewegen, solange die Sonne schien.
Sie alle konnten sich nicht frei bewegen.
Grollend hielt sie ihre Nase in den Wind. Der Geruch ihres Blutes war ein süßer Lockruf und erzürnte sie nur noch mehr. In ihrem Mund schlugen sich die scharfen Spitzen ihrer Fänge in ihre Zunge, pochten heiß unter dem Zahnfleisch.
Die toten Augen begannen zu glühen.
Knurrend tauchte der Seelenlose tiefer in den Schatten. Bis zur Dunkelheit blieben ihm noch wenige Stunden, solange war er Sklave des Tageslichts und musste tatenlos verharren, darauf wartend, dass die Nacht ihren schützenden Umhang auswarf.
Doch bald, würde das alles schon keine Rolle mehr spielen, denn eine neue Ära würde kommen.
Eine neue Welt erschaffen. Geboren aus dem Schoß der Qualen, würde sie all das hier, an das sich diese erbärmliche Menschheit klammerte, mit all ihrer Fröhlichkeit, den Wünschen und Träumen in eine tiefes totes Nichts stürzen.
Elisha wurde die Gedanken an ihren Traum und den dunkelhaarigen Mann mit diesen sagenhaften Augen nicht los. Sie war nach Hause gefahren, nachdem sie völlig verschwitzt und erregt in ihrem Büro erwachte. Hatte sich aus den Klamotten geschält und unter die Dusche gestellt. Das Wasser prasselte heiß und dampfend auf ihre Haut und der Duschstrahl regnete hart auf ihr Gesicht. Gut. Schon besser. Sie fühlte sich zumindest nicht mehr ganz so ausgelaugt.
Unter dem heißen Wasser betrachtete sie ihre Brüste und erinnerte sich daran wie er sie berührt hatte…
AUFHÖREN LISH!
Sie musste wirklich aufhören an ihn zu denken. An ein Hirngespinst das in ihren erotischen Träumen herum geisterte und ihren Unterleib erzittern ließ. Es war doch nur eine Fantasie. Warum dachte sie noch über IHN nach? Es gab diesen Mann vermutlich nicht einmal. Vermutlich? Natürlich gab es ihn nicht!! Aber diese Augen… Gott, diese Augen! So blau. So klar… und diese Lippen Wie gerne würde ich von solchen Lippen… SCHLUSS JETZT!
Sie schüttelte ihren weißblonden Schopf und stieg aus der Dusche. In ein Handtuch gewickelt tapste sie über das Linoleum in ihr Schlafzimmer. Elisha war noch immer völlig erschöpft. Das bisschen Schlaf hatte ganz und gar nicht ausgereicht um ihre Kräfte aufzutanken. Sie musste dringend schlafen. Sonst würde sie noch durchdrehen. Sie ließ das Handtuch über ihre Hüften rutschen und schlüpfte unter die Tagesdecke. Der Rote Satin fühlte sich angenehm kühl auf ihrer Haut an. Ihr feuchtes Haar ergoss sich wie ein Wasserfall über dem Kissen.
Elisha seufzte und schloss die Augen. Auch dieses Mal ließ der Schlaf nicht lange auf sich warten sie sank dahin, fiel in ein Meer der Ruhe. Traumlos verbrachte sie die Nacht und fand endlich die Entspannung die sie gesucht hatte.
Leider waren es höchstens sechs Stunden, die Lish aber viel kürzer vor kamen, bis der Wecker sie aufschrecken ließ. Ein neuer Tag. Der Alltagstrott konnte beginnen.
Elisha gab dem Wecker einen Klaps und holte noch ein Paar Minuten durch die Snooze Funktion raus. Dann stand sie auf um sich für die Arbeit fertig zu machen. Wenigstens würde sie das FBI ablenken.
Sie schaltete das Radio ein und wollte sich gerade ein Brot mit Erdbeermarmelade schmieren, als sie die Meldung Inne halten ließ : … das Opfer ist weiblich, schätzungsweise kaum älter als 20 und hatte merkwürdige Wunden an Hals und Handgelenken. Die Polizei steht vor einem Rätsel… Man vermutete dass sie von einem Hund attackiert und anschließend zu Tode gebissen wurde… Doch laut Autopsie Bericht soll der Körper jedoch völlig Blutleer gewesen sein… Die Polizei zieht das FBI zur Hilfe…
Blutleer? Das klang ja wie in einem Horrorthriller. Na großartig! Jetzt würde dieser gruselige perverse Fall wohl auch noch ihr zugeteilt werden. Elisha war der Appetit vergangen. Zwar hatte sie täglich mit solchen Meldungen zu tun, aber so früh am Morgen, reagierte selbst der Magen einer taffen FBI Agentin, noch sehr empfindlich. Ein Kaffee musste her. Am Besten gleich ein starker. Aber sie hatte nicht mehr genug Zeit. Typisch Elisha! Sie war noch nie gut darin morgens früh genug aufzustehen, um nicht in Stress zu verfallen. Okay dann also ein Coffe to go aus dem Starbucks um die Ecke.
„Waren das jetzt Alle?“ Jayzon biss beherzt in ein Käsesandwich während er neben Alex herlief. „ Oder gibt’s da noch mehr von euch Kerlen?“ Oh man er hatte heute echt Kohldampf. Hätte ein ganzes Pferd verschlingen können. Alex hingegen schien nicht an Essen zu denken. Irgendwie hoffte Jayzon, dass der Vampir sich heute schon genährt hatte. Wie oft mussten die eigentlich Blut zu sich nehmen? Und überhaupt würde ihn ja mal interessieren wovon er sich nährte.
Für Lykanen waren Menschen ausgeschlossen aber galt das auch für Vampire? Wenn ja, hatten sie dann vielleicht Blutsklavinnen? Für Jayzon waren Vampire nach wie vor Untote Monster und er verachtete sie zutiefst, wegen ihrer Lebensweise. Ein Gestaltwandler trank nie das Blut eines Menschen. Sie zogen es vor, von ihren Gefährtinnen zu trinken, insofern man denn eine hatte. Er hingegen verzichtete darauf und er trank nur, wenn es wirklich notwendig war. Es ekelte ihn an, so viel Nähe ertrug er nicht. Nein das erinnerte ihn einfach zu sehr an seine Vergangenheit.
„Jayzon? Sag mal geht’s dir gut?“, überging der Vampir die Frage des Gestaltwandlers und wunderte sich dabei selbst, warum er sich überhaupt um das wohl dieses Mannes sorgte. Vielleicht lag es insgeheim daran, dass Alex ihn einfach in diese Trance versetzt hatte, aus der er sich nur langsam und überaus verwirrt wieder lösen konnte. Alex war schon immer von Natur aus, sehr neugierig gewesen, wie sich die Wesen eigentlich fühlten, die er in einen solchen Zustand versetzte. Denn bisher hatte er keines davon gefragt, sondern ihnen schlichtweg die Kehle raus gerissen.
Vor kaum einem Tag waren sie sich noch völlig fremd gewesen und nun fing er schon an sich um dieses geheimnisvolle Wesen zu sorgen. Er war sich nicht sicher, ob man Jayzon Whitacker wirklich trauen konnte, doch immer wenn er diesem Wesen in die goldbraunen Augen sah, dann waren sie voller Kummer und Leid.
Jayzon wirkte für den Bruchteil einer Sekunde blass und völlig zerbrechlich. Doch dann einen Atemzug später wurde er wieder zu der Steinharten Wand die keine Gefühlsregungen frei gab. Seine katzenhaften Augen verengten sich zu Schlitzen und er knurrte kaum verständlich vor sich hin
„Das willst du nicht wissen, Vampir. Glaub mir, das willst du nicht wissen.“
Alex blieb stocksteif stehen. Er hatte das doch gar nicht ausgesprochen oder? Nein. Ganz sicher hatte er es nur gedacht. Hieß das etwa Jay konnte seine Gedanken lesen?
Elisha betrat mit einem Pappbecher in der Hand ihr Büro. Sie hatte kaum den Schreibtisch erreicht als Sybille ihre Assistentin ihr die Mappe hinlegte.
„ Miss Meyers, Mr. Peterson bat mich, ihnen diese Bilder zu zeigen. Darin liegt auch ein Brief von Jack.“ Sie zwinkerte Elisha zu und stöckelte aus dem Büro. Neben Lishs junger Assistentin waren auch alle Anderen seit neuestem der Ansicht, ihr Boss sei scharf auf sie. Elisha hatte von dem Moment an, als sie sich in Jack Petersons Büro vorgestellt hatte gemerkt, dass er mit ihr flirtete. Seine Blicke waren mehr als offensichtlich und die Anspielungen eindeutig. Er hatte häufiger an ihrem Dekolleté gehangen als in ihr Gesicht geblickt. Jack ließ keine Gelegenheit aus um sie zum Essen einzuladen, Elisha jedoch hatte jede einzelne abgelehnt. Sybille war, wie jede andere Frau in Petersons Umgebung auch total in Jack verschossen. Arme kleine Sybille. Mit ihren roten kurzen Haaren und der knabenhaften Figur war sie leider absolut nicht Jack's Typ.
