Shame - Annemarie Pätz - E-Book

Shame E-Book

Annemarie Pätz

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Beschreibung

Matt kennt die Dunkelheit gut. Jede Nacht hält er sich in Lokalen und Bordellen auf. Er lässt sich vom Alkohol berauschen und von den Frauen verführen. Ihm kommt nicht in den Sinn, dass dieses Leben nicht lebenswert ist. Doch das ändert sich, als er ein Mädchen in der Dunkelheit eines kalten Raumes trifft. Die Narben und das Leben des Mädchens lassen Matt erkennen, wie falsch sein Verhalten ist. An diesem Abend möchte er sich ändern, und dieser Abend ist der Auslöser für viele weitere Veränderungen in seinem Leben und in dem Leben des Mädchens.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Dieses Buch ist meiner Freundin Judith gewidmet, denn sie war meine Inspiration und meine Motivation.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 1

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Ich will dich wieder bauen, und du sollst aufgebaut werden,

Jeremia 30,3-4

Die Dunkelheit hatte sich über Matt gelegt. Auf den Straßen fuhren Kutschen mit elegant gekleideten Damen und Herren, die sich aufgeregt in den Wägen unterhielten. Eine Gruppe von jungen Männern jagte auf Pferden an den Kutschen vorbei durch die Gassen. Trotz des sicheren Ganges der Tiere konnte man durch den unsicheren Halt der Reiter im Sattel erkennen, dass sie sich bereits in einigen Lokalen aufgehalten hatten. Sie ritten an den Rand der Stadt zu einem Haus mit geschlossenen Fenstern. Vor dem Gebäude standen einige Damen, die sofort beim Eintreffen der Truppe die Zügel nahmen und die Tiere mit einem deutlichen Blick zu den Männern hinter das Haus führten. Zwei der Männer torkelten nur einige Meter bis sie sich in die Arme einiger Frauen fallen ließen. Die anderen beiden traten ein und wurden sofort von dem Geruch von billigem Parfum und einigen Frauen in Empfang genommen. Matt vertröstete jedoch die Damen mit einem Kuss auf die Wangen und bat darum, dass man ihm heute einer ihm noch Unbekannten vorstelle. Er wurde in einen Raum geschoben, ihm wurde „30 Minuten“ zugeraunt und dann die Tür hinter ihm geschlossen. Abgesehen von einem sehr klapprigen Bett war der Raum leer. Matt erblickte in einem spärlichen Licht ein an der Wand stehendes, sehr leicht bekleidetes Mädchen. Ihre langen, dunklen Haare umspielten ihre zarten Schultern. Das Mädchen hob den Kopf und sah ihn mit einem ängstlichen, sehr starren und leblosen Blick an. Er vermutete sie würde ihn nicht sehen, da er im Schatten des Bettes saß, er betrachtete sie. Sein Blick wanderte von den großen braunen Augen über ihre Stuppsnase zu den vollen Lippen. Sein Blick glitt weiter über ihre Brust und den flachen Bauch zu ihren abgemagerten Beinen. Gerade spürte er das Bedürfnis sich wie ein ausgehungertes, wildes Tier auf sie zu stürzen, da erblickte er die Narben. Die Narbe, die sich wie ein schmalerStrich über ihre Stirn bis zum Kinn zog, die wie quer über ihren schmalen Hals lag und die riesige Narbe über ihrem Bauch. Er sah lauter blaue Flecken und Striemen. Matt sank in sich zusammen: „Was hat man mit ihr getan? Wer könnte so etwas tun?“ Plötzlich kamen ihm unzählige Bilder in den Kopf, Bilder von den Vergnügungen, die er selbst ohne auf die Gefühle zu achten, mit den Prostituierten getrieben hatte. All die Bilder von den Verletzungen, die er ihnen zugefügt hatte, wenn er wütend war. Er dachte an all die Momente, in denen er sich wie ein Tier und nicht wie ein Mensch aufgeführt hatte. Wie konnte er nur solchen Geschöpfen, die Respekt verdienten, so etwas antun? Was hatte er getan? Plötzlich sprang er auf. Das Mädchen zuckte leicht zusammen und senkte ihren Kopf. Er betrachtete sie kurz und hauchte schließlich: „Es tut mir leid.“ Er öffnete die Tür und stürmte aus dem Bordell. Er hatte keine Augen für die Frauen, die versuchten ihn mit aufreizenden Blicken zu verführen. Er schwang sich auf sein Pferd und verschwand im Getümmel der Kutschen und Pferde.

An dem riesigen Gebäude, dass er sein zu Hause zu nennen versuchte, ritt er in den Stall, band sein Pferd an und ließ sich in einen Strohhaufen fallen. Er wollte jetzt nicht mit der Verwirrung, die in ihm herrschte ins Haus gehen und womöglich noch einem Familienmitglied begegnen. Er kniff seine Augen zusammen und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war und was in ihm vorging.

Matt schrak hoch, die leblosen braunen Augen des Mädchens verfolgten ihn in seinen Träumen. Er wischte sich mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Was war los mit ihm? Oft wurde er von Blicken einiger junger Frauen verfolgt. Von romantischen, ihn begehrenden Blicken und sie zauberten ihm ein Lächeln aufs Gesicht und trieben ihm nicht Schweiß ins Gesicht. Er versuchte das Gefühl, das er dabei hatte einzuordnen. Er versuchte sich zu erinnern, wann er dies schon einmal gefühlt hatte. Seine Erinnerungen verschlugen ihn in sein fünftes Lebensjahr. Damals hatte er beim spielen im Haus, obwohl es eine Mutter verboten hatte, eine wertvolle Vase herunter geschmissen. Es war die Lieblingsvase seiner Mutter. An diesem Tag hatte er versucht seiner Mutter aus dem Weg zu gehen und doch verfolgten sie und die Scherben ihn bei allem was er tat. Er fühlte sich erst besser als er seiner Mutter davon erzählt hatte und sich entschuldigt hatte. Er wusste welches Gefühl ihn damals gequält hatte, Schuldgefühle. Doch warum bewegte ihn dieses Gefühl jetzt erneut? Er hatte nie Schuldgefühle gehabt, da er immer der Meinung war, stets das Richtige zu tun. Wieder dachte er an das unbekannte Mädchen, das ihm diese Gefühle bescherte. Diese Gedanken bereiteten ihm Bauchschmerzen. Er spürte, dass er all die Jahre etwas falsch gemacht hatte, er spürte den Drang etwas tun zu müssen, sonst würde ihn der aus dem Schlaf reißende Blick ewig verfolgen. Er musste dieses Mädchen von ihren Qualen befreien und zu sich holen. Er sprang wieder auf die Füße und schwang sich auf sein Pferd. Matt flog durch die Gassen zu dem Ort vor dem er vor ein paar Stunden geflohen war. Obwohl es ihm schwer fiel, versuchte er den Blicken der Frauen zu widerstehen und ließ sich wieder in dasselbe Zimmer schieben. Als hätte sich das Mädchen nicht bewegt, stand es wieder regungslos an der Wand. Matt machte ein paar eilige Schritte auf sie zu und nahm ihre Hand. Er riss seinen Blick von dem fast nackten Körper, den er dabei sah, los und versuchte ihr in die Augen zu schauen. Sie schaute aber zu Boden als hätte sie ihn gar nicht bemerkt. Also versuchte er sie zur Tür zu ziehen: „Komm. Ich hole dich hier heraus. Folge mir, bei mir wirst du es besser haben als hier.“ Sie rührte sich jedoch nicht. Erst jetzt bemerkte er wie unmöglich sein Vorhaben war. Selbst wenn er sie dazu bewegen könnte mit ihm zu gehen, wie sollte er sie hier rausholen ohne von einem der Türsteher aufgehalten zu werden. Entmutigt ließ er die Hand, die er vor einigen Minuten noch voll Entschlossenheit genommen hatte, fallen. Er ließ die Schultern sinken und sah zu Boden. Doch dann hob er seinen Blick: „Ich werde eine Lösung finden.“ Mit diesen Worten ließ er das Mädchen im Raum stehen und verschwand.

Matt ritt jedoch nicht in die Richtung aus der er gekommen war. Er ritt in die andere Richtung. Aus der Stadt in den Wald, durch den Wald zu einer Wiese. Hier blieb er stehen, stieg ab und ließ seinen Blick über die Wiese schweifen. Tau stieg aus dem Gras empor und am Horizont konnte man die Sonne aufgehen sehen. Matt setzte sich auf einen herumliegenden, abgebrochenen, dicken Ast. Er stütze seinen Kopf in seine rauen Hände und schüttelte seinen Kopf: „Was hab ich mir nur dabei gedacht?“ Er hob seine Augen und blickte zu seinem Pferd, das sich an dem Gras bediente, als ob er eine Antwort von ihm erwarte. Matt seufzte. Das Beste wäre, wenn er das alles vergessen würde und so weiter machen könnte wie vorher. Doch das konnte er nicht, nicht nachdem ihm klar wurde, dass es falsch ist. Da sah Matt plötzlich das Gesicht seiner Großmutter vor sich. Er erinnerte sich, dass sie ihm immer von Gott erzählt hatte. Sie erzählte, dass er jeden Menschen liebt und Sünde vergeben will, wenn wir um Vergebung bitten. Sie sagte auch immer, dass er uns manchmal ein Zeichen schickt und wir von einem Moment auf den anderen erkennen, was wir falsch gemacht haben und dass wir umkehren können. Matt erinnerte sich noch genau wie er abends am Bett mit dieser lieben Frau gebetet hatte. Er hatte diese Momente gemocht. Doch als er älter geworden war und seine Großmutter gestorben war, verschwanden diese Momente. Matt atmete tief ein: „Kann ich wirklich wieder kommen? Nachdem ich mich so verhalten habe?“ Wieder atmete Matt tief ein und versuchte mühsam ein paar Worte zu formen: „Ich weiß nicht wie man betet und ich weiß nicht ob du mir jemals verzeihen kannst. Aber ich bitte hier um Vergebung für das was ich getan habe. Ich bitte um Vergebung für all die demütigenden Dinge die ich Frauen angetan habe. Ich bitte um Vergebung für all die Male in denen ich falsch gehandelt habe. Bitte vergib mir, ich möchte mich ändern und bitte zeige mir eine Lösung dieses Mädchen zu retten.“

Die Sonne war nun ganz aufgegangen und die Wiese erschien in