She's all I wanna be - Klaudosch - E-Book

She's all I wanna be E-Book

Klaudosch

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Beschreibung

Stella Styles ist eine ausgezeichnete Medizinstudentin, Liebling der Familie und kommt bei den Jungs bestens an. Das absolute Gegenstück hingegen ist ihre Schwester Aurora - sie lebt im Schatten ihrer Schwester und kann kaum herausstechen. Doch als sie in der Schule dem Frauenheld Grayson Kane über den Weg läuft, ändert sich Auroras Leben. Plötzlich fängt sie an zu glauben, dass sie doch nicht viel anders ist als ihre Schwester und dass es jemanden gibt, der sie anders sieht, als alle anderen. Doch was passiert, wenn Grayson eigentlich gar nicht so interessiert an Aurora ist, wie sie glauben mag? Was passiert, wenn Kane eigentlich der Ex ihrer Schwester ist? Was, wenn Aurora sich in ihn verliebt, nichts ahnend davon, dass sein Plan eigentlich ist, Stella wiederzuerobern? Wird ihre Liebe ausreichen, um Grayson für sich zu bekommen oder ist dieser zu sehr in ihre Schwester verschossen? Ein indirekter Konkurrenzkampf zwischen zwei Schwestern. Aurora und Stella - eine die nichts zum Verlieren hat und eine die immer gewinnt. Wer gewinnt die Schlacht namens Liebe?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 162

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Klaudosch

She's all I wanna be

Bitte niemals darum, geliebt zu werden

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Widmung

Eine Unannehmlichkeit nach der anderen

Kayden Ridley und die Romanzen meiner Schwester

Der unerwartete Schuss und der erste Gefallen

Kaydens Problem und ein schlauer Schachzug

Die Party - Auroras Sicht

Die Party - Graysons Sicht

Der Morgen danach

Was in jener Nacht passiert, ist

Impressum neobooks

Widmung

Für meine beste Freundin, Lejla.

Eine Unannehmlichkeit nach der anderen

AURORA  STYLES

„Soll ich dich heute mitnehmen?", fragt mich meine Schwester Stella. Ich sitze hier verschlafen und fertig beim Küchentisch und blicke in meine halb volle Müslischale, so als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert und nicht für den Chemie-Test gelernt. Gott, wie ich dieses Fach verabscheue.

„Ja bitte", presse ich mühsam hervor. Zwar ist meine Schule zu Fuß nur gute fünfzehn Minuten entfernt, aber wenn sie sich schon anbietet mich zu fahren, wieso dann auch nicht »Ja« sagen?

„Bist du gut vorbereitet für den Test?", fragt sie mich die nächste Frage. Gott, ich hasse so viele Fragen am frühen Morgen.

„Wenn ich den Test zurückbekomme, werden wir dann erfahren, ob ich gut vorbereitet war oder nicht", antworte ich ihr. Schließlich kann ich nicht riechen, was für Fragen bei diesem Test kommen werden. Meistens kommen immer die falschen Fragen.

„Wenn du mit dieser Einstellung weiter machst, schaffst du es niemals zum Medizinstudium", sagt sie etwas besorgt. Wer sagt, dass ich Medizin studieren möchte? Nur, weil meine ganze Familie in diesem Bereich tätig ist, muss ich es ja nicht auch sein. Meine Hände sind die meiste Zeit am Zittern, als hätte ich irgendeinen Anfall und in Stresssituationen neige ich dazu ein Blackout zu bekommen und dann will mir jemand sein Leben anvertrauen? Ich würde heulend aus dem OP-Saal rennen. Es wäre also sicher für alle Beteiligten, wenn ich diesen Weg nicht einschlagen würde, aber wie schlage ich diese Idee meiner Schwester und vor allem meiner Mutter aus dem Kopf? Vermutlich gar nicht, weswegen ich weiterhin lügen muss.

"Lass das meine Sorge bleiben, ich werde das schon schaffen" Und Stella nickt nur und liest weiter in ihrem Medizinbüchlein.Manchmal beneide ich sie. Was heißt manchmal, eigentlich die meiste Zeit über. Wäre ich nur ein bisschen so wie sie, dann wäre mein Leben echt halbwegs gut. Aber leider bin ich Aurora Styles und nicht Stella Styles.Ich besitze keine perfekten blonden Haare und auch nicht grüne Augen mit gelben Sprenkeln darin. Meine Haare sowie auch meine Augen sind einfach schlicht braun. Stella muss man sich so vorstellen, wie diese perfekt gephotoshoppten Instagram-Selfies, der ganzen Instagram-Models, mit dem Unterschied, dass Stella eine Naturschönheit ist und die Instagram-Selfies einfach nur Photoshop bleiben. Manchmal frage ich mich, ob wir überhaupt Geschwister sind. Sie hat einfach alles, was man sich wünschen kann, gutes Aussehen, super schlau, könnte jeden Typen haben, guten Kleidungsstil und ist auch noch Mamas Liebling. Im Vergleich zu ihr bin ich echt das schwarze Schaf in der Familie. Meine Noten sind durchschnittlich, sowie auch mein Aussehen. Einen spezifischen Kleidungsstil habe ich nicht. Und was Typen angeht, die laufen eher vor mir weg als mir nach. Das Allerschlimmste an dieser ganzen Situation ist, dass sie einen Typen datet, den ich als Erste gut fand, aber natürlich hat dieser sich für sie entschieden. Er wäre dumm, wenn er ein Fahrrad, anstelle von einem Sportwagen genommen hätte. Jedoch kann ich von Glück sprechen, dass meine Schwester von meinem kleinen Aussetzer nichts weiß und am besten wäre es, wenn sie nie davon erfährt, denn das würde nicht gut für mich ausgehen.

„Habe ich was im Gesicht?", fragt sie mich plötzlich und ich verschlucke mich fast an meiner eigenen Spucke. Habe ich sie zu offensichtlich angestarrt?

„Nein, wieso?", frage ich sie dennoch dumm.

„Du hast mich gerade die ganze Zeit angeguckt, so als würdest du in mich eindringen wollen", stellt sie fest.Ich muss damit echt aufhören.

„Kann sein, ist mir gar nicht aufgefallen", sage ich zu ihr.

„Wie dem auch sei, geh, hol deine Sachen, wir fahren los", sagt sie und klappt ihr Buch zu.

Nach einer langweiligen Fahrt mit meiner Schwester bin ich nun auch endlich in der Schule. Ihr ganzes Leben dreht sich nur um Medizin. In der Früh liest sie darüber, im Auto hört sie sich Podcasts darüber an, dann studiert sie es noch und am Abend gibt es dann bestimmt noch eine saftige Lektüre als Gute Nacht Geschichte. Bei aller Liebe, sie hat sie nicht mehr alle. Ich verstehe, wenn man etwas mag, aber so weit muss man es nicht treiben, dass es schon zu einer Obsession wird. Man könnte im Auto gute Musik hören und sich die Seele dabei rausschreien oder man gibt sich interessantere Podcasts sowie diese ganzen Mystery-Fälle, aber doch nicht Medizinquatsch. Was macht sie mit ihrem Freund? Spielt sie Doktorspielchen, oder was?Na ja, genug von meiner perfekten Schwester. Es wird Zeit sich meinem Leben wieder zu widmen.

Nach meiner Glanzleistung beim Chemie-Test stürze ich mich gerade ins nächste Abenteuer. Ich bin gerade dabei von einem Schüler, der eine Klasse unter mir ist, das Buch zu stehlen. Okay, nicht wirklich stehlen, ich borge es mir lediglich für die Stunde aus. Ich habe nämlich mein Mathe-Buch von dem letzten Schuljahr verloren und dass ich es dieses Jahr wieder brauche, damit habe ich nicht gerechnet. Weswegen ich schon das ganze Jahr über vor der Mathe-Stunde mich in die Klasse unter mir begebe und mir ein Buch ausborge.Gerade als ich hinten im Kasten am Herumsuchen bin, höre ich Schritte und Gekicher vor der Tür. Verdammt, was mache ich jetzt? Um keine weitere Zeit zu verlieren, begebe ich mich schnurstracks in den Schrank und schließe auch die Tür. Und schon höre ich, wie die Klassenzimmertür aufgeht. Sofort blicke ich durch die Rille und erblicke Grayson Kane mit seiner neuen Beute. Wow, genau das wollte ich heute sehen. Einen Frauenhelden, der gerade dabei ist, sein Flittchen aufzuessen – wortwörtlich! Sie auf dem Tisch und er auf ihr drauf. Seine Lippen beziehungsweise seine Zunge ist gerade überall auf ihrem Oberkörper, so schnell wie dieser Typ von ihrem Hals zu ihrer Brust wandert, so schnell kann ich gar nicht schauen. Ach du heilige, was gucke ich mir hier eigentlich an? Einen Schulporno, oder wie? Wieso bin ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort? Kann mich bitte jemand von diesem elend befreien? Ach Gottchen.

„Grayson, was, wenn uns jemand sieht?", fragt sie ihn überwältigt, während er gerade dabei ist ihren Hals mit Küssen zu überdecken oder soll ich eher sagen aufzusaugen wie ein Vampir?

„Hier dürfte keiner hereinkommen, Tina", sagt er und streichelt ihr eine Strähne hinters Ohr. Ähm, hier gibts noch jemanden, und zwar mich! Aber wenn ich jetzt rausgehe, würde, das doch nur für Verwirrung sorgen, oder? Jedoch kann ich mir aber auch nicht ansehen wie die beiden kurz davor sind Sex zu haben. Egal was ich mache, es ist falsch.

„Tina?", fragt sie ihn. „Mein Name ist Lina", fügt sie etwas wütend hinzu.

„Habe ich nicht Lina gesagt?", fragt er dumm. Was ein Bastard.

„Du bist echt unmöglich", gibt sie von sich und schubst ihn auch von sich runter. Gut so. Mach weiter, Tina, ähm, ich mein Lina, verdammt!

„Ach komm schon, willst du uns den Spaß nur wegen des Namens verhauen?", fragt er sie etwas genervt. Ist das sein Ernst? Ohne auch ein weiteres Wort zu sagen, stürmt Lina aus dem Klassenzimmer.

„Gott, ihr Weiber seid ja echt unmöglich", entweicht es Grayson. Und auch dieser verlässt die Klasse. Endlich!

Sofort ergreife ich meine Möglichkeit und steige aus dem Schrank. Nehme mein Buch, welches ich gesucht hab und gerade ich als ich dabei bin den Schrank wieder zuzumachen, höre ich hinter meinem Rücken eine mir bekannte Stimme „Wen haben wir denn hier? Aurora Styles oder soll ich sagen, die Spannerin höchstpersönlich", sagen. Ich bin offiziell erledigt!

Okay, ich habe gerade zwei Optionen zur Auswahl. Die Erste wäre, ich stelle mich dumm und tu so, als wäre nichts passiert und die Zweite wäre, ich gestehe, dass ich ungewollt an diesem Geschehen teilgenommen hab. Das zweite wäre mir doch ein wenig zu peinlich, also belasse ich es bei der ersten Option. Ich drehe mich um und erblicke Grayson nur ein paar Meter vor mir, mit einem Arm angelehnt am Türstock.

„Oh, Hi Grayson, du auch hier?", komme ich ihm ganz nett entgegen und versuche meine Anspannung so gut es geht wegzustecken. Hätte mich ein Lehrer erwischt, wäre das bei weitem entspannter für mich als diese Situation hier, denn ich hasse diese unangenehmen Begegnungen zutiefst.

„Ach so, war klar, dass du diese Schiene wählst", sagt er wenig begeistert zu mir und sieht mich auch dementsprechend so an. Ich schlucke. Was sage ich denn jetzt?

„Was meinst du?", presse ich noch diese Frage hervor. Verdammt, ich stecke schon viel zu tief in dieser Scheiße. Wie komm' ich hier nur raus?

„Komm Aurora, ist es nicht noch peinlicher für dich, dass du dich hier dümmer stellst als du bist? Manchmal sollte man zu seinen Handlungen stehen und sich auch den Konsequenzen stellen", sagte er in einem ermüdeten Ton, so als müsste er jeden Tag so eine kleine Rede halten, so als müsste er jedem eine Lektion erteilen.

„Ich weiß wirklich nicht, was du meinst. Ich bin gerade rein und wollte ein Buch nehmen und auf einmal warst du hier", versuche ich ihm – ohne eine Miene zu verziehen – zu erklären. Jedoch schüttelt er nur seinen Kopf und dabei erinnert mich sehr an meine Mutter. Macht sie bei mir des Öfteren, vor allem wenn sie meine extravaganten Noten sieht.

„Nun gut, wie ich sehe, belässt du es bei deiner Notlüge, um ehrlich zu sein, habe ich auch nicht mehr erwartet – vor allem nicht von dir."Wieso fühl' ich mich gerade so angegriffen von ihm und wieso überkommt mich das Gefühl gerade ihm die Augen ausreißen zu wollen? Ich hasse diese Art von Besserwissern.

„Wer bist du überhaupt, um etwas von mir zu erwarten? Ein nichts!", platzt es so aus mir heraus und ich sehe ihn dabei etwas wütend an. In seinem Gesicht bildet sich jedoch ein kleines Lächeln ab.

„Wieso fühlst du dich dann angegriffen von jemanden, der ein nichts ist?", fragt er mich und sein Lächeln verschwindet auch langsam wieder. Egal was ich sage es wird gegen mich verwendet, na großartig!

„Natürlich werde ich etwas sagen, wenn du so tust, als wärst du ein Elternteil, der mir eine Moralpredigt halten muss", antworte ich und er lacht kurz auf.

„Ich wusste nicht, dass wenn man Fakten aufzählt, auf einen so wirkt, als wäre man dessen Elternteil, wirklich interessant. Na ja, wenn ich schon so auf dich wirke, kannst du mich ja »Daddy« oder so nennen, ihr steht ja auf solche Kosenamen", gibt er ganz gelassen von sich. Moment mal, was? Nun lache ich kurz auf. Was ist mit ihm?

„Ich möchte nur sagen, dass ihr so genannt werden wollt und euch ziemlich aufgeilt, wenn ihr auf diesen speziellen Frauentyp trifft, der euch auch tatsächlich so nennt. Also bitte verdreh hier nicht die Fakten, die du ja so gerne aufzählst!"

„Ich weiß zwar nicht, wer es in die Welt gesetzt hat, aber wurde das nicht von euch Frauen mehr gefeiert und auch gepusht? Besonders, wenn es um eure geliebten Stars geht, bei denen ihr sowieso keine Chance habt?", fragt er mich belustigt. Das kann man doch nicht vergleichen?

„Es ist was anderes, wenn ich es zu einem Star sage, der es sowieso nicht mitbekommt. Und wiederum ist es was anderes, wenn ich sowas zum Beispiel zu dir sagen würde. Das sind zwei verschiedene Paar Socken", antworte ich ihm wieder.

„Nein eben nicht. Du sagst es trotzdem zu einem Mann? Und wenn du glaubst, dass der Bekanntheitsgrad hier essenziell ist, dann muss ich dich leider enttäuschen, denn dieser spielt überhaupt keine Rolle. Du sexualisierst es trotzdem. Aber ich weiß schon, was du meinst mit deiner Aussage gerade." Er nimmt auch alles ernst.

„Was meine ich denn?", frage ich ihn und sehe ihn erwartungsvoll an.

„Es dreht sich eigentlich gerade alles, um das Thema Peinlichkeit. Du findest es nicht peinlich, einen Star so zu nennen, aber du würdest es peinlich finden, mich so zu nennen. Und das bringt uns eigentlich zu unserem Anfangsdilemma. Du findest es peinlich zuzugeben, dass du das Geschehen vorhin mit deinen eigenen Augen betrachtet hast, aber wiederum findest du es nicht peinlich, dich dumm zu stellen und hoffen, dass du es schon irgendwie rausschaffst aus dieser Situation. Stimmt doch oder nicht?"Irgendwo hat er recht, aber ich kann ihm das nicht sagen, das würde sein Ego nur noch mehr stärken und ich würde mit meinem Schiffchen noch mehr untergehen als ich es bereits tue.

„Wie dem auch sei, es war äußerst interessant, mit dir über das Thema »Daddys« zu reden, ob du's mir glaubst oder nicht, das wollte ich schon immer tun, besonders mit einer Person wie dir. Und jetzt schlage ich vor, unsere Wege trennen sich wieder und jeder kümmert sich um seine Angelegenheiten", sage ich mit einem aufgesetzten Lächeln zu ihm. Ich hoffe der Sarkasmus ist rauszuhören, ansonsten verliere ich hier noch meine Nerven.

„Du lässt echt nicht nach, was?", fragt er mich lachend. Ach, komm schon, lass es uns einfach vergessen und gut ist. Kein Grund, jetzt den Teufel an die Wand zu malen.„Da sich die Frage schon von selbst beantwortet, musst du ja nicht viel dazu sagen", fügt er noch hinzu, als er merkt, dass gar nichts von mir kommt.

„Du bist komisch und verwirrend zugleich", stelle ich fest. Er hebt nur neugierig seine Augenbraue.„Ich meine, du stellst mir Fragen und malst dir selber deine Antworten aus. Warum stellst du mir in erster Linie überhaupt die Frage?" Ich blicke ihn intensiv an. Zu gern würde ich wissen, was so in seinem Kopf abgeht, welche Gedanken so in ihm herumgeistern. Wahrscheinlich geistert ihn ihm nur der nächste Konter, mit denen er mich zerstören kann.

„Stimmt, dich kann man ja auch nur sehr schwer verwirren, bester Beweis sind die Mathestunden", spuckt er im spöttischen Ton. Ja großartig, Mathe ist nicht meine Stärke, muss man das jetzt hervorheben?

„Sagt genau der, der fast nie in der Schule ist", kommt es genervt von mir. Auf seinem Gesicht bildet sich schon wieder dieses Schmunzeln ab, welches ich jetzt schon verabscheue.

„Und der trotzdem bessere Noten zusammenbekommt als du", sagt er selbstbewusst. Er und gute Noten? Das ist doch Witz, oder?

„Wer's glaubt", sage ich ganz trocken und sehe ihn sehr abwertend an. Mal wieder setzt er sein bekanntes Kopfschütteln ein.

„Bei der Zeugnisverteilung bist du auch nur körperlich anwesend und seelisch irgendwo auf einer Strandbar oder so? Ich will ja nicht angeben, aber wäre es nicht so, dann hättest du vermutlich mitbekommen, dass ich letztes Jahr und die Jahre davor, Jahrgangsbester war." Bitte was? Grayson soll Jahrgangsbester sein? Warte mal. Ach du heilige Seekuh, er heißt ja mit Nachnamen Kane. Das habe ich total vergessen. Kann es sein, dass ich mich heute echt oft vor ihm blamiere?

„Deinem Gesicht zufolge, ist es wohl bei dir auch endlich angekommen. Wie dem auch sei, ich geh' jetzt, bevor du dich noch einmal lächerlich machst", gibt er von sich. Bitte geh einfach, bevor ich dich schlage.

„Wie nett von dir", antworte ich.

„Ah und noch was, du schuldest mir noch einen Gefallen, kleine Spannerin." Er zwinkert mich an und lässt mich mit diesen Worten auch zurück. Gott, ich hasse diesen Tag jetzt schon.

Nachdem ich meine Mathestunde, in der ich viel zu spät aufgekreuzt bin, hinter die Bühne gebracht hab, sitze ich nun in der Sporthalle auf einer Matte und versuche Yoga. Die Betonung liegt auf »versuche«. Alle sind tiefenentspannt und ich leide von Übung zu Übung immer mehr. Neben Mathe zählt auch Yoga mit zu meinen Schwächen. Für mich ist es einfach purer Stress, die nächste Yoga-Pose richtig auszuführen, um das Geschrei von meiner Lehrerin zu vermeiden. Wie zur Hölle soll ich mich da nur auf meine Atmung konzentrieren, geschweige denn entspannt dabeibleiben? Ich mein, die Pose, wo man im Schneidersitz sitzt und nur ein und ausatmen muss, ist die einfachste, jedoch bekomme ich es heute auch bei dieser nicht hin entspannt zu bleiben. Immer wieder schweifen meine Gedanken ab zu einer Person, die ich gerne aus meinem Kopf verbannen möchte – Grayson. Wie peinlich war das vorhin bitte? Er hat mich wortwörtlich dabei erwischt, wie ich ihn in »Action« gesehen hab. Und dann auch noch dieses unangenehme Gespräch mit ihm. Was der von mir denken muss, immerhin habe ich mich nicht gerade von der besten Seite gezeigt. Okay, er hat sich auch nicht gerade bestens präsentiert.

„So, das war es für heute. Packt die Matten zurück und danach ab in die Umkleide", unterbricht Frau Henderson meine Gedanken. Endlich! Ich wäre hier noch in meinen Gedanken wortwörtlich versunken. Ich muss Grayson und die Situation von vorhin definitiv aus meinem Kopf bekommen, denn ich weiß jetzt schon, wenn ich so weiter mache, werde ich mich auch noch in drei Jahren an das Erinnern und peinlich berührt dastehen.

Ich sehe um mich und bemerke, dass der Großteil schon auf dem Weg ist zur Umkleide. Also entweder sind die alle zu schnell oder ich habe ein Reaktionsvermögen eines Faultiers. Ich tendiere eher zum ersten. Mühsam erhebe ich mich von der Matte und steuere Richtung Abstellraum, der sich hinter einer Sprossenwand befindet. Ich lege die Matte auf den bereits vorhandenen Stapel und gerade als ich mich umdrehen und wieder zum Gehen ansetzen will, höre ich wie die Türe der Turnhalle laut zugeschlagen wird. Ein lautes Stöhnen hallt im Raum. Nein, nein ... das ist ein schlechter Witz, oder?Ich drehe mich vorsichtig um und erblicke zwei Personen, die gerade dabei sind, einander aufzuessen. Ganz klischeehaft wird sie gegen die Wand gedrückt, damit er ihre Handgelenke festhalten kann. Verdammter Mist, nicht schon wieder. Will mich der liebe Gott heute testen, oder wie soll ich mir das hier erklären? Nein, lieber Gott, ich werde weder in die Pornografie übergehen, noch bin ich eine Spannerin, auch wenn es gerade ziemlich den anscheinen macht, dass ich eine bin.

„Grayson ...", höre ich sie seinen Namen aufstöhnen. Eigentlich hat sie das nicht einmal so laut gesagt, aber dieser Name schallt in meinen Ohren so derartig so, als hätte sie es mit einem Megafon direkt neben mir gesagt. Mist. Mist. Mist. Es kann doch wirklich nicht sein, dass ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort und mit den falschen Personen bin. Das ist ein Talent, wirklich!Moment mal, was mache ich jetzt eigentlich? Mich wieder verstecken? Mich rausschleichen? Egal was ich doch mache, es wird schiefgehen. Ich sitze wieder in der Klemme.

Ich werfe einen Blick zu Grayson und seiner neuen Ausbeute, diese scheinen sich sehr prächtig zu amüsieren. Und augenblicklich wird mir gerade auch klar, was für ein Bild ich hier mal wieder vermittle. Ich stehe wie der letzte Stalker da und muss mir ansehen, wie sich die zwei vergnügen. Bin ich von allen Geistern verlassen? Ich muss mir etwas einfallen lassen, aber die Frage ist nur was. Wenn ich mir das so ansehe, ist es schon ein gutes Stückchen vom Abstellraum bis zur Ausgangstür. Selbst wenn ich mich da wie ein Agent durchschleiche, würden die beiden mich doch sehen, zumindest weiß ich das mich einer von den beiden bestimmt sehen würde. Aber hier bleiben kann ich doch auch nicht? Diese Situation stresst mich so abnormal, dass ich gerade auch in der Lage wäre, einfach vor mich hin zu Heulen. Wieso müssen Krebse solche emotionalen Wracks sein?