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Amerika,1876: Shewadsneh eilt seinem alten Sattelgefährten Sam Coperfield, der um seinen Claim in Stonewall kämpft, zu Hilfe - dabei gibt es zwei Tote und sie müssen fliehen. Dadurch geraten die beiden, im Powder-River-Land, in die Kämpfe zwischen den Blauröcken und Indianern. Sie schließen sich ihrem Freund Crazy Horse an - einem Oglala-Häuptling der letzten freilebenden Indianerstämme, die wenige Monate vor der folgenschweren Schlacht am Little Bighorn, ihre heiligen Black Hills, mit ihrem überragenden Goldvorkommen, gegen die weißen Eindringlinge verteidigen, die diesen Reichtum illegal an sich reißen. Gleichzeitig plant die Unionsarmee in einem breitangelegten Zangen-Feldzug, diese rebellischen Indianerstämme in die Knie zu zwingen. Three Stars George Crook, Colonel John Gibbon, One Star Alfred Howe Terry und Oberstleutnant George Armstrong Custer sollen es richten. Ebenso hetzt Clyde Thompson - wegen dem Doppelmord in Stonewall - mit einer Revolvermeute die Sattelgefährten. Er will diese am Galgen sehen. Unverhofft steht den Gefährten der Jesuitenprediger Long Kendrick bei - ein ehemaliger Gunfighter, der mit der Oglala White Rose verheiratet ist und den Indianern das Christentum predigt. Haben die Gefährten eine Chance?
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Seitenzahl: 150
Veröffentlichungsjahr: 2020
MARTIN (MARLIN) NEIDHART
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SHEWADSNEH
Die Schlacht am Little Bighorn
© 2020 Martin (MARLIN) Neidhart
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-02169-3
Hardcover:
978-3-347-02170-9
e-Book:
978-3-347-02171-6
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"Die Weissen haben uns viel versprochen, mehr als ich aufzählen kann, aber gehalten haben sie nur ein Versprechen; sie schworen, unser Land zu nehmen, und sie haben es genommen."
Red Cloud
Häuptling der Oglala Teton Sioux
Prolog
Vertrag von Fort Laramie, 1868:
"Es ist keiner weissen Person gestattet, sich in irgendeinem Teil des Territoriums anzusiedeln oder niederzulassen oder dasselbe ohne Einwilligung der Indianer zu passieren."
9. Dezember 1875:
"Edward P. Smith, der Kommissar für indianische Angelegenheiten, weist die Sioux- und Cheyenne-Agenten an, sämtliche ausserhalb der Reservate befindlichen Indianer aufzufordern, sich bis zum 31. Januar 1876 bei ihren Agenturen einzufinden; wenn sie nicht Folge leisteten, werde man sie 'durch Militär dazu zwingen'."
7. Februar 1876:
"Das Kriegsministerium bevollmächtigt General Sheridan, Kommandeur der Military Division Missouri, mit Operationen gegen die 'feindseligen Sioux', darunter die Gruppen unter Sitting Bull und Crazy Horse, zu beginnen."
8. Februar 1876:
"General Sheridan befiehlt den Generälen Crook und Terry, Vorbereitungen für militärische Operationen im Quellgebiet des Powder, Tongue, Rosebud und Bighorn, 'wo sich Crazy Horse und seine Verbündeten häufig aufhalten', zu treffen."
Zitate:
"Der Grosse Vater hat den Kommissaren gesagt, dass alle Indianer Rechte in den Black Hills haben, und dass jeglicher Beschluss, den die Indianer fassen, respektiert werden soll… Ich bin ein Indianer, und die Weissen halten mich für dumm - wohl deshalb, weil ich den Rat des weissen Mannes befolge."
SHUNKA WITKO (FOOL DOG)
"Ihr habt eure Köpfe zusammengesteckt und eine Decke darüber gebreitet. Dieser Berg dort ist unser Reichtum, und ihr habt ihn von uns verlangt… Ihr Weissen seid alle in unsere Reservate gekommen und habt uns unser Eigentum weggenommen, doch damit seid ihr nicht zufrieden - ihr wollt uns alle unsere Schätze nehmen."
DEAD EYES
"Wir haben dagesessen und zugesehen, wie sie vorbeizogen, um Gold zu holen, und wir haben nichts gesagt… Meine Freunde, als ich nach Washington fuhr, ging ich in euer Geldhaus, und ich hatte einige junge Männer bei mir, doch keiner von ihnen hat irgendwelches Geld aus diesem Haus genommen, während ich bei ihnen war. Zur gleichen Zeit kommen die Leute eures Grossen Vaters in mein Land und gehen in mein Geldhaus (die Black Hills) und nehmen Geld heraus."
MAWATANI HANSKA (LONG MANDAN)
"Die Weissen in den Black Mills sind wie Maden; sorgt so schnell wie möglich dafür, dass sie verschwinden. Der Häuptling aller Diebe (General Custer) hat letzten Sommer eine Strasse in die Black Hills gebaut, und ich möchte, dass der Grosse Vater den Schaden, den Custer angerichtet hat, bezahlt."
BAPTISTE GOOD
"Wir wollen hier keine Weissen. Die Black Hills gehören mir. Wenn die Weissen sie uns wegzunehmen versuchen, werde ich kämpfen."
TATANKA YOTANKA (SITTING BULL)
"Man verkauft nicht die Erde, auf der die Menschen wandeln."
TASHUNKA WITKO (CRAZY HORSE)
Kapitel 1
Dezember 1875:
Es schneite unablässig, als Scott Fitzgerald mit seinem Begleiter, Red Smooth - einem Halbindianer, den er als Übersetzer mitgenommen hatte - auf ihren Braunen - in dicke Bärenfellkleidung eingehüllt - durch den tiefen Schnee voranritten.
Es herrschte eine beissende Kälte vor, so dass die Spucke gefror, ehe sie den Boden berührte. Sie befanden sich in der Nähe von Bear Butte, nördlich der Black Hills.
Die beiden Kuriere waren schon seit Tagen unterwegs - mit einem Auftrag der Indian Bureaus, den sie den Häuptlingen der freilebenden Indianern im Powder River Land überbringen sollten.
"Siehst du es? Dort hinter dem entfernten Hügelkamm; die dünnen Rauchfahnen, die zum Himmel emporklettern?" bemerkte Red Smooth. "Dort muss sich das Tipidorf von Crazy Horse befinden!"
"Du hast recht. Jetzt sehe ich es auch. Also haben wir sie doch noch gefunden."
Sie lenkten ihre Pferde dahin und innerhalb der nächsten Stunde erreichten sie das grosse Tipidorf. Am Dorfeingang wurden die beiden von zwei Wachtposten abgefangen.
"Was wollt ihr hier?" fragte einer der Wachen barsch. Red Smooth antwortete ihm: "Wir haben eine wichtige Botschaft vom grossen Vater in Washington und wollen mit Crazy Horse sprechen, dem gewaltigen Häuptling der grossen Oglala."
"Dann steigt von euren Pferden ab und folgt mir nach." wies der eine Posten sie an.
Die beiden handelten wie ihnen geheissen wurde und zogen die Pferde an den Zügeln hinterher Die Dreiergruppe stapfte mitten durchs grosse Indianerdorf ins Zentrum hinein - da, wo der Wigwam von Crazy Horse stand.
Argwöhnische Blicke von einigen herumstehenden, palavernden Kriegern folgten ihnen. Fremde Kuriere waren hier unerwünscht - das spürten sie.
Der Wachtposten stand nun unmittelbar vor dem Eingang zum grossen Häuptlingstipi und sprach in halblautem Ton: "Mächtiger Crazy Horse, zwei Kuriere aus den Indian Bureaus wünschen dich zu sprechen."
Mit einer schroffen Handbewegung wurde der Zelteingang zurückgeschlagen und der junge, grossgewachsene, kräftige Indianerführer stand in dichter Fellbekleidung vor ihnen.
Mit einem scharfem Blick aus seinen schwarzen Augen musterte er die beiden und fragte dann Red Smooth im Oglala-Dialekt: "Was habt ihr mir mitzuteilen? Sprecht!"
Mit der Hilfe von Red Smooth antwortete der etwas grobschlächtige Scott dem rund einen Kopf grösseren Häuptling auf folgende Weise: "Crazy Horse, Häuptling der Oglala, der grosse Vater in Washington möchte, dass du dich bis zum 31. Januar… Bei einer der Agenturen in South Dakota oder Nebraska einfinden sollst, um über wichtige Dinge zu sprechen und zu verhandeln."
"Sag deinen Leuten, dass ich erst kommen kann, wenn die Kälte den warmen Winden weicht." erwiderte der Häuptling freundlich.
"Ich werde die Antwort von Crazy Horse so weitergeben." antwortete Scott Fitzgerald und die beiden verabschiedete sich.
Darnach stiegen sie wieder auf ihre Pferde und ritten davon. Doch die anhaltenden Stürme und die eisige Kälte waren mit ein Grund, dass die Antwort von Crazy Horse erst Wochen nach dem 31. Januar an ihren Bestimmungsort gelangte.
Das Ultimatum - der 31. Januar 1876 als letzte Frist - kam einer Kriegserklärung an die freilebenden Indianerstämme gleich. Und das war es auch. Es ging um ergiebige Goldvorkommen in den Black Hills. Um diese zu erlangen, war den Weissen jedes Mittel recht.
Der Vertrag, der 1868 im Fort Laramie abgeschlossen wurde, war bloss noch ein wertloses Stück Papier.
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Kapitel 2
Ende Februar 1876:
Shewadsneh, der weisse Indianer, trabte mit seinem Blaurappen im Tal des French Creek flussaufwärts. Das den Übernamen "Gold Valley" hatte, seit General Custers Kavallerieregiment hier 1874 in einer illegalen Expedition in die Black Hills mithilfe von Geologen Goldvorkommen entdeckte.
Dieser Fund löste einen Goldrausch aus und bis Ende 1874 entstand hier eine wilde Zelt- und Hüttenstadt, angefüllt mit Nugget Digger, Glücksritter, Abenteurer und Gesetzlosen.
Ab Mitte 1875 nannten die Bewohner diesen Ort in Erinnerung an den Konföderierten General Thomas Jonathan Jackson zuerst "Stonewall" und dann - Ende 1876 - "Custer".
Es herrschte hier vorwiegend Anarchie und es galt das Recht des Stärkeren.
Diese illegale Goldgräberstadt befand sich im Black Hills Gebiet, das von der US-Regierung vertraglich zugesichertes Eigentum der Indianer war.
Sein Freund aus früheren Abenteuern um den Bozeman Trail, der Goldschürfer Sam Coperfield, hatte ihn um Hilfe angefleht, da der Thompson Clan ihm seinen Claim streitig machte.
Dessen Kurzbrief hatte er über den improvisierten Pony Express erhalten.
Diesen hatten die Bewohner der Goldgräbersiedlung in einer geräumigen Höhle organisiert.
Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt für mehrere Monate als Scout in Fort Robinson, einer Station des neuen Pony Express.
Nachdem er den Brief im Januar 1876 erhalten hatte, begab er sich unverzüglich auf den längeren Ritt, denn wahre Freunde lässt man nicht im Stich.
Nun befand er sich noch etwa drei Meilen von Stonewall entfernt. Es begann wieder heftiger zu schneien und wenn ihn sein Instinkt nicht trübte, hing ein Schneesturm in der Luft. Deshalb trieb er den Rappen etwas stärker an, um rechtzeitig in der sicheren Town zu sein.
Nach einem kurzen, harten Ritt erreichte er den Ort. Er trabte die Main Street entlang, an denen sich beidseits Saloons, Glücksspielhäuser, General Stores, schäbige Motels und ein latentes Bordell anhäuften.
Am Ende der Main Street, zur rechten Hand, sah er den Stall zur Unterbringung und Verpflegung der Pferde. Er stieg dort ab und führte den Blaurappen an den Zügeln hinein. Darnach befreite er ihn vom Sattelzeug und den Decken, trocknete ihn ab und gab ihn dann dem Stallburschen für zwei Dollar in Obhut.
"Well, Boy, gib gut auf ihn acht. Tränke und füttere ihn mit dem Besten, was ihr habt. Ich schenke dir dann beim Abholen noch einen Vierteldollar dazu." lächelte Shewadsneh.
"Geht in Ordnung, Sir." freute sich der junge Bursche und machte sich an die Arbeit.
Danach nahm er seine legendäre Henry Rifle aus dem Sattelschuh, verliess den öffentlichen Pferdestall und schritt im Schneegestöber auf das ihm nahestehende, mittelgrosse Motel zu. Das sich auf breiten Lettern angeschrieben "Gold-Star" nannte.
Er stiess die Türe auf und betrat den mit Whiskydunst und Rauch verhangenen Eingangsbereich des Hauses.
In dessem kleinen Saloon angekommen, wusste er, dass er den richtigen Riecher gehabt hatte.
Zur linken Hand erblickte er den Rücken einer ihm bekannten Silhouette. Diese sass an einem kleinen Tisch und verzehrte eine Mahlzeit.
Die hagere Gestalt, der hohe Zylinderhut und der abgetragene, schwarze Frack waren unverkennbar.
Er schritt rasch auf ihn zu, so dass er ihn von der Seite mustern konnte, und rief aus: "Sam, altes Haus!"
Der Angesprochene drehte sich ihm zu und antwortete freudig: "Shewadsneh! Hier in dieser lausigen Town, hätte ich dich nie so früh erwartet!"
Er unterbrach die Mahlzeit, stand auf und sie umarmten einander herzlich.
"Komm, setz dich an den Tisch. Ich spendiere dir eine Mahlzeit. Du hast sicher schon länger nichts mehr im Magen gehabt." lud ihn der Freund ein.
"Yeah, mein Magen knurrt wie ein hungriger Grizzly." lächelte der weisse Indianer, setzte sich neben ihn und lehnte seine Rifle am kleinen Tisch an.
"Madame! Bitte nochmals dasselbe für meinen Freund hier!" rief Sam der Dame hinter der Theke zu. "OK!" rief sie zurück. "Nochmals Eier mit Speck," wies sie darauf die Küchenmannschaft an.
"Und nun zu dir, Sam. In diesem Nest scheint ja einiges krumm zu laufen?"
"Du hast den verdammten Nagel auf den Kopf getroffen. Die Thompson Brüder wollen die ergiebigsten Claims an sich reissen. Viele haben schon klein beigegeben und verkauft. Aber meinen können sie mir nicht wegnehmen, so wahr ich Sam Coperfield heisse."
Wenige Minuten später brachte die Bardame den Teller mit dem Essen.
"Wohl bekomms." lächelte sie.
"Thanks," grinste Shewadsneh.
Sie erwiderte das Lächeln und begab sich wieder hinter die Theke.
In Kürze verschwand die Mahlzeit in Shewadsnehs Magen.
"Yeah, dass du einen solchen Kohldampf hast, habe ich mir beinahe gedacht. Wie war der Ritt?"
"Der Schnee machte den Weg schwierig, aber wie du ja weisst ist mein Hengst ein erstklassiger Blaurappe."
"Allright, so mancher wünscht sich so ein Klassehengst." bestätigte Sam.
"Er ist eben ein echter Cheyenne Rappe." lächelte Shewadsneh.
Während die beiden so miteinander redeten, wurde etwas ruckartig die Eingangstüre aufgerempelt. Der Wind trieb einige Schneeflocken herein und zwei der drei Thompson Brüder - in Büffelledermäntel eingehüllt - betraten etwas angetrunken den Saloon. Sie fühlten sich als Herren der Town hier und benahmen sich dementsprechend.
Sofort erblickten sie die beiden Freunde am Tisch und traten näher heran.
Ike, der hagere und grössere der beiden, fing an zu stänkern: "He! Schaut mal her! Hockt hier nicht unser Nugget Digger Sam… Dazu noch mit einem - wie es scheint - Freund?!"
"Da hast du recht! Er frisst und sauft hier ganz gemütlich!" kommentierte sein etwas untersetzter und rundlicher Bruder Joe.
"Na, wollten wir nicht etwas mit ihm besprechen?" meinte Ike.
"Genau! Hey Sam, willst du uns nicht endlich deinen verdammten Claim zu unserem Vorzugspreis verkaufen… hä?"
"Ich werde euch beiden Halunken gar nichts verkaufen!" konterte Sam.
"Hast du das vernommen? Der Stinker wird frech." heizte Joe die Situation noch mehr an.
"Ja! Wo sind wir denn, so ein hochanständiges Angebot zurückzuweisen? Das geht doch nicht." knurrte Ike.
"Eben!" betonte der Dicke.
"Hört mal zu, ihr Maden. Es gibt hier nichts zu verhandeln. Ich behalte den Claim und damit basta." bockte Sam.
Augenblicklich stieg die Spannung zwischen den vier Männern rapide an.
Shewadsneh registrierte ein Aufblitzen in den Augen des Hageren, als dieser seinen Mantel beinahe unmerklich leicht öffnete. Ein untrügliches Warnsignal! Er packte seine Rifle und liess sich unverzüglich mit dem Stuhl nach hinten fallen. Dabei riss er den überraschten Sam mit dessem Stuhl mit sich! Keine Sekunde zu spät! Der Schuss aus dem Colt, den Ike wie durch Zauberei aus dem Holster unter dem Büffelmantel zog, blies den Zylinder von Sams Kopf herunter! In demselben Moment krachte Shewadsnehs Henry Rifle! Er hatte den Abzug während dem Rückwärtsfallen durchgezogen und schoss aus der Hüfte heraus den Colt aus Ikes Hand!
"Damned!" fluchte dieser, als ihm das Schiesseisen entfiel und auf den ausgetretenen Dielenboden schepperte.
Er hielt seine schmerzende Hand, die durch den Gewehrschuss einen blutigen Streifen empfangen hatte. Joe zog es vor, nicht zu schiessen, aber lästerte: "Verdammter Nugget Digger! Dein flinker Freund hat dich gerettet."
Das Saloon Personal verzog sich hinter die Theke und die wenigen Gäste beeilten sich, aus der Schusslinie zu kommen.
Die beiden Freunde erhoben sich nun eiligst vom Boden und Shewadsneh sprach, das Gewehr im Hüftanschlag: "Das war ein heimtückischer Angriff, Brüder. Sam hatte nichts verbrochen. Er wollte nur seinen sauer erworbenen Claim nicht an euch Halunken verscherbeln."
Ike hob den Colt vom Boden auf und versorgte ihn wieder im Holster. Danach antwortete er: "Für heute habt ihr die Trümpfe in der Hand, aber es wird noch ein anderes Mal geben. Komm, Joe, wir gehen."
Die beiden Brüder verliessen zerknirscht den Saloon.
Das Personal kam wieder hinter der Theke hervor und die Gäste begaben sich wieder an ihre Plätze.
Man machte hier nicht viel Aufhebens wegen einer Schiesserei. Das kam in diesem rauen Nest des Öfteren vor.
Ein bärtiger, rothaariger Goldschürfer trat aus der hintersten Ecke des kleinen Saloons rasch an die Gefährten heran und stiess bewundernd hervor: "Das war verdammt knapp und hätte leicht ins Auge gehen können. Sam, wer ist dein schneller Freund hier?"
"Fred! Das ist mein teurer Freund Shewadsneh. Man erzählt sich, dass er mit diesem Gewehr aus 13 Yards Entfernung zehn Flaschen Whisky schneller und genauer wegschiessen kann als ein Gunfighter."
"Yeahh! Von She-wad-sneh, dem weissen Indianer, habe ich schon gehört - drüben, am Yellow Stone River, bei Tauschgeschäften mit den "peaux-rouges". Er ist, wie ich sehe, verdammt schnell. Schneller als irgendjemand, den ich schiessen gesehen habe."
"Sein Ruf kommt nicht von ungefähr, Fred."
"Nun kennen sie mich, Sam. Von jetzt an müssen wir doppelt so vorsichtig handeln." gab der athletische, weisse Hüne zu bedenken.
Er war in eine Büffellederbekleidung mit befransten Nähten eingekleidet und markante Gesichtszüge prägten sein sonnenverbranntes Antlitz, aus dem hellblaue Augen hervorstachen. Dazu trug er schulterlanges, dichtes, weissblondes Haar, das unter dem lichtgrauen Stetson hervorquoll.
"Das empfehle ich euch wärmstens. Der Thompson Clan lässt sich nicht die Stirn bieten. Von jetzt an ist die lebendige Hölle hinter euch her." mahnte Fred.
"Der alte Sam hat schon ganz andere Dinge gemeistert." posaunte Coperfield selbstbewusst heraus.
"Über die Nacht könnt ihr in meiner Blockhütte nächtigen. Sie steht etwas ausserhalb - nördlich von Stonewall - in einem Waldstück." eröffnete Fred ihnen ein Angebot.
"Diese Idee ist nicht übel. So werden unsere neuen Feinde uns nicht so rasch aufspüren." lächelte Shewadsneh.
Nachdem Sam die Mahlzeiten bezahlt hatte, verliessen die drei das Motel, holten ihre Pferde ab und ritten zur Hütte von Fred.
Inzwischen wurde es Abend und es schneite wieder heftiger. Aber der befürchtete Schneesturm blieb aus.
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Kapitel 3
Februar 1876:
Im Nordosten Nebraskas, in der Great Sioux Reservation, brach eine Gruppe junger Northern Cheyenne und Oglala Sioux zum Powder River Land auf, um dort zu jagen.
Sie wussten, dass es im Powder River Land grosse Gabelbock- und Bisonherden gab. Von denen wollten sie einige Tiere erjagen. Deshalb machten sie sich frühzeitig auf den Weg, um mit ihren Pferden dahinzureiten.
Der Anführer dieser Gruppe war Black Eagle - ein kräftiger Oglala Sioux, der sich zuweilen auch recht ungestüm aufführen konnte. Ja, sie waren alle jung und hitzköpfig.
Nun waren sie schon mehrere Tage unterwegs und ihr Herz frohlockte über ihre Freiheit ausserhalb der Reservation.
Sie legten einen kurzen Rasthalt ein und verzehrten das Wild, das sie auf ihrem bisherigen Weg erlegt hatten. Es waren einige Wildhasen, die sie nun über dem Feuer brieten.
Während sie so ums Feuer herumhockten und ihre Beute verzehrten, meinte Black Eagle: "Wir müssen weiter nördlich reiten, in die Gegend, wo der Little Powder in den Powder mündet. Dort gibt es grössere Gabelbockherden und sicher auch Bisons."
"Da hast du recht," antwortete ihm White Feather, ein Northern Cheyenne. "In wenigen Tagen fängt die grosse Schneeschmelze an und die Wildnis erwacht wieder zu neuem Leben. Eine gute Zeit für die Jagd."
"Dem kann ich nur beistimmen und Wakan Tanka wird uns reichlich belohnen," bestätigte nun Black Bear- auch ein Oglala Sioux.
Die Gruppe bestand aus zwei Oglala Sioux und zwei Northern Cheyenne, also insgesamt vier Männer.
"Die Tage werden wärmer und der Frost geht zurück und bald werden meine Augen den Little Powder sehen," freute sich Silver Bird, der andere Northern Cheyenne.
Nachdem sie einige Zeit geruht und sich gestärkt hatten, beschlossen sie weiterzureiten, um die warme Wintersonne auszunutzen, die die Kälte nun erträglicher machte.
Gegen den Abend waren sie schon weit ins Powder River Land eingedrungen und richteten in der kleinen Lichtung eines Kiefernwaldes ihr Nachtlager um ein kleines Nachtfeuer herum ein. In regelmässigen Abständen lösten sie einander bei der Nachtwache sowie dem Beaufsichtigen der Pferde ab.
Am nächsten Morgen ritten sie gegen Nordwesten weiter.
***
Es war schon um die Tagesmitte und die Sonne stand im Zenit, als sie einen großen Kiefernwald erreichten.
Die Indianerpferde wurden unruhig, denn eine fremde Witterung zog durch ihre Nüstern.
Black Eagle warnte seine Gefährten: "Es muss sich jemand im Kiefernwald aufhalten, der uns beobachtet. Haltet eure Gewehre schussbereit!"
