Shiela Cerar - Ella M. Scrymsours - E-Book

Shiela Cerar E-Book

Ella M. Scrymsours

0,0
4,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Eine Dame aus gutem Hause, schottisch, jung, mittellos, mit starken übersinnlichen Kräften, wird ihre Dienste der Lösung unheimlicher Rätsel oder dem "Legen von Geistern" widmen. Nach dem Tod ihres Onkels mittellos und ohne andere Beschäftigungsmöglichkeiten, gibt Shiela Crerar eine Anzeige in einer Londoner Zeitung auf und bietet ihre ungewöhnlichen Dienste an. Ihre Abenteuer führen sie von den Straßen des Edinburgh der 1920er Jahre in die romantischen schottischen Highlands, wo sie ihr "Augenlicht" und ihre Kenntnisse der örtlichen Überlieferungen und Geschichte einsetzt, um Geistern, Dämonen, Werwölfen und anderen übernatürlichen Kreaturen zu begegnen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Herausgeber

Erik Schreiber

Übersinnliche Detektive 10

Ella M. Scrymsours

Shiela Crerar

Saphir im Stahl

Übersinnliche Detektive 10

e-book 251

Ella M. Scrymsours - Shiela Crerar (1920)

Erscheinungstermin 01.07.2024

© Saphir im Stahl Verlag

Erik Schreiber

An der Laut 14

64404 Bickenbach

www.saphir-im-stahl.de

Titelbild: Simon Faulhaber

Lektorat Peter Heller

Vertrieb neobook

Herausgeber

Erik Schreiber

Übersinnliche Detektive 10

Ella M. Scrymsours

Shiela Crerar

Saphir im Stahl

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Augen des Schicksals

Der Dunst des Todes

Zimmer der Furcht

Die Phantominsel

Der Werwolf von Rannoch

Der Geist des Fergus McGinty

Vorwort

„Oh, Ihr modernen Frauen! Ihr beschäftigt euch mit Wissenschaft und Medizin, Ihr beschäftigt euch mit Politik und Gesetz, und nun beschäftigt ihr Euch mit dem Okkulten. Was bleibt dann noch für echte Männer übrig?“ sage Dr. Chisholm zu Shiela Crerar.

Im Jahre 1920, als Ella M. Scrymsours Geschichten über Crerar zum ersten Mal veröffentlicht wurden, begann sich die Rolle der Frau in der Tat zu erweitern – allerdings nur ein wenig für einige Ausgewählte. Eigentlich werden Crerar und Jessie Douglas Kerruishs Luna Bartendale so ziemlich die die einzigen Frauen in der ersten Welle fiktionaler übersinnlicher Detektive sein. Diese Welle begann wie ein Plätzschern mit Dr. Martin Hesselius, der die Geschichten in Joseph Sheridan LeFanus In a Glass Darkly (1872) erzählt, und steigerte sich mit Agernon Blackwoods John Silence and William Hope Hodgsons Carnacki, welche 1908 beziehungsweise 1910 erschienen. Von Irland und Großbritannien aus erreichte die Welle in den Zwanzigern mit Seabury Quinns Jules de Grandin und in den Dreißigern mit Manly Wad Wellmans Judge Pursuivant Amerika. Inmitten dieser und verschiedener anderer männlicher Charaktere, die das Paranormale untersuchten, wirken Crerar und Bartendale einzigartig, wenn nicht sogar einschneidend.

Die Seltenheit von weiblichen übernatürlichen Detektiven in der Fiktion ist schwer zu erklären, besonderes wenn man das Hervorstechen von Frauen in der spiritualen Bewegung sieht. Diese Bewegung fällt letztendlich mit diesen frühen geheimnisvollen und übernatürlichen Geschichten zusammen und hilft, das ursprüngliche Interesse an ihnen zu erklären. Seit die Fox-Schwestern das Interesse an der Kommunikation mit Geistern in der Mitte des 18. Jahrhunderts ausgelöst hatten, nahmen Frauen regelmäßig die Rolle des übersinnlichen Mediums ein, die Séanchen abhielten und die die Stimmen derjenigen kanalisierten, die ins Jenseits übergetreten waren. Diese Frauen sollten als Vermittlerin zwischen dem physischen und dem spirituellen Reich dienen, was sehr im Einklang mit der Vorstellung jener Zeit von „sensitivem Sex“ steht. Der Ausdruck „sensitiv“ wurde gewöhnlich verwendet, um eine Person zu bezeichnen, die in der Lage ist, Geister psychisch wahrzunehmen, und Bartendale geht so weit, sich selbst als „supersensitiv“ zu beschreiben. Zusätzlich schließt Kerruish den Namen Madame Blavatsky unter den echten übersinnlichen Ermittlern wie Arthur Conan Doyle ein, so dass die Leser daran erinnert werden, dass die Frauen sich behaupten, wenn es darum geht, mit Geistern umzugehen.

Ein weiteres Hindernis für die Erklärung des Ungleichgewichts der Geschlechter unter den übersinnlichen Detektiven taucht auf, wenn man an Autoren denkt, die ihren Beitrag zum Mystery-Genre streng getrennt vom Gothic Horro hielten. Obwohl sicherlich in der Minderheit, befanden sich weibliche Kriminalfalllöser im Kommen als Konkurrenz für Sherlock Holmes und seinesgleichen. Zu der Zeit als Scrymsour und Kerruish die Szene betrateten, hatten die britischen Leser schon Catherine Louisa Pirkis‘ Loveday Brooke im Jahre 1893 und Baroness Orczys Lady Molly von 1912 kennengelernt. In Amerika stellte die sehr beliebte Anna Katharine Green 1897 Amelia Butterworth und 1915 Violet Strange vor. Das sind nur Beispiele von Präzedenzfällen weiblicher Autoren, und männliche Schriftsteller hatten schon seit den 60ern des 19. Jahrhunderts weibliche Detektive erschaffen. Warum also erscheinen Crerar und Bartendale so alleine darin, „unheimliche Geheimnisse oder Geistererscheinungen zu lösen“, wie die Werbung für Crerar in The Times es ausdrückte?

Eine Theorie mag darauf begründen, zwei hervorstechende jedoch widersprüchliche Überzeugungen in der Fiktion aus dem späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert gegenüberzustellen. Serienhelden dieser Ära neigten Junggesellen zu sein – manchmal eingefleischte Junggesellen wie zum Beispiel Holmes. Das stellt sicher, dass die Charaktere frei sind eine endlose Reihe von gefährlichen Verbrechern oder übernatürlicher Feinde zu verfolgen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, was eine Mrs. Carnacki dazu gesagt hätte, dass ihr Ehemann regelmäßig Kumpane in seinem Haus versammelte, so dass er seine gefährlichen Abenteuer mit der jenseitigen Welt erzählen konnte. Die Serienhelden unverheiratet zu lassen war praktisch und vorteilhaft, aber es stellte ein Problem für Serien-Heldinnen dar. Nach der gängigen Auffassung wurde anständigen jungen Damen für eine gewisse Zeit gestattet, sich selbst in den Dienst der Bedürftigen zu stellen. Ihr letztendliches Ziel allerdings sollte es sein, verheiratet zu werden. Das erklärt, warum beide, Crerars und Bartendals Geschichten, damit enden, dass die Ermittlerin heiratet. Bartendale verliert am Ende sogar ihre Supersensitivität für okkulte Phänomene, die von der Liebe besiegt wird, „diese großartige Leidenschaft, die alle Kräfte der Seele und des Verstandes in sich selbst aufsaugt.“ Wenn sie nicht zu alten Jungfern wie Agatha Christies Miss Marple werden, neigten die jungen weiblichen Ermittler dieser Periode nur eine kurze Lebenserwartung zu haben.

Obwohl auch sie dem Brauch folgen, dass eine Frau ihr berufliches Leben der Ehe opfert, stellen Crerar und Bartendale Eigenschaften auf, die bewundernswert sind für Feministinnen und jeden anderen Leser, der seine Heldinnen angemessen heroisch mag. Wie ihre Nachfahrin, Buffy -die Vampirjägerin, stürzt sich Crerar kühn in fast jede tückische Situation, ob es ein Schrecken einjagender Raum oder die Höhle eines Werwolfs ist. Sie nimmt es auch in Kauf, für ihren Ärger ordentlich aufgemischt zu werden. Auf der anderen Seite, trotz der ständigen Skepsis, hat Special Agent Dana Scully die stoische Entschlossenheit geerbt, die Bartendale nutzt und vorsichtig die Fakten ihres eigenen Geheimnisses im Stil der X-Akten zu entdecken und ihre Schlussfolgerungen zu ziehen. Diese Vorfahrinnen späterer weiblicher übersinnlicher Detektive sind zumindest genauso verwegen und emsig wie sie auch anmutig und feinfühlig sind, und sie sind wahrscheinlich weit besser für den Umgang mit dämonischen Problemen ausgestattet als mit häuslichen.

Crerars und Bartendales Geschichten sind es ebenso wert, aus anderen Gründen als denen des Geschlechts gelesen zu werden. Scrymsour bietet uns einen seltenen Einblick in die Ausbildung eines okkulten Ermittlers. Crerar ist neu genug in ihrem Job um ein paar peinliche Fehler zu machen, zum Beispiel eine völlig falsche Schlussfolgerung über einen Fremden in „Der Werwolf von Raunnoch“ zu ziehen. Kerruishs Arbeit ist dahingehend bemerkenswert, dass es unter dieser ersten Welle übernatürlicher Detektive eine der wenigen Beispiele eines Falls in Romanlänge ist. Gut möglich, dass die einzigen anderen beiden Romane dieser Art Uel Keys Der Gelbe Tod (Eine Geschichte okkulter Geheimnisse): Aufzeichnung einer weiteren Erfahrung von Professor Rhymer dem ‚Spuk‘-Spezialisten (1921) und, wenn Van Helsing in die Rolle passt, Bram Stokers Drakula (1897) sind. Eher als Romane wurde diese frühe Fiktion von Kurzgeschichten dominiert, die in Magazinen erschienen und in einigen Fällen als Buch.

Zur selben Zeit liefern beide Autorinnen Einblicke darin, wie die Leser – vor allem britische Leser – sich fiktiven Bedrohungen zuwandten um die verheerenden Bedrohungen, die nach dem ersten Weltkrieg lauerten, psychisch zu verarbeiten. Mehr als einmal lässt Scrymsour einen Charakter Crerar daran erinnern, dass sie in einer modernen Zeit der Wissenschaft und des Zynismus lebt, in der es nicht allzu förderlich ist, an Kilt tragende Phantome und Geister zu glauben. Man spürt jedoch, dass die Autorin versucht, der Desillusion ihrer Leser entgegenzuwirken, sie dahin zu leiten, dass sie zumindest auf den Gedanken kommen, dass altmodische Wunder uns immer noch umgeben. Kerruish ist wesentlich offensichtlicher darin, das Unbehagen der Nachkriegszeit zu erwecken. Die kürzlichen Schlachterfahrungen von Oliver und Goddard formen wesentlich die Charakterisierung dieser beiden Hauptfiguren. Weiterführend kann der uralte Fluch, der die Hammonds in diesem Roman verfolgt, mit dem Zug der Gewalt, der in der Menschheit überwältigend bleibt, ungeachtet eines angeblichen Triumphs der Zivilisation über die Wildheit und den Aberglauben früherer Zeitalter.

Die Fälle von Crerar und Bartendale können daher auf Grund dessen gelesen werden, was sie über den Großen Krieg enthüllen, über den Stammbaum späterer fiktiver Frauen, die gegen paranormale Feinde kämpfen, über das Genre oder über Geschlecht. Sie stehen als wichtige und charakteristische Arbeiten in den Anfangszeiten der übernatürlichen Detektive in der Fiktion. Wenn chronologisch gelesen – Crerar ging Bartendale etwa zwei Jahre voraus – sehen wir den Beginn der Karriere einer übersinnlichen Detektivin und das das Ende einer anderen. Die beiden Charaktere spiegeln sich wunderbar gegenseitig, und sie hätten mit Sicherheit die Anwesenheit der jeweils anderen genossen. Es passt nur zu gut, dass sie jetzt zum ersten Mal zusammen in einer Ausgabe erscheinen, so dass auch Sie die Anwesenheit dieser beiden bahnbrechenden, Geister zerstörenden Charaktere genießen können.

Tim Prchal

Die Augen des Schicksals

Shiela Crerar fühlte sich sehr einsam, als sie so in ihrem winzigen Wohnzimmer in ihrer trostlosen Unterkunft saß. Auch war sie müde, sowohl mental als auch physisch, und sie versuchte, die Misere der letzten sechs Monate zu vergessen.

Als Waise war sie bei einem Onkel aufgewachsen, der sie vergöttert hatte. Für zweiundzwanzig Jahre hatte sie glücklich in ihrem Zuhause in den Highlands gelebt. Sie hatte es jetzt genau vor Augen. Ein kleines Haus für einen Gutsherrn, im Stil echter schottischer Fürstenhäuser erbaut, mit einem Dach mit Türmchen und Erkern und einem kleinen Innenhof. Kencraig überblickte von einer Erhebung aus Loch Lubnaig und es war eines ihrer größten Vergnügen gewesen, in der Heide zu sitzen und das gekräuselte Wasser des Sees unter ihr zu beobachten. Zur Linken befand sich Ben Ledi und sie schwelgte in seiner rauen Schönheit. In ihrem jungen Geist stand er für Stärke und Ritterlichkeit und sie stellte ihn sich immer als rauen, aber höflichen Bruce, ein Highlander, vor, dessen zottelige Locken und karierter Kilt im Wind wehten. Es war nur eine mädchenhafte Vorstellung, aber für sie war der Ben eine lebende Persönlichkeit – ein Gentleman der Natur – ein Highlander-Anführer.

Zweiundzwanzig Jahre hatte sie ihm einen Guten Morgen gewünscht und zur Nacht gewunken. Zweiundzwanzig Jahre war sie durch die Heide gewandert, hatte im Loch gebadet und war einmal die Woche nach Callender zum Einkaufen gefahren. Und jetzt wunderte sie sich, warum dieses Leid über sie gekommen war.

Sechs Monate zuvor war sie draußen in den Wäldern gewesen, um Vogelbeeren zu sammeln. Sie war munter und fröhlich nach Hause gekommen, aber die Gestalt von Onkel John wartete nicht in der Tür, um sie willkommen zu heißen. Sie ging in sein Studienzimmer – und oh, dieser Horror! Er saß an seinem Schreibtisch, seine Augen weit aufgerissen, sein Mund zur Seite verzerrt, seine Hände kalt. Er antwortete nicht auf ihr Rufen. Sie wusste, er war tot. „Herzversagen“, hatte der Doktor gesagt und Shiela fühlte sich, als wäre das Licht ihrer Welt erloschen worden.

Nach der Beerdigung war sie mit Mr. MacArthur, dem Anwalt ihres Onkels, in die Bibliothek gegangen. Zunächst hatte Shiela nicht verstanden, was Mr. MacArthur versucht hatte, ihr zu sagen. Sie konnte es nicht fassen, dass sie mittellos zurückgeblieben war, nur mit dem hoch verpfändeten Anwesen als Erbe. Mr. MacArthur riet ihr, Kencraig zu verkaufen, die Hypothek zu bezahlen und sich mit dem Bisschen, was übrigblieb, einen Platz unter den normalen Leuten auf der Welt zu suchen. Aber Shiela wollte ihr Heim nicht verkaufen. Jeder Stein bedeutete ihr viel, jede Ecke war wie ein liebgewonnener lebendiger Freund.

Immerhin stimmte sie einer Vermietung für fünf Jahre an eine reiche amerikanische Witwe zu.

„Was gedenken Sie jetzt zu tun?“, fragte er.

„Ich sollte etwa hundert Pfund besitzen. Ich sollte nach London gehen und versuchen, dort etwas zu tun zu bekommen.“

Sie war hartnäckig. Sie besorgte sich günstige Räume in London in einer Gasse, die hochtrabend Air Street genannt wurde. Ihre hundert Pfund reichten nicht lange. Verzweifelt suchte sie nach Arbeit in der großen Metropole – niemand wollte sie. Niedergeschlagen und still saß sie in ihrem kleinen Zimmer und fragte sich, was passieren würde, wenn ihr das spärliche Geld ausginge. Sie war ein zierliches Mädchen mit nussbraunen Haaren und grauen Augen, die allzu vertrauensselig in eine grausame und herzlose Welt blickten.

Sie konnte kein Geld für Vergnügungen ausgeben, und wenn sie durch die Straßen der großen Stadt ging, sah sie Bilder der Vergangenheit. Sie ging in den Lincoln’s Inn und sah eine Sänfte, die vorbeigetragen wurde, beobachtete Edelmänner mit seidenen Gewändern und juwelenverzierten Schwertern, die sich vor ihren Geliebten verbeugten.

Sie wähnte sich in London und lebte allein im siebzehnten Jahrhundert. Immer schon übersinnlich begabt schien sich ihre Gabe in ihrem Leid und ihrer Einsamkeit noch zu verdreifachen und dann waren ihre einzigen Freunde die schwachen Geister der Vergangenheit.

Eines Tages saß sie im Garten des Lincoln’s Inn, als sie sich plötzlich einer kuriosen Gestalt neben sich bewusst wurde – ein hutzliger Mann von vielleicht sechzig Jahren in einem dunklen, weinroten Mantel mit einem schwarzen Dreieckshut auf seinen Knien. Und als sie zu ihm sah, nahm er eine Prise Schnupftabak aus einem wunderschön glasierten Kästchen und schob es in seine Nasenlöcher, seine kleinen Finger elegant wie ein Vogel im Flug haltend.

„Sie sind traurig und einsam, junge Dame“, sagte er plötzlich. „Warum helfen Sie nicht denen, die ebenfalls traurig und einsam sind? Sie haben eine Gabe – die höchst wundervolle Gabe der Vision. Nutzten Sie diese zu ihrem eigenen Vorteil und dem Vorteil der Menschheit. Ich verspreche Ihnen, Sie werden nicht versagen.“

„Aber wie?“, begann sie, aber die eigenartige kleine Gestalt war verschwunden und dort war nur eine alte fette Frau in einem unordentlichen Kleid und einer dreckigen schwarzen Haube, die sie neugierig von der anderen Ecke der Bank anstarrte.

Shiela fühlte sich benommen. Sie stand auf und schaute sich um. Nein, sie war immer noch in der geschäftigen Welt der Taxis und Motor-Busse. Die malerische Vergangenheit war verschwunden. Sie lächelte ein wenig und ging nach Hause, aber ihr Verstand arbeitete hart. Sie schlief gut in dieser Nacht und am nächsten Morgen hatte sie einen Entschluss gefasst.

Für die nächsten drei Tage erschien eine Anzeige in der Times:

Dame von guter Herkunft, Schottin, jung, mittellos, mit starken übersinnlichen Kräften, bietet ihre Dienste zur Lösung unheimlicher Rätsel oder dem Erlegen von Geistern an. Aufrichtiges Angebot. Für Einzelheiten und Vergütung Antwort an S. C. c/o Mrs. Barker, 14b Air Street, Regent’s Park, London.

Und nun wartete sie – wartete. Zwei Tage waren vergangen, seit ihre Anzeige das erste Mal erschienen war. Ein zweifaches Klopfen erklang. Der Briefträger! Sie hörte Fußtritte von draußen und Mrs. Barker erschien.

„Ein Einschreiben für Sie, meine Liebe“, bemerkte sie aufmunternd. „Ich bringe Ihr Abendessen gleich. Schauen Sie mal, heute ist es Hering. Steak des armen Mannes, wie ich sage.“

Und Shiela schauderte leicht. Die gut gemeinte Vertraulichkeit stieß sie ab, der Geruch gekochten Fischs machte sie schwindelig. Sie fühlte sich nervös, ruhelos, krank. Die Hügel riefen nach ihr – sie sehnte sich danach, die federnde Heide unter ihren Füßen zu spüren, die würzige Luft einzusaugen. Es war der Ruf der Highlands!

Sie schaute neugierig auf den dicken verklebten Umschlag. Es war bestimmt eine Antwort auf ihre Anzeige, denn er war an ihre Initialen gerichtet – S.C. Sie las ihn langsam und die Röte der Aufregung stieg in ihre Wangen.

Dunfunerie,

Loch Long, N.B.

Wenn das Angebot von S.C. tatsächlich aufrichtig ist, wird Sie die beigelegten 10 Pfund für sofortige Aufwände annehmen und an Lady Kildrummie telegrafieren, dass Sie bereit ist für den Versuch, das sehr unangenehme Geheimnis, bekannt als der Kildrummie-Spuk, zu lösen und vielleicht für immer zu beseitigen? Wenn S.C. den Zeitpunkt mitteilt, an dem Sie in Arrochar Station ankommt, wird Lady Kildrummie dafür sorgen, dass dort ein Wagen auf Sie wartet.

Shielas Augen strahlten. Arrochar! Schottland! Endlich hatte sich ihr Glück gewendet. Sie ging zurück in ihre geliebten Highlands. Aber würde sie bei dem Unternehmen erfolgreich sein? Dann erinnerte sie sich an den kleinen alten Mann im Lincoln’s Inn. „Sie werden nicht versagen“, hatte er gesagt. Natürlich hatte sie von dem Kildrummie-Spuk gehört. Wer hatte das nicht? Wurde darüber nicht genauso viel spekuliert wie über das verborgene Geheimnis von Glamis? War er nicht genauso geheimnisvoll? Wie war die Geschichte nochmal – erfolgte nicht ein großes Unglück, wenn der Spuk erschien?

Am nächsten Tag telegrafierte sie an Lady Kildrummie, dass sie sofort kommen würde. Sie nahm den nächsten Zug nach Glasgow, wo sie in die West Highland Linie umstieg. Bei Arrochar Station, über welcher der Ben Lomond thronte, schaute sie sich gespannt um.

Ein hochgewachsener Mann in den späten Dreißigern kam auf sie zu – ein gutaussehender Mann, rau, stark, im Kilt in den Farben des Cameron Clans.

„Miss Crerar?“, fragte er seine Kappe abnehmend. „Ich bin Stavordale Hartland. Meine Tante, Lady Kildrummie, bat mich, Sie abzuholen.“ Seine Stimme hatte einen angenehmen Ton und die wohltuende Bewunderung in seinen Augen gefiel ihr. Sofort verglich sie ihn mit dem rauen Ben Ledi und das war, hätte der Mann neben ihr es nur gewusst, das größte Kompliment, dass sie ihm machen konnte.

Dunfunerie lag auf der Argyllshire-Seite von Loch Long, an die große Schulter des Cobbler (auch Ben Arthur genannt) selbst gebettet. Lady Kildrummie begrüßte sie mit ausgestreckten Armen. „Wie schön, dass Sie gekommen sind, meine Liebe. Sind Sie auf irgendeine Weise mit dem Crerar von Kencraig verwandt?“

„Er war mein Onkel.“

„Dann sind Sie doppelt willkommen, denn Kencraig war der beste Freund meines verstorbenen Mannes. Nun, Stavordale, du kannst Miss Crerar und mich für einen Tee allein lassen.“

Erst nachdem sie mit dem Tee fertig waren, kam ihre Gastgeberin auf ihre Geschichte zu sprechen.

„Meine Liebe, ich befinde mich in großer Bedrängnis“, sagte sie zu Beginn. „Ihre Anzeige weckte mein Interesse und ich fragte mich, ob sie den Spuk, der diesen Ort heimsucht, für immer erlegen könnten. Bis jetzt wurde die Geschichte seltsamerweise geheim gehalten – ich denke, niemand von uns wollte daran glauben. Seit der Zeit von Coinneach dem Starken in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ist Kildrummie mit diesem Fluch belegt. Alle dreiundzwanzig Jahre traf ein furchtbarer Schicksalsschlag die Familie, immer etwa sechs Monate, nachdem die Augen erscheinen.“

„Die Augen?“