Shivering Skies - Cassia Bieber - E-Book

Shivering Skies E-Book

Cassia Bieber

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Beschreibung

GÜNSTIGER EINFÜHRUNGSPREIS. NUR FÜR KURZE ZEIT! Dramatische New Adult Romance Sie hat ein Geheimnis, das wie ein Sturm über ihrer Liebe schwebt. Für Leser:innen von Sarah Stankewitz und Tillie Cole »Noch nie hatte jemand so viel Macht über mich wie du.« Sein Atem strich warm über meine Haut. »Du könntest mich zerstören. Und ich habe nichts mehr, womit ich mich schützen kann.« Nachdem ihre Mutter an einer erblichen Krankheit gestorben ist, hat sich die aufstrebende Songwriterin Eva in den Tiefen der Trauer verloren. Gefangen in einem Sog aus Trauer, hält sie sich ein Jahr später mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Auch ihr Zwillingsbruder leidet unter dem Verlust und um ihm zu helfen, zieht Eva gemeinsam mit ihm nach Irland, wo sie in dem Pub ihres Onkels arbeiten. Dort lernt sie den charmanten und gutaussehenden Sänger Riley kennen. Mit ihm kann Eva wieder lachen und findet langsam ihre Inspiration zurück. Doch Eva verbirgt ein Geheimnis, das ihre Liebe für immer zerstören könnte …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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© Piper Verlag GmbH, München 2026

Redaktion: Larissa Krusche

Covergestaltung: Florin Sayer-Gabor – www.100covers4you.com

Covermotiv: Unter Verwendung von Grafiken von Adobe Stock

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

MOTTO

Triggerwarnung

Glossar irischer Sätze

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Epilog

Danksagung

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

MOTTO

Für meine Mama.Eine Krankheit definiert nicht, wer du bist. Te amo.

Triggerwarnung

»Shivering Skies« befasst sich mit Themen rund um Krankheit, Tod und Verlust. Die Inhalte sind emotional herausfordernd und könnten für manche Leser*innen belastend sein. Bitte achte auf dich beim Lesen.

Glossar irischer Sätze

Liste irischer Sätze, die in diesem Roman vorkommen

Dia duit: Hallo oder wörtlich „Gott sei mit dir“.

Amhránaí: Sänger.

Eejit: Dummkopf.

Dub: Eine Person, die aus Dublin kommt.

mí ádh: Unglück oder Missgeschick.

Gabh mo leithscéal: Entschuldigung.

Sláinte: Prost oder wörtlich „Gesundheit“.

Conas atá tú?: Wie geht es dir?

Níl mé ródhona: Es geht mir ganz okay.

Buíochas le Dia!: Gott sei Dank!

Ní thuigim: Ich verstehe es nicht.

Tá mé go maith: Mir geht es gut.

Gardaí: Die irische Polizei (Garda Síochána).

go raibh maith agat: Danke.

Is ceol mo chroí thú:Du bist die Musik meines Herzens.

Is tú mo ghrá: Du bist meine Liebe.

Athbhliain faoi mhaise: Frohes neues Jahr.

Kapitel 1

Eva

Auf der Türschwelle des Captain Jack’s schwankte ich zwischen dem Wunsch nach einem eiskalten Guinness und der brennenden Angst, mein Bruder würde das gemietete Auto zu Schrott fahren, während er nach einem Parkplatz suchte. Ich atmete tief ein und schaute in den menschenleeren Pub. Vielleicht sollte ich ab jetzt darauf vertrauen, dass Angelo sich wirklich einmal wie ein Erwachsener benehmen konnte, den ich nicht ständig vor sich selbst retten musste. Und wenn er es schaffte, in einem kleinen irischen Dorf für Chaos zu sorgen, dann gab es für uns beide ohnehin keine Rettung mehr.

Ich schob den Träger meines hellgrünen Kleides auf meiner Schulter zurecht, ging durch die geöffnete Tür in den schwach beleuchteten Raum und folgte dem sanften Klang der Fiddle. Der Geruch von Bier, billigem Parfüm und Frittierfett schwebte in der Luft und weckte vergessene Erinnerungen in meinem Kopf. Glückliche Erinnerungen.

Ich schlenderte hinein, mein Blick wanderte über die blechernen Wappen an den Wänden, die dunklen Ebenholzbalken und die imposante Sammlung von Spirituosen hinter der Theke. Auch wenn es erst zehn Uhr morgens war und Gäste normalerweise erst in einer halben Stunde eingelassen wurden, müsste Onkel Jack bereits hier sein. Vielleicht sollte ich einfach seinen Namen rufen, aber allein bei der Vorstellung kam ich mir seltsam vor.

Während ich meine Umhängetasche vor meinen Bauch zog, überlegte ich, ob ich ihn anrufen sollte. Als ich mich mit dem Rücken an den Tresen lehnte, erklangen plötzlich Schritte hinter mir. Ich drehte mich um und sah einen Mann, der durch die Tür neben dem Spirituosenregal schlüpfte.

»Dia duit«, begrüßte er mich und trat ins Licht der Hängelampe.

Er hatte braunes Haar, das an den Seiten kürzer war und ihm oben in wilden Wellen über die hellbraunen Augen fiel. Unter seiner markanten Nase zeichneten sich volle Lippen ab, die sich zu einem schiefen Lächeln verzogen. Ein Lächeln, das sicher schon so manche Frau dazu verleitet hatte, ihm ihre Telefonnummer zu geben. Das war die Art von Mann, die ich nie im Leben als Mitarbeiter des Captain Jack’s erwartet hätte. Der letzte Barkeeper, der für meinen Onkel gearbeitet hatte, war Mitte sechzig gewesen, hatte einen Bierbauch und weniger Zähne als mein Großvater.

»Ich spreche kein Irisch«, sagte ich. Natürlich hatte ich seine Begrüßung verstanden, aber ich wollte ihn nicht dazu ermutigen, bei der Sprache zu bleiben, die mein Vater mir seit meiner Geburt erfolglos beizubringen versuchte.

Er zog seinen zweiten Mundwinkel ebenfalls nach oben, zeigte ein Grübchen in seiner rechten Wange und legte beide Unterarme auf den Tresen, sodass sich sein abgetragenes grünes T-Shirt um seinen muskulösen Bizeps spannte. »Amerikanerin?«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich bin hier geboren.«

»In Wicklow?«

»Árainn.«

Lässig umrundete er den Tresen und kam auf mich zu, blieb nur eine Armlänge von mir entfernt stehen. Unwillkürlich glitt mein Blick über den Bund seiner Hose. Ich würde die gesamten Rechte an meinem einzigen veröffentlichten Song darauf verwetten, dass sich unter seinem T-Shirt ein Sixpack verbarg, das Shawn Mendes vor Neid erblassen lassen würde.

»Und du sprichst kein Irisch?«, fragte er.

Ich bemühte mich, ihn nicht anzustarren, als wäre er das Keyboard, das ich mir zum Geburtstag gewünscht hatte. »Verhörst du alle Kunden, bevor sie bestellen dürfen?«

Sein unverschämtes Lächeln wurde noch breiter. »Sorry, ich bin nur neugierig.«

»Warum?«

»Weil jemand, der auf den Aran-Inseln geboren wurde, normalerweise Irisch spricht. Und …« Er kam einen Schritt näher. »Weil ich noch nie eine Frau mit so schönen Augen gesehen habe.«

I Knew You Were Trouble von Taylor Swift lief in Dauerschleife in meinem Kopf.

Ich verkniff mir ein Augenrollen und verschränkte die Arme vor der Brust. »Von einem Iren hätte ich einen originelleren Anmachspruch erwartet.«

»Das ist kein Anmachspruch, deine Augenfarbe ist wirklich einzigartig. Dieses Meergrün mit …« Er beugte sich so nah zu mir, dass ich seinen Duft nach Bergamotte und etwas Herbem förmlich einatmen konnte, bevor er sich wieder zurückzog und die Hände in die Hosentaschen steckte. »Mit diesen braunen Sprenkeln darin.«

Seine Anmerkung klang sachlich, trotzdem lösten seine Worte ein Flattern in meinem Bauch aus. »Hört sich aber verdammt nach einem Anmachversuch an.«

»Wenn ich dich anmachen wollen würde, würde ich dich fragen, ob deine Eltern Diebe waren.«

»Diebe?«

Er legte den Kopf schief, sodass ihm die Haare in die Augen fielen. »Weil sie den schönsten Stern vom Himmel gestohlen und in deinen Augen versteckt haben.«

Ich presste kurz die Lippen aufeinander, um mir das Lachen zu verkneifen. »Mann, echt lausig der Spruch.«

»Ich habe meine Telefonnummer verloren, kann ich mir deine ausleihen?«

»Oh, heilige St. Brigid«, sagte ich und konnte den belustigten Klang in meiner Stimme nicht verbergen.

»Ich bin so miserabel im Bett, das musst du unbedingt erlebt haben.«

Jetzt lachte ich doch. »Stopp.«

»All diese Kurven und ich ohne Bremsen!«

»Bitte.« Jetzt grinste ich so breit, dass meine Wangen schmerzten.

»Möchtest du mal etwas sehr Schönes sehen?« Er beugte sich über den Tresen, holte ein Handy hervor und drehte es zu mir. Die Frontkamera war an und zeigte mich selbst. Wieder lachte ich leise. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal gelacht?

»Wenn du lachst, siehst du noch schöner aus«, murmelte er.

Ich atmete stockend ein. »Der war nicht so lustig wie die anderen.«

»Sollte er auch nicht sein.« Seine Miene war ernst und etwas in der Art, wie eindringlich er mich ansah, ließ einen warmen Schauer über meinen Rücken tanzen.

Er räusperte sich und steckte das Handy in die Hosentasche. »Ich muss den Pub jetzt öffnen und habe heute Abend einen Auftritt. Aber wenn du möchtest, kann ich gegen Mittag Schluss machen und dir die besten Geheimtipps in Wicklow zeigen. Keine Touristenfallen, sondern meine persönlichen Lieblingsplätze. Falls du aber ohnehin länger hierbleibst, kannst du mir auch einfach deine Nummer geben und wir treffen uns, wenn ich mehr Zeit habe. Ich verspreche auch, die Anmachsprüche bleiben zu lassen.«

»Einen Auftritt?«

Etwas wie Stolz stahl sich in seine braunen Augen und er straffte die Schultern. »Ich bin der Frontsänger einer Band. Love Survivors. Vielleicht hast du von uns gehört.«

Ich schüttelte den Kopf.

»Ich würde den Auftritt für dich absagen.« Er sprach, als würde er damit den Weltfrieden erreichen.

»Geht das so einfach?«

»Meine Band würde meine Leber zum Frühstück verspeisen, aber wenn du nur heute in der Stadt bleibst, will ich meine Chance nicht verpassen.«

»Deine Chance worauf?« Ich verschränkte die Arme vor der Brust und legte amüsiert den Kopf schief.

Er zeigte wieder sein Grübchen mit einem breiten Grinsen. »Die Chance, dir die besten Seiten von Wicklow zu zeigen.«

Ich rieb mir lächelnd die Stirn.

»Wie lange bleibst du hier?«, fragte er. »Wenn du länger als einen Tag in der Stadt bist, könntest du auch mit meiner Band und mir nach Dublin kommen. Wir fahren gegen Nachmittag los und spielen dort in einem kleinen Club.«

Ich kaute einen Augenblick auf meiner Unterlippe herum. Normalerweise wäre eine solche Einladung komplett verrückt. Welche halbwegs normal denkende Frau würde schon mit einem Typen, den sie gerade erst kennengelernt hat, zu einem Auftritt an einen unbekannten Ort fahren? Aber allein die Vorstellung, wieder Musik zu genießen und all meine Sorgen für einen Moment vergessen zu können, ließ mein Herz höherschlagen. Allerdings war da auch noch Angelo und ihn in einen Club mitzunehmen, kam nicht infrage. »Ich-«

»Dieser verfluchte Linksverkehr bringt mich noch um den Verstand!«

Reflexartig schaute ich zu meinem Bruder, der die Gläser seiner Brille an seinem T-Shirt abputzte, während er eintrat.

»Wir haben geschlossen«, sagte der Barkeeper. Sein Tonfall klang leicht genervt.

Angelo blieb stehen, setzte die Brille auf und schaute irritiert zwischen Onkel Jacks Angestelltem und mir hin und her. »Trotzdem haben Sie schon einen Gast.«

Ich kniff die Augen zusammen. Wieso formulierte er es so, als würden wir uns nicht kennen?

»Sie ist eine Freundin.«

Mein Bruder kam näher, ein schelmisches Grinsen im Gesicht. »Dann können wir ja alle Freunde werden und Guinness trinken. Ich bin sicher, die hübsche Dame hier freut sich über etwas Gesellschaft.«

In den Augen des Barkeepers blitzte es gefährlich auf und die Zornesfalte, die sich zwischen seinen Augenbrauen vertiefte, ließ ihn sowohl bedrohlich als auch anziehend wirken. Normalerweise hätte jeder Mensch, der einem großen Mann mit so einem Blick begegnete, schnell das Weite gesucht. Aber nicht mein Bruder Angelo.

»Ich glaube nicht, dass sie-«

»Da seid ihr ja«, trällerte eine männliche Stimme.

Ich schaute zu Onkel Jack, der mit einem schweren Jutesack über der Schulter hereinkam und ihn auf einem Tisch absetzte. Mit ausgebreiteten Armen kam er auf uns zu.

»Hey, Onkel Jack«, sagte Angelo und ließ sich in eine herzliche Umarmung ziehen.

Jack lehnte sich zurück, hielt Angelos Gesicht für einen Moment in beiden Händen und sah ihm mit verschleiertem Blick tief in die Augen, als könne er den Schmerz darin lesen, den mein Bruder so verzweifelt zu verbergen versuchte. Angelos ehrliches Lächeln verblasste. Onkel Jack senkte den Kopf und ließ meinen Bruder los, um sich mir zuzuwenden. Er umarmte mich und sein vertrauter Geruch nach Meer und Lebensfreude stiegt mir in die Nase, während sich ein Kloß in meinem Hals bildete. Ich schluckte schwer.

»Du siehst wunderschön aus«, sagte er.

»Danke.«

»Du bist nicht der Einzige, der das bemerkt hat.« Angelo presste die Lippen aufeinander und schien sich ein Grinsen verkneifen zu wollen.

»Natürlich nicht. Dieses Lächeln hat bestimmt einigen jungen Männern in Boston den Kopf verdreht.« Onkel Jack ließ mich los und legte die Stirn in Falten. »Oder meinst du etwas anderes?«

»Genau das meint er«, winkte ich schnell ab und warf einen kurzen Blick zu dem gut aussehenden Barkeeper, der sich lässig mit dem Rücken an die Theke gelehnt hatte und das Gespräch scheinbar interessiert verfolgte.

»Das sind die Kinder deiner Schwester?«, fragte er und starrte mich dabei die ganze Zeit an.

Mein Onkel hob eine Augenbraue, schaute zu seinem Angestellten und wieder zu mir. »Eva, Angelo, das ist Riley. Er wird euch einarbeiten und für die Hochsaison vorbereiten.«

Ich brauchte keine Einarbeitung, sondern musste dringend einen Weg finden, wie ich der Versuchung widerstehen konnte, mich von diesem Mann rumkriegen zu lassen. Er schien genau mein Typ zu sein – der süße Musiker, der zwar unglaublich nett war, aber sicher nichts Ernstes von mir wollte. Doch wir würden zusammenarbeiten und ich konnte nicht riskieren, dass es zwischen uns peinlich würde. Für dieses Lächeln würde ich zwar einen Walk of Shame in Kauf nehmen, aber nicht, wenn mein Onkel dabei zusehen müsste.

»Als du über Kinder geredet hast, habe ich tatsächlich an Kinder gedacht.«

Onkel Jack verzog den Mund und schaute Riley an, als hätte er gerade gesagt, dass er den St. Patricks Day an Halloween feiern wollte. »Wie sollen dir Kinder im Pub helfen?«

»Dass ich Hilfe bekomme, ist mir neu.«

»Oh, habe ich das nicht erwähnt?«

»Wir haben aber nicht viel Erfahrung, also sind wir vermutlich keine große Hilfe«, sagte ich.

Riley richtete seinen Blick wieder auf mich und zwinkerte mir zu. »Ich habe das Gefühl, dass wir einander sehr wohl helfen werden. Auf die eine oder andere Weise.«

Die Art, wie er diese simplen Worte aussprach, fühlte sich wie der heißeste Flirt meines Lebens an und meine Kehle war so trocken wie noch nie.

»Dann können wir jetzt ja Freunde werden«, sagte Riley zu meinem Bruder, stieß sich von der Theke ab und ging auf das Spirituosenregal zu.

»Nein, danke.« Angelo grinste. »Ein Pint hätte ich aber gerne.«

Ich verdrehte die Augen.

»Kein Alkohol für dich, Junge.« Onkel Jack sah meinen Bruder auf eine Art an, die ihm gleichzeitig Respekt und Angst einzujagen schien.

»Ich bin 21.«

»Meine Bar. Meine Regeln.«

Riley gab einen Laut von sich, der fast wie ein Lachen klang.

»Für dich habe ich auch eine Regel, Amhránaí.« Onkel Jack sah weiterhin Riley an, zeigte aber mit dem Daumen auf mich. »Denk nicht im Traum daran, sonst fliegst du raus.«

Ich fragte mich, was das irische Wort bedeutete und warum sich alle Männer im Raum verhielten, als wäre ich nicht anwesend oder könnte nicht für mich selbst sprechen. Die Behauptung, dass ich niemals etwas mit einem Arbeitskollegen anfangen würde, brannte auf meiner Zunge. Aber als ich Rileys Blick auffing und er mir dieses unverschämt charmante Lächeln zuwarf, fragte ich mich unwillkürlich, ob das wirklich die Wahrheit war.

Kapitel 2

Riley

Mit geschlossenen Augen stand ich hinter dem Bühnenvorhang, ließ die Akkorde der Gitarre, den dröhnenden Bass und das pulsierende Schlagzeug unter meine Haut kriechen, bis meine Herzschläge sich dem Pochen der Bassdrum anpassten. Ich hielt die Luft an.

Atme.

Ich schlug meine Lider auf, trat auf die Bühne und stellte mich vor mein Keyboard. Das gleißende Licht der Scheinwerfer bohrte sich in meine Augen, verwandelte die Menschenmenge vor mir in eine dunkle, wogende Welle, und ich war bereit, in ihrer Ekstase zu ertrinken. Sie durch meine eigenen Adern fließen zu lassen. Meine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, mein Puls dröhnte in meinen Schläfen und ich ließ meine Finger über die Keyboardtasten schweben. Die Spitzen meiner Sneakers stießen sachte gegen die Pedale meines Keyboards, und ich warf Reed einen kurzen Blick zu, der an den Saiten seiner Gitarre zupfte. Meine Band hinter mir verwandelte sich in reine Töne und mein Mund berührte beinahe das Mikrofon.

Die Menge verstummte.

Das leise Klicken des Metronoms kroch durch meine In-Ear-Kopfhörer, erfüllte jede Ecke meines Seins.

Eins.

Zwei.

Eins, zwei, drei, vier.

Ich tauchte ein in die Musik.

»Wow, Riley!« Moods hysterisches Lachen hallte durch den klammen Backstage-Raum, vermischte sich mit dem leisen Summen der Band, die nach unserem Auftritt die Bühne betreten hatte. Mit einem schiefen Grinsen ließ er sich in einen staubigen Sessel fallen und fuhr sich durch die roten Locken. »Wo ist die Tussi, die oben ohne in der ersten Reihe getanzt hat? Ich dachte, sie würde schon längst auf deinem Schoß sitzen.«

Ich ließ meine Bierflasche zwischen den Fingern baumeln, betrachtete mein Keyboard, das in seinem Case an der Couch lehnte. »Ich weiß nicht, wovon du redest.« Meine Stimme klang so kraftlos, wie ich mich fühlte. All die Energie, die durch meinen Körper pulsiert war, war auf der Bühne geblieben. Zwar fühlte ich mich noch berauscht vom Auftritt, doch meine Beine waren taub vor Erschöpfung. Jetzt, im schäbigen Backstage-Raum, hatte ich nur noch genug Elan, um nicht völlig in mich zusammenzusinken.

»Du weißt nicht, wovon ich rede?!«

Jade kam auf mich zu, setzte sich auf meinen Schoß und schlang die Arme um meinen Hals. Ich erstarrte wie eine verdammte Statue.

»Riley ist, seit wir ihn abgeholt haben, komplett abgelenkt«, sagte sie, als würde sie erzählen, was sie im Supermarkt eingekauft hatte, nahm mir das Bier aus den Händen und trank es leer. »Es hat mich schon gewundert, dass er überhaupt singen konnte.«

Normalerweise war Jades Stimme die Einzige, die ich unmittelbar nach einem Auftritt hören wollte. Sie rügte die Jungs, wenn sie über die Stränge schlugen, und erdete uns, wenn die kreischende Menge vor der Bühne danach verlangte, dass wir den Boden unter den Füßen verloren. In der Regel störte es mich nicht, wenn sie meine Chips aß oder aus meiner Flasche trank. Doch heute fragte ich mich, was zur Hölle sie auf meinem Schoß zu suchen hatte. Jade ließ kaum Berührungen zu und vor der Band fasste sie mich in der Regel nur an, wenn es unbedingt nötig war.

»Abgelenkt? Wenn ich auf Jungs stehen würde, hätte ich ihm meine Genitalien vor sein Gesicht gehalten, so überragend hat er gesungen«, sagte Mood und warf sich eine Handvoll Erdnüsse in den Mund.

Jade gab ein würgendes Geräusch von sich und wand sich auf meinem Schoß hin und her. Ihre hautengen Leggings ließen kaum etwas der Fantasie übrig, und die Art, wie sie ihre Finger um meine verschwitzten Haare wickelte und ab und zu leicht daran zupfte, erhitzte unwillkürlich mein Blut. Ein Instinkt, den ich leider nicht abstellen konnte und dem ich nur zu gerne nachgegeben hätte, hätten wir nicht bereits miteinander geschlafen. Sie war damit einverstanden gewesen, dass es eine einmalige Sache bleiben würde. Warum also wollte sie es jetzt komplizierter machen, als es sein musste?

»Du dagegen hast dich einmal verspielt«, sagte Mood. In der Sekunde, in der die Worte seinen Mund verließen, weiteten sich seine Augen.

Abrupt stand Jade auf. »Ich habe mich was?!«

»Ich meine …« Mood zog sein Bass auf den Schoß, als wäre das Instrument ein Schild, das er nutzen konnte, um sich vor ihr zu schützen.

»Wo ist Reed?«, fragte ich halb, um sein Leben zu retten, halb, weil ich keine Lust auf ihre Streitigkeiten hatte.

Jade war die beste Schlagzeugerin, die ich kannte, aber wenn es um ihre Musik ging, war ihr Selbstbewusstsein so groß wie eine Ameise. Nicht nur einmal hatte ich ihr gesagt, sie sollte sich nicht jede Kritik zu Herzen nehmen. Vor allem, wenn die Kritik so unberechtigt war. Aber ich hatte einfach keine Lust, mich zu wiederholen.

»Im Hinterhof. Er braucht frische Luft«, antwortete sie, ohne mich anzusehen.

»Ich schaue nach ihm«, erwiderte ich und stand auf.

Sie drehte sich um. Ihr Blick huschte von der Couch zu mir und ich las in ihren blauen Augen, dass sie sich wünschte, ich würde mich wieder hinsetzen. Um mich weiter zu reizen, mich verrückt zu machen, bis ich Mood rausschmiss und sie um den Verstand küsste.

Was habe ich getan?

»Warum? Er kommt bestimmt in ein paar Minuten zurück. Wir müssen sowieso die Instrumente in den Van laden«, sagte sie.

Ich schnappte mir das Case mit dem Keyboard. »Dann bringe ich das hier schon mal in den Wagen und komme gleich wieder.«

Ich wartete nicht auf ihre Proteste, hoffte auch, dass sie mir nicht nachging, und lief in Richtung Parkplatz. Mit der flachen Hand stieß ich die Metalltür auf und trat hinaus. Kühle Abendluft strömte in meine Lungen, ich atmete durch, und hieß die feinen Regentropfen willkommen, die auf mein Gesicht rieselten. Doch ein schmatzendes Geräusch vom Parkplatz kommend, riss mich aus meiner Ruhe. Ich schaute zur Seite und entdeckte meinen besten Freund, der sich so innig mit seiner Freundin verband, dass ich unwillkürlich an Venom denken musste und daran, wie sich die außerirdische Kreatur mit Spiderman verschmolzen hatte.

Normalerweise würde ich unbemerkt an ihnen vorbeischleichen und mein Keyboard in den Van laden. Doch Reed lehnte mit dem Rücken an unserem Wagen, hielt seine bessere Hälfte fest und schien nicht gewillt, die Knutscherei zu beenden.

Ich lehnte mein Keyboard-Case an die Wand neben der Metalltür und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich weiß nicht, wie du ihn anfassen kannst, ohne zu würgen, Anh. So viel kann nur Reed schwitzen«, sagte ich.

Reed unterbrach den Kuss, seine Hände wanderten von Anhs Hintern auf ihre Taille und er lehnte sich zur Seite, um mich anzusehen. »Siehst du nicht, dass wir beschäftigt sind?«

Anh warf mir nur einen kurzen Blick über die Schulter zu, ihre Wangen glühten feuerrot. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie eine so schüchterne, zurückhaltende und so kluge Medizinstudentin wie sie mit Hohlköpfen wie uns unterwegs sein konnte. Spätestens bei unserem betrunkenen Bobbycar-Wettrennen hätte sie mit Reed Schluss machen sollen. Nicht, dass Reed nicht gut genug für sie wäre. Es war nur so, dass Anh diszipliniert war und Reed das pure Chaos. Aber vielleicht hatte er recht, und es war einfach Liebe. Liebe konnte man mir nicht wie Musiknoten erklären. Ich würde sie nie verstehen.

»Sorry, wir müssen aufbrechen«, sagte ich.

Er seufzte, presste Anh einen zärtlichen Kuss auf die Stirn und zog sie sanft zur Seite, um die Tür des Vans zu öffnen.

Etwas an diesem Kuss war anders. Weniger Geilheit, mehr Gefühl. Für einen kurzen Moment fragte ich mich, ob ich darüber etwas schreiben könnte. Songs über Liebe wären sicher eine willkommene Abwechslung zu meinem schmerzerfüllten Repertoire. Doch wie sollte ich über etwas komponieren, das ich selbst nicht empfinden konnte?

»Kriegen sich Jade und Mood wieder in die Haare?«, fragte Reed.

Ich schüttelte meine wirren Gedanken ab, verstaute mein Keyboard-Case im Van und lehnte mich mit dem Rücken an die Karosserie. »Er hat gesagt, dass sie sich verspielt hat.«

»Das hat sie aber nicht. Mood hat allerdings einmal seinen Einsatz verpasst«, sagte Anh.

Jap. Eine hübsche Medizinstudentin, die eine Menge von Musik verstand. Reed hatte den Jackpot geknackt und ich wäre neidisch, wenn ich eine Beziehung wollen würde.

»Genau. Das hätte sie wissen müssen«, erwiderte ich.

»Hast du ihr das gesagt?«, fragte Reed, umarmte Anh von hinten und presste ihr einen Kuss auf den Hals.

Sie errötete erneut und senkte schüchtern den Blick. Ich konnte förmlich spüren, was sie füreinander empfanden. Es war, als würde ich an einer Feuerstelle stehen und die Wärme über meine Haut streichen lassen. Nur fast. Denn Gefühle konnten nicht so einfach übertragen werden, und ich bezweifelte, dass ich mit der Fähigkeit geboren war, so etwas Tiefes zu empfinden. Mein Leben wäre wahrscheinlich leichter, wenn ich mich in Jade verlieben könnte. Wir mochten das Gleiche, kannten uns seit dem Kindergarten und atmeten Musik. Doch nach unserem Kuss hatte ich nichts empfunden, und auch nachdem wir miteinander geschlafen hatten, war mein Herz taub geblieben. Vielleicht besaß ich einfach keins.

Ein tiefer Seufzer entrang sich meiner Kehle. »Ich bin heute im Arschloch-Modus.«

Anh warf Reed einen skeptischen Blick zu, stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte einen sanften Kuss auf seine Wange, bevor sie zurück in den Club ging. Vermutlich kommunizierten sie jetzt telepathisch. Wie Venom und Professor X.

Reed öffnete den Mund, schloss ihn dann für einen kurzen Moment wieder und vergrub die Hände in den Hosentaschen. »Was ist los mit dir? Du bist schon die ganze Zeit komisch drauf. Merkwürdiger als sonst.«

»Keine Ahnung. Zu viele Comics gelesen, glaube ich.«

»Hör auf zu spinnen und sag, was Sache ist.«

Wie viel durfte ich meinem Freund erzählen, ohne wie ein zynischer Arsch zu klingen? »Ich glaube, Jade erwartet mehr von mir, als ich ihr geben kann.«

Er fluchte, fuhr sich durch die schweißnassen Haare. »Wirklich? Das merkst du erst jetzt?«

»Sie hat sich vorhin auf meinen Schoß gesetzt.«

Er riss die Augen auf. »Sie hat dich vor anderen Menschen angefasst?!«

Ich war am Arsch.

»Ich habe ihr monatelang gesagt, dass ich nichts Ernstes will. Sie wusste also, worauf sie sich einlässt.«

»Sogar ich wusste, dass sie den Fluch brechen wollte, der dich daran hindert, die gleiche Frau mehr als einmal mit in dein Bett zu nehmen.«

Verdammter Fehler. Aber solange sie das Thema nicht ansprach, würde ich an der Hoffnung festhalten, dass wir Freunde bleiben konnten und ich keine neue Schlagzeugerin suchen musste. »Es tut-«

»Hat das mit Jacks Nichte zu tun?«, fragte Reed.

Mein Blick schnellte zu ihm. »Was?«

Reed wartete eine Sekunde länger als nötig und rollte kurz mit den Augen, bevor er mich ansah. »Eine Freundin zu haben, hat mich nicht blind gemacht.« Er zog eine Zigarette aus seiner Gesäßtasche und schob sie zwischen seine Lippen. »Ich habe sie gesehen, als wir dich im Pub abgeholt haben.«

»Woher weißt du, dass sie Jacks Nichte ist?«

»Goldbraune Haut, grüne Augen, lockige Haare.« Er zuckte mit den Schultern. »Ich habe Jack gefragt, du Trottel.«

Ich räusperte mich, wappnete mich auf die Sei-kein-Arsch-Rede, die kommen würde. »Vielleicht finde ich sie süß.«

»Sie ist Jacks Nichte.«

»Das ist mir bewusst, Eejit.«

»Wenn du sie verletzt, helfe ich ihm, deine Leiche zu vergraben«, sagte er und hob die Hände empor. »Du weißt, wie viel ihm seine Familie bedeutet.«

»Ich will niemanden verletzen. Sie ist nur …«

»Hübsch?«

Ja. Sie hat verdammt heiße Kurven, schien humorvoll zu sein und die Tatsache, dass sie eine verbotene Frucht war, reizte mich. Aber da war noch etwas. Etwas, das ich nicht erklären konnte. Oder vielleicht war es nur Einbildung. »Ich denke schon den ganzen Tag an sie. Sie hat so strahlende Augen, aber auch so ein trauriges Lächeln.«

»Verstehe. Sie ist heiß, hat ein trauriges Lächeln und bleibt nicht lange genug, um mit dir eine Beziehung anfangen zu können. Die perfekte Beute.« Abermals seufzte er. »Vergiss sie. Du hast sie erst heute kennengelernt. Vielleicht hasst sie Musik, hat eine Vorliebe für eingelegte Gurken oder findet dich ekelhaft.«

Ich dachte daran, wie sie über meine flachen Witze gelacht und meinen Blick festgehalten hatte. »Sie findet mich überhaupt nicht ekelhaft.«

Er schnaubte. »Dann findet sie dich gut. Genau wie Jade.«

Ich schluckte. Bisher hatte ich mich nur auf Frauen eingelassen, die ich danach nie wieder sehen würde oder denen ich aus dem Weg gehen konnte. Jade war ein Fehler, den ich nicht wiederholen sollte. Ich konnte ihn zwar damit rechtfertigen, dass ich nicht klar hatte denken können, als sie in meiner Wohnung übernachtet hatte und mitten in der Nacht nackt zu mir ins Bett gekrochen war. Aber das war ihr gegenüber nicht fair, denn es war verdammt schwach von mir, nicht an die Konsequenzen zu denken. Tief in mir hatte ich gewusst, dass sie zwar behauptete, mich zu verstehen, am Ende aber doch mehr von mir wollen würde, und ich ihr Herz brechen würde.

Keine Ahnung, ob Eva der Typ Frau war, die ebenfalls keine Beziehung wollte. Doch ich sollte nicht einmal daran denken, es herausfinden zu wollen, denn ich konnte meinen Job nicht riskieren. Die Gigs, die wir bekamen, reichten noch nicht, um meine Miete zu zahlen, und in keinem anderen Pub hatte ich je so gut verdient wie im Captain Jack’s.

»Jack hat gesagt, er schmeißt mich raus, wenn ich mich an sie heranmache«, fuhr ich fort.

»Noch ein Grund, um deinen Schwanz in der Hose zu lassen«, sagte Reed und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ich rieb mir den Nacken und starrte meine Füße an. »Ich weiß.«

»Such dir einfach eine andere. Dann denkst du nicht mehr an sie.«

»Ich meine nur-«

Die Metalltür wurde aufgestoßen, knallte mit voller Wucht gegen die Backsteinwand und sowohl Reed als auch ich zuckten zusammen. Hinaus trat Jade, die ihre Bassdrum in den Händen und Wut in den Augen trug. »Könnt ihr bitte dem Nuss-Hirn helfen, den Rest des Schlagzeugs ins Auto zu bringen? Für mich ist der Abend gelaufen.«

Reed warf mir einen warnenden Blick zu, der sagte, ich solle mich wieder einkriegen und Jade nicht noch weiter reizen. Wahrscheinlich überlegte er bereits, was zu tun war, wenn sie unseren One-Night-Stand zur Sprache brachte und sich danach gegen die Band entschied. Also folgte ich ihm schweigend in den Backstagebereich und hielt den ganzen Weg zurück nach Wicklow den Mund. Auch wenn ich es hasste, Reed recht zu geben, sollte ich Eva einfach in Ruhe lassen. Vermutlich würde ich sie nach ein paar Tagen nicht mehr so bezaubernd finden und wir könnten ein gutes Team im Pub abgeben.

Kapitel 3

Eva

Ein dumpfes Pochen weckte mich aus einem unruhigen Schlaf. Mit schweren Lidern setzte ich mich auf und schaute blinzelnd zum Wecker. Drei Uhr morgens.

Poch.

Poch.

Poch.

Nicht schon wieder.

Seufzend schlug ich die warme Bettdecke zurück, schwang meine Beine aus dem Bett und stellte mich mit nackten Füßen auf den kühlen Holzboden. Der Regen prasselte unerbittlich gegen die Fensterscheibe, begleitet von einem kalten Wind, der durch die Ritzen pfiff und mir eine Gänsehaut bescherte.

Ein schrilles Geräusch, wie das Kratzen von Nägeln auf einer Tafel, durchdrang die Dunkelheit. Ich eilte aus meinem Zimmer. Ein beißender Geruch von Ammoniak drang mir in die Nase, und mit den Fingerspitzen tastete ich nach dem Lichtschalter im Flur. Nichts. Vielleicht ein Stromausfall. Die Sicherung konnte schon wieder kaputt sein.

Ich wartete einen Moment, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, ließ meine Hand über das Treppengeländer gleiten und folgte dem schwachen Schein der batteriegetriebenen Lichterkette, die den Weihnachtsbaum im Wohnzimmer erhellte.

»Jilly?«

Moms Stimme sollte mich beruhigen, bestätigte aber meine Angst, dass sie diejenige war, die den Lärm verursachte. Schon wieder.

In der Küche polterte es. Ich zuckte zusammen. »Mom?«

»Jilly? Bist du das?«

Bitte nicht schon wieder.

Als ich den Türrahmen der Küche erreichte, zog sich mein Herz zusammen. Meine Mutter saß auf dem Boden und klopfte mit einer flackernden Taschenlampe darauf. Ihre Wangen waren gerötet, die Locken umrahmten wild ihr Gesicht. Meine Kehle schnürte sich zu und ich eilte zu ihr. »Mom? Was ist los?«

»Der Lichtschalter funktioniert nicht«, brachte sie mühsam hervor, ihr Atem schnell und flach.

»Das ist nur ein Stromausfall.«

»Ich kann Jilly im Dunkeln nicht finden.«

Kälte sickerte in meinen Magen und ich strich ihr über die Schulter, um sie zu beruhigen, konnte aber meine eigenen Herzschläge nicht normalisieren. »Jilly ist nicht hier, Mom.«

Wieso war immer ich diejenige, die ihr das sagen musste? Wieso musste ich ihr immer wieder das Herz brechen?

»Mach dich nicht lächerlich, Eva.« Sie brachte ein verzweifeltes Lachen heraus, als wäre ich komplett verrückt geworden. »Wo soll deine Schwester schon sein? Sie ist nur ein Baby.«

»Sie ist aber nicht hier.« Ich wollte die Worte nicht noch einmal sagen. Ich konnte ihre Reaktion auf die Realität nicht erneut ertragen.

»Hörst du sie nicht?« Ihr ganzer Körper bebte, während sie sich an der Wand hochzog. »Sie hat bestimmt Angst. Und Hunger. Wir müssen sie finden.«

»Mom, ich bring dich wieder ins Bett.«

»Jilly!« Sie drückte mich zur Seite und schleppte sich an mir vorbei. »Mommy kommt!«

Meine Augen brannten und ich presste meine Lippen aufeinander, um die Worte hinauszulassen, die ich sagen musste.

Jilly war tot. Meine Schwester war schon vor zwanzig Jahren gestorben.

Ich lief in meinem Zimmer auf und ab. Obwohl ich seit Stunden auf den Beinen war, wurde ich den Traum von heute Nacht nicht los.

Durch das Fenster wehte die feuchte Meeresluft, und ich ging darauf zu, öffnete es weiter, um die ersten Sonnenstrahlen des Tages hereinzulassen. Die Kälte strich über meine Wangen und ich zog meinen Cardigan enger um mich, schloss aber die Augen, lauschte dem friedlichen Gesang der Wellen, die nur wenige Meter entfernt gegen die Küstensteine schlugen. Vor einem Jahr hätte ich sofort meinen Notizblock geholt, um alles aufzuschreiben, was mir bei so einer Aussicht in den Kopf kam. Aber mir fiel nichts ein. Seit Monaten inspirierte mich gar nichts mehr.

Ich zupfte an meinem Cardigan, fragte mich, ob es vielleicht noch zu früh war, um wieder zu komponieren. Mein Blick schweifte zu meinem Notizblock und ich suchte in meinem Kopf vergeblich nach Versen, Strophen, Reimen. Was bewegte mich? Was klang besonders? Was würde andere Menschen zum Nachdenken, zum Fühlen bringen?

Der Drang, etwas Bedeutsames zu erschaffen, erstickte mich beinahe. Ich hatte etwas zu sagen. Meine Seele verlangte danach, gehört zu werden. Aber wer würde hören wollen, dass ich jederzeit sterben könnte? Ich wollte auch keinem erzählen, dass mir nicht mehr viel Zeit blieb. Ich wollte über Schönheit, Liebe, Freude schreiben. Über alles, was mir fehlte.

Versuch es.

Mein Puls schlug aus dem Takt, während ich meinen schwarzen Notizblock vom Nachttisch nahm und mich ans Keyboard setzte, das mein Bruder an der Wand aufgestellt hatte. Ein schweres Gefühl machte sich in meiner Brust bemerkbar. Trotzdem ließ ich meine Fingerspitzen über die weißen Tasten gleiten.

Versuch es.

Ich holte tief Luft und presste meine Finger auf die Tastatur. Der Fis-Dur-Akkord legte einen Schalter in meinem Inneren um. Ich schloss die Augen, spielte die Intro-Akkorde von Taylor Swifts „So Long, London“ und ließ all den Schmerz, den dieser Song hervorrief, durch meine Adern strömen. Meine Brust fühlte sich eng an und mit dem h-Moll-Akkord hörte ich auf. Das Lied sprach von einem geliebten Menschen, der nicht genug Liebe zurückgeben konnte. Anstatt Liebe zu spüren, nagte nur der Verlust an meinen Knochen. Ich brauchte einen Song, der mich mehr berührte, mich wieder gemocht fühlen ließ.

In meinem Gedächtnis suchte ich nach den Noten des namenlosen Stückes, das ich vor zwei Jahren komponiert hatte … mit Mom. Und ich spielte es. Es war nicht perfekt, aber es enthielt all die Gedanken und die Liebe, die in einer Truhe eingeschlossen und unter meinem Rippenbogen vergraben waren.

»Wow! So hast du schon lange nicht mehr gespielt«, sagte Angelo.

Meine Hände sanken schwer auf die Tasten, entlockten dem Keyboard einen schiefen Laut, und ich ließ die Luft, die ich vor einigen Sekunden angehalten hatte, raus.

Ich drehte mich auf dem Hocker um und schaute meinen Bruder an. »Leider will ich keine Klavierspielerin sein, sondern Komponistin«, sagte ich und die Traurigkeit in meiner Stimme zog mich selbst herunter.

Angelo kam herein, setzte sich auf mein Bett und schob seine klobige Brille über den Nasenrücken. »Trotzdem wunderschön.«

Ich rang mir ein Lächeln ab. »Was machen wir heute vor der Arbeit? Wir könnten an der Küste spazieren gehen.«

»Wie wäre es, wenn du schon jetzt in den Pub gehst, um mehr Zeit mit dem Barkeeper zu verbringen?« Er wackelte mit den Augenbrauen.

Ich verdrehte die Augen. »Wir werden zusammenarbeiten, uns jeden Tag sehen. Denkst du, dass ich etwas mit ihm anfangen will?«

»Wieso nicht?«

»Hast du unsere Regel vergessen?«

Angelo zuckte mit den Schultern. »Regeln zu brechen, macht Spaß. Außerdem würdest du ihn nicht heiraten. Du genießt den Sommer und wir fliegen im Oktober zurück nach Boston.«

»Wer hat gesagt, dass ich mit ihm schlafen will?« Ich wollte es nicht bestreiten, denn das wäre eine dreiste Lüge. Eigentlich hatte ich unnormal lange gebraucht, um einzuschlafen, und es hatte nicht an dem fremden Bett gelegen, sondern daran, dass Rileys Lächeln mir nicht aus dem Kopf ging. Dennoch musste mein Bruder nichts davon erfahren.

»Oh, bitte. Ich bin nicht blind, Sis.«

»Er hat mich angebaggert.« Ich stand auf, um mich neben Angelo zu setzen. »Nichts Besonderes. Das macht er sicher bei allen Frauen, die dort auftauchen.«

»Kann sein.« Er stieß mich mit der Schulter an. »Aber es kann auch sein, dass er dich mag. Wenn du nicht gerade mega spießig bist, bist du ganz cool.«

Ich war nicht spießig, ich war nur gezwungen, mich erwachsen zu verhalten, weil mein Bruder sich wie ein pubertärer Teenager aufführte.

»Er hat eine Band«, sagte ich und kaute auf meiner Unterlippe herum.

»Und?«

»Ich finde es cool.« Es konnte sein, dass er beim Singen wie eine läufige Katze klang. Zumindest wünschte ich mir das, denn die Herausforderung, mit ihm arbeiten zu müssen, war schon groß genug, ohne, dass er mein Musikerherz höherschlagen ließ.

»Dann lass dich vom Sänger flachlegen.«

»Erstens: Es ist verstörend, wenn ich mit meinem Bruder über Sex rede. Wir sind hier nicht bei White Lotus.« Ich verschränkte die Arme vor der Brust und schaute durch das offene Fenster zum Meer. »Zweitens: Wenn du unbedingt mit mir darüber reden musst, warum muss ich mich von jemandem flachlegen lassen?«

Nicht, dass ich es nicht wollte.

»Wann hattest du das letzte Mal ein vernünftiges Date, das nicht im Restaurant geendet hat?«

Vor fast zwei Jahren.

»Das ist nicht lange her.« Gut, dass ich meinen Bruder nicht ansah, denn er würde sofort erkennen, dass ich dreist log.

»Eva?«

»Ja?«

»Warum sind wir nach Irland geflogen?«

Ich drehte den Kopf wieder zu ihm und die Erinnerung an unsere letzte Woche in Boston schoss mir ins Gedächtnis. »Damit du dich nicht mehr von deinen dämlichen Freunden beeinflussen lässt?«

»Ich bin kein Kind.« Abrupt stand er auf. »Die Entscheidungen, die ich treffe, werden von niemandem beeinflusst.«

»Das bedeutet, dass du selbst auf die bescheuerte Idee gekommen bist, betrunken zu fahren. Das macht die Sache nicht besser.«

Er senkte den Blick. »Das kommt nicht wieder vor.«

»Das hast du schon einmal gesagt.«

Angelo warf kurz die Hände hoch und steckte sie daraufhin in seine Hosentaschen. »Spaß, weißt du noch? Wir wollten Spaß haben und nicht an Mom oder die Krankheit oder meine kindischen Fehler denken.«

»Das klappt nur, wenn du-«

»Rick?!« Eine weibliche Stimme erklang aus dem Flur.

Ich runzelte die Stirn. »Wer ist das?«

»Ähm … Ich weiß nicht, wie sie heißt.«

Die Unverschämtheit in seinem Gesicht trieb mich in den Wahnsinn. »Und wer ist Rick?«

»Der erste Name, der mir eingefallen ist, als ich sie gestern Nacht kennengelernt habe.«

Ich riss die Augen auf. »Wann bist du überhaupt ausgegangen? Wir hatten noch nicht einmal Zeit zum Auspacken.«

»Auspacken ist langweilig.« Er warf einen kurzen Blick zur offenen Tür. »Aber die Blondine in meinem Zimmer kann spannende Sachen mit ihrer Zunge anstellen.«

Mir fehlten die Worte.

Natürlich durfte mein Bruder mit allen Frauen schlafen, die er davon überzeugen konnte. Aber nur durch ein Wunder hatte ich die beiden nicht gehört und das Letzte, was ich mir wünschte, war, alles mitzubekommen, was mein Bruder mit seinen One-Night-Stands trieb. Ich hatte schon genug Vorlagen für Albträume.

»Rick, ich finde nicht …« Die Blondine blieb im Türrahmen stehen und sah mich fragend an. Sie trug nur ein T-Shirt meines Bruders und ihre wilde Mähne stand in alle Richtungen ab. »Hey.«

»Das ist meine Schwester May«, sagte Angelo und deutete mit dem Daumen auf mich.

Sie lächelte und zarte Röte legte sich auf ihre Wangen. »Hallo May.«

»Hi …«

Sie sah kurz zwischen meinem Bruder und mir hin und her, als wartete sie darauf, dass er mir ihren Namen verriet.

»Angela. Ich heiße Angela«, sagte sie schließlich.

Das konnte nicht sein Ernst sein. Wie schaffte es mein Bruder, sich den Namen Angela nicht zu merken?

»Hi, Angela.«

Sie trat von einem Fuß auf den anderen und sah meinen Bruder an. »Kommst du zurück ins Bett?«

»Klar. Ich bin gleich wieder da.«

Ich wartete, bis die Frau verschwunden war, um die Tür anzulehnen. »May?«

Er zuckte mit den Schultern. »Ich mag den Namen.«

»Ich war damit einverstanden, im selben Haus wie du zu wohnen, weil Onkel Jack die Miete übernimmt. Aber wenn ich dazu verdammt werde, von deinem Sexleben mehr zu erfahren als mir lieb ist, schlafe ich lieber im Pub«, flüsterte ich und ging auf ihn zu.

»Das kommt nicht wieder vor.« Sein freches Grinsen strafte seine Worte Lügen. »Sie fliegt heute zurück nach England und ich sehe sie nie wieder.«

»Keine Eroberungen hier im Haus.« Ich marschierte zu meiner Tür und zog sie schwungvoll auf.

»Wir wollten Spaß haben«, sagte Angelo und stand auf.

»Aber du musst nicht alles flachlegen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.«

»Rick, kommst du?«, rief Angela.

Ich verdrehte die Augen. »Geh schon, Rick. Ich frühstücke bei Onkel Jack.«

»Grüß ihn von mir.« Angelo presste mir einen Kuss auf die Stirn. »Und sag dem Barkeeper, dass du bereit bist, sein Groupie zu sein.«

Kapitel 4

Eva

Der Anblick der Ruinen von Black Castle, das Säuseln der Wellen, die ans Ufer plätscherten, und die hügeligen Wiesen, die sich rechts und links von mir erstreckten, luden mich zum Träumen ein. Doch sobald mein Blick die leeren Seiten meines Notizblockes streifte, fand ich mich in meinem persönlichen Albtraum wieder.

»Was reimt sich auf Wiese?«, überlegte ich laut.

Es war echt verdammt originell, über Wiesen zu schreiben, wenn ich davon umgeben war.

Ich setzte mich auf einen großen Felsen und schaute zum Fischerboot, das ein paar Meter von der steinigen Küste entfernt auf dem Wasser hin- und herschwankte. Es trug den Namen »mí ádh«, was so viel wie Unglück bedeutete. Eines der wenigen irischen Wörter, die ich kannte. Der Fischer, der auf dem Boot stand, zerrte lauthals fluchend an den leeren Netzen, als würde er dem Namen seines Kutters alle Ehre machen wollen. Unwillkürlich erinnerte ich mich an Dad, der früher am Esstisch so unbedacht geflucht hatte, dass Mom immer aufs Neue errötet war. Sie hatte nie darüber gesprochen, doch wir hatten genug über die strenge katholische Erziehung gewusst, die sie in Spanien genossen hatte.

Die Erinnerung erwärmte mein Herz und ich sog lächelnd die salzige Luft, die der Wind vom Wasser herantrug, in meine Lungen ein. Doch sobald ich wieder zu meinem Notizblock sah, verging mir die Freude.

»Hey.« Eine männliche Stimme ertönte, gepaart mit dem Geräusch von Schritten.

Mein Blick schnellte von meinem Notizblock hoch und begegnete warmen, braunen Augen. Riley stand vor mir, atmete schwer und seine Haare waren ein schweißnasses Durcheinander.

»Was machst du hier?«, fragte ich und schloss rasch den Block. Lächerlich. Als gäbe es etwas auf den Seiten, das gelesen werden konnte.

Sein Brustkorb bewegte sich schnell und er hob den Zeigefinger, stützte sich dann mit den Handflächen auf den Knien ab.

Wie ferngesteuert glitt mein Blick über seine muskulösen Schultern, seine Arme und das schweißnasse T-Shirt, das sich an seinen durchtrainierten Oberkörper schmiegte. Als er sich wieder aufrichtete, schaute ich zum Fischerboot und ignorierte die Wärme, die meinen Nacken hinaufkroch.

»Das Gleiche könnte ich dich fragen«, sagte er.

»Ich meine nur, dass ich dich hier nicht erwartet hätte.« Ich stand vom Felsen auf und fuhr mir durch die Locken, die vom Wind hin und her geworfen wurden.

Riley nahm einen weiteren tiefen Atemzug und schaute ins unendliche Meer hinaus. »Ich bin bis zum Pier gejoggt und habe dich gesehen. Da dachte ich, ich sag kurz Hallo.«

Ich runzelte die Stirn. »Warum?«

Er lächelte, wobei sich diese süßen Grübchen in seinen Wangen vertieften. »Warum nicht?«

Von meinem Vater und Onkel Jack wusste ich, dass in Irland die meisten Menschen so interessiert waren. Hier antwortete man auf ein »Wie geht es dir?« nicht einfach nur mit »Gut«. Nein, die Erwartung war, dass man sein ganzes Leben hinausposaunte und erzählte, was die ganze Familie in der Woche vorhatte. Aus purem Interesse und Freundlichkeit. Doch Riley sollte eigentlich darauf verzichten, mit mir zu plaudern, nachdem Onkel Jack ihm gedroht hatte, ihn zu feuern, falls er mich anbaggern würde. Es könnte aber sein, dass er wirklich nur nett sein wollte.

»Hallo«, sagte ich. Es klang wie ein »Auf Wiedersehen« und so sollte es auch klingen.

Sein Lächeln verrutschte jedoch kein bisschen. »Hast du hier angefangen?«

»Womit?«

Er deutete mit dem Daumen auf die Ruinen von Black Castle, die auf den Hügeln in der Ferne thronten. »Dir die Sehenswürdigkeiten anzusehen.«

»Angelo und ich wollen in Onkel Jacks Pub arbeiten und kein Sightseeing machen.«

Sofort bereute ich, wie eine verbitterte Hexe gesprochen zu haben. Ich wollte nicht unhöflich sein, aber noch viel weniger wollte ich der Grund sein, warum Riley seinen Job verlor. Wenn er mich von Anfang an nervig fände, würde er unseren gestrigen Flirt vielleicht vergessen und nur das Nötigste mit mir besprechen.

»Nur, weil ihr arbeiten werdet, bedeutet das nicht, dass ihr auf Spaß verzichten müsst.«

Die Art, wie er nett blieb, obwohl ich es gar nicht verdiente, machte mich fertig. »Nein. Ich meine nur …« Keine Ahnung, was ich meinte. Ich wollte nur einen Weg finden, ihn loszuwerden und dann wieder in Selbstmitleid versinken.

»Das hier ist eine Touristenfalle. Es gibt viel schönere Orte zu sehen. Ich kann dir auch meine Geheimtipps verraten.«

»Wenn ich mir etwas anschauen will, kann ich allein hingehen.«

»Ich bin mir sicher, dass dir eine Menge entgeht, wenn ich dir meine Geheimnisse nicht verrate.« Er zwinkerte mir zu.

Wieso klang ein harmloser Satz wie dieser so anzüglich aus seinem Mund? Und warum gefiel es mir so verdammt gut?

»Warum willst du deine Zeit mit mir verschwenden?«, fragte ich.

»Warum denkst du, dass das Zeitverschwendung wäre?«

»Beantwortest du Fragen immer mit Gegenfragen?«