Sie flogen nachts - Mirja Lanz - E-Book

Sie flogen nachts E-Book

Mirja Lanz

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Beschreibung

Aava ist unterwegs nach Finnland. Ihre Vorfahren stammen von dort, aber was bedeuten diese Wurzeln? Es ist tiefster Winter, als sie ankommt, und wie ein Tier im Winterschlaf zieht sie sich in die Holzhütte ihrer Tante zurück, beobachtet den Schnee, fährt Langlauf, lässt sich die ungewohnten finnischen Wörter auf der Zunge zergehen.Als das Eis schmilzt, drängt sich ihr eine Geschichte auf, die schon lange in ihr geschlummert hat. Doch so leicht lässt sie sich nicht aufs Papier bannen, zu viel Eigenleben hat die Figur Tuuli in der Zwischenzeit angenommen.Sie flogen nachts ist die Geschichte einer Rückkehr – und die Rückkehr einer Geschichte. In reinem Genuss an der Sprache webt Mirja Lanz in ihrem Debütroman einen dichten Teppich aus Klängen und Stimmungen und erzählt soghaft von Identität, Natur, Familie und Heimat.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Mirja Lanz

Sie flogen nachts

Roman

DÖRLEMANN

Alle Rechte vorbehalten © 2023 Dörlemann Verlag AG, Zürich Umschlaggestaltung: Mike Bierwolf unter Verwendung einer Grafik von Wirestock Creators/Shutterstock Satz und eBook-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-03820-906-5www.doerlemann.ch

Inhalt

 

CoverTitelei und ImpressumMottoI – Nordwärts2. Januar, Ankunft16. Januar, verwandte Stimmen20. Januar, in der Hütte22. Januar, Unruhe31. Januar, Bindungen1. Februar, äußere Ufer11. Februar, Aava hört sie fein15. Februar, innere Ufer19. Februar, Satus Haus3. März, es wird wärmer12. März, Aava fährt13. März, zurück im DorfII – OstwärtsApril, ein anderer Ort 30. April, eine andere GeschichteIII – SüdwärtsAava fischtSiskoksetAava kehrt zurückSommerregen15. August, AufbruchAnmerkungenSuomenkielisen sanaluettelo – Liste der finnischen WörterZum BuchZur AutorinDank

 

Tuuli on runoilija joka kirjoittaa

maailmaa puhtaaksi;

nyt se lepää antaen elämän laskeutua kuin pölyn.

Toivo Laakso

Der Wind ist ein Dichter, er schreibt

die Welt ins Reine;

nun ruht er und lässt das Leben sich setzen wie Staub.

I

Nordwärts

2. Januar, Ankunft

Nachts flogen sie, korvat kuin korpit, Ohren wie Raben, die eine Stimme erspäht haben. Sie hörten Wald rauschen, hörten Sturm im Wald, Kronen von Föhren, Astnetze sich bauschen in der Dunkelheit.

Auf dem Kontinent leuchteten Netze, während die Erde schlief. Die Raben folgten linnunrataa, der Vogelbahn im Nachthimmel nordwärts. Sie sahen keine Lerche im gesprenkelten Schweif, keinen halben Finken im Sternenstaub, kein bisschen Bachstelze in der kosmischen Bahn, schon gar keinen Schwalbenschwanz in der galaktischen Spur. Ohren wie Raben, die eine Stimme erspäht haben. Die Raben kehrten nicht zurück.

In derselben Nacht buchte Aava im fahlen Schein des Internets einen Flug.

Das Flugzeug donnerte auf elektronischen Routen über Strand und Meer.

Aava landete auf dem Rollfeld, also fuhr sie fort, in einem Zug.

Tammikuu, Januar.

Es war ein Land aus Wald und Wasser, das Aava in einem Zug durchreiste, an einem Wintertag, so windstill, dass er flüssig war. Die Geleise folgten Uferlinien nordwärts. Seen ruhten im struppigen Gehölz. Ufer tauchten auf und tauchten fort. Die Geleise schlenzten den Zug durch den Nachmittag. Im glatten Wasser spiegelte sich der Wald. Welt und Unterwelt traten sich am Strand gegenüber: maa und manala. Janusköpfig, kopfüber.

Im Fensterglas glich Aavas Gesicht einer Gaze. Wie ein Schleier glitt es durch das Land. Die Wangen streiften durch Tannen. Die Mundwinkel sanken in den stillen Saum der Ufer. Aava sah sich seidig an jenem Nachmittag, in einem Zug.

In H. warf sich die Kälte über sie. Sie zerrte den Koffer davon, vom Bahnhof hügelaufwärts zum Hotel. Die Kofferräder ratterten. Dunkelheit drang aus den Bäumen an die Lichtkegel der Laternen. Der Weg wendete in der Steigung unter den klammen Füßen, wo sich schon die Nacht festbiss.

Mit einem schmalen Schlüssel stocherte Aava in der Zimmertür. Sie drehte das schwere Schloss. Der Koffer rollte über die Schwelle in den dunkelroten Teppich. Der Teppich schluckte die Schritte. Das Fenster trachtete nach ihr und die Möbel gaben sich verschlossen. Aava setzte sich in den Sessel. Wie lange? Stille legte sich über sie.

Ich suche die Fischgründe meiner Ahnen auf. Den Ort, der meine Großväter nachts aus den Häusern trieb, wenn die Fische bissen. Ich suche eine Gegend, die Ringe über stille Wasser wandern lässt und Haken in die Tiefe treibt. Ich reise nicht ins Unbekannte. Ich reise ins Verwandte. Ich suche die Fischgründe meiner Ahnung, sagte Aava zum kalten Zwilling jenseits des Fensters.

Zwei Nächte später versiegelte eine dünne Eisschicht die Seen, Buchten, Strände. Das Wasser war fort. Der Hafenmeister meldete den Zeitpunkt. Kälte weitete sich aus. Schicht um Schicht speiste sie das dünne Eis.

Das Eis legte zu und erwachte schnalzend. Streckte sich, zuckte, erstarkte neu. Täglich wuchs es in die Tiefe und warf für kurze Zeit den Schein der fernen Sonne in den Himmel zurück. Weiße Formen durchsetzten die schwarze Eisfläche, zweigliedrige, fingerartige, schnabelförmige Winkel und Zeichen, die auf den langsamen, alles durchdringenden Frost hinwiesen.

Morgens in der Dunkelheit eilten Handwerker mit raschen Schritten und schweren Schuhen durch den Hotelflur und durch Aavas Halbschlaf. Als es hell wurde, ging Aava zum Frühstück, doch der Staubsauger heulte schon im Saal. Der Mittagstisch wurde abgeräumt, als Aava das Lokal betrat. Wenn sie am Nachmittag in der frostigen Luft vor dem Hotel stand, eingepackt, um zu spazieren, ging die Sonne unter. Die Dämmerung schloss sich wie ein Beutel, der Tag sackte ab in die Nacht.

Aava hing mit. Sie knipste Lampen an. Wände, Möbel schälten sich vor dem Fenster aus dem Raureif. Das Zimmer warf ein Nebenzimmer in die Finsternis. Ein matter Raum erschien. Jemand ging dort umher, wahrscheinlich sie selbst. Aava löschte die Lampen. Kuun sirppi, die Mondsichel, steckte in den kahlen, schwarzen Birkenkronen.

Nacht für Nacht taucht der Mond später auf, notierte Aava.

Er wird schmaler und entzieht sich immer mehr.

Eine Wahl zeichnet sich am Himmel ab.

Kunstlicht oder Dunkelheit.

An den Stränden betraten Läufe, Fänge, Füße zum ersten Mal das Eis. Eine Frau kauerte nackt an einem Eisloch und goss sich Wasser über Schultern und Rücken. Einen Augenblick stand sie auf dem zugefrorenen See und blickte zum Himmel, wo dunkles Blau das Restlicht der untergegangenen Sonne in den Horizont trieb. Dann zog sie die Stiefel an und hüllte sich in ein Tuch.

Die Temperatur entwischte dem Griff der Kälte und floh zum Gefrierpunkt. Schneefall setzte ein.

Der Schnee fiel mit kurzen Pausen über Tage. Fiel und fiel, für ein paar Stunden im trüben Tageslicht, rieselte weiter in die Dunkelheit, leise, stetig. Auf dem dürren nackten Gebüsch vor dem Fenster wuchsen Frostkämme, Schneebärte. Die gelben Halme hüllten sich in weiße Pelze. Es gab nichts zu tun. Schnee fiel, das war alles.

Die Schritte der Menschen wurden leiser.

Aava verschwand unter der Decke.

Versank unter der Decke.

Ließ sich einschneien.

Schlief und schlief.

Draußen wirbelte der Wind kalt über die Brücke, welche die zwei Ortshälften von H. verband und die Senke in der Dorfmitte überspannte. Der Schneepflug schrammte im Dämmerlicht blinkend über die Fahrbahn. Kälte krallte sich in der Erde fest. Das Eis griff Schicht um Schicht tiefer in den Wasserleib der Seen.

Schwer wie Blei sank Aava tiefer, auch in ihren Leib. Sie fiel und fiel bis unter den Nabel und weiter, bis sie an einen Ort stieß, der der Nadir sein musste. Weit oben sah sie eine Öffnung schimmern, ein schwimmendes Rund, einen Mund. Der Ort sprach eine Sprache, die sie sofort verstand. Bis hierhin und nicht weiter.

Mehrmals klingelte das Telefon.

Aava hielt sich die Ohren zu.

Dann ging ihr der Schlaf aus.

Unter der Decke nagte sie trockene Beeren und Kekse vom Frühstückstisch und alle Varianten von Lakritz, die in der Tüte übrig waren. Sie dachte nach, die Gedanken jedoch bewegten sich träge, als würden selbst sie durch Schnee waten. Die Notration war aufgebraucht, schneller, als sie vermutet hatte.

An einem bleichen Arm kam eine Hand mit schwarz lackierten Fingernägeln unter der Decke hervor. Griff zum Telefon. Sie räusperte sich.

Aava hier.

16. Januar, verwandte Stimmen

Aava verabredete sich mit Satu. Und Satu, ihre Cousine, verabredete sie.

Der Nachmittag war krachend kalt, als das Auto auf dem Platz vor dem Hotel hielt. Aava stand auf den Stufen der Eingangstreppe und wackelte mit den Zehen. Der Himmel über dem Hügel, die Luft über dem Platz war vogelleer. Satus Wagen bog in den Parkplatz ein. Der Auspuff rauchte weiß. Aava öffnete die Tür. Der Beifahrersitz war freigeräumt.

Der Hof der Familie hing an langen Schneepisten am Dorf. Die Pisten führten in Schneisen durch den Wald. Satu fuhr schnell. Aava sah Straßengräben in ihrer Erinnerung, die nicht weiß war, sondern grün und voller Löcher. Sie hielt sich am Sitz fest. Waldstücke streiften vorbei, Birken wie rötliche Federn mit gelben Kielen, junge Föhren, Reihen von Fichten, Felder. Dann griffen die Spikes im Schnee. Das kleine Auto stoppte vor dem Haus, rot wie eine Walderdbeere auf Eis. Hinter dem Fensterglas der Eingangstür sprang ein weißer Hundekopf auf und ab. Der war neu.

Sie ließen die Stiefel bei den Stiefeln, die Mäntel bei den Jacken und folgten Satus Mutter, Tante Suvi, ins Haus. Aava ging mit einem Fuß auf dem Flickenteppich, mit der anderen Wollsocke auf glattem Holzboden. Vor ihr plauderten schon die verwandten Stimmen. Ein Duft von Gebäck holte ihre Nase ein.

Suvi räumte einen Stapel Schulaufsätze fort, und Aava setzte sich auf die Holzbank an den langen Tisch. Die Frauen sprachen, auch Aava bog die Lautenden der Wörter lauseeksi, in einen Satz.

Ja, ich bin hier in den März.

Nein, ich wohne im Hotel noch.

Übermorgen miete ich den Wagen.

Der kleine weiße Hund gähnte.

Das ist wahr, vom Winter kenne ich nichts.

Danke, sagte Aava, gern.

Sie nahm sich eine Zimtschnecke. Satu und Suvi redeten weiter, und die Bedeutungen einzelner Wörter blitzten auf im Gespräch wie Fischbäuche und tauchten wieder ab. Aava lauschte den Stimmen, die nicht nur aus den Mündern herauskamen, sondern auch in die Münder hineinwanderten, als würden die Frauen die Laute sowohl aussprechen als auch einsprechen, dem Atem verwandt. Aava suchte das Ende des Teigstreifens am Bauch des Gebäcks. Sie wickelte ein Stück ab. Sie begann, sich den Hefeteig der Familie einzuverleiben.

Die Laute kugelten über ihr Trommelfell, und Aava wurde schläfrig in den plaudernden Stimmen. Der Kopf löste sich von der Unterhaltung und schaukelte auf ihren Wellen davon wie ein leeres Schneckenhaus. Aava war eine Muschel, ein Ohr oder Öhr, durch das sich alte Zeiten wanden, schallten und wallten.

Da kam Unrast auf, wie wenn die Heckwellen einer Bootsfahrt plötzlich an den Strand klatschen, nachdem das Boot längst hinter einer Insel verschwunden ist. Ihre Eltern schreckten aus der Trägheit der glucksenden Ufer und Tage auf. Das Sommerfest! Hatten sie es gar verpasst? Schließlich waren sie dennoch zu spät dran. Und der Kuchen!

Aava verstand den Aufruhr nicht. Sie glitt wie ein Otter aus einer Welt in die andere, aus dem gelben Haus ins Auto und aus dem Auto auf Suvis Hof mit dem Pony, von den summenden Wegrändern und Walderdbeeren zu den Erdbeertorten und in den Schwarm Menschen, die mit ihr verwandt waren, also selbstverständlich, auch wenn sie nicht verstand, was sie sagten.

Und sie sprachen viel. Kaum angekommen, wurden die Eltern von einem Redeschwall mitgerissen und waren nicht mehr aus seinem Bann zu lösen, man konnte so lange an ihren Ärmeln ziehen, wie man wollte. Ihr Vater nickte nur abwesend und hörte seiner Schwester Suvi zu. Ihre Mutter legte ihr die Hand auf den Kopf, ohne sie anzusehen, und sprach weiter mit Tante Sini in einer Sprache, die nicht einmal Satu verstand. Satu und Aava rollten mit den Augen, gestikulierten bis in die Fingerspitzen, kugelten sich vor Lachen. Wörter gab es keine, die Erwachsenen brauchten an jenem Tag alle selbst.

Nur das Pony, das Satu nicht allein aus dem Stall holen durfte – sie war ja nicht allein –, schaffte eines Sommers, was sonst unmöglich war. Es brannte durch, und die Erwachsenen brachen die Gespräche ab. Alle wanderten sie pfeifend und schnalzend in den Wald. Aava ging hinterher, folgte einmal dieser, einmal jener Person und stand plötzlich mit einer fremden Frau in den Beeren. Insekten summten. Sie sahen sich an. Die Frau sagte oho.

Aava schreckte auf. Korvapuusti: das Gebäck schlug aufs Ohr und auf den Bauch. Außen war die Kruste knusprig, innen war die Schnecke buttrig weich, süß und etwas herb von Kardamom und Zimt. Während Aava weiter Teig abwickelte und ihn verschlang, wickelten die Laute sie ein mit ihren Bahnen von Wörtern. Ihr erster Sinn ist zu erklingen, dachte Aava. Den zweiten Sinn, ihre Bedeutung, führen die Wörter in den Vokalbäuchen mit, wie trächtige Tiere. Die Brut ist noch nicht abgenabelt.

Pilli, pulla. Aus einem dunklen Winkel des Traums fielen Fellbündel auf Aavas Kopf und in ihren Schoß, mit rosaroten Gesichtern, schwimmenden Augen und weichen Krallen. Sie schnippten helle Töne von den rohen Stimmbändern. Da kam die Katze kissa und kämmte die feinen Pelze mit der Zunge. Der Wurf wurde für die Welt eingespeichelt. Die Zunge wurde größer und leckte weiter und verfing sich in Aavas langem Haar, kaute und schmatzte, bis die Katze oder Aava den Kopf aus dem Traum zog.

Kleiderbügel klapperten.

Die Katze kam von einem anderen Ort.

Aava saß lange still im Bett.

Sie war von einem bleichen Licht umgeben, von weißen Wänden, weißer Bettwäsche, weißem Schnee und einem grauweißen, bewölkten Himmel. Von der Bettkante aus betrachtete sie ihre nackten Beine, die über dem roten Teppich in der Luft hingen und sich zu spitzen Füßen verjüngten, wie farblose Wurzeln.

Mir ist schwindelig, sagte sie laut.

Wann kommst du, fragte Tante Sini am Telefon. Die Hütte ist warm. Ich muss bald los. Du findest den Weg.

Gib acht auf meine Nichte, sagte Sini zur Hütte. Sei ihr wie mein, sei Nest, sei Heim. Pam pam pam pam.

Sie klatschte in die Hände.

20. Januar, in der Hütte

Du warst lange fort.

Sini blies Rauch über das Terrassengeländer in die kalte Luft hinaus. Eine große Tanne mit dichtem Nadelpelz, einige Birken am Strand und Föhren mit grauroten Stämmen standen regungslos. Der Winterhimmel war von einem frostigen Blau mit Wolkenresten, als wären sie haften geblieben wie Reif. Du warst lange fort. Poissa. Sinis Worte spazierten ein Stück in den Schnee hinaus. Aava sah sich um. Der See: eine Ebene. Gelbe Schilfruten, die aus dem Schnee staken. Umgedreht das blassgrüne Boot, von Schnee bedeckt. Alles kahl und weiß.

Sie standen Schulter an Schulter, sprachen nicht, teilten die Stille. Dann drückte Sini den Filter im Aschenbecher aus und ging zurück in die Hütte. Ihre Anwesenheit folgte ihr nicht gleich. Sie bewegte sich gemächlicher, löste sich zögernd vom Geländer, hielt kurz an Aava fest und zog sich langsam zurück, als wäre da ein Geist.

Und von weit her, aus dem Sommer, rief Aava in den Wind: Ich verstehe nicht! Tante Sini weitete die Augen, deutete aufs Ohr und schüttelte den Kopf. Der Bootsmotor dröhnte. Graue Wolken trieben in Schichten über den Himmel, grau und rau wankte Wasser. Tante steuerte in die Wellen, die sich vor Aavas Nase teilten und vorbeiwallten. Die Fahrt warf Aava auf und ab, es war ein ruppiger Ritt auf dem ungemütlichen Platz im Bug des Boots. Wo das Wasser nicht schäumte, bog es sich glatt und glasig unter dem Rumpf. Tante im Heck steuerte an Inseln vorbei, durch die sich teilenden und wiedervereinenden Arme des Sees. Der Motor brummte. Tante wich Steinen unter Wasser aus, die man selten einmal sah und lieber nicht erfuhr. Wir sind bestimmt auf Kurs, dachte Aava und ließ sich von den Ufern, von der Landschaft umschlingen. Jemand stand in einer Sandbucht und winkte. Die Hütte tauchte am Strand auf.

Ich komme, rief Aava.