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Über dreißig Jahre ist es nun schon her, als Julia und der mitt-lerweile erfolgreiche Geschäftsmann Ingo Reeder sich kennen-lernten. Ihre Liebe, die tief im Verborgenen in ihnen beiden schlummert, wurde ihnen verwehrt, unter anderem getrieben durch Julias jetzigen Ehemann Frank. Doch sein Einfluss auf Julia soll ein Ende haben, denn Julia hat sich dazu durchgerungen, endlich den lang ersehnten Schlussstrich zu ziehen. Aber seit-dem ist Julia auf mysteriöse Weise verschwunden.
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Seitenzahl: 315
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Um was geht es?
Über dreißig Jahre ist es nun schon her, als Julia und der mittlerweile erfolgreiche Geschäftsmann Ingo Reeder sich kennenlernten. Ihre Liebe, die tief im Verborgenen in ihnen beiden schlummert, wurde ihnen verwehrt, unter anderem getrieben durch Julias jetzigen Ehemann Frank. Doch sein Einfluss auf Julia soll ein Ende haben, denn Julia hat sich dazu durchgerungen, endlich den lang ersehnten Schlussstrich zu ziehen. Aber seitdem ist Julia auf mysteriöse Weise verschwunden.
Ein Romantischer Thriller über Liebe und Leidenschaft der nicht nur Spannung, sondern auch Sehnsucht weckt.
Sie ist eben weg…
ROMANTHIK-THRILLER
AUS DEM KÖKNER RAUM
Swen K. Stefan
Copyright © 2022 Swen K. Stefan
Erste Ausgabe
E-Mail: [email protected]
Alle Rechte vorbehalten
Umschlagillustration und Coverbild: Swen K. Stefan
Korrektur: Jürgen Preckel
Independently published
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors. Alle Namen, Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen, Bandnamen und -Songtitel, sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Nun war es soweit
Und dann war sie weg
Julia wird gesucht
Nun gehörst Du mir
Erinnerungen
Rock in der Kornscheune
Ohne jede Spur
In der Eifel
Die Rollen haben sich geändert
Treffen in der Pogo
Smalltalk mit einem Nachbarn
Andere Verbindungen
Sie lebt ihr Leben
Ingo kommt nicht zur Ruhe
Stadtfest Pulheim
In den Klauen
Die Gefangenschaft nimmt ihren Lauf
Segmüller
Großer Trödelmarkt Stommeln
Ein Nachmittag in Köln
Sie ist weg aber doch so nah
Das Komplott zum Antrag
Robert und Anja
Was zusammengehört
Eiskalt abserviert
Ausflug in die Halbwelt
Kölner Nächte sind lang
Ist sie es wirklich?
Bahnhof Pulheim
Rotlicht Pulheim
Ausgeliefert ohne Hoffnung
Mal wieder unter Menschen
Rückfahrt vom Schwimmbad Stommeln
Der Gelackmeierte
Hört das nie auf?
Die Polizei dein Freund und Helfer
Gibt es denn wirklich kein Entkommen?
Die Welt ist ungerecht
Die Hinrichtung
Suche von oben
Etwas ist faul
Hin- und Hergerissen
Die Torturen gehen weiter
Der entscheidende Schritt
In den Fängen
Suche nach Ingo
Endlich zusammen
Die Teufelin
Im Blutrausch
In letzter Sekunde
Gewinner und Verlierer
Epilog
Sie ist eben weg…
Julia war der Schwarm aller Jungs der Realschule Pulheim. Ihre langen blonden Haare, ihre stahlblauen Augen brachten so manchen Jungen um den Verstand. Dabei war sie selbst eher zurückhaltend. Die Schuljahre flogen nur so vorbei. Langsam kam die Berufsorientierung. Nach der 10. Klasse absolvierte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Ford-Köln. Eine Maßnahme die ihr nicht schadete, sie aber auch nicht vollends erfüllte. Ähnlich desorientiert und sagen wir lieber „angepasst“ war es um Julias Liebesleben bestellt. Schon in der Schule hatte Frank, der spätere Inhaber von Elektro – Wirtz aus Pulheim sie im Visier. Alles nahm dann seinen Lauf und sie geriet in seine Fänge. Mittlerweile war sie 48 und fragte sich, was sie mit ihrem Leben noch anfangen sollte. Ihr Job als Einkäuferin bei Ford machte ihr einigermaßen Spaß, aber sie dachte früher, dass da im Leben noch mehr kommen könnte. In Ihrer Freizeit sang sie früher gerne in einer Rock- und Pop-Band. Dass gerade sie nun so planlos in die Zukunft schaute hätte sie damals vor über 30 Jahren nicht gedacht. Sie war umschwärmt von den meisten Jungs. Umso mehr beneideten sie damals die anderen Mädels in der Klasse und traten ihr mit Missgunst gegenüber. Gerne hätten auch sie so ausgesehen: Ca. 1,70 groß, hohe Wangen, schon im frühen Teenie-Alter eine ansehnliche Oberweite und dazu eine Wespentaille. Dann hatte sie diesen Schmollmund wie eine Puppe. Ihr Blick war immer etwas verträumt fernab von allem. Als ob sie in einer anderen Welt leben würde. Sie hätte jeden haben können. Letztendlich war sie dann doch im Laufe des 10. Schuljahrs mit Frank zusammengekommen, weil er nicht lockerließ und alle anderen Jungs aufgrund ihres Aussehens zu gehemmt waren. Frank war einer derjenigen, die auf dem Schulhof das Sagen hatten. Die meisten hatten Angst oder zumindest Respekt vor ihm. Die Natur hatte es in der Pubertät gut ihm gemeint. Er war hochgewachsen und von Natur aus muskulös. Weil er Julia so bedrängte, durch perfide Tricks und auch weil ihre Eltern ihn damals noch toll fanden, ließ sie sich mit Frank ein. Später, ein paar Jahre nach der Lehre, heirateten sie. Auch dabei half Frank mit List und Tücke nach. Dabei war ihr tief im Herzen ein ganz anderer Junge sympathischer. Nicht nur sympathisch – er hatte ihr Herz gewonnen. Es war Ingo Reder. Das Tragische waren aber die äußeren Umstände, die verhinderten, dass sie sich so nahekommen konnten, wie sie es gerne gehabt hätten. Ingo war erst ein paar Jahre zuvor von Nideggen nach Pulheim gezogen, weil sein Vater vom Wasserkraftwerk Heimbach zum Kraftwerk Niederaussem versetzt wurde. Er war in der Schulzeit sowas wie ein Außenseiter. Eher unsportlich, stand er während der Schulzeit im Rang unter den Jungs hinten an. Ein typischer Freak oder Underdog. Ihm war Sport egal, er lebte in seiner Rock- und Metalwelt, las Bücher und Schriften aus dem Mittelalter. Daneben spielte er am liebsten den ganzen Tag nur auf seiner E-Gitarre. Trotzdem interessierte sich Julia insgeheim für Ingo. Sie versuchte ihn auch immer mal wieder anzusprechen. Kaum öffnete er sich ihr, kamen auch schon Frank und seine Kumpels dazu. Sie rempelten Ingo an und ließen Sprüche los wie »was macht denn unsere Prinzessin mit dem Klassentrottel«. Da Ingo ihnen körperlich unterlegen war, zog er sich auch wieder zurück und mied Julias Nähe um keinen Ärger zu bekommen. So verging Jahr für Jahr. Schließlich hatte Frank es geschafft Julia, mit allerlei Taktiken zu erobern. Sie wollte ihn nie, aber seine Hartnäckigkeit siegte. Nach der Schule verloren sich Ingo und Julia gänzlich aus den Augen. Frank stieg nach Ausbildung und Meisterschule in den Betrieb seines Vaters ein, welchen er später übernahm. Julia hatte Ingo, trotz ihrer Ehe mit Frank, nie vergessen. Sie bekam ihn einfach nicht aus dem Kopf. Sie dachte oft an ihn. Bei der Arbeit, zuhause vor dem Fernsehen, beim Sport und ja -selbst beim Sex mit Frank. Ingo hatte sich als junger Erwachsener drastisch verändert. Der früher eher zerbrechlich wirkende, kiffende, trinkende Metalfan hatte offensichtlich irgendwann Gefallen an Kraft- und Kampfsport gefunden, denn wenn Julia in traf, wirkte er vitaler und machte einen durchtrainierten Eindruck. Seine Augen funkelten geradezu, was Julia noch mehr für ihn begeisterte. Ingo hatte zunächst Kaufmann gelernt, sich aber später umorientiert und die Journalistenschule besucht. Es war nun Ende 40 und Inhaber des Livestyle -Magazins „Now Or Never“, welches an jedem Kiosk erhältlich war. In Pulheim war er eine angesehene Größe. Oft trat er als Sponsor für örtliche Veranstaltungen auf. Im Schützenzelt wurde er seit vielen Jahren als Ehrengast erwähnt und bei anderen Großevents war er als Schirmherr vertreten. Für Frank war Ingo jedoch immer noch der Looser wie früher in der Schule, was er auch immer noch oft äußerte aber was Julia klar bestritt. Ingo war natürlich auch schon mit 14, seit er vom Geschwister-Scholl-Gymnasium auf die Marion-Dönhoff-Realschule wechselte, hoffnungslos verliebt in Julia. Aber nicht nur er und ihre Mitschüler hatten Gefallen an Julia. Nein, auch manche Lehrer mochten das blonde Mädchen über das Maß der Sympathie hinaus. Einer war ganz besonders von ihr angetan. Nein, er war besessen von Julia. Auch nach der Schulzeit behielt er sie ständig im Auge. Er suchte regelmäßig bewusst Orte in der Kleinstadt Pulheim auf, von denen er wusste, dass sie dort öfters anzutreffen war. Irgendwann, mittlerweile war er schon ein paar Jahr im Ruhestand, bestand seine Gedankenwelt nur noch aus Julia. Und er sah nur noch einen Weg weiter existieren zu können: Er musste Julia zu sich holen!
Er hockte hinter den Büschen am Bolzplatz, am Ende des asphaltierten Feldwegs, der "Peter-Kanters-Allee". Diese führt von der Worringer Straße zur "Offenen Tür", der Straße am Sportzentrum. Von weitem sah er sie angefahren kommen. Der Schweiß lief ihm vor Aufregung von den Wangen. An der Kreuzung hatte sie sich von ihrer Freundin Jenny verabschiedet. So wie sie es immer tat an diesem Tag. Diesen Vorgang hatte er nun schon mehrere Male beobachtet. Ihr langes blondes Haar wurde von dem warmen Sommerwind zur Seite geweht und ihr langer dünner Rock flatterte während sie mit kräftigen Tritten in die Pedale trat. Jenny war nicht mehr zu sehen. Julia schaute entspannt in den Himmel. Aber man konnte erkennen, dass sie nicht ganz glücklich ist. Jetzt oder nie! Sein Puls stieg ins Unermessliche. Sein Mund war eh schon die ganze Zeit trocken. Noch ca. 20 Meter lagen vor Julia bis zu dem Punkt wo sich sein Versteck im Feld befand. Er vernahm nun die Abroll- und Kettengeräusche ihres Fahrrades. Auf einmal war er wie gelähmt. Doch riss er sich zusammen und schaffte es dieses lähmende Gefühl zu überwinden. Es musste jetzt geschehen. Er schaute ein letztes Mal zur Vorsicht umher und sprang aus dem Feld auf die Straße. Er führte alles aus wie geplant: Nein, nicht vor der Seite, dann würde Julia mit dem Rad stürzen. Das wollte er seiner Julia ersparen. Er zog die Kapuze seine Hoodys über und hechtete hinter ihrem Rad her. Auch aufgrund seines Alters und mangels Trainings, war er nicht gerade gut in Form. Ja aber dieses Szenario hatte er auch ausreichend, mehrmals geübt, dass es gelingen sollte. Genauso wie er die Straße zur gleichen Uhrzeit einige Male genau prüfte, ob er möglicherweise von Passanten beobachtet werden könnte. Zuerst registrierte Julia ihn gar nicht. Er ergriff ihren Gepäckträger auf der ihre Sporttasche mit dem Bügel befestigt war. Er zog daran um sie zum Stillstand zu bringen. Sie erschrak sich und wusste nicht was geschah. Nun zog er am Gepäckträger so lange bis dass sie stand. »Hilfe!« Schrie seine Julia ein letztes Mal. »Hilfe! Was wollen Sie von mir?« Er gab ihr keine Antwort. Zu konzentriert war er, diese Mission seines Lebens zu Ende zu führen. Julia schlug wie von Sinnen um sich. Einmal traf ihre Faust seine Nase. Schlagartig schoss das Blut heraus. Kaum hatte er Julia zum Stehen gebracht, griff er in seine Hosentasche und holte ein eben frisch mit Chloroform versetztes Tuch heraus. Seine Hand schnellte an ihr Gesicht. Sie schlug erneut verzweifelt um sich, traf ihn erneut im Gesicht und konnte sich befreien. Er stürzte sich auf sie, riss sie zu Boden und presste ihr das Tuch aufs Gesicht. Hätte er dies nicht dabeigehabt, wäre er nicht gegen sie angekommen. Ein Mitte Sechzigjähriger hat gegen eine Frau, die fast 20 Jahre jünger war und zudem noch regelmäßig Sport trieb, nur schwer eine Chance. Das hatte er sich leichter vorgestellt. Sie hustete, schrie erneut, aber diesmal nicht mehr so laut. Die Kräfte verließen sie und sie verlor schließlich ihr Bewusstsein. Ihr Körper zuckte leicht. Sie war ohnmächtig. Er hatte sie – seine Julia - nun ihn den Händen. Nun musste alles schnell gehen. Er zog sie aus der Sicht heraus hinter die Büsche. Dann holte er das Fahrrad ebenfalls dort hin. Der Feldweg war frei. Gott sei Dank rechtzeitig, denn nun hörte er mehrere Männer auf Fahrrädern, gut angeheitert und sich laut unterhaltend, vorbeifahren. Er atmete tief durch vor. Nun musste er nur das Auto holen um Julia und ihr Fahrrad zu verstauen.
»Hier ist Radio Köln, wir genießen diesen wunderschönen Morgen des 10.Mai 2019 und nun dazu der neueste Hit von Helene Fischer „Sonne auf der Haut“. Wer kennt ihn nicht? Auf geht’s in den Tag.« Frank Wirtz war in tiefsten Träumen, als ihn diese Worte aus seinem Radiowecker brutal herausrissen. Wie oft seit langem war die andere Seite des luxuriösen Ehebettes nicht belegt, weil Julia sein Geschnarche nicht aushielt. Lange hatte er darauf bestanden, dass sie dauerhaft bei ihm im Bett schlafen soll. Aber irgendwann hatte sie die Reißleine gezogen. Dauernd nachts aus dem Schlaf gerissen zu werden konnte sie sich in ihrem Job auch nicht leisten. Eine Zeit hatte sie gelegentlich auf der Couch geschlafen. Aber dann kam der Moment an dem sie sich ein eigenes Schlafzimmer eingerichtet hatte. Es musste jedoch noch etwas vorgefallen sein, denn seit diesem Zeitpunkt hatte sie sich auch sonst von ihm distanziert. Er fragte sich immer wieder, was wohl gewesen sein muss, dass sie sich plötzlich vollkommen von ihm abgewandt hatte. Was wollte sie ihm aber nicht sagen. Sex gab es nur noch sehr selten bis fast gar nicht mehr. Sie ließ es nach langem Drängen alle paar Monate mal über sich ergehen ohne dass von ihr etwas kam.
Von daher war es nun nicht ungewöhnlich, sondern Normalität, dass Frank sie nicht neben sich vorfand. Frank zog sich an und wandelte noch schlaftrunken die Treppe an der Galerie herab. Die Wohnzimmer-Couch auf der Julia vornehmlich schlief, war so unberührt wie am Abend zuvor, als er nach Hause kam. Da wusste er, dass sie zum Badminton im Sportlife im Pulheimer Stadtteil Sinnersdorf war und anschließend noch mit ihren Spielpartnerinnen auf den ein oder anderen Absacker zum „Ristorante Padrino“ fuhr. Doch nun war sie nicht da. Er schaute in der Garage nach. Ihr E-Bike war ordnungsgemäß in der linken Ecke hinter ihrem Opel Tigra abgestellt. Er erinnerte sich, dass sie zum Sport immer mit dem normalen Trekking-Rad fuhr.
Nun wurde ihm seltsam und befremdlich zu Mute. Er ging vor den Hauseingang und schaute den Schürgespfad in Richtung Zentrum als auch in Richtung Stommeln. Er hatte sich vor gut 20 Jahren, neben dem Haus seiner Eltern, ein großes modernes Haus mit allem möglichen Luxus errichtet. Julia hatte hier auch mit investiert. Der Sommerwind wehte ihm vom Westen kommend, ums Gesicht. Es war einfach alles wie immer. Nur eins war nicht so wie an jedem Tag: Julia war weg. Er nahm sein Handy tippte ihre Nummer. Das Kontaktbild vom letztjährigen Urlaub auf Barbados erschien. Julia mit einem Cocktail in der Hand im Bikini. Ein Wahnsinn, wie sie ihre Figur so hielt und wie sie auch sonst für ihr Alter noch aussah. Er dagegen hatte gut an Bauchumfang zugelegt und im Allgemeinen Muskelmasse gegen Fett eingebüßt. Damals in der Schule war das anders. Er war seit dem 10. Lebensjahr Fußballer und gut durchtrainiert. Ein Umstand, der ihm auf dem Schulhof Macht verlieh. Aber wie sollte er neben dem ganzen Stress noch Sport machen? Seine drei Mitarbeiter und er brauchten ständig neue Aufträge, um die man sich kümmern musste. Am Wochenende musste er oft Papierkram bearbeiten. Und wenn dann mal Feierabend war, war ihm eher nach ein paar Bier, Fußball gucken und Grillen zumute.
Er versuchte sie mehrmals zu erreichen, aber immer wieder hörte er ihre sanfte Stimme ihrer Mailbox: »Ja, hallo Ihr Lieben, hier ist Julia. Ich rufe Euch bald zurück!« Auch auf WhatsApp war sie nicht zu erreichen. Das letzte Mal war sie am Vortag um 21 Uhr online.
Er suchte in seiner Kontaktliste den Namen von Jenny Schmitz, ihrer besten Freundin. Auch sie gehörte zu den fünf bis sechs Frauen, die sich regelmäßig mittwochs im Sportlife trafen. »Hallo Jenny, hier ist Frank. Du sag mal, Ihr ward doch gestern wie immer im Sportlife oder?« »Ja klar, wo sonst? Aber warum rufst Du an Frank? Was ist los?« »Julia ist nicht da. Ich bin heute Morgen aufgestanden und sie ist zumindest nicht bei uns im Haus. Das ist alles sehr ungewöhnlich Jenny. Es ist alles so seltsam. Sowas macht sie normal nicht. So was kenne ich nicht von Julia« »Oh Backe, das stimmt wirklich Frank. Ist schon komisch. Wir sind gestern aber ganz normal zusammen nachhause gefahren, sie fährt ja dann den Feldweg in Richtung Pogo und ich in Richtung Innenstadt. Da haben wir uns gestern zuletzt gesehen. Aber Du kennst den Weg ja auch. Einmal seid Ihr Männer doch mal mit uns gefahren. Genau den Weg haben wir auch wieder benutzt« »Seltsam.« sagte Frank nur vollkommen baff. Er atmete tief. Da er am Vorabend mal wieder einige Flaschen Bier geleert hatte, war er auch noch nicht ganz bei sich. »Frank, wenn Du in der nächsten Stunde nichts hörst, musst Du die Polizei anrufen. Vielleicht gibt es ja eine ganz einfache Erklärung dafür.« »Ja, ja aber was für eine? Ich werde dann aber wirklich die Bullen anrufen, das muss ich«, stammelte er. »Ich werde aber mal kurz meine Leute anrufen, dass ich später auf der Baustelle erscheine, dann ruf ich bei den Bullen an.« »Oh Mann, ich mache mir solche Sorgen Frank. Ich hoffe es klärt sich alles schnell« »Ich erst Jenny.« Frank legte auf und starrte aus dem Fenster.
Frank überlegte, wo er jetzt weitersuchen sollte. Schließlich rief er auf Julias Arbeitsstelle an. Im Einkauf von Ford Köln hatte sie ein eigenes Büro. Zunächst versuchte er unter ihrer Nummer. Wie vermutet, war sie dort nicht zu erreichen. Er ließ sich dann von der Zentrale zu ihrer Chefin, der Abteilungsleiterin des Einkaufs, Frau Segschneider, vermitteln. »Guten Tag Herr Wirtz, schön dass sie sich melden. Wir vermissen Ihre Frau. Sie fehlt bei einem wichtigen Meeting.« »Frau Segschneider, meine Frau ist verschwunden.« »Was heißt verschwunden Herr Wirtz. Wir sitzen gerade in dem für uns entscheidenden Meeting zur Rahmenvertragsverhandlung und Ihre Frau hat alle Informationen für diese wichtige Verhandlung.« »Sorry, aber Ihr Meeting ist mir da erstmal vollkommen scheißegal.« »Was ist los Herr Wirtz? Was soll diese abfällige Äußerung? Wie meinen Sie das?« »Ja, Sie hören richtig. Und Julia ist nicht der Typ, der unangemeldet abtaucht. Sie wissen doch auch, wie zuverlässig sie immer ist. Wir machen uns die größten Sorgen. Ich habe auch schon die Polizei eingeschaltet. Die Suche wird aber wegen dieser blöden Frist erst ab Morgen losgehen. Es muss was passiert sein mit ihr. Anders kann ich mir das nicht erklären.« »Oh, ja das ist ja wirklich merkwürdig. Das verstehe ich natürlich. Jetzt bin ich ja baff Herr Wirtz. Und es tut mir leid und ich mache mir jetzt auch richtige Sorgen. Sorry für mein Unverständnis eben. Nicht auszudenken, wenn ihr was passiert sein sollte. Wir haben aber auch wirklich überhaupt nichts von ihr gehört. Gestern hatten wir hier noch zusammengesessen und gearbeitet. Es war alles wie immer. Wir wissen auch, wie akribisch Ihre Frau ist und dass sie sich sonst schon gemeldet hätte. Falls sie sich hier meldet oder falls wir einen Hinweis bekommen, rufe ich Sie an, versprochen.« »Ok, bis dann!«
Frank rief bei der Polizei auf der Wache Pulheim an. Fahrig wählte er die Nummer und wurde dann an die Direktion Kriminalität in Hürth und von dort an das Regionalkommissariat K21 verbunden. Eine gewisse Oberkommissarin Karin Weitz hätte dort die Leitung. »Weitz, K21.« »Guten Morgen Frau Weitz, hier ist Frank Wirtz aus Pulheim. Ich vermisse meine Frau seit heute Morgen. Ich habe auf ihrer Arbeitsstelle angerufen, mit ihrer Chefin gesprochen. Dann habe ich noch alle Freundinnen und Verwandte gefragt. Sie ist unauffindbar.« »Was heißt unauffindbar, Herr Wirtz?« »Na, sie ist eben weg!« »Dann bitte ich sie bei uns vorbeizukommen. Wir sitzen in Hürth. Hans-Böckler-Straße 21, 50354 Hürth ist die genaue Adresse.« »In Ordnung, ich bin in ca. einer Stunde bei ihnen. Er zog sich an, absolvierte seine übliche Morgentoilette, nahm sich einen Kaffee im Thermobecher mit ins Auto und fuhr zur genannten Polizeidienststelle. Frank parkte seinen Firmen-Mercedes Kombi und ging zum Eingang. Er betrat den typischen Polizeiwachen-Vorraum. Dem Wegweiser konnte er entnehmen, wo sich das K21 befand. Ein uniformierter Beamter um die 50, mit der Aufschrift „PM-Müller“ auf seiner Uniform, empfing ihn. »Guten Tag. Ich möchte zu einer Frau Weitz.« »Haben Sie einen Termin bei der Frau Oberkommissarin?« »Ja, wir hatten eben telefoniert. Der Beamte nahm den Hörer und kündigte Frank bei seiner Chefin an: »Hallo Karin, hier ist ein Herr Wirtz aus Pulheim. Ihr hattet wohl eben telefoniert.« Er nickte. »In Ordnung ich bringe ihn hoch. Bitte kommen Sie mit ich bringe sie zur Frau Oberkommissarin. Im Obergeschoß befand sich das Büro. Frau Weitz war eine ungefähr 1,70m große Mitvierzigerin in Zivilkleidung. Sie machte einen freundlichen aber sehr bestimmenden Eindruck auf Frank. Sie trug schulterlanges, dunkelblondes Haar mit hellblonden Strähnen zu einem Zopf gebunden, goldene Ohrgehänge, dunkelroten Lippenstift, hatte etwas längere rote Fingernägel und war mit einem schwarzen, knielangen Rock und Stiefeln bekleidet. Sie begrüßte Frank und bat ihn Platz zu nehmen. »Möchten Sie einen Kaffee Herr Wirtz?» »Ja gerne!« Frau Weitz drückte die Schnellruftaste: »Heinz, bitte zwei Tassen Kaffee. Ich wohne übrigens auch in Pulheim.« »Ach?« »Ja, aber erst vor ein paar Jahren aus Köln dahingezogen.« Der Polizist von der Anmeldung kam kurze Zeit später und stellte die Kaffeetassen auf den Tisch. »Danke Heinz! Bitte bleib aber hier zur Protokollaufnahme.« Der Beamte setzt sich an einen Laptop am Nebentisch und tippte das Protokoll und nahm die Vermisstenmeldung nach Frau Weitz' Anweisung auf. Die Kommissarin stellte Frank immer wieder Fragen, nickte und stellte Fragen zum Verständnis. Sie informierte Frank aber zugleich, dass die Suchaktionen erst 24 Stunden nach Meldung eingeleitet werden durften. Während des Gespräches hielt die Beamtin Augenkontakt und Frank fühlte sich schon ein wenig wie in einem Verhör. Dies hinge mit dem individuellen Aufenthaltsrecht zusammen. Es könnten ja auch in anderen Fällen, z.B. gewollte Abwesenheiten der vermissten Person vorliegen. Missbilligend nahm Frank die Information entgegen. Nach ca. 45 Minuten war die Erfassung abgeschlossen. Der Beamte druckte das Protokoll aus, legte es Frau Weitz zur Sichtung vor, die dann Frank unterschreiben ließ. Frau Weitz stand auf, stützte die Hände in ihre Hüften und sagte abschließend: »Herr Wirtz, wir halten Sie auf dem Laufenden. Aber sobald sie etwas Neues erfahren oder ihre Frau sich melden sollte, bitte uns sofort verständigen. Herr Müller wird Sie nach unten begleiten.«
Frank fuhr zunächst in Richtung seiner beiden aktuellen Baustellen um nach dem Rechten zu sehen. Eine davon war in Fliesteden, eine in der Pulheimer City. Es war ein Ladenlokal auf der Venloer Straße welches nach einer Kernsanierung komplett neu mit Elektrik und Haustechnik ausgestattet wurde. Er hatte bereits viele solcher Projekte in Auftrag gehabt. Die Kunden vertrauten ihm und er war in Pulheim die erste Wahl für solche Arbeiten. Seine Mitarbeiter hatten aber bereits die Arbeiten aufgenommen und es lief alles wie geplant. Die neue Situation ließ ihm aber keine Ruhe, denn er wusste, dass das mit Julia nicht normal sein konnte. Dafür war sie sie zu zuverlässig und stringent, als dass sie sich "mir nichts Dir nichts" so verdünnisieren würde. Er ging zur Bäckerei Voosen auf der Ecke "Auf dem Driesch" - "Christianstraße". Er bestellte sich einen Kaffee und ein Brötchen und setzte sich. Die junge Angestellte Sarah wusste bereits was er bekam, denn Frank war Stammkunde hier. Nachdenklich saß er damit im hinteren Cafébereich und schaute dabei auf sein Handy. Er checkte alle möglichen Kommunikationsplattformen. Nichts Auffälliges. Dann noch sein Mailkonto. Außer Geschäftsmails war nichts Neues. Schließlich beschloss er alle ihre Freunde und die Familie abzutelefonieren. Einer von denen musste doch was wissen. Julias Vater war ein paar Jahre zuvor bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Daran hatte sie lange geknabbert. Walter Stattler war zwar vom alten Schlag und somit konservativ gewesen aber Julia hatte zu ihm immer ein gutes Verhältnis. Frank rief ihre Mutter an. Ihre Freundin Jenny wusste ja schon Bescheid. »Hallo Frank!« »Hallo Ingrid«. »Hallo Frank wie geht’s Euch?« Ingrid Stattler war nicht gewohnt, dass Frank sie anrief. Sie hatten keinen Streit gehabt aber das Verhältnis war seit ein paar Jahren unterkühlt. Hatte sie ihren Schwiegersohn doch mit den Jahren durchschaut. »Du Ingrid, ich weiss nicht was los ist aber Julia ist irgendwie seit heute Morgen unauffindbar.« «Was?» Ingrids Stimme wurde zittrig. »Das gibt’s doch nicht!« »Doch, es ist leider so. Und ich weiß nicht wo sie sein sollte. Habe Jenny schon angerufen. Sie waren ja gestern beim Sport.« »Habt Ihr wieder Streit gehabt? Ganz ehrlich Frank« »Was heißt hier wieder? Nein da war nichts« »Ehrlich?« »Du also Ingrid, mir das jetzt zu blöd! Was soll die Anspielung. Unsere Ehe geht Dich doch gar nichts an.« Die Situation spannte sich an und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass es zwischen den beiden zu einem unfreundlichen Wortwechsel gekommen wäre. »Frank, ich bin mindestens so gelähmt und traurig wie Du. Julia ist mein Kind. Und ich darf ja wohl nochmal fragen.« Leider hast Du ja keine Kinder zustande gebracht sonst könntest Du das nachvollziehen. Ingrid Wirtz mochte ihren Schwiegersohn eigentlich noch nie so richtig. Er war halt damals als Jugendlicher so hartnäckig und hatte nicht aufgehört um Julia zu werben. Er war einfach dreist und schon fast so klettenhaft wie ein Versicherungsvertreter. Da Ingrid auch noch wusste, dass das Herz ihrer Tochter in Wahrheit für jemanden anderes schlug, ärgerte sie sich umso mehr, dass Frank sich so verhielt. Er hatte sie einfach nicht verdient und schätzte nicht, was er an ihr hatte. »Na dann bis später!« Beendete Frank Wirtz auf seine patzige Art die Unterhaltung. »Melde Dich bitte, wenn Du was erfahren solltest Frank!« fügte Ingrid noch nach aber Frank konnte die Worte schon nicht mehr hören. Mistkerl!
Frank Wirtz haute sein Handy aus Wut auf den Tisch, dass alle ihn der Bäckerei zu ihm schauten. Hastig schlürfte er seinen Kaffee aus und stampfte aus dem Café.
Ingrid war nach der Nachricht über Julias Verschwinden am Boden zerstört. Obwohl Frank Jenny schon angerufen hatte, wählte sie auch ihre Nummer. »Hallo Ingrid, Du hast es bestimmt schon gehört.« »Ja, hallo Jenny, das habe ich. Das kann doch nicht wahr sein. Ist dir an ihr irgendwas auffällig vorgekommen?« »Also direkt nichts aber wir hatten uns ja auf der Rückfahrt von Sinnersdorf unterhalten.« »Ja ok, aber das macht ihr doch immer. War denn was Besonderes das Thema?« »Du Ingrid, das mit Ingo weiß ich ja alles. Sonst wäre es nicht meine beste Freundin.« »Ja und?« »Was sagte sie denn noch?« »Sie war an dem Punkt angekommen, dass sie nun reinen Tisch machen wollte. Sie wollte Frank definitiv verlassen. Ob Ingo sie noch wollte oder nicht.« »Das ist ja ein Ding!« pustete Ingrid heraus. »Du weißt es ja auch Ingrid, Julia wollte das schon mehrmals. Das erste Mal kurz vor der Ausschulung.« Ich weiß Jenny. Ist das tragisch. Es tut mir so leid.« »Sie sagte, dass sie morgen final die Karten auf den Tisch legen und ein Leben ohne Frank beginnen wollte.« »Das ist ja krass. Ich kenne natürlich auch die ganze Sache mit Ingo. Sie wäre schon längst bei ihm bzw. weg von Frank wen sie nicht noch den Zusammenbruch gehabt hätte. »Ja, das weiß ich.« Bestätigte Jenny. »Ob Frank was ahnte und ihr was angetan hat?« »Nein Ingrid, egal wie Frank ist, das traue ich ihm nicht zu.« »Aber wer weiß?« »Nein, er liebt Julia. Auch wenn es bei ihr nicht so ist.« »Ok Jenny, danke erstmal und wir hören voneinander.« »Melde dich auf jeden Fall, wenn Du was Neues hast.« »Mache ich.«
Ihr brummte der Kopf und ihr war kalt. Nur ganz langsam öffnete sie ihre Augen. Hatte sie zu viel getrunken? Wo war sie? War es ein schlechter Traum? Sie schaute sich an. Sie war nackt und saß auf einem Stuhl der umgebaut war mit einer WC-Brille als Sitz und auf einem Podest ca. einen halben Meter hoch stand. Ihre Beine waren mit Lederriemen festgeschnürt, die an den Enden Ösen hatten und jeweils ein Vorhängeschloss. Ihren Oberkörper konnte sie vorbeugen. Was war mit ihr geschehen? An wen war sie geraten? Der Raum war offensichtlich ein früherer Partykeller aber schalldicht ausgekleidet, so wie sie es aus Tonstudios kannte. Sie schrie laut aber konnte sich schon denken, dass niemand sie hören würde. Sie versuchte sich zu erinnern. Ja, da war jemand gewesen der sie am Abend nach dem Sport überfallen hatte. Er hatte sie vom Fahrrad gerissen und danach setzten bei ihr alle Sinne aus. Sie hatte Durst, war hungrig und hatte die Blase voll, so dass sie schon schmerzte. Es war Realität. Sie schrie wieder um Hilfe. Zwecklos. Jemand muss mitbekommen haben, dass sie aufgewacht war, ihre Schreie gehört haben, denn plötzlich hörte sie Schritte. Dann wurde das Schloss in der Stahltür bewegt. Die Tür öffnete sich und eine kleine, männliche, untersetzte Statur, vor dem Gesicht eine Clownsmaske, stand vor Ihr. Unterhalb der Maske war ein Apparat montiert, der offensichtlich die Stimme veränderte. So kam sie sehr gedämpft und roboterartig rüber. Julia kam sie trotzdem irgendwie bekannt vor. Wer mag sie hier gefangen haben? Wer mag dieser Psychopath sein?
»So, nun gehörst Du mir, darauf habe ich lange gewartet. Du bist nun mein Eigentum und kein anderer wird Dich mehr besitzen.« Kam es aus dem Stimmwandler wie in einem Horrorfilm. »Sie kranker Typ, ich gehöre niemandem, lassen Sie mich frei. Ich werde auch keinem was sagen. Mein Mann wird das Lösegeld zahlen, egal wieviel Sie wollen! Seien Sie doch vernünftig. Sie ruinieren nicht nur meins, sondern auch Ihr eigenes Leben« »Nein Julia, Du kommst nie wieder frei. Ich brauche kein Geld. Du bist unbezahlbar. Du wirst jetzt hier mit mir leben so wie ich es möchte. Dein Handy habe ich sicherheitshalber zertrümmert und in den Kanal geworfen. Du bist den Wirtz für immer los und nun in guten Händen. Du bekommst hier alles was Du brauchst«. Sie schrie erneut laut um Hilfe. Ihr Entführer lachte nur. »Schreien ist zwecklos. Hier unten könnten AC/DC live spielen und draußen würde keiner was hören!«
»Ich habe Durst, mir ist kalt und muss mal dringend auf Toilette! Machen Sie mich los!« »Nein mein Engel, Du wirst nie mehr wieder vollständig losgelassen. Dein Geschäft kannst Du da machen wo Du sitzt. Einfach laufen lassen. Ich mach dann alles mit größter Freude weg. Zu Essen und Trinken bekommst Du von mir und alles was Du Dir wünschst. Dir soll es an nichts fehlen.« »Sie krankes Arschloch. Mein Mann oder die Polizei werden mich finden und sie wegschließen für alle Ewigkeit. Sowas bleibt nicht ungesühnt. Sie glauben doch nicht, dass ich jetzt Ihre Frau bin oder? Also lassen Sie mich frei und wir vergessen die Sache!« »Davon wäre ich mal nicht so überzeugt meine Schöne. Auf die Idee, dass Du hier bei mir bist, kommt nämlich niemand. Aber hier erstmal etwas Wasser. Denn Durst sollst Du keinen leiden meine Prinzessin« Er reichte Ihr eine Plastikflasche stilles Wasser. Sie setzte die Flasche an und trank gierig ein paar große Schlucke. »Ich drehe Dir die Heizung was höher mein Engel.« »Nein, ich will meine Kleider!« »Das geht nicht Julia. Du musst so hierbleiben, wie Gott Dich erschaffen hat. Die Kleider habe ich oben. Dein Höschen liegt bei mir auf meinem Kopfkissen. Es duftet so gut. Dabei träume ich von Dir. Leider verfliegt der Duft viel zu schnell. Aber jetzt bist Du leibhaftig hier und ich kann dich haben wann immer ich will.« Nun kippte sie auch in die „Du -Form“ um und verfiel in ein ihrem Gegenüber passenderes Vokabular. »Du krankes Stück Scheiße. Du gehörst in die Klapse. Wehe Du kommst mir irgendwie zu Nahe. Du wirst dafür bezahlen « Er lachte jedoch nur laut und kehlig. Er war sich seiner Position absolut sicher. »Ich habe hier mein Reich und das ist nun mit Dir perfekt. Du bist meine Königin und ich werde für Dich sorgen« sagte Ihr Entführer beim Verlassen des Raumes und machte die Tür hinter sich zu.
Sie brach schlagartig in Tränen aus. Sie war mit den Nerven am Ende und hatte einfach nur Angst. Ihr Leben war eh nicht so verlaufen wie sie sich es gewünscht hatte. Kurz bevor die sich endgültig von Frank trennen wollte, nun sowas. Sie heulte hemmungslos drauf los. Als sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, konnte sie vor lauter Schmerzen nicht mehr und entleerte sich.
Die Suchaktion war nun im vollen Gange. Die Mutter von Julia und ihre Freundin Hiltrud saßen in ihrem VW-Touareg und fuhren verschiedene Bekannte und Freunde von Julia ab. Ingrid Stattler war 65 Jahre alt und bereits ein paar Jahre im Ruhestand. Als frühere Buchhalterin in einer Kölner Maschinenbaufirma hatte sie eine gute Pension und auch einiges an Ersparnissen. Durch ihr immer stetiges Einkommen sowie das ihres verstorbenen Mannes und einigen Erbschaften, verfügten die Stattlers über ein ansehnliches Vermögen. Richtig gemocht hatten Walter und Ingrid Stattler ihren Schwiegersohn Frank schon lange nicht mehr. Es gab dafür einige Gründe. Ingrid hatte von Anfang an aber das Gefühl gehabt, mit dem Kerl stimmt was nicht. Er ist nicht echt und nur auf seinen Vorteil bedacht. Sie war eher der Meinung, Julia war für ihn eine Art Trophäe mit der er rumprahlen konnte »Seht her ich habe das schönste Mädchen von Pulheim!« »Er ist nicht sauber« waren die Worte mit denen Ingrid schon vor langer Zeit ihre Zweifel beschrieb obwohl sie aber nie richtig gegen ihn geredet hatten. Walter war kein Freund von ihr gut genug, das ist immer so gewesen. Einen richtigen Freund hatte sie doch vor Frank noch nicht mal. »Der Wirtz hat sie sich doch direkt gegriffen. Und auch Du weißt wie ich, dass sie in ihm tiefsten Herzen nicht wollte.« Sagte Ingrid des Öfteren zu ihrem Mann. »Es war nur, dass er eben der Star der Schule war und dreimal chemisch gereinigt. Sie war damals doch zu gutmütig und schüchtern. Und Du weißt auch, dass sie ihn heute nicht mehr nehmen würde.« »Jetzt hör endlich auf damit!« unterbrach Walter damals seine Frau. Ingrid befahl sich selbst nicht weiter in Erinnerungen zu schwelgen. Aber beide wussten schon sehr lange, wen sie wirklich liebte und es wahrscheinlich nie aufgehört hatte zu tun. Julia hatte ihren Eltern, es war noch in der Schulzeit, mal das Herz ausgeschüttet, dass sie unsterblich in Ingo Reder verliebt sei. Dann war es ihr Vater, der auch gegen Ingo geredet hatte: »Der Typ ist doch voll der langhaarige Rock-Penner. Total unreif. Der kifft doch auch bestimmt. Da ist der Frank schon ein anderer Typ.« Seine Meinung hatte sich später geändert als er Ingo einmal näher kennenlernte. Und später machte er sich Vorwürfe, damals ihn vorschnell abgestempelt und Julia ausgeredet zu haben. Er hatte sich sogar das ein oder andere Mal angeregt mit ihm unterhalten und war erstaunt über Ingos Entwicklung. Als erstes war es aber Ingrid aufgefallen, als sie Ingo an der Kasse an der Tankstelle traf. Er war damals so Anfang 20 als er freundlich auf sie zu kam: »Hallo Frau Stattler, lange nicht gesehen, ich hoffe es geht Ihnen gut!« Erst erkannte sie ihn gar nicht, bevor sie dann nicht mehr anders konnte als zu bemerken: »Hallo Ingo, aus Dir ist ja ein richtiger Mann geworden.« Ingo dachte sich da nur: Hoffe Deine Tochter sieht das auch so, aber das ist jetzt eh zu spät…
Nun war sie auf der Suche nach Julia und die Ungewissheit zerfraß sie innerlich. Ihr Mann war nicht mehr da und nun sollte auch Julia weg sein? Es war alles so untypisch für sie. Das war nicht Julias Art. Wenn Ingrid genau nachdachte, hatte ihre Tochter schon seit langem die frühere Lebensfreude verloren. Frank hatte ihr auch alle mies gemacht die ihr Spaß machten. Wie z.B. ihre Musik und in einer Band zu singen. Sie hatte schon als kleines Kind gerne gesungen. Und in Pulheim wurde Musik immer gefördert. Wie zum Beispiel im Jugendzentrum Pogo. Dort gab es Musikunterricht, Proberäume und eine professionelle Bühne für Live-Gigs.
Auch dort war Julia später einmal mit ihrer damaligen Band aufgetreten. Es war ein Konzertabend mit mehreren Bands. Neben Julias Band „Infinity“ waren auch „Tight“ aus Rommerskirchen am Start. Beide Bands erfuhren kurz vor dem Soundcheck, dass sich an dem Abend auch Georg Strauss von den Flying Dragons, der ursprünglich aus Dormagen kam mit seiner Frau Nita angekündigt hatten. Eine Tatsache die Julias Nervosität noch etwas ansteigen ließ. Auch Ingo war beim Konzert, was für sie noch viel bedeutender war. Er kannte den Gitarristen der Band Tight, Stephan Georg, welcher ihn zu dem Konzert eingeladen und auf die Gästeliste gesetzt hatte. Zudem kannte er Georg Strauss ebenfalls. Im „Now Or Never“ hatte der Gitarrist ein paar Jahre zuvor einmal ein Interview gegeben.
