Sieben Geschichten vom Weißen Drachen - Hartmut W. Quast - E-Book

Sieben Geschichten vom Weißen Drachen E-Book

Hartmut W. Quast

0,0

Beschreibung

Von Anfang an erleben der Weiße Drache selbst und seine ganze Umgebung, dass er einfach "anders" ist. Es hilft ihm natürlich nicht, zu versuchen, dieser Umgebung zu entfliehen. Aber sein Schicksal treibt ihn sanft vor sich her - Begegnungen mit einer weisen Fee, einem mächtigen Gegner und einer hübscher Menschenfrau weisen ihm Stück für Stück seinen Weg und lassen ihn doch allmählich reifen. Schließlich - nach weiteren Abenteuern mit einer munteren Elfe und einer Drachenfrau - findet er sein Ziel und eine Aufgabe, um am Ende glücklich zu werden.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 547

Veröffentlichungsjahr: 2014

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Hartmut W. Quast

Sieben Geschichten vom Weißen Drachen

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Sie glauben gar nicht an Drachen?

Das Drachenei

Der Drache

Ein unerwartetes Wiedersehen 

Drachenträume

Vom Suchen und Finden

Einmal um die ganze Welt

Zum guten Schluss

Impressum neobooks

Vorwort

Geschichten vom Weißen Drachen

von

Hartmut W. Quast

Inhalt

Vorwort Seite 3

Das Drachenei Seite 5

Der Drache Seite 19

Ein unerwartetes Wiedersehen  Seite 97

Drachenträume Seite 222

Vom Suchen und Finden Seite 272

Einmal um die ganze Welt Seite 318

Zum guten Schluss Seite 400

Zu diesem Buch:

Von Anfang an erleben der Weiße Drache selbst und seine ganze Umgebung, dass er einfach "anders" ist. Es hilft ihm natürlich nicht, zu versuchen, dieser Umgebung zu entfliehen. Aber sein Schicksal treibt ihn sanft vor sich her - Begegnungen mit einer weisen Fee, einem mächtigen Gegner und einer hübscher Menschenfrau zeigen ihm Stück für Stück seinen Weg und lassen ihn allmählich reifen. Schließlich - nach weiteren Abenteuern mit einer munteren Elfe und einer Drachenfrau - findet er sein Ziel und eine Aufgabe, um am Ende doch glücklich zu werden.

Titelbild von Suzette Talbot

http://www.suzette-lanzarote.com

Aquarell-Illustrationen von Marta Orozco

http://martaorozcocolours.com

Sie glauben gar nicht an Drachen?

Aber vielleicht haben Sie, geneigter Leser, Lust auf einen Ausflug in ein Reich der Poesie, wo sich Tatsächliches mit Märchenhaftem vermischt und wo tatsächlich auch Drachen ihren Platz haben?

Dann erzähle ich Ihnen gerne die Geschichten von Guillermo El Dragón, dem letzten der "WEIßEN DRACHEN". Von seinen Freunden wurde er kurz "Willi" genannt und in einigen Dingen mag er recht menschlich erscheinen.

Zum besseren Verständnis muss einiges über Drachen gesagt werden. Vor allem konnten sie sehr alt werden. Einst waren sie stark und mächtig, aber nicht unverwundbar, wie dies auch in Sagen und Märchen berichtet wird.

Anfangs gab es nur „Weiße“ Drachen; diese zeigten sich zumeist genial, gelegentlich aber auch ein wenig tollpatschig. Menschen gegenüber verhielten sich zwar freundlich – leider wurden sie gelegentlich aus heiterem Himmel unglaublich zornig. Sie waren in ihrer Laune eben ein wenig "unberechenbar".

So ist es ist vielleicht verständlich, dass sie nicht allzu leicht wirkliche Freunde fanden - ganz abgesehen davon, dass Drachen auf den ersten Blick auch nicht gerade harmlos wirken.

Bei allem waren sie jedoch "gute" Wesen, zwar mit der vorher beschriebenen, kleinen Besonderheit, aber keiner von ihnen hat je einen Menschen gefressen oder sinnlos ganze Landschaften abgefackelt. Weiße Drachen besaßen magische Kräfte und standen stets auf der Seite des "Lichts".

Aber in späteren Zeiten tauchten „Schwarze Drachen“ auf. Die waren Wesen der "Dunkelheit", von Grund auf "böse", fraßen, was ihnen vor den schrecklichen Rachen kam, spien Feuer ....., all dies und mehr ist dem geneigten Leser sicher hinlänglich bekannt.

Schwarze Drachen waren für die Welt der Menschen eine derartige Bedrohung, dass diese Ungeheuer solange bekämpft wurden, bis zuletzt keiner von ihnen mehr übrig war.

Schwarze Drachen gab es erst seit einem "Dunklen Zeitalter" von dem gleich anschließend berichtet wird.

Weshalb aber Guillermo El Dragón, genannt „Willi“, der letzte der „Weißen Drachen“ war und was mit allen anderen passierte?

Davon soll der geneigte Leser nach und nach erfahren!

Am besten erzähle ich von Anfang an

und beginne mit der

Ersten Geschichte:

Das Drachenei

Seit Anbeginn waren die Weißen Drachen und andere Lichtwesen Hüter alles Schönen und Edlen in unserer Welt gewesen.

Unter der Führung der Feenkönigin Liliana verkörperten sie das „Gute“ in unserer Welt, schenkten den Menschen Wissen, unterwiesen sie in den schönen Künsten und lebten mit ihnen in Frieden.

Dunkle Zeiten begannen, als es RUFUS ZASTRO, einem mächtigen Dämon, endlich gelungen war, sich mit dem Drachenclan zu verbünden.

Nun war er seinem Ziel, die alleinige Herrschaft über unsere Welt zu erringen, greifbar nahe.

Denn Dragomir III, der Fürst der Weißen Drachen, brach eines Tages mit den uralten Traditionen und wandte sich diesem Meister dunkler Mächte zu. Er war ein habgieriger und selbstsüchtiger Nachkomme einer vornehmen Drachenfamilie, aus deren Reihen schon viele Anführer des einst so zahlreichen Drachenvolkes erwählt worden waren.

Geblendet von der Aussicht auf große Reichtümer und grenzenlose Macht erlag er den Versprechen und Verlockungen des verschlagenen Zastro und ließ sich auf ein Bündnis mit ihm ein.

Er bemerkte nicht die heimtückische Falle, die dieser Unhold für die bis dahin so freundlichen Drachen ausgelegt hatte - um sie restlos zu vernichten und zuletzt alleine auf Erden zu herrschen.

Der Plan des Dämons ging in furchtbarer Weise auf.

Einer nach dem anderen der bis dahin Weißen Drachen verwandelte sich unter Zastro's Einfluss in ein Menschen fressendes, Feuer speiendes Ungeheuer, dessen Haut sich allmählich schwarz färbte.

Und mit den Weißen Drachen verschwand die Magie aus dieser Welt - die Macht des Lichts verblasste. Ohne die Stärke und den Schutz der mächtigen, Weißen Drachen standen die Menschen und viele Wesen des Lichts Zastro und seinen düsteren Geschöpfen schutzlos gegenüber. Sie unterlagen seiner dämonischen Macht und unsere Welt versank für lange Zeit in Dunkelheit.

Die Schwarzen Drachen wurden für die Menschen zu der schrecklichen Plage, wie wir dies aus vielen Heldensagen und Märchen kennen: Sie verwandelten sich in mordende, alles verbrennende Bestien, die ganze Landstriche verwüsteten und sich vorzugsweise von Jungfrauen ernährten.

Drachen und Menschen waren nun unversöhnliche Feinde - aber in den erbitterten Kämpfen zwischen ihnen nahm die Zahl der Drachen allmählich ab, wie es sich Zastro ausgerechnet hatte. Denn es gab mehr heldenhafte Menschen als gefährliche, aber doch besiegbare Drachen.

Die einzigen Wesen, die Zastro und seinen Plänen hätten gefährlich werden können, wurden trotz ihrer Größe und Stärke von tapferen Menschen langsam aber sicher ausgerottet. Schließlich wandte der Dämon sich nun auch selbst ganz offen gegen die bereits stark dezimierten Drachen und tötete sie, wo immer er sie finden konnte.

In dieser Zeit großer Dunkelheit endete das Schreckensdasein der Schwarzen Drachen auf Erden, weil es bald kaum noch welche von ihnen gab. Zastro hatte anscheinend sein Ziel erreicht.

Nur der erfahrene Hervín El Dragón konnte sich mit den Resten seiner Familie und einer weiteren kleinen Schar Schwarzer Drachen mit Müh und Not auf eine karge Vulkaninsel retten. Es waren gerade noch zwei andere, recht kleine Familien übrig geblieben. Mit viel Glück waren sie Zastro entkommen und weit nach Süden bis über das große Südliche Meer geflohen.

Nach einem langen Flug hatten sie glücklicherweise fernab eine karge Vulkaninsel gefunden, wo sie landen konnten. Dort gab es große, geräumige Höhlen als sichere Verstecke vor dem Dämon.

Hervín entschied, mit dem kleinen Häuflein der verbliebenen Drachen auf dieser entlegenen Insel zu bleiben.

Vater Hervín war einst ein rechter Haudegen aber nun das gewählte Oberhaupt der letzten Schwarzen Drachen, denn seine Klugheit und sein Rat wurden von allen geschätzt.

Weitsichtig erkannte er, dass es das Vorrangige war, das Überleben der Drachen zu sichern - und deswegen wieder Frieden mit den Menschen zu halten.

Es gab auf der ganzen Insel nur recht wenige Einwohner, vielleicht ein paar hundert, und davon höchstens siebzig bis achtzig wehrhafte Männer. Dabei wurden diese Inselbewohner oft von Piraten angegriffen. Die Menschen waren viel zu schwach und zu beschäftigt, um sich auch noch mit den Drachen anzulegen.

Es sollte dafür auch keinen Grund geben, da Hervín äußerste Zurückhaltung befohlen hatte. Wie aber sollten die Drachen überleben, wovon sich ernähren?

Ohne dauerhaften Frieden mit den Menschen, überlegte Hervín, ja sogar ohne gute Beziehungen zu ihnen würde dies nicht möglich sein!

Hätten die Ungeheuer die wenigen Menschen und ihre Ziegenherden nach und nach gefressen, wäre dies das Ende gewesen, zumal sich nur die Menschen darauf verstanden, Wasser zu gewinnen, denn dies war hier sehr knapp und auch für die Drachen lebenswichtig.

An ein Weiterziehen war wegen der noch immer herrschenden Bedrohung durch den Dämon Zastro ohnehin nicht zu denken.

Nicht umsonst besaß Hervín, das Vertrauen des Clans, denn er hatte eine gute Idee!

Wenn er Schutz vor den Piraten anbot, würden die Menschen vielleicht im Gegenzug Ziegen und andere Lebensmittel, sowie etwas Wasser liefern. Das könnte die Lösung sein.

Behutsam nahm er Kontakt mit einigen Bauern auf.

Der kluge, alte Drachen hing seinen ganzen Charme heraus und überbot sich mit seiner Redekunst.

Tatsächlich gelang es ihm nach langem Hin und Her, einen Vertrag mit allen sechs Dörfern der Insel zu schließen, dass Ihnen die Drachen Beistand leisten und dafür regelmäßig eine kleine Ziegenherde und eine Wagenladung Wasser, sowie ein Fass köstlichen Weins erhalten würden.

Dieses Getränk war nämlich die neueste Leidenschaft der nun wieder so freundlichen und umgänglichen Ungeheuer.

Nachdem der Verbleib und der Frieden auf der entlegenen Vulkaninsel gesichert war, wurde sie für Hervín El Dragón und seinen Anhang endgültig zu ihrer neuen Heimat. Sie gehörte zu einem Archipel fernab des alten Heimatkontinents, in welchem auch das „Buchenland“ lag, wo die Wesen des Lichts und auch die Feenkönigin Unterschlupf gefunden hatten.

Liliana hatte glücklicherweise seit Anbruch des Dunklen Zeitalters alle Angriffe der nun feindlich gesinnten Schwarzen Drachen sowie auch die mächtigen Attacken der dämonischen Mächte unbeschadet überstanden. Ihre Kräfte waren zwar rein defensiv, aber dennoch sehr wirkungsvoll.

Nur allmählich und in aller Heimlichkeit hatten sich einige wenige Überlebende der Lichtwesen wieder unter ihrer Führung sammeln können um eines Tages aus dem Verborgenen heraus erneut den Kampf gegen ihre mächtigen Feinde aufnehmen zu können.

Liliana hatte in ihrer Weisheit beizeiten das ganze Unheil voraus geahnt und noch rechtzeitig gehandelt.

Mit einer kleinen List und etwas Zauberei war es der Fee gelungen, heimlich eines der Dracheneier der vormals eng mit ihr befreundeten Drachensippe der „El Dragóns“ aus dem letzten Gelege an sich zu bringen, als sie noch „WEIßE DRACHEN“ waren.

Es war die einzige Möglichkeit gewesen, dem Weg der Vorsehung zu folgen.

Liliana hatte dieses Drachenei sogleich mit einem Zauber belegt, dass es nicht verderben würde und hütete es fortan wie ihren Augapfel. Sie hoffte und wartete sehnlichst auf den Tag, an dem es ausgebrütet werden könnte und darauf, dass aus ihm wieder ein „WEIßER DRACHE“ schlüpfte, der mit seiner Stärke die Magie zurück brächte und die Dunklen Mächte endgültig besiegen würde.

Auch könnte er vielleicht eine neue Dynastie Weißer Drachen begründen.

Die in den dichten Wäldern des Buchenlandes verborgenen Diener des Lichts um die Feenkönigin Liliana waren nach und nach der Aufmerksamkeit des Dämons entglitten.

Der konnte mittlerweile auch keine Drachen mehr aufspüren und so zog er sich nach einer Weile - seines vollkommenen Sieges sicher – in eine entlegene Gegend zurück.

Vorläufig schenkte er dieser Welt und vor allem den Drachen keine Beachtung mehr.

Hervíns Gattin Margót war eine sehr sanftmütige und liebevolle Mutter. Niemand hätte vermutet, dass sie früher eine starke und wilde Kriegerin gewesen war. Das Ehepaar El Dragón hatte in seiner neuen Heimat bereits einmal für ein Nachwuchsgelege gesorgt und die Insel wurde über die Jahre von einer kleinen, aber munteren Schar junger, schwarzer Drachen bevölkert.

Zumal beide Seiten zuverlässig ihr Abkommen erfüllten, blieb ihr Frieden mit den Inselbewohnern die ganze Zeit über erhalten.

Von Zeit zu Zeit lieferten die Dörfer eine Ziegenherde, nicht zu vergessen auch einige Fässer des köstlichen, schweren Moskatelweins.

Die Drachen beschützen im Gegenzug die Inselbewohner vor den Piraten, welche immer wieder die Insel überfallen, dort geraubt, gebrandschatzt und vor allem junge Männer und Frauen in die Sklaverei verschleppt hatten.

Das übermütige, junge Drachenjungvolk raubte den Bauern zwar in Ausnahmefällen die eine oder andere Ziege, aber Vater Hervín wachte streng darüber, dass dies nicht überhandnahm und die Nachkommen keine Gebäude und vor allem nicht die Menschen selbst angriffen.

Die kleinen "Missgeschicke" der wilden Bande konnte Hervín stets leicht mit etwas Gold aus der Welt schaffen, dass sie von den Piraten erbeutet hatten.

So blieben die El Dragóns in ihren mittlerweile gemütlich eingerichteten Höhlen und Grotten eines mächtigen, im Norden der Insel gelegenen Vulkans auch vollkommen unbehelligt; die ganze Umgebung war den Drachen überlassen worden.

Es waren zuerst recht magere Zeiten, aber sie überlebten - und das war das Wichtigste!

Im Übrigen entwickelte sich die Insel durch die Anwesenheit der Drachen recht erfreulich. Ohne die Piratenüberfälle war ein ruhigeres Leben eingekehrt und langsam gedieh ein bescheidener Wohlstand.

So wuchsen auch die Ziegenherden, was wieder Hervín's Clan zugutekam und nur die Wasserknappheit blieb ein Problem.

Alle Drachen hatten sich längst von dem Wahn befreit, der ihnen einst von Zastro suggeriert worden war, nur eine Jungfrau könne den Hunger und den Durst eines Drachen wirklich stillen.

Genau diese verrückte Idee mit den Jungfrauen hatte in der Auseinandersetzung zwischen Drachen und Menschen dereinst dem Fass den Boden ausgeschlagen und die Menschen endgültig zu ihren unversöhnlichsten Feinden gemacht.

Jede Menge strahlender Helden hatten sich nämlich gefunden, die es als ihre heilige Ritterpflicht angesehen hatten, diese Jungfrauen zu retten.

Etliche waren erfolgreich gewesen - und die Zahl der Drachen schrumpfte auf diese Weise immer mehr.

Allein Hervín war klug genug gewesen, angesichts des rasanten Niedergangs seiner Spezies zu erkennen, dass die Allianz mit dem Dämon vielleicht, nein - ganz sicher ein großer Fehler gewesen war und nun endlich wieder ein friedliches neben einander mit den Menschen gesucht werden sollte.

Wie er es dann auf "seiner Insel", wie er sie inzwischen stolz nannte, auch erreicht hatte.

Dies war die Zeit, auf welche Liliana und ihr Gefolge so lange hatten warten müssen.

Als Margót mit großem Ächzen und Stöhnen ihr insgesamt siebtes, aber im Rahmen der Familienplanung letztes Gelege von 12 Eiern produziert hatte, lag es für die Feenkönigin nahe, ihr Drachenei endlich den El Dragóns wieder unter zu schieben; ein jedes hatte einen Durchmesser von fast eineinhalb Fuß.

Mutter Margót hatte das Herz auf dem rechten Fleck, konnte aber nur bis zehn zählen.

So fiel es ihr auch weiter nicht auf, dass eines Tages in dem mehrere Meter breiten Nest - dem Bett des ehelichen Schlafzimmers - dreizehn anstatt zwölf Dracheneier lagen, die sie nun viele Monate bebrüten musste. Das sah zwar ein wenig anders aus, aber auch dies erweckte bei ihr keinen Argwohn.

Hervín bekam das Gelege fast nie zu Gesicht – er hatte sämtliche Pranken voll zu tun, die immer neuen Gelüste seiner Frau zu befriedigen; jeder treue Ehemann erinnert sich sicher gerne an diese „schöne“ Zeit, in der seine Holde am "Brüten" war und ihn manchmal nachts um Drei Uhr wegen eines unstillbaren Heißhungers auf Senfgurken oder Karamellpudding aus dem Bett getrommelt hatte.

Als tatsächlich im nächsten Frühjahr die ersten drei Dracheneier unruhig hin und her rollten und sich so das baldige Schlüpfen der Drachenküken ankündigte, seufzte sie erleichtert auf.

Die vielen Monate des Brütens waren stets eine höchst langweilige Zeit.

Nicht aus dem Haus zu können, und in allem auf ihren immerhin stets aufmerksamen Hervín angewiesen zu sein, war für sie schon hart.

Zwei Wochen später brach die erste Schale auf und mit vorwitzigem Schnattern wagte sich das erste ihrer neuen Drachenkinder in die Welt.

Mutter Margót schmolz wie üblich beim Anblick eines jeden dieser zappeligen Drachenküken dahin; freudig begrüßte sie eines nach dem anderen, bis nur noch ein Ei übrig war.

Dreimal darf man raten, welches…!

Und das wollte einfach nicht schlüpfen, es lag sogar weiterhin vollkommen bewegungslos mitten im Nest, rührte sich einfach nicht. Also musste Margót weiter brüten!

Auch die Fee Liliana, die natürlich das Geschehen insgeheim mit großer Aufmerksamkeit beobachtete, wurde allmählich besorgt: Hatte sie vielleicht bei ihrem Zauber einen Fehler gemacht – lebte dieses Ei vielleicht schon gar nicht mehr und wären all ihre Mühen umsonst gewesen? Nein - das konnte, durfte nicht sein!

Ganz gegen ihre Art wurde sogar die Fee unruhig.

Auch Margót wurde immer ungeduldiger, als sich auch in der nächsten Woche nichts bewegte.

Oder doch?

Sie überlegte bereits manchmal, ob mit diesem Ei vielleicht etwas nicht stimmte (wie recht sie doch mit diesem Gedanken hatte!!!) und ob sie es zur Sammlung der „Ungeschlüpften“ geben solle.

Liliana musste eingreifen, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollte.

Sie ließ Margót in einen tiefen Schlaf sinken und ihre Körpertemperatur um einige Grad ansteigen, sodass etwas passieren MUSSTE.

So geschah es auch nach wenigen Stunden, dass Margót - völlig verschwitzt - von einem Zwicken an ihrem weichen Drachenbauch geweckt wurde. Und als sie nachschaute, woher dieses Zwicken käme, entdeckte sie ein krähendes Drachenkind, das sogleich an seiner Mama hinauf zu klettern versuchte und sich schließlich an ihre breite rechte Wange zu schmiegte, sobald sich Margót erschöpft etwas zur Seite gewälzt hatte.

Und beide schlummerten sanft und glücklich ein.

Vom ersten Moment an war dieser kleine Drache anders als alle anderen ihrer Kinder, denen sie bis dahin das Leben geschenkt hatte; seine Haut war auch auffallend heller, als die seiner Geschwister.

Zum Andenken an ihren freundlichen und sanften Lieblingsonkel nannte sie den Kleinen „Guillermo “, aber bald nur noch mit dessen Kosenamen kurz: „Willi“.

Hervín betrachtete den kleinen Sonderling etwas skeptisch, obwohl er ihn auch ganz "süß" fand.

Waren es nicht zuerst nur 12 Eier gewesen? - Er konnte nämlich zählen!

Nun ja - das Schlüpfen des 13. hatte deutlich länger gedauert - vielleicht hatte Margót – von ihm unbemerkt – ein Ei "nachgelegt"? Könnte ja durchaus sein!

Dennoch war das alles sehr merkwürdig - Hervín würde Willi gut im Auge behalten!

Abgesehen von seinem von Anfang an höchst unterschiedlichen Verhalten - und abgesehen von seiner deutlich helleren Hautfarbe - glich der kleine Willi seinen zwölf „Geschwistern“ zunächst wie ein Ei dem anderen. Lauter kleine, echte El Dragóns, wie Hervín nicht sparte, immer wieder festzustellen.

Nach einer gewissen Zeit aber bemerkten Margót und er, dass die noch weiche Haut der zwölf kleinen Drachen, welche zuerst geschlüpft waren, allmählich dunkler wurde; bei Willi hingegen hellte sie sich immer weiter auf.

Sie entschieden sich, ihn für einen Albino zu halten (Mutters Idee!), solches gab es durchaus auch manchmal bei Drachen und die Eltern dachten sich erst einmal nichts weiter dabei.

Die zwölf anderen waren sämtlich kleine Raufbolde – egal, ob weiblich oder männlich; Willi dagegen hing ihr ständig mit einer Klaue an ihrem langen Drachenschwanz, hätte am liebsten den ganzen Tag mit ihr geschmust.

Für die wilden Spiele seiner Geschwister zeigte er kaum Interesse, was vor allem Vater Hervín missfiel.

"Was hat es mit diesem merkwürdigen Nachzögling, dieser Nr. 13, nur auf sich?"

Vaters „Erziehungsversuchen“ gegenüber zeigte sich der kleine Willi vollkommen resistent.

„Meine liebe Margót, was hast Du da nur ausgebrütet?“ fragte er seine Gattin einigermaßen vorwurfsvoll nicht nur einmal und ziemlich ratlos. Er ahnte jedoch mittlerweile, dass er wohl einen Weißen Drachen zu den Seinen zählen musste.

Aber die Zeiten hatten sich ja geändert und manchmal geschahen zunächst unverständliche Dinge, die sich später als schicksalhaft herausstellten. Vielleicht könnte ein neuer Weißer Drache endlich wieder einen dauerhaften Frieden in diese Welt bringen, der dauerhaft ihr Überleben sicherte.

Hervín El Dragón hatte ja bereits angefangen, wieder bessere Beziehungen zu den Menschen aufzubauen. Sein Clan hatte es allmählich eingesehen, dass dies der einzig mögliche Weg war.

Aber Freunde und Verwandte, die zu Besuch kamen, beäugten dennoch den so aus der Art geschlagenen, kleinen Drachen mit entsprechendem Misstrauen und sparten nicht an guten Ratschlägen, wie man ihn „auf die Reihe“ bekäme.

Hervín und Margót fügten sich in das Unabänderliche; Vater widmete sich dem "hoffnungsvolleren" Dutzend, dass ausnahmslos zu „normalen“, also schwarzen Drachen werden sollte, auch wenn sie nicht wie bisher als solche wüten durften.

Der Friede mit den Menschen musste unbedingt gewahrt bleiben!

Die Drachenmutter hatte indessen alle Hände voll zu tun, zu verhindern, dass ihr Kuckuckskind mit seiner Neugier und seinem Entdeckungsdrang allzu oft für unangenehme Überraschungen sorgte.

Sie war zwar sehr geduldig, aber mit der Zeit ging ihr der kleine Willi ganz schön auf die Nerven und die ganze Familie atmete erleichtert auf, als er eines Tages, im seinem für einen Drachen noch recht jugendlichen Alter von etwa 250 Jahren, spurlos verschwunden war.

Allerdings hatte Liliana auch da die Hand im Spiel!

Sie alleine wusste ja um die wahre Herkunft und die Besonderheiten dieses quirligen, weißen Nachwuchsdrachens – und über seine Potenziale.

Eines Tages sollten diese das Kräfteverhältnis zwischen Licht und Dunkel wieder ausgleichen und Zastro's Macht in dieser Welt endgültig brechen.

Eines Tages, als er alt genug und die Zeit reif war, "rief" sie Willi........... da zog es den jungen Drachen mächtig in die Ferne. Ohne Gepäck und ohne sich zu verabschieden flog er einfach davon. Weil er sich als ungeliebter Außenseiter fühlte, hielt ihn sowieso nichts mehr zuhause.

In seinem Leichtsinn ahnte er natürlich nicht, dass nun ein schicksalhaftes Geschehen seinen Lauf nahm, in dem er eine entscheidende Rolle spielen sollte.

Von ihm unbemerkt wachte indessen die mächtige Feenkönigin liebevoll über ihn und manchmal, wenn es nötig war, gab sie ihm einen kleinen Schubs in die "richtige" Richtung.

So endete Willis Jugend mit seiner Flucht aus dem Elternhaus.

Aus dem untergeschobenen Drachenei war endlich ein Weißer Drache geworden, dem eine große Aufgabe zugedacht war - aber davon hatte er selbst glücklicherweise noch keine Ahnung.

Erst einmal war er sehr damit beschäftigt, zu sich selbst zu finden.

Und dieser Weg war sehr lang......

Ende

der Ersten Geschichte

Wie es mit dem Drachen Willi weiter erging, erzähle ich in der

Zweiten Geschichte:

Der Drache

Es war schon eine Plage mit dem alten Drachen in der Höhle hoch oben auf dem Berg!Die Bewohner des kleinen Dorfes im Murmeltal konnten da einiges erzählen.

Heute war es aber besonders schlimm.

Schrecklicher Krach, Rumoren, Stöhnen und gelegentlich aufsteigende, grauschwarze Rauchwolken, mit einem leichten violetten Schimmer, drangen aus der Drachenhöhle bis zu den Dorfbewohnern, die des nachts mit Pfropfen in den Ohren, die Köpfe unterm Kissen, vergeblich einzuschlafen versuchten.Der Drache war verliebt - aber das wusste ja keiner. Er war zwar in den Gefühlsstürmen der Liebe nicht unerfahren, aber sein neues Liebesabenteuer mit dieser hübschen Dörflerin brachte in völlig aus dem Häuschen. Außerdem war ihm verheißen worden, dass die Liebe zu einer Menschenfrau sein Leben schicksalhaft wenden, geheimnisvolle Kräfte in ihm wecken und ihn zu einem wahren Zauberwesen verändern würde.

War das für einen nach Ruhe und Beschaulichkeit suchenden Drachen nicht Grund genug, sich aufzuregen?

Im schönen Buchenland, wo Wunderbares noch einen Platz hatte, lag das kleine Dorf Buchenhausen am Murmelbach, der seinen Lauf von halber Höhe des gewaltigen Drachenbergs durch eine enge, dunkle Schlucht zum sich lieblich nach Süden weit öffnenden Murmeltal nahm. Zu beiden Seiten wurde es durch sanft ansteigende und mit uraltem Buchenwald bedeckte Höhenzüge begrenzt. Das Tal weiter unten hatte der dort schon recht breite und immer viel Wasser führende Murmelbach mit einigen kleinen Nebenflüsschen zu einer lieblichen Auenlandschaft gestaltet, mit Teichen, Sumpfgebieten und zum Dorf hin herrlichen Wiesen.

Am Fuße des die ganze Umgebung überragenden Drachenberges war es hügelig, mit einem lockeren, breiten Saum aus Buschwerk, Hecken und vereinzelten, frei stehenden, meistens sehr alten und knorrigen Bäumen. Das Dorf war zu beiden Seiten des Wasserlaufs gebaut, und weil der Murmelbach hier schon fast die Breite eines Flusses hatte, waren einige große Brücken aus Holz oder Stein für den Dorfverkehr nötig. Buchenhausen war umgeben von den Wiesen und nur eine kleine, staubige Landstraße in Richtung Süden führte aus dem sich immer mehr weitenden Tal.

Der nächste größere Ort, drei Tagesreisen entfernt, war die Stadt Sonnenburg am Klaren See, dort mündete der Murmelfluss, wie er nun genannt wurde, in das fast binnenmeergroße Gewässer, um es mit seinem klaren Gebirgswasser zu speisen.

Sonst gab es nur noch zwei andere Dörfer weit und breit; der nächstgelegene Ort war Kieselbach, eine Tagesreise weiter südlich. Hier traf die staubige Dorfstraße auf den alten mit Pflaster befestigten Handelsweg, der hier aus Südosten kommend nach Westen abbog. Moosdorf lag eine weitere Tagesreise in Richtung Sonnenburg an dieser wichtigen Verkehrsverbindung zu den weit entfernten, großen Städten im Süden.

In Buchenhausen lebten ungefähr 98 Menschen, 72 Pferde, 184 Kühe, 453 Schafe, 266 Schweine, 491 Hühner, die Hähne mitgezählt, 127 Gänse, etwa ebenso viele Enten, 73 Katzen, 59 Hunde und jede Menge Tauben, Fasanen und Vögel in Volieren. Das hört sich nach einem schrecklichen Gewimmel an, das war es aber gar nicht, es verteilte sich ganz gut. Fast hätte ich es vergessen: da gab es auch noch eine kleine Ziegenherde mit 13 Ziegen.

Das Dorf bestand aus einem kleinen Kern, an den genau 24 Bauerhöfe, große und kleinere, angrenzten, die mit dem Dorf und untereinander mit schön angelegten, breiten und mit Bäumen alleenartig eingefassten Wegen verbunden waren. Die Wege führten dann weiter hinaus in die Felder, zu den Weiden und auch zu ein paar Scheunen oder Schuppen, die in einigem Abstand zum Dorf als Ausweichlager oder als Unterstände für Mensch und Tier vor schwerem Wetter gebaut waren.

Keiner im Dorf litt Mangel, die Landwirtschaft gab gute Ernten her, der Boden war fruchtbar und das Klima günstig. Auf einen harten Winter, der ziemlich regelmäßig Ende November einsetzte und viel Schnee und klare, kalte Frostperioden mit Eis und klirrender Kälte brachte, folgte im März ein rasches Tauwetter, ein milder Frühling und ein langer heißer Sommer mit Gewittern von Juni bis Mitte September. Der Herbst kam mit warmen Regenschauern und, zum Oktober hin, mit immer häufigeren, teilweise undurchdringlichen Nebeln, welche die Niederungen mit dichten, weißen Schleiern verhüllten. Dann war es recht geisterhaft im Murmeltal, es war still und nur das Murmeln des munteren Bachs drang an das Ohr eines einsamen Wanderers, der gut daran tat, wenn er rasch im Dorf Zuflucht suchte, sobald die Nebel dichter wurden. Die Dörfler erzählten sich von dem einen oder anderen, der sich im Nebel verirrt hatte und nie mehr gesehen wurde.Oder sollte das mit dem Drachen zu tun haben?

Ja richtig, dem Drachen, von dem der Berg seinen Namen hatte. Der Berg hieß nicht nur einfach so "Drachenberg", da gab es wirklich einen. Einen seltsamen Drachen!

So richtig von der Nähe gesehen hatte ihn eigentlich noch niemand; das wäre bei Drachen ja auch so eine Sache. Aber zuweilen fegte er am Himmel herum. Er war schrecklich groß, hatte weite, gezackte Flügel, zwei mit Krallen besetzte Pranken, einen riesig langen Schwanz und auch einen recht langen, schlanken Hals. Vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze ragte ein gezackter Kamm aus dem Schuppenpanzer; das schrecklichste aber war sein riesiges Maul mit langen, spitzen Zähnen, aus dem er Feuer speien konnte. Und er hatte riesengroße Nüstern, aus denen jede Menge Rauch kam und glühende Augen, deren Farbe je nach Stimmung wechselte.

Einige behaupteten sogar, der Drache könnte vollständig die Farbe wechseln, aber das war sicher übertrieben, er war auch ohne dies schrecklich genug anzusehen. Jeder, der auf einer Wanderung die Nähe des Drachenberges nicht vermeiden konnte, und eine - zwar meistens nur sehr kurze Begegnung - mit dem Drachen hatte, kriegte einen gehörigen Schreck, wenn dieses Fabelwesen plötzlich über ihm mit Getöse, Feuer und Rauch speiend, Kapriolen am Himmel drehte, oder wenn er sich ihm plötzlich hinter einer Wegbiegung unmittelbar gegenüber sah.Das merkwürdige war, dass der Drache tatsächlich noch keinem etwas getan hatte, meistens nur neugierig und dann angenervt geglotzt hatte. Die verschreckten Wanderer hatten ohnehin blitzartig den Rückzug angetreten und im Dorf die neusten Schauergeschichten vom Drachen erzählt.

Da das Dorf Buchenhausen einige gute Stunden vom Fuß des Drachenberges entfernt lag und noch keine Dorfbewohner durch den Drachen zu Schaden gekommen waren, hatte man sich auch nach und nach an ihn gewöhnt und lebte seit Menschengedenken in seiner Nachbarschaft. Und er ließ das Dorf unbehelligt.

Bis auf den Krach, den der Kerl machte, und der war manchmal schon schlimm!Die Dorfbewohner waren zwar neugierig, was da vor sich ging, aber natürlich traute sich keiner nachzusehen. Wenn der Drache in der Höhle war, drangen zumeist nur dröhnendes Schnarchen oder grummelnde, schmatzende und pfeifende Geräusche aus dem Höhleneingang. Das war im Dorf kaum zu hören.

Manchmal schien ihn aber irgendetwas maßlos aufzuregen, dann war ein Donnern und Röhren, das sich fast wie Fluchen anhörte, bis in die fernsten Winkel des Tals zu vernehmen. Es gipfelte meistens darin, dass der Drache schließlich mit Getöse derart aus dem Höhleneingang herausraste, dass sich in der Umgebung Büsche und Bäume bogen und er in einer gewaltigen Staubwolke in den Himmel aufstieg, wo er wild umher schoss, Loopings drehte, Feuer spie und herum grölte, was von schwarzen Rauchwolken aus seinen Nüstern begleitet wurde. Das passierte nicht oft, dauerte dann aber meistens endlose Stunden. Irgendwann hatte sich der Drache aber immer wieder abreagiert und kehrte in seine Höhle zurück. Gott sei Dank war er noch nie auf die Idee gekommen, seine Wut an den Buchenhausenern auszulassen. Wenn er bei einem Ausbruch einen Sturzflug einlegte und dabei Feuer spuckte, konnte schon mal der Wald anbrennen. Zuletzt - vor etwa zwanzig Jahren - hatte er bei einem außergewöhnlichen Wutanfall einmal die halbe Bergflanke abgefackelt und der riesige, schwarze Brandfleck hatte lange der Landschaft ein bedrohliches und düsteres Bild gegeben.

Also, einen solchen Drachen fast vor der Haustüre zu haben, ist jedenfalls nicht unbedingt das, was man sich wünschen würde.Zu anfangs habe ich von den Bewohnern und den Tieren in Buchenhausen erzählt; aber die beinahe vergessene Ziegenherde und besonders ihre hübsche, junge Hirtin spielen in unserer Geschichte eine ganz besondere Rolle.

Anette, so hieß sie, war blond, blauäugig, groß und schlank, kurz eine wunderschöne, sonnige Frau. Sie hütete den ganzen Tag - solange es das Wetter und die Jahreszeiten zuließen - ihre kleine Ziegenherde im Tal und an den Hängen der Berge, denn da fanden die Ziegen die besten Kräuter für ihre würzige Milch. Anette war gern allein mit ihren Tieren, streifte durch die Natur und lag auch oft im Gras mit dem Blick in den Himmel gerichtet. Am Morgen, nicht gar so früh, denn sie schlief gerne etwas länger, ging sie mit ihren Ziegen los, einen kleinen Proviant im Lederbeutel; die Ziegen warteten geduldig auf ihre Herrin und rieben zärtlich ihre Hälse an ihrer Hüfte und ihren Beinen, wenn sie dann zusammen loszogen. Aus dem Dorf hinaus, meistens Richtung Norden auf den Drachenberg zu, denn dieser Berg hatte es ihr irgendwie angetan.

Er hatte auch eine außergewöhnliche Form, wie ein seitlich verschobener Kegel mit einer schrägen Felsspitze, unter der, von weitem sichtbar, der Eingang der Drachenhöhle wie ein dunkler ovaler Schatten knapp oberhalb der Baumgrenze lag. Um ihn herum waren die Felsen rußgeschwärzt vom Feuer des Drachen. Der Berg wirkte unheimlich aber auf sie auch seltsamerweise sehr anziehend.Anette kannte einige herrliche Bergwiesen an seiner westlichen Flanke; besonders eine bestimmte mochte sie sehr. Dort saß sie oft unter einer riesigen Buche zwischen deren großen, dicken Wurzeln im weichen Waldgras, welches dort dicht wuchs und beobachtete ihre Ziegen. Dann ließ sie ihren Blick aus der Höhe über die stark abfallende Almwiese, über die Baumspitzen an ihrem unteren Rand ins Tal schweifen und träumte, fühlte sich frei und glücklich.

Sie lebte in einer Hütte, fast am Rand von Buchenhausen, mit einem Schäfer zusammen, der zwar 12 Jahre älter als sie war, aber in den sie sich vor einigen Jahren sehr verliebt hatte. Sie hatten jedoch letztlich nicht wirklich zusammen gefunden, vor allem war Anettes Kinderwunsch bisher unerfüllt geblieben und das hatte ihre Gefühle abkühlen lassen. So ging sie seit einiger Zeit ihrer eigenen Wege, kehrte jedoch abends meistens zu ihm in seine Hütte zurück, bereitete ihm das Abendessen und war ihm zumindest eine treue Gefährtin. Aber ihre Wünsche nach Zärtlichkeit richteten sich immer weniger auf ihn.

Ihre ausgedehnten Wanderungen tagsüber brachten ihr Raum für eigene Gedanken und Träume. Ja, sie träumte, obwohl sie nicht genau wusste, wovon. Sie ging gedankenverloren hinter ihren Ziegen her, die kleine, helle Glöckchen an Lederhalsbändern trugen, und das Geläut war eine schöne Begleitmusik ihrer Wege. Dann saß sie manchmal stundenlang in einer Wiese oder unter einem Baum, lehnte sich zurück und ließ sich von der Sonne bescheinen.

Als sie so eines schönen Tages im Herbst auf ihrer Lieblingsalm saß und die Färbung des in der Nachmittagssonne golden leuchtenden Laubs betrachtete, hörte sie merkwürdige Geräusche, ein Rascheln, Schleifen und Tapsen, manchmal von Schnaufen begleitet.Plötzlich tauchte, keine zehn Schritte entfernt, ein seltsam aussehender, bizarrer Kopf hinter einem hohen Haselstrauch auf; neugierige Augen richteten sich auf Anette. Die war vor Schreck, oder eher Überraschung, erst mal reglos und schaute gebannt in diese Augen.Die waren groß, etwas wild aber auch zugleich sanft, dunkel und geheimnisvoll leuchtend. Das Gesicht darum herum war, ja - , das war eindeutig ein Drachengesicht.

Jetzt erschrak Anette wirklich und sah sich schon als Abendessen des Drachen, dass er sie nach kurzem, verzweifeltem Fluchtversuch mit seinen Klauen gepackt und in wildem Flug durch die Luft in seine Höhle verschleppt hätte.Aber der Drache blickte sie nur neugierig an, öffnete ein wenig sein Maul, sodass seine lange, gespaltene und purpurrote Zunge ein Stück heraus fiel. Das sah sehr lustig aus, als ob er grinsen würde und Anette lachte ihr helles, fröhliches Lachen.

Nun konnte das Monstrum nicht mehr an sich halten, es musste näher kommen und dieses hübsche Ding, das so nette Geräusche von sich gab, genau betrachten, es beschnuppern. Anette rutschte das Herz wieder in die Hosen, als der Drache jetzt nur noch einen Schritt vor ihr stand, aber zugleich bemerkte sie auf einmal ganz verwundert, dass er viel kleiner war, als das immer erzählt wurde. Vielleicht wie ein großer Ochse, mit langem Hals und Schwanz und Flügeln natürlich. Sein Panzer sah irgendwie ganz weich, aber auf jeden Fall toll aus. Schillerte in allen Farben und bestand aus dicken, talergroßen Hornschuppen, die fast den ganzen oberen Körper bedeckten. Beim Laufen raschelten sie leise, endeten aber etwas unterhalb des Halses. Brust und Bauch hatten eine zwar sehr dicke, aber dennoch weiche, hellolivgrüne Haut; hier war die bekannte schwache Stelle dieses urtümlichen Wesens.

Das Gesicht des Drachen war auch gar nicht so schrecklich. Bei genauem Hinsehen wirkte es sogar freundlich, fast lustig. Und die Augen blinzelten neugierig in die von Anette, seine Nase sog ihren weiblichen Duft schnuppernd ein und ein langes "Mmmhhhmmm" entfuhr ihm.Ein Drache, der Parfüm mochte ! Er verdrehte den Kopf, verrenkte den Hals, um Anette von allen Seiten genau zu betrachten und hörte gar nicht mehr auf zu schnuppern und "Mhhmm" zu machen. So ein verrücktes Vieh, dachte Anette und hatte überhaupt keine Angst mehr; sie wusste instinktiv, dass er ihr nichts tun würde.Vorsichtig hob sie die rechte Hand, streckte sie aus und berührte leicht die Nase des Drachen. Der zuckte erst einmal ein wenig zurück, kam dann aber wieder rasch näher und war offenbar ganz heiß darauf, von Anette die Nase wie ein Pferd gestreichelt zu bekommen. So etwas hatte er ja schon ewige Zeiten nicht mehr erlebt. War das schön!

Er ließ sich vor Anette im Gras in der Sonne nieder, ringelte seinen Schwanz um sie herum und abwechselnd schnurrte er wie eine Katze oder grunzte wie ein Ferkel, bis sie ihm weiter erst die Nase und dann die Wangen tätschelte, ihn schließlich hinter seinen spitzen, fransigen Ohren kraulte. Da schnaufte er genüsslich auf - fast hätte er vor Freude ein bisschen Feuer gespuckt - und ließ wie ein Hündchen seinen Kopf in Anettes Schoß sinken, die es sich inzwischen wieder im Gras gemütlich gemacht hatte. Aus seinen Nüstern rauchte es ein bisschen und der Rauch war fast rosa, roch nur etwas verbrannt.

Das ging eine ganze Weile, bis der jungen Frau bewusst wurde, dass sie hier mit einem wirklichen Drachen wie mit einem Haustier herumschmuste. Dem Drachen gefiel es offensichtlich, der hätte sich am liebsten auf den Rücken gewälzt und sich den Bauch streicheln lassen."Du bist ja ein ganz Lieber!" sagte Anette zu ihm. Wie erstaunte sie jedoch, als er ihr antwortete:"Aber ziemlich einsam!" Der Drache war selbst verwundert, dass er sprach, er konnte sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal gesprochen hatte. Das lag aber vor allem daran, dass er über hundert Jahre alleine in seiner Höhle auf dem Berg gewesen war und keine Gesellschaft eines anderen Drachen oder gar Menschen gehabt hätte. Und, dass er ein schlechtes Gedächtnis hatte. Sonst hätte er sich erinnert, dass er gelegentlich übel in seiner Höhle herumfluchte, wenn er schlechte Laune hatte. Das aber zählte für ihn nicht zum "Sprechen".

Anette schüttelte den Kopf und wunderte sich nicht schlecht über das zutrauliche Ungeheuer. "Also so etwas, das glaubt mir keiner, wenn ich es erzähle," sagte sie und der Drache erwiderte gleich mit seiner dunklen, aber wohlklingenden Stimme " Bitte erzähle es niemandem, und ganz besonders: erzähle nicht, dass ich Dich nicht fressen wollte und Dir gar nichts getan habe. Dann hat nämlich keiner mehr Angst vor mir und es geht mir vielleicht an den Kragen. Drachen sind nämlich begehrte Jagdtrophäen, beispielsweise von dummstarken Helden, die sich als tapfere Ritter aufspielen wollen."

"Keine Angst, ich verrate Dich schon nicht. Auch nicht, dass Du gar nicht so groß und gefährlich bist.""Au weia, das hast Du auch schon bemerkt". Der Drache blickte sie ganz verzweifelt an. "Ob ich Dir vertrauen kann?" Anette hätte am liebsten laut gelacht. Sie saß mit dem Schrecken der ganzen Gegend mutterseelenallein auf einer verlassenen Alm und das "Untier" fühlte sich von ihr bedroht! Ihr wurde ganz merkwürdig zumute. Eine Mischung von Mitleid und Zuneigung erfüllte sie.

Der Drache war ein netter, harmloser Kerl, der sie mochte. Sie entspannte sich und fing wieder an, den Drachen zu kraulen. "Lieber Drache, Du brauchst keine Angst vor mir zu haben", sagte sie schmunzelnd und der Drache seufzte sichtlich erleichtert auf und streckte sich zu ihren Füßen aus, den Kopf jetzt noch tiefer in ihren Schoß gedrückt, um sie zum Weiterstreicheln zu ermuntern. Der Drache fühlte sich gut an, glatt, weich und gar nicht kalt. Seine klugen, dunklen Augen blickten ständig in Anettes Gesicht und nun sah sie, wie sich ihre Farbe tatsächlich veränderte - von anfangs einem Smaragdgrün über Violett nun zu einem tiefen, warmen, dunklen Blau, ähnlich ihrer Augenfarbe. Er seufzte wieder."Ach, tut das gut. Am liebsten würde ich hier in Deinem Schoß ein Schläfchen halten." Das hätte er wirklich sehr gern getan.

So saßen sie eine ganze Weile und Anette hörte nicht auf, die putzigen, pinseligen Ohren des Drachens zu kraulen; er hatte die Augen in träumerischem Genießen halb geschlossen, grunzte leise und zufrieden vor sich hin."Hast Du einen Namen?" wollte sie wissen; "Meiner ist Anette."

Der Drache überlegte. Hatte er einen Namen? Es kam ihm so vor, als würde ganz tief in seiner Erinnerung jemand nach ihm rufen. "Gullie…äh, Willi!" rief er plötzlich, sein Kopf fuhr vor innerer Aufregung ruckartig etwas hoch und winzige, violette Flammen züngelten in seinen Nüstern. Er hatte sich gerade noch beherrschen können, keinen mächtigen Feuerstoß von sich zu geben, sonst wäre Anette jetzt ein gares Grillwürstchen gewesen."Ja, Willi heiße ich. Willi und Anette, - klingt prima!", sagte er mehr zu sich selbst und ließ seine Worte genüsslich durch sein großes Maul rollen. Seine Zunge hing dabei wieder ein wenig seitlich heraus und ließ ihn unheimlich lustig aussehen. Er nahm seinen Kopf etwas zurück, sah sie freundlich und ganz fest an und fragte: "Wollen wir Freunde sein?“

Anette verschlug es erst einmal die Sprache. Ein Drache wollte ihr Freund sein. Mit dem Wort Freund ging sie sehr sorgfältig um. Nicht jeden, den sie kannte und mit dem sie gelegentlich ein paar freundliche Worte wechselte, nannte sie gleich ihren Freund. Nein, dazu gehörte mehr. Sich auf einander verlassen können, sich vertrauen, einander mögen und verstehen, sich nie zu belügen, das gehörte für sie unbedingt zu einer wirklichen Freundschaft. Und dazu musste man sich erst einmal richtig kennen. So dachte Anette und nickte einmal kräftig.

Der Drache schaute sie empört an, als sie mit ihrer Antwort etwas zögerte. "Vertraust Du mir etwa nicht? Ich hätte Dich doch längst fressen können. Und Dich darauf verlassen, dass ich’s nicht doch noch tue, kannst Du auch. Ich bin nämlich fast immer „Vegetarier" grummelte er etwas beleidigt.

" Und Du magst mich auch, sonst würdest Du mir nicht so schön meine Öhrlein kraulen und verstehen tust Du mich auch, sonst wärst Du schon weggegangen und als Letztes: warum sollten wir uns belügen? Also kann ich Dein Freund sein."Anette war überwältigt von dieser Logik aber ein merkwürdiges Gefühl beschlich sie, als sie sich klar wurde, dass der Drache auf ihre unausgesprochenen Gedanken geantwortet hatte! "Kannst Du Gedanken lesen?" fragte sie ihn unsicher. Er blickte sie ganz listig an. "Was meinst Du mit „Gedanken lesen“? Ich habe Dir nur ganz normal geantwortet!"

Anscheinend wusste der Drache gar nichts mehr von seinen besonderen Fähigkeiten, hatte sie vergessen, verdrängt. Er war, solange er zurück denken mochte, alleine gewesen. Es war für ihn selbst schon fast eine Überraschung gewesen, dass er sprechen konnte. Und dass er sich an seinen Namen erinnert hatte.Als Anette klar wurde, dass der Drache bisher gar niemanden zum Reden gehabt hatte, war sie ganz gerührt. Nun tat er ihr ein bisschen leid, aber eigentlich fing sie an, ihn lieb zu gewinnen, so wie er da vor ihr lag, sie so vertrauensvoll mit richtigen Kinderaugen anschaute und zutraulich wie ein Schoßhund ihr Streicheln und Kraulen genoss. Und er war offenbar einsam, - so wie sie.Na ja, nicht ganz.

Ihr Gefährte Robert wartete immer auf sie und eigentlich fühlte sie sich in seiner Hütte und in seinem Arm ganz geborgen. Obwohl es ihr in Wahrheit nichts mehr bedeutete. Deshalb suchte sie die Einsamkeit des Berges, verschloss sich vor anderen Menschen ohne ihnen aber vollkommen aus dem Weg zu gehen; es war wie eine Art Trauer, die sie mit sich herumtrug. Und eine unbewusste, unbestimmte Sehnsucht, die sie mit dem Blick in die Ferne, ins weite Tal hinein zu stillen suchte.

"Gut, ich will Deine Freundin sein", sprach sie ein wenig feierlich, so wie bei einem Versprechen.Der Drache schmiegte seine linke Wange an ihre Taille und schielte nach oben in ihre großen Augen. Er war glücklich. Er hatte eine wunderschöne, junge Frau als Freundin gewonnen.In seinen alten Drachenbüchern hatte er über Vorfahren gelesen, die auch mit schönen, jungen Frauen zu tun gehabt hatten, sogar mit Prinzessinnen, aber die hatten sie meistens nur aufgefressen, in Mengen. Das konnte er gar nicht verstehen. Zum einen, weil er ja sowieso meistens Vegetarier war und zum anderen: So etwas Schönes wie eine junge Frau frisst man nicht!

Nun würde er nie mehr einsam sein, dachte er verträumt, als seine Gedanken wieder zu seiner neuen Freundin zurückfanden."Wie alt bist Du denn?" fragte Anette ganz unvermittelt. Was die so alles wissen will, überlegte der Drache. Die Frage hatte ihn ganz schön in Verlegenheit gebracht. Die Beschäftigung mit Vergangenem erzeugte jedes Mal eine ihm unerklärliche innere Glut; so kräuselten sich nun kleine orangefarbene Wölkchen und gelegentlich auch Rauchringe aus seinen daumenbreiten Nüstern, während er versuchte, seine Lebensjahre zusammen zu zählen. Wo sollte er da am besten anfangen?

Er erinnerte sich nur sehr dunkel an die Zeit, als er ein noch kleiner Drache war, mit seinen 12 schwarzen Geschwistern spielte, die ihn dauernd ärgerten, weil es ihm von dem Ziegenfleisch, mit dem sie von ihren Eltern versorgt wurden, immer schlecht wurde. "Der Willi kotzt mal wieder", hieß es oft, wenn er von den Dracheneltern in der Runde des gierig schmausenden Nachwuchses vermisst wurde. Am liebsten ernährte er sich vegetarisch. So gab es auch jedes Mal riesigen Ärger, wenn Vater Hervín mit dem Drachennachwuchs übte, die Mahlzeit selbst zu töten; Willi stahl sich derweil davon, um die ärmlichen Felder der Bauern zu plündern. Außerdem taten ihm die Ziegen leid.Das sei eines Drachens nicht würdig, hatte der strenge Vater immer wieder gesagt. Aber wie lange war das her? Die Lebensabschnitte bei Drachen dehnen sich wesentlich länger als bei Menschen!

Er erinnerte sich, dass eine alte Drachentante einmal zu ihm gesagt hatte, er sei jetzt mit seinen 250 Jahren erwachsen und könne langsam anfangen, darüber nachzudenken, sich eine eigene Höhle zu suchen. Bis dahin war er - als letzter seiner Geschwister - immer in der Höhle der Alten gewesen. Die hatten es mit ihm schon aufgegeben.Er war einfach anders als die anderen; seine Essgewohnheiten waren nur ein Beispiel. Sein ganzes Verhalten und vor allem die fast weiße Haut ließen keinen Zweifel daran, dass er "anders" war.Hervín schüttelte immer wieder verzweifelt sein mächtiges Haupt über seinen "Betriebsunfall", wie er Willi manchmal nannte. Ein richtiger Schwarzer Drache wie er selbst würde Willi wohl nie werden und es war sogar zu erwarten, dass er seinen Vorfahren nach geraten könnte.

Die Eltern wussten noch, dass sie als „Weiße Drachen“ einstmals große, magische Kräfte besessen hatten, und dieser Gedanke bereitete ihnen keine geringe Sorge. Willi interessierte sich inzwischen jedoch viel mehr für die Schmetterlinge in einer Wiese, die lustigen Käfer und die schönen, duftenden Blumen, als für irgendwelche langweiligen Ziegen. Er selbst ahnte indessen nicht im Geringsten, was alles in ihm stecken könnte.Zunächst nur mit Widerwillen erlernte er die Kunst des Feuerspeiens, als er es dann aber konnte, machte er - aus der Sicht seiner Dracheneltern - nur Blödsinn mit dieser Gabe. Er suchte die Nähe von Menschen, und anstatt sie gehörig zu erschrecken, versuchte er, mit ihnen zu plaudern und zündete ihnen mit seinem Feuerstoß schon mal das Lagerfeuer an.

Ähnlich war’s dann auch mit dem Fliegen. Willi wollte erst einmal zum Verplatzen nicht fliegen lernen, er hatte einfach unheimliche Angst, keinen Boden unter den Pranken zu haben und schwindelig zu werden. Während seine Geschwister schon jahrelang den Himmel unsicher machten, saß er immer noch zitternd auf der Felsnase, von der aus er starten sollte. Jeden Tag aufs Neue redeten die Eltern auf ihn ein wie auf einen kranken Gaul, schimpften, bettelten, drohten, es half alles nichts. Erst als er wieder einmal auf dem Campo Schmetterlingen nachjagte und er dabei auf ein paar Menschenkinder traf, deren Papierdrachen sich hoch in einer Palme verfangen hatte, reckte er plötzlich seine Flügel, schwebte vorsichtig erst ein wenig auf der Stelle und stieg dann mit einem Jauchzer des Triumphs hoch in die Luft. Schnell hatte er begriffen, wie das mit dem Fliegen funktionierte, flatterte zu der Palme und pflückte seinen Papierkollegen ganz vorsichtig aus den Wedeln.

Dass ihm dies gelungen war, freute ihn aber derart, dass er aus Versehen ein klein wenig Feuer spuckte, was dem Spielzeugdrachen gar nicht gut bekam. Aber die Kinder waren sowieso schon längst vor Schreck ausgerissen und er saß ganz enttäuscht, die noch glimmenden Reste im Maul, allein im verdorrten Gras.Nun konnte er fliegen und die Eltern wünschten bald, er hätte es nie gelernt. Wieder machte er nur dummes Zeug. Wenn seine Geschwister "Verstecken" spielen wollten, oder für einen "Überfall" auf der Lauer lagen, kam Willi im Sturzflug herangerauscht, kreiste über den so enttarnten Geschwistern und kicherte oder rülpste so lange, bis deren Spiel geplatzt war. Seine Geschwister hassten ihn dafür!

Oder wenn die Alten einmal ihre Ruhe haben wollten und sich vor ihrer Höhle in der Sonne ausstreckten, kam der übermütige Jungdrache mit einem Maul voll Meerwasser - gut und gern die Menge eins großen Eimers - und spukte es über ihnen aus, sodass es wie ein Platzregen auf sie niederprasselte. Und dies, obwohl "normale" Drachen Wasser doch so hassen! Hundertmal hatten ihm die Eltern erklärt, dass Feuer und Wasser Gegensätze wären. Drachen seien Feuerwesen und sollten - außer beim vorsichtigen Trinken - mit Wasser möglichst nicht in Berührung kommen; Willi war aber nicht umzustimmen. Als einziger Drache badete er sogar manchmal und Schwimmen machte ihm riesigen Spaß!Einmal hätte er beinahe sogar sein inneres Feuer vollkommen ausgelöscht, als er sich aus ein paar Metern Höhe in Strandnähe ins Wasser plumpsen ließ, um andere Drachen, die am Strand im warmen Sand lagen und sich sonnten, eine gehörige Dusche zu verpassen.

Es hatte wirklich toll gespritzt, so sehr, dass die meisten hinterher für Stunden keine einzige Flamme mehr zustande brachten und Willi selbst ertrank fast bei diesem Streich. Vom Aufprall und tiefen Eintauchen ins Wasser ganz benommen, hatte er Unmengen Meerwasser schlucken müssen. Er dampfte lange wie eine Lokomotive und es dauerte Tage, bis er wieder die ersten Flammen erzeugen konnte. Danach hatte er es dann aber doch eingesehen, mit Wasser etwas behutsamer umzugehen und achtete auch fortan sorgsam auf seine innere Drachenglut, denn Feuerspeien war schon eine tolle Sache, auf die er nicht verzichten wollte.

Aber er blieb ein Außenseiter und wurde es noch mehr, als Willi völlig unbeabsichtigt bei seinen Possen Mittel einsetzte, die den anderen zeigten, dass er im Unterschied zu ihnen mit magischen Fähigkeiten begabt war, welche allmählich erwachten. So konnte er zum Beispiel plötzlich die Gedanken der anderen Lesen, was allen höchst lästig war. Vor Willi konnte nichts mehr verborgen bleiben. Mit all dem kam er selbst aber immer weniger zurecht, damit wollte er eigentlich gar nichts zu tun haben, es ängstigte ihn sogar ein wenig.Er wehrte sich gegen dieses Erwachen dieser ihm unheimlichen Kräfte, ebenso wie gegen das "Erwachsenwerden“.

Irgendwann war er dann einem plötzlichen Impuls folgend von zuhause fort geflogen. Ihm war klar geworden, dass er seine eigenen Wege gehen musste. Er war anders als die anderen Drachen und ging denen mit seiner Andersartigkeit nur auf die Nerven ging, wurde von ihnen schon fast gehasst.Traurig war er geworden, alleine hatte er sich gefühlt. Nach Norden, über das weite Meer war er geflogen, dorthin, woher die Drachen nach den Erzählungen der Eltern einstmals gekommen waren.

Mehr als zweihundert Jahre zog er ziellos durch die Welt und die Erinnerung an seine Familie, seine Herkunft und vieles andere verblasste nach und nach. Willi lernte fremde Länder und interessante Menschen kennen, aber erlebte er in diesen langen Jahren auch einige riskante Abenteuer. Bei seinem gefährlichsten ging es ihm fast an den Kragen und nur Lilianas heimliches Eingreifen hatte Schlimmstes verhindert. Im fernen Osten hatte ihm ein mächtiger Dämon aufgelauert, dessen Existenz fast schon in Vergessenheit geraten war. Die Feenkönigin war über dessen Auftauchen zutiefst beunruhigt, und erkannte, dass es nun an der Zeit war, den „Weißen Drachen“ zu sich zu rufen!Willi war kurz darauf einer drängenden, inneren Stimme gefolgt, welche ihn direkt zu Liliana geführt hatte. Die Königin der Lichtwesen war während all der Jahre jedem seiner Schritte gefolgt; ihre seherischen Gaben ermöglichten dies selbst aus größter Entfernung. Der Drache wurde in die dichten Wälder des Buchenlandes gerufen, zu einem kleinen Haus auf einem Hügel in der Mitte einer Lichtung. Er war sehr überrascht, als er dort unvermittelt der Fee gegenüber stand.

Liliana wirkte zunächst eher unscheinbar, sie hatte die Gestalt einer sehr zierlichen und nur wenig mehr als fünf Fuß großen Frau. Erst in ihrer Nähe verbreitete sich der Zauber ihrer wie zwei Sterne leuchtenden, dunkelblauen Augen. Schwarzes, glänzendes Haar umfloss ihr gütiges, freundliches Gesicht und eine fluoreszierende Aura umgab ihre ganze Gestalt.Sie schöpfte ihre große Macht allein aus dem Ewigen Licht, nutze sie jedoch niemals, um einen Gegner zu verletzen oder gar zu töten. Vielmehr konnte sie für andere Lichtwesen Schutzschilde erzeugen und ihnen besondere Kräfte verleihen, wenn schwierige Aufgaben solches erforderte.

Liliana offenbarte dem Drachen nicht sogleich die ganze Wahrheit über seine wirkliche Herkunft, seine Begabungen und über sie selbst. Auch die ihm zugedachte Rolle und Aufgabe verschwieg sie ihm zunächst; nur ganz allmählich öffnete sie ihm dafür die Augen.Sie wurde seine geduldige Lehrmeisterin, weihte ihn in die Geheimnisse der Magie ein und vermittelte ihm das uralte Wissen über die Macht des Lichts. Dabei verstand sie es, ihm alles, was er lernen musste, wie im Spiel zu vermitteln.

Er fand großen Spaß daran zu erlernen, seine Farbe und auch die Größe seiner Gestalt zu verändern. Die Fee riet ihm allerdings dringend, sich nicht mehr als "Weißer Drache" zu zeigen, sondern eine grüne Färbung zu bevorzugen. Dadurch wäre er gut getarnt und der mächtige Dämon Zastro, mit dem er bereits diese höchst gefährliche Begegnung gehabt hatte, würde ihn nicht leicht entdecken können. Willi befolgte diesen Rat....

Da sich der Drache derweil aber eher für seine Lehrerin als ihre Unterrichtungen interessierte, blieb es nicht aus, dass er sich in sie verliebte. Die Fee war wunderschön und jedes Mal, wenn sie ihn anlächelte, wurde ihm so warm ums Herz, dass er sich wünschte, sie in seinen Armen - nein, Schwingen - halten zu können . Als er sich eines Tages aufraffte, seinen Gefühlen zu ihr schüchtern Ausdruck zu geben, lächelte sie wieder so herrlich - und wurde seine Geliebte. Der Drache erlebte mit ihr das erste Mal die Freuden der Liebe und war überglücklich!

Guillermo El Dragón, wie sie ihn beharrlich nannte, war aber die große Hoffnung aller, der letzte der "Weißen Drachen", der als einziger die dämonischen Schatten des Rufus Zastro endgültig aus dieser Welt vertreiben könnte - und das machte ihm die Fee nun immer wieder deutlich.Der bis über die Ohren verliebte Drache hatte geglaubt, er könne mit seiner Fee einfach nur so vor sich hin leben, sich gemeinsam mit ihr an dieser Welt freuen - und glücklich sein.

Liliana, die Königin der Feen, verdeutlichte ihm aber immer wieder, dies sei nicht sein Weg. Zu oft schon hatte sie ihm erklärt, er sei ein magisches Wesen und habe damit eine große Verantwortung. „El Luminór“ das Feuer des „Ewigen Lichts“ glimme erst in ihm, und er sei daher noch nicht bereit für seine großen Aufgaben. Das Licht müsse aber entfacht und er müsse sich endlich seiner Macht und seiner wichtigen Aufgabe bewusst werden, die Welt von Zastro zu befreien. Doch ihn zu "erwecken", das Licht zu entfachen, dies müsse eine Menschenfrau bewirken. Sie, Liliana, sei dafür nicht auserwählt.

Darüber hatten sie sich letztlich entzweit; Willi konnte nicht viel Gutes an seiner „ehrenvollen“ Aufgabe entdecken; sie würde ihm seiner Meinung nach eher Ungemach bescheren und sollte ihn jetzt auch noch von seiner Geliebten trennen? Er wollte sich gar nicht mit Magie und dem Kampf gegen die dunklen Mächte dieses Zastro beschäftigen.Niemand habe ihn gefragt, ob er denn als der große Retter auftreten wolle, erklärte er trotzig!Dieser Dämon verhalte sich im Übrigen ja auch wieder ganz ruhig und künftig würde er ihm einfach besser aus dem Weg gehen! Er liebe die Natur und alles Schöne dieser Welt, interessiere sich für Kunst und Literatur und sehne sich nur nach einem gemütlichen Heim, in welchem er nicht allein wäre. Das würde ihm vollkommen genügen. Und was den Rest der Welt anginge - warum sollte es nicht möglich sein, mit allen in Frieden und Freundschaft zu leben, sich gegenseitig zu helfen und ein ganz normales, ruhiges Leben zu führen?

Liliana hatte über so viel Unverstand nur weise den Kopf geschüttelt. Sie wusste ja nur zu gut, dass Willi einfach noch nicht reif für seine Aufgaben war.Solange er sich selbst nicht als magisches Wesen akzeptieren könnte, würde er auch seine Fähigkeiten nicht entwickeln. Die konnte aber durch eigene Erfahrungen geschehen.Die Fee fühlte in stiller Trauer, dass ihr lieber Drache sie nun bald verlassen würde. Er würde sich in eine Menschenfrau verlieben, dabei die Macht der Magie erleben und sich endlich für sie begeistern. So sehr sie dieses Wissen auch schmerzte wusste sie doch, dass dies der ihnen vorbestimmte Weg war.Und schließlich würde den Drachen sein Schicksal dahin führen, dass er aus Liebe doch bereit wäre, mit seiner ganzen Macht diese Welt zu verteidigen und für ihren Fortbestand zu kämpfen. Dann könnte er Zastro gegenüber treten.

Doch Willi war erst einmal bitter von Liliana enttäuscht.Er erkannte auch nicht wirklich, welche bedeutende Aufgabe eigentlich von ihm erwartet wurde. Und weil er sich außerdem von Liliana gänzlich unverstanden und nicht mehr geliebt fühlte, war er tatsächlich eines Morgens, Anfang Juni, in aller Frühe einfach davon geflogen.

Ohne sich einmal umzusehen erreichte er mit kraftvollen Schlägen seiner Schwingen schnell große Höhe. Dann ließ er sich vom Wind in Richtung Osten tragen, auf ein großes Gebirge zu. Die schönen Landschaften, die unter ihm lagen, nahm er kaum wahr - nur fort vom Wald der Fee trieb es ihn in seinem tiefen Kummer. Bei allen Meinungsverschiedenheiten hatte er Liliana trotzdem sehr geliebt und begehrt; so fühlte er sich jetzt zerrissener und einsamer denn je zuvor!

Als er das Gebirge überquerte, musste er so hoch steigen, dass er von der dünnen Luft ganz außer Atem geriet und es ihm fast schwindelig wurde. Nun wollte er sich erst einmal ausruhen und segelte langsam auf einen der schneebedeckten, herausragenden Gipfel der Gebirgskette zu. Als er dann dort oben hockte und wieder ein wenig zu Kräften gekommen war, sah er sich um. Von dem herrlichen Blick über die von der Abendsonne beschienene, sich nach Südwesten erstreckende Bergkette wurde ihm das Herz schon leichter. Er konnte sich endlich wieder über die Schönheit der Welt freuen und fand, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, allein zu sein. Er fing an, seinen herrlichen Ausblick zu genießen, tief durch zu atmen und seine Seele baumeln zu lassen. Ja, hier in der klaren Bergluft fand er seine Freude und auch seine Gelassenheit wieder, wenigstens ein bisschen.

Etwas weiter östlich endete das Gebirge und verlor sich in hügeliges Land. Aber durch ein weites, tiefes, von einem Wasserlauf gegrabenes Tal vom übrigen Gebirge abgetrennt ragte ein mächtiger, vulkanartiger Berg, der die ganze Gegend beherrschte und überragte. Dieser Berg lag noch ein gutes Stück entfernt und weckte Willis Interesse; er erinnerte ihn an seine frühere Heimat, die Vulkaninsel.

Etwas unterhalb seines momentanen Rastplatzes in eisiger Höhe sah er eine Stelle, die sich für eine längere Rast eignete und er beschloss, dort noch ein wenig auszuruhen. Er wollte dieses überwältigende Panorama der mächtigen Berge in der Abendsonne und den Blick aus der Höhe in die fernen Täler, die möglicherweise seine neue Heimat werden könnten, ordentlich genießen und auf sich wirken lassen, dann ein ausgedehntes Schläfchen halten und am nächsten Morgen in den Sonnenaufgang hinein zu fliegen, in einen neuen Lebensabschnitt.

Das war eine gute Idee gewesen!

Als am anderen Morgen die Sonne über den Horizont im Osten kroch, hatte er sich rasch von seinem Nachtlager aus trockenen Blättern erhoben und vom auffrischenden Westwind dahin tragen lassen, war auf einer warmen Luftschicht nur ein wenig weiter nach Osten zu dem ihn mächtig anziehenden Berg gesegelt, welcher noch nach Süden hin ein kleines, hügeliges Vorgebirge hatte. Die größtenteils bewaldeten und mit Buschwerk bestandenen Höhenzüge liefen in wunderschöne, liebliche Täler mit Bächen, Flüssen und Seen aus, und sie umschlossen die obere Hälfte des weiten Tals, das Willi nun überflog. Etwas südlich konnte er ein Dorf liegen sehen, aber das interessierte ihn jetzt überhaupt nicht.

Am Rand der Baumgrenze, noch etwa 600 Fuß unterhalb des Gipfels dieses außergewöhnlich geformten Kegelberges, der wirklich fast wie ein Vulkan aussah, erspähte Willi eine Höhle. Die wollte er sich genauer ansehen. Gutgelaunt schwebte er in großen Schleifen hinab und landete am Rand des Höhleneingangs. Eine gute Aussicht nach allen Seiten hatte man von hier, konnte das ganze Land überblicken. Etwas unterhalb begann der Wald, der bald von schönen Almwiesen aufgelockert wurde und aus einer Felsengrotte sprudelte eine Quelle, die als Bach und später als Fluss das ganze weite Tal geschaffen hatte und ihm reiches Leben gab. Willi wurde ganz heimelig zumute, er ahnte, dass er hier ein neues Zuhause gefunden hatte. Jetzt galt es, die Höhle selbst erkunden.

Der Eingang war eben und groß genug, dass er bequem hinein und heraus fliegen konnte - ideal. Dann, nach einer Biegung, ging’s abwärts, tief aber nicht zu steil in den Berg hinein. Es war stockdunkel, aber mit seinen glühenden Augen sah Willi jede Einzelheit.

Haufenweise Knochen lagen da herum und es roch muffig, da müsste erst einmal richtig ausgemistet werden! Plötzlich ging es nicht weiter, ein dichter Verhau aus Baumstämmen, Felsen und Gestrüpp versperrte den Gang, der hier auch enger war, als zu Anfang, sodass Willi gerade noch bequem durchkriechen konnte. Für Menschen wäre die Barrikade vor ihm ein unüberwindbares Hindernis gewesen, aber nicht für den vor Kraft strotzenden Drachen. Er spuckte mal kurz und kräftig etwas Feuer, das strohtrockene Holz flackerte hell auf und die Barriere geriet krachend ins Wanken, stürzte ein und die Felsen polterten laut hallend in den dahinter befindlichen Raum. Willi bahnte sich einen Weg und als er das Hindernis vollständig überwunden hatte, stockte ihm vor Überraschung und Freude der Atem.

Vor ihm befand sich eine geräumige Höhle mit vielen, kleinen Ausbuchtungen, wie Kammern, und einem Plateau im Hintergrund, das ein ganzes Stück über den Rest des Raumes erhob. Und obendrauf ruhte ein riesiges Skelett - unverkennbar das eines Drachens. Wahrscheinlich war dieses Ungeheuer ein Relikt aus den dunkelsten Jahren dieser Welt.Willi hatte den großen Wurf getan, er hatte eine alte Drachenhöhle entdeckt und ihr früherer Herr und Bewohner war möglicherweise an Altersschwäche gestorben.

Das konnte bei Drachen geschehen, wenn sie älter als 1500 Jahre wurden. Anscheinend hatten Menschen die Drachenhöhle verschlossen, als sie merkten, dass der alte Unhold zu alt und zu fett war, um noch aus der Höhle kriechen zu können. Es war wahrscheinlich einer der schrecklichen Schwarzen Drachen gewesen, der vielen Talbewohnern und unzähligen Tieren das Leben gekostet -, der sie gefressen und das ganze Land in Angst und Schrecken gehalten hatte.