Siebenversum - Sven Gottfried - E-Book

Siebenversum E-Book

Sven Gottfried

0,0

Beschreibung

Die Bewohner des Siebenversums haben eines gemeinsam, sie alle stammen von der großen Muh ab, welche die sieben Planeten quasi im Galopp verloren hat. Auch den Melktag haben alle Planeten gemeinsam, diesen einen Tag in der Woche, wo man der großen Muh gedenkt und nach einer rituellen Kuhmelkung das Kuh-Unser betet. Doch damit enden bereits die Gemeinsamkeiten, denn die Bewohner der sieben Planeten sind so unterschiedlichen Charakters, wie man es sich nur denken kann. Die NIMMS sind notorische Diebe, die MANMÜSSTER und MANHÄTTENER unfähig, Dinge in die Tat umzusetzen und den EGALÄNDERN ist schlichtweg alles egal. Die Planeten unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Sprache – Gemeinsamkeiten mit uns bekannten Dialekten sind dabei aber rein zufällig.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Siebenversum

Das Siebenversum besteht aus sieben Planeten, welche durch eine Milchstrasse miteinander verbunden sind. Es hat eine Sonne und einen Mond – irgendwo, ganz oben. Die Planeten des Siebenversums sind von kuhänlichen Wesen bewohnt, sogenannten Kuhmanoiden. Es gibt viele Legenden um den Beginn des Siebenversums, aber eine hat sich auf allen Planeten einheitlich durchgesetzt:

Die große Muh

Als erstes gab es die große Muh. Sie gebar in einer Nacht sieben Kälber und säugte sie an ihren Zitzen. Gegen 1 Minute vor Fall, weswegen es als "der große Vorfall" in die Geschichte eingegangen ist, musste sie mal wo hin und sprang auf, sich nicht daran erinnernd, dass sie gerade dabei ist, ihre Kälber zu säugen. So fielen die Kälber alle hinunter, landeten auf dem Boden und wurden zu Erdklumpen, verbunden durch einen Rinnsal aus Kuhmilch, im Siebenversum Milchstrasse genannt. Der große Vorfall, der dem eigentlichen Fall (der Kälber) voran ging, wird als Stunde Null angesehen, obwohl er genau genommen minus 1 Minute stattfand. Auf fast allen Planeten des Siebenversums gibt es Gebetshäuser, denn die Siebenversumer sind sehr gläubig. Einmal in der Woche findet am sogenannten Melktag eine Andacht statt, wo man der Entstehung des Siebenversums gedenkt. Es wird dann symbolisch eine Kuh gemolken und die Milch den Gläubigen zu trinken gegeben. 

Die Woche im Siebenversum hat sieben Tage, und jeder Planet durfte sich zu Beginn der Zeitrechnung einen Tag aussuchen. Der Planet NIMM allerdings nahm sich zwei Tage, weswegen sein Nachbarplanet GIB keinen hat und somit als einziger auch kein Gebetshaus, da ihm ja der Melktag fehlt.

Das Siebenversum besteht aus den folgenden Planeten:

Dem Planeten NIMM mit seinen Bewohnern, den Nimms, dem Planeten GIB, dessen Bewohner Gibihms heißen, den beiden Planeten ICH und DU, deren Bewohner sich Ichlinge, bzw. Dulander nennen, den Zwillingsplaneten MANMÜSSTE und MANHÄTTE mit den unentschlossenen Manmüsstern und Manhättenern und schließlich dem Planeten EGAL, dessen Bewohner Egaländer heißen. Sie selbst nennen sich Egalisten, weil das intellektueller klingt und sie dann nicht dem grobschlächtigen Bergvolk aus ihren Kinderbüchern verwechselt werden können.

Die Planeten des Siebenversums sind im Kreis angeordnet, verbunden durch die Milchstrasse. So finden wir im Uhrzeigersinn: Den Planeten ICH, gefolgt von MANHÄTTE und EGAL. Darauf folgen die Planeten DU und MANMÜSSTE und die letzten beiden sind GIB und NIMM. In der Mitte dieses Planetenkreises befindet sich die Insel der Weisheit, auf der das heilige Grinsegras wächst. Heilig deshalb, weil es heißt, dass die große Muh davon gegessen und anschließend die Erleuchtung erfahren haben soll. Aus der Mitte der Insel ragt ein riesiger Berg, so hoch, dass er bis über das Siebenversum hinaus reicht.

Der Planet NIMM

In der Aussprache der Planetenbewohner, den Nimms, wird „ch“ gerne durch -sch ersetzt (traurisch, schrecklisch, neulisch). Es gibt noch weitere Besonderheiten in ihrer Aussprache, die sie allerdings abstreiten.

Ihr Land heißt Rundland. Rundland ist deshalb rund, weil als erstes die Ecken geklaut wurden. Irgendwann gab es keine Ecken mehr zu klauen, und übrig blieb ein rundes Land. 22 nach Fall fielen die Nimms über den Planeten DU her, auch als der große "NIMM-DU" Krieg bekannt. Der Krieg endete unblutig und ohne Beute, da es auf DU nichts zu stehlen gab. So sagt die Legende, dass der Abbau des Goldes auf DU an purer Höflichkeit gescheitert sein soll: "Nimm du das Gold.“ „Nein Du.“ „Nein Du, ...". Im Eingang der einzigen Goldmine auf DU stehen, seit man sich erinnern kann, zwei gewaltige Steinfiguren, die immer noch leise miteinander debattieren sollen: "nimm du“, „nein du ...". Die Nimms sind die besten Autobauer im Siebenversum, ihre bekannteste Automarke ist der „Siebenstern“. Eine Luxuskarosse, die sich allerdings nur Wohlhabende leisten können. Ihre Hauptabnehmer sind die Planeten MANMÜSSTE und MANHÄTTE, obwohl es dort gar keine Strassen gibt.

Der Planet NIMM hat keinen König, dafür aber einen Chef, Pepperl Nimmdas - auf NIMM haben alle den Nachnamen „Nimmdas“. Pepperl Nimmdas ist streng und gerecht, vor allem sich selbst gegenüber. Als tatsächlich einmal ein Nimm fragte, warum sie immer nur nehmen würden und nicht auch mal geben, hat er ihn sofort auf der Milchstrasse aussetzen lassen. Es heißt, der Planet GIB hätten ihn aufgenommen und zum königlichen Berater für „außengewöhnlige Zugeständlichkeiten“ ernannt. Andere halten das für nicht glaubhaft, da die Bewohner von GIB aufgrund ihres selbstlosen Charakters nicht in der Lage sind, etwas zu nehmen oder aufzunehmen.

Als die Kuh ihren Dienst verweigert

Auf NIMM hat man zwei Melktage, weil man den zweiten zu Beginn der Zeitrechnung dem Planeten GIB geklaut hat. Natürlich wird das in der Geschichtsschreibung NIMM's anders dargestellt. Dort heißt es, der Planet GIB hätte den Nimms „mit großer Freude seinen Melktag geschenkt, weil die Gibihms keine Milch mögen und die Nimms so liebe Nachbarn sind“. Da man zwei Melktage zur Verfügung hat, trinken die Nimms viel Milch und haben davon im Laufe der Jahrhunderte dickliche, runde Gesichter bekommen. So hat sich denn auch auf dem Nachbarplaneten GIB, das Wort „Nimm“ als Schmähwort etabliert: „Du siehst aus wie ein Nimm“, oder „Du Nimmer“, was so viel heißt wie, „Du Dieb“.

An diesem Melktag ist alles anders. Zwar haben die Nimms den Gibihms deren Melktag gestohlen, aber nicht die dazugehörige Kuh. Heute ist der zweite von beiden Melktagen, und weil am ersten Tag alle besonders gierig waren, ist die Kuh leer und kann keine Milch mehr geben. Der Pastor tut sein Bestes, redet auf sie ein, bedampft sie mit sakralen Ölen und poliert ihre schwarzen Flecken, bis sie wunderbar glänzen, aber es hilft nichts - keine Milch. „Das isch ja auch kei Nimm-Kuh, die had schwatze Flegge. Nimm-Kuhs han braune“, quäkt einer aus der ersten Reihe. „Wer had die geklaut?!“ ruft ein anderer und schaut mit strengem Blick in die Menge. Tatsächlich ist es so - aber das weiß auf Nimm niemand, außer dem Pastor - dass die Kuh in Wirklichkeit braune Flecken hat. Aber weil dem Pastor während einer tiefen Trance eine schwarz gefleckte Kuh erschienen ist, und er das als himmlisches Zeichen angesehen hat, hat er die Kuh heimlich mit schwarzer Schuhcreme „umgelabelt“.

Es kommen verschiedene Vorschläge aus der Gemeinde. Man könnte der Kuh Milch aus der Milchstrasse einflößen, oder ihr Milchpulver unters Heu mischen. Auch kommt der Vorschlag, ihr Geschichten vom grobschlächtigen Bergvolk vorzulesen, da in deren Geschichten Milchkühe eine sehr wichtige Rolle spielen und es ihre Kuh vielleicht motivieren würde, selber wieder Milch zu geben. Ein anderer schlägt vor, sie gegen einen Getränkeautomaten austauschen - er hätte zufällig noch einen sehr günstigen bei sich zuhause herumstehen. Aber kein Vorschlag überzeugt. Langsam wird die Gemeinde unruhig. Klar könnte man sich auch einfach Milch aus der Milchstrasse „borgen“, aber wer weiß, was die anderen Planeten da alles heimlich hineinleiten, und man wolle auf keinen Fall riskieren, krank zu werden.

Jetzt tritt ihr Chef, Pepperl Nimmdas, in Aktion und hält folgende, historische Rede:

„Nimmer!

Noch nie hats das geb, dass die Nimms net das bekäm, wasse wolle. Mir sin der mächtigschte aller Planede und warum? Weil ma kei Angscht ham! Vor Nischt und Niemande!! Net eimal vor uns selbst. Es gibt Bwohner andra Planede, die uns vorwerfe, gemeine Diebe und Räuber zu sein, nur weil ma das in unsre friedliche Gemeinde ufnehme, was uns zusteht und druf wadde, ufgenomme zu werd. Mein die, uns macht das Freud, all diese sinnlosen Dings hier zu horten? Nei, aber es steht uns zu! Die grosse Muh persönlich hat mir im Halbschlaf gsagt:

„Ihr seid mir die Liebschten, ja geht’s denn noch?!“

Kann es eindeudiger sei!? Mir sind ihr die Liebschte!, MIR SIND IHR DIE LIEBSCHTE!! Das „geht’s denn noch„ können mir nach Rücksprach mit unsre Linguischten ignorieren, das bezog sich uf was anneres. Und nu schaun mir uns dieses armselgie Tier hier an, das sich weigatt, unsch das zu geb, wasch die grosse Muh uns quasi breits gschenkt had – ihr Milch! Aber so einfach kommt die mir net davon, SCHO NET! Denn ich hab sie durchschaut, bzw. die grosse Muh wars und hat es mir veradde (Anmerkung: verraten):

Die Kuh hat deschhalb kei Milch mehr, weil sie sie heimlich in ihr Fell tut, im Glaube, mir würde es nett merke. Das Fell isch deshalb weiß zwische die Schwatz, weil da die ganze Milch drin is! Deschhalb werd ich veranlasse, dass die Kuh sofott geschlachtet wird und man ihr das Fell auswringt - also bis uf die schwarze Flegge natürlich. Und morge treffe mir uns hier alle wieder und tringe ihr köschtliche Milch. Schlachter – walde deines Amtesch!“

Der nicht besonders kluge Schlachter hält inne und überlegt, woher der Chef seinen Namen Walter kennt, doch dann macht er, was ihm aufgetragen wurde. Er führt die Kuh hinaus aus dem Gebetshaus zum Schlachthof und stellt sie hinter einer Scheune ab, damit sie keiner sehen kann. Dann schnappt er sich einen Topf Schuhcreme und übermalt die schwarzen Flecken mit Braun, damit sie aussieht, wie eine typische Nimm-Kuh. Er muss sehr dick auftragen, weil das Schwarz immer wieder durchkommt, „fascht so, als wüdd es sich mit dem Braun vermische?“, bemerkt er noch seiner Frau gegenüber. Dann wartet er, bis es Nacht wird. Als es dunkel genug ist, weckt er die Kuh, die bereits in tiefen Schlaf gefallen war und führt das benommene Tier, bepackt mit zwei großen, leeren Eimern, in einem mehrstündigen Marsch bis an die Grenzen des Planeten.

Und dort wartet er... und wartet... und wartet... und wartet ...

Gerade ist er des Wartens leid, da spricht ihn einer an: „Psst... hallo... hey!“. Der Schlachter dreht sich um und schaut in das runde Gesicht eines Nimms, der auf einem Boot die Milchstrasse hinuntergekommen ist und jetzt bei ihm Halt macht. „Wieviel willscht du für die Kuh?“ „Dasch Mindeste plus den Modor von deim Boot“. Man verhandelt hin und her und her und hin, bis man sich schließlich einigt. Der Schlachter erhält nicht das Mindeste, aber dafür den Motor des Bootes. Das allerdings auch nur, weil er dem anderen Nimm glaubhaft machen konnte, dass es überhaupt kein Problem darstelle, die braunen Flecken mit weißer Schuhcreme zu übermalen, um die gefleckte Kuh den Manüsstern als weiße Kuh zu verkaufen. Nachdem der Nimm mit der Kuh davongefahren war, was ein wenig gedauert hat, weil er ja keinen Motor mehr hatte, beginnt der Schlachter die zwei mitgebrachten Eimer mit Milch aus der Milchstrasse zu füllen und sich auf den Heimweg zu machen.

Am nächsten Tag haben die Nimms zwar keine Melkkuh mehr, aber dafür jede Menge frische Milch – so glauben sie zumindest. Ihr Chef bedankt sich medienwirksam bei dem Schlachter und flüstert ihm ins Ohr: “Mei Bruder würd gern sei Modor wiederham!“

An einem sonnigen, heißen Tag