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Alles ist, wie es ist und es wird anders als gedacht! Oder vielleicht ist ja auch alles anders als gedacht, und es wird so, wie es sein soll ....
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Anfang schwer ist
Sprache und Geist
Gefühl und Leben
Wissenschaft und Glaube
Geld und Politik
Ende und Anfang
Was soll ich euch sagen, was ihr nicht eh schon wisst oder sogar besser wisst und wenn ihr es nicht wisst, dann wollt ihr es vielleicht auch gar nicht wissen?
Ihr seid jetzt in einem Alter, in dem ihr eure Eltern kaum noch etwas fragen wollt, eher sieht es so aus, als müssten eure Eltern euch immer öfter mal was fragen. Unsere Welt dreht sich immer schneller und den Älteren wird schon mal schwindlig dabei.
Das Alt-Sein war auch schon in früheren Zeiten kein reines Vergnügen. Gut, es gab für die Alten das Privileg, dass man wegen der nachlassenden Kräfte keine schwere Arbeit mehr leisten musste. Und weil die Alten den Jungen sehr viel Wissen und Lebens-Erfahrung voraus hatten, wurde es geachtet, wenn dieses Wissen, diese Weisheit an die Jungen weitergeben wurde.
Das ist heute alles anders. Wenn ihr Fragen habt, dann findet ihr im Netz schneller eine Antwort als es dauern würde eure Eltern oder eure Lehrer auch nur zu fragen, selbst wenn sie neben euch stehen. Und ihr findet dort im Netz umfassendere Antworten als sie je ein Mensch euch geben könnte.
Und so kommt es, dass ihr euch kaum noch vorstellen könnt, wozu das Alt-Sein gut sein soll und das mit dem Alt-Werden ist dann nun wirklich überhaupt nicht mehr euer Ding.
Gut, Computer werden auch alt, aber sie lassen sich updaten oder problemlos durch neue Modelle ersetzen, wenn die Alten nicht mehr update-fähig sind.
Computer lernen immer schneller und effektiver. Sie lernen den Menschen Fragen zu beantworten und lernen Fragen zu beant-worten, die die Menschen noch gar nicht gestellt haben. Weil die Computer schon vorher wissen, was die Menschen eigentlich wissen wollen.
Wir Menschen verlernen, wie man mit anderen Menschen gut redet, wir verlernen wie man gute Fragen stellt.
Computer werden immer schlauer und lernen aus den Fragen vieler Tausender, Millionen ja Milliarden von Menschen, von Menschen, die tag-täglich Computer nutzen und Fragen stellen oder auch nur irgend etwas mit ihnen machen, weil sie Lust dazu haben, die Menschen oder weil sie etwas mit ihnen machen müssen, weil ihr Chef das so will.
Vielleicht bin ich einfach nur altmodisch oder alt und sentimental, aber ich bin sicher, es gibt mehr als dieses Wissen des Netzes.
Das was ich euch dazu sagen kann, will ich euch in Ruhe sagen, dass will ich euch mit diesem kleinen Buch sagen.
Jeder Mensch der etwas sagt, der es ruhig und Bedacht sagt, will auch, dass die Menschen, die er anspricht, verstehen, was er sagt.
So will ich es euch sagen und hoffen, dass ihr mich versteht.
Ihr denkt jetzt vielleicht, warum redet er nicht einfach mit uns?
Ja, warum?
Zum Einen wird es immer komplizierter mit anderen Menschen zu reden. Warum fragt er mich das jetzt, was will er von mir, das müsste er doch eigentlich wissen …. Es ist für viele Menschen schon ein Zeichen von Schwäche geworden, andere Menschen zu fragen, anzusprechen, Antworten bei echten Menschen zu suchen und in ein möglicherweise langes und anstrengendes Gespräch verwickelt zu werden. Oder gar abgewiesen zu werden, oder zurechtgewiesen zu werden, oder gar angegriffen zu werden …. das ist nicht mehr unser Ding.
Ein anderer Grund besteht darin, dass in einem Gespräch, so von Mensch zu Mensch, meist ohne Absicht, viel zu viele andere, oft sehr diffuse Informationen transportiert werden. Informationen, die wenig mit dem zu tun haben, was man eigentlich sagen will oder wissen will. Stimmungen und Gefühle mischen sich in die Art wie wir sprechen, verändern den Tonfall, verändern unsere Körperhaltung, unseren Gesichtsausdruck, verändern die Stimmung unseres Gegenübers auf eine meist schwer vorhersehbare oder gar kontrollierbare Art und Weise, je nachdem in welcher Gemüts-Verfassung wir selbst sind und der Andere gerade ist. Und jede Interaktion in einem Gespräch mischt die Gefühls-Karten neu, in jedem Moment, in jeder Sekunde.
Also schreibe ich euch ein kleines Buch. Einen Text, den ihr lesen könnt, wann ihr wollt und wie ihr wollt und in welcher Stimmung ihr gerade seid. Aber am besten ist es natürlich, wenn ihr in einer guten Stimmung seid.
Klar, auch beim Schreiben weiß man nie, ob man für das, was man meint, eine geeignete Formulierung gefunden hat. Und ob der andere dann auch wirklich versteht, was man damit gemeint hat. Vor allem fehlt die Möglichkeit direkt nachzufragen, Mißverständnisse schnell zu klären, um dann bei Bedarf noch mal von vorne anzufangen, von vorne anzufangen mit dem Versuch, sich verständlich zu machen.
Der große Vorteil des einsamen Schreibens besteht in der Möglichkeit in Ruhe zu denken, nachzudenken und vorzudenken. Diese Ruhe fehlt, wenn der, mit dem man redet, einem direkt gegenüber sitzt und mehr oder weniger gut zuhört. Vor allem, wenn er dann auch noch mitreden will ….
Aber auch für den einsamen Leser ist es ein Vorteil, wenn er in Ruhe lesen und darüber nachdenken kann, was er gerade gelesen hat. Er kann sich beliebige Pausen und Auszeiten gönnen, ohne dass sein Gegenüber ihn komisch anguckt und zunehmend nerviger wird, weil es nicht schnell genug weiter geht.
Also schreibe ich euch ein kleines Buch …. und hoffe natürlich insgeheim, dass wir später dann viel darüber reden werden und das es noch eine Fortsetzung geben wird ….
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Mama und Papa, also eigentlich eher bei Mama. Das ist meistens so. Und das ist auch der Grund warum die meisten Kinder auf der Welt als erstes Wort das Wort Mama sagen. Oder eben das Wort, das in der Sprache der Mama Mama bedeutet.
Das war auch bei euch nicht anders.
Dann geht es munter weiter, ihr lernt es immer mehr Wörter zu sagen und natürlich auch alles mögliche damit zu verbinden und auch die Wörter miteinander zu verbinden und wieder was neues damit zu verbinden.
Das, was ihr mit den Wörtern verbindet und mit den Verbindungen der Wörter verbindet, ist nicht immer das, was Mama oder Papa oder sonst wer damit gemeint haben. Warum auch, ihr habt schließlich euren eigenen Kopf! Ihr hört zu (manchmal) wenn euer Gegenüber etwas sagt und plappert selbst etwas dazu und manchmal plappert ihr es auch einfach nur nach und guckt und merkt euch was passiert. Das geht so ein, zwei, vielleicht drei Jahre lang, an die ihr euch später nicht mehr so richtig gut erinnern könnt …. im Gegensatz zu euren Eltern, was auch gut so ist. Später zeigen euch die Erwachs-enen dann manchmal Bilder oder Videos aus dieser Zeit und erzählen euch Geschichten dazu. Manchmal verwechselt ihr dann die künstlich konservierten Erinnerungen mit euren eigenen lebendigen Erinnerungen.
Spätestens, wenn ihr euch an etwas erinnern wollt, was nicht in diesen Fotos oder Videos oder in den erzählten Ge-schichten vorkommt, merkt ihr, dass euch nichts einfällt.
Und das liegt daran, dass euer Geist, der die bewußten Erinnerungen erschafft, erst so ungefähr mit 2 oder 3 Jahren anfängt zu arbeiten!
Ihr wundert euch jetzt bestimmt, dass ich gerade das Wort „Geist“ benutzt habe …. doch doch, ich weiß, dass ihr euch wundert, Geist ist für euch eher so etwas wie ein Gespenst und ihr wollt mich jetzt fragen, was das jetzt hier soll, das altmodische Wort. Ob ich vielleicht denke, dass es bei euch im Oberstübchen spukt. Das ist eine gute Frage! Ich meine natürlich nicht die Frage, ob es bei euch im Ober-stübchen spukt, wie kommt ihr denn jetzt darauf;-) …. nein, ja, gute Fragen sind wichtig, sind oft wichtiger als gute Antworten. Ihr erkennt gute Fragen daran, dass die anderen Schwierigkeiten haben, euch eine gute Antwort zu geben.
Ok, ich versuch es mal mit einer Antwort und hoffe, dass sie gut ist:
Also euer ganz persönlicher Geist ist etwas, das in eurem ganz persönlichen Kopf begonnen hat sich zu entwickeln als ihr so etwa 2 bis 3 Jahre alt wart. Euer Geist ist das, was in eurem Kopf denkt und macht und tut und versucht alles in den Griff zu kriegen. Vielleicht gibt es in unseren Köpfen sogar mehrere Geister, wer weiß das schon so genau, ich weiß es jedenfalls nicht.
Ich sage euch sicher nichts neues, wenn ich sage, dass das mit dem in den Griff kriegen auch schon mal daneben geht …. unser Geist ist nun mal kein großer, allmächtiger Geist, nein unser und euer ganz persönlicher Geist ist ein kleiner Menschen-Geist und der hat eben manchmal auch so seine Aussetzer.
Das ist erst mal nicht so schlimm, euer Körper funktioniert ja auch ohne Geist. Die ersten Jahre eures Lebens musstet ihr ja auch ohne ihn auskommen. Danach aber geht kaum noch etwas ohne einen gut geölten Geist.
Wenn sich nämlich unser Geist erst mal nicht mehr richtig wohl fühlt in unserem Körper, weil nichts mehr fluppt und McMurphy die Regie übernommen hat und wenn dann dieser Zustand auch noch über Tage, Wochen oder gar Monate anhält, dann sucht und findet unser Geist manchmal Lösungen, die zwar für ihn selbst ok sind, aber unser sonstiges Leben und speziell auch unseren Körper in große Schwierigkeiten bringen.
Solche Lösungen sind zum Beispiel die Lösung, mit dem schritt-weisen Rückzug von der bösen Welt da draußen in eine eigene, selbst gebastelte Innen-Welt, mit Zutritts-Verbot für alle Kritiker. Gespielt als Variante mit totalen Krieg gegen die böse Welt da draußen, inszeniert als Helden-Saga oder als herz-zerreißendes, rühr-seliges Trauerspiel, aber egal wie, das Schauspiel endet dann allzu oft und meist ziemlich schnell in noch unangenehmeren Zuständen.
... oh, man, Papa, jetzt hältst du aber wieder mal Vorträge und was für welche ...
ja, ja, ich weiß ja, aber es doch wichtig und außerdem mach ich das doch auch gerne, ich meine das mit den Vorträgen, das wisst ihr doch …. also gut, weiter im Text, wie weit waren wir im Text? Ach so, ja, wir haben jetzt einen Geist, der auch hoffentlich gut funktioniert.
Nur was sollen wir überhaupt damit? Warum sollen wir uns darum bemühen, dass er gut funktioniert, warum sollen wir in benutzen, wenn wir noch nicht einmal wissen, wozu er gut sein soll? Manchmal geht er uns sogar ziemlich auf den Geist unser Geist …. sind nicht Tiere oder Menschen mit wenig Geist viel besser dran? Sie essen und trinken, laufen herum, haben Sex, faulenzen und machen sich keine schweren Gedanken, ob das alles gut so ist, sie freuen sich einfach des Lebens.
Und was bezahlen wir für einen hohen Preis für einen ausgefeilten und gut trainierten Geist.
Wir gehen in die Schule und quälen uns tag-täglich und das auch noch mehr oder weniger freiwillig nur um seine Leistung zu verbessern. Wir lesen komplizierte Texte, rechnen komplizierte Rechnungen, wir verbiegen uns unsere Hirnwindungen und sind am Ende nicht selten unglücklich, traurig oder gar entsetzt, weil unser ach so gut trainierter Geist die Welt und ihr Gewese und Gewusel noch immer nicht begreift und es noch weniger schafft, die Welt zu einem besseren Ort zu machen!
Dann wünschen wir uns manchmal, er wäre gar nicht da, unser Geist, wir würden gern auf ihn verzichten!
... Papa, dein Thema ...
ja, ja, aber eine Sache muss ich doch noch loswerden: Was für eine zweifelhafte Erscheinung unser kleiner Geist ist, sieht man schon daran, dass unsere Gesellschaft so viel im Angebot hat, um unseren Geist zu betäuben oder wenigstens abzulenken …. ewig sich fort-setzende, niveau-arme Fernsehserien und Talk-Shows mit immer wieder gleichen Leuten zu immer wieder gleichen Themen, Computer-Spiele, Yoga-Kurse, Extrem-Sport jeder Art, jede Menge geistvolle Getränke, deren Geist unseren persönlichen Geist ver-drängen soll, kunstvoll verfeinertes Essen …. aber es hilft alles nicht wirklich, irgendwann klappt das mit der Ablenkung nicht mehr. Und auch das viele Nachdenken hilft nicht weiter.
Gut, oder auch nicht, eine Lösung muss her und die kann nur so aussehen, das unser Körper wieder die Führung übernimmt.
Wenn ihr euch erinnern wollt, hat ja alles damit angefangen, dass unser kleiner Geist sich mit seinem Körper nicht mehr wohl gefühlt hat, weil irgendwas in der Beziehung nicht mehr gut gelaufen ist. Und wenn uns jetzt der Geist keine große Hilfe mehr ist, muss der Körper wieder ran. Und so ein Körper fühlt sich dann am wohlsten, wenn er das macht, was er am besten kann: Laufen, klettern, springen, klar, auch reden (geist-los reden!), pfeifen und singen, auch essen und trinken, das ganze Spektrum halt.
Eine weitere, sehr elegante Möglichkeit zur Lösung des Problems will ich euch auch nicht verschweigen, auch wenn euch diese Lösung erst dann zur Verfügung steht, wenn euer Hormonhaushalt vom Modus Kind auf den Modus Erwachsen umgeschaltet hat …. egal wie das im Einzelnen funktioniert, also wenn es soweit ist, wenn eure Hormonlage es erlaubt, dann könnt ihr euch verlieben!
... man Papa, du redest wieder und redest, das alles gehört ja nun überhaupt nicht hierher, dein Thema heißt „Sprache und Geist“ ...
Ja, ja, ihr habt ja Recht, aber ich bin gerade so richtig gut in Fahrt, im flow sozusagen, das muss ich jetzt wirklich noch loswerden 0:-)
... Papa ...
Also ihr könnt euch verlieben und das ist erst mal etwas wirklich schönes. In diesem Zustand ist das unangenehme Gezerre eures Geistes komplett verschwunden, ihr wacht morgens viel zu früh auf, seid frisch und übertrieben gut gelaunt, ihr schwebt in einem Ozean von Glück-Seligkeit, jeder Gedanke an euren Liebsten steigert das noch einmal und nichts auf dieser Welt kann euch ernsthaft etwas anhaben ….
Es ist einfach nur das Paradies auf Erden …. leider hält ein solcher Liebes-Rausch nicht ewig an, wie jeder andere Rausch auch. Ein paar Wochen, ein paar Monate, manchmal auch nur ein paar Tage, dann lässt die Wirkung nach, der unruhige, nervige Geist ergreift wieder Besitz von euch und ihr könnt froh sein, wenn es euch jetzt nicht schlechter geht wie vorher.
... Papa, jetzt ist aber gut, denk mal an dein Thema und denk auch mal an uns ...
ja, gut, also, wo waren wir gerade im Text? 10
Ach ja, ich wollte euch sagen, wozu euer Geist gut sein soll, und das ist sicher nötig, nach all dem Schlechten, was ich bis jetzt über ihn erzählt habe ….
... wozu ist er gut? ...
Gute Frage, sehr gute Frage! Also ich sage mal: ohne unseren Geist wären wir nicht da, wo wir sind, wahrscheinlich wären wir überhaupt nicht da. Dass alles mit uns so gekommen ist, wie es ist, das liegt an unserem Geist, an dem, was unser Geist zusammen mit unserer Sprache aus uns gemacht hat. Mit unserer Sprache erwerben wir Vorstellungen von Dingen und Vorgängen in unserer Welt, in unserer Außenwelt, aber auch in unserer Innenwelt und wir können uns dann mit sprach-verständigen Mitmenschen darüber austauschen und natürlich auch Pläne schmieden.
... das ist in einer Gruppe von Schimpansen auch nicht anders, außer dass die Mitmenschen dann Schimpansen sind ...
ja, zugegeben, ein bisschen mag es auch in den Köpfen einer Schim-pansen-Groß-Familie so zugehen, also was macht jetzt unser Geist zusammen mit unserer Sprache noch darüber hinaus, was macht er, was der Schimpansen-Geist nicht macht? Was ist das Allein-Stellungs-Merkmal? Nun, ich sage euch, er baut sich mit den Bausteinen der Sprache eine komplexe eigene Welt, eine innere Welt, er baut sich seine ganz eigene, ganz persönliche innere Welt.
... Papa, du hast gerade zugegeben, dass es das auch bei Schimpansen gibt. So eine innere Welt
