Silvia-Gold 116 - Bianca C. Valentin - E-Book

Silvia-Gold 116 E-Book

Bianca C. Valentin

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Beschreibung

"Ich möchte Sie wiedersehen!" Diese Worte des Fremden auf dem Parkplatz gehen Rebekka Holm nicht mehr aus dem Kopf. Sie regen sie auf, verwirren sie und machen sie neugierig. Rebekka will es sich nicht eingestehen - aber dieser Mann hat etwas in ihr zum Klingen gebracht, was sie so und in dieser intensiven Form noch nie kennengelernt hat.
Dabei ist sie doch verheiratet und glücklich in ihrer Ehe mit dem berühmten Dirigenten Julius Holm, auch wenn ihr Mann umso vieles älter und seit einem Sturz an den Rollstuhl gefesselt ist. Julius liebt sie abgöttisch, er braucht sie, und es wäre sein Tod, wenn er wüsste, dass sie bereit ist, ihn zu betrügen.
Rebekka ahnt nicht, wie nah ihre Sehnsüchte sie an die Grenze zu jenem Schattenreich bringen, aus dem es keine Wiederkehr gibt. Sie sieht immer nur diese dunkel verlangenden Männeraugen vor sich ...


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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Und wenn ich alles dabei verlier' …

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: LightField Studios / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0063-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Und wenn ich alles dabei verlier' …

Ihre Sehnsüchte bringen sie an den Abgrund

Von Bianca C. Valentin

Ich möchte Sie wiedersehen!“ Diese Worte eines Fremden auf Rastplatz gehen Rebekka Holm nicht mehr aus dem Kopf. Sie will es sich nicht eingestehen – aber dieser Mann hat etwas in ihr zum Klingen gebracht, was sie so und in dieser intensiven Form noch nie kennengelernt hat.

Dabei ist sie doch verheiratet und glücklich in ihrer Ehe mit dem berühmten Dirigenten Julius Holm, auch wenn ihr Mann umso vieles älter und seit einem Sturz an den Rollstuhl gefesselt ist. Julius liebt sie abgöttisch, er braucht sie, und es wäre sein Tod, wenn er wüsste, dass sie bereit ist, ihn zu betrügen.

Rebekka ahnt nicht, wie nah ihre Sehnsüchte sie an die Grenze zu jenem Schattenreich bringen, aus dem es keine Wiederkehr gibt. Sie sieht immer nur diese dunkel verlangenden Männeraugen vor sich …

Christian stand auf den grauen Steinstufen des Amtsgerichts und reichte Angela zum Abschied die Hand – der Frau, die noch bis vor sieben Minuten seine Frau gewesen war, zumindest auf dem Papier.

»Das war’s dann wohl«, sagte er und wunderte sich, dass es kein bisschen wehtat, Angela nach einem Jahr der Trennung wiedergesehen zu haben. Noch nicht einmal, dass er sie ab heute endgültig nie mehr wiedersehen würde! Als sie ihn verlassen hatte, war es schmerzhaft gewesen.

Sie war noch immer schön. Natürlich! Warum sollte sie nicht, nach nur diesem einen Trennungsjahr? Vielleicht war sie sogar noch schöner geworden, seit sie endlich die damals ersehnte Ruhe hatte, keine ehelichen Auseinandersetzungen mehr, keine Streitgespräche, keine emotionsgeladenen Zänkereien. Zeit genug für Angela, sich voll und ganz auf ihre Karriere zu konzentrieren.

Er verspürte nicht das Verlangen, sie so genau zu betrachten. Noch nicht einmal eben, vor dem Scheidungsrichter, hatte er das getan. Als er sie jetzt beim Abschied anschaute wie eine Fremde, überkam ihn leises Wundern, dass er für Angela, die er einmal geliebt hatte, gar nichts mehr empfand.

Wie geschäftsmäßig die Prozedur über die Bühne gegangen war! Anders als die rauschende Hochzeit vor drei Jahren, die sich dann schon bald als großer Irrtum erwiesen hatte.

Angelas Antwort unterbrach Christians dahineilende Gedankengänge.

»Leb wohl, Christian. Alles Gute dann. Ich hab’s eilig. Ein Termin. Du weißt ja, wie das bei mir ist.«

»Sicher. Auch dir alles Gute.« Christian drückte zum letzten Mal ihre kühle Hand, so kühl wie die ganze Angela selbst, die emanzipierte Geschäftsfrau, die Tag und Nacht an ihr berufliches Weiterkommen dachte und der dabei eine Ehe nur hinderlich war.

Er sah ihr nach, wie sie dem Taxistand zustrebte, in den ersten der freien Wagen stieg und auch schon fort war. Er war sich sicher, dass es in ihrem Leben keinen Platz für einen anderen Mann gab. Eheliche Untreue war auch nicht der Scheidungsgrund gewesen. Sie passten nur nicht zueinander. Leider hatten sie es beide zu spät gemerkt.

Christian wandte sich ab und legte den langen Fußweg zum Parkplatz zurück, wo sein Sportwagen stand.

Nach Hause, in das leere Haus, ausgeplündert von Angela vor einem Jahr, als sie ihn verließ? Sicher, wohin sonst. Ins Büro hätte er auch fahren können, obwohl er sich den heutigen Tag freigenommen hatte. Arbeit genug würde auf ihn warten.

Es war nicht das, wonach Christian heute der Sinn stand. Eigentlich stand ihm nach gar nichts der Sinn. Er fühlte sich innerlich leer und ausgebrannt, obwohl ihm im Herzen nichts wehtat. Nicht mehr. Das war überwunden.

Er drängelte sich mit dem Wagen konzentriert durch den späten Vormittagsverkehr der Großstadt und erreichte endlich die Ausfallstraße, die in den Vorort mit den schönen alten Villen und den großen Gärten führte. Hier hatten er und Angela sich vor der Hochzeit angekauft. Heute hatte er das Haus, Angela das Mobiliar.

Als Christian die Haustür aufschloss und rasch eintreten wollte, da es inzwischen heftig zu regnen begonnen hatte, kam ihm schwanzwedelnd Axel entgegen, Frau Wiesmanns kleiner, drahtiger Foxterrier. Christian wurde stürmisch begrüßt.

»Hallo, Axel. Du bist ja hier? Wie schön.«

Doch meinte Christian, der sich zu dem Hund hinunterbückte und ihn zur Begrüßung kraulte, eher die zu Axel gehörende Frau Wiesmann, seine ältere Wirtschafterin. Sie kam mehrere Male in der Woche und hielt sein leeres Haus und seine Kleidung in Ordnung, und sie bekochte ihn hingebungsvoll, weil sie sich hundertprozentig sicher war, dass der junge Herr Jansen mit seiner unvernünftigen Lebensweise so allein bald dem Hungertod nahe sein würde.

Dass Frau Wiesmann und Axel jetzt hier waren, war angenehm. Es lenkte ein wenig von der Einsamkeit des unpersönlichen Hauses ab. Christian ging in sein Arbeitszimmer, um seine Tasche dort abzulegen.

Frau Wiesmann hatte ihn kommen gehört. Sie erschien aus der Küche und ging gleich zur Sache über. Schließlich nahm sie Anteil an den Geschicken des jungen Herrn Jansen.

»Na, wie war’s? Ist alles gut gegangen?«

»Wie soll es gewesen sein?« Christian ging auf Frau Wiesmann zu und drängelte sie in die Küche zurück. »Gibt es bald Mittagessen? Ich hätte schon Hunger. Oder machen Sie uns erst einen Kaffee?«

Frau Wiesmann riss die Augen auf. Wenn er Hunger hatte, konnte der Prozess nicht so schlimm gewesen sein! Sie ging zum Kaffeeautomat und drückte auf den Knopf. Dabei musste sie unwillkürlich an Frau Jansen, die nunmehr Geschiedene, denken, was sie mit nicht sehr warmen Gefühlen tat. Angela Jansen hatte die Wirtschafterin oft herumkommandiert und unfreundlich behandelt. So etwas vergaß man nicht. Im Grunde konnte Herr Jansen froh sein, dass er jetzt alleine und in Frieden leben konnte.

Frau Wiesmann, die selten ein Blatt vor den Mund nahm, machte Christian gegenüber eine entsprechende Bemerkung, als sie den dampfenden Kaffeebecher vor ihn auf den Küchentisch stellte.

»Seien Sie zufrieden, Herr Jansen, dass nun alles hinter Ihnen liegt. Schauen Sie nur einfach vorwärts. Sie haben mit Ihren vierunddreißig Lenzen noch das ganze Leben vor sich.«

Sie meinte, ihm Trost zusprechen zu müssen.

»Es geht Ihnen finanziell hervorragend, Sie haben einen interessanten Beruf und eine gute Position in der Firma. Und nicht zuletzt«, sie strahlte Christian breit an, »sind Sie ein ausgesprochen gut aussehender Mann. Warten Sie nur ab! Bald läuft Ihnen die Richtige über den Weg. Und dann packen Sie mit beiden Händen zu und halten sie ganz fest.«

Christian grinste seine Wirtschafterin schief an und streichelte Axel.

»Na, Sie haben Sorgen, Frau Wiesmann! Gerade habe ich ein Kapitel meines Lebens abgeschlossen, da erwarten Sie von mir, dass ich mich in das nächste Elend stürze? O nein!« Er hob abwehrend die Hand. »Für mich ist das Thema Frauen abgehakt.«

»Na, na«, meinte Frau Wiesmann ungläubig.

Doch Christian war von seinen Worten fest überzeugt. Mit Frauen würde er in Zukunft nichts mehr im Sinn haben, schon gar nichts mehr mit einer neuen Liebe. Enttäuschungen kamen für ihn nicht mehr infrage. Die hatte er reichlich gehabt. Wenn schon, dann höchstens etwas ganz Lockeres, etwas Unverbindliches, das nicht wehtat, wenn es in die Brüche ging.

Frau Wiesmann enthielt sich weiterer Kommentare, trat an den schicken Induktionsherd und werkelte dort herum.

»Essen gibt es in einer halben Stunde«, informierte sie ihren Arbeitgeber, der sich so lange in sein Arbeitszimmer absetzte, um dort nur müßig am Fenster zu stehen und in den verregneten Garten zu starren.

Ach, sie wünschte ihm, dass er bald eine neue Frau fand. Solch ein netter junger Mann war er, der Herr Diplom-Physiker Jansen! Er hatte einer Frau doch etwas zu bieten. Und irgendwo würde eine sein, die auf ihn wartete. Davon war Frau Wiesmann überzeugt.

Nach dem Essen räumte sie die Küche auf, stellte die Spülmaschine an und rief ihren Axel.

»So, bis morgen, Herr Jansen. Ich lasse Sie jetzt allein. Oder haben Sie noch Wünsche?«

»Nein, gehen Sie nur. Schönen Tag noch.«

Christian hörte, wie sie die Haustür hinter sich ins Schloss zog.

Er entschloss sich zu einer Wanderung durch sein Haus, weil er nicht so recht wusste, was er mit sich anfangen sollte.

Trostlos sah das alles aus! So trostlos, wie sich nun sein weiteres Leben abspielen würde. Ein neuer Lebensabschnitt lag vor ihm. Christian seufzte in sich hinein. Er sollte dieses Haus neu gestalten! Bis heute hatte er keine Lust auf Anschaffungen verspürt, doch das musste er ändern, wenn er sich hier wohlfühlen wollte.

Trübsinnig stellte Christian fest, dass sein Dasein sich mehr oder weniger zwischen drei Frauen abspielte – einer älteren Sekretärin, der noch älteren Frau Wiesmann und seiner Mutter. Alle drei gluckten sie um ihn herum. Nun, Mutter nicht mehr. Zwischen sie und sich hatte er vor Jahren schon vorsichtshalber gute tausend Kilometer Entfernung gelegt, als er von München nach Norddeutschland gezogen war.

Christian lachte bei diesen Gedanken leise in sich hinein. Er war sich noch immer sicher, dass er gut daran getan hatte. Das bewiesen Mutters Besuche, die glücklicherweise ausgesprochen selten waren.

♥♥♥

Nachmittags regnete es noch immer, und Christian fand sein ödes Haus wenig anregend. Zum Arbeiten verspürte er nach wie vor keine Lust, also würde er einen Spaziergang durch den Regen unternehmen.

Christian ging in die Diele, zog seine Wetterjacke an und fischte sich einen großen, weitausladenden Schirm aus dem Ständer.

Als er die Haustür öffnete und die erste Regenböe ihn erwischte, fand er seine Idee gut. Ein kräftiges Ausschreiten bei diesem Wetter würde ihn entspannen.

An der Straßenkreuzung weiter unten blieb er kurz stehen, überlegte und entschied sich für eine noch stillere Seitenstraße, die er kaum kannte. Langsam begann es ihm Spaß zu machen, und er überlegte, sich einen Hund wie Axel anzuschaffen. Solch ein Kerlchen würde einen bei Wind und Wetter hinauszwingen, und man täte etwas für die Gesundheit.

Nach einer guten Stunde schlug Christian den Rückweg ein. Er fühlte sich prächtig durchgelüftet und sah im Geiste vor sich einen steifen Grog, den er sich im warmen Wohnzimmer genehmigen würde.

Christians Blicke peilten unter dem Schirm hervor, waren allerdings nicht geradeaus auf den Bürgersteig gerichtet, sondern auf die gepflegten Vorgärten, von deren Sträuchern und Büschen der Regen tropfte.

Da passierte es.

»Oh, hoppla! Ach, Verzeihung! Bitte, entschuldigen Sie. Ich war unvorsichtig.«

Er war mit seinem großen Schirm voll in eine durch den Regen eilende Gestalt gerasselt. Erschrocken blieb er stehen und hielt den Schirm zur Seite.

Seine Blicke trafen auf die einer jungen Frau, die wie er erschrocken stehen geblieben war, sich nun das Regenwasser vom Ärmel ihrer Jacke wischte und ihrerseits eine Entschuldigung murmelte.

»Aber bitte«, stotterte Christian und betrachtete die junge Frau voller Faszination. »Es war ganz meine Schuld. Ich bitte nochmals um Verzeihung. Kann ich helfen?«

»Nein, nein. Danke.«

Christian öffnete den Mund zu einer weiteren Bemerkung, doch die verpuffte wirkungslos im Regen. Die junge Frau war weitergeeilt. Mit hastigen Schritten lief sie davon.

Christian sah ihr mit großen Augen nach, sah sie nach wenigen Metern durch ein Gartentor verschwinden und auf eine der weißen Villen zulaufen. Sie verschwand wie der Blitz im Eingang. Die schwere weiße Haustür schloss sich hinter der Frau.

Christian stand auf dem Gehweg wie angewachsen. Er lauschte noch immer dem Klang ihrer wunderschönen tiefen Altstimme nach. Auch wenn sie nur drei kurze Worte ausgestoßen hatte, hatte es wie Musik geklungen.

Er dachte an den Ausdruck ihrer großen dunklen Augen. Sie hatten erschrocken und gehetzt ausgesehen. Und etwas wie Traurigkeit hatte in ihnen gestanden.

Das Intermezzo von nur wenigen Sekunden Dauer verfolgte Christian, als er langsam und sehr nachdenklich seinen Weg fortsetzte.

Er war betroffen von der Schönheit dieser jungen Frau, die doch nur wie ein Schatten an ihm vorbeigehuscht war. Aber sie hatte einen so nachhaltigen Eindruck in ihm hinterlassen, dass er tagelang immer wieder an diese flüchtige Begegnung im Regen denken musste. Er kam nicht davon los, obwohl er sich einen Narren schalt.

Immer wieder tauchte ein beinahe engelsgleiches Gesicht vor ihm auf, nahm ihn gefangen und beschäftigte seine Gedanken bei Tag und bei Nacht, während der Arbeit und in seinen Mußestunden. Es drängte sich ihm auf, wo er ging und stand.

Bis er es nicht mehr aushielt. Er erinnerte sich genau, in welchem Haus sie verschwunden war, nahm als Vorwand Frau Wiesmanns Axel zum Gassigehen und lief in die Villengegend. Er ging an der Villa vorbei; sein heimlich prüfender, hoffender Blick war auf das Haus und auf den Garten gerichtet.

Die Villa lag wie ausgestorben, nicht das geringste bisschen Leben zeigte sich. Christian lief die Straße hinunter, auf der anderen Seitenstraße zurück. Er hatte etwas Zeit verstreichen lassen und hoffte wieder.

Weder zeigte sich die Frau noch jemand anders.