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Familienverbundenheit hin oder her, auch in der Verwandtschaft müssen persönliche Grenzen respektiert werden. Und darum findet Neu-Single Sofia, dass es zu weit geht, als ihre Mutter sie auf einem Dating-Portal anmeldet!
Doch an einem einsamen Abend beschließt sie spontan, doch einmal die Webseite von "VerliebDich" zu öffnen. Zufall oder Schicksal? Direkt beim ersten Online-Date lernt sie Dr. Matthias Goldbeck kennen. Er ist wie Sofia gerade verlassen worden und das, wie sich herausstellt, von keiner Geringeren als von der neuen Flamme ihres Ex-Freundes!
Die beiden können es kaum glauben und hecken einen Racheplan aus. Doch was online scheinbar so perfekt funktioniert, scheitert im realen Leben ...
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Das Dating-Destaster
Vorschau
Impressum
Das Dating-Destaster
Darf sie es wagen, ihr Herz über den Verstand zu stellen?
Von Victoria Halverstett
Familienverbundenheit hin oder her, auch in der Verwandtschaft müssen persönliche Grenzen respektiert werden. Und darum findet Neu-Single Sofia, dass es eindeutig zu weit geht, als ihre Mutter sie auf einem Dating-Portal anmeldet!
Doch an einem einsamen Abend beschließt sie spontan, doch einmal die Webseite von »VerliebDich« zu öffnen. Zufall oder Schicksal? Direkt beim ersten Online-Date lernt sie Dr. Matthias Goldbeck kennen. Er ist wie Sofia vor Kurzem verlassen worden und das, wie sich herausstellt, von keiner Geringeren als von der neuen Flamme ihres Ex-Freundes!
Die beiden können es kaum glauben und hecken einen Racheplan aus. Doch was online scheinbar so perfekt funktioniert, scheitert im realen Leben ...
Sofia Lambert wendete das Omelett und gab noch eine Prise Salz hinzu. Dann wartete sie ein paar Minuten und schaltete den Herd aus. Vorsichtig ließ sie es aus der Pfanne auf einen Teller gleiten. Noch schnell den Tisch decken, Brötchen aufschneiden, Orangensaft eingießen, und das Frühstück war fertig.
»Guten Morgen!« Daniel Krämer, ihr Freund, stand mit halb geschlossenen Augen und zerzaustem Haar im Türrahmen. Schnuppernd hielt er seine Nase in die Luft. »Das riecht aber lecker! Du verwöhnst mich mal wieder, Süße.«
Sofia lächelte ihm zu und holte das Besteck und die Butter aus der Küche. Sie hatte nicht mehr viel Zeit. Nach dem Frühstück musste sie noch rasch in ihre Wohnung fahren und sich dort für den Spätdienst im Krankenhaus fertig machen. Sie war Ärztin auf einer internistischen Station.
Normalerweise hätte sie ihre Sachen am vorigen Abend zu Daniel mitgenommen, gestern war sie jedoch spontan bei ihm geblieben. Sie waren im Kino gewesen, und danach hatte sie sich viel zu müde gefühlt, um noch den Heimweg anzutreten.
Sie seufzte innerlich. Wie gerne würde sie mit Daniel in eine gemeinsame Wohnung ziehen! Zwei Jahre waren sie jetzt ein Paar, und mittlerweile war sie sich sicher, dass sie diesen Schritt wagen könnten.
»Leider muss ich schon bald los«, bedauerte sie und sah zu Daniel.
Über dieses Thema hatten sie oft genug gesprochen. Daniel verdiente seine Brötchen als Eventmanager und war oft im Außendienst. Nach seinen Geschäftsreisen brauchte er seine Privatsphäre, und das Zusammenziehen kam bei ihm erst einmal nicht infrage. Er versprach ihr aber ständig, dass sie es tun würden, und zwar sehr bald.
»Ja ... leider.« Daniel legte die Hände um ihre Schultern und sah ihr danach tief in die Augen. »Du arbeitest so viel, Schatz. Pass auf dich auf. Ich mache mir Sorgen um dich.«
Ob er das wirklich tat? Sofia senkte den Kopf. Der Gedanke daran, dass sie noch nach Hause fahren musste, bedrückte sie.
»Würden wir zusammen wohnen, könnte ich mir die ganzen Vorbereitungszeiten und Pendeleien nach Hause sparen – und du dir auch.«
Sie wollte nicht nervig sein und das Thema nicht schon wieder ansprechen. Aber allmählich fragte sie sich, ob ihre Mutter und ihre Großmutter nicht doch recht hatten: dass Daniel es nicht ernst mit ihr meinte. Obwohl sie eigentlich Vertrauen in ihre Beziehung hatte, gingen ihr diese Gedanken immer öfter durch den Kopf.
»Wir haben doch schon darüber gesprochen.« Daniel setzte sich. »Du kennst meine Meinung dazu. Ich bin noch nicht bereit für diesen Schritt. Gib mir bitte etwas Zeit, Liebling.« Sanft nahm er ihre Hand in seine und strich mit den Fingern über ihren Handrücken. »Wir ziehen zusammen. Versprochen. Du wirst von mir noch genug bekommen, wenn du mich jeden Tag in meiner alten Jogginghose sehen musst«, fügte er mit verschmitztem Lächeln hinzu.
Sofia seufzte. »Schon gut. Ich vermisse dich ganz einfach nur, wenn du nicht bei mir bist.«
»Ich weiß. Ich vermisse dich auch.« Daniel nahm sein Glas Orangensaft und prostete Sofia zu. »Danke fürs Frühstück.«
Damit beendete er das Gespräch und biss ins Brötchen.
Kam es ihr nur so vor, oder huschte ein Schatten über sein Gesicht?
Seit einigen Wochen hatte sich Daniel verändert. Wenn sie zusammen waren, wirkte er seltsam fahrig und schien an etwas anderes zu denken. Wenn sie ihn allerdings danach fragte, schob er es auf seinen Arbeitsstress.
Sofia glaubte ihm das auch. Schließlich hatte er es als Eventmanager für große Veranstaltungen nicht leicht gehabt in den letzten Monaten der Corona-Pandemie. Alle Messen und Kongresse waren abgesagt worden. Jetzt ging es glücklicherweise wieder richtig los. Zurzeit war er dabei, den jährlichen Ärzteball in Frankfurt zu organisieren, welcher im Oktober stattfand. Das kostete ihn eine Menge Kraft und zerrte an seinen Nerven. Öfter als sonst musste Daniel verreisen, um an allen wichtigen Meetings teilzunehmen.
»Gerne.« Sofia legte den Rest des Omeletts auf seinen Teller und warf einen flüchtigen Blick auf die Uhr. Der Zeiger ließ ihren Puls hochschnellen. In einer Stunde musste sie bereits im Krankenhaus sein. »Liebling, ich muss los.«
Sie stürzte ihren Saft hinunter, und Daniel beugte sich in ihre Richtung legte seine Hand auf ihren Unterarm.
»Lass alles stehen. Ich räume nachher das Geschirr in die Maschine. Danke noch mal, du bist einfach die Beste!«
Seine Worte wärmten ihr Herz und gaben ihr Kraft und das Gefühl, dass sie sich umsonst Sorgen machte. Vielleicht sollte sie sich einfach entspannen, sich fallen lassen. Was war schon so schlecht daran, getrennt zu wohnen? Schließlich hatte auch sie so ihre Privatsphäre und konnte sich jederzeit zurückziehen.
Sofia gab Daniel einen Kuss, schnappte sich ihre Tasche und schloss hinter sich die Tür seiner Altbauwohnung.
♥♥♥
Sofia knöpfte sich den weißen Arztkittel zu und stellte die Tasche in ihren Spint. Dann blickte sie noch einmal auf ihr Handy.
In fünfzehn Minuten würde die Dienstübergabe stattfinden. Obwohl sie nur selten Zeit für Pausen hatte, die ohnehin gerade so ausreichten, um ein belegtes Brötchen zu verdrücken, freute sie sich auf die Arbeit auf der Inneren Station. Die anspruchsvolle Behandlung der Patienten lenkte sie von ihrem privaten Wahnsinn und den aufkommenden Zweifeln ab.
Das Handy blinkte, und Sofia warf einen raschn Blick darauf. Ihre Mutter rief an.
»Hallo, Mama.«
»Hallo, Sofia. Ich wollte fragen, ob du nach deinem Dienst noch bei uns vorbeikommst. Ich würde für dich dann deine Lieblingssuppe kochen.«
Sofia lächelte. Sie war froh, ihre Mutter und ihre Oma zu haben, die immer für sie da waren und sie unterstützten. Schade nur, dass die beiden mit Daniel nicht warm wurden.
»Ja, Mama. Ich komme gern. Aber ist es nicht zu spät für euch? Vor zehn Uhr abends werde ich hier bestimmt nicht raus sein.«
Für eine Sekunde fühlte Sofia sich zurück in die Kindheit versetzt. In die Zeit, als sie von der Schule nach Hause gekommen war und die heiße Suppe mit Klößchen verdrückt hatte.
Nach dem Tod ihres Vaters hatte ihre Mutter nicht mehr geheiratet. Ihr Leben hatte sie seither Sofia gewidmet. Die Hilfe von Oma Maria hatte es ihr erlaubt, nebenbei arbeiten zu gehen. So versuchten die beiden Frauen seit dem tragischen Verlust von Rainer als eingespieltes Zweierteam, Sofia eine wunderbare Zukunft zu ermöglichen. So hatten sie auch gemeinsam alles Erdenkliche dafür getan, um Sofia den Traum vom Medizinstudium zu erfüllen.
Ihre Mutter hatte wirklich vieles opfern müssen, und vielleicht hatte sie deshalb eine gewisse Skepsis Sofias Partnern gegenüber. Tatsächlich hatten sie sich nach ihrer ersten Prüfung bislang alle als unwürdig entpuppt.
Bei Daniel hatte Sofia aber von Anfang an ein anderes Gefühl gehabt. Sofort war sie von seinen tiefbraunen Augen, seinem markanten Gesicht mit dem Dreitagebart und dem trainierten Körper verzaubert gewesen. Sie hatten sich kennengelernt, als er mit einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus gekommen war.
Sie lächelte bei der Erinnerung daran.
»Nein. Es ist nicht zu spät. Wir warten auf dich. Schließlich musst du was auf die Rippen bekommen. Bei deinem letzten Besuch habe ich gedacht, dass du schon wieder dünner geworden bist.«
Typisch Mama, dachte Sofia und verdrehte die Augen.
»Bis dann«, verabschiedete sie sich und sah wieder auf die Uhr.
Sie hatte keine Zeit, sich weitere Gedanken über Daniel und ihre Familie zu machen. Die Dienstübergabe würde nicht auf sie warten.
♥♥♥
Matthias sperrte die Tür seiner Neubauwohnung auf und ging, ohne die Schuhe auszuziehen, ins Wohnzimmer, wo er sich erschöpft aufs Ledersofa fallen ließ.
Müde blickte er sich um. Die Wohnung war voller Erinnerungen an Charlotte, seine langjährige Liebe. Ihre gemeinsamen Bilder hingen noch an der Wand. Charlottes Kamm lag noch auf der Kommode. Ihre weißen, flauschigen Hausschuhe standen im Regal.
Matthias lehnte den Kopf auf den Sofarücken und schloss die Augen.
Verdammt, er wollte nicht an sie denken. Versuchte, sie aus dem Herzen und Gedächtnis herauszubekommen. Vergeblich. Der Liebeskummer erfüllte jede Zelle seines Körpers, schwächte ihn und raubte ihm schon seit geraumer Zeit den Schlaf.
Erneut sah er sich um und legte die Hand an seine Brust. Sein Brustkorb fühlte sich an, als ob er platzen würde. Allmählich machten sich auch Kopfschmerzen bemerkbar, ein Zeichen der Übermüdung.
Wie hatte er sich bloß so irren können? Charlotte hatte ihn wohl nie geliebt und das, obwohl für ihn keine andere Frau existiert hatte. Er, der Idiot, hatte sich mit ihr sogar eine Familie ausgemalt, die gemeinsame Zukunft – den Weg, den er mit ihr hatte gehen wollen.
Matthias vergrub das Gesicht in seinen Händen, seine Schultern bebten. Dann stand er auf und begab sich zum Kühlschrank.
Er fühlte sich am Ende seiner Kräfte, völlig ausgelaugt. Als ob ihn seine Gedanken und Gefühle nicht schon genug quälten, hatte er auch noch einen schweren Tag gehabt. Der Dienst im Krankenhaus war alles andere als glatt verlaufen, und nur ein Glas Wein würde ihm nun noch helfen können, seinen Körper und Geist zu entspannen.
Unterwegs zum Weinregal fiel sein Blick auf den Esstisch, wo immer noch ein kleines schwarzes Schmuckkästchen mit einem Diamantenring stand.
»Morgen werde ich ihn zurückgeben«, murmelte Matthias und schenkte sich den Burgunder ein.
Sein Smartphone klingelte. Das musste Karlo sein – einer der besten Chirurgen in seinem Team und sein langjähriger Freund. Matthias warf einen Blick aufs Display und hob einen Mundwinkel. Er hatte recht.
»Hey«, meldete er sich und trank einen großen Schluck. »Was gibt's?«
»Bist du wieder am Saufen?«, ertönte Karlos lebhafte Stimme mit dem leichten mexikanischen Akzent, und Matthias fragte sich, wie sein Kumpel es schaffte, trotz des harten Krankenhausdienstes immer so lebensfroh zu bleiben. »Hör damit auf! Das bringt dir nichts. Alkohol konserviert nur, und gerade du solltest das wissen.«
»Was geht es dich an?« Normalerweise mochte Matthias die direkte Art seines Freundes, dessen ungeschönte, nüchterne Direktheit, die ihn so oft zum Lachen brachte. Jetzt jedoch hasste er sie. »Oder bist du neidisch, weil du außer deinem Grüntee nichts zu Hause hast?«
»Mal im Ernst ...« Karlo ignorierte Matthias' krampfhaften Versuch, witzig zu sein. »Vergiss doch diese ...« Er schwieg und suchte scheinbar nach einem diplomatischeren Wort, das Charlotte dennoch treffend bezeichnen würde. »... diese Dame. Du weißt, was ich über sie denke und schon immer gedacht habe. Sie hat dich nicht verdient, Kumpel.«
»Danke, Karlo, aber deine Worte helfen mir absolut nicht weiter.« Matthias leerte sein Glas und griff nach der Flasche, um es sofort nachzufüllen. »Ich liebe sie eben und muss erst mal über die Trennung hinwegkommen. Es ist so, wie es ist.«
»Wann zieht sie endlich aus?«, brummte Karlo unbeeindruckt.
»Keine Ahnung. Ich glaube, Ende des Monats. Es ging sehr schnell bei ihr.«
Matthias schluckte den schweren Kloß hinunter, als er an diesen endgültigen Schlussstrich dachte, den dieser Schritt unter ihr gemeinsames Leben ziehen würde.
»Gott sei Dank! Oder hast du Lust, sie noch länger in deiner Wohnung zu haben?«
»Das bringt nichts.« Matthias stellte das Glas auf dem Tisch ab. »Auch wenn ich sie aufhalten wollen würde ...«
»Pff, ich hätte sie längst eigenhändig rausgeschmissen!«, unterbrach ihn Karlo. »Spätestens, nachdem ich erfahren hätte, dass sie mich schon seit Monaten betrügt.« Er schnaubte. »Aber ich muss dir was sagen. Du solltest dich ablenken. Registriere dich doch auf einem Dating-Portal! Ist echt empfehlenswert ...«
»Aber ich will jetzt keine neue Beziehung!«, protestierte Matthias.
Karlo schnitt seinem Freund erneut das Wort ab: »Ich habe gesagt, du sollst dich nur ablenken und dir keine Braut suchen. Ich weiß, du willst nichts Neues. Aber ein wenig Flirten würde dir guttun. Glaub mir, irgendwann wirst du diese Frau vergessen.«
Matthias schob einen Stuhl zur Seite und setzte sich. Er rieb sich über die Stirn.
Vielleicht sollte er Karlos Rat wirklich befolgen. Er sollte sich ablenken, sich umsehen. Er hatte sich in den letzten drei Jahren viel zu sehr auf Charlotte konzentriert – und sich dabei völlig verausgabt. Er sollte wieder in seine alte Form kommen, wieder der attraktive sportliche Mann werden, der er einmal gewesen war.
»Aber wieso eine Dating-Seite?«, fragte Matthias unentschlossen. »Es reicht doch, einmal aus dem Haus zu gehen – in einen Club oder ein Café ... oder vielleicht ins Fitnessstudio. Ich bevorzuge die konservativ-klassische Methode, eine Frau kennenzulernen ...«
Ein schallendes Lachen ertönte am anderen Ende der Leitung.
»Das war früher, mein Lieber. Hand aufs Herz: Hast du als Oberarzt Zeit, dich nächtelang in Clubs herumzutreiben? Hättest du jetzt Lust, dich nach deiner Schicht schick zu machen und noch in eine Bar zu gehen?«
Matthias biss sich auf der Unterlippe. Nein, hatte er nicht.
»Morgen zeige ich dir ein paar Dating-Seiten im Internet«, fuhr Karlo fort. »Keine Sorge, die sind seriös, und das Publikum dort ist ordentlich, spielt in deiner Liga. Du wirst dich schon wohlfühlen.«
»Okay.« Matthias nickte, obwohl Karlo ihn nicht sehen konnte. »Du hast mich überredet. Morgen nach der Schicht?«
»Ich kann dir das in der Pause zeigen. Dann schaffst du es vielleicht endlich, auch eine Pause zu machen, anstatt ununterbrochen zu arbeiten.«
Ja, er machte sich wirklich kaputt und sollte etwas daran ändern. Matthias rieb sich über seinen Dreitagebart. Schließlich gab es außer seiner Arbeit auch eine andere Welt da draußen, die er mittlerweile vergessen hatte. Während Charlotte ihr Vergnügen hatte, zerstörte er sich selbst, und plötzlich sah Matthias das nicht mehr ein.
»Abgemacht«, verkündete er mit fester Stimme. »Ich bin gespannt.«
♥♥♥
Sofia bezahlte, verließ den Supermarkt und begab sich zu ihrem dunkelgrünen Mini Cooper. Warmer Herbstwind streichelte liebevoll ihre Wangen, und ein beseeltes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihre Gedanken verweilten bei Daniel.
